Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Donnerstag, 11. Juni 2020

Ein bisschen schleppend

... geht es mit den letzten Kilometern vor der 500er-Marke, was aber auch daran liegt, dass ich mich ein bisschen mehr ins Ziel schleppen muss - ich habe mir irgendwo mein Knie vertreten und muss jetzt leider ein bisschen langsamer machen, aber am Montag will ich - komme, was da wolle - die Tour in die Schweiz und nach Büsingen machen ...

Gestern hatte ich mir das Ziel gesetzt, von Grimmelshofen über Stühlingen und Eberfingen nach Eggingen zu wandern - ich brach aber schon auf ziemlich genau halber Strecke ab, zum einen wegen des Knies, zum anderen, weil wenige Sekunden nach dem Besteigen des Mamataxis der Regen anfing ... Alles richtig gemacht.

Schön war die Wanderung trotzdem, denn ich sah mal wieder ein spannendes Exemplar eines Grenzsteins (wer gähnt dahinten?) ...

Erst einmal aber lief ich aus Grimmelshofen heraus und einen kleinen Anstieg hoch, denn dort verläuft die deutsch-schweizerische Grenze, und diese wollte ich besuchen, natürlich ohne Grenzübertritt, die paar Tage bis Montag kann ich noch warten ...

Erst verlief ich mich und lief einen steilen Weg hoch, der aber auf deutscher Seite geblieben wäre, ehe ich - nach Rückkehr auf den Hauptweg - da rechts ab einen kleinen Pfad sah. Wer sagt's denn? Das war da richtig schnuckelig, so mit viel Wald und einer Grenzbrücke aus Holz, auf die ich mich auch drauftraute. An dieser Stelle ist der Grenzverlauf nicht so hundertprozentig richtig klar, denn eigentlich würde es sich ja anbieten, das Bächlein als Grenzgewässer zu verorten. So ist es wohl auch gedacht, aber es gibt parallel dazu Grenzsteine, und wo es Grenzsteine gibt, definieren die halt den Grenzverlauf. Nun sieht man von dem Brückchen aus keinen Grenzstein (die liegen mehrere zig Meter bachaufwärts und bachabwärts), aber aus allen Karten, die mir zur Verfügung standen, ließ sich ablesen, dass die Brücke tatsächlich auf der Grenze liegt (allenfalls gehört die Brücke komplett zu Deutschland, sodass ich mich auf alle Fälle bis zur Mitte der Brücke vorwagen durfte ...).

Nachdem ich hier also zwar eine Grenzbrücke, aber keinen Grenzstein gesehen hatte, lief ich zurück und spazierte - nachdem ich wieder am Fuße des kleinen Berges angekommen war - über die Wutach in Richtung Stühlingen ...

Ich kam in die Nähe der Stelle, ab welcher die Wutach (flussabwärts) die Grenze darstellt, und guck an, da steht sogar ein Grenzstein - es ist die Nr. 474. Das kam mir komisch vor. Wieso das denn jetzt schon wieder? Nun, in diesem Bereich ist die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz 1967 verändert worden und in die Mitte der Wutach gerückt worden. Der Grenzstein Nr. 474 müsste daher eigentlich gegenstandlos geworden sein, denn hier gehört bis zum Jahr 1967 ein Teils des Ufers rechts der Wutach zur Schweiz (deswegen steht auf dem Grenzstein von 1830 auch schön "GB" - Großherzogtum Baden - und "CS" - Canton Schaffhausen - drauf). Darauf deutet auch hin, dass der Grenzstein 474 in der Karte, die dem damaligen Vertrag anhängt, durchgestrichen wurde. Ich vermute aber, dass man den Grenzstein beibehalten hat, um die Stelle zu markieren, ab welcher die Wutach der Grenzfluss ist. (Interessanterweise ist das kleine Brückchen da mitten im Wald über die Grenze auf der Vertragskarte von 1967 noch gar nicht eingezeichnet ...)

Ich lief noch ein Stück weiter und sah mit Freude, dass der "Wiizemersteg", der Holzsteg über die - an dieser Stelle die Grenze bildende - Wutach, wieder offen ist, sodass ich mir jetzt zumindest die deutschen Wappen auf dem Steg mal anschauen konnte (wenn meine Mutter mich am 15. Juni aus Büsingen/Gailingen/Diessenhofen abholt, kommen wir ja am Wiizemersteg vorbei, dann erfülle ich mein Gelübde vom 20. April) ...

Weiter ging es in Richtung Stühlingen, wo ich nicht direkt am Zoll entlang lief, sondern die Unterführung nahm und die Bahnhofstraße entlanglief. Ich überquerte die Bahngleise, die Bundesstraße und hinter den dortigen Einkaufsmärkten wieder einmal die Wutach (die an der Stelle nicht mehr Grenzfluss ist, Mann, ist das kompliziert ...), ehe ich hier dem Campingplatz im Wald verschwand (diese Strecke war kürzer und hatte auch nicht weniger Höhenmeter).

Dort kraxelte ich über mehr oder weniger gute Wege, entschied mich dann aber (mein Knie tat zwar nicht richtig weh, aber ich spürte da ein ungutes Gefühl), das Mamataxi zu rufen und mich zwischen Stühlingen und Eberfingen abholen zu lassen ...

Das waren jetzt nur knapp neun Kilometer, aber trotzdem genug, dass ich heute mal Pause machte, obwohl wunderbares Wetter herrschte. So ein Mist, aber vielleicht geht es morgen besser, und dann gucken wir mal, wo man so hinmarschieren könnte - die Frau Mutter hat mir jedenfalls das Schmerzgel wärmstens empfohlen.

So langsam geht mein Urlaub dem Ende entgegen, am Montag und am Mittwoch habe ich noch frei, aber ich bleibe noch ein Weilchen im Schwarzwald und arbeite weiter von hier aus. Ich stehe jetzt bei knapp 488 Kilometer (487,85 km), die 500er-Marke möchte ich bis spätestens Montag schaffen, und dann sehen wir mal, ob/wie es weitergeht, gerade, wenn mir dann die Schweiz und Frankreich als Zielregionen endlich wieder zur Verfügung stehen. Jeden Monat ein neues Land, da müsste ich ja fast nach Österreich oder nach Liechtenstein wandern, und den geneigten Leser wird es nicht überraschen, dass ich mir da schonmal Routen überlegt habe ... Wir werden sehen ...

