Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 30. November 2014

Ostern in Astana

Achtung, Kasachen: Die Bekloppten kommen...

Am Freitag Morgen hatten meine Ma und ich diskutiert, wo wir denn über Ostern vielleicht hinfahren oder hinfliegen könnten. Wir hatten Dublin, Madrid, Stockholm, natürlich Istanbul und Tel Aviv, Tiflis und Marrakesch, sogar Beirut in der Verlosung, als wir am Abend weiter zusammen guckten.

Wir waren uns eigentlich schon einig, Dublin zu buchen, doch Austrian Airlines sagte mir, dass ich den Flug nicht online buchen könne. Schon klar, Jungs und Mädels ...

Meine Ma und ich waren uns dann einig, das als Zeichen zu betrachten, und den Buchungsvorgang für heute abzubrechen. Ich ließ mich aber natürlich nicht davon abhalten, ein bisschen zu gucken. Dabei fiel mir ein Flug nach Astana, in die kasachische Haupstadt, ins Auge, aber ich guckte noch ein bisschen weiter.

Kurz vor dem Zubettgehen rief ich nochmal an, erzählte von dem Flug nach Astana und meine Ma meinte: "Jo, klingt gut." Ich fragte, ob wir wirklich buchen sollten, sie bejahte, ich holte meinen Rechner und buchte unseren Flug von Frankfurt über - Achtung! - Kiew nach Astana in Kasachstan (keine Sorge, wir fliegen nicht über Donetsk oder Lugansk ...).

Am Gründonnerstag fliegen wir am frühen Nachmittag in Frankfurt ab, sind am späten Nachmittag in Kiew und fliegen eineinhalb Stunden später weiter. An Karfreitag sind wir um 4 Uhr morgens in Astana, wegen der Zeitverschiebung ist das erst 0 Uhr in Deutschland.

Dort werden wir uns ein Taxi suchen oder vom Hotelshuttle abholen lassen. Wir haben dann ziemlich genau drei Tage in Astana, ehe wir am Ostermontag um 5 Uhr kasachischer Zeit zurückfliegen und um 13 Uhr deutscher Zeit wieder in Frankfurt sind.

Wieder mal eine tour de force mit viel Zeitverschiebung und zwei Nachtflügen für drei Tage in einer zentralasiatischen Großstadt, aber wieder mal bin ich sehr gespannt auf das "Dubai in der Steppe", oder so ähnlich.

Wir haben uns für Astana und gegen Almaty (das frühere Alma-Ata) entschieden, obwohl ich auf dieses Glitzer-Superdupermegamoderne ja an sich nicht so stehe. Aber dieses Mal möchte ich mal sehen, wie die Kasachen aus einem Steppenkaff eine Weltmetropole zu basteln versuchen.

Wenn das mit dem iranischen Visum irgendwie klappt, wird Kasachstan mein 97. Land (nach Algerien als 94., Iran als 95. und Kuwait als 96. Land), vielleicht wird es wirklich was mit dem 100. Land noch im Jahr 2015.

Mittwoch, 26. November 2014

Ziemlich familiär

... geht es im algerischen Generalkonsulat in Frankfurt zu, vor allem nachmittags.

Nach einer unruhigen Nacht war ich heute Morgen kurz nach 9 Uhr im algerischen Generalkonsulat unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs. Am Empfang bekam ich eine Wartemarke und fuhr dann mit dem Aufzug in den dritten Stock.

Im Wartesaal wartete ich zwanzig Minuten oder so, ehe ich aufgerufen wurde. Die Konsularbeamtin war außerordentlich freundlich und fragte, wieso wir nach Algerien fahren. Sie empfahl eindringlich, sich auch Oran anzugucken. Am Ende des kurzen Interviews fragte sie mich, ob ich das Visum heute Nachmittag oder erst am Freitag abholen wollte. Nix da von wegen zwei Wochen Bearbeitungszeit! So stelle ich mir das vor.

Ich fuhr zurück nach Wiesbaden (ich hatte mir in weiser Voraussicht eine Tageskarte gelöst), arbeitete ein paar Stunden und fuhr dann wieder nach Frankfurt. Die Tür unten am Konsulat war offen, am Empfang saß keiner, dafür waren ein paar spielende Kinder im Treppenhaus. Ich ging einfach durchs Foyer durch, fuhr wieder in den dritten Stock und setzte mich abermals ins Wartezimmer.

Nach ein paar Minuten kam die gleiche Konsularbeamtin wie heute Morgen ins Wartezimmer, gab zwei Leuten ihre Pässe mit Visa aus und meinte zu mir, sie bräuchte noch fünf Minuten. Einige Minuten später kam sie wieder ins Wartezimmer, gab mir unsere Pässe und schon hatte ich meinen Zweitpass samt algerischem Visum.

So schnell kann es gehen. Wenn die Algerier jetzt wieder anfangen, Pässe per Post entgegenzunehmen, dann machen sie vollkommen richtig ...

Ich hatte mir das in diesem Konsulat sehr viel förmlicher (und auch moderner) vorgestellt, vielleicht sogar mit Sicherheitskontrolle, chipkartengesteuerten Türen und Visum-Schaltern. Stattdessen fand ich einen altersschwachen Fahrstuhl und abgesessene Wartezimmerstühle vor und eine einzelne Frau, die die Leutchen per direkter Ansprache in ihr Büro holte ...

So, in vier Wochen geht es los nach Algerien, um die Zeit sitzen wir an Heilig Abend irgendwo in einer schönen Kneipe und trinken ein algerisches Bierchen oder Weinchen und essen eine Kleinigkeit dazu. Schön wird's ...

Sonntag, 9. November 2014

November catch-up

So, was ist seit dem letzten Post am Tag der deutschen Einheit passiert. Heute am Tag des Mauerfalls berichte mal hierüber.

Unterwegs nach Land 208 (oder 209)?
Am 18. bzw. 27. Juni dieses Jahres hat anscheinend Südossetien (eine der beiden von Georgien abtrünnigen Regionen, die von Russland, nunja, sagen wir, unterstützt werden) die Volksrepublik Donezk und die Volksrepublik Lugansk anerkannt, wie mir peinlicherweise erst neulich bewusst geworden ist.

Nach meiner Logik (Russland, ein UN-Mitgliedsstaat, anerkennt Südossetien; Südossetien anerkennt diese beiden Staaten) müsste ich nunmehr Donezk und Lugansk ebenfalls anerkennen. Bei Transnistrien und Bergkarabach argumentiere ich ja genau.

Und in der Tat, es ist keine Frage, dass ich diese beiden Volksrepubliken (oder auch ihre Neurussland-Konföderation) als 208. und ggf. 209. Land anerkennen werden, if and when in der Ostukraine ein wenig Ruhe eingekehrt ist und sich diese staatlichen Gebilde stabilisiert haben. So hatte ich auch schon im Fall Azawad am 14. April 2012 argumentiert, und es erwies sich damals als sehr sinnvoll, so zu argumentieren. Ich begebe mich ungern in die Abhängigkeit von der englischen Wikipedia, aber im Moment hat deren List of sovereign states und meine Länderliste beim "Land" Antarktika ihre einzige Abweichung (ich anerkenne dieses Land, die Wikipedia nicht). Das darf ruhig so bleiben ... Bis dahin bleibe ich bei 207 Ländern.

Weihnachten 2014: Algier
Am Mittwoch bin ich ohnehin in Frankfurt, sodass ich wahrscheinlich ein bisschen früher losfahren werde, um beim algerischen Generalkonsulat unsere Visumanträge (jetzt endlich mal!) abzugeben. Hoffentlich funktioniert das so problemlos wie es sollte, Zeit genug ist jedenfalls noch: Die brauchen angeblich zwei Wochen zum Bearbeiten des Antrages.

Silvester 2014/15: Trier
Silvester werden meine Ma und ich in Trier verbringen. Das ist eine der sehr interessanten deutschen Städte, in der wir beide noch nicht waren. Dementsprechend bestand zwischen uns schnell große Einigkeit, als sie das vorschlug.

