Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 16. November 2019

Völlig bekloppt

... sind sie am Frankfurter Flughafen, völlig bekloppt, alle miteinander, vor allem aber die Planer der Security-Schlangen und ein paar Passagiere.

Es scheint, der Freitagabend kommt für die Planer am Flughafen immer völlig überraschend, denn an der Hauptkontrolle am Terminal B war eine Riesenschlange (angeblich eineinhalb Stunden Wartezeit). Ich wich auf das Terminal C aus, reiste dort problemlos aus, stand dann aber am Terminal B an der nun komplett unterbesetzten Transitsicherheitskontrolle. Es waren genau zwei, in Worten (achne, das eben war auch schon ein Wort) zwei, Schleusen geöffnet, und vor uns waren einige Leute, die trotz zig Minuten Wartezeit erst auf die Idee kamen, ihre Computer und Flüssigkeiten auszupacken, als sie schon dran waren. Wahrscheinlich sind das dann genau die Leute, die sich beschweren, wenn die Sicherheitskontrolle so lange dauert ...

Die junge Frau vor mir schoss aber den Vogel ab, die hatte fast ausschließlich Flüssigkeiten über 100 ml dabei, keinen Beutel und brauchte so ewig, dass die Oberkontrolleurin, die sah, dass ich - meines Zeichens Vielflieger, höhö - mein Zeug schon fein säuberlich vorbereitet hatte. Ab dann ging's dann, denn hinten an der Gepäckausgabe war ein (wirklich) lustiger Vogel dabei, sodass ich den Herrschaften dann doch nicht nur aus Höflichkeit einen schönen Abend wünschte. Boah, Flughafensecurityplaner, alle in einen Sack und draufhauen, triffste keinen Falschen ...

Jetzt sitze ich aber hier im "Goethe", der "typisch deutschen" Kneipe im Non-Schengen-Bereich des Terminals B und genieße mein Feierabendbierchen. Ich hatte gut daran getan, einigermaßen zeitig zum Flughafen zu fahren, sodass ich trotz der Warterei jetzt doch noch mehr als eine halbe Stunde Zeit bis zum Boarding habe und das Pils wirklich genießen kann und nicht herunterstürzen muss.

Ich bin sehr gespannt auf Manchester, meine Freunde haben mich im Hotel schon eingecheckt, sodass ich vom Flughafen direkt in die Straßenbahn durchstarten werde (ich lande um 22.35 Uhr, und die letzte Bahn fährt um 0.12 Uhr, das müsste ich schaffen ...) und idealerweise noch kurz vor Mitternacht im Hotel aufschlage. Mal sehen, ob die anderen, die heute Mittag von Berlin-Schönefeld geflogen waren, eine gute Bar außerhalb des Hotels aufgetan haben oder ob die - normalerweise sehr gute - Hotelbar des Motel One einspringen muss.

Ich werde berichten und dann heute Nacht den finalen Bericht hochladen. Ha, ihr Engländer, ihr seid immer noch EU-Bürger, haha ...

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Joa, der Flug war ein bisschen unruhig, aber war schneller als gedacht, die Einreise ins Vereinigte Königreich war ein bisschen langwierig, weil die Briten die elektronische Einreisekontrolle auch noch nicht alle so richtig durchdrungen haben, aber dann hatte ich Glück, dass ich gerade noch auf die abfahrbereite Straßenbahn aufhüpfen konnte. Um kurz vor Mitternacht kam ich an der Market Street an, ging am - geschlossenen - Weihnachtsmarkt vorbei durch hell beleuchtete, aber nicht so richtig hübsche Gässchen, kam an einigen hübschen Gebäuden vorbei und landete schließlich in meinem Hotel.

Nach kurzer Verwirrung bekam ich meine Zimmerkarte, ich verzichtete darauf, das nächtliche Manchester zu erkunden und gehe jetzt gleich ins Bett, denn morgen um 9 Uhr sind wir zum Frühstück verabredet.

Die Straßenbahn vom Flughafen war außerordentlich leer, das hat mich schon überrascht, aber nun denn ...

Ich bin sehr gespannt auf Manchester. Gute Nacht!

Samstag, 9. November 2019

"Der Name der Rose"

... wurde 1985 zu einem beträchtlichen Teil im Kloster Eberbach im Rheingau gedreht, und obwohl das Kloster nicht einmal zwanzig Kilometer von Wiesbaden entfernt ist, bedurfte es des Besuchs einer alten Studienkollegin aus Jena und ihres Wunsches, dort mal hinzufahren, dass ich zum ersten Mal in meinen inzwischen über sieben Jahren in Wiesbaden meinen Poppes nach Eberbach gekriegt habe ...

Es ist ja nicht so, dass ich zum Weinfest in Wiesbaden immer am Stand Nr. 1 (Eberbach) hängen bliebe und daher Interesse hätte haben sollen, mir das Kloster mal anzugucken ... Waren in dem Satz jetzt genug ironische Verneinungen und Konjunktive? Ja? Okay, gut ...

Nachdem wir gestern im Sherry in die Livemusik geraten waren (ich hatte für den Abend reserviert, ohne zu ahnen, dass mal wieder eine Band spielt), machten wir nach gutem Essen und Trinken noch einen Spaziergang und kamen, huch, am Kurhaus raus. Wir gingen mal rein, und um halb eins waren wir plötzlich und völlig überraschend im Casino gelandet. Ist halt schon schön da ...

Schön ja, aber erfolgreich war's gestern nicht, es fuhr kein Bus mehr, daher liefen wir durch die Innenstadt nach Hause, so spät (2 Uhr oder so?) war ich selten in Wiesbaden noch unterwegs gewesen ...

Heute Vormittag fuhren wir dann also ins Kloster Eberbach, weil wir eigentlich nur Hunger hatten und die Speisekarte in der dortigen Gaststätte lecker klang. Um 11.22 Uhr kamen wir nicht in die Klosterschänke rein, da diese erst um halb zwölf aufmachte, also zogen wir - hungrig und durstig - die Besichtigung des Klosters vor.

Was soll ich sagen? Der Innenhof ist schonmal sehr toll, auch wenn sie zwei Seiten des Kreuzgangs im frühen 19. Jahrhundert abgerissen haben (Banausen, ich mag nämlich Kreuzgänge!), besonders erfreute uns aber - in diesem historischen Ambiente - der Rasenmäherroboter, der auf dem Rasen seine Wege fuhr ...

Die Basilika ist erstens im Umbau und zweitens atemberaubend schlicht, aber das scheint ein Merkmal von Zisterzensierklöstern zu sein, und ich bin gespannt, wie das Ding aussieht, wenn sie 2022 die seit 1989 andauernde Sanierung abgeschlossen haben.

Wir folgten dem Rundgang durch den Esssaal der Laienbrüder (der dann irgendwann zum Weinkeller umfunktioniert wurde), den Esssaal der Mönche (der - im barocken Stil in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts neu ausgestaltet - dem Rest des Klosters völlig unähnlich sieht), den hübschen Schlafsaal der Mönche, das Museum, das dringend mal eine Überarbeitung gebrauchen könnte, auch wenn die Ausstellungsstücke schon interessant sind, und wagten dann einen zweiten Versuch in der Klosterschänke.

Ich war nicht sicher, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis an diesem ja nun wirklich nicht untouristischen Ort passen würde, aber auch wenn das Essen nicht gerade billig ist, ist es eben auch nicht wirklich zu teuer, und vor allem schmeckte es uns sehr gut. Wir machten heute einen Wildtag, sodass es Hirsch und Wildschwein wurden, und vor lauter Weinkellern und Weinbergen trank ich  ... ein Klosterbier.

Nach einem kurzen Einkauf in der Vinothek wurde ich nach Hause kutschiert und die Studienkollegin fuhr zurück in Richtung Thüringen, nicht ohne Vereinbarung, dass sie mich bald mal wieder besuchen kommt.

Schön war's, und am allerschönsten ist es, dass ich morgen noch einen vollen Tag Wochenende habe ...

Fotos wollen alle sehen? Habt ihr den Film denn nicht gesehen? Okay, okay ...

Kloster Eberbach

Innenhof

Kreuzgang

Basilika

Mönchsdormitorium

Freitag, 8. November 2019

Das Beste ist gerade gut genug

... für die Reisegruppe Shwedagon (das ist die größte Stupa in Rangun, und so heißt unsere WhatsApp-Gruppe), denn am Mittwoch haben wir in einer gemeinsamen Pizza-und-Chips-Feierabendrunde unsere Hotels für Mai gebucht. Und, was soll ich sagen, wir übertreiben es nicht, aber wenn man schonmal ins Sheraton kann wie wir in Bangkok, ohne dafür Tausende zu bezahlen, dann sollte man das vielleicht auch machen.

So haben wir nun also das Hotel direkt am Chao Phraya mit eigener Bootslände in Bangkok, ein (auf den Fotos) schönes Hotel in einem alten Kloster (?) in Chiang Mai und ein Wyndham-Hotel direkt am Kandawgyi-See in Rangun gebucht, das wird schön ...

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Die Flüge nach Saudi-Arabien werden immer teurer, das ist ein bisschen ärgerlich, mal sehen, ob ich dann noch irgendwann buche oder mir doch ein anderes Reiseziel suche.

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Meine Reisebegleitung für Neuseeland hat grünes Licht für zwei Wochen Urlaub Ende April/Anfang Mai bekommen, sodass wir da jetzt auch so langsam in die Buchungsphase einsteigen können. Die Flugpreise haben aber leider auch ein bisschen angezogen, wie ich gerade gesehen habe, da muss ich nochmal in Ruhe in mich gehen und gucken, wie wir das vielleicht behoben kriegen (es ist ja an sich auch noch ein bisschen früh, um zu buchen, fast ein halbes Jahr vorher ...).

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Man merkt, da ist noch vieles im Fluss, aber es wird, da bin ich mir sicher, auch 2020 viel gereist werden ...

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Im Sherry war kein Platz

..., weshalb wir in eine andere Kneipe ausweichen mussten.

Am Ende des Abends hatten wir Flüge nach Istanbul gebucht, am 31. Januar geht es spätnachmittags nach Istanbul, am 2. Februar abends zurück nach Frankfurt. "Wir", das sind drei Kollegen und ich, zwei Türkei-Neulinge und - mit mir - zwei Türkei-Erfahrene, und besonders schön finde ich, dass wir die Türkei-Neulinge, die vorher noch meinten, sie würden "nie" in die Türkei fahren, ganz schnell über den Haufen geredet hatten.

Das wird sooooooo schön. Oder, um von vor einigen Jahren zu zitieren:

Oh Istanbul, du schöne Stadt, du schöne Stadt am Meer,
ich mag dich so, manch einer sagt, ich liebte dich so sehr.
Oh Istanbul, du schöne Stadt, mein Herz, das jauchzt und singt,
weil ich mich freu', was der Besuch in dieser Stadt so bringt ...