Blick auf die Grenzbrücke im Wald

Auf der Grenzbrücke am Seldengraben

Blick auf die wütende Ach, kurz Wutach

Grenzstein Nr. 474

Blick wutachabwärts vom Wiizemersteg

Blick wutachaufwärts vom Fußweg hinten beim Stühlinger Campingplatz

Montag, 8. Juni 2020

Die vorletzte Etappe

... auf dem Weg nach Frankreich habe ich gestern bewältigt, nachdem ich am Mittwoch im zweiten Versuch den Kesselberg inspiziert hatte ...

Am 13. Mai war ich ja am Kesselberg, zwischen Glashütte und Sommerau gelegen, in einen weniger schönen Regenschauer geraten, und auch am Mittwoch war das Wetter nicht so bombastisch gut ... Trotzdem passte ich eine Zeit ab, in der laut Google kein Regen fallen sollte ...

Meine Mutter fuhr mich zum Parkplatz kurz vor der Kreisgrenze in Richtung Schluchsee, und von dort lief ich zurück in Richtung Bonndorf. Die ersten Kilometer waren nicht so schön, weil die Pfade erst eng und von nach den Regengüssen der vergangenen Tage feuchte Pflanzen überwachsen waren (ich bekam aber glücklicherweise nicht so schnell nasse Füße) und danach - nach Überquerung der Straße - zwar breit und im Wald waren, aber ziemlich Matschpisten ... Es war aber alles machbar, auch wenn ich ab und zu ein paar Zentimeter im Matsch versank, denn an diesen Stellen hatte es nicht so ganz kürzlich geregnet, sodass der Schlamm ein bisschen fester war als befürchtet.

Ich war aber froh, als ich endlich auf den Schotterwegen ankam und verließ diese auch dann nicht, als mein Wanderplaner mir zum Verlassen der Schotterwege riet (einen Weg habe ich mal wieder gar nicht gefunden ...). Es blieb im Großen und Ganzen trocken, auch wenn der Himmel zwischen hellgrau und dunkelgrau chargierte, ich ab und zu einen Donner hörte und der Wind einmal auch ein bisschen leichten Regen herüberwehte - viel beeindruckender war diese Monsterlibelle, die mich anflog - das war ein Riesenviech, unglaublich!

Ich überquerte also den Kesselberg, lief an einem schönen Bach ein bisschen ins Tal (nicht ganz hinab ins Steinatal), lief dann wieder einen Anstieg hoch und kam hier in Gefilde, die ich schon einmal erwandert hatte. Ein wenig später ging es wieder steil abwärts, aber diesmal fand ich - anders als einst im Mai - den richtigen Abzweig und spazierte schließlich ganz entspannt in Richtung Bonndorfer Innenstadt. Diesmal dachte ich daran, das Kriegerdenkmal bei der Schlosskapelle zu begutachten (es erinnert an den deutsch-französischen Krieg) - das war eine schöne Wanderung, und ich hatte endlich mal wieder Wald gebraucht ...

Ich gönnte mir danach ein paar Tage Wanderruhe und fing an, mit dem spontanen Kurzbesuch bei einer Freundin in Stuttgart meinen Aktionsradius wieder ein wenig zu erweitern, aber gestern hatte ich mir - bei insgesamt durchwachsenem Wetter - wieder ein Zeitfenster ausgesucht, um die vorletzte Etappe meiner Wanderung nach Frankreich anzugehen ...

Meine Mutter brachte mich also an den Haldenhof im Kleinen Wiesental, und auch wenn das Höhenprofil mehr als 800 Höhenmeter Abstieg vorsah, hatte der Routenplaner (der Schlingel) erstmal 1,2 Kilometer Aufstieg an den Anfang der Tour gesetzt. Nun denn, ich kraxelte zuerst durch offenes Gelände (und das Wetter sah nicht so ganz toll aus ...), dann ein Stück an der Straße entlang und schließlich über einen Waldpfad, bei dem ich sehr froh war, dass ich festes Schuhwerk an meinen Füßen hatte - den steilen Abhang wollte ich nämlich ungern nach einem Ausrutscher hinunterpurzeln ... Der Wald war feucht und kühl, aber gestern gefiel mir das sehr gut - es roch nach Wald, es fühlte sich nicht klamm, sondern lebendig an, aber bevor ich hier zu poetisch werde, beendete ich die Schilderung meiner Empfindungen ...

Ich wandelte weiter auf der Grenze zwischen den Landkreisen Lörrach und Breisgau-Hochschwarzwald, bevor ich - wieder über einen Pfad auf einer Weide - endgültig in den Breisgau wanderte und am Kreuzweg den höchsten Punkt des gestrigen Tagen erreichte. Danach ging es abwärts, und zwar leider auch im übertragenen Sinn - erst erwischte ich den falschen Weg (der zudem noch matschig war) und musste, nachdem ich das bemerkt hatte, durchs Gebüsch, um auf den richtigen Pfad zu kommen, der Pfad war aber auch von Gras überwuchert, sodass ich schnell nasse Schuhe und nasse Hosenbeine hatte, und als ich dann unten in Sirnitz die Straße verließ, um auf einem weiteren mehr oder weniger erkennbaren Pfad zu laufen, war nur noch Gras, sodass meine Füße auch nass wurden. Na toll, es waren noch mehr als zehn Kilometer Strecke ...

Am Klemmbach entlang ging es - teilweise war auf meiner Karte gar kein Pfad mehr eingezeichnet, real war der Pfad aber definitiv vorhanden - auf steilem, rutschigem, teilweise etwas überschwemmtem Weg hinunter nach Schweighof, da war richtig schön da, mitten im Wald, und mir begegneten auch kaum Menschen ...

Kurz vor Schweighof wurde der Weg deutlich besser, und in Schweighof gab es dann Bürgersteige, bis ich auf den Köhlerweg etwas oberhalb der Straße abbog. Auch dieser Weg war sehr schön, ich muss noch einmal über die Straße und einen böseren Anstieg überwinden, aber dann landete ich - ich war ja inzwischen im Markgräflerland angekommen - mitten in den Weinbergen.

Ich ignorierte die Streckenführung meiner Kartenapp, ging im Weinberg den steilen Hang vom mittleren zum unteren Rebenweg hinunter und genoss da den herrlichen Blick auf den - gefühlt - riesigen Weinberg ... Das war richtig, richtig schön!

