Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Samstag, 3. März 2018

Tschüss, Schatzi

Die Verabschiedung, die einer der Ober in unserer Abendessenkneipe (nicht unser sehr freundlicher Hauptober) Christina entgegenwarf, war völlig daneben, aber ansonsten war der Tag heute ziemlich schick.

Nach dem Zubettgehen am heutigen frühen Morgen waren wir trotzdem recht früh wach. Wir ließen uns Zeit, frühstückten überraschend gut (wir waren uns einig, dass es nichts gibt, was dieses Hotel richtig böse schlecht macht, aber halt auch nichts, was uns begeistert ...) mit Ausnahme des Fischs, der mich fast zum Würgen brachte, und liefen dann in die frische Luft des Belgrader Morgens.

Wir liefen - fast hätte ich uns falsch geleitet - in Richtung des Studentenplatzes (der heißt wirklich so, weil er an der Uni liegt). Mit Hilfe von Google Translate kaufte ich uns für 2,50 € pro Person zwei Tageskarten für den öffentlichen Nahverkehr, danach stiegen wir in die Linie 31 zum Tempel des heiligen Sava. Vorbei ging es am Platz der Republik und am Slavija-Platz, und nach einigen Minuten standen wir vor einer der größten Kirchen der Balkanhalbinsel.

Von außen ist diese Kirche schon sehr beeindruckt, innen sieht man, dass sie noch sehr im Bau ist (mal gucken, ob sie 2035 zum hundertjährigen Jubiläum des Baubeginns fertig ist ...), aber die Kuppel sah schonmal sehr gut aus, im Gegensatz zum Betongerippe und dem Gerüst unterhalb.

Christina erinnerte mich, dass es nebenan die Kirche des heiligen Sava gäbe, und diese Kirche ist fertig und - in ihrer blauen Grundfarbe - sehr schön innendekoriert, das hat uns schonmal sehr gut gefallen.

Wir fuhren zurück in Richtung der Innenstadt und stiegen in der Nähe der Markuskirche aus. Zunächst begutachteten wir das Gebäude des Parlaments mitsamt "Kosovo ist unser"- und "Böse NATO-Aggression"-Plakaten davor, ehe wir am sehr wuchtigen Gebäude der Hauptpost vorbei in den kleinen Park gingen, der die Markuskirche beherbergt.

Die Markuskirche ist weniger üppig bemalt im Inneren, aber das, was bemalt ist, ist ebenfalls sehr schön anzusehen.

Nach dem Besuch dieses Kirchleins machten wir unsere Mittagessens- und Abendessenplanung und stiegen danach in den Bus, der uns weiter in Richtung Innenstadt führen sollte. Wir stiegen am Platz der Republik aus, und endlich bekam ich die Chance, meine Reisebegleitung im Seich herumzuführen. Als ich es endlich merkte, hatten wir schon so viele Höhenmeter verloren, dass wir weiter den Berg herunterliefen, um dann in die Straßenbahn einzusteigen, die uns wieder den Berg hochfuhr.

Wir kamen wieder am Platz der Republik raus und machten den zweiten Anlauf, diesmal in eine um 90 Grad versetzte Richtung. Dort kamen wir in die - immer noch oder schon wieder - reichlich mit Weihnachtsschmuck verzierte Fußgängerzone, liefen diese entlang und hatten uns schon fast für eine typisch serbische Mittagessenkneipe entschieden, als wir doch noch ein paar Meter laufen wollten (wir hatten ja schließlich für uns beide untypischerweise gefrühstückt).

Unterwegs begegnete uns der Ausblick auf die Kathedrale und wenige Meter davor eine andere Kneipe, in die wir nach kurzer Verzögerung einfielen.

Die Manufaktura ist eine relativ moderne Kneipe mit laut Eigenwerbung "authentischer Balkanküche", in der wir durchaus lecker Schopska-Salat, gekochtes Kalbfleisch und gegrilltes Kassler aßen. Meinem Bier folgte ein Birnenbrandy, Christinas Heißgetränke waren weniger berauschend, aber insgesamt waren wir mit der Manufaktura sehr glücklich. Die könnte demnächst durchaus in meiner Restaurantempfehlungsliste auftauchen.

Nach ausgiebigem Mittagsmahl ging es in die Kathedrale, in der man (leider) die etwas düstere Innenbemalung nicht fotografieren darf. Ein Spaziergang herunter zum Save folgte und nach einem Hindernisparcours über Bahngleise und eine Leitplanke standen wir an der Haltestelle der Straßenbahnlinie 9, die uns zum Hauptbahnhof bringen sollte, wo wir in einen Bus in Richtung Neu-Belgrad auf der anderen Save-Seite umsteigen wollten, um dort dann später zu Abend zu essen.

Als die 9 nach endlicher (langer) Zeit endlich kam, stiegen wir ein paar Haltestellen später aus, um in die 83 umzusteigen. Die Haltestelle der 83 war ganz neu verlegt, sodass wir die erste 83 verpassten. Ein paar Minuten später kam die nächste 83, die aber an der alten Haltestelle hielt, was nicht nur uns zu verdutzten Gesichtern bewegte. Der Busfahrer bemerkte seinen Fehler, hielt mitten auf der Straße für uns an und wir stiegen ein.

Es ging durch nicht so richtig reiche Gegenden entlang der Hauptstraße zwischen Belgrad und seinem Flughafen, ehe wir in Gardoš ausstiegen. Einem Rundgang durch die kleine Altstadt und den hübschen Marktplatz folgte ein Spaziergang entlang der Donau zu den am Ufer gelegenen Restaurants.

Wir waren viel zu früh da, guckten uns die Gaststätten an und planten dann um: Abendessen heute Abend in der Stadt, Mittagessen morgen in Gardoš und unmittelbar anschließend Fahrt zum Flughafen. Entsprechend fuhren wir unverrichteter Dinge mit unserer Tageskarte zurück, stiegen einmal um und kamen dann am Ende in Skadarlija, einem Kneipenviertel raus.

Von Schleppern bequatscht bahnten wir uns den Weg, entschieden uns zunächst für ein Café außerhalb des Kneipenviertels, verquatschten uns dort bei Latte, heißer Schokolade (Schokoladenpudding) und Chai-Latte, bekamen dann in unserem anvisierten Restaurant im Kneipenviertel keinen Platz mehr (zu spät dran ...) und landeten schlussendlich im "Drei Hüte".

Die, sagen wir, traditionelle serbische Livemusik störte uns nicht wirklich, wir aßen lecker überbackene Hühnchenbrustpasta und Ćevapi, tranken Cola und Nikšićko Pivo (lecker Bier) und kamen über Jazz und Malerei und Gott weiß was ins Gespräch. Sehr schöner Abend.

Irgendwann standen die Musiker direkt neben unserem Tisch, was uns zum Aufbruch verlasste. Ein kurzer Spaziergang heim zum Hotel folgte, schweren Herzens entschieden wir uns gegen einen Absacker im City Pub von gestern und sind also relativ früh im Hotel.

Schön war's in dieser etwas rauhen Metropole, bei der man vor lauter Schlaglöchern und Pfützen auf den Gehwegen aufpassen muss, wo man hinlatscht, wo die Busse von hochmodern zu uralt wechseln, in der man mit Englisch sehr, sehr weit kommt und in der man sich, wohlwissend, dass es keine Stadt ist, die Touristen zu Abermillionen anziehen wird, durchaus irgendwe wohlfühlen kann.

Aber was heißt "schön war's"? Morgen ist auch noch ein Tag, da geht es auf die Festung und darüber wird auch berichtet nach unserer Heimkehr, denn der Flug geht um 17.30 Uhr am morgigen Sonntag.

Dann folgt auch ein ausgiebigeres Fazit. Fotos? Fotos:

Tempel des heiligen Sava außen ...

... und innen

Kirche daneben

Markuskirche außen ...

... und innen

Demo mit Porträt von Ratko Mladić

Mit einem Apfel zum Abendessen

... musste die arme Christina heute vorliebnehmen, aber ich verspreche, dass es morgen Abend besser wird.

Der Arbeitstag am Freitag war erfolgreich, aber ein bissel zäh, und um 16.30 Uhr verließ ich das Büro. Wir erwischten die Bahn um 16.49 Uhr gerade noch so, standen aber in Mainz und dann nochmal vor dem Flughafen ein paar Minuten.

Nach der Ankunft am Flughafen fuhren wir mit der Skyline zum Terminal 2, reisten sofort aus und fuhren dann, ebenfalls sofort, mit dem Non-Schengen-Wagen der Skyline zum Terminal 1 zurück. Für die Nicht-Frankfurt-Experten: Die Skyline, der Verbindungszug zwischen Terminal 1 und Terminal 2 des Frankfurter Flughafens, hat zwei Wagen: einen "normalen" für die Besucher, Originärpassagiere und Schengen-Umsteiger und einen "Non-Schengen-Wagen" für die Leute, die gar nicht in den Schengen-Raum einreisen, aber am Terminal 1 ankommen und zum Terminal 2 müssen oder umgekehrt.

Und heute Abend wollte ich mal probieren, wo man denn da so hinkommt. Also fuhren wir vom Terminal 2 zum Terminal 1 und stiegen im Bereich AZ aus. Dort guckten wir, bis wohin das funktioniert, nämlich bis zur Sicherheitskontrolle für den Bereich Z und bis zur Einreise in A - sehr interessant, das waren nämlich Orte, an denen ich meines Wissens noch nie war. Danach ging es zu B, auch dort guckten wir uns um, und schließlich stiegen wir an der 1C-Station aus, an der man überhaupt nur aussteigen kann, wenn man im Non-Schengen-Wagen unterwegs ist.

Wir vermuten, dass die Sicherheitsleute uns inzwischen auf dem Kieker hatten, aber wir konnten ungehindert uns im Bereich 1C umgucken und dann auch durch den CD-Riegel in Richtung Terminal 2, Flugsteig D, wandern.

Dort warteten wir, bis endlich unser Gate aufgerufen wurde, gingen durch die leere Sicherheitskontrolle (die nach uns zugemacht wurde - die hätten fast meinen Koffer im Scanner vergessen, wenn ich nicht komisch geguckt hätte ...) und konnten dann problemlos boarden.