Ich bin eben nach der Verabschiedung an der Wiesbadener Rheinstraße entlanggehüpft, so sehr freue ich mich, zumal es fast eineinhalb Jahre gewesen sein werden, seit ich das letzte Mal in Istanbul war. 2019 wird am Ende doch das erste Jahr seit 2013 bleiben, in dem ich nicht in Istanbul gelandet bin, aber dadurch, dass 2020 jetzt schon gebongt ist, kann ich das verschmerzen. Gerade so ...

In drei Monaten bin ich schon fast in einer meiner Lieblingsstädte, das wird sooooooooo toll ...

Dienstag, 29. Oktober 2019

Jetzt dann doch?

Am Sonntag saßen wir bei meiner Ersatzoma, und deren Tochter und ich suchten nach schönen einwöchigen Urlauben, nach Tadschikistan oder in die Mongolei oder nach Ecuador. So richtig glücklich wirkte sie nicht, was ich verstehe, denn wir hatten eigentlich Neuseeland vorgehabt.

Na gut, ich guckte nochmal für Ende April/Anfang Mai, ob man da zwei Wochen machen könnte, und siehe da, ich fand einen Flug nach Auckland mit Umsteigen in Peking. Zwei Wochen ist ein bisschen wenig, ich weiß, und zudem wollen wir noch ein paar Tage nach Samoa (Umsteigen in Fidschi würde mir ein weiteres Land bescheren ...), aber so einen allerersten Eindruck von Neuseeland würde man ja wohl gewinnen können ...

Im Moment ist der Plan, am Freitag Abend, dem 17. April von Frankfurt nach Peking zu fliegen, und dort am Morgen des 18. April anzukommen. Wir hätten in Peking einige Stunden Zeit, würden in den frühen Morgenstunden des 19. April weiter fliegen und am Abend des 19. April in Auckland ankommen.

Meine Idee ist, dann eine Nacht in Auckland zu schlafen und am Morgen des 20. April nach Christchurch auf die Südinsel zu fliegen. Dort würden wir ein Auto mieten und ein paar Tage auf der Südinsel herumfahren. Danach könnte man am 26. April oder so von Christchurch über Auckland und Nadi (Fidschi, mit einer Übernachtung) nach Apia in Samoa fliegen. Drei Tage oder so auf Samoa wären sicher schön, ehe wir am 30. April zurück nach Auckland fliegen könnten. Am 3. Mai würde es von Auckland wieder über Peking nach Frankfurt gehen, wo wir am Abend des 4. Mai ankämen.

Klingt irgendwie gut ... Wir gucken jetzt mal, ob wir das mit unseren Chefs geregelt kriegen, und dann könnte man bald mal buchen, so lange es noch den einigermaßen günstigen Air-China-Flug nach Auckland gibt ...

Entsprechend sind nun also Neuseeland, Fidschi und Samoa auf der Karte oben orange. Es wird, 2020 ...

Freitag, 25. Oktober 2019

Endlich gebucht

"Jetzt fliegt der Trottel wirklich nach Saudi-Arabien", wird so mancher denken, aber halt, erstmal musste ich ja, nachdem Air China den Flug von Rangun über Chengdu nach Frankfurt storniert hatte und ich daraufhin die ganze Air-China-Chose abgeblasen hatte, einen Flug nach Bangkok und ab Rangun kriegen.

Am Dienstag war dann die neue Kreditkartenabrechnung offen, sodass ich noch am Abend den Flug mit Thai Airways buchte. So fliege ich jetzt am 20. Mai abends um 20.40 Uhr in Frankfurt ab und lande - nach einem Non-Stop-Flug! - um 12.30 Uhr am 21. Mai in Bangkok.

Die drei Kollegen, mit denen ich fliege, fliegen schon mittags, aber ich wollte mir für den Tag keinen Urlaub nehmen, weniger, weil ich Urlaubstage sparen muss (das ist ein Grund, aber ein kleinerer), sondern vielmehr, weil wir da in den Tagen noch einen Haufen Arbeit haben und ich zumindest ein bisschen Puffer haben möchte.

Die anderen kommen morgens um halb sieben oder so an, da sehen wir uns ja dann ein paar Stunden später, das wird schon passen.

Sowohl der Inlandsflug in Thailand von Bangkok nach Chiang Mai als auch der Flug von Chiang Mai nach Rangun in Myanmar bleibt unverändert, und am 30. Mai fliegen wir alle vier (entgegen der ursprünglichen Beteuerungen gegenüber unserem Chef ...) in den gleichen Maschinen von Rangun nach Bangkok (Abflug 19.45 Uhr; Landung 21.40 Uhr) und von Bangkok nach Frankfurt (Abflug 23.45 Uhr, Ankunft 6.15 Uhr am 31. Mai). Wird schon schiefgehen (operatives Risiko und so ...).

Jetzt ist das also auch gebongt, juchhe ...

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Mit Saudi-Arabien warte ich noch, bis a) mich der Hafer sticht (buchen), b) die Kreditkartenabrechnung Oktober/November durch ist (buchen), c) der Preis durch die Decke geht (abblasen) oder d) meine Chefin mir doch noch den Urlaub streicht (abblasen). Keine Ahnung, welche Lösung am wahrscheinlichsten ist, aber es überrascht keinen Menschen, dass Saudi-Arabien auf meiner Liste vorne steht.

Ich habe heute mit einem niederländischen Kollegen in Kanada gechattet, und der sagte mir, dass es ihm klar gewesen sei, als er von der Einführung von Touristenvisa in Saudi-Arabien gehört habe, dass ich bald mal dorthin unterwegs sei. Ruf wie ein Donnerhall halt, Ruf wie ein Donnerhall ...

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Es sieht ja so aus, als ob wir im November und womöglich ja sogar im Dezember innerhalb der EU bleiben, wenn wir nach Manchester (mit Freunden) bzw. London (mit meiner Mutter) fliegen. Ändern dürfte sich aber an den Einreiseprozeduren nichts, egal, ob es doch noch einen No Deal, einen Deal oder eben eine Flextension gibt, denn frühestens 2020 wollten die Briten selbst im Falle eines No Deal da mal anfangen, etwas zu ändern.

In drei Wochen um die Zeit bin ich schon auf dem Weg zum Flughafen, um nach Manchester zu fliegen. Auch schön ..

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Die 207 im Namen dieses Blogs wackelt gerade ein bisschen, denn in den nächsten Wochen und Monaten stehen einige Unabhängigkeitsreferenden an. Bougainville, eine Insel in der Südsee, könnte sich bis Ende des Jahres für die Loslösung von Papua-Neuguinea aussprechen, im März soll es ein Unabhängigkeitsreferendum in Chuuk, einem der vier Staaten der Föderierten Staaten von Mikronesien, geben (sind die da in der Südsee im Unabhängigkeitsrausch, oder wie?). Wenig überraschend steht in Neukaledonien (auch Südsee!) das zweite von drei möglichen Referenden zur Loslösung von Frankreich im Raum, den Schotten ist - aus britischer Sicht - auch nicht ganz zu trauen, und was mit den Kurden im Nahen Osten passiert, weiß auch keiner ... Zudem könnte es passieren, dass irgendwann jemand auf die Idee kommt, die Volksrepubliken Luhansk und Donetsk in der Ostukraine als stabilisierte De-facto-Regime anzusehen und das in der Wikipedia zu ändern, woraufhin ich auch ins Überlegen käme ...

Sei es, wie es sei, es würde mich nicht wundern, wenn in zwei Jahren aus der 207 eine 210 oder so geworden wäre.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Orangene Gestalt

... nimmt mein Silvester-Trip nach Saudi-Arabien an, und in ebendieser Farbe ist Saudi-Arabien jetzt in der Karte oben markiert.

Jetzt müssen nur noch meine Chefs mitspielen und mir den 30. Dezember frei geben, danach warte ich noch den nächsten Abrechnungszeitraum meiner Kreditkarte ab und sodann dürfte ich den Flug nach Saudi-Arabien buchen.

Die Weltkulturerbestätte von Madain Saleh ist anscheinend noch geschlossen, um der Forschung ein bisschen Raum zu geben, aber es wäre ohnehin ein Stückchen von Dschidda dorthin gewesen.

Im Moment sähe es so aus, dass ich am 28. Dezember mittags von Frankfurt über Istanbul nach Dschidda fliegen und am 29. Dezember früh morgens dort ankommen würde. Zurück ginge es am 1. Januar von Dschidda über Amman nach Frankfurt.

Ich hätte also drei volle Tage in Dschidda, den 29., den 30. und den 31. Dezember. An einem Tag würde ich mir sicherlich die Altstadt von Dschidda angucken, ihres Zeichens ebenfalls Weltkulturerbe. An einem weiteren Tag könnte man zum Schnorcheln gehen, denn im Roten Meer soll das - ohne Touristen - auch ganz toll sein, und den dritten Tag würde ich in Richtung Mekka fahren, daran auf der "Christen-Umfahrung", dem "Christian bypass", vorbei (nach Mekka rein darf man als Nicht-Muslim nicht ...) und nach Taif. In den Bergen dort soll es auch ganz hübsch sein.

Ja, fahren würde ich, denn in Dschidda kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln wohl nicht weit, Mietautos sind nicht unbezahlbar und Sprit wohl extrem günstig, sodass ich wohl ein Auto mieten würde.

Ein Hotel habe ich auch schon im Auge, also sind Visa, Flüge, Hotel und Auto im Blick - es ist höchste Zeit, Saudi-Arabien orange zu machen, und ich hoffe, dass es nur kurz orange ist und bald hellgrün wird, denn in Asien war ich dieses Jahr noch nicht. Erstmals seit etlichen Jahren käme ich also in einem Kalenderjahr nicht nach Asien, und das kann ja nicht angehen.

Wir werden sehen ...

Sonntag, 6. Oktober 2019

"Ich fahre bis zur Bratwurst"

..., verkündete ich großmäulig, als ich meine zweite Schicht übernahm, denn ich war zuversichtlich, dass wir bis 13 Uhr unsere Thüringer Bratwurst in Händen halten ...

Meine Ma weckte mich um kurz vor sechs Uhr, ich duschte schnurstracks und gegen 6.40 Uhr ging es los. Wir fuhren über die südliche Straße aus Swinemünde in Richtung Deutschland, wurden aber gleich per Umleitung in Richtung Ahlbeck geschickt und landeten nach zwanzig Minuten Fahrt gerade einmal zwei Kilometer von der Grenze entfernt. Das hätte wir einfacher haben können ...

Nun denn, heute Morgen war deutlich weniger Verkehr als am Donnerstag, die Brückenöffnung kam uns auch nicht in die Quere und gegen 7.30 Uhr hatten wir die Sonneninsel Usedom verlassen - das Wetter wurde besser.

Es ging wieder vorbei an der wunderschönen Landschaft, durch den Nebel, der über dem flachen Wasser stand, aus dem Baumstümpfe formschön herausragten.

Über Anklam ging es in Pasewalk auf die Autobahn, und als wir die erreicht hatten, war Schichtwechsel angesagt - meine Ma fuhr uns um Berlin herum, ehe ich auf der A9 dann wieder das Steuer übernahm und bis zur Bratwurst fahren wollte.