Ich folgte dem unteren Rebenweg, unterquerte dann die Landesstraße, ging an weiteren Reben vorbei, überquerte erneut - die Streckenführung ist verbesserungswürdig - die Landesstraße rennend (da kam dann doch mal ein Auto ...) und ließ den ersten - östlichen - Kreisverkehr in Müllheim hinter mir, denn meiner Mutter war der westliche Kreisverkehr als Extraktionspunkt angegeben worden.

Mutter und Ersatzoma holten mich ab, ich konnte Socken und Schuhe wechseln, es ging über die Autobahn und Freiburg zurück nach Bonndorf und dort schnurstracks in eine gastronomische Einrichtung, weshalb der Blogeintrag auch erst heute kommt (den Tag heute habe ich sehr entspannt verbummelt - ich habe ja noch eine Woche Urlaub -, auch weil ich gestern einmal ungeschickt aufgetreten war und mir mein Knie wieder ein bisschen wehtut - die Salbe wurde natürlich schon aufgetragen ...).

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Gestern auf der Fahrt zum Haldenhof haben meine Mutter und ich uns - erstmals seit Monaten - wieder getraut, über mögliche Urlaubspläne für die zwei Wochen Urlaub, die ich in der zweiten Septemberhälfte noch habe, zu sprechen. Meine Mutter will seit Jahrzehnten mal nach Süditalien, das habe ich immer abgeblockt, auch weil ich halt in Italien schon war und meinen guten Urlaub nicht für ein Land verwenden wollte, in dem ich schon öfter war ... Jedenfalls sind wir so verblieben, dass wir auf alle Fälle ziemlich spontan entscheiden, entweder ein paar Tage vorher Flüge zu buchen (auch in Anbetracht der Transportsituation) oder uns einfach ins Auto zu setzen und - zum Beispiel - nach Süditalien zu tuckern ... Also alles noch ziemlich im Unreinen, aber es war schön, mal wieder ein kleines bisschen Urlaub im Ausland planen zu können. (Die Freundin, die ich in Stuttgart besucht habe, ist mit Freund und Schwester im Juli in Kärnten und hat gefragt, ob ich mitkomme - das könnte also eine Alternative sein, falls ich meinen Urlaub verschieben kann.)

Aber erstmal gibt es noch ein paar Fotos vom Wanderurlaub im Schwarzwald:

Datenschutzgrundverordnung muss auch im Wald eingehalten werden ...

Waldweg mit dunklen Wolken

Waldweg mit besserem Wetter

Aufbruch beim Haldenhof

Im Wald

Wanderpfad im Schwarzwald

Naturpfad

Im Klemmbachtal

Blick auf Oberweiler

Weinreben im Markgräflerland I

Weinreben im Markgräflerland II

Montag, 1. Juni 2020

Breg und Brigach

... machen viel Krach - und der Krach-Strom fließt dann ins Nordmeer ...

Jaja, okay, Witzle g'risse, sorry, fangen wir nochmal neu an: "Brigach und Breg bringen die Donau zuweg", so heißt der Merkspruch natürlich, und die Donau fließt ins Schwarze Meer (für den Fall, dass diese Erläuterung wirklich notwendig sein sollte ...).

Gestern Abend war ich mal wieder am Überlegen, ob und wenn ja, von wo nach wo, ich eine Route starten sollte. Ich kam auf die Idee, dass man - bisher hatte ich ausschließlich das Einzugsgebiet des Rheins erkundet - ja auch mal in Richtung Donau schauen könnte.

Also entschloss ich mich, die Donauquelle in Donaueschingen (die allenfalls, mit viel gutem Willen, die Quelle des Donaubachs ist, der selbst wiederum in die Brigach fließt, die sich erst östlich von Donaueschingen mit der Breg zur Donau vereint) zum Startpunkt meiner heutigen Wanderung zu machen.

Öhm, ja, die Donauquelle selbst hatte ich - so unspektakulär ich sie in Erinnerung hatte - doch spektakulärer in Erinnerung, und es wurde nicht besser dadurch, dass der nördlich der Brigach gelegene Schlosspark ringsherum abgesperrt war. Mir blieb also nichts anderes übrig, als über die Straßenbrücke die Brigach zu überqueren und in den verbleibenden Teil des Schlossparks (der dann wiederum durchaus ansehnlich ist) zu spazieren, um meine Route zu beginnen.

Ich wanderte ein wenig an der Breg entlang, überquerte diese im Grenzgebiet von Donaueschingen und Hüfingen, wanderte weiter - nun rechtsbregisch -, ehe ich in der Nähe des Hüfinger Friedhofs vorbei an der Freiwilligen Feuerwehr abkürzte.

Ich lief am Logistikzentrum von Lidl vorbei und kam - endlich - in ein Waldstück, nur um den längeren, aber am Ende genauso steilen Weg zu wählen, um oberhalb von Hausen vor Wald wieder auf offenes Feld zu gelangen.

Ich machte, unter den aufmerksamen Augen von zwei Mädchen und einem Gaul, an einem ziemlich modernen Wegkreuz Rast, verlief mich fast nach Hausen vor Wald hinein, blieb aber dann doch eher an der Peripherie und hatten nach einem zweiten steilen Waldstück die Europäische Hauptwasserscheide (etwas weniger pompös "Rhein-Donau-Wasserscheide" genannt) erreicht.

Auch wenn hier - außer dem Jakobsweg - nix markiert war, so ist es doch ein hochinteressantes Gefühl, dass Regen, der hinter einem fällt (ich war in Richtung Wutach unterwegs) am Ende in der Donau und im Schwarzen Meer landet, während Regen, der vor einem fällt, in die Wutach und danach in den Rhein und danach in die Nordsee abfließt. Durchaus nicht uncool, um mal euphorisch zu werden ...

Ich lief weiter, ein Stück durch den Wald, bis ich vor Mundelfingen wieder auf offenes Gelände kam. Irgendwie fand ich die Wanderung durch die Baar heute nicht so ganz richtig begeisternd, zumal ich jetzt doch eher wunderbaren, kühlen Wald oder aber tolle Bergpanoramen oberhalb 1000 m (und entsprechend kühler) gewohnt war ...