Im Flieger war es viiiiiel zu warm und ein bissel eng, aber der Flug war kürzer als veranschlagt, sodass wir trotz Verspätung pünktlich ankamen. Die Einreise nach Serbien ging sehr fix, der ursprüngliche geplante Bus wurde zu Gunsten des früher abfahrenden Minibusses verschmäht, wir stiegen unterwegs aus und kämpften uns den Weg an Schneepfützen vorbei in Richtung Hotel.

Das Hotel ist, ähm, okay, sicher kein Luxus und keines der besten Hotels, die ich je gesehen habe, aber für 50 Euro pro Nacht im Doppelzimmer und bei guter Lage ist das noch halbwegs akzeptabel.

Wir verließen das Hotel gegen 23.45 Uhr wieder, suchten eine Kneipe mit Essgelegenheit, fanden keine, ich hatte im Flieger gegessen, Christina kaufte ihren Apfel und verspeiste diesen, ehe wir in das "City Pub" mit Livemusik einfielen.

Christina trank zwei Cola, ich zwei Craft Beer, die Musik war laut, serbisch und gar nicht mal schlecht, wir sangen manchmal den Refrain mit, soweit dieser aus Grunzlauten bestand, und freuten uns ob der Tatsache, dass wir in Belgrad sind.

Um 1.30 Uhr verließen wir das verrauchte Pub, sind jetzt im Zimmer, es geht gleich in die Heia und morgen wird Belgrad erkundet.

Belgrad, das ist, nach dem mehr oder weniger ersten Eindruck, eine raue Metropole mit dem einen oder anderen Schlagloch, aber mit sehr interessanten Menschen und sehr interessanten Orten. Mal gucken, ob dieser erste Eindruck (meine zehn Stunden in Belgrad 2004 sind verjährt) morgen anhält.

Jetzt gehen wir erstmal ins Bett. Gute Nacht!

Samstag, 24. Februar 2018

Kalte Füße

... habe ich in den letzten Tagen so ein bisschen wegen Südossetien gekriegt, und das liegt nicht daran, dass in Wiesbaden Temperaturen um den Gefrierpunkt sind.

Irgendwie scheint das alles nicht so richtig zu passen, und ich denke, wenn ich gemütlich Moskau und Kasan mache, ist das auch völlig in Ordnung. Ich habe den Verdacht, dass mir Südossetien nicht so schnell davonläuft ...

Gestern Abend und heute Mittag habe ich die Buchungen insofern finalisiert, als dass ich in der Woche in Russland jetzt erstmal für jede Nacht ein Dach über dem Kopf habe: Ich komme am 24. Juni in Moskau (Scheremetjewo) an und werde gleich mal ins Hotel fahren, mein Gepäck abwerfen und auf den Roten Platz fahren. Am 25. Juni fliege ich von Wnukowo aus nach Kasan und habe eine Art Hütte (wenn ich das richtig erkenne) in einem Vorort von Kasan gebucht, alles andere war völlig unbezahlbar. Der Art, in dem ich da wohne, heißt Zaimischtsche (oder so, das ist mit der Transkription immer so eine Sache) und liegt auf mehr oder weniger halbem Weg zwischen Kasan und Innopolis, einem weiteren Vorort von Kasan, in dem die Syrerin mit Mann und Tochter wohnt, die ich Ende 2009 mit meinen beiden Briten besucht hatte.

Ich habe es ihr gestern schon geschrieben: Als Deutschland tatsächlich nach Kasan gelost wurde, fing ich an zu glauben, dass es mit einem Wiedersehen klappen könnte, und es ist umso schöner, dass es jetzt tatsächlich klappen wird. Eigentlich wollte ich die drei ja zum Essen einladen, aber sie haben darauf bestanden, mich mit syrischem Essen zu bekochen - und da sage ich ganz gewiss nicht nein, denn russisches Essen kriege ich in der Woche in der Russland mit großer Wahrscheinlichkeit in ausreichendem Maß.

Nach dem Besuch des Spiels gegen Südkorea am 27. Juni um 17 Uhr Ortszeit (15 Uhr deutscher Zeit, wenn ich es richtig weiß) fliege ich dann am 28. Juni wieder nach Moskau zurück. Für die drei Tage habe ich jetzt eben ein Hostelzimmer mit eigenem Bad in Moskau gebucht, mal gucken, ob es dabei bleibt oder ich mich zwischendurch noch umentscheide. Wichtig war für mich jetzt erstmal, mehr oder weniger irgendetwas zu haben, damit ich nicht in den warmen russischen Wintern unter einer Brücke schlafen muss.

Joa, und dann geht es am 1. Juli eben wieder über Belgrad zurück nach Frankfurt.

Meine Fan-ID habe ich eben auch beantragt: Die Russen verlangen, dass alle Fans eine spezielle Identitätskarte für die WM besitzen. Damit genießt man aber auch den einen oder anderen Vorteil, insbesondere kann man visumfrei nach Russland einreisen, man kann aber auch in den Sonderzügen, die zu den Spielorten fahren, kostenfrei mitfahren (das ist wahrscheinlich mit ein Grund, wieso Inlandsflüge immer noch einigermaßen bezahlbar waren). Nun, diese Fan-ID habe ich heute Mittag nun auch beantragt; sie wird mir dann per Post nach "Wiesbaden, Bezirk Wiesbaden, Gebiet Hessen" zugeschickt - wäre besser so, denn sonst stünde ich ohne Fan-ID und ohne Visum bei der Einreise ganz schön doof da ...

Wenn ich Kollegen oder Bekannten von der erfolgreichen Buchung erzähle, fragen die mich immer ganz ungläubig, was ich dafür denn gemacht hätte - ich glaube manchmal, die meinen, ich hätte einen faustischen Pakt geschlossen oder hohe FIFA-Funktionäre bestochen. Dabei habe ich mir einfach "nur" die Mühe gemacht, mich um auf der FIFA-Seite um eine Karte zu bewerben, und damit bisher immer Glück gehabt ... (Mist, jetzt habe ich mein Erfolgsrezept verraten.)

Mit dem Spiel gegen Südkorea verlängere ich dann also meine Serie von besuchten Welt- und Europameisterschaften auf fünf:
Ich hätte nichts dagegen, wenn es zum fünften Mal ein Zu-Null-Sieg für Deutschland würde ...

Achso, apropos Sport, natürlich habe ich gestern Abend nach kurzfristigen Flügen nach Seoul geguckt, um das Olympiafinale im Eishockey vielleicht doch noch mitzunehmen, aber knapp 1.000 Euro wären für eine solche Schnapsidee dann doch des Guten deutlich zu viel gewesen ...

In einer Woche um diese Zeit bin ich in Belgrad - olé ...

Donnerstag, 22. Februar 2018

Wirf die Gläser an die Wand

Wir werden ja sehen, ob Russland ein schönes Land.

Dienstag Abend hatte ich auf meiner Kreditkartenabrechnung eine Blockung gesehen, die nach kurzer Rechnung ziemlich genau 210 US-Dollar entsprach. So viel Geld kostet aber genau eine WM-Karte für das Spiel Südkorea oder Deutschland, für das ich eben meine Karte bestellt hatte.

Den gestrigen Tag nutzte ich, um einige Absprachen zu treffen (mehr gleich), und am Abend war dann die Abbuchung offiziell vollzogen, und da stand "FIFA, Zürich" druff - passt. Noch in der Nacht buchte ich einen Flug nach Moskau über Belgrad: Ich werde am Sonntag, dem 24. Juni, morgens in Moskau ankommen und eine Woche später, am 1. Juli, wieder zurück nach Frankfurt fliegen.

Jetzt muss ich noch gucken, wie ich nach Kasan komme (da gibt's auch Flüge), aber erstmal wollte ich mich mit der syrischen Bekannten kurzschließen, wieviel Zeit sie und ihre Familie mit mir verbringen will und kann, ehe ich dann die Strecke nach Kasan buche.

Ein Hotel wollte ich eigentlich schon buchen (jederzeit stornierbar ...), aber da ging auf der Buchungsseite ganz gründlich was schief, weil ich plötzlich ein Hotel auf der Krim angezeigt bekam - da prüft man einmal nicht fünf Mal, ob der Ort richtig ist, dann passiert sowas ... Naja, muss ich das Ding halt stornieren, wird schon passen.

Zwischenzeitlich war nicht ganz klar, ob ich Flüge von Frankfurt nach Moskau oder von Budapest nach Moskau buchen sollte, denn es sieht so aus, als ob ich dieses Jahr berufsbedingt ein paar Wochen/Monate in Budapest verbringe. Daher musste ich mit den Chefs jetzt doch relativ dringend abklären, wann ich denn in Ungarn sei, damit ich eben entscheiden kann, ob ich von dort oder aus Deutschland fliege. Der zuständige Chef meinte gestern, es werde mit Budapest doch eher Herbst, sodass ich also für den Juni ab Frankfurt gebucht habe.

Das alles wiederum eröffnet ungeahnte und nur durch meinen Geldbeutel beschränkte Möglichkeiten, über die diversen Brückentage Ende April und im Mai mal ein paar Kurztrips zu machen.

Achso, alles fügt sich, wie es soll: Eigentlich hatte ich ja im September die dreieinhalb Wochen Neuseeland geplant, das wäre mit der neuen Ungarn-Planung jetzt natürlich kompliziert geworden - "praktischerweise" hat mir meine angedachte Reisebegleitung für Neuseeland am Wochenende abgesagt, sodass Neuseeland jetzt erstmal auf Eis liegt. Die drei Wochen Urlaub müssen dann natürlich zumindest zu einem großen Teil in den Sommer geschoben werden, oh, das wird noch schön zu planen ....

Sonntag, 11. Februar 2018

Vorauseilenden Gehorsam

... zeigten die ganzen Amis und Möchtegern-Amis am Flughafen, weil die alle ihre Schuhe auszogen, obwohl an den Hinweistafeln nur stand, dass man aufgefordert werden könnte, die Schuhe auszuziehen. Wie immer stellte sich heraus, dass man nur mit de Leut schwätze muss: "Shoes okay?", fragte ich und konnte sie anlassen (meinen Mitreisenden war das sicherlich recht angenehm ...).

Auch die vergangene Nacht schlief ich schlecht, der verschlafene Ausflug in Südkorea steckt mir wohl doch noch in den Knochen, denn ich warf gefühlt stündlich einen Kontrollblick auf mein Handy.