Wir hatten uns einen angeblich angesagten Imbiss kurz hinter Jena ausgesucht, und das "angeblich" kann man getrost streichen - da war Monsterandrang. Meine Ma stellte sich schon einmal in die Reihe, während ich das Auto abstellte. Danach beorderte sie mich zu ihr, um mir mitzuteilen, dass es wohl auch einen Drive-Through gebe. Ich untersuchte dies und konnte es bestätigen, was ich meiner Ma mit einem knappen Kopfnicken signalisierte.

Ich lief hinter der Schlange herum, als ich sah, dass meine Ma die Schlange verlassen hatte - das war nun nicht Sinn der Sache gewesen, weil die Autoschlage auch nicht gerade kurz war. Argh ... Eine kurze Schlägerei zwischen Mutter und Sohn folgte, danach schleppten wir uns beide gegenseitig zum Auto und fuhren weiter, denn nochmal Anstehen war nicht ...

Wenigstens fand ich einen ähnlich gut bewerteten Stand bei den Drei Gleichen, und den steuerte schon meine Mutter an. Da war auch Schlange, aber erträglich, und vor allem war die Bratwurst lecker - sehr, sehr lecker ...

Ich verspeise meine zweite Bratwurst im Auto, und den Rest der Strecke fuhr meine Mutter, weil ich sie um das Kirchheimer Dreieck und um Frankfurt um Staus herumnavigieren sollte. Am Ende der Tour regnete es ab Frankfurt, und jetzt sind wir eben gut in Wiesbaden angekommen.

Jetzt bleibe ich erstmal ein paar Wochen am Stück in Deutschland, ehe es im November nach Manchester geht.

Meine Chefin hat mir gestern eröffnet, dass möglicherweise einer der drei Tage zwischen den Jahren als Urlaubstag genommen werden könnte ... Wenn ich den 30. Dezember freikriege, könnte man am 28. Dezember irgendwohin fahren/fliegen/wie auch immer und am 1. Januar zurück, das wären fünf Tage, da könnte man direkt mal wegen Saudi-Arabien oder so überlegen.

Usedom war toll, der Strand ist traumhaft schön, meine Ma und ich haben es genossen, am Strand zu sitzen, uns vom Wind durchpusten zu lassen, ja, am Strand die Grenze zu überqueren, lecker Fisch zu essen in Swinemünde, in Kamminke, in Peenemünde, doch, das war richtig schee, aber jetzt freue ich mich mal wieder auf ein ordentliches Stück Fleisch ...

Samstag, 5. Oktober 2019

Souvenir? V2-Rakete!

Das Souvenir-Angebot heute in Peenemünde wird eine etwas missverständliche Formulierung gewesen sein, lustig fand ich es trotzdem ...

Meine Ma schmiss mich heute um kurz nach neun aus dem Bett, und gehe wir aus dem Haus gingen, war es kurz vor elf. Wir entschieden uns, ob der wenig positiven Wettervorhersage mal ein bisschen über Usedom zu gondeln, und dafür bot sich die UBB, die Usedomer Bäderbahn, an. Wir liefen die gute Viertelstunde zum Bahnhof Swinemünde-.Zentrum, konnten am Bahnhof keine Fahrkarte kaufen, aber keine Panik, die gab es im Zug.

Für 24 Euro kauften wir uns die Usedom-Tageskarte für zwei Personen, und ab ging es: Nach wenigen Minuten Fahrt überquerten wir die polnisch-deutsche Grenze, in Ahlbeck und erst recht in Heringsdorf wurde der Zug richtig voll, eine Erfurter Mutter-Sohn-Kombo erzählte mich uns, und wir fuhren über die Brücke nach Wolgast und bis zur Endstation in Züssow, schon weit auf dem Festland.

Wir blieben im Zug sitzen (es regnete in Strömen) und fuhren nach Zinnowitz zurück. Dort stiegen wir um in die Stichstrecke nach Peenemünde,wo wir gegen 14.30 Uhr ankamen. Wir hatten jetzt richtig Hunger, liefen also die Viertelstunde in die Stadt und aßen an einer vielgelobten Fischkneipe drei Fischbrötchen, nachdem sie die 14er-Gruppe, die kurz vor uns bestellt hatte, abgefrühstückt hatte ... Es wurden also ein Makrelen-, ein Aal- und ein Heilbuttbrötchen verspeist, da an der Hafenpromenade, als uns die Hafenbar an der gegenüberliegenden Seite des Hafens auffiel. Google Maps meldete, dass die noch höher bewertet sei, und da wir gerade sowieso den nächsten Zug verpasst hatten, liefen wir - bei durchaus Wind - einmal um das Hafenbecken herum.

Wir gingen in das Schiff hinein (ganz schön warm dort), tranken einen Sanddornschnaps und ein bisschen Hefekaltschale, aßen eine Soljanka und noch ein Matjesbrötchen. Sehr lecker, bei beiden Buden, Peenemünde hat mir gefallen ...

Die Bahn um 17.32 Uhr erwischten wir, mussten wir in Zinnowitz umsteigen, der Zug nach Swinemünde kam bald, wir schliefen fast im Zug ein, kamen aber gut an. Meine Ma wollte ein Taxi nehmen, ich überredete sie zum Gegenteil, und zur Belohnung kamen wir dann doch noch in einen üblen Regenguss. Na super ...

Jetzt sind wir früh daheim, gehen nicht mehr in unsere Stammkneipe, sondern schlafen ein bisschen früher, damit wir morgen zeitig aufbrechen können.

Mal sehen, wann es morgen losgeht, mal sehen, wann wir morgen da sind ...

Die Erfurterin heute meinte, sie wäre das fünfte Mal dieses Jahr (!) auf Usedom gewesen, so oft muss es sicher nicht sein, aber einmal in fünf Jahren könnte man das machen, auch wenn der Verkehr furchtbar ist bei der Anreise ...

Fotos gibt's heute irgendwie keine ...

Freitag, 4. Oktober 2019

"Kurabgabepflichtig"

... ist das neue "Willkommen in Deutschland". Na, vielen Dank auch ...

Was für ein schöner, entspannter, essensreicher Tag ... Toll!

Meine Ma warf mich um kurz vor 9 Uhr (!!!!!!!!!!!!!!!!!!) aus dem Bett. Ich ging duschen, zog mich an und wir gingen erst einmal an den Strand. Wir liefen ca. zwei Kilometer in Richtung Westen, ehe wir - es waren sooooo viele Menschen unterwegs, unglaublich - kurz vor dem Schild "Hundestrand - ab hier Kurabgabepflicht!!!!!" (okay, so viele Ausrufezeichen waren es in Wirklichkeit nicht ...) den Strand verließen und den Grenzweg betraten.

Ich hielt mich immer schön auf polnischer Seite, sonst hätte ja noch ein deutscher Kontrolleur kommen können und mir die Kurtaxe (!!!!!!!) abnehmen können, meine Ma machte Fotos von ihrem Sohn und den beiden Grenzpfosten, und dann ging es kurz zum Radweg.

Dort machten wir Fotos (und furchtbare Selfies) auf der Grenze, und als ich kurz nach Deutschland rüberging (und sofort zurücksprintete, Kurtaxe und so ...), dachte ein deutsches Paar, ich wolle panisch aus ihrem Selfie sprinten. Wollte ich nicht, aber das verstanden sie wahrscheinlich nicht und dachten: "Was für ein Idiot ..." Joa ...

Wir liefen auf der polnischen Strandpromenade zurück, gingen an "unseren" Strand (in Polen wir keine Kurtaxe abgepresst), tranken einen Kakao und liefen danach zu unserem Auto.

Wir fuhren durch Swinemünde und über die Grenze, bogen links ab, fuhren durch die vorpommersche Pampa, die dem Schwarzwald nicht unähnlich sah, und kamen in Kamminke an der Mole raus. In der dortigen Fischräucherei, einer Empfehlung eines Ex-Kollegen, bestellten wir gebratenenen Hering (meine Ma) und Scholle mit Krabben (ich), dazu alkoholfreie Weizen, und setzten uns - im strahlenden Sonnenschein, ich habe einen leichten Sonnenbrand davongetragen - auf die Mole mit Blick auf das Stettiner Haff. Meine Mutter suchte mich mal wieder und fand mich erst im zweiten Anlauf, so langsam glaube ich, sie will mich mal verlieren ... (Aber solange ich den Autoschlüssel habe, wird sie sich das gut überlegen.)

Das Essen kam, es waren zwei Monsterportionen, die wir aber schafften, wir spülten sie mit einem zweiten alkoholfreien Weizen herunter und fuhren dann wieder zurück nach Polen.

Wir stellten das Auto ab, gingen an den Strand, ein Bierchen trinken (bei wurde es danach noch ein Kuchen), und dann machten wir ein bisschen Siesta im Apartment - seeeehr schön.

Gegen 18 Uhr gingen wir raus, fielen in der gleichen Kneipe wie gestern ein, meine Ma war noch satt und aß nur ein paar Bruschetta mit Räucherlachs, ich war verfressen, aß die Kartoffelpuffer mit Räucherlachs und versuchte mich am Seehecht, den ich aber nicht schaffte.

Der Ober und zwei Damen aus Frankfurt an der Oder am Nebentisch brachten uns gemeinschaftlich dazu, noch ein paar Schnäpschen zu trinken (Żubrówka als Wodka, Żubrówka als Kräuterschnaps, danach noch Kirschlikör), ein Gin Tonic wurde zwischenzeitlich auch noch vernichtet, es war ein toller, lustiger Abend auch mit den beiden Damen, und geht ist es halb zwölf, und ich komme endlich ins Bett.

Morgen wird wieder ausgeschlafen, und dann gucken wir mal, ob wir mit der Bäderbahn fahren ...

Ostseestrand

Quasi auf dem Grenzstein

Kamminke

Strandpromenade in Swinemünde

Achso: Hier in dem Wald in Strandnähe wächst wilder Hopfen - es gefällt mir hier ... Zufall?

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Fischeten

... hat heute für viele Lacher im Auto gesorgt. Eine Kneipe auf Usedom, noch auf deutscher Seite, bot - ich lüge jetzt, aber für den Effekt ist es wurscht - "Bier, Sonne und Fischeten" an. Wir fragten uns im Auto, was diese Fi-scheten sein könnten, ehe ich meiner Ma meine Vermutung erläuterte, dass das möglicherweise Plattdeutsch für "Fisch essen" sein könnte. Meine Ma, die mit ihrer Großmutter noch gelegentlich Plattdeutsch sprach, fiel aus allen Wolken, dass ihr nun weit jenseits des Plattdeutschäquators aufgewachsener Sohn auf einmal besser Platt versteht als sie ... Liegt bestimmt - mal wieder - an der Norddeutschen, mit der ich ständig Abende im Sherry verbringe. Inzwischen weiß ich ja sogar, was ein Pulloverschwein ist, ohjemine ...