Mai/Juni 2015: Malaysia, Singapur, Australien
Die Karte oben hat unten rechts, sprich im Süden der östlichen Hemisphäre, inzwischen einen deutlichen Orangestich bekommen. Das liegt zum Teil daran, dass ich mir mit meiner Mittelamerika-2013-Reisepartnerin zunehmend einig werde, dass wir da eine Tour machen. Wir müssen mal sehen, ob wir von Frankfurt oder von Zürich nach Kuala Lumpur oder Singapur fliegen, aber wir wollen uns diese beiden Städte ohnehin angucken, sodass das keinen Unterscheid machen würde. Von Kuala Lumpur fliegt Air Asia für knapp 300 € nach Sydney, was natürlich extrem reizvoll ist. Sydney zu der Jahreszeit (Winter) ist zwar nicht so richtig warm, aber mir macht es ja nichts aus, wenn es nicht 35 Grad im Schatten hat ... Danach wollen wir aber noch ein paar Tage am Strand in Malaysia machen. Endgültig buchen kann ich natürlich wahrscheinlich erst Anfang Februar, aber bis dahin gehen die Preise hoffentlich nicht raketenartig nach oben. Wir gucken nach einem Flug möglichst an Christi Himmelfahrt (14. Mai) und würden dann spätestens am 5. Juni wieder in Deutschland eintrudeln wollen, weil wir am 6. Juni noch eine Familienfeier haben.

Weihnachten 2015: Lissabon
Meine Ma und ich haben gestern relativ fest vereinbart, dass wir Weihnachten 2015 in Lissabon feiern werden. Auch dort waren wir beide noch nie, auch das wird hoffentlich sehr interessant.

Silvester 2015/16: Ain-en-Provence und Marseille
Letztes Wochenende habe ich mit der einen bulgarischen Schwester, deren Hochzeit ich mitfeiern durfte, vereinbart, dass ich sie und ihren Mann über Silvester 2015/16 besuchen komme. Und meine Ma darf auch mit ... Wir werden wohl am Silvestertag hinreisen (wir sind uns noch unsicher, ob im Auto oder im Flieger) und dann am 3. Januar 2016 wieder heimfliegen. In Marseille gucken wir mal, ob wir eine leckere Bouillabaisse kriegen, wird sicher auch sehr schmackhaft.

Frühjahr 2016: Myanmar, Thailand, Kamboscha
Joa, und für das Frühjahr 2016 haben wir dann schon ziemlich fest Myanmar (Burma), Thailand und Kambodscha ins Auge gefasst. Rangun und Mandalay, Angkor War und Bangkok erscheinen uns als ebenso spannende Ziele wie irgendein hübscher Strand in Thailand oder dort in der Ecke ... Daher sind in der Karte nicht nur die süd-südostasiatischen Länder Malaysia und Singapur, sondern eben auch die weiter nördlich gelegenen Staaten orange unterlegt.

Restliche Reiseplanungen
Ich werde voraussichtlich nächstes Jahr neben den schon angeplanten Reisen noch eine Woche Urlaub haben: Meine Ma will auf die Kapverden, einer lieben Freundin bin ich noch dringend Rom schuldig (gibt wirklich Schlimmeres ...), mit anderen Freunden ist mal Tel Aviv angedacht: Man sieht, so schnell wird mir nicht langweilig werden.

Freitag, 3. Oktober 2014

Umweg über Bahrein

Ich hatte ja schon viel Schlechtes von Kuwait Airways gehört, aber ich muss sagen, mein Flug damals nach Pakistan und zurück war ziemlich problemlos. Daher hatte ich jetzt auch keine großen Bedenken gehabt, den Flug von Teheran nach Kuwait-Stadt bei dieser Fluggesellschaft zu buchen. Diesmal ging es aber leider schief.

Ich hatte ohnehin schon nicht so arg viel Zeit in Teheran eingeplant (fast den ganzen Ankunftssonntag, Montag, Dienstag und den Großteil des Mittwochs), dafür aber ziemlich viel Zeit in Kuwait-Stadt (Donnerstag und Freitag bis zum Abflug am sehr frühen Samstagmorgen). Jetzt wurde mein Flug am Mittwoch Abend storniert und mir dafür von meinem (griechischen) Online-Reisebüro ein Kuwait-Airways-Flug am Dienstag Mittag angeboten, sodass ich nur noch einen vollen Tag in Teheran gehabt hätte. Das war mir dann doch zu wenig.

Nun habe ich in Absprache mit der Fluggesellschaft den Flug storniert und mir dafür einen etwas teureren Gulf-Air-Flug von Teheran nach Kuwait-Stadt mit Umsteigen in Bahrein gebucht, und zwar am Donnerstag Abend. Dadurch habe ich von Sonntag Morgen bis Donnerstag Mittag Zeit in Teheran und Umgebung (dazu zähle ich auf jeden Fall mal Qom), bevor ich dann von Donnerstag Abend bis Freitag Nacht in Kuwait bin. Das passt ...

Wenn ich ein bisschen länger nachgedacht hätte, hätte ich vielleicht nach einem Flug von Isfahan nach Kuwait geguckt, aber der wäre mit ziemlicher Sicherheit prohibitively expensive gewesen, wie der Franzose sagt, also verboten teuer.

Mein Hotel in Kuwait konnte ich problemlos umbuchen (nur eine Nacht), aber das Hotel in Teheran antwortet mir nicht. Komischer Verein.
Jetzt muss ich nur noch das iranische (und vorher das algerische) Visum kriegen, dann steht den Reisen im Dezember und Februar nichts mehr entgegen.

Noch ein paar Fotos aus dem Kosovo:
Stadtbild in Prizren

Gračanica, Kosovo (oder doch Serbien?)


Kloster Dečani, Kosovo

Sonntag, 21. September 2014

Knapp war's, und schön ...

18. September 2014

Joa, wir saßen da am Flughafen, guckten unserem Kapitän durchs Fenster bei den Vorbereitungen zu und wunderten uns, dass die unseren Flug immer noch nicht aufgerufen hatten. Ich guckte auch ein, zwei Mal auf die Anzeigetafel über dem Gate, da war noch nichts, und untendrunter stand auch niemand. Um uns herum machte keiner Anstalten, zum Gate zu gehen, also blieben wir sitzen. Auf einmal kam die Ansage des "letzten Aufrufes" für unseren Flug, sodass wir dann zum Gate wanderten. Dort wurden wir schon böse angefahren, wo wir denn blieben, die warteten offenbar schon auf uns. Okay, da ist wohl auf beiden Seiten was schiefgegangen, aber wenn man weder den Flug ausruft noch an den Anzeigetafeln über dem Gate irgendwas von "Boarding" stehen hat, muss man sich nicht so wirklich wundern, wenn es da, sagen wir, Missverständnisse gibt. Jedenfalls hätten wir wahrscheinlich ziemlich blöd aus der Wäsche geguckt, wenn unser Flieger plötzlich ohne uns abgelegt hätte. So ging's dann also, Gepäck marsch, marsch, in den Flieger, wo es aber noch einmal eine Stunde dauerte, bis diverse Frachtgüter eingeladen waren. Ähem, zum Glück, sonst wäre das Ganze noch ein bisschen peinlicher gewesen. Wird mir jedenfalls eine Lehre sein, zumindest in Frankfurt mehrmals am Gate nachzufragen, ob sie wirklich noch nicht boarden ...