Zu allem Überfluss stieg mir mein Aufzeichnungshandy zwischen Mundelfingen und dem Einstieg in die Wutachschlucht dann auch noch wegen Überhitzung aus - ja, es war ziemlich warm heute, aber dadurch, dass die pralle Sonne auf meinen Brustbeutel mit Handy schien (was ich bisher so nicht hatte, weil das Handy entweder im Wald-Schatten oder in kühleren Höhen war), konnte das halt passieren ...

Ich marschierte schließlich an den Mundelfinger Wasserfällen vorbei, ohne diese zu erkunden, stieg in die Wutachschlucht ab (auf steilen, aber trockenen Pfaden - hier möchte ich nicht in oder nach einem Regenguss herunterrutschen) und wurde schließlich vom Mamataxi an der Wutachmühle (an der die Hölle los war, kein großes Wunder am Pfingstmontag) abgeholt.

Die Dusche war notwendig (ich hatte in der Wärme heute zwar alle Wasserflaschen ausgetrunken, aber das war trotzdem zu wenig), und danach hatte ich mir ein Bier verdient.

Das war heute nicht total verkehrt, aber so eine richtig tolle Wanderung war's irgendwie heute auch nicht - zumindest aber habe ich die Brigach und die Breg und die große Wasserscheide gesehen, aber in den nächsten Tagen werde ich wieder mehr im rheinischen Bereich bleiben, denke ich ...

Bilder gibbet trotzdem:

"Donauquelle" in Donaueschingen

Die Brigach in Donaueschingen

Hier fließt der Donaubach in die Brigach

Donaueschinger Schloss

Die Breg

Endlich ein bisschen Wald

Die Baar

Mundelfinger Wortspielerei

Sonntag, 31. Mai 2020

Über das Engländerunglück

... von 1936 hatte ich vor einigen Jahren im britischen Guardian mal gelesen, und als ich gestern überlegte, dass ich heute - von wegen Ruhetag und so ... - mal den Schauinsland erwandern könnte, fiel mein Blick in der Wikipedia wieder auf dieses Ereignis. Danach war die Sache klar, und heute guckte ich mir das (große) und das Kleine Engländerdenkmal zur Erinnerung an dieses Unglück an - und natürlich den Schauinsland ...

Ich hatte meiner Mutter versprochen, dass sie ihren freien Sonntag behalten dürfe, und daher wurde es eine Selbstfahr-Taxi-Rundtour. Ich fuhr - wie so oft in den letzten Tagen - über den Feldbergpass, bog dann aber in Todtnau ab auf die Straße in Richtung Notschrei. Das wäre vor einigen Tagen mein Notfallausstieg gewesen, als ich vom Feldberg über den Stübenwasen bis zum Wiedener Eck bin, damals brauchte ich ihn nicht, jetzt ergab es sich als praktischer Ausgangspunkt. Ich wurde zwar durch Todtnau hindurch umgeleitet, weil die Landesstraße dort gesperrt ist, aber das war zu überleben ...

Ich parkte also hinter dem Notschreipass (und -obelisken) schon auf Oberrieder Gemarkung, also im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, stellte aber zunächst die Verbindung zu meinem Streckennetz her, indem ich zurück in den Landkreis Lörrach wanderte und die ersten Meter auf dem Notschreiweg hinter mich brachte. Sehr bald bog ich aber nach rechts auf den Siebelhügelweg ab, der mich schnellstens wieder in den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald führte.

Ich muss mir wirklich angewöhnen, die ersten Kilometer möglichst flache Einstiege zu wählen, damit meine (Waden-)Muskulatur sich warmlaufen kann - heute hatte ich wieder einen Berg-und-Tal-Weg gewählt, und meine Waden brüllten schon nach wenigen Metern ganz laut "aua!" Ich hörte ihnen aber nicht zu und lief weiter, bis ich die Schauinslandstraße erstmals überquerte. Weiter ging es in den Wald (hier gibt es im Winter sogar beleuchtete Loipen - Unkostenbeitrag 2 Euro) und dann am Hotel "Die Halde" entlang zum anscheinend allseits anerkannten Schauinslandpfad. Von allen Seiten (und von allen Parkplätzen) strömten die Menschen auf diesen Pfad; wenn man auf dem Schauinsland seine Ruhe haben will, ist der Pfingstsonntag eine schlechte Wahl für den Aufstieg ...

Unterwegs legte ich die erste Pause ein und genoss den Blick auf Hofsgrund, den Feldberg und den Belchen, ehe ich über einige steile Treppen - einschließlich "steiler Abkürzung zum Turm" - den Gipfel des Schauinsland erreichte. Hier waren - für den Wanderer, der den einsamen Wald gewöhnt ist - wahre Menschenmassen anzutreffen, aber den (noch tolleren) Blick auf Feldberg und Belchen wollen halt auch andere erleben. Einen tollen Blick auf Freiburg gibt es irgendwie nicht, weil prompt da, wo die Altstadt Freiburgs zu sehen sein müsste, ein kleines, vorgeschobenes Waldstück den Blick verdeckt ... Schade.

Ebenfalls schade war, dass der Schauinsland-Turm coronabedingt gesperrt war, aber so ist es nun einmal in diesen Zeiten ...

Ich verspeiste meinen Proviant und machte mich dann auf den Abstieg, auf dem ich noch ein letztes - besseres, aber keineswegs vollständiges - Panorama von Freiburg erhielt. Interessant sind die Skulpturen, die hier an der Südostroute den Abstieg begleiten.

Durch das Feld ging es zum (großen) Engländerdenkmal, und jetzt ist es Zeit, das Engländerunglück ganz kurz zusammenzufassen. Für einen ausführlichen Abriss verweise ich auf die oben verlinkten Wikipedia- und Guardian-Artikel:

Im April 1936 brachen 27 Schüler einer Schule in London und ihr Lehrer, die sich auf Ausflugsfahrt im Schwarzwald aufhielten, von Freiburg aus auf, um über den Schauinsland nach Todtnauberg zu wandern (das ist eine ordentliche Strecke von über 20 Kilometern, die ich mir im Sommer geradesoeben und auch erst inzwischen zutrauen würde). Das Problem war, dass ein Wintereinbruch angekündigt war, aber Monsieur Lehrer das mit der Aussage abtat, dass Engländer schlechtes Wetter gewohnt seien. Nun denn, es fing an zu schneien, der Lehrer hörte nicht auf die Warnungen der doofen Bauern unterwegs, verlief sich dafür aber mehrfach, die Kleidung der Schüler bestand wohl zum Teil aus kurzen Hosen und Sandalen, war also nicht so ganz richtig wintertauglich ... Irgendwann, die ersten Schüler waren schon kollabiert und mussten getragen werden, hörten die Schüler die Abendglocke der Kirche in Hofsgrund. Einige von ihnen retteten sich dorthin, erklärten in gebrochenem Deutsch die Situation, und die Hofsgrunder Einwohner starteten auf Skiern und mit Schlitten eine Rettungsaktion. Dank dieser kamen schlussendlich nur fünf der Schüler ums Leben.