Gestern im Irish Pub wollte ich meiner Ma ein Kirschbier bestellen, ahnte aber schon Böses. Auf mein "ein Kriek bitte, wenn ihr das noch habt" antwortete die Bedienung "Kriek haben wir schon ewig nicht mehr". Vielen Dank auch, ich fühlte mich alt, denn in meinen guten, alten Studentenzeiten gab es selbstverständlich Kriek im Irish Pub. O tempora, o mores ...

Meine Mutter kommandierte, den Wecker auf sechs Uhr zu stellen, der Sohn meldete gehorsamst, und um 6 Uhr krieg das doofe Ding los. Meine Ma schmiss mich aber dankenswerterweise erst gegen zwanzig vor sieben aus dem Bett, und gegen halb acht hatte ich das Auto aus dem Parkhaus geholt und wir waren unterwegs.

Es ging über die A4, die A9, den Berliner Ring und die Landstraße um Eberswalde (um einen Stau auf der A11 zu umfahren, wunderschöne Alleen, richtig, richtig toll), am Ende noch - nach Eberswalde - auf die A11, auf die A20, die B109, die B110 und plötzlich, kurz vor Usedom, standen wir doch im Stau. Das lag aber daran, dass die Brücke rüber nach Usedom um 12.45 Uhr geöffnet wurde, sodass die Straße also gesperrt war. Gegen 13.20 Uhr ging es dann weiter.

Wir waren in unserem jugendlichen Leichtsinn davon ausgegangen, dass auf Usedom Nebensaison ist. Ist es wahrscheinlich auch, nur heißt das alles andere, als dass tote Hose hier ist. Vielmehr bauen die die Hauptstraße um, und auf der Umleitungsstrecke war ein Unfall, sodass wir für die letzten 30 Kilometer eineinhalb Stunden brauchten. Zu allem Überfluss fuhr so ein Trottel vor uns dann auch noch extra langsam, meine Ma sorgte sich, dass ich den Typen vor Wut von der Straße befördere (tat ich selbstverständlich nicht), aber auch, als wir in Polen ankamen, wurde es nicht besser, denn die Polen bauen gerade die Hauptstraße aus, sodass wir in Swinemünde über einen mittleren Feldweg und Wohngebiete umgeleitet wurden.

Unser Apartmenthaus fanden wir trotzdem, parkten nach einigem Hin und Her (hoffentlich) richtig, luden unser Zeug aus, fanden Zutritt zu Haus und Wohnung über zwei Tastenfelder und freuten uns dann über unser sehr schönes Apartment, das alles hat, was man so braucht ...

Wir hielten uns aber nicht lange im Apartment auf, holten unsere Anoraks aus dem Hotel (dringend nötig, es ist ganz schön kühl hier oben) und liefen in Richtung Strand und Promenade.

Wir guckten uns die eine oder andere von mir vorausgewählte Gaststätte an, gingen erstmal an den Strand - Wellen, viele Menschen, viel Sand, eine Strandkneipe -, kehrten folgerichtig in die Strandkneipe ein, tranken dort erstmal ein Bier, bevor wir sanft ("Schluss") rausgeworfen wurden, gingen zurück, erkundeten die Strandpromenade und kamen schließlich, nach einigem Überlegen, in einer schönen Kneipe an mit einem Ober, der bei der ersten Begegnung noch ein bisschen schräg drauf war ...

Es erscheint kaum nötig zu sagen, aber das war ein wunderbarer Abend (nur Deutsche um uns herum, und der Ober sprach ganz vernünftiges Deutsch) mit Lachs-Bruschetta und Lachs-Kartoffelpuffer als Vorspeise und Dorsch bzw. Zander als Hauptspeise, dazu gab's Bier und danach Gin Tonic. Wir haben es uns richtig gutgehen lassen, weniger Geld bezahlt als es in Deutschland der Fall gewesen wäre und sind jetzt doch relativ früh im Apartment, weil wir letzte Nacht nicht so lange und nicht so gut geschlafen haben.

Wir sind sehr froh, dass wir noch einen Zwischenstopp in Jena gemacht haben, weil wir dadurch heute relativ früh hier waren. Heute haben wir die Strandgrenze noch nicht überquert, das machen wir morgen oder übermorgen.

Schön ist es hier, und wir freuen uns auf das Erkunden der polnischen und der deutschen Seite der Insel Usedom in den nächsten Tagen.

Allee, Allee, Allee, Allee, Aaaaalleee, eine Straße, viele Bäume (in Brandenburg)

Beach as beach can (in Swinemünde)

Darfste keinem erzählen

..., dass meine Ma und ich jetzt in Jena gelandet sind und keinem meiner Freunde irgendetwas davon erzählt haben. Sorry, aber das war jetzt so spontan, dass wir einfach nur im Stilbruch essen waren und dann im Irish Pub noch einen Absacker getrunken haben.

Meine Ma und ich waren hin- und hergerisssen, ob wir vielleicht, wenn ich einigermaßen früh aus dem Büro rauskomme, schon heute Abend ein paar Stunden fahren oder ob wir das Geld sparen und dafür morgen dann die ganze Strecke fahren.

Am Ende habe ich um 16 Uhr Schluss gemacht, und um kurz vor 17 Uhr waren wir unterwegs. Es waren ein paar andere Leute auf die Idee gekommen, über das lange Wochenende zu verreisen, sodass unterwegs öfter mal ein bisschen Stau war, aber wir entschieden uns dann, Jena anzupeilen.

Wir kamen um 20.30 Uhr in meiner alten Studentenheimat an, fuhren ins Parkhaus unter dem Ernst-Abbe-Platz, buchten ein Zimmer im Steigenberger (wenn schon, denn schon ...), gingen ins Stilbruch, aßen dort lecker Würzfleisch, Putensteak und Birnenpfanne, taten uns noch ein Kirschbier bzw. ein Guinness im Irish Pub am Ende der Wagnergasse rein und checkten dann im Hotel ein.

Morgen geht es einigermaßen früh weiter, damit wir noch gut bei Tag in Swinemünde ankommen. Dann wird auch ein bisschen mehr berichtet. Jetzt geht's erstmal in die Heia, keine Ahnung, wann meine Ma mich aus dem Bett kommandiert.

Gute Nacht!

Sonntag, 29. September 2019

Schön kühl

... war es im TAP-Flieger von Luanda nach Lissabon (das ist so selten, dass es im Flieger vernünftig kühl ist, dass ich das erwähnen muss), und schön kühl war es nach dem Flug auch in Lissabon. Ich hatte im Flieger sogar ein bisschen gepennt, so müde ich war offenbar doch, und guckte ein paar der aktuellsten Doctor-Who-Folgen. Kurz vor der Landung in Lissabon sah man die Stadt und den Tejo in der Morgendämmerung, das war schon sehr schick, auch wenn ich im Mittelgang saß.

Es wurde in Lissabon ein bissel eng mit der Verbindung, aber das war vor allem so, weil in der elektronischen Passkontrolle bzw. in der Sicherheitskontrolle irgendwelche Vollhorste nicht aufpassen und sich nicht vernünftig vorbereiten. Mag ja sein, dass man selbst viel Zeit hat, aber hinter einem kommen vielleicht auch Leute, die eine Verbindung haben .. Argh.

Ich kam - natürlich - trotzdem noch pünktlich ans Gate, saß auf dem Flug nach Frankfurt am Fenster, die Landung in Frankfurt war ein bisschen wackelig (Wind), aber sonst war alles ganz entspannt. Ich verließ den Flieger, erwischte die S-Bahn gerade noch und war weniger als eineinhalb Stunden nach dem Aufsetzen des Fliegers auf der Landebahn in meiner Wohnung.

Jetzt habe ich mir sehr gemütlichen Nachmittag gemacht, gucke gleich noch Football und dann geht es in die Drei-Tage-Woche. Am Mittwoch kommt meine Mutter, und dann freue ich mich schon auf Usedom ...

Ja, klar, es war toll, wen wundert das? Ich bin fast ein bisschen stolz auf mich, dass ich diesmal das Gefühl habe, die Balance zwischen Urlaub und Abenteuer gefunden zu haben. Conakry, die Fahrt nach Sierra Leone, auch der Tag in Freetown, jeweils mit Motorradfahren ohne Helm und alles, das war Abenteuer pur, das Geldautomatensuchen in São Tomé war nervenaufreibend und fruchtlos, und das Sightseeing in Luanda und das Minibusfahren war auch lustig, am schönsten aber, das muss ich schon sagen, waren der Tokeh Beach in Sierra Leone - das war soooo entspannend -, das tägliche Äquatorhopping auf Rolas und auch die Kneipenabende am Strand auf der Ilha in Luanda.

Der Urlaub war ein teurer Spaß, das stimmt schon, aber ich bin halt wild durch die Gegend geflogen, habe in ziemlich bis sehr vernünftigen Hotels geschlafen und habe es mir sehr gut gehen lassen, vor allem dann am Ende in Luanda, aber auch schon vorher. Das passt schon ...

Guinea ist - soweit ich das nach zwei Tagen sagen kann und darf - vielleicht nicht das Touristen-Reiseziel, für die nächsten paar Jahre oder so jedenfalls, dazu mangelt es jedenfalls an der Infrastruktur außerhalb Conakrys, auch wenn ich gelesen habe, dass es ganz schöne Strände dort geben soll.

Sierra Leone will, das merkt man, an der Infrastruktur, an der Entscheidung, das Visum nunmehr bei Anreise zu erteilen, ich habe zu Joseph, meinem Ingenieur, gesagt, dass Sierra Leone vielleicht the next big thing werden könne, so in der Richtung Senegal oder Gambia oder so etwas. Da war ich vielleicht schon ein bissel angedüdelt, aber auch nach Überlegung stehe ich dazu, denn die Strände auf der Freetown-Halbinsel sehen schon ganz gut aus. Wenn jetzt noch die Brücke zwischen Flughafen und Stadt kommt und man nicht mehr die leicht gruseligen Fähren angewiesen ist, wenn jetzt noch die Polizei auf den Überlandstrecken aufhört, es mit den Checkpoints zu übertreiben, wenn sie sich entscheiden, an den anderen Stränden auch Hotels nach Art des "The Place" zu bauen, die den westlichen Touristen zusagen (und nicht "nur" Guesthouses für Backpacker sind), dann kann das wirklich was werden.

"You never get a second chance to make a first impression", hat mein Uni-Rektor immer gesagt: "Du kriegst nie eine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen." Das zitiere ich gerne, weil es stimmt, und der erste Eindruck von São Tomé war halt Katastrophe pur. Ja, ich hätte vielleicht noch mehr lesen müssen, aber ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass in einem Tourismus-Land kein einziger Geldautomat mit ausländischen Karten funktioniert. Nachdem ich mich dann damit abgefunden und mich in den Pestana-Hotels mit und ohne Zimmer häuslich eingerichtet hatte, ging das ja eigentlich auch gut ganz, auch wenn gerade das Hotel auf Rolas für den gebotenen Standard eigentlich zu teuer ist. Jaja, location, location, location, quasi auf dem Äquator zu wohnen, ist schon toll, aber soooo viel Geld muss man auch für Robinson-Crusoe-Feeling eigentlich auch nicht ausgeben.