Als ich dann um 5 Uhr aufstand, war ich froh, dass ich gestern Abend in meinem Hotel (nur) ein (auch hier sehr leckeres) Guinness und keinen Whisky mehr getrunken hatte (es ist eine Schande, ja, ich weiß, aber mit Bier kann ich im Zweifel halt doch ein bisschen mehr anfangen als mit Whisky). Ich duschte - ein abnehmbarer Duschkopf mit High-Tech-Durchlauferhitzer konnte verwendet werden - und zog dann aus. Die Kneipe unten (in der auch die Rezeption ist) war unverschlossen, sodass ich meinen Schlüssel aufs Pult legte und dann durch die Hintertür verschwand.

Morgens halb sechs in Glasgow war nicht viel, aber doch ein bisschen los, ich guckte nochmal beim Duke mit seinem Hütchen vorbei, der Flughafenbus war pünktlich und ich war viel zu früh durch die (schnelle) Kontrolle: Hier in Glasgow machen die das ganz clever, pro Kontrollschleuse sind vier Abteilungen angebracht, an der also vier Leute gleichzeitig ihre Habseligkeiten in die Kontrolle geben können und nicht nur einer wie bei den meisten Kontrollschleusen dieses Planeten - nachmachen, Frankfurt!

Ich kaufte auch keinen Whisky mehr, sondern begab mich, nachdem ich überlegt hatte, ob ich nochmal Scottish Breakfast zu mir nehme, in die Lounge, deren Zugangskarte ich ja auch noch habe ... Das Frühstück dort war zwar nicht unbedingt herausragend, aber ich hatte meine Ruhe und stellte zu spät fest, dass ich dort mein Handy aufladen konnte ...

Der Glasgower Flughafen ist nichts für Nervenschwache, denn die Anzeige fürs Gate sollte erst um 7.43 Uhr kommen - Freunde, um 7.40 Uhr, hieß es jedenfalls auf der Bordkarte, macht das Gate schon zu ... Ich wusste inzwischen, dass die Maschine aus Frankfurt kommend ein bisschen Verspätung hatte, aber trotzdem finde ich das ein bisschen arg knapp, auch wenn sie es so einfacher haben, die Flieger optimal zu verteilen ... Nun denn, alles setzte sich zu Gate 36 in Bewegung, wir wurden dann doch wieder umgebucht zu Gate 33, durften dort dann endlich an Bord und mit ein bisschen Verspätung ging es los.

Unterwegs fing der Vater meiner Sitznachbarin an, mit den Stewards zu diskutieren, dass es "falsch" sei, dass die Anschallzeichen noch angeschaltet waren, was die Stewards dann mit entschiedener Hilfe meiner Sitznachbarin entschärfen konnten.

Ich war als einer der Letzten im ersten Bus, konnte dann zügig rausspringen und kam mit weitem Vorsprung vor dem Hauptfeld an der Passkontrolle an - die elektronischen Kontrollspuren waren aus, also musste ich zur Grenzerin, die fragte mich, wo ich herkäme (ich muss echt mal bei der Bundespolizei nachfragen, wieso die das immer fragen, wenn man "alleine" zur Passkontrolle kommt), startete durch zum Terminal 1 und holte mir dann für die Heimfahrt erstmal was zu essen.

In Wiesbaden war die Hölle los, alles Verkleidete unterwegs, und wegen des Fasnachtsumzuges fuhren die Busse sehr komisch - trotzdem war ich dann irgendwann in meiner Bude und konnte ein bisschen Olympia gucken. Heute gehe ich früh ins Bett, glaube ich ...

Fotos wollte ich noch zeigen? Na gut:

Glasgow Cathedral

Blick von der Nekropole

Glasgow Cathedral

The Duke (mit Hut), dahinter die Gallery of Modern Art

Cloisters in der Uni Glasgow

Brücke über den River Clyde

Im Kelvingrove Museum
Nicht die TARDIS (glaube ich ...)

Samstag, 10. Februar 2018

Not gentlemanlike

... sei ich eben im Pub gewesen, meinte die Dame, nachdem sie versucht hatte, sich vorzudrängeln und ich das unterbunden hatte. Ansonsten sind die Schotten aber - soweit ich sie verstehe - sehr freundlich ...

Das Aufstehen heute Morgen war nicht unbedingt einfach, aber es war zu ertragen - natürlich war ich zehn bis fünfzehn Minuten zu früh an der Bushaltestelle, aber der Bus kam halbwegs pünktlich, sodass ich - nach dem Erwerb einer Spezi morgen um halb fünf - in die S-Bahn zum Frankfurter Flughafen steigen konnte.

Ich konnte mit der Skyline zum Terminal 2 fahren (als ich im September nach Gran Canaria bin, war ich so früh dran, dass ich noch mit dem Shuttlebus fahren musste), die Ausreise ging schnell (und wäre noch schneller gegangen, wenn da nicht Leute vor mir mit dem alten Personalausweis versucht hätten, die biometrische Passkontrolle zu nutzen ...), an der Sicherheitskontrolle war ein bisschen was los (Ryanair bietet Flüge nach Glasgow und London-Stansted im Abstand einer Viertelstunde an), aber ich war natürlich viiiiiiiel zu früh am Gate.

Die Dame, die den Leuten das (etwas größere) Handgepäck abnimmt, ignorierte mich, sodass ich mein Zeug mit in die Kabine nehmen könnte - ich ging als einer der letzten Passagiere durch die Bordkartenkontrolle, war aber relativ früh im Flieger (weil ich ja kein Gepäck aufgeben musste) und konnte mich auf meinen Platz in der ersten Reihe setzen - schön viel Beinfreiheit und ausreichend Platz im Gepäckfach ...

Unterwegs las ich meinen "Spiegel", die italienische Stewardess sprach ganz gut Deutsch, der deutsche Pilot noch besser, auch wenn ich (für ihn) hoffe, dass die Schotten nicht hörten, dass er für Glasgow "halt englisches Wetter" ankündigte, nämlich Nieselregen (äh, Rieselnegen natürlich ...) bei kühlen vier Grad.

Ich reiste als dritter Mensch des heutigen Tages am Glasgower Flughafen ins Vereinigte Königreich ein, fand sofort meinen Bus, musste stehen (der Busfahrer heizte ganz schön über die Autobahn, ich war froh, dass er keinen Unfall baute, sonst hätte ich Bekanntschaft mit der Windschutzscheibe gemacht ...) und stieg dann in der Nähe des George Square in der Innenstadt aus.

Ich spazierte - es war 8.30 Uhr oder so - in Richtung meines avisierten Frühstückslokals, verstand den Ober ("hausgoin" - "how it is going?" - "wie geht's"?) halbwegs ("have you bocked in?" - "have you booked in?" - "haben Sie reserviert?" - "äh, well, no"), bekam trotzdem einen Tisch und bestellte ein full Scottish breakfast. Eigentlich hatte ich vorgehabt, noch zu Mittag und zu Abend zu essen, aber den Gedanken verdrängte ich nach der Portion mit Rührei, black pudding (Blutwurst), anderer Rindswurst, gebratenen Pilzen und Tomaten und einer Art Waffel wieder.

In diesem Café Gandolfi fühlte ich mich sehr wohl, zumal es in ganz vielen Details sehr große Ähnlichkeit zu meinem geliebten Sherry & Port in Wiesbaden hatte ...

Ich war nicht (mehr) sicher, wie man hier Trinkgeld gibt (sollte ich beim Ansagen aufrunden oder sollte ich das Restgeld liegenlassen)?, was dann dazuführte, dass ich ein bissel viel Trinkgeld gab (war aber irgendwo verdient, höhö ...). Sei's drum, auf Pfund kommt es bei meinen Kilos auch nicht mehr an, und ich schlurfte mit meinem Handtäschchen zum Hotel.

Der Barmann putzte gerade die Theke, als ich aufschlug, aber mein "Gepäck" konnte ich wenigstens abgeben, und ab ging es in Richtung der Kathedrale und der Nekropole, auf die ich einen wunderbaren Blick hatte, als ich wieder aus der Hoteltür trat.

Wow, liebe Leute, bis heute Morgen wusste ich nicht, dass Glasgow so einen fantastischen Hauptfriedhof auf dem Berg hat, auch wenn ich das Gefühl nicht loswerde, dass ich dieses Bild der Nekropole von Glasgow schon irgendwo im Fernsehen gesehen habe. Ich ging also über die Seufzerbrücke und wagte den Aufstieg.

Als ich unterwegs war, kam die Sonne und der blaue Himmel raus, und der Blick auf Glasgow war so fantastisch, dass ich wusste, dass die Entscheidung, heute nach Glasgow zu fliegen, zwar eine Schnaps-, aber auch eine sehr gute Idee war - so, so, so toll ... Traumhaft schön, unbedingt auch angucken.

Ich ging runter zur Kathedrale, betrat diese und staunte wieder - nicht nur ist die Kathedrale sehr schick, sondern diese Politik der Stadt Glasgow (oder auch der schottischen Regierung), dass sie freien Eintritt gewährt, aber um Spenden bittet, finde ich auch sehr, sehr gut ...

Ich genoss die Kathedrale mitsamt der Krypta und wollte dann in Richtung des Clyde River gehen, als mir auffiel, dass ich direkt an der Haltestelle für den Stadtrundfahrtsbus stand. (Achso, davor hatte ich eine der blauen Polizeinotrufzellen entdeckt, die, seit ich die britische Science-Fiction-Serie "Doctor Who" [nicht "Doctor What", wie die Matthias-Claudius-Straße das verballhornte] für mich entdeckt habe, für mich als "TARDIS" eine ganz andere Bedeutung hat ...)

Ich stieg also in den Bus ein, zahlte 15 Pfund für das Tagesticket und fuhr erstmal eine Rundroute durch Glasgow, vorbei am Volkspalast, am "Gürteltier" (dem Spitznamen für das Kongresszentrum), am Clyde River, an der Universität, am Kelvingrove Park und Museum, am Konservatorium (an dem David Tennant, der zehnte "Doctor Who", man sieht, ich bin da voll angestiegen, studiert hat) vorbei zum George Square.