Weder britische noch (nazi)deutsche Stellen waren daran interessant, einen Schuldigen zu suchen (man könnte da auf einen gewissen Lehrer kommen ...), vielmehr hatte insbesondere die deutsche Seite großes Interesse, die ganze Situation propagandistisch auszuschlachten, sodass eine Hitjerjugendtruppe Ehrenwache an den Särge der verunglückten Schüler hielt und man ein Engländerdenkmal errichtete, demzufolge die englischen Kinder für Frieden und Völkerverständigung gefallen seien ... (Die feierliche Einweihung mit britischem Botschafter und so fiel dann 1938 wegen des Münchner Abkommens ins Wasser, aber das ist eine weitere Geschichte.)

Der Vater eines der ums Leben gekommenen Schüler verzweifelte darüber, dass niemand an Aufklärung interessiert zu sein schien, forschte auf eigene Faust nach und ließ auch ein Steinkreuz errichten (das ist das "Kleine Engländerdenkmal"); ihm wurde aber verboten (deutsche Stellen und so), wenigstens auf diesem Kreuz den Lehrer des Versagens zu beschuldigen ...

Ich wanderte also vom Schauinslandgipfel zum Engländerdenkmal, einer Art steinernem Tor, auf dessen beiden Säulen in englischer und deutscher Sprache an die Schüler erinnert wird (auf dem Querbalken hat man das Hakenkreuz inzwischen entfernt). Heute spielten da Kinder in diesem Denkmal herum, und das finde ich - ehrlich gesagt - gar nicht so schlimm ...

Weiter ging es - ich spielte mit einem eher unfreundlichen Paar Katz und Maus, weil die offenbar die gleichen Ziele wie ich hatten - zum Eaton-Kreuz, dem Kleinen Engländerdenkmal. Unterwegs hatte ich hier noch einmal einen unglaublichen schönen Blick auf die grünen Wälder unterhalb des Feldbergs - so, so toll!

Das Eaton-Kreuz steht - mit Blick auf Hofsgrund und ebenfalls zweisprachig beschriftet - nahe bei der Stelle, an der Jack Eaton, der Sohn des verzweifelnden Vaters, tot aufgefunden wurde. Da liegen ein paar Steine obendrauf, was ich jetzt eher von jüdischen Gräbern kenne, aber was weiß ich schon?

Nun hatte ich gesehen, was ich sehen wollte - es kommt nicht oft vor, dass der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald im Guardian Erwähnung findet ... -, und machte mich an den Abstieg. Ich kam am Schniederlihof vorbei, einem alten Bauernhof, der heute als Museumsbauernhof verwendet wird, und ging dann noch kurz in die Hofsgrunder Kirche, weil da eine Gedanktafel hängt, mit der die Eltern der geretteten Schülern den Hofsgrunder Bürgern für ihre Rettungsaktion dankten.

Schließlich aber machte ich mich wieder an den Anstieg, den ich aber streckenmäßig verkürzte, indem ich ein Stück an der Straße entlangging. Ich kam noch an zwei Bauernhöfen vorbei und war dann - endlich, möchte man sagen - wieder im Wald ...

Ich überquerte noch einmal die Schauinslandstraße (und entschied mich dagegen, an dieser entlang zum Notschrei zu laufen, das wäre zwar kürzer und weniger steil gewesen, aber eben auch nicht ganz ungefährlich ...), musste ein Stück nach unten, nur um weniger Meter den letzten steilen Anstieg zu bewältigen (jetzt hatte ich mich aber warmgelaufen, sodass es nur anstrengend, aber nicht schmerzhaft war).

Am Notschrei trank ich erstmal noch ein bisschen Wasser, ehe ich nach Hause aufbrach.

Das war heute eine Wanderung mit dem Prädikat "historisch wertvoll" (und sorry für das kurze historische Proseminar), ich war auf dem Schauinsland (und weil dieser gerade so auf Freiburger Gemarkung liegt, also auch im Stadtkreis Freiburg im Breisgau, dem sechsten Kreis, den ich jetzt erwandert habe), ich bin also - in Etappen - aus meiner Heimatstadt in meine Geburtsstadt gelatscht, was ich vor zehn Wochen keinem geglaubt hätte ...

Der Mai ist jetzt um, meine App gibt mir über 265 Kilometer für diesen Monat aus, sodass ich insgesamt bei fast 438 Kilometern bin. Wenn man den Höhenmeterangaben glauben dürfte (was man nicht tun sollte), hätte ich mit 8984 Höhenmetern meinen persönlichen Mount Everest geschafft - ganz egal, das wird gefeiert!

Alle wollen sie Fotos sehen - dann sollen sie halt Fotos kriegen:

Notschrei-Obelisk

Da ist wohl ein Landwirt ein bissel genervt ...

Blick auf den Schauinsland

Schauinslandturm

Panorama vom Schauinsland

"Windbohrer"

Blick auf Freiburg

Engländerdenkmal

Blick auf den Feldberg

Eaton-Kreuz (Kleines Engländerdenkmal) und Blick auf Hofsgrund

Freitag, 29. Mai 2020

Genießerpfad für Masochisten

So kann man, glaube ich, den Belchensteig qualifizieren, denn auch wenn der Anstieg heute nicht so megabrutal war wie befürchtet, ziemlich brutal ist er schon (und wenn man Schmerzen mag, macht genau das bestimmt Spaß), aber, ja, die Ausblicke aufs Münstertal und später auf das Kleine Wiesental sind "schon au" fantastisch, das muss man dazusagen.

