... gab es für meinen Geschmack gestern auf dem Weg zur Biathlon-Arena in Antholz - und wir waren doch schon viel zu spät dran, als dass ihr das so gemütlich hochschlendert, sachma! Am Ende war ich drei (in Worten: drei!) Minuten vor Start der Männerverfolgung an meinem Platz, neben einem sympathischen älteren deutschen Ehepaar (auch wenn sie sich am Ende ziemlich französisch verabschiedet haben ...). Boah, war das knapp!
Ich konnte ja erst um 7.30 Uhr frühstücken, um 7.30 Uhr stand ich auf der Matte, die Frühstücksdame stellte mir sogar ein Kännchen Wasser hin, nachdem ich auf die Frage nach Kaffee sagte, dass mir Wasser reichen würde - insgesamt waren die da robust-freundlich, das hat mir gut gefallen, und mein Zimmer war echt hübsch ...
Ich zahlte mit üppig Trinkgeld dafür, dass ich noch etwas zu essen bekam, weil die schon fast durch waren, musste noch das Auto freikratzen und machte mich dann auf. Bis Bruneck ging das überraschend gut, aber spätestens ab Percha war immer Stau - und die Polizei, die ständig mit Blaulicht von hinten kam, verbessere die Situation nicht wirklich.
Normalerweise hätte ich eine Dreiviertelstunde bis zum Abzweig nach Rasen gebracht, gestern brauchte ich fast zwei - und ich hatte unterschätzt, wie weit man dann noch fahren muss, um auf den eigentlichen Parkplatz zu kommen. Zu allem Überfluss musste ich dann - nachdem ich die ersten Spaziergänger umkurvt hatte - den ersten Shuttlebus fahren lassen, zu noch mehr Überfluss musste ich nach kurzer Fahrt noch in einen anderen Bus umsteigen; da erwischte ich auch nicht den ersten, und als ich oben ankam, waren es noch 15 Minuten bis zum Start.
Ich lief zügigen Schrittes die verbleibenden 600 Meter bergauf, umkurvte die vielen Spaziergänger, kam recht schnell (aber wieso bleiben so viele Leute mitten im Weg stehen?!) durch die - wieder einfach aktionistische - Sicherheitskontrolle, stand bei den weiteren Einlasskontrollen nochmal an und landete am Ende um 11.12 Uhr auf meinem Stehplatz, nachdem ich einfach die Treppe hochgegangen war, weil ich noch einen freien Platz neben dem - wie sich herausstellte - deutschen Ehepaar gefunden hatte.
Ich hätte zwar noch auf die Toilette gemusst, und etwas zu trinken wäre auch nicht verkehrt gewesen, aber zeitlich war das halt jetzt so eng, dass das hintanstehen musste ... (Da der Platz fast direkt in Höhe der Ziellinie optimal war, blieb ich dort halt stehen, auch während der längeren Pause. Nicht so ganz intelligent, aber dafür clever, höhö...)
Kaum war das Rennen losgegangen, war ich schon wieder überfordert: Da kamen nach wenigen Minuten die ersten Läufer aus der Runde ins Stadion, und ich musste mich erstmal orientieren, wo denn welche Schützen eingeblendet werden. Das erste Schießen guckte ich auf der Videowand, bis ich merkte, dass über den Schießscheiben auch die Namen eingeblendet werden.
Danach guckte ich direkt auf den Schießstand und jubelte jeweils laut, wenn ein Deutscher traf. Das passierte zwar durchaus, aber die Deutschen waren nicht so gut gestartet und kamen auch nicht wesentlich weiter vor.
Am Ende gewann - unter großem Jubel der entsprechenden Anhänger - ein Schwede, auch weil der Franzose, der lange geführt hatte, im vierten Schießen ein paar Fehler schoss und dann auch noch den zweiten Platz verlor ...
Die Stimmung war großartig, das muss ich sagen - aber noch großartiger war das Panorama auf die Alpen und das Wetter ... Wobei das Wetter so gut war, dass ich echt Sorge hatte, dass ich - trotz Einschmierens - einen deftigen Sonnenbrand davontrage (war am Ende alles erträglich ...).
Nach dem Rennen wurde die (lange!) Pause überbrückt, indem für die Olympischen Spiele 2010 und 2014 noch nachträgliche Siegerehrungen durchgeführt wurden, nachdem die Ergebnisse russischer Athleten jeweils wegen Dopings aberkannt worden waren.