Der Flug war kurz und entspannt, nur waren wir vom Vorabend noch ein bisschen müde, sodass wir gelegentlich weggenickt sind. Der hochmoderne Flughafen von Prishtina begrüßte uns, die Einreise ging fix, unser Gepäck kam schnell (sie mussten ja sicherstellen, dass sie es schnell wieder hätten ausladen können, wenn wir wirklich nicht erschienen wären ...), und wir tranken dann im Empfangsbereich erstmal was und Marcel ging eine rauchen. Mit dem Taxifahrer wurden wir uns über einen Preis einig und schnell waren wir auf der ganz neuen und kaum befahrenen Autobahn nach Prizren unterwegs. Ich leitete dank Google Maps unseren Fahrer, bis wir an einem blau-weißen Komplex ankamen, an dem wir schon erwartet wurden. Der Pförtner geleitete uns zur Schulsekretärin und die führte uns bei unserem früheren Schuldirektor ein. Großes Hallo. Ein Praktikant aus Deutschland kam hinzu, mit dem wir uns hier eine geräumige Wohnung mit Einzelzimmern teilen: wunderbar. Nachdem wir uns ein wenig frischgemacht hatten, guckten wir - mit Wein und Schnaps bewaffnet - wieder beim Chef vorbei, der uns ein wenig die Sehenswürdigkeiten des Kosovo einordnete, sodass wir jetzt einen recht guten Reiseplan für die nächsten zwei Tage hier im Land haben. Er erzählte auch vom kosovarischen Alltag mit nicht immer ganz kooperativen staatlichen Behörden. Es war Nachmittag, als wir uns mit dem Bus nach Prizren aufmachen wollte (die Schule liegt etwas außerhalb). Leider hatten wir den genauen Ort der Bushaltestelle nicht ganz richtig verstanden, denn es kam ein Bus (aus der Stadt) an, fuhr vor uns auf einen kleinen Feldweg, wendete dort mit Karacho und knirschendem Getriebe, fuhr wieder vom Feldweg runter und hielt 150 Meter vor uns an. Eine Frau stieg ein, aber wir kamen nicht mehr rechtzeitig hin. Das war so ein Tag, an dem die Verkehrsmittel und wir keine richtigen Freunde mehr wurden.

Wir marschierten zwanzig Minuten in Richtung Stadt, bis auf einmal ein Taxi an uns vorbeifuhr und anhielt, nachdem wir mit hektischen Winkbewegungen auf uns aufmerksam gemacht hatten. Der Taxifahrer sprach ganz gut Deutsch, weil er Anfang der 1990er-Jahre in Stuttgart gelebt hatte, und fuhr uns zum Shadervan, dem Hauptplatz der Altstadt von Prizren: Wow. Da fließt so ein kleines Flüsschen unter einer malerischen Festung entlang, von Steinbrücken (fast wie in Mostar) erschlossen. Auf der anderen Flussseite liegt dann ein hübsches Altstadtviertel mit etlichen Moscheen, relativ frisch restauriert aussehenden Häusern, vielen Straßencafés, doch, sehr, sehr schön. Wir spazierten ein wenig dort am Fluss entlang und kehrten dann in einem am Hang gelegenen Lokal ein. Dort aßen, tranken und versackten wir, ehe wir uns mit dem Taxi wieder zum Hotel zurückfahren ließen.

Die Hunde der Nachbarschaft bellten und jaulten uns noch ein schönes Mitternachtskonzert vor, ehe ich mit dann geschlossenem Fenster einschlief.

19. September 2014

Am Freitag Morgen waren wir dann zum Frühstück bei unserem alten Schuldirektor eingeladen: Bei Salami und Schinken (was im muslimischen Kosovo ja nicht gerade selbstverständlich ist ...), hausgemachtem Honig, frischem Fladenbrot und leckerem Tee fragten wir weiter zum Alltag im Allgemeinen und zum Schulalltag im Besonderen. Um 7.40 Uhr nahm er uns mit, damit wir das Ritual des Schulbetretens der Schüler mitverfolgen konnten: Vor 7.45 Uhr kommt kein Schüler ins Gebäude, und danach auch nur mit Kontrolle, ob die Krawatte der Schuluniform richtig sitzt. Das klingt jetzt strenger als es ist, aber es ist doch interessant zu sehen. Nichtsdestotrotz grüßten uns viele Schüler (wie auch die Lehrer) sehr freundlich, zum Teil sogar auf Deutsch. Süß war der Anmarsch der Grundschüler, die, sagen wir, weniger geordnet als die Älteren ihr Schulgebäude aufsuchten.

Danach ließen wir uns mit dem Bus in das Stadtzentrum von Prizren bringen. Leider fuhren wir am Busbahnhof ohne Halt vorbei, sodass wir ein Stückchen später uns den Ausgang erkämpfen mussten und einen kurzen Bummel zurück zum Busbahnhof machten. Die Strecke zwischen Prizren und Prishtina ist ein ziemlich heiß umkämpfter Markt, entsprechend häufig fahren dort die Busse. Für vier Euro, die wir im Bus bezahlten, ging es anstatt über die Autobahn über die landschaftlich noch schönere Landstraße, bis wir kurz vor Prishtina ausstiegen. Dort warteten schon diverse Taxen und eine derselben brachte uns nach Gračanica. Es war wieder einmal beeindruckend, dass viele Werbeschilder auf einmal vom Albanischen ins Serbische wechselten. Der Taxifahrer ließ uns direkt an der Kirche raus (Weltkulturerbe), wo ich ja 2008 mit meiner Ma schon einmal gewesen war. Immer noch und schon wieder war das Ensemble sehr beeindruckend. Besonders die Ruhe im Innenhof im Vergleich zur quirligen Stadt fand ich interessant. Mit meinen begrenzten Serbisch-Kenntnissen kamen wir mit der Aufseherin ein wenig ins Gespräch, die uns auch einige Szenen dort erläuterte. Ich mag orthodoxe Kirchen einfach, die sind (außer in Armenien) alle so schön bunt bemalt mit Heiligen und Bibelszenen. Danach gingen wir raus und suchten Ulpiana, eine Ausgrabungsstätte mit Kirchenbauten aus dem 3. und 4. Jahrhundert. Sehr beeindruckend, zumal man den ganzen Umfang der Anlage erst so richtig mit Google Maps erfassen kann ... (Man sollte hier aber ein Taxi aus der Stadt nehmen, man läuft sich sonst einen Wolf!)

Zurück in Gračanica tranken wir ein Bierchen und machten uns dann auf nach Prishtina. Wir ließen uns am Alten Hamam absetzen, wollten in die älteste Moschee des Landes, wo wir aber abgewiesen wurden, weil gerade Gebetszeit war, und gingen dann ein paar Meter, um schließlich auf die Fußgängerzone zu stoßen. An Denkmälern für Skenderbeg und Ibrahim Ruguva vorbei begutachteten wir das Parlament der Republik Kosovo. Die Fußgängerzone ist inzwischen sehr, sehr schön, es gibt sehr viele Geschäfte und Cafés, doch, in Prishtina lässt es sich schon aushalten.

Am Ende der Fußgängerzone landeten wir in einer Veranstaltung zu Ehren der fünfzehnjährigen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Kosovo. Auf vielen Ständen wurde über die deutsch-kosovarischen Bemühungen zur Rechts- oder Katasterreform, zur Mülltrennung und zur Wiedereingliederung von Flüchtlingen hier im Land berichtet. Durchaus interessant. Wir suchten eine im Reiseführer empfohlene Gaststätte und aßen dort recht gut, ehe wir uns gegen halb acht mit dem Taxi zurück zum Busbahnhof machten. Unsere leichten Zweifel, ob um die Zeit noch ein Bus fährt, waren ziemlich unbegründet, weil um kurz vor acht noch gut Betrieb auf dem Busbahnhof war.

Um halb zehn waren wir wieder in Prizren und kurz danach wieder an der Schule hier: Es war ganz schön anstrengend, und wir wollten ins Bett ...