Nach einem leckeren Frühstück brachte das Mamataxi mich ans Wiedener Eck. Ich kann von Glück sagen, dass ich gestern noch die paar Meter zum Auto gedackelt war, denn nur dadurch habe ich die Verbindung zum heutigen Startpunkt an ebendiesem Wanderparkplatz herstellen können. Ich Dussel hatte daran gar nicht gedacht, aber meine Mutter und ich waren uns einig, dass das passte, und damit passt das auch (ich hatte das mit dem Vorteil des Machens der eigenen Regeln schon erläutert ...).

Das Wiedener Eck ist auch ein Etappenort des Westweges des Schwarzwaldvereins, und hier ging ich durch das Tor, das den Etappenstart symbolisiert. Anschließlich wanderte ich eine ordentliche, aber gut machbare Steigung hoch und genoss schon die ersten Blicke in Richtung Münstertal ... Ich hielt unterwegs immer mal wieder an, um zu verschnaufen und zu gucken, aber auch wenn ich von 1042 m bis auf 1200 m aufstieg, war das alles erst einmal Vorgeplänkel ...

Es ging weiter durch den Wald und dann einen längeren Geröllweg hinab (überab waren da heute ziemlich viele Geröllpfade dabei), bis ich oberhalb von Obermulten in den Belchensteig einstieg. Bei ebendiesem Einstieg sah ich das Hinweisschild "Genießerpfad", das ich bisher nur bei der Schluchseeumrundung gesehen hatte ... Nur war die Schluchseeumrundung auch kein Spaziergang, aber der Blick auf den See war schon an vielen Stellen toll - ich hoffte also, dass der Schmerz des Anstiegs durch tolle Ausblicke gemindert würde ...

Erstmal ging es aber einige Serpentinen am bewaldeten Hang des Rübgartenkopfes hoch, die dann ziemlich übergangslos zu Serpentinen am (weniger) bewaldeten Hang des Belchen wurden. Aufgrund der Tatsache, dass die Pfade ziemlich viel Geröll enthielten, konnte man gar nicht schnell gehen, und das machte den Aufstieg, wenn auch anstrengend, weniger brutal als die - von der reinen Steigung her - ähnlich heftigen ersten Kilometer vom Rinken zum Feldberg hoch. Man wird einfach nicht so von einer guten Straße verleitet, da schnell hochmarschieren zu wollen, sondern man muss einfach gemächlichen Schrittes da hochkraxeln, denn wenn man zu schnell ist, stolpert man alle paar Meter über eine Wurzel oder einen Stein.

Man will aber auch gar nicht so richtig schnell gehen, denn die Ausblicke aufs Münstertal sind - wenn man von Nordosten kommt - richtig, richtig toll ...

Vier Serpentinen sind es am eigentlichen Belchenaufstieg - es kamen mir heute viele Wanderer entgegen -, dann hat man es im Wesentlichen geschafft und hat am Beginn des Belchenrundweges einen schönen Blick auf den Feldberg. Nur noch ca. 40 Höhenmeter fehlen, um auf den Gipfel zu kommen, und wenn das Gipfelkreuz winkt, schafft man die, ganz egal, wie sehr man vorher geflucht hat ...

Joa, und dann kommt man da oben hin, hat 300 Höhenmeter reinen Anstieg in den Beinen - und ist einfach nur glücklich. Nicht nur, weil man es geschafft hat, sondern weil der Ausblick vom Belchen so unfassbar schön ist - das ist ein echtes Panorama (ich habe keine 360-Grad-Aufnahme gemacht, weil mir da so viele andere Touristen im Weg herumstanden) mit Blick auf die Rheinebene bis zu den Vogesen (heute gut zu erkennen) und die Alpen (heute passte das Wetter nicht so recht).

Das ist richtig, richtig toll da oben, und wenn eine Bank freigewesen wäre, hätte ich mich da (im kühlen Wind) hingesetzt und das Ganze mal im Sitzen genossen ...

So aber stolperte ich da noch ein bisschen auf dem Belchengipfel herum und machte mich dann an den Abstieg ... Den unterbrach ich aber nach wenigen Metern für den abermals tollen Blick auf das Münstertal. Es ging einen einigermaßen ebenen Weg nach links, und bei der Kehre nach einigen hundert Meter kannst du es nicht fassen - dieser Blick auf das unfassbar grüne Kleine Wiesental ist einer der schönsten Landschaftsblicke, die ich je hatte ... Unfassbar.

Der Pfad wurde jetzt steil und ging teilweise in engen und steilen Kehren abwärts, bis dann unterhalb des Hohlkelchs der Weg breiter wird und mehr den Waldwegen ähnelt, die ich so in der Umgebung von Bonndorf kenne. Nach der Umgehung des Stuhlkopfs begegneten mir zum letzten Mal die schon auf dem Belchen gesichteten Grenzsteine von 1790, denn hier verlief damals die Grenze zwischen der Markgrafschaft Baden und den vorderösterreichischen Gebieten. Diese alten Grenzsteine sind zum Teil noch ziemlich gut in Schuss, und auch wenn ich noch lieber "echte", noch gültige, internationale Grenzsteine erkunde, waren diese Grenzsteine auch sehr interessant.

Der Weg war nur gut (nur wurde es nochmal sehr windig), ich kam an einer schönen Kapelle vorbei, lief das letzte Stück an der Straße entlang (es hätte einen Wanderweg gegeben, aber der war unnötig steil) und fiel - heute war ich wieder erschöpft - meiner Mutter am Haldenhof in die Arme. Ohne unnötige Verzögerung ging es heim und unter die Dusche ...

Das war ein Tag mit vielen Höhenmetern (632, sagt das nicht immer zuverlässige Handy, aber heute könnte es ungefähr passen), mit unglaublichen Ausblicken, mit der Besteigung des nach meinem Verständnis dritthöchsten Berges des Schwarzwaldes (ich sage nur "Schartenhöhe" ..., achso, das Wiedener Eck liegt nämlich genau auf der Höhe, bis zu der man mindestens absteigen muss, um vom Belchen zum Feldberg zu kommen - das Wiedener Eck bestimmt also die Schartenhöhe des Belchen) - das war schön, aber morgen und übermorgen lege ich erstmal Ruhetage ein ...

Kurz hinter dem Wiedener Eck

Vom Wiedener Eck zum Belchen

Belchen-Gipfelkreuz

Genießerpfad, soso ...