Ich lief die paar Meter zur Gallery of Modern Art - das Museum ist einigermaßen interessant; sehr interessant ist dagegen die Statue des Duke of Wellington davor. Es ist inzwischen Tradition geworden, dass der Duke einen Verkehrskegel auf dem Kopf trägt - die Stadt Glasgow findet das nicht so wirklich lustig, aber jedes Mal, wenn sie den Kegel vom Kopf entfernt, ist er eine Nacht später wieder druff. Wer den Duke mit Kopfbedeckung nicht gesehen hat, ist nicht wirklich in Glasgow gewesen, behaupte ich jetzt mal ...

Ich kaufte mir jetzt endlich eine Cola zu trinken und fuhr dann mit dem Touristenbus zum Riverside Museum - das Museum selbst zeigt viele verschiedene Verkehrsmittel, die man im Laufe der Jahrhunderte in Glasgow antreffen konnte und ist eher für Kinder gemacht, das Tall Ship in unmittelbarer Nähe ist eines von fünf noch hochseetauglichen Segelschiffen, die hier an einer der Glasgower Werften gebaut wurden. Joa, kann man sich mal angucken, kostet ja nix, von daher schadet es nichts ...

Weiter ging es zur Universität mit ihren "Cloisters", den Kreuzgängen, die sehr schön anzusehen und offenbar auch schon für ein paar Filme verwendet wurde. Es ging weiter zum Kelvingrove Museum, das einige interessante Ausstellungen hat, aber insgesamt so ein bisschen den Eindruck eines Sammelsuriums aus präparierten Tieren, schottischer, niederländischer, französischer Malerei, Einführungsausstellungen für Kinder und sonstnochwas macht - nicht uninteressant, aber auch nicht ein unbedingte Muss, zumal das Haupt-Highlight, Dalís "Christus des Heiligen Johannes vom Kreuz" zur Zeit an eine Ausstellung in den Vereinigten Staaten ausgeliehen ist.

Vielleicht war ich auch einfach fertig, weil ich inzwischen - es war erst 15.30 Ortszeit - auch schon 13 Stunden unterwegs war, jedenfalls fuhr ich zurück in die Innenstadt und wollte noch ein bisschen Rugby gucken - seit 2017 bin ich ja "regelmäßig" während der Six Nations, dem wichtigsten innereuropäischen Rugbyturnier, in einem der teilnehmenden Länder. Die erste Kneipe war gerammelt voll, die zweite auch, aber irgendwie blieb ich in der zweiten hängen, probierte mich - ohne etwas zu essen, ich hatte einen Stehplatz - durch verschiedene Biersorten durch und bekam dann zu Beginn der zweiten Halbzeit des England-Wales-Spiels einen Platz.

Als ich endlich etwas zu essen (Fish & Chips) bestellen wollte, kam mir die anfangs beschriebene Dame in die Quere, trotzdem bekam ich unfallfrei mein Getränk und mein Essen, England gewann (leider) und ich brach in mein Hotel auf.

Das Zimmer hier ist für 36 Pfund völlig in Ordnung, das ist sicher nicht fünf Sterne, aber für eine Nacht definitiv ausreichend (und es gibt - überraschend für die britische Badezimmerkultur - sogar einen abnehmbaren Duschkopf, juchhe ...). Jetzt sitze ich noch in der Kneipe unten, trinke ein Guinness und vielleicht gleich noch eines und/oder einen Whisky, aber morgen früh geht es schon wieder früh zurück zum Flughafen.

Die ersten zwanzig Minuten in Glasgow waren noch ein bisschen unbestimmt, aber spätestens seit der Nekropole gefällt es mir hier sehr gut ...

Irgendwann komme ich im Sommer nochmal wieder - im Sommer, weil es in dem offenen Doppeldeckerbus oben ganz schön kühl ist. Den Damen (und Mädels) hier ist das teilweise aber völlig wurscht, die laufen teilweise in offenen Schuhen ohne Strümpfe hier durch die Gegend - wer schön sein will, muss halt leiden ...

Achso, und die Europäische Union ist einfach toll - jedenfalls kann ich (noch) hier im Vereinigten Königreich online gehen und in Deutschland anrufen, ohne etwas extra zahlen zu müssen - sehr, sehr schön und sehr, sehr schade, wenn das 2019 endet, sehr, sehr schade ...

Morgen geht es leider schon wieder früh zurück nach Deutschland, aber andererseits habe ich dann noch ein paar sehr erholsame Stunden am Sonntag für mich, denn spannend, interessant, schön war's hier, aber erholsam ...? Naja ...

Fotos gibt's erst morgen, fürchte ich ... Spannungsbogen und so ...

Freitag, 9. Februar 2018

Rieselnegen

... erwartet mich morgen - und diesmal ist die Überschrift bewusst schräg, weil ich mich eben im Gespräch versprochen hatte. Eine dieser für diesen Blog typischen Überschriften signalisiert natürlich - wie könnte es anders sein? -, dass ich wieder mal eine Schnapsidee hatte (und in die Tat umgesetzt habe) ...

Ich saß heute Abend im Büro und suchte - nicht ahnen könnend, dass da etwas im Busch sei - nach Flügen heute Abend und Sonntag zurück. Flüge nach Glasgow wurden ausgewiesen, aber der Flug war schon heute Morgen, sodass das auch nichts war. Also guckte ich nach Hinflügen morgen und Rückflügen am Sonntag - und siehe da, auch dort war Glasgow in der Verlosung.

Meine Mutter erklärte mich nicht für völlig verrückt (naja, das ist ja nicht nötig, das ist ja ohnehin schon klar), und so fliege ich morgen - was wäre ein Nach-Winter-Quartal ohne Schnapsidee - nach Glasgow.

Ich muss um 3.30 Uhr aufstehen, denn der Flieger (Ryanair, klar ...) geht um 6.45 Uhr, aber dafür bin ich dann um 7.45 Uhr Ortszeit auch schon in Schottland - es wird hoffentlich ein leckeres Scottish Breakfast geben, und dann gucken wir mal, wie sich der Tag entwickelt. Ich habe die starke Vermutung, dass ich ein Bierchen (aber nur eins, höhö!) und ein Lebenswasser, auch genannt Whisky, vereinnahmen werde, ehe ich morgen Abend in mein Bettchen in einem Hotel in der Nähe der Glasgower Kathedrale wandern werde.

Am Sonntag Morgen muss ich dann leider auch wieder früh raus, denn der Rückflug geht um 8.10 Uhr, sodass ich am Sonntag um 11.05 Uhr schon wieder in Frankfurt bin.

Schnapsidee? Achso, ja, hatte ich schon geschrieben ...

Samstag, 3. Februar 2018

Sehr volatil

... sind im Moment die Flugpreise für den September, aber dazu gleich mehr.

Eine meiner absurderen Wortfindungsstörungen durfte in der vergangenen Woche im letzten Blogeintrag bewundert werden - stand da doch tatsächlich "Entdeckerdankmal und Küche" unter dem Bild mit dem Entdeckerdenkmal in Lissabon. Eine "Küche" haben aber die meisten Leser vergeblich gesucht (und wer auf dem Bild eine Küche gefunden hat, sollte mal zum Augenarzt gehen, schleunigst ...), und auch eine Kirche war dort nicht zu sehen, wohl aber eine Brücke. Eigentlich waren ja nur zwei Stellen falsch: Ersetzt man in "Küche" das "K" durch ein "Br" und das "h" durch ein "k", voilà, "Brücke". Ist doch total logisch ...

Ich fürchte, es lag tatsächlich am Lissaboner Essen (ich hoffe und glaube, an der Menge und nicht der Qualität), dass ich am Montag und Dienstag mit einer ordentlichen Magenverstimmung darniederlag ... Das Ganze kam Montag Nacht so plötzlich angeflogen wie es Dienstag Abend weg war, sehr komisch die Sache, aber inzwischen geht's mir wieder gut - Memo an mich: Ein halbes Pfund Fisch reicht zum Mittagessen ...

Als ich also krank zu Hause war, bekam ich eine E-Mail von meiner Chefin, die meine Genesung beschleunigen sollte (sie kennt mich einfach zu gut) - ich hatte für die zweite Septemberhälfte und die beiden Tage bis zum 3. Oktober Urlaub eingetragen und mit ihr gesprochen, dass es ganz toll wäre, wenn ich die Woche vom 10. bis 14. September auch frei bekäme, weil man dann wirklich über Neuseeland sprechen könnte. Nun denn, jetzt habe ich vom 10. September bis zum 3. Oktober frei und könnte also ab 7. September abends in Richtung anderes Ende der Welt fliegen.

Vor ein paar Tagen waren die Flüge nach Auckland mit Air China (mehrstündiges Umsteigen in Peking mit der Möglichkeit, sich die Stadt mal wieder anzugucken) noch sehr preiswert (so um die 670 Euro), inzwischen kosten die günstigsten Flüge 250 Euro mehr - ich hoffe, dass da noch mal ein Angebot rauskommt ...

Aber erstmal muss ich mal mit meiner Reisebegleitung diesen Termin finalisieren, auf dass sie dort auch Urlaub bekommt - sobald das soweit ist, könnte ich ja dann relativ spontan buchen, sobald es ein vernünftiges Angebot gibt.

Ich habe eben ein Hotellele in Samoa entdeckt, direkt an einem ziemlich hübschen Strand, zu einem vernünftigen Preis - das Beste ist: Auf dem Weg nach Samoa kann man das so legen, dass man in Fidschi umsteigt und dort 20 Stunden oder Aufenthalt hat, das hieße, es gibt zwei Länder zum Preis von einem - optimal ...

Insgesamt könnte man dann folgenden Plan verfolgen (ich kann es nicht lassen, Pläne aufzustellen, die dann am Ende mit dem tatsächlichen Reiseplan normalerweise überhaupt nichts mehr zu tun haben):

7. September: Abflug in Frankfurt
9. September: Ankunft in Auckland
9.-12. September (oder so): Auckland
12.-17. September: Rest der Nordinsel
17.-25. September: Südinsel
25. September-1. Oktober: Samoa/Fidschi
2. Oktober: Rückflug aus Auckland
3. Oktober: Ankunft in Frankfurt

Klingt gut ... Mal sehen, wie die Realität am Ende aussieht.