20. September 2014

Als ich nach dem Duschen aus dem Fenster schaute, war unten der Frühstückstisch für drei Leute gedeckt. Wir waren zwar nicht explizit eingeladen, aber ich wanderte ein wenig über das Gelände und sah "zufällig" unseren Chef beim Frühstücken sitzen. "Guten Morgen", und er bot mir den Platz an. Wieder einmal gab es viel zu viele Fragen, die wir zu stellen hatten, und viel zu wenig Zeit, um sie ausführlich zu diskutieren. Nach dem Frühstück organisierte er uns freundlicherweise ein Taxi für den Rückweg zum Flughafen, ehe wir uns nach einem Zwischenstopp bei unserer inzwischen angestammten Kaffeebar wieder per Bus nach Prizren aufmachten. Diesmal hielt ich unseren Bus am Busbahnhof an und wir hatten Glück, weil gerade im Moment unserer Ankunft am Busbahnhof der Bus in Richtung Peja im Aufbruch war. Fliegender Wechsel, und ab nach Nordwesten.

Nach eindreiviertelstündiger Fahrt kamen wir in Deçan/Dečani an (ich verwende ja normalerweise im Kosovo inzwischen die albanischen Städtenamen, aber hier bietet sich der serbische mit an, weil wir das serbisch-orthodoxe Kloster besuchen wollten). Die Taxifahrer wollten für die zwei Kilometer zum Kloster Mondpreise haben (anfangs zehn Euro, von fünf ließ man sich keinesfalls herunterhandeln), sodass wir am Ende zu Fuß gingen. Der Weg war zum Glück nicht sonderlich steil, zudem war das Wetter keineswegs zu warm (eher zu nass). Nach einem hübschen Spaziergang an einem italienischen Wachposten vorbei ("buongiorno!") lag rechts vom Weg das Kloster. Der italienische Wachposten wollte nix von uns und so gingen wir rein. Es erwartete uns hier im Kloster von Dečani ein wunderschöner Vorhof (leider sind überall Fotografieren-verboten-Schilder, für das Kircheninnere verstehe ich das ja, aber für die Außengelände nicht wirklich) und eine noch viel schönere Kirche. Wahnsinn. Der einzige "Kritikpunkt" ist, dass das Kircheninnere ein bisschen dunkel ist; es gibt Techniken, das besser auszuleuchten, wie wir in Gračanica und auch später in Peć gesehen haben. Um 14 Uhr sollte das Ding schließen, aber das interessierte niemanden, schon gar nicht die Delegationen von polnischen und amerikanischen Soldaten, die sich das Kloster auch anschauen wollten.

Wir wanderten wieder zurück und stiegen in den Bus nach Peja/Peć. Dort verpassten wir den richtigen Ausstieg und stiegen dann am Schluss am Busbahnhof aus, was ein bisschen spät war. Der Taxifahrer hier war deutlich vernünftiger und fuhr uns für einen akzeptablen Preis zum Patriarchat. Im einsetzenden Starkregen gingen wir - nach einer Kontrolle durch kosovarische Polizisten samt Eintragung des Passes ins Besucherbuch - über eine kleine Straße in Richtung Kloster. Wieder kamen uns "unsere" polnischen Soldaten entgegen ... Im Patriarchat war - außer zwei Nonnen - niemand, und das ist völlig unverständlich: Die Patriarchatskirche ist fantastisch. Allein der Narthex, die Vorhalle, ist toll, aber wenn die Schwestern in den drei angrenzenden Kirchen jeweils das Licht anmachen, dann ist das absolut phänomenal. Unglücklicherweise galt auch hier: Fotografieren verboten ... Als wir die Kirche verlassen wollten (und auch schon eine großzügige Spende hinterlassen hatten), fiel der einen Nonne "plötzlich" ein, dass sie "vergessen" hatte, uns die zwei Euro Eintritt abzuverlangen. Abgesehen davon, dass ich höchst ungern für eine Kirche Eintritt bezahle, hätte man das jedenfalls am Anfang kenntlich machen sollen. Mir geht es da gar nicht um die zwei Euro (für die wir im Übrigen eine 55-Prozent-Schnapsprobe bekamen), sondern um die völlig unnötige Abzocke. Jetzt regnete es endgültig wie aus Kübeln, sodass wir uns aus der Kirche in eine nahegelegene Kneipe retteten und uns dort erst einmal durch den Konsum von drei Bier erholten ... Das Peja-Bier ist einfach lecker.

Danach machten wir uns zu Fuß auf zu einem Punkt, an dem auf alle Fälle ein Bus nach Prizren würde vorbeifahren müssen. Leute kamen, warteten, stiegen in irgendwelche Laster oder Privatautos ein, aber ein Bus kam keiner. Nach längerer Wartezeit kam Marcel auf die glorreiche Idee, einfach mal einen Mitwartenden anzuquatschen. Der Typ sprach hervorragend Deutsch und erläuterte uns, dass allenfalls noch ein Bus nach Deçan fahren würde und man vielleicht im 23-Uhr-Bus nach Tirana mitgenommen werden könnte. Danach ließen wir es gut sein und nahmen ein Taxi. Das Taxi, das wir angehalten hatten, war kaputt (weihnachtsbaumartige Warnleuchtenanzeige), aber der Fahrer beorderte einen Ersatzwagen her und alle drei stiegen in diesen um. Über dunkle, aber meist ziemlich gute Straßen bretterten wir gen Prizren und ließen uns am Shadervan nieder. Eine Suppe und ein paar Köfte tun einfach Wunder. Es war jetzt doch schon spät geworden, sodass wir uns schnell heimmachten und um 0 Uhr im Bett lagen.

21. September 2014

Drei Stunden später mussten wir schon wieder aufstehen. Ui, anstrengend. Wir schafften es aber, pünktlich unser Taxi zu erreichen. Wir kamen 80 Minuten vor Abflug am Flughafen an, konnten entspannt einchecken und begaben uns dann zum Gate, wo wir diesmal ohne Sonderaufruf einsteigen konnten. Schön war's, anstrengend war's, lecker war's, wir haben alle Wetterlagen im Kosovo (außer Schnee) mitbekommen, viel gesehen und viel über das Land gelernt. Ich bin gar nicht so pessimistisch für dieses kleine Ländchen, obwohl ich ihm schon angedroht habe, in nicht allzuferner Zukunft mal wieder vorbeizuschauen.

Ausführliches Fazit vielleicht nächstes Wochenende oder so.

Donnerstag, 18. September 2014

Unterwegs mit dem Giftschrank

So, Marcel und ich sitzen am Flughafen in Frankfurt und warten auf unseren Flug nach Prishtina. Das Aufstehen heute Morgen um 5.15 Uhr war, naja, ziemlich mühsam, aber zum Glück ging danach alles glatt: So fix eingecheckt, Koffer abgegeben (am Automaten) und durch die Sicherheits- und Passkontrolle bin ich speziell in Frankfurt selten gekommen.

Wir sind sehr gespannt auf unsere drei Tage im Kosovo. Mal sehen, was unser alter Schuldirektor sich als Programm ausgedacht hat, aber selbst wenn er wenig vorgeplant hat, werden wir die Zeit im Kosovo schon gewinnbringend herumkriegen.

Ich habe tatsächlich meinen alten Pass dabei (auf dass er neben den anderen "bösen" Stempeln auch einen kosovarischen bekommt), auch wenn ich am Montag meinen nagelneuen Zweitpass habe abholen können; der wird dann halt erst von den algerischen Konsularbeamten erstbestempelt ...

Ich weiß nicht genau, wie das mit dem WLAN unterwegs im Kosovo aussieht, aber ich werde allerspätestens am Sonntag ausgiebig berichten ...

Donnerstag, 21. August 2014

Zweiter Pass

Ich weiß ja, dass niemand verstehen kann, wieso ich mich daran so erfreue, dass ich gestern meinen Zweitpass beantragen konnte, aber ich muss es hier noch einmal brühwarm verbreiten, damit ich dann in drei, vier Wochen honigkuchenpferdartig vom Abholen dieses Zweitpasses berichten kann ...

Ich marschierte gestern nach einem Umweg zum Fotografen, der für einen akzeptablen Preis acht Fotos ausdruckte, zum Bürgerbüro und eröffnete der Dame, dass ich einen Zweitpass haben möchte. Der Dame war nicht auf Anhieb klar, worauf ich hinauswollte und fragte erstmal, ob mein Pass voll sei. (Nein, sonst würde ich keinen Zweitpass beantragen!)