Nunja, und Luanda hat mich dann ziemlich positiv überrascht. Ja, es ist teuer, aber Zürich oder Oslo sind teurer, glaube ich (obowhl man sagt, Luanda sei die teuerste Stadt der Welt; das kann ich so nicht unterschreiben), zumal man, wenn man will, die Kosten auch herunterschrauben kann, was in Zürich und Oslo schwieriger sein dürfte. Die Ilha ist toll, mit gutem Essen, einem ansehnlichen Strand, das kann man sich mal angucken, und Angola scheint auch einige Sehenswürdigkeiten außerhalb Luandas zu haben, das wird man sich auch nochmal angucken müssen.

Eine schöne Reise also, von der ich aber einsehe, dass man die genau so nur wird machen wollen, wenn man ein bisschen Afrika-Erfahrung hat, denn bei der Überlandstrecke Conakry-Freetown zeigt dir jeder Rookie einfach nur noch den Vogel. Erholsam war der Tag nun wirklich nicht, aber so'n bisschen Abenteuer ist okay.

Usedom wird lässiger ...

Samstag, 28. September 2019

Zu viel Zeit und zu wenig

... hatte ich heute, aber trotzdem war's jetzt nicht wirklich stressig oder so, nur ein bisschen unclever geplant ...

Ich hatte gestern Abend noch ein bisschen Leichtathletik geguckt, war dann aber früh in schlafendem Zustand und - nach komischen Träumen - relativ früh wach. Ich guckte das Rugby-WM-Spiel Japan gegen Irland, das Japan völlig überraschend gewann, duschte und machte mich auf zum Frühstück.

Das Frühstück im Hotel ist okay, nichts Feudales, aber man wird satt, wenn man möchte, nur das Bezahlen war ein bisschen umständlich, wobei das Hotel dafür nix kann: Meine Kreditkarten funktionieren hier bei keinem einzigen Händler, was aber insoweit verschmerzbar ist, als dass zumindest jeder zweite Geldautomat zumindest eine von meinen Karten nimmt. So musste ich also erstmal Bargeld holen - mein Hotel kostete 70.000 Kwanza, die Geldautomaten spucken immer maximal 25.000 aus (das sind etwa 60 Euro), sodass ich dreimal nacheinander abhob, und zwar schnell, ehe meine Bank auf die Idee käme, die Karte zu sperren (bisher habe ich nichts davon gemerkt ...).

Nachdem ich also gezahlt hatte, fragte ich schelmisch, ob ich vielleicht heute Abend noch duschen dürfte, das durfte ich (ich sollte mein Zeug sowieso in meinem Zimmer lassen), und die Gelegenheit kann ich jetzt nutzen, mein Hotel in höchsten Tönen zu loben (volle gerade "in höchsten Zügen" schrieben, argh, man kann also auch zuviel schlafen): Nicht nur, dass es sauber ist und eine Klimaanlage im Zimmer und Wasser im Kühlschrank und alles, ich konnte ja am Donnerstag schon um 6 Uhr einchecken und jetzt heute dann eigentlich erst um 20 Uhr auschecken. In Deutschland hätten viele argumentiert, dass ich das Zimmer mindestens drei, eigentlich sogar vier Nächte okkupiert habe, hier war es überhaupt kein Thema - ich zahlte meine zwei Nächte, gab entsprechend üppig Trinkgeld, und alle waren zufrieden, glaube ich. Dass die Putzfrauen viermal (statt zweimal) mein Zimmer gemacht hat, passt dann schon ... (Nur das Toilettenpapier hätte sie heute nicht zwingend entfernen müssen ...) Wenn ich wieder nach Luanda komme, lande ich wieder im Casa de Luanda "GH Kinanixe".

So, um 12 Uhr war ich dann aus dem Hotel raus und was nicht so recht, was ich mit dem angefangenen Tag anstellen sollte. Ich entschied mich, mal zu gucken, ob ich in den Süden Luandas komme, und wie macht man das? Genau, man stellt sich an die Ausfallstraße (in dem Fall ein Kreisverkehr im Stadtzentrum) und wartet, bis man von den Minibuseinsammlern den Fetzen eines Ortes hört, der einem bekannt vorkommt, und steigt dann ein.

Vielleicht muss ich ein bisschen ausholen, um das Minibuswesen hier in Luanda zu erläutern, auch wenn dann wieder beschwerden kommen, dass der Post so lang wird, aber das ist mir jetzt egal, soll ja auch praktischen Nährwert haben, dieses Bloggedöns: Die ÖPNV-Minibusse hier in Luanda sind fast alle weiß-hellblau (nicht königsblau!) angemalt, damit man sie auch erkennt. Die Crew besteht aus dem Fahrer und dem Schaffner/Einsammler, der während der Fahrt, sofern noch Platz ist, das Ziel aus dem Minibus brüllt. Ansonsten ist er fürs Kassieren und fürs Platzanweisen zuständig. Und wenn der halt dann "Benfica" brüllt (und ich es verstehe!), dann springe ich da halt rein, setze mich auf mein Plätzchen und ab geht es in Richtung Süden ... Am Schluss bezahlt man zwischen 100 und 200 Kwanza (25 bis 50 Cent), das hängt ein bisschen von der Fahrtstrecke ab, und angeblich auch vom Wetter bzw. Verkehr, aber mehr als 200 Kwanza habe ich hier noch nicht gezahlt pro Fahrt.

So, nun saß ich da also im Minibus nach Benfica und fuhr - ganz hinten rechts im Bus sitzend - durch die Vororte Luandas, über sehr gute Straßen, und auch wenn das keineswegs europäisch aussieht, ist das hier sicher nicht die ärmste Ecke der Welt. Überall sind relativ moderne Banken, Leuchtreklamen, englischer Fußball läuft überall auf den Fernsehen, die Autos sind entweder abgeranzte und halb zerbröselnde Uralt-Teile oder moderne Chevrolet-Schlachtschiffe - man merkt schon, dass Luanda keine ganz arme Stadt ist.

Nach Süden hin hat man dann öfter guten Ausblick aufs Meer und auf die gegenüberliegende Halbinsel (nicht meine Ilha, eine andere!), und irgendwann stiegen an einer Tankstelle (fast) alle aus, also auch ich, ich war wohl in Benfica. Nun stand ich da ein wenig verloren in der Weltgeschichte herum, wusste nicht, ob ich zurückfahren soll oder mich hier mal umgucken soll, als ich auf die Idee kam, dass ich ja vielleicht irgendwie an den "Miradouro da Lua", den "Aussichtspunkt auf den Mond", also eine Mondlandschaft, komme. Das waren zwar noch 50 Kilometer oder so, aber ich wollte es mal probieren. Ich ließ mich in den nächsten Kleinbus verladen in Richtung Ramiros (ich zeigte mit der Hand, wie gestern, die Fahrtrichtung an, es wurde eifrig genickt), und schon ging die weiß-hellblaue Luzi los.

So langsam wurde es ländlicher, und ich wurde nach einer halben Stunde Fahrt oder so (man wird hier ein wenig beäugt, aber wenn man sich nicht wie der letzte Idiot anstellt, merken die Angolaner dann auch schnell, dass man sich nicht völlig verlaufen hat) aus dem Kleinbus geschmissen - Endhaltestelle.

Nun stand ich da so ein bisschen im Dorf herum, kaufte mir an der Tankstelle ein Wasser (das war dringend nötig), sah nur einen Minibus weiter in Richtung Miradouro fahren, sah den aber erstens zu spät, und zweitens wurde es mir zeitlich jetzt ein wenig kritisch: Der erste Punkt war, dass ich ja nochmal 30 Kilometer vor mir hatte (und die wieder zurückmusste), vor allem aber - zweitens - nahm die Minibusdichte um Ramiros herum rapide ab, sodass ich - anders als in Luanda - nicht sicher war, dass zeitnah eines kommt, wenn ich es brauche. Gestern hätte ich es vielleicht riskiert, aber auf die Idee bin ich zu spät gekommen, und heute war mir das dann alles ein bisschen zu risikoreich, denn meinen Flug wollte ich höchst ungern verpassen (und auch nicht unbedingt im Dunkeln durch die Vororte von Luanda fahren; Slums im eigentlichen Sinn sind das da keine - die gibt es wohl, aber nicht da, wo ich war -, aber übertreiben muss man das ja nicht, auch wenn ich mich in Luanda ziemlich sicher fühlte).

Ich lief also über die Straße, wo die Minibusse auf die Abfahrt warten, ein Schaffner sprach mich an, wo ich hinwolle, ich sagte "Benfica", und schon ging es los, diesmal auf dem Beifahrersitz. Wir stiegen da aus, wo ich auf der Hinfahrt umgestiegen war und nahm nun einen Minibus in Richtung Aeroporto (Flughafen), wollte aber eigentlich ohnehin - vielleicht, eventuell - aussteigen, um in ein Rodízio-Restaurant zu gehen.

Der liebe Gott meinte es gut mit mir und meiner Gesundheit, denn ich saß so umzingelt von Menschen, dass ich mich nicht so recht traute, an der Stelle, wo ich hätte aussteigen sollen, "aquí parada, por favor" oder so etwas Ähnliches zu sagen (und die alle für mein Aussteigen aus dem Bus zu scheuchen). War doof, aber andererseits auch okay, weil ich mich dann wieder vollgefressen hätte ...

Der Bus fuhr vom Flughafen weiter in Richtung São Paulo, sodass ich sitzen blieb und dann unterwegs ausstieg, weil ich noch eine Fleischkneipe auf Google entdeckt hatte. Ich lief ein paar Meter, auch über eine Art Boulevard, nur um die Kneipe geschlossen vorzufinden. Menno!

Jetzt hatte ich, es war kurz vor 16 Uhr, genug und wollte wieder zur Ilha. Ich lief also zu amerikanischen Botschaft, weil ich annahm, dass die Minibusse, die dort von unten von der Hafenpromenade hochkamen, auch von dort hinunterfahren würden. Das war aber ein Fehlschluss, sodass ich wieder herunterlief an die Hafenpromenade und da das erstbeste Minibuslein auftat, das mir in die Quere kam.

Während einer Polizeikontrolle, in die der Bus völlig zurecht kam, weil da alles kaputt war, vom Getriebe bis zum Stoßdämpfer, stieg ich aus und lief die paar hundert Meter zu meiner Geburtstagskneipe von vorgestern. Dort aß ich wieder diesen tollen Garnelen-Früchte-Salat und danach ein tranchiertes Steak, auch das war lecker und nicht so knoblauchlastig wie gestern, das wird meinen Mitreisenden gefallen.

Es wurde jetzt dunkel, und die Minibusse fuhren entweder (voll) vorbei oder in eine andere Richtung, dann war Schichtwechsel in meinem Lokal, sodass zwei Dutzend Angolaner sich neben mich stellten, in verschiedene Autos einstiegen, aber irgendwann kam noch ein Minibus, wieder nach São Paulo, und in den stieg ich ein.