Sonntag, 28. Januar 2018

The best crew in the world

... hat uns heute, nach eigener Aussage, von Lissabon nach Frankfurt kutschiert. Wenn sie nicht ständig die Leute mit Gewinnspielen und Mega-günstig-Parfüm-Angeboten nerven würden, würde ich das etwas eher in Erwägung ziehen. Und der Versuch der Stewardess, Deutsch zu sprechen, ging so katastrophal in die Hose, dass es fast (aber nur fast) schon wieder lustig war. Fille Kluck (good luck, anyway) ...

Naja, was soll ich sagen: Das Taxi war pünktlich, der Fahrer sprach hervorragend Englisch, er bekam ein vernünftiges Trinkgeld, die Sicherheitskontrolle war gääääähnend leer, das Frühstück bei McDonald's war akzeptabel, der Weg zum Flieger (diesmal mussten wir bei Ryanair wirklich zum Flieger laufen, da hat die Kollegin in der Matthias-Claudius-Straße endlich mal die Wahrheit erwischt ...) nicht zu lang. Der Berliner neben mir ging kurz nach dem Start zu seiner Frau nach hinten, meine Ma saß diesmal fünf Reihen vor mir, ich las ein wenig, den Aufschlag in Frankfurt überlebten wir - joa, und dann ging es per S-Bahn und pedes zum Büro, denn dort stand das Auto meiner Mutter.

Wir luden noch ein paar Sachen im Auto um, und dann startete meine Mutter sofort durch in den Schwarzwald, denn morgen hat sie - Rentner sind ja immer so im Stress - schon den nächsten Termin.

Gefallen hat's ihr, hoffe ich, mir jedenfalls hat es sehr großen Spaß gemacht.

In weniger als fünf Wochen geht es für den zweiten Wochenendaufenthalt dieses Jahres nach Belgrad, in sieben Wochen sind wir um die Zeit schon auf Boracay auf den Philippinen, und in neun Wochen ist Ostern und ich bin in Guinea-Bissau, da könnte ich so gaaaanz langsam mal das Visum beantragen, das geht ja zum Glück online ...

Fotos wollen sie alle noch sehen - na gut:

Jerónimos-Kloster

Jerónimos-Kloster

Kirche am Jerónimos-Kloster

Jerónimos-Kloster von außen mit Touri-Schlange

Entdeckerdenkmal und Brücke

Torre de Belém

Tintenfisch und Familienportion Bacalhau
3. Februar 2018: Bildunterschrift korrigiert.

Samstag, 27. Januar 2018

Die doofen Touristen: Völlig verantwortungslos

... sind wir heute mit unserer Gesundheit umgegangen, aber es war halt so lecker ...

Kein Wecker klingelte heute Morgen, aber trotzdem waren wir (naja, meine Mutter) schon gegen 6.30 Uhr oder so wach. Um 8.30 Uhr waren wir unten beim Frühstück, das - wie immer hier in diesem Hotel - nicht atemberaubend, aber völlig in Ordnung war: diese kleine Bruschetta-ähnlichen Brotscheiben mit scharfer Wurst drauf haben es mir heute Morgen angetan wie auch der - für mich, der ich im Büro auch als "Birnenmonster" bekannt bin, nicht unerwartbar - sehr leckere Birnensaft.

Nach dem Frühstück holten wir im Zimmer unsere Jacken. Danach ging es erstmal abwärts, nämlich runter zum Tejo. Petrus meinte es heute gut mit uns, wir hatten den ganzen Tag Kaiserwetter bei 12° C im Schatten (in der Sonne war es also durchaus angenehm warm) und heute Abend habe ich zwar keinen Sonnenbrand, aber doch ein bisschen Farbe abgekriegt, sehr schick.

Wir guckten uns erstmal von der Flusspromenade die Brücke und die Christusstatue an, ehe wir mit der Fähre rüber nach Cacilhas fuhren, dort kurz ausstiegen, das Panorama von Lissabon begutachteten (wieso habe ich Dussel eigentlich kein Foto gemacht?) und dann mit der gleichen Fähre wieder zurückfuhren.

Die Straßenbahnsituation in Lissabon ist an diesem Wochenende ziemlich unberechenbar, am Ende fuhren wir mit dem Bus vom Cais do Sodré nach Belém zum Jerónimos-Kloster und stiegen also dort aus. Der Zugang zur Kirche war kostenlos, und die Kirche ist schon einmal durchaus beeindruckend, gerade weil die Pfeiler, wenn man davor steht, durchaus robust sind, in der Gesamtschau das Ganze aber sehr filigran anmutet - doch, sehr hübsch.

Wir liefen - an einem dicken, fetten Stopp-Schild vorbei (keine Sorge, das war - wenn ich es richtig verstehe - für die Ausgangsreihe aus der Kirche gemeint und nicht für den direkt danebenliegenden Zugang zum eigentlichen Kloster) - zur Kasse, kauften für 10 € pro Person das Ticket und das Kloster mitsamt Innenhof war unsere Auster.

Es war eine sehr, sehr leckere Auster, denn der zwischen 1998 und 2002 renovierte Säulengang ist atemberaubend schön, und mit dem tollen Wetter und der Sonneneinstrahlung gleich nochmal, vor allem, wenn man dann den Blick auf die Kuppel der Klosterkirche noch dazu hat. Sehr, sehr toll - unbedingt empfehlenswert. Auch die Ausstellungen, die vom Säulengang abgehen, sind durchaus interessant, auch wenn wir sie nicht bis ins allerletzte Detail begutachtet haben.

Wir verließen das Kloster wieder und waren ob der in der Zwischenzeit entstandenen Schlange erschrocken: Waren wir noch bei einer Schlange von 0 Personen ins Kloster einmarschiert, war die Schlange nunmehr 50 Meter lang - wo kamen die ganzen Touristen alle her? Sowas macht man doch nicht, einfach so Ende Januar, also im Winter, nach Lissabon fahren und sich die Stadt angucken wollen. Wie? Wir auch? Aber das ist doch was ganz anderes!

Wir liefen in Richtung Meer, d.h. in Richtung Entdeckerdenkmal und Torre de Belém. Das Entdeckerdenkmal fotografierte ich, und danach liefen wir an der Promenade entlang zum Torre de Belém. Die Schlange dort war aber auch deutlich länger als null Meter, sodass ich nur ein Foto machte (letztes Jahr hatte ich den Torre ja nur aus der Ferne betrachtet, diesmal halt von Nahem) und wir zurück zur Straßenbahn liefen.

Diese sollte erst 25 Minuten später kommen, sodass ich noch etwas zu trinken holen ging. Beim Zahlen fielen mir Hotelzugangskarte und Tagesfahrkarte aus dem Geldbeutel, was der Wachmann zum Glück bemerkte und mich darauf hinwies. Die Tageskarte hob ich Held vom Erdbeerfeld auf, aber was die andere Karte da unten auf dem Boden machte, fiel mir erst acht Stunden später auf, als wir nicht mehr ins Hotel kamen, weil meine Karte halt immer noch vor der Kasse im Supermarkt liegen dürfte ... Ganz große Klasse, du Illigenzbestie, du ... (Das Hotel hat noch diverse Karten da, sodass das wahrscheinlich am Ende kein Drama sein wird, aber clever war's trotzdem nicht ...)

Genug der Selbstbeschimpfung, wir stiegen - nach der Straßenbahnfahrt - in Santos aus, liefen ein paar Schritte den Berg hoch und fielen in das Restaurant "O Tachadas" ein. Das "O Tachadas" steht in der gleichen Empfehlungsliste des "Guardian" wie meine "Taberna da Rua das Flores", und zwar an erster Stelle, sodass das ja hoffentlich gut sei musste.

Wir hätten es besser gelassen, aber die Kneipe kann nur höchst indirekt was dafür.

Wir bestellten zwei Bier und bekamen erstmal (sehr schmackhaftes) Brot und Schafskäse auf den Tisch gestellt (dass wir das am Ende zahlen mussten, war klar, aber für 4,20 € kann man da wenig falsch machen). Wir hatten ein Hüngerchen (und wollten viel probieren), also nahmen wir zwei Vorspeisen und zwei Hauptgerichte.

Als die Vorspeisen, Chouriço und Farinheira, Ersteres eine scharfe und seeeeehr knoblauchhaltige Wurst, Zweiteres ebenfalls eine Wurst, aber aus Weizenmehl und Schweinefett, mit größter Freude vertilgt waren, waren wir eigentlich schon ziemlich satt.

Danach kamen aber ja erst die Hauptspeisen, und während die von meiner Mutter bestellten Tintenfische ja noch nach halbwegs normaler (relativ viel, aber noch normal) Größe aussahen, bekam ich Bacalhau (Stockfisch, in dem Fall mit Käse überbacken), dessen Gewicht in Pfund bemessen wurde - da hätte sich eine mittelgroße Familie dran sattessen können, über ein paar Tage, unfassbar.

Dementsprechend gab ich nach weniger als der Hälfte auf, wurde vom Ober halb besorgt, halb enttäuscht gefragt, was denn los gewesen sei, aber Freunde der Sonne, ihr könnt doch nicht für 14,50 € was auf der Karte haben und davon ausgehen, dass der doofe Tourist weiß, dass man dafür bei euch die Supermegamonsterportion kriegt. Selbst ohne Käse und Vorspeise hätte ich den Bacalhau nicht geschafft - Wahnsinn ...

Ich trank - das war ein glückliches Missverständnis mit dem Ober - wie meine Ma einen Espresso (sonst wäre ich an Ort und Stelle geplatzt), und danach gab meine Mutter mir einen kurzen Stups, damit ich den Berg runterrolle. Ich prallte gegen einen Baum, was ganz praktisch war, weil wir von dort weiter mit der Straßenbahn ins Stadtzentrum fuhren. Anschließend ging es dann den Berg wieder rauf, bis fast zur Burg.

Ich wollte meiner Ma die Aussichtsplattform an den Portas do Sol zeigen, aber die Plattform, die ich kannte, ist im Bau, und von der anderen hat man zwar einen tollen Blick auf den Tejo, aber keinen so schönen auf das darunterliegende Stadtviertel ...

Wir liefen den Berg hinauf, stellten uns ein paar Minuten in die Schlange zum Einlass zur Burg und betraten das Burgareal dann. Der Blick auf Stadt und Brücke war wie immer toll, aber die Sonne stand schon tief, sodass sie uns blendete, wir machten einen kurzen Spaziergang über das Burgareal und ließen dann Burg Burg sein.