Blick aufs Münstertal und die Rheinebene

Blick auf das Kleine Wiesental

Grenzstein von 1790

Kurz vor dem Haldenhof

Donnerstag, 28. Mai 2020

Einen Fluchschrei vom Notschrei

... hätte ich heute fast abgelassen, aber das Unglück war schon weit davor passiert.

Ich war früh wach (Vorfreude?), und das war auch gut so, denn die Wettervorhersage war ab der Mittagszeit nicht ganz so prickelnd (tatsächlich wurde es gegen 14 Uhr dann ein bisschen windiger, aber das Wetter hielt). Also fuhren wir gegen halb neun los und waren kurz nach 9.15 Uhr an der Talstation der Gondelbahn auf den Seebuck (den Nebengipfel des Feldbergs).

Der Plan für den heutigen Tag war der Aufstieg bis zum - wie sich herausstellte - Herzogenhornblick ein Stückchen unterhalb des Feldbergs (das war der Verbindungspunkt zu meinen bisherigen Touren), von dort weiter zum Stübenwasen, hinunter zum Notschrei (das ist eine Passstraße) und, wenn ich dann noch körperlich und moralisch dazu in der Lage wäre, hinauf in Richtung Trubelsmattkopf, zwischen diesem und dem Hörnle vorbei und schließlich zum Etappenziel am Wiedener Eck.

Etappenziel? Was soll das denn heißen? Nun, ich habe es mir - größenwahnsinnig wie ich in den letzten Wochen geworden bin - zum Ziel gesetzt, in Etappen die französische Grenze zu erreichen. Und nachdem ich das mit der Rückwärts-Etappe aus Seebrugg nach Bonndorf (die Richtung der Route ist für mich nicht wichtig, auch wenn das ein bisschen gemogelt ist; 27. April), der vorhergehenden Schluchsee-Umrundung (22. April), der Strecke von Aha über Bärental zum Titisee (3. Mai) und vorgestern mit der (wieder Rückwärts-)Etappe Rinken-Feldberg-Bärental eingefädelt hatte (wobei das Letztere wirklich gemogelt ist, weil ich da mich schön auf 1200 Meter habe absetzen lassen und auf 975 Meter abgestiegen bin, aber wenn man die Regeln selbst festlegt, können einem solche Feinheiten wurscht sein), wollte ich heute die erste (von vier geplanten) Etappen wandern.

Meine Ma schmiss mich also am Parkhaus (!) bei der Gondelbahn raus, und ich war kurz versucht, die Gondelbahn hoch auf den Seebuck zu nehmen. Da ich auch auf dieser Route mein bisheriges Streckennetz gekreuzt hätte, wäre diese Monstermogelei noch im Rahmen der Geschäftsordnung gewesen, aber meine Hoffnung, dass ich das schon selbst schaffe, erwies sich als richtig.

Ich kraxelte also den ersten, sehr steilen Kilometer (Wieso müssen die steilen Strecken immer ganz am Anfang sein, man kann sich doch erstmal einlaufen ...! Wie, ich plane die Strecke? Ruhe dahinten!) hinauf und wurde dann aus zweierlei Gründen glücklich: Erstens wurde die Strecke ganz spürbar flacher (leichte Anstiege sind ja kein Drama) und zweitens hatte ich einen tollen Blick auf das Herzogenhorn.

Das Herzogenhorn, das ich auch noch erobern will (aber nicht heute und nicht morgen), steht in der Liste der Berge des Schwarzwaldes auf Platz ... Joa, und hier fängt der Schlamassel (und mein kleines Proseminar in theoretischer Geografie) an: Der Feldberg hat seinen Gipfel auf 1493 Metern und daneben noch zwei lokale Maxima (ja, das ist ein mathematischer Begriff, aber das macht nichts), nämlich den Baldenweger Buck (1460 Meter) und den Seebuck (1449 Meter). Die Frage ist jetzt, ob diese beiden lokalen Maxima auch als "Gipfel" zählen. Wenn ja, lässt sich die Frage stellen, ob etwa ein kleiner Erdhügel (den gibt es so wahrscheinlich nicht, aber für die Illustration ist der hilfreich) auf 1485 Metern Höhe dreißíg Meter neben dem Feldberggipfel nicht auch als ein weiterer Gipfel zählen müsste.

Dies führt auf den Begriff der Schartenhöhe - die Schartenhöhe ist die Angabe, um wieviele Meter ich absteigen muss, um von einem (vermeintlichen) Gipfel zu einem Punkt gleicher Höhe zu kommen. Der Baldenweger Buck beispielsweise hat eine Schartenhöhe von nur 7 Metern (abgerundet) - das heißt, vom Baldenweger Buck (1460 m) muss ich nur sieben Meter - also auf 1453 m Höhe - absteigen, um von diesem Grat zu einem anderen Punkt auf 1460 m Höhe auf dem Weg zum Feldberggipfel zu kommen.

Diese Schartenhöhe wird häufig genutzt, um eigenständige Berge von Nebengipfeln auf diesem Berg zu unterscheiden, gerade wenn es darum geht, eine Reihenfolge von Bergen zu definieren. In den Alpen verwendet man eine Schartenhöhe von 150 Metern als Kriterium für einen eigenständigen Berg, in den Mittelgebirgen scheint das ein bisschen umstrittener zu sein.

Sei es, wie es sei, der Baldenweger Buck hat eine Schartenhöhe von 7 Metern, der Seebuck von 29 Metern (obwohl der Seebuck weniger hoch ist, aber man muss weiter absteigen, um einen höheren Berg zu kommen), da sagt die Wikipedia, dass man jedenfalls argumentieren kann, dass diese beiden Erhebungen Nebengipfel des Feldbergs sind ...

Wo war ich? Ah, ja, das Herzogenhorn ist, wenn man dieser Linie folgt, der zweithöchste Berg des Schwarzwaldes, der Belchen der dritthöchste und der Stübenwasen der vierhöchste.

Vom Herzogenhornblick auf dem Feldberg führt ein ziemlich ebener Wanderweg in Richtung Stübenwasen, und unterwegs hat man fantastische Ausblicke - noch fantastischere als vorgestern - auf das Wiesental.