Ich erläuterte ihr dann, dass ich israelische Stempel im Pass hätte (und zeigte sie ihr auch ...) und dass ich nach Algerien, in den Iran und nach Kuwait reisen werde, was ich mit den Ausdrucken der Flugtickets belegen konnte. Sie verstand immer noch nicht. Erst als ich sagte, dass zumindest die Iraner und die Kuwaiter, womöglich auch die Algerier mir Visum und Einreise verweigern würden, wenn sie den israelischen Stempel sehen ("Aber das ist doch nur ein Stempel für einen Touristenaufenthalt!" - "Das ist denen egal."), entwickelte sie Verständnis für mein Anliegen.

Ich musste trotzdem noch einen Wisch ausfüllen und begründen, wieso ich einen Zweitpass brauche, woraufhin sie zu ihrem Vorgesetzten lief und sich das abzeichnen ließ. Danach war sie auch zufrieden.

Die Beantragung lief natürlich ganz glatt, bis sie auf einmal meinte, da wäre noch ein weiterer Pass von mir im Umlauf. Schockschwerenot! Mein 2007 in Jena ausgestellter Pass sei noch gültig. Ich war mir sicher, dass ich den zwar noch habe, aber dass der sowas von entwertet war. Ich rief trotzdem nochmal meine Ma an, die das auch noch einmal bestätigte, und dann ging ein Brief aus Wiesbaden an die Meldebehörde in Jena nach Hause, dass der Pass (2010!) entwertet worden sei und man bitte die Eintragung in diesem Passregisterdingsbums aufheben möge ... Komische Sache.

Und nun warte ich eben darauf, dass mir mein Zweitpass (der nur sechs Jahre gültig ist und daher kurz nach meinem Erstpass 2020 auslaufen wird) in drei bis vier Wochen dann zuläuft.

Ich überlege, ob ich die kosovarischen Stempel schon in den neuen Pass packen lassen möchte, aber ich glaube, diese Stempel kommen auch nochmal in meinen "Giftschrank"-Pass, in dem israelische, bergkarabachische und nordzyprische Stempel drin sind.

Und schon im Oktober oder so wird der Pass dann auf die Reise nach Frankfurt ins algerische Konsulat gehen, um sein erstes Visumlein eingeklebt zu bekommen. Da freut er sich bestimmt, der Zweitpass.

Dienstag, 5. August 2014

Mit dem Kopf durch die Wand

... bin ich heute so ein bisschen.

Erster Anruf bei der Kreditkartengesellschaft: Systemabsturz. "Rufen Sie bitte später nochmal an!"

Zweiter Anruf bei der Kreditkartengesellschaft: "Nö, wir haben Ihre Karte nicht gesperrt."

Naja, nochmal zu buchen versucht während der Mittagspause: Wieder abgelehnt. Sehr komisch.

Und dann habe ich halt über eine andere Seite gebucht, die paar Euro mehr kann ich verschmerzen, damit ich endlich meine Buchung in Händen hatte. Insgesamt zahle ich jetzt für die Verbindung Frankfurt-Istanbul-Teheran-Kuwait-Istanbul-Frankfurt um die 380 €. Das ist okay, denke ich ...

Juchhe, auf geht's in den Iran und nach Kuwait: Am 21. Februar, einem Samstag, fliege ich um 14.55 Uhr in Frankfurt ab (wenn Pegasus mir nicht wie die El Al den Flug umbucht). Ich habe mich dafür entschieden, am Samstag zu fliegen, da bin ich dann einfach entspannter, als wenn ich am Freitag zur gleichen Zeit fliegen wollte und dann extrem pünktlich von der Arbeit wegmüsste. Samstag Abend bin ich dann ein paar Stunden in Istanbul, ehe es weiter nach Teheran geht, wo ich am Sonntag Morgen um 4 Uhr ankomme.

Ich habe fast den kompletten Sonntag (wenn ich das Schlafdefizit überwunden habe), den Montag und Dienstag sowie den größten Teil des Mittwochs in Teheran. Vielmehr: in Teheran und Umgebung. Denn an einem von den Tagen werde ich mit ziemlicher Sicherheit nach Qom fahren und mir die Jamkaran-Moschee (zumindest von außen) angucken ... Die 120 km sollte man in zwei, höchstens drei Stunden hinter sich bringen können.

Den Rest der Tage in Teheran werde ich mich in der iranischen Haupstadt umschauen, da scheint es, wenn ich mir den Online-Reiseführer richtig angucke, schon ein paar schöne Sachen anzuschauen geben ...

Am Mittwoch Abend fliege ich dann mit Kuwait Airways von Teheran nach Kuwait. Dort werde ich wohl ein Hotel für zwei Nächte nehmen, von Mittwoch auf Donnerstag und von Donnerstag auf Freitag. Die Nacht von Freitag auf Samstag bis zum Abflug versuche ich durchzumachen. Es kann aber sein, dass ich mich diesbezüglich auch noch umentscheide.

Jedenfalls habe ich vor, mir am Donnerstag die Sehenswürdigkeiten von Kuwait-Stadt anzuschauen, wie die Kuwait Towers. Am Freitag plane ich dann aber doch ein bisschen Urlaub: Es soll da einen schönen Wasserpark in Kuwait geben.

Am Samstag Morgen geht es dann nach Istanbul, wo ich fast sechs Stunden Aufenthalt habe und womöglich in Richtung Stadt fahre, mal sehen. Auf die Uhrzeit werde ich jedenfalls keine Rücksicht nehmen, wenn ich mir in Istanbul oder allerallerallerspätestens dann wieder in Deutschland ein Bierchen hinter die Binde kippe werde: Sowohl der Iran als auch Kuwait sind "dry countries", d. h., es gibt keinen Alkohol ... Ich werde es überleben.

Aber davor geht es ja noch nach Prizren ins Kosovo und nach Algerien. Es wird schön ...

Montag, 4. August 2014

Nägel mit Köpfen

... habe ich heute gemacht, allerdings nur zu zwei Dritteln, was mir ein bisschen Sorge bereitet.

Meine Kollegen wurden heute einzeln persönlich oder per SMS befragt, ob sie mit einer Reise von mir Ende Februar einverstanden sind - und sie waren es. Juchhe, das sind liebe Kollegen ...

Das führte dazu, dass ich im Laufe des Abends die Flüge von Frankfurt über Istanbul nach Teheran und den Flug von Teheran nach Kuwait buchte, was ziemlich problemlos funktionierte.

Leider gar nicht problemlos funktionierte die Buchung des dritten Flugsegments, von Kuwait nach Frankfurt. Ich wollte über die Seite buchen, über die ich schon den Hinflug gebucht hatte, aber auf einmal ging das nicht mehr ... Ich vermute, dass meine liebe Kreditkartengesellschaft mir wieder mal die Karte gesperrt hat. Naja, ich werde morgen auf dem Weg zur Arbeit da mal anrufen und dafür sorgen, dass sie sie wieder entsperren. Hoffentlich kann ich dann morgen den dritten Flug buchen, denn stranden möchte ich in Kuwait ungern.

Ich habe aber mal geguckt: Selbst wenn der Flug ausgebucht wäre (was er nicht ist, um diese Zeit), würde ich vielleicht mit einem kleinen Stop-over in Beirut auch wieder nach Hause kommen.

Mein 95. und 96. Land sind gebucht, aber richtig wohl fühle ich mich erst, wenn ich hoffentlich morgen die sichere Heimkehr erkauft habe ... Sowas passiert halt auch mal, und ich will ja nicht nur die Sachen erzählen, die beim Reisebuchen auf Anhieb funktionieren ...

Nach Hotels gucke ich dann mal zu gegebener Zeit. Also bald.

Sonntag, 3. August 2014

Reiseplanung 2015

Die hat begonnen, die Reiseplanung 2015.