Wir fuhren wieder mit dem Minibus hinunter in die Stadt, wobei der Busfahrer jede Unebenheit der Straße nutzte, um mit Karacho drüberzubrausen, was zu einer wilden Achterbahn führte (hatte ich erwähnt, dass wir uns überfressen hatten?) ... Whoppa! (Nein, alles gut, nix passiert ...)

Eigentlich wollten wir mit dem Aufzug, den Gustave Eiffel gebaut hatte, hoch in die Oberstadt fahren, aber bei der Schlange ließen wir es jetzt gut sein, zumal unsere 24-Stunden-Karte noch eine knappe Stunde gültig war. Wir fuhren eine Station U-Bahn, fuhren dann über vier steile Rolltreppen gefühlt 100 Meter nach oben ans Tageslicht und wollten eigentlich nur nach Hause ins Hotel und ins Bett und dort vor Vollgefressenheit sterben.

Nun war es aber erst 17.30 Uhr, also frühester Nachmittag für Lissaboner Verhältnisse, sodass wir uns noch in eine schöne Lounge-Bar-Concept Store-ich-kenne-noch-mehr-englische-Begriffe-die-ich-um-mich-werfen-könnte retteten und dort mit Gin Tonic, Wodka Lemon und Cuba Libre den Tag (und den Lissabon-Aufenthalt) formal beendeten.

Nach dem kurzen Heimweg waren wir um 20 Uhr im Zimmer und bestellten für morgen, 7 Uhr (bäh), ein Taxi zum Flughafen.

(Die Fotos wollen heute nicht so ganz, aber es muss ja noch was für morgen übrig bleiben - der Blog muss ja seine Klickzahlen schaffen ...)

Freunde der Nacht, die EU hat Mitglieder, Beitrittskandidaten und potenzielle Beitrittskandidaten. So habe ich Lieblingsstädte, Lieblingsstadtkandidaten und potenzielle Lieblingsstadtkandidaten. Wer jemals auch nur an diesem Blog vorbeigehechtet ist, ohne die Augen krampfhaft zu schließen, weiß, dass Istanbul, Sydney und Tel Aviv meine Lieblingsstädte sind. Potenzielle Lieblingsstadtkandidaten sind so Ortschaften wie Paris, Rio de Janeiro, Vancouver, vielleicht Chicago, Rom oder Berlin (wobei Berlin sowas wie Weißrussland für die EU ist, das Schmuddelkind, das eigentlich dazugehört, aber nicht so richtig kann oder will ...). Aber heute, am 27. Januar 2018, eröffnete ich formal die Verhandlungen zwischen Lissabon und mir über den Beitritt Lissabons zur Liste meiner Lieblingsstädte - hört, hört ...

Gute Nacht!

28. Januar 2018: Überschrift korrigiert ...

Freitag, 26. Januar 2018

Geschlemmt

... haben wir heute Abend in meiner Lissaboner Stammkneipe, in der ich jetzt zum zweiten Mal war ...

Der Arbeitstag heute war kurz, aber nicht unintensiv, und gegen 11.30 Uhr verabschiedete ich mich. Mit dem Bus ging es zum Bahnhof, meine Mutter wartete schon und hatte ein Mettbrötchen geordert, sodass es dann zügig in die S-Bahn nach Frankfurt ging.

Die Skyline wurde unsicher gemacht und wir marschierten schnell durch die Sicherheitskontrolle im Schengen-Bereich des Terminals 2. Das Gate war noch nicht final angeschrieben, aber ich dachte mir, dass es wieder vom Busterminal aus losgehen würde und bugsierte meine Mutter daher in Richtung der Gates D40-D44, was sich als richtig erweisen sollte.

Dort setzten wir uns hin, wurden dann bald von einem Ryanair-Mitarbeiter mit Gepäckbänder versorgt, auf dass wir unser Handgepäck am Flugzeug verladen lassen, und warteten dann auf das Boarding. Selbiges ging einigermaßen schnell, Ryanair setzte seine neuen Regeln sehr konsequent um (alle, die nicht vorher angelabert worden waren, mussten mit ihrem Handgepäck jetzt nämlich in der Gegend herum- und anstehen), was dann am Ende auch nicht zu einer schnelleren Abfertigung am Gate führte ... (Achso: Wenn man die Gepacktags einfach wieder abreißt, kann man sein Gepäck wahrscheinlich trotzdem wieder wie gehabt in den Flieger mitnehmen, denn beim Einsteigen wird zwar kontrolliert, ob alle mit Gepäckanhänger ihr Gepäck abgeben, aber die, die keinen Gepäckanhänger hatten, wurden nicht nochmal kontrolliert ...)

Meine Ma saß in Reiihe 4, ich in Reihe 16 am Notausgang, meine Ma hatte die ganze Reihe für sich, ich saß in Business-Class-Belegung (also D und F mit freiem E-Platz), das war praktisch ... Ich las ein paar Zeitschriften, und schnell waren die drei Stunden um.

Das Gepäck kam dann leidlich schnell, der Weg zur U-Bahn war ebenfalls schaffbar, ich hatte verdrängt, dass ich offenbar letztes Jahr auch schon einmal zwischen zwei U-Bahnen umgestiegen waren (das mussten wir jetzt nämlich), aber als ich das herausgefunden hatte, waren wir fast schon an der Metrostation Martim Moniz, wo wir in die Straßenbahn 28 umsteigen wollten.

Den Weg zur Straßenbahnhaltestelle kannte ich ja inzwischen, und die 28 kam auch bald ... Wir fuhren ein wenig durch die Gegend, bis wir auf einmal aus der schönen, alten Straßenbahn herausgeworfen wurden - Endstation. Hä? Da standen überall Schilder, auf denen ab dem 27. Januar von einem Schienenersatzverkehr die Rede war. Jetzt war die Uhr um eine Stunde zurück- und nicht um einen Tag vorgestellt worden, aber die Lissaboner Verkehrsbetriebe ordneten trotzdem an, dass heute schon Samstag war. Argh ...

Wir fuhren mit der Gegenstraßenbahn zurück, stiegen an der Metro aus und fuhren (wir hatten jeweils 24-Stunden-Tickets gekauft) mit der Metro bis in die Nähe unseres Hotels.

Ich kam auf die glorreiche Idee, in der angestrebten Kneipe, der Taberna da Rua das Flores, schon jetzt nachzufragen, ob wir irgendwann Platz bekämen. Mir wurde - wieder - gesagt, dass es eine Warteliste, aber keine Reservierung gäbe, und dass wir in 30-40 Minuten einen Platz bekommen könnten. Ich sprintete zurück, scheuchte meine arme Ma, die kurz vor dem Streiken war, zu unserem Hotel, wir checkten kurz ein (wir haben das gleiche - sehr schöne - Zimmer wie ich vor einem Jahr, lustig ...) und liefen dann schnellen Schrittes zur Taberna.

Wir kamen ziemlich pünktlich an, bestellten ein Bierchen und ließen uns dann die Abendkarte erläutern (die ist auf Portugiesisch, aber jeder spricht dort gut Englisch und die eine Bedienung sogar Deutsch).

Joa, und dann ging die Völlerei los: Den Anfang machte ein fantastisches Austerntartar - geheckseltes Austernfleisch in einer tollen Sauce (fragt meine Ma, was da drin war, war jedenfalls sehr lecker), danach gab es Makrelensashimi (oder Makrelentartar, wie man mag) - grandios, es folgte ein genialer Weißfisch (irgendso'n portugiesischer Name halt ...) mit pikanten Gewürzen, und den Abschluss machte das, was wir beim Bestellen als "veal throat" erläutert bekamen, "Kalbshals" ... Meine Ma stellte fest, dass es sich um Kalbsbries handelt, und während ich kein Riesenfreund von Innereien bin (eigentlich eher ein Riesenfeind davon), konnte man das nach einer ersten Eingewöhnung, mit viel Zitrone und viel Knoblauch, dann sogar ganz gut essen. Wird nicht meine Leibspeise, aber ich werde auch nicht schreiend wegrennen, wenn mir das mal wieder serviert wird.

Es folgte der - dort obligatorische - Schokoladenkuchen aus 105% reiner Schokolade, und gegen 21 Uhr Ortszeit fielen wir aus der Taberna raus. Wir liefen ein bisschen durchs Bairro Alto, wollten aber nichts mehr in einer Fadokneipe essen und marschierten daher in Richtung Hotel.

Jetzt ist es zwar erst 22.30 Uhr hier und damit für Lissaboner Verhältnisse später Nachmittag, aber wir sind heute auch ganz schön durch die Gegend gedüst und rechtschaffen müde. Außerdem wollen wir morgen halbwegs zeitig raus und die Stadt erobern - das wird toll.

Daher over and out, morgen Abend wird wieder berichtet. Gute Nacht!

Mittwoch, 24. Januar 2018

Abgestürzt

... ist der Blog nicht - die besorgte Nachfrage meines treuesten Leser-Kollegen war also unbegründet.

Es gab nur nicht sooo wahnsinnig viel zu erzählen, aber das wird sich ab übermorgen ändern. Morgen kommt meine Mutter mal wieder nach Wiesbaden, und am Freitag Nachmittag geht es schon nach Lissabon. Ich freue mich so sehr auf diese wunderbare Stadt. Wir haben uns schon geeinigt, dass wir uns sicherlich die Burg angucken werden, von der aus man einen so wunderbaren Blick auf die Stadt (und die Brücke, ohja, die Brücke ...) hat, und wir sind uns fast einig, dass wir auch einen Ausflug nach Belém machen und uns das Jerónimos-Kloster angucken. Letzten Januar hatte ich ja in Belém nicht so viel Zeit und habe mir "nur" das Entdeckerdenkmal und (von Ferne) den Torre de Belém, den Turm von Belém, angeguckt, aber das Kloster sah von außen schonmal sehr beeindruckend aus und diesmal möchte ich es gerne von innen sehen. Aber wir lassen uns treiben durch die portugiesische Hauptstadt, da machen wir uns keinen Stress.

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Ich habe ja für die WM Karten (vielmehr: eine Karte) bestellt, für das Südkorea-Spiel in Kasan am 27. Juni. Wenn das mit der Karte klappt (und danach mit der Fan-ID, die als Visum für Russland gilt), würde ich wahrscheinlich am 23. Juni nach Moskau fliegen, mir die russische Hauptstadt angucken, und dann am 26. Juni nach Kasan weiterfliegen (wahrscheinlich fliegen, man könnte wohl auch Zug fahren, aber das müsste ich noch prüfen).