Während der Fahrt setzten sich zwei - entweder betrunkene oder sonst sehr laute - Mädels neben mich, die eine betatschte mich richtig, keine Ahnung, was die wollte, jedenfalls war ich froh, dass ich dem Schaffner dann an der amerikanischen Botschaft mit dem Sätzlein oben (jetzt traute ich mich, war jetzt alles wurscht) mitteilen konnte, dass ich aussteigen möchte.

Ich lief noch zehn Minuten durch das dunkle Luanda, war dann glücklich im Hotel, duschte nochmal ausgiebig und wurde dann um zehn vor acht vom Sohn des Hauses zum Taxi gebeten. Ich hatte mich nach der Ankunft hier - natürlich - abzocken lassen, denn der Taxifahrer war mit der Hälfte meines Ankunftspreises überglücklich, aber sei's drum ...

Die Bordkartenkontrolle hier am Flughafen ist ziemlich chaotisch. Ich hatte ja schon online eingecheckt und zeigte der Aufpassierin meine Online-Bordkarte, die verwies mich aber an den Check-in, der Aufpasser dort nahm mir mein Handy ab, ging an den Check-in, auf einmal war alles okay, auch bei der ersten Aufpasserin. Häh? Meint ihr, nur Business-Class-Menschen reisen mit Handy-Bordkarten?? Der dritte Kontrolleur kontrollierte mich dann binnen einer Minute zweimal; offenbar hatten ihn die ganzen Reisenden, einschließlich mir, verwirrt, die ihm - kurz vor der Sicherheitskontrolle - die noch ungeöffneten Wasserflaschen schenkten ... Irgendwie war das alles schräg. Die Ausreise war dagegen langwierig, aber problemlos, dann fing mich der Zöllner ab und fragte - glaube ich - ob ich verbotenerweise angolanisches Geld ausführe (tue ich selbstverständlich nicht ...), und jetzt sitze ich in der Lounge. In einer halben Stunde, Stunde ist Boarding, und dann geht es heim nach Europa, erst nach Lissabon, dann morgen früh nach Frankfurt. Um 12.35 Uhr kommt ich in Frankfurt an, wenn ich meine Verbindung in Lissabon erwische, was ein bisschen knapp werden könnte, weil mein Abflug sich etwas verzögern könnte, da der Flieger aus Lissabon Verspätung in der Ankunft hat. Aber ich hoffe mal, die werden warten, zwei Stunden müssten zum Umsteigen normalerweise reichen, auch wenn ich einreisen und durch die Sicherheitskontrolle muss.

Ein Foto vom Boulevard heute in Luanda:


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In den letzten Tagen haben eine ganze Reihe von Ländern die Erteilung von elektronischen Visa oder Visa bei Ankunft für deutsche Staatsangehörige eingeführt: Von Sierra Leone hatte ich schon erzählt, Russland macht das für Kaliningrad und St. Petersburg und heute hat Saudi-Arabien die Erteilung von eVisa begonnen - das wäre doch was für ein verlängertes Wochenende zu Jahresbeginn, mal sehen ...

Freitag, 27. September 2019

Die Stadt angucken

 ... wolle ich, sagte ich zu einem Freund und würgte damit das WhatsApp-Gespräch ab. Nun, das Angucken der Stadt sah so aus:






Und das wird auch das einzige Bild des heutigen Tages bleiben.

Ich schlief nämlich aus, bummelte im Bad, frühstückte akzeptabel, aber nicht feudal, und verließ dann gegen 11 Uhr das Hotel. Ich lief ein paar Schritte, suchte und fand die deutsche Botschaft (und bin immer wieder froh, dass ich sie finden darf und nicht finden muss, weil mir mein Pass abhandengekommen ist oder so ...).

Ich lief weiter, über oft halbwegs freie Gehwege (was in Afrika nicht selbstverständlich ist!), kam an der nigerianischen, der sambischen und der US-Botschaft vorbei, lief die Straße runter zur Hafenpromenade, setzte mich da auf eine Bank und genoss das Leben.

Der nächste Minibus für 100 Kwanza (25 Cent), der - die zeigen das Fahrtziel hier oft, sehr geografisch, durch Fingerzeig in die Richtung der Fahrt an - in Richtung Ilha fuhr, war meiner, und diesmal saß ich nicht auf dem Beifahrersitz (besetzt), sondern ganz hinten drin.

Unterwegs wurde fröhlich ein- und ausgestiegen, dann stiegen zwei Damen mit allerlei Gepäck zu (viel Knoblauch war dabei und ein fangfrischer Fisch ebenso ...), und mit denen, dem Schaffner und dem Fahrer fuhr ich bis zur Endhaltestelle am Leuchtturm am Ende der Ilha.

Ich guckte mir den Leuchtturm an (nix Besonderes), beobachtete die Menschen, die hier ganz gemütlich am Strand saßen, setzte mich dann auch auf einen Stuhl und hatte, mir nichts, dir nichts, nacheinander drei Bier verzehrt (das erste siehe oben). (Auf dem Weg vom Leuchtturm dahin, 50 Meter, sah ich einen Angolaner mit Deutschlandtrikot und Deutschlandhut ...)

Nun hatte ich Hunger und überlebte, ob ich an der Strandkneipe esse oder in mein avisiertes und sicherlich teures Lokal ginge (ich hatte heute Morgen zweimal Geld abgehoben, Geld würde kein Problem sein, so oder so). Der Fisch am Nachbartisch sah lecker aus, aber der Angolaner beschwerte sich bei der Kellnerin, sodass ich auch von dem Fisch Abstand nahm und die paar Meter zur Kneipe lief ...

Wow, das war ein richtiger Nobelschuppen, der ausschließlich von reichen Angolanern oder von Ausländern frequentiert wird. Am Ende hatte ich 75 Euro ausgegeben, aber mich dafür völlig überfressen mit leckerem Fisch als Vorspeise, guten Steakstreifen als Hauptgericht und - wie so oft - Lava Cake als Nachspeise. Den Abschluss bildeten zwei fantastische Waldbeercocktails für 9 Euro das Stück, aber die waren sooooo toll ...

Nach einigen Stunden verließ ich das Café del mar, ging ein paar Schritte, stieg in einen Minibus ein (der kostete jetzt ob der langen Strecke 50 Cent, Wucherer!) und stieg an der amerikanischen Botschaft aus. (Es fahren immer mehrere Minibusse gleichzeitig die gleiche Strecke, und wenn einer anhält, um einzuladen, überholen die anderen natürlich, sodass das immer ein bisschen ein Wettrennen ist ...)

Ich lief ein paar Meter zurück, kaufte noch Baobab-(Affenbrotbaum-)Milch, von der werde ich gleich noch ein bissel verzehren, aber dann auch ins Bett gehen. Das war eine schöne Reise, aber jetzt mache ich zum Abschluss noch ein bisschen Urlaub, das habe ich mir, glaube ich, verdient ...

Neulich (gestern!) schrieb ich, dass mir Luanda wie Nizza vorkommt, heute fühlte ich mich an Tel Aviv oder Miami erinnert. Luanda ist so schwierig zu vergleichen, weil es alle Schubladen sprengt. Natürlich sieht man an der sehr großen Zahl schwarzer Menschen im Stadtbild, dass das keine europäische Stadt ist, aber die Atmosphäre kommt heran an die einer Stadt in einem reichen Land. Nun ist Angola einerseits ein reiches Land, weil es sehr viele Ölvorkommen hat, aber andererseits geht es halt dem Durchschnittsangolaner beileibe nicht so gut wie einem Deutschen oder auch einem Amerikaner. Gleichzeitig hat man diesen massiven Widerspruch zwischen, zum Beispiel, (sehr) teuren Lokalen einerseits und spottbilligem Minibus, und das alles binnen weniger Meter oder Minuten.

Die Corniche könnte mit der in jeder europäischen Mittelmeerstadt mithalten, andererseits wird in Luanda so unfassbar viel gebaut, dass man schon daran deutlich merkt, dass das hier alles noch nicht fertig ist. Der Vergleich mit Tel Aviv geht jetzt ja fast in Richtung "Lieblingsstadt", so weit ist es noch lange nicht, aber - zumindest in der Innenstadt, und weiter raus war ich ja bisher nicht, weil das ohne eigenes Auto schwer bzw. teuer ist - gefällt mir das ziemlich gut.

Man sieht, wie ich mich allein schon mit Worten schwertue, mit Luanda klarzukommen, Luanda zu beschreiben, aber Luanda ist in jedem Fall eine der spannenderen afrikanischen Metropolen, und mit dem Strand auf der Ilha auch eine der schöneren. Wie so oft, es hilft nichts, kommt, guckt es euch an - es ist teuer, wenn man westlich leben will (was hier ohne Probleme geht), aber es geht auch günstiger, wenn man sich ein bisschen ins Abenteuer stürzt, Minibus fährt, in den lokalen Kneipen isst, vielleicht in nicht ganz für Westler gedachten Unterkünften übernachtet. Luanda drohe ich meine Wiederkehr an, allein schon, weil ich sehen will, wie das hier in fünf oder zehn Jahren aussieht, aber auch, weil ich mir südlich der Stadt (und in Angola insgesamt) noch ein bisschen was angucken will. Nächstes Mal miete ich ein Auto an, und dann geht's hier los ... Jetzt war das ein guter Abschluss einer sehr spannenden, einer schönen Reise, aber Angola lasse ich so schnell noch nicht vom Haken.

Gute Nacht!

Donnerstag, 26. September 2019

Bissel müde

... war ich heute Morgen schon, als ich hier gelandet bin, und umso schöner war es, dass ich um 6 Uhr schon aufs Zimmer konnte. Ich bin nicht ganz sicher, ob sie die Restnacht noch bezahlt haben wollen, aber das werden wir morgen oder am Samstag ausbaldowern, und nach diesem Urlaub, der wirklich nicht ganz billig war, ist es mir fast wurscht - denn die paar Stunden, die ich heute Morgen gepennt habe, waren ganz schön viel Geld wert - an jedem beliebigen Tag, aber an diesem Tage ganz besonders ...

Pustekuchen war es mit dem Taxi, da gab es wohl ein Missverständnis zwischen den drei Rezeptionisten und mir, wobei ich mich da unschuldig fühle, denn als ich um 22 Uhr an die Rezeption kam, wusste irgendwie keiner was. Das war alles kein Problem, aber ein bisschen angesäuert war ich, vor allem, weil die vorher so ein Geschiss gemacht hatten, dass ich früh fahren solle ...

Nun denn, das Taxi kam um 22.35 Uhr, kostete weniger als geplant, aber immer noch genug, und wir kamen nach einem wilden Ritt durch die nächtliche (jetzt hätte ich fast "nächtliche Nacht" geschrieben ...) Stadt am Flughafen an.