Um mich endgültig zu entscheiden, für Algerien einen Zweitpass zu beantragen, überlege ich seit Freitag Abend, ob ich einfach eine Reise in zwei Länder buche, für die ich definitiv einen Zweitpass brauche, und da stehen Iran und Kuwait relativ hoch auf der Liste.

Im Moment sind Flüge im Februar mit Pegasus von Frankfurt nach Teheran und von Kuwait-Stadt zurück nach Frankfurt (jeweils über Sabiha Gökçen in Istanbul) sogar als Einzelflüge (ohne entsprechenden Rückflug) so billig, dass ich selbst mit dem Verbindungsflug zwischen Teheran und Kuwait auf unter 400 € für die Gesamtverbindung komme. Dafür zwei neue Länder zu haben (Nr. 95 und Nr. 96 wären das dann), das könnte sich lohnen.

Aber um jetzt schon für das kommende Jahr einen Urlaub buchen zu können, muss ich mich zumindest mal mit meinen wichtigsten Kollegen abstimmen, ob die da schon was vorhaben. Wenn nicht, hoffe ich, dass ich von meinem Chef bis, sagen wir, Ende der Woche grünes Licht kriege, um die Flüge zu buchen ... Und wenn die dann noch so günstig sind, dann fliege ich nächsten Februar nach Teheran und Kuwait-Stadt ...

Die weitere Reiseplanung wird allerdings wohl erst Ende Januar finalisiert werden, nicht nur, weil dann erst die betriebliche Urlaubsplanung abgeschlossen ist, sondern auch, weil die Flugpreise erst dann irgendwann ihren niedrigsten Stand erreichen.

Mit einer Woche im Februar könnte man im Mai/Juni einen größeren Urlaub (zwei, drei Wochen) und im September einen kleineren (eine Woche) machen.

Aber man kann ja schonmal ein bisschen überlegen: Kasachstan ist für nächstes Jahr sicherlich eine Möglichkeit, obwohl die Visumfreiheit erst einmal nur bis zum 15. Juli 2015 befristet ist. Für den Februar ist es ein bisschen kalt, aber für den Mai/Juni könnte man sich das tatsächlich mal überlegen.

Der Nord-Irak (das kurdische Gebiet) ist bisher immer recht sicher gewesen und wäre mit Sicherheit (ha, ein unbeabsichtigtes Wortspiel) ein hochinteressantes Ziel. Jetzt, da ISIS in der Nachbarschaft wildert, muss das aber vielleicht doch nicht unbedingt sein. Die Visumfreiheit spricht in jedem Fall trotzdem für den Nord-Irak.

Auch wenn ich mit Algerien und Iran meine Politik der letzten Jahren, die Länder zu belohnen, für die ich kein (vorher beantragtes) Visum benötige, ein bisschen aufgegeben habe, sind natürlich die Mongolei, Japan oder Südkorea auch spannende Ziele (für die ich kein Visum brauche). Flüge nach Japan oder Südkorea sind interessanterweise, wahrscheinlich gerade weil die Strecken von Europa dorthin Rennstrecken sind, oft günstiger als Flüge in die näher gelegene Mongolei.

Südostasien steht natürlich schon seit Jahren immer wieder auf der Agenda, aber 2015 sieht es wieder so aus, als ob es nichts würde: Meine Ma möchte nächstes Jahr keine so große Tour machen, aber sie möchte 2016 mal nach Myanmar (Burma), sodass ich das bestimmt nicht vorher wegschnappen werde. Andererseits möchte sie gerne ins 100. Land mitkommen, sodass ich sehen muss, wie ich das auf die Reihe kriege.

Wie immer gilt, dass ich mir einen günstigen Flug nach Mexiko, Mittelamerika, das nördliche Südamerika oder auch nach Südafrika (Sambia, Malawi, Botswana, Namibia oder so) auch nicht entgehen lassen werde, wenn er halbwegs in meine Urlaubsplanung passt.

Ich werde berichten ...

Freitag, 1. August 2014

Diametral

Ja, diametral umgedreht hat sich unser Ziel für den Weihnachtsausflug im Dezember.

Die El Al hatte uns ja den Hinflug von 11 Uhr auf 19 Uhr verschoben, sodass wir anstatt am Nachmittag erst nachts in Tel Aviv angekommen wären. Das fand ich ziemlich ärgerlich, sodass ich diesen Unmut auch in E-Mails an die Kundenbetreuung zum Ausdruck brachte und sie aufforderte, uns wieder zurückzubuchen oder den Flugpreis zu erstatten. Zurückbuchen ging nicht, also erstatteten sie uns den Flugpreis zurück. Immerhin war das dann nach endlicher Zeit ein bisschen Kundenfreundlichkeit.

Ich habe mich dann umgeguckt, Georgien/Abchasien und Kasachstan sind zu kühl im Winter, Teheran begeisterte meine Ma nicht so ganz, also habe ich jetzt gerade eben unseren Flug nach Algerien gebucht. Wir fliegen mit Air France und steigen in Paris um (zum ersten Mal steige ich in Paris um).

An Heiligabend geht unser Flieger um halb elf, sodass wir um kurz vor 15 Uhr in Algerien sind (wenn das mit dem Umsteigen in Paris klappt).

Wir wohnen in einem Hotel mitten in der Stadt und sind schon sehr gespannt auf Algier.

Diametral heißt hier aber auch, dass mein israelischer Stempel im Pass Probleme machen könnte. Im Internet finden sich, öhem, ziemlich widersprüchliche Angaben dazu. Das Auswärtige Amt bzw. die deutsche Botschaft in Algerien hat auch keine Erfahrungswerte (die empfehlen aber, kein Risiko einzugehen). Ich werde mich die nächsten Wochen nochmal informieren und vielleicht auch einen Kumpel anheuern, dass er die algerische Botschaft anschreibt (ich selber bin dafür zu paranoid und will nicht auf die schwarze Liste kommen ...), aber selbst wenn die sagen würden, dass alles kein Problem sei (was ich nicht so recht glaube), traue ich den algerischen Grenzern viel zu.

Ach, Mann, am Ende weiß doch jeder, der diesen Blog liest, dass ich total geil darauf bin, zum Bürgerservice zu marschieren und einen Zweitpass zu beantragen. Also, okay, ich stehe dazu. Mein aktueller Pass ist auch schon wieder vier Jahre alt und, naja, nicht fast voll, aber ein paar Stempelchen sind schon drin ... Der Zweitpass wird nur sechs Jahre gültig sein und daher nur kurz über die Gültigkeitsdauer meines Erstpasses hinausreichen, aber sei's drum. Zwei Pässe nebeneinander wollte ich schon immer mal haben ...

Also, die Reiseplanung für die zweite Jahreshälfte ist damit komplett umgeworfen: Mitte September geht's ins Kosovo anstatt im Oktober nach Rom und über Weihnachten anstatt nach Israel in mein 94. Land, Algerien ...

Wenn es so weiter geht, könnte die 100 sogar schon Ende nächsten Jahres stehen, mal gucken ...

Samstag, 26. Juli 2014

Everything over the heap

Ich bitte um Entschuldigung für das furchtbare denglische Wortspiel, aber ich habe meine Urlaubsplanung für den September/Oktober in den letzten Tagen noch einmal völlig über den Haufen geworfen.

Ich fühle mich wesentlich wohler, wenn ich in der zweiten Oktoberwoche, in der ich eigentlich mit einer Freundin nach Rom wollte, schon wieder auf der Arbeit bin, denn der Oktober wird wahrscheinlich durchaus ein bisschen arbeitsreich ...

Die Woche Urlaub, die ich dadurch "aufspare", habe ich jetzt zu einem kleinen Teil (zwei Tage) in einen spontanen Aufenthalt im Kosovo vom 18. bis 21. September umgebaut. Dort besuchen mein Kumpel und ich unseren alten Schuldirektor, der dort ein Jesuitenkolleg aufgebaut hat. So eine Tour planen wir schon seit mindestens fünf Jahren, 2009, als wir in Richtung Griechenland fuhren, war er leider zu der Zeit gerade auf Deutschland-Besuch, jetzt hat es geklappt.