Eigentlich wollte ich danach gerne am 28. Juni nach Wladikawkas im Nordkaukasus fliegen und dann mit einem Guide rüber nach Südossetien (sonst wäre das ja eine Reise komplett ohne neues Land, das geht ja auch nicht). Jetzt habe ich einen Reiseveranstalter gefunden und bei dem einfach mal eine maßgeschneiderte Tour nach Südossetien für zwei oder drei Nächte angefragt. Die Antwort kam postwendend, aber sie gefiel mir nicht, denn dieses Reisebüro ist der Ansicht, dass die Einreisegenehmigung (auch "Visum" genannt) nach Südossetien 600 Euro kosten würde (und das war jetzt kein Tippfehler: sechshundert Euro).

Insgesamt würde laut deren Auskunft die Zwei-Tages-Tour dann fast 1.000 Euro kosten - die können mich mal gernhaben ... Es kann also passieren, dass ich in den nächsten Tagen (sobald ich weiß, dass das mit der Karte klappt) meinen Ex-Chef, der Russisch spricht, anhaue und ihn bitte, mir ein Schreiben an das südossetische Außenministerium zu übersetzen, damit ich da hoffentlich deutlich günstiger diese Einreisegenehmigung kriege, denn 600 Euro sind des Guten dann doch ein bisschen arg zu viel.

Wieso will der Typ denn unbedingt nach Südossetien, in diesen Landstrich, über den der US-Präsident, wenn er denn wüsste, dass "South Ossetia" nichts zu essen ist, in seinem unvergleichlichen Charme wahrscheinlich wieder eine qualifizierte Aussage machen würde?

Naja, Südossetien ist von Georgien abtrünnig, Georgien gehört zum Europarat, also gehört Südossetien für mich zu Europa - und es ist das letzte europäische Land, das ich zähle und das mir noch fehlt. Auf die Weise wäre Europa dann der erste vollständig (in meinem Sinne) besuchte Kontinent, das wäre schön ...

Auf der anderen Seite: Ja, ich weiß, von Reisen nach Nordossetien (Wladikawkas) wie nach Südossetien wird vom Auswärtigen Amt abgeraten, und ich versuche ja auch, mich an die Reisehinweise zu halten, aber nachdem ich in der Westsahara und in Abchasien war und es dort - trotz Reisehinweisen - überhaupt kein Problem im Land (ich spreche nicht von der Einreise!) gab, habe ich den dringenden Verdacht, dass die Reisehinweise im Zweifel lieber ein bisschen zu dramatisch geschrieben werden - ist ja auch okay so ... Vielleicht ist es aber auch ein Zeichen, dass ich mir Südossetien vielleicht doch für später aufheben sollte - mal sehen ...

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Ich muss in diesen Tagen den Urlaub für das Jahr 2018 planen, und ich habe jetzt mal für den September zweieinhalb Wochen eingetragen, die ich möglicherweise auf dreieinhalb Wochen aufstocken könnte, auch das muss ich mal sehen ... Eventuell könnte man das dann doch für Neuseeland verwenden, obwohl ich zwischenzeitlich Neuseeland schon fast aufgegeben hatte (für dieses Jahr). Es bleibt also spannend ...

Sonntag, 31. Dezember 2017

Ein letztes Mal

... im Jahr 2017 habe ich gestern die deutsche Grenze passiert, auf dem Weg aus Venlo, nachdem wir ein paar Stunden zuvor zum Einkaufen in die Niederlande gefahren waren. Ich habe es schon mehrfach hier erwähnt, aber am Ende dieses politischen Jahres habe ich das Bedürfnis, es noch einmal zu sagen: Es ist großartig, die Staatsgrenze zu einem anderen europäischen Land ohne jede Kontrolle überqueren zu können. Es ist großartig, dass ich jederzeit in den Niederlanden anfangen könnte zu arbeiten. Es ist großartig, dass Niederländer ohne Probleme nach Deutschland und Deutsche ohne Probleme in die Niederlande kommen können und dass sich die Rivalitäten zwischen unseren Ländern auf den Fußball (dort aber dann mit vollem Kawumm ...) beschränken. Und ja, es ist großartig, dass es völlig undenkbar erscheint, dass wir Krieg gegeneinander führen. Das ist bei aller berechtigten Kritik, die man sicherlich an der Europäischen Union üben kann, doch eine wahnsinnige Errungenschaft der europäischen Einigung, die - gerade in meiner Generation - manchmal vor lauter Gemeckere über Kleinigkeiten hintenrunterfällt.

Ich habe die Grenzübertritte dieses Jahr nicht gezählt, aber wenn man jede Überschreitung einer Staatsgrenze einzeln zählt, wird das dieses Jahr mal wieder eine dreistellige Zahl gewesen sein. Nicht jeder ging so reibungslos ab wie zu den Niederlanden, zu Belgien, zu Luxemburg, zu Frankreich, selbst zur Schweiz: Manchmal war es einfach unzulängliche Infrastruktur verbunden mit schlechtem Wetter, dass ich mich an der Grenze zwischen Togo und Benin über die Pfützen hangeln musste, manchmal idiotische Boshaftigkeit wie der georgisch-abchasischen "Grenze". In der Regel war der Grenzübertritt dann aber im Rahmen der lokalen Gesetze, außer in Ghana, als ich einen Einreisestempel ohne Visum bekam, was aber wirklich überhaupt niemanden interessiert hat.

Visa gab es in der Elfenbeinküste (fieses Foto), in Ägypten (zum Selbsteinkleben), für den Sudan (ohjeohje), in Kambodscha (schnell und effizient), in Abchasien (als Einlegeblatt), für Usbekistan (passt scho), in Laos (weniger schnell und weniger effizient), in Mauretanien (und stand vor lauter Warten vor verschlossener Grenzkontrolltüre), für Togo und für Benin (da hat mein Pass Meilen gesammelt auf dem Weg nach und aus Berlin ...) - ups, das sind ja eine ganze Menge ...

Keinen neuen Rekord hinsichtlich besuchter Länder habe ich dieses Jahr erreicht, denn ich war dieses Jahr in 26 Staaten dieses Planeten (2009 und 2010 waren es jeweils 27 Länder); wohl aber waren 13 dieser Staaten für mich neu, und das ist in der Tat neuer Rekord (hier war 2010 mit elf neuen Ländern der bisherige Rekord).

Nun soll es Leute geben, die behaupten, ich hätte es dieses Jahr ein bissel übertrieben. Ich? Übertreiben? I wo!

Es ist einfach schön, etwas von der Welt sehen zu können, seien es nun europäische Großstädte, in denen ich noch nie war (Lissabon und Paris Anfang des Jahres, wenn man mag, Las Palmas de Gran Canaria im September, Sajaravo zu Weihnachten) oder in denen ich schon war (Istanbul, Brüssel), seien es angesagte Touristenziele (die Pyramiden zu Gizeh, Angkor Wat). Aber mindestens genauso interessant, mindestens genauso spannend, definitiv herausfordernder, unfassbar belohnend ist es, abseits der ausgetretenen Touristenpfade sich Sehenswürdigkeiten zu erobern, die eben nicht in jedem Reiseführer (oder jedenfalls nicht in den Reiseführern stehen, die "normale Menschen" angucken): Meroe im Sudan ist das perfekte Beispiel hierfür. Nicht jeder sagt "Du spinnst", wenn ich vom Sudan erzähle, aber jeder denkt es, und wenn ich dann mit großer Begeisterung von Meroe und von der Herzlichkeit der Menschen dort erzähle, spielen etliche Gesprächspartner - deutlich an ihrer Mimik ablesbar - mit dem Gedanken, mich aus dem einen (Schwachsinn) oder anderen (Lebensmüdigkeit) Grund endgültig einweisen zu lassen.

Natürlich braucht man eine gewisse (Reise-)Erfahrung, um sich nicht nur von den besorgten Rückfragen von Freunden und Bekannten vor der Reise nicht einschüchtern zu lassen, sondern auch, um tatsächlich das Ziel zu erreichen, wenn einen nicht der Reiseleiter am Flughafen empfängt und zum Hotel bringt, sondern man im unbekannten Ausland vielleicht das Taxi (oder das Tuktuk ...) bemühen muss - aber dann kommt man eben nach Meroe und hat dieses Weltkulturerbe so gut wie für sich allein, dann kommt man Erbil im Nordirak und wandelt als einer von wenigen Touristen durch diese fantastische Zitadelle, dann kommt man nach Abchasien in dieses tolle Kloster Neu-Athos, dann kommt man - und dabei ist Usbekistan ja inzwischen gefühlt fast schon Mainstream - nach Buchara und Samarkand und bestaunt die unfassbaren Portale der Medressen und Moscheen. Dann kommt man nach Luang Prabang mit seinen kaum besuchten buddhistischen Tempeln (und der sehr leckeren Fressgasse), und dann kommt man an einen so unglaublich beeindruckenden Ort wie Ouidah in Benin mit seiner reichen, tragischen Geschichte.

Langer Rede kurzer Sinn: 2017 war toll, und 2018 darf es durchaus so weitergehen.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Un café au lait, s'il vous plaît

Der Kellner in Sarajevo hat ein bisschen komisch geguckt, als meine Mutter auf Französisch bestellte, aber bei der Sprachverwirrung in Sarajevo mit zwei Schriften (wobei man das Kyrillische nur in Ost-Sarajevo, also in den bosnisch-serbisch bewohnten Gebieten sieht) und der Tatsache, dass manche Bosnier besser Deutsch als Englisch sprechen, ist das vielleicht auch kein großes Wunder.

Ich habe gestern unterschlagen, dass wir vorgestern ein wunderbares (riesiges) Mittagessen in einer schönen Gaststätte direkt an der Miljacka und gegenüber des Rathauses hatten. Das "Inat kuća" stand früher an der Stelle, an der heute das Rathaus steht - als die österreichisch-ungarischen Behörden dort bauen wollten, verhandelte er sich einen Sack Goldmünzen heraus und das Versprechen, auf der gegenüberliegenden Flussseite das Haus originalgetreu wieder aufgebaut zu bekommen. Dementsprechend heißt "Inat kuća" auch "Haus des Trotzes". Wir bestellten eine gemischte Vorspeisenplatte und bekamen - für 11 Euro - vier Ćevapi, zwei Steaks, einen Laib tolles Brot und eine ganze Käse- und Wurstplatte (Wurst brauche ich die nächsten Tage keine mehr, so viel wie wir in Sarajevon gegessen haben ...).