Es war jetzt, so gegen 23 Uhr, angenehm kühl in São Tomé, sodass es völlig okay war, in der Schlange draußen zu warten, bis der Einlasswächter Pass und Buchungsbestätigung (auf dem Handy) kontrolliert hatte und ich in die kleine Abflughalle durfte. Erstmal nahm ich meine Kontaktlinsen raus (mir ist jetzt hier die Kontaktlinsenflüssigkeit ausgegangen, und sowas gibt's in Afrika nur selten zu kaufen, jetzt muss ich halt mit Spucke versuchen - kein Scherz -, über die Runden zu kommen - Augenärzte müssen da ganz stark sein ...), dann checkte ich ein. Das dauerte zwar ziemlich lange, der Typ wollte meinen Visumwisch sehen, durfte er, dann ging es durch die Sicherheitskontrolle und durch die Ausreise.

Das Boarding war für 1.00 Uhr angesagt (Abflug also 2 Uhr, wie ich vermutet hatte), ging aber schon um 0.40 Uhr los, und um 1.37 Uhr starteten wir schon - das hatte ich mal bei Ryanair in Altenburg und zuletzt in Guatemala erlebt, aber mir war's recht.

Die Dame neben mir nervte ein bisschen, weil die sich ständig umzog und auf die Toilette musste, aber vor allem rückte sie nicht auf den Fensterplatz, obwohl der frei war. Jedenfalls berührte sie mich alle drei Sekunden, sodass jeder Einschlafversuch (der im Flieger ja ohnehin schon fast sicher zum Scheitern verurteilt ist) nun ganz sicher vereitelt wurde.

Das Frühstück aß ich kaum, wir landeten um 4.31 Uhr Ortszeit in Luanda (naja, wir schlugen auf ...) und waren also fast genau die geplanten zwei Stunden geflogen. Es ging mit dem Bus zur Einreise, dort war kein Schild zur Visumausgabe, also stellte ich mich in die Reihe für die Gelbfieberimpfung und dann für die Einreise, wurde dann aber abgeholt und zum Visabüro geholt.

Irgendwie hatte ich mich mit meinen US-Dollar verrechnet, denn ich hatte nur noch 100 statt 120, und es war für die Herrschaften ein echtes Problem, mit halb US-Dollar und halb Euro zu hantieren. Deswegen wurde ein Herr von der Bank hinzugezogen, und bei dem zahlten ein Ami und ich dann mit Kreditkarte, auch recht.

Ich wollte mich in die Einreiseschlange einreihen, wurde aber so durchgewunken, der Ami und ich begegneten uns nachher am Taxistand und waren beide etwas unsicher, ob das seine Richtigkeit hat - so ohne Stempel. Ein paar Stunden später sah ich, dass die mir im Visabüro schon einen Einreisestempel verpasst hatten, als ich mit dem Bezahlen beschäftigt war - auch recht ...

Das Taxi zum Hotel war teuer, aber noch bezahlbar (20 Euro für vielleicht zwanzig Minuten Fahrt), auch wenn ich den Taxifahrer mit Google Maps leiten musste. Er fragte zwar trotzdem ein paar Mal nach, am Ende bei einem Typen an einem Hauseingang, bis sich herausstellte, dass dieser Typ der Nachtwächter meines Guesthouses (Hotel ist zu viel gesagt ...) ist.

Hotel ist deswegen zu viel gesagt, weil es keine 24-Stunden-Rezeption gibt, sondern vielmehr die arme Verwalterin erstmal um 5.45 Uhr aus dem Bett geklingelt wurde. Sorry! Sie war aber sehr freundlich und ließ mich aufs Zimmer, wo ich die allernötigsten Verrenkungen machte, aber um 6.30 Uhr erstmal ins Bett fiel und pennte. (Das Zimmer ist übrigens sehr schön, nicht so riesig wie in Sierra Leone oder São Tomé, aber völlig ausreichend - und abnehmbare Duschköpfe hatte ich jetzt überall, soooooooooooo schön ...)

Um 12 Uhr war ich mitsamt Dusche und so wieder halbwegs hergestellt und verließ das Guesthouse, ohne irgendjemanden anzutreffen, dem ich meinen Pass hätte geben können zur formalen Anmeldung. Sei's drum.

Ich lief in Richtung eines Optikers, erklärte denen mit Händen und rudimentärem Portugiesisch, dass ich Kontaktlinsenflüssigkeit haben wollte, sie verstanden, glaube ich, was ich wollte, konnten mir aber auch nicht helfen. Mist, aber dann ist es halt so.

Ich lief jetzt den Berg runter in Richtung Bucht von Luanda, und was ich von da oben sah, gefiel mir ... (Unterwegs wurde ich von Horden von Schulkindern überholt, und es ist richtig auffällig, dass ich - der ich sehr schnell unterwegs bin - hier noch von Leuten überholt werde.) Die deutsche Botschaft, die ich besuchen wollte, ist Anfang September an einen anderen Standort umgezogen, sodass ich insofern Pech hatte, aber andererseits war ich jetzt an der Corniche, an der Hafenpromenade gelandet, und war ziemlich begeistert.

Ich war nur einmal kurz in Nizza, aber Luanda erinnert mich an die französische Mittelmeermetropole, mit der breiten Avenue da am Meer und den Palmen. An der Corniche gibt es einen Fußgänger- und einen Fahrradweg (!), und man hat einen hochinteressanten Blick auf die Hochhäuser, die es gibt und - vor allem - die gerade entstehen, denn überall sind Kräne ...

Ich Held vom Erdbeerfeld war daran gescheitert, eine Flasche Wasser zu kaufen (die Kassiererin hatte auf mich eingeredet, und dann war es mir zu blöd, ich hab die Flasche wieder zurückgestellt und bin danach nicht mehr dazugekommen, eine zu kaufen ...), sodass ich trotz der angenehmen Temperaturen und des angenehmen Windes so langsam Durst kriegte.

Von solchen körperlichen Notfallmaßnahmen wie Durst ließ ich mich aber natürlich nicht abhalten, beim Überqueren der grünen (!) Fußgängerampel mein Leben zu riskieren, weil die Autos hier noch bei Tomatenkirschblutrot über die Ampel fahren, wenn nämlich die Fußgängerampel schon grün ist (das habe ich nun wirklich noch überhaupt nicht erlebt). Ebenfalls nicht ließ ich vom Weg hoch zur Festung São Miguel abhalten, denn es sah aus, als ob da einen tollen Ausblick hätte.

Der Aufstieg war steil, ich hatte immer noch nix zu trinken, wurde beim Betreten der Festung, die heute Militärmuseum ist, von einem Soldaten rausgewunken, musste - inklusive Fotografiererlaubnis - 300 Kwanza Eintritt bezahlen, 75 Cent, das lasse ich mir gefallen, und marschierte dann in die Festung rein.

Die Ausstellung von Militärgerät aller Art interessierte mich nicht so, aber die Ausblicke von da oben (das kommt mir alles sehr neu vor, aber die Festung stammt anscheinend aus dem Jahr 1576 und wurde renoviert ...) sind toll, auf die Bucht, auf die Halbinsel (Ilha de Luanda) und auch auf das Mausoleum des ersten angolanischen Präsidenten, Agostinho Neto. Das ist nämlich ein regelrechter Turm, der hoch in den Luander Himmel ragt, sehr beeindruckend und von Ferne gut sichtbar. (Schön sind ebenfalls die Säle mit blau-weißen Kacheln, die die Stadtgeschichte Luanda darstellen sollen. Da würde es meiner Mutter ganz bestimmt gefallen, mal gucken, wie wir das mal verbunden kriegen ...)

Ich machte etliche Fotos, verließ das Ding dann wieder - zunehmend schleppenden Schrittes - und nahm dann unten an der Corniche - endlich - in einer Kneipe Platz, um meinen üblichen Dreiercocktail zu bestellen, wenn ich fast verdurste: Cola, Wasser und Bier ... (jaja, Ruhe da hinten ...)

Diese sehr moderne Waterfront-Bar mit Englisch sprechendem Personal war sehr schön, alles in allem auch bezahlbar, und nach dem Bier war ich mutig und stieg in so einen Minibus ein, mit dem die Angolaner fahren. Die Dinger fahren zwar mit Karacho über die Temposchwellen, dass man meint, man fliegt, aber sind halt unschlagbar günstig: Kostet ein Taxi schnell mal 10, 15, 20 Euro, so kostet eine Fahrt mit dem Ding 25 Cent ... Und wenn man ein dicker Europäer ist, darf man sogar vorne auf den Beifahrersitz ...

Ich wollte zu einer Grillkneipe, die bei Google an zwei verschiedenen Stellen ausgewiesen ist, wir fuhren an der ersten vorbei, ohne dass ich etwas sah, aber ich stieg dann - hochintelligent, wie ich nun einmal bin - zwischen den beiden Örtlichkeiten aus. Ich lief nochmal zurück - am sehr, sehr schönen Strand der Ilha do Cabo, auch wenn ich nicht weiß, ob man da richtig schön in sauberem Wasser schwimmen kann, das müsste man mal erkunden, aber eigentlich habe ich meiner Badehose versprochen, dass sie hier nochmal richtig austrocknen darf ... -, fand nix und lief dann zur weiter nördlich gelegenen Location.

Dort war offen, aber sehr leer, ich setzte ich auf die Terrasse und gönnte mir zur Feier des Tages Vorspeise, Hauptgang und doppelt Nachtisch (Süßkram und Früchte). Vorspeise war ein in einer halben Ananas servierter Salat mit Ananas, Erdbeeren und Garnelen, Hauptspeise ein Bacalhau mit Zwiebeln, Oliven und lecker Knoblauch, und zum Nachtisch gab es ein - ebenfalls sehr leckeres - Schokoladensoufflé ...

Zahlen konnte ich - sowohl in der Waterfront-Bar als auch in dem Etablissement - theoretisch mit Karte, praktisch aber wurde die Karte abgelehnt, wobei ich nicht sicher bin, ob das an dem Terminal oder an meinen Karten liegt. Ich fürchte, es liegt daran, dass die Terminals hier die PIN wissen wollen, aber meine (deutschen) Karten "lieber" unterschrieben werden möchten, denn, obwohl ich die PIN eingebe, wird das abgelehnt ...

Nunja, ich konnte dann mit US-Dollar bezahlen, die ich dank der Kreditkartenzahlung heute Morgen noch habe, aber ich muss dann so langsam mal eine Bank finden, bei der ich garantiert Geld abheben kann (heute Morgen ging das auch nur im dritten Versuch), damit ich hier alle Rechnungen begleichen kann, wenn meine Karte ständig abgelehnt wird ...

Aber darüber mache ich mir morgen Gedanken, erstmal wird gepennt, und morgen wird ausgeschlafen, selbst wenn ich das Frühstück verpasse (auch wenn das, wenn ich so früh ins Bett gehe, es ist kaum 21 Uhr hier, unwahrscheinlich ist). Und dann schauen wir mal, wie ich mir hier die Zeit vertreibe, es gibt wohl noch ein paar ganz hübsche Kirchlein, und wenn ich am Ende doch nochmal am Strand lande, wird meine Badehose halt überstimmt ...