Ich bin sehr gespannt, wie das wird. Wir fliegen am 18. September morgens von Frankfurt nach Prishtina und werden dann entweder im Mietwagen oder per Bus nach Prizren durchstarten. Dort haben wir den 18. abends und den ganzen 19. September, ehe wir irgendwann am 20. September wohl nach Prishtina zurückfahren werden, denn unser Flug am 21. September geht schon um kurz nach 6 Uhr.

Im Kosovo war ich seit fast acht Jahren nicht mehr, mal gucken, wieviel sich seither verändert hat ...

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Ich weiß, dass ich noch ein Fazit aus Südamerika schuldig bin, das über "Es war toll - wie immer" hinausgeht.

Meine Ma und ich haben in den letzten Tagen oft geschwärmt, wo es denn am schönsten war: Wir konnten uns kaum entscheiden zwischen Rio, Buenos Aires, Montevideo, den Iguazú-Fällen und den Fluten von João Pessoa.

Wir sind immer noch begeistert von den Rodízios in Brasilien, speziell, das muss ich sagen, vom "Sal e brasa" in João Pessoa, aber das ist eine Kette, die auch in anderen Städten zumindest des Nordostens ihre Ableger hat, wir sind begeistert von dem Mercado del puerto in Montevideo und den Monstersteaks dort, wir sind begeistert von unserem Kneipchen in Foz do Iguaçu, vom Puerto Rico in Buenos Aires, verhungert und verdurstet sind wir in Südamerika offenbar nicht.

Ich war sehr überrascht, wie reibungslos die Organisation in aller Regel lief, die am Stadion in Recife war perfekt (fürs Wetter können die ja nix), aber auch sonst an den Flughäfen und Busbahnhöfen (wenn man denn diesen tollen Aufkleber hat ...) war alles sehr gut organisiert, und die kleinen Unebenheiten waren auch schnell behoben.

Die Menschen waren sehr freundlich, unser Ober in João Pessoa, unser Kauz von einem Ober in Buenos Aires, die Strandgäste in João Pessoa, die anderen Nassgewordenen unter den Iguazú-Fällen, der Strandläufer an der Copacabana, der sich mit uns minutenlang unterhielt und mit dem wir uns trotz der Sprachbarriere prächtig verstanden, natürlich unser nach dem Fußball trauriger Ober in Montevideo, die Jungs auf dem Fußballplatz dort, die Südkoreaner in der Kneipe in Foz, die freundliche Verkäuferin in Ciudad del Este, die mich offenbar für völlig bekloppt hielt und deshalb besonders fürsorglich war, der liebenswürdig aufgedrehte Rezeptionist in Guarulhos, die freundlichen Amis im Stadion, tja, wenn einer eine Reise tut und so weiter und so fort.

Es war toll ...

Montag, 30. Juni 2014

K.o.

Fertig - die Reise, wir, alles.

Der Pool im Hotel in São Paulo erwies sich als bessere Badewanne mit allerdings tollem Ausblick auf Guarulhos und São Paulo. Wir entschieden uns dagegen, die Badeklamotten nochmal nass zu machen, und gingen stattdessen frühstücken. Gute Entscheidung, denn das Frühstück war sehr lecker. Insgesamt waren die Frühstücke in Südamerika ziemlich gut, da konnten wir in keinem Hotel so richtig meckern ...

Check-in und Fahrt zum Flughafen waren problemlos und selbst einchecken konnten wir schon schön vorfristig.

Der Flughafen in São Paulo ist ein bisschen komisch, weil die ein paar Gates (und dabei auch unser Abfluggate) als Dual-use verwenden: als Inlands- und als Auslandsgates. Dementsprechend gibt es große Glastüren, die jeweils geschlossen und geöffnet werden können. Als wir ankamen, war die Glastür zu: Nix mit gemütlich am Gate sitzen und Fußball gucken. Argh.

Wir hatten uns unser Geld gut eingeteilt, sodass ich Getränke am Flughafen nur noch mit Kreditkarte zahlen konnte. Leider nahm die erste Kneipe keine Kreditkarte - Pech gehabt ... An der zweiten Kneipe konnte ich dann wenigstens den Anfang des Spiels Brasilien - Chile gucken.

Irgendwann wurde das Tor dann doch geöffnet und dahinter gab es auch einen Fernsehbereich, sodass ich da den zweiten Teil der ersten Halbzeit und den ersten Teil der zweiten Halbzeit verfolgen konnte, ehe es ans Boarden ging.

Wir starteten halbwegs pünktlich, und der Kapitän gab sogar das Ergebnis des Spiels bekannt - leichter Jubel brandete auf. Unser Sitznachbar, ein junger Brasilianer auf dem Weg nach Toulouse, dem ich dann einen Sitztausch anbot, damit er auf seinem ersten Flug am Fenster sitzen konnte, nahm aber eine wesentlich kriterische Haltung zur WM ein als die anderen Brasilianer, die wir so kennengelernt hatten: Er brachte die von den Protestlern vorgebrachten Argumente vor, dass Brasilien wichtige Aufgaben gehabt hätte als eine WM zu organisieren, zum Beispiel die Kanalisation in Recife auf Vordermann bringen ... Da konnten wir jetzt nicht zwingend widersprechen.

Der Elf-Stunden-Flug ging dank einiger Filme wider Erwarten schnell vorbei, und wir landeten sogar ein wenig früher als geplant in Rom.

Wir nahmen den Bus in die Stadt und fuhren mit der U-Bahn und dem Stadtbus gleichmal in Richtung Petersplatz. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren war ich mal wieder im Staat der Vatikanstadt ... Der Petersplatz war unter strahlend blauem Himmel halbwegs leer, weil alle Welt in den Petersdom strömte. Als auf den relativ neuen Videowänden der Beginn des Gottesdienstes gezeigt wurde, verließen wir die Vatikanstadt wieder und begaben uns zurück auf italienisches Territorium.

Wir fuhren wieder ein wenig Straßenbahn und U-Bahn, gingen an der Spanischen Treppe vorbei und suchten den Trevi-Brunnen aus, der gerade renoviert wird. Nix war's mit Münzereinwerfen, aber ich denke trotzdem, dass ich wieder zurück nach Rom kommen werde.

Ein Eis wurde verzehrt, und dann machten wir uns - wir waren nach einer Nacht im Flieger ohne Schlaf doch von ein paar Stunden Ultra-Sightseeing in Rom völlig erschöpft - wieder auf dem Bahnhof Termini und von dort mit dem Bus zum Flughafen. Wir ließen uns zwei Stunden vor Abflug am Gate nieder und starrten ein bisschen ins Leere ...

Der Flug nach Zürich, der uns durch drei Kinder vor uns - sagen wir es freundlich - versüßt wurde, war ziemlich aufrüttelnd, aber offenbar kamen wir gut an. Die Abholung durch unseren Nachbarn klappte wunderbar und wir waren um 18.20 Uhr zuhause.

Wenn nicht Fußball wäre, läge ich seit einigen Stunden im Bett, so drücke ich noch Costa Rica die Daumen ...

Ein ausführliches Fazit folgt in den nächsten Tagen.

Samstag, 28. Juni 2014

Até o próximo ano

"Bis nächstes Jahr!" Dem Ober in unserer - jetzt hätte ich fast Stammkneipe geschrieben - Strandkneipe in João Pessoa haben wir offenbar so gut gefallen wie er mitsamt seiner Kneipe uns.

Wir waren heute Morgen noch einmal in Ruhe und ausgiebig im Südatlantik planschen. Danach duschten wir und checkten aus, ehe wir ein letztes Kaltgetränk am Strand einnahmen. Ich schwitzte in meiner Flugjeans, aber im Schatten und mit dem Wind in den Haaren (ja, ich habe noch Haare, durch die der Wind wehen kann!) ging es dann ganz gut ...