Gestern Mittag checkten wir dann aus, machten noch einen kurzen Abstecher zur deutschen Botschaft, wo wir uns einen Gedenkstein für im Bosnien-Einsatz gefallene deutsche Soldaten anschauten (nachdem der Wachmann uns erst zurückpfeifen wollte), und liefen dann mit kurzem Abstecher ins Einkaufszentrum zum Süßigkeitenkauf zurück zum Hotel. Unterwegs hatten wir uns mal wieder optimal abgestimmt, sodass meine Ma wieder mal dachte, ich wäre entführt worden, weil ich mal auf die Toilette musste und sie das nicht mitbekommen hatte und mich suchte ...

Wir waren - nach entspannter Taxifahrt - viel zu früh am Flughafen, tranken noch etwas (unter anderem einen Milchkaffee, siehe oben) und reisten dann (wieder mit Stempel, juchhe) aus Bosnien-Herzegowina aus. Überpünktlich kamen wir in Sarajevo weg und entsprechend pünktlich in Wien an. Wir absolvierten das prächtige Erlebnislabyrinth durch den Wiener Flughafen (wer über Frankfurt klagt, der muss mal nach Österreich, Frankfurt ist ein Wunder an kurzen Wegen dagegen, naja, okay wenn du von A ganz außen zu E willst, vielleicht nicht ...), nachdem der Grenzer mich gefragt hatte, ob die Einreisende vor mir die "Frau Mama" war (ja, war sie ...).

Auf dem Flug von Wien nach Frankfurt fragte der Austrian-Airlines-Steward hartnäckig "'Clementinen' oder Schokolade?", was die deutschen Reisenden, die keine Schokolade wollten, ebenso hartnäckig mit "Eine Mandarine, bitte" beantworteten. Seid's deppert?

Wir kamen in Frankfurt an, fuhren mit der S-Bahn (welche Überraschung) und dem Bus zurück in meine Bude, es gab noch ein Süppsche und dann ging's in Bett ...

Joa, das war's noch nicht ganz für 2017, denn zwei Grenzübertritte wird es noch geben, einen von Deutschland in die Niederlande und einen zurück. Am Samstag fahren meine Mutter und ich noch zum Einkaufen nach Venlo und zum Treffen mit den Cousinen meiner Mutter ins Rheinland. An Silvester geht es zurück nach Wiesbaden; erstmals, seit ich in Wiesbaden wohne, wird Silvester in meinem Wohnzimmer beendet, es geht ins Sherry & Port.

Wenn an Silvester noch Zeit ist zwischen Heimkunft und Abmarsch zum Silvesteressen, gibt es ein Fazit für 2017, sonst halt irgendwann Anfang 2018 ... Oder morgen. Oder übermorgen. Emol luege, sagt man im Schwarzwald, mal schauen ...

Dienstag, 26. Dezember 2017

Auf zum Tunnel

... hieß es gestern Morgen, denn ich wollte mir gerne den Tunnel unter der Flughafenlandebahn ansehen, der während der Belagerung Sarajevos die eingeschlossene Stadt versorgte. Das Ganze musste unterirdisch erfolgen, weil die bosnischen Serben die Leute, die über die Landebahn rannten, beschoss und sich die UNO, die den Flughafne kontrollierte, auch nicht immer als wirklich hilfreich erwies ...

Man hätte das ganz entspannt mit dem Tourbus machen können, aber mein sportlicher Ehrgeiz hatte mich wieder gepackt, dass wir in die Straßenbahn Nr. 3 ein- und an der Endhaltestelle in den Bus Nr. 32a umstiegen. Ich wusste, wo wir aussteigen sollten, der Bus fuhr erst nicht so wie er sollte, bis sich herausstellte, dass er nur eine Schleife fährt; schließlich kamen wir am anvisierten Ort an und mussten noch ein paar Minuten durch die nebligen Vororte Sarajevos und parallel zur Landebahn des Flughafens entlanglatschen.

Weihnachten war den Inhabern des Tunnelmuseums ziemlich egal, denn es war geöffnet. Nach dem Entrichten von 10 Mark (ca. 5 Euro) Eintritt durften wir eintreten. Doch, ich muss sagen, dieses kleie, aber feine Museum ist einen Besuch wert. Es ist schon spannend, in dem verbliebenen 25-Meter-Stück des ca. 1.000 Meter langen Tunnels unterwegs zu sein, immer darauf bedacht, sich nicht die Rübe anzustoßen.

Sehr spannend ist auch die Karte der eingeschlossenen Stadt, wo man so einen leichten Eindruck der Idee einer Ahnung bekommt, wie es in der über mehr als drei Jahre belagerten Stadt zugegangen sein muss, zumal es auch noch einen viertelstündigen Videofilm hierüber gibt.

Danach fuhren wir - als der Bus endlich gekommen war - zurück zur Straßenbahnhaltestelle und in die Altstadt, wo wir noch nach Souvenirs schauten, das Souvernir, das wir am Samstag gesehen hatten, nicht mehr fanden, und daher unverrichteter Dinge abzogen.

Es folgte eine kurze Stippvisite im Museum, das an das Attentat von 1914 erinnert, ehe wir uns zu unserer üblichen Nachmittagsunterhaltung in unsere inzwischen zum Stammlokal gewordenen Brauereigaststätte zurückzogen.

Joa, heute Morgen fiel das Frühstück ein wenig dürftiger aus.

Gleich machen wir noch einen kurzen Ausflug zur deutschen Botschaft, ehe es dann schon wieder zum Flughafen und nach Wien und Frankfurt geht. Mal sehen, ob wir unseren gebuchten Flug erwischen, wir haben ja nur 45 Minuten Umsteigezeit in Wien, aber das wird schon schiefgehen ...

Ob ich die Aussage der jungen Frau, die im Flieger neben uns saß, dass Sarajevo die schönste Stadt der Welt sei, unterschreiben würde, weiß ich nicht - aber eine schöne Stadt ist es schon. Das war schon interessant hier ...

Ewige Flamme im Stadtzentrum für die Opfer des Zweiten Weltkrieges

Treppe zum Tunnel

Im Tunnel

Hoffentlich ist das nur Illustration ...
 Umsteigen ist natürlich in Wien und nicht in Frankfurt; das habe ich korrigiert.

Sonntag, 24. Dezember 2017

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier

,,, dann steht der Mann mit Hammer vor der Tür. Was willst du mit dem Hammer, sprich! Kartoffelschälen, verstehste mich?

Nach diesem stilechten Ausflug in deutsches Kulturgut kommen wir zum heutigen Bericht aus Sarajevo:

Ich habe gestern Abend noch ein bisschen Football im bosnischen Fernsehen geschaut, aber nach der ersten Halbzeit aufgegeben - entsprechend lang schlief ich heute aus, und meine Ma schmiss mich überraschenderweise erst gegen 8.30 Uhr aus dem Bett. Ich duschte, und wir gingen in den sehr schönen Frühstücksraum im Keller, um unser Morgenmahl einzunehmen. Dort gab es - in einem einem Birkenwald nachempfundenden Ambiente - schon zum Frühstück Knoblauchwurst mit Gemüse, aber natürlich auch "normalere" Frühstückszutaten wie Unmengne von Salami und Käse, Obst (incl. einem frischen pressendem Orangensaftautomaten) - doch, das Frühstück bestätigt die gute Reputation des Hotels.

Ziemlich spät, so gegen 10.30 Uhr, ging es raus und wir liefen wieder in Richtung Innenstadt. Es ging kurz in die Markthalle (die hieß wirklich so, bis die Bosnier das auf "Markale" verkürzten; hier war der Schauplatz eines Mörserangriffs auf Sarajevo, der schließlich zum Eingreifen der NATO führte). Wir standen vor der Heilig-Herz-Kathedrale, als uns ein Hinweisschild auf eine Galerie auffiel, die eine Ausstellung zum Srebenica-Massaker vorhält.

Durch den in ermutigendem Grau gehaltenen Gang ging es zum in ermutigendem Grau gehaltenen Fahrstuhl, ehe wir in die Ausstellung eintreten konnten - die sechs Euro Eintritt lohnen sich, auch wenn das weniger ein Dokumentationszentrum ist als eine durchaus emotionalisierende Ausstellung. Das Video mit den Berichten vom Juli 1995 ist jedenfalls nichts für schwache Nerven, und entsprechend brauchte ich nach dem Besuch dort erstmal ein Bier.

Bei ungewöhnlich schönem Wetter (nichts da mit grau in grau) ging es wieder durch die Altstadt in Richtung des Rathauses, dann über die Brücke und wieder hoch zu unserer Brauereikneipe von gestern.

Ein Bier wurde getrunken, wir unterhielten uns sehr gut, ein zweites folgte, danach kam ein Vorspeisenteller, und zum Rest des Nachmittags verweigere ich die Aussage.

Danach ging es über die Brücke zurück in die Altstadt, und weil wir noch ein Hüngerchen hatten, versuchten wir, eine Ćevapi-Kneipe zu finden. Das war schwieriger als gedacht, und am Ende landeten wir im Foodcourt eines Einkaufszentrums, wo wir Ćevapi mit (viel) Zwiebeln bekamen.

Ein etwas anderer Heiligabend, aber alles in allem ein sehr, sehr interessanter mit einem Wechselbad an Gefühlen - vom Grau der Srebrenica-Ausstellung über den strahlenden Sonnenschein bis hin zum sehr entspannten Gespräch mit meiner Ma. Irgendwie schön heute, trotz allem ...

Danach gingen wir bald nach Hause und sind schon wieder in sämtlichen Betten - das ist ein entspannter Weihnachtsurlaub ohne Riesenprogramm, so ist es schön, so ist es richtig ...

Markthalle, später "Markale" genannt

Heilig-Herz-Kathedrale

Moschee

Sebilj-Brunnen, Wahrzeichen Sarajevos

Rathaus