So langsam freue ich mich aber auch wieder auf Deutschland (nein, nicht auf den nieseligen Herbst, aber aufs eigene Bett), am Samstag Abend geht es ja los, am Sonntag Morgen steige ich in Lissabon um und bin dann am Sonntag Mittag in Frankfurt. Ich vermute, ich werde dann erstmal ausgiebig duschen, und danach gibt es drei Möglichkeiten: Bett, Sauna oder Sherry. Wie immer gilt: Ich werde berichten ...

Eine treue Leserin hat sich über die zu langen Texten und zu wenigen Bilder beschwert. Die Texte werden mal lang, mal kurz, da werde ich nicht künstlich anfangen zu kürzen, aber es gibt heute mal fünf Bilder als Zeichen meines guten Willens:

Blick auf Luanda von der Festung

Auf der Festung

Blick auf das Mausoleum von Agostinho Neto

Wandmosaik an der Festung

Strand auf der Ilha

Mittwoch, 25. September 2019

Einen faulen Abschluss

... habe ich heute gemacht bzw. mache ich immer noch, denn ich sitze jetzt wieder in dem Pestana-Hotel in São Tomé-Stadt, in dem ich nie übernachtet habe, aber mehr Geld gelassen habe als so mancher Übernachtungsgast ...

Ich hatte mir das schön überlegt mit dem Nehmen der späten Fähre und kam dann auf die Idee, dass ich ja mal fragen könnte, ob ich mein Zimmer bis zur Abfahrt der Fähre um 16.30 Uhr behalten könne. Das konnte ich nach einigem Hin und Her, natürlich gegen Gage, aber die 30 Euro machten jetzt den Kohl auch nicht mehr fett, und ich würde noch gemütlich duschen gehen können.

Ich frühstückte ausgiebig, aß drei der vier hartgekochten Eier und dazu lecker Chorizo und Zwiebelgemüse, trank den Goldplaumensaft (cajamanga) fast aus und war dann satt.

Es folgte der obligatorische Spaziergang auf die Südhalbkugel, zu meinem Aussichtspunkt, und danach ging ich wieder an meinen Robinson-Crusoe-Strand ganz um die Ecke, an dem ich aber kaum jemanden sah, und badete dort in der Brandung, die aber durch die Felsen vor dem Strand entsprechend abgemildert wurde. Heute war da kein lebensmüder Schnorchler in der Brandung drin, der Typ war gestern in die Verengung zwischen zwei Felsen gegen die Wellen hineingepaddelt, ich war wirklich nicht sicher, ob der wusste, was er tat ...

Jedenfalls, und darauf muss ich zurückkommen, hatte ich gestern zumindest die Füße in zweien der sieben Weltmeere, denn nach der von mir bevorzugten Definition zählen Nord-Atlantik und Süd-Atlantik als zwei Weltmeere (neben dem Nord-Pazifik, dem Süd-Pazifik, dem Indischen, dem Arktischen und dem Antarktischen Ozean). Heute nahm ich dafür nur Abschied vom Nord-Atlantik, denn heute Nacht geht es an den Süd-Atlantik ...

Die deutsche Taucherin und ich trafen uns zu ihrem Mittagessen (ich verzichtete, weil ich sehr gut gefrühstückt hatte und nicht extra zahlen wollte, was nach einigem Telefonieren mit der Rezeption dann auch klappte), danach ging sie wieder tauchen und ich machte mir noch einen schönen Nachmittag, schwamm im Meer und erstmals im Pool, machte mich dann fertig und checkte pünktlich aus, nachdem ich auch die frisch gewaschene Wäsche im Koffer verstaut hatte ...

Die Überfahrt zurück auf die Insel São Tomé war problemlos, der Bus kam bald und dann ging es - die letzte Stunde im Stockdunklen - zurück nach São Tomé-Stadt.

Hier habe ich jetzt in dem Hotel zu Abend gegessen, tippe diese Zeilen, um 22 Uhr kommt schon mein Taxi, weil eine gewisse Verwirrung besteht, ob mein Flug um 1 Uhr oder um 2 Uhr Ortszeit geht. Ich glaube zwar, dass 2 Uhr korrekt ist, aber ob ich jetzt hier rumhänge oder am Flughafen, ist am Ende auch wurscht ...

Gleich also, um wenige Stunden nach Mitternacht am 26. September, geht es in mein 142. Land - mal sehen, wie das mit der Visumerteilung am Flughafen in Luanda und dann mit der Taxifahrt in die Stadt klappt. Ich werde berichten, das wird bestimmt interessant ... Müde bin ich jetzt schon, was soll das morgen erst werden?

Heute habe ich leider keine Fotos für euch. War zu faul ...

Bisschen verschätzt

... haben meine Begleitung, eine deutsche Taucherin, und ich uns bei der Entscheidung, wann wir aufbrechen müssen, um pünktlich vor Einbruch der Dunkelheit von unserem Ausflug an die Südspitze der Insel zurückzukommen ... Wir leben aber noch. (Und an meinen Bruder: Nein!)

Irgendwie war das ein schöner, wenn auch verregneter Tag, der mit einem guten Frühstück anfing. Danach erkundete ich ein bisschen die Insel, entdeckte das zweite Lokal, das es hier im Resort mal gab (ist inzwischen zu, obwohl man einen schönen Ausblick auf das nördliche Kap hat), ging dann eine uralte Steintreppe runter an den Strand. Das Wasser war ein bisschen wild, aber ich entdeckte eine Stelle hinter den Felsen, wo ich zehn Quadratmeter Sandboden hatte - dort badete ich ganz entspannt, bei nicht soooo hohen Wellen, das hat richtig Spaß gemacht.

Ich ging weiter auf der Ostseite der Insel in Richtung Äquator, überquerte diesen auf einem Feldweg und sah einen weiteren Aussichtspunkt, der noch relativ gut gesichert aussah. Von da hatte ich einen tollen Blick auf die Ostküste, sehr, sehr schön ...

Weiter ging es über einen Trampelpfad, aber als mir die Mensch(1)-Schwein(>>1)-Dichte zu schweinelastig wurde (und weil ich nicht das Mittagessen verpassen wollte ...), drehte ich relativ bald um und ging den Trampelpfad zurück. Ich aß ein wenig zu Mittag, es fing bestialisch an zu regnen, nach den zweihundert Metern vom Restaurant zu meinem Chaletle war ich pitschnass - den Rest des frühen Nachmittags verbrachte ich in der Bude und verfolgte die politische Berichterstattung aus dem Vereinigten Königreich.

Um 16 Uhr schien der Regen aufgehört zu haben (jedenfalls behauptete Google das), sodass ich die Taucherin fragte, ob wir den avisierten Spaziergang unternehmen wollten. Eigentlich war der Plan, zum Äquatormonument, zum Vulkankrater hier und zu den Furnas bzw. Fumarolen an der Südspitze der Insel zu marschieren. (Mehr dazu, was Furnas bzw. Fumarolen sind, gleich ...)

Ich hatte eine Karte der Insel dabei (die uns sehr gute Dienste erwies, weil die Inselwege auf Google Maps nicht eingezeichnet sind, die Karte wird aber morgen ob ihrer Zerstörung durch die Wanderung rituell und mit Dankesbekundungen bestattet ...), natürlich ging es nach gefühlt drei Metern an zu regnen, aber hey, wir waren doch hervorragend ausgestattet, in Flipflops über den schlammigen Feldweg da runter, zweimal fast ausgerutscht, über zig Kokosnussschalen latschend, im Regen (der von den Blättern des Regenwaldes über uns zum Glück ein wenig abgemildert wurde), landeten wir nach einer Dreiviertelstunde Fußweg vorbei am - auf der Karte markierten - Mangobaum schließlich an der Südküste.

Wir waren dem Weg gefolgt und ein bisschen nach Westen abgekommen, aber das war nicht schlimm, denn wir waren an einem schönen Sandstrand, an dem - den Spinnweben auf dem Weg nach zu urteilen - schon lange Zeit niemand mehr gewesen war ... Das war wieder mal so'n bisschen Robinson-Crusoe-Feeling, so vom Gefühl her. Hab ich lange nicht mehr gehabt ...

Wir latschten den Weg in Richtung Osten und sahen aus Ferne schon die Gischt und die Furna bzw. die Fumarole. Ich komme noch nicht so ganz mit den Begrifflichkeiten klar. Anscheinend sind sowohl Furna wie Fumarole zunächst einmal tiefe Trichter im Gestein. Während aber bei einer Furna wohl damit Schicht im Schacht ist (was für ein Wortspiel, ich bin mal wieder total begeistert von mir ...), wird das Wasser in einer Fumarole aufgrund der vulkanischen Aktivität in Wasserdampf verwandelt und dann geysirartig exhaliert wird. In den Wikipedia-Artikeln zu Rolas bzw. auf der Karte wir mal von Furna, mal von Fumarole gesprochen, jedenfalls ist das sehr eindrückend, wenn der Wasserdampf da aus dem Loch herausschießt.

Direkt nördlich von dem Ding, also in Windrichtung, ist die Vegetation auch völlig anders als im umgebenden Palmenwald, da sind grüne, niedrige Pflänzchen, das ist richtig auffällig.

Der Ort dort ist übrigens ganz nah am südlichsten Punkt von São Tomé und Príncipe, da fehlten noch Luftlinie wenige hundert Meter.

Jetzt war es aber schon 17.10 Uhr, da ich an dem Strand noch die Füße vom gröbsten Schlamm befreit hatte, sodass es höchste Zeit wurde, den Heimweg anzutreten. Wir stolperten also bei einsetzender Dämmerung (zu allem Überfluss waren wir auf der Ostseite der Insel, die jetzt also noch weniger Sonnenlicht abbekam als die Sonnenuntergangsseite im Westen) über Steine, Schlamm, Kokosnüsse und Palmwedel, fanden die Abkürzung nicht und liefen daher den östlichen Teil des Rundweges.

Unterwegs begegneten uns ein paar Einheimische, die ihre Kokosnüsse abtransportierten. Wir kamen an eine Kreuzung und gingen geradeaus (und ich bin mir sehr sicher, dass wir da auch gut angekommen wären, weil wir auf den Hauptpfad zurückgekommen wären), woraufhin uns die Einheimischen, die einen ähnlichen Weg hatten und kurz hinter uns waren, anriefen und uns verständlich machten, dass wir ihnen folgen sollten ...

Das taten wir unter mehrfacher Obrigadoisierung und kamen schließlich mitten am Hintereingang des Resorts raus. Mein Weg führte ans Meer, um meine Füße zu waschen, ich habe mir am Flipflop-Band eine Blase gelaufen, das war einfach eine Schnapsidee, aber eine gute ...

Nach der Dusche (ahhhh ...) ging es bald zum Abendessen und jetzt geht es gleich ins Bett.

Schön ist es hier, und ich habe vor, den Tag morgen noch ausgiebig zu genießen, um dann mit der späten Verbindung zurück nach São Tomé-Stadt zu fahren.

Fotos (das mit "A." gekennzeichnete Foto hat die Taucherin gemacht):


Robinson-Crusoe-Strand an der Nordküste

Blick aufs Meer in der Nähe des Äquators

Tief im Urwald santomense (A.)
Fumarole