Ich war gerade in den (ziemlich ungleichmäßigen) Anstieg zum Stübenwasen eingestiegen, als ich etwas trinken wollte. Ich nahm also meinen Rucksack vom Rücken, und es machte "ratsch". Na super, ich hatte mir die gesamte Seite des Rucksacks aufgerissen, weil ich mit meinen rohen Kräften ... ein Materialfehler vorlag ... Was tun, angesichts der Tatsache, dass ich gerade einmal vier Kilometer absolviert und also noch fast 14 Kilometer vor mir hatte? Nun, ich macgyverte (das ist ein offizielles Wort, jedenfalls im Englischen) mir die Seile, die ich als Tragegurte des Rucksacks verwendete, so hin, dass - zusammen mit der Regenjacke, die ich dabeihatte - wenigstens nicht alle paar Meter alles aus dem Ding rausfiel und ich das Objekt des Teufels trotzdem zumindest über eine Schulter tragen konnte ...

Wenige hundert Meter weiter gab es allerdings etwas zu feiern, denn ich hatte die 4,74-km-Marke erreicht. Normalerweise ist die unspektakulär, aber heute war sie gleichbedeutend mit der 400-km-Marke in den vergangenen acht Wochen. Juhu!

Am Stübenwasen hätte ich, um zum offiziellen Gipfel zu kommen, irgendwo ins Gras latschen müssen - da es keinen offiziellen Wanderweg dorthin gab, unterließ ich diese Aktion, zumal mir wenige Meter zuvor - ausgerechnet am Aussichtspunkt auf den Feldberg - dann doch die Trinkflaschen aus dem macgyverten Rucksack purzelten und ich erstmal hinterherjagen musste, um die alle einzufangen ...

Hinter dem Passweg machte ich aber - das erste Drittel des Weges war geschafft - die erste Pause und verzehrte mit Blick auf den Belchen (der kommt morgen dran, wenn ich es schaffe) das erste Salamibrötchen - ein traumhafter Ausblick ...

Nun ging es erstmal ein gutes Stück abwärts, und es wurde deutlich waldiger. Ich kam an der Gaststätte Stubenwasen vorbei, die aber - natürlich - heute Ruhetag hatte. Also lief ich weiter, wurde von einem Mountain-Biker, der knapp an mir vorbeijagte, fast über den Haufen gefahren, bog dann aber auf einen richtigen Waldweg ein, auf dem mir kaum mehr jemand begegnete (überhaupt waren heute auf meiner Strecke nicht sehr viele Menschen unterwegs).

Etwa einen, vielleicht zwei Kilometer vor dem Notschreipass lief ich auf einmal auf ein ziemlich großes Gebäude zu und stellte beim Blick in die Karte fest, dass es sich um ein Biathlon-Stadion handelt, von dem ich - wen überrascht das noch - noch nie gehört hatte. Hier muss im Winter der Bär steppen, denn die, öhm, sehr großzügig angelegten Parkplätze bieten Platz für etliche hundert Autos - heute stand dort ein (in Worten: ein) Auto einsam und verlassen in der Gegend herum.

Am Notschrei gibt es einige gastronomische Einrichtungen, die Hütte fand ich nicht, das Café war zu und das Waldhotel sah auch nicht so richtig einladend aus, sodass ich - von der ohnehin sehr zögerlich geprüften - Möglichkeit, nach knapp zwei Drittel des Weges ein Bierchen zu trinken, Abstand nahm.

Die nächsten Meter führten, leicht ansteigend, durch ein Moor, bei dem man noch sehr gut die Abbruchkanten des 1947 eingestellten Torfabbaus sieht - hochinteressant! Als es wieder in den Wald ging, fing das letzte richtig steile Stück an, aber jetzt war ich eingelaufen, sodass ich auf den Waldwegen langsam, aber gleichmäßig ging und nach dem guten Kilometer fast überrascht war, dass ich schon am Rundweg um den Trubelsmattkopf angekommen war.

Ich folgte diesem sehr schönen und ziemlich ebenen Rundweg um den Gipfel herum (ich hätte auf einem guten Weg auch zum Gipfel kommen können, aber nach 12 Kilometern musste das nicht mehr sein), wusch mir an zwei Brunnen, die da einsam im Wald standen und von jeweils einem Bächlein gespeist wurden, die Hände und machte drei Kilometer vor dem Ziel noch eine kurze Pause in einer Schutzhütte. Ich Dusselkopp drückte in meiner GPS-App auf "fertig" anstatt auf "Pause", sodass ich jetzt mal wieder zwei Touren aus dieser Wanderung machen musste, aber das werde ich überleben.

Nach dem Verzehr des letzten Brötchens lief ich über einen Pfad zwischen Feldern hindurch und schlussendlich noch ein kleines Stück durch den Wald, zielgerichtet demWestweg des Schwarzwaldvereins folgend, ehe ich schließlich am Wiedener Eck ankam.


Dort wurde (Ganter-)Bier (von denen hatte ich schon lange keines mehr getrunken ...) verzehrt, während ich auf meine Mutter wartete, die noch auf ein alkoholfreies Pils (die Arme musste mich ja nach Hause kutschieren) zu mir stieß.

Das war eine richtig schöne Wanderung heute mit unglaublich schönen Ausblicken und unter etwas erschwerten Bedingungen (morgen gehe ich mit einem richtigen Rucksack aus dem Haus). Apropos morgen: Morgen soll es vom Wiedener Eck (mit richtig brutaler Steigung ...) über den Belchen zum Haldenhof gehen - das sind nur 12 Kilometer, aber fast 500 Höhenmeter, das ist bei meiner Konstitution schon fast Obergrenze.

Die dritte Etappe in einigen Tagen soll dann vom Haldenhof durch das Klemmbachtal bis nach Niederweiler (Ortsteil von Müllheim) führen, während die vierte Etappe - nach der Grenzöffnung zu Frankreich - von Niederweiler nach Chalampé im Elsass gehen soll. Mal sehen, ob mein Mamataxi da mitspielt und ob ich das durchhalte ...

Fotos:

Infrastruktur am Feldberg

Blick aufs Wiesental

Putt!

Blick vom Stübenwasen (rechts der Mitte der Feldberg, ganz rechts der Seebuck)

Blick vom Stübenwasen auf den Belchen (rechts der Mitte)

Moor (mit Abbruchkante aus der Torfstecherei)

Bachbrunnen mitten im Wald

Kurz vor dem Wiedener Eck

Am Wiedener Eck