Martin Fourcade wurde als Olympiasieger im Massenstart 2010 geehrt und die deutsche Staffel als Olympiasieger für die Staffel 2014 - die deutsche Hymne wurde gespielt und ordnungsgemäß mitgesungen, juchhe!
Auch in der anschließenden Pause blieb ich am Platz, setzte mich aber auf die Stufen der Stehplätze und hörte der englisch-italienischen Einpeitschung mit deutschen Einsprengseln zu ... Das ging alles relativ zügig vorbei (während ich mich mit dem Schal vor der Sonne schützte), und dann kam das Verfolgungsrennen der Frauen.
Hier wurde Franziska Preuß frenetisch angefeuert, und bis zum letzten Schießen sah das recht gut aus, aber dann vergab sie leider ihre durchaus noch bestehende Medaillenchance. Den Sieg trug eine Italienerin davon, und dementsprechend explodierte die Arena in Antholz.
Ich schaute mir die Siegerehrungen an (mit einer A-cappella-Aufführung von Fratelli d'Italia), versuchte dann erfolglos, noch Souvenirs oder etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen, entschied mich daher dafür, mich auf den Weg zum Auto zu machen, und stellte mich in die (immer noch lange) Schlange zu den Shuttles.
Das alles dauerte ewig, und als ich nach zwei Shuttles schließlich am Auto war - und wieder aus den Wanderschuhen in die Straßenschuhe wechselte (auch die lange Unterhose bereute ich nicht!) -, wurde es schon fast dunkel. Die Fahrt aus dem Antholzer Tal und die ersten Kilometer auf der Pustertaler Staatsstraße waren wieder katastrophal - und hier muss ich einfach die Grundsatzkritik an den Olympia-Empfehlungen rauslassen: Es ist ja gut und schön, wenn ihr mehr oder weniger neutral die möglichen Anreisewege aufzeichnet, aber sagt doch bitte, bitte an, wenn die Anreise mit dem Auto einfach Mist ist! Ich stand auf der Reise mehr im Stau als alles andere, ja, da hätte man - zumal ich die Straße ja kenne - auch selbst drauf kommen können, aber andererseits wissen die Organisatoren doch besser um die Verhältnisse als ich casual Olympiafan.
Das nächste Mal, wenn Olympia in Cortina/Antholz ist (ungefähr 2096, da bin ich 113 ...), werde ich jedenfalls in Brixen oder so übernachten und ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen (und da fände ich es in Antholz auch gut, wenn sie da gleich am Taleingang sperren würden und man mit Shuttles ins Tal müsste - denn so war das alles ein einziges Chaos).
Überraschenderweise war die Autobahnauffahrt unproblematisch, am Brenner machte ich auf italienischer Seite noch einmal Stopp und trank - endlich - eine Cola und ein Wasser und auch einen Espresso, bevor ich mich nach Österreich aufmachte.
An der Brenner-Mautstelle war die angestrebte Flex-Mautstelle (ich kann ja nach Anmeldung da ohne Anhalten durchfahren) gesperrt, sodass ich einmal quer über die Spuren fuhr und über die Lkw-Flex-Spur durch die Mautstelle vagabundierte. Ich war nicht ganz sicher, ob das alles geklappt hatte, sodass ich nach ein paar Kilometern an einer Raststätte anhielt und das kontrollierte - es hat geklappt, von daher alles gut ...
Über Innsbruck und den Arlberg (da klappte das alles) ging es in Richtung Schweiz, aber um Feldkirch herum fing es an mit dem Schneeregen. Es war, vor allem in der Schweiz, ganz interessant, zu sehen, wie ein paar Meter bergauf und bergab den Unterschied zwischen Schnee und Regen machten, an ein paar Stellen brach ich den Überholversuch ab, weil die Straße dann doch zu sehr mit Schnee bedeckt war, und alles in allem kam ich gut um 0.05 Uhr in Deutschland an. Hier waren die Straßen - selbst die Bundesstraßen - nicht geräumt, sodass pro Richtung nur eine Teilspur freigefahren war. Auch hier kam ich aber gut an, packte mein Zeug aus - und ging noch auf ein Bier in den Schnitzer ...
Ob es bei dem einen Bier - an Fasnacht - geblieben ist, kann die Leserin und der Leser gerne selbst einschätzen.
Wie ich die Fotos hochgeladen kriege, muss ich noch gucken, aber es ist doch der (Text-)Inhalt, der zählt, oder? Oder?! Vielleicht klappt das in ein paar Tagen zusammen mit einem Fazit ...
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