Als wir zurück ins Hotel kamen, kriegten wir einen leichten Schreck, denn unser Gepäck war weg. Aber glücklicherweise hatten unsere Hotelboys das Gepäck nur sicher verstaut.

Unterwegs zum Busbahnhof machten wir noch kurz Halt bei der Post, um letzte Postkarten abzugeben. Heute ging ich dann nach Ankunft am Rodoviária, dem Busbahnhof, schnurstracks zu unserer Transportfirma und holte mir die Taxa-Aufkleber ab, weil die Tante von gestern wieder auf ihrem Kontrolleurstühlchen saß ...

Bei heute strahlendem Sonnenschein zog die Landschaft an uns vorbei, von den gestrigen (das war tatsächlich erst gestern gewesen!) Fluten war kaum mehr etwas zu sehen. Ankunft am Busbahnhof in Recife und Umsteigen ins Taxi waren fast eins, und am Flughafen konnten wir sogar schon vier Stunden vor Abflug einchecken, sodass wir unser Gepäck loswaren.

Hundemüde warteten wir mit Deutschen und Amis (und ein paar unbeteiligte Brasilianer waren vielleicht auch noch darunter) auf unseren Abflug nach São Paulo. Nach einem ziemlich ereignislosen Flug kamen wir gut in São Paulo an, nahmen ein Taxi, weil wir nicht die Dreiviertelstunde auf das Hotel-Shuttle warten wollten, und gerieten hier beim Check-in an einen völlig aufgedrehten und sehr sympathischen Rezeptionisten. Was für ein Unterschied zu unserem ersten Hotel hier in Guarulhos!

Auch unser Zimmer ist besser, schöner, toller und liegt im 26. Stock. Vielleicht gehen wir morgen früh nochmal kurz im Pool hier im 27. Stock planschen.

Morgen geht es heim. Man soll nie nie sagen: Até o próximo ano - vielleicht ...

Freitag, 27. Juni 2014

This is not a Titanic event

... sagte die Amerikanerin, als wir ihr im gerade wieder einsetzenden strömenden Regen auf der Rückfahrt vom Stadion zum Metrobahnhof den Vortritt in den Bus lassen wollten. Zwar ging unser Bus zu keiner Zeit unter wie seinerzeit die Titanic, aber viel hat nicht gefehlt in den Fluten von Recife am heutigen Tag.

Wir waren früh auf und pünktlich um 6 Uhr zum Frühstück bereit, aber der Frühstücksraum war noch zu ... Wenige Minuten später öffneten die Damen und Herren aber und wir konnten zusammen mit einigen US-Fans unser Frühstück einnehmen.

Die US-Fans fuhren mit dem Auto zum Stadion, während wir uns von einem bestellten Taxi zum Busbahnhof bringen ließen.

Da wir in Recife keine Busbahnhofbenutzungsgebührmarken für den Busbahnhof hier in João Pessoa hatten kaufen können, ging ich zu der Tante, die den Boarding-Bereich bewacht, zeigte ihr die Rückseite unserer Fahrkarte, auf der dieser komischer Aufkleber fehlte, und schaute fragend. Sie drehte die Fahrkarte um und meinte, unser Bus führe um 7.30 Uhr. Danke, das hatte ich mittels Lesen auch schon herausgefunden.

Die Fahrtkarte von hier nach Recife kostet etwas mehr als von Recife nach hier, sodass es durchaus plausibel erschien, dass die Benutzungsgebühr schon im Preis enthalten war. Also gut, wir hielten uns noch ein wenig am Busbahnhof auf und gingen dann ans Einchecken.

Dreimal darf die geneigte Leser raten, was uns aufhielt: der fehlende Aufkleber auf der Rückseite unserer Fahrkarte! Also, junge Frau, wenn es deine einzige Aufgabe ist, diese bekloppten Aufkleber zu kontrollieren, und da kommt ein Ausländer an und will wissen, wo ich diesen Aufkleber kriege, dann ist es doch eigentlich nicht so schwer, dem das irgendwie begreiflich zu machen und ihm nicht irgendwas vom Pferd zu erzählen, was sogar der schon geschnallt hat. Argh.

Der Schaffner unserer Busgesellschaft kümmerte sich dann um das Problem und wollte vier Reais (1,30 €) haben: Ich hatte nur zwei klein oder sonst zehn, die er aber auch nicht nehmen wollte. Er machte uns deutlich, dass er uns helfen werde, aber ward danach nicht mehr gesehen. Naja, wir saßen am Ende im Bus, ohne diese Gebühr bezahlt zu haben, und waren zufrieden, aber ich war ein bisschen sauer, weil ich jetzt wieder als der bekloppte Ausländer dastand, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Argh. Achso, "argh" hatte ich schon gesagt ...

Aquaplaninggefahr
Die Anspannung wegen der hochintelligenten Dame löste sich, dafür begann ich, ein wenig Sorgen zu bekommen wegen der rechtzeitigen Ankunft im Stadion, denn wir standen im Stau. Das war kein Wunder, denn von etwa fünf Fahrspuren war zum Teil nur noch eine halbwegs befahrbar, weil alle anderen völlig unter Wasser standen. Und selbst auf dieser Fahrbahn machte unser Bus noch ordentlich Wellen ...

Für eine Strecke von etwa einem Kilometer benötigten wir fast eine halbe Stunde, aber am Ende kamen wir mit (nur) einer guten Stunde Verspätung kurz vor 11 Uhr am Busbahnhof an. (Wir hörten im Stadion und auch heute Abend im Hotel von einigen, die mit dem Auto gefahren waren und erst zur zweitgen Halbzeit im Stadion eintrudelten.)

Glücklicherweise war die Organisation der Anreise zum Stadion absolut perfekt: Der Busbahnhof hat eine U-Bahn-Station, dort konnte man ein Spezialticket kaufen, bekam ein Armband ums Handgelenk, fuhr eine Station U-Bahn und konnte dann in zügig nacheinander einfahrende Shuttle-Busse umsteigen. Nur hielten diese Shuttle-Busse etwa einen Kilometer vom Stadion weg, sodass wir noch ein gutes Stückchen durch den strömenden Regen gehen mussten. Unsere Regencapes von den Iguazú-Fällen halfen uns hier nochmals sehr gut weiter.

Der Einlass ging auch recht fix, und vor dem Stadion herrschte trotz Dauerregen ziemlich gute Stimmung. Wie in Südafrika waren viele Brasilianer in deutscher oder US-Kriegsbemalung erschienen, sodass man bei Deutschland-Fans nicht unbedingt mit Deutsch weiterkam.
Stadion in Recife

Wir saßen im Oberrang, der - Gott sei Dank - überdacht war, sodass wir - im Gegensatz zu den armen Säuen hinter dem einen Tor, die die ganze Zeit im Regen saßen - völlig trocken das Spiel verfolgen konnten.

Der einen Amerikanerin vor mir war mein "Foul"-Schrei in den ersten Minuten wenig geheuer, während uns gegen Ende des Spiels der neben uns sitzende Ami mit leicht aggressivem Unterton fragte, ob der Schiri Deutscher sei. Alles in allem war es mit den US-Fans wie erwartet: alles total entspannt. So entspannt, dass ich nach dem Spiel noch einen Schaltausch mit einem USA-Fan vollführte ...

Nach dem Spiel ging es einigermaßen trockenen Fußes (außer, wenn man über die ehemaligen Rasenflächen ging, die nun völlig verschlammt waren) wieder zurück zur U-Bahn und zum Busbahnhof. Unser Bus nach Hause fuhr relativ pünktlich, kam mit der üblichen halben Stunde Verspätung an, und wir ließen uns sofort in unsere Fleischeria zum Rodízio fahren.

Hymnen
Vorgestern waren wir ja für brasilianische Verhältnisse kurz nach dem Frühstück zum Abendessen gekommen und hatten ziemliche Leere vorgefunden, heute Abend mussten wir noch ein wenig an der Bar Platz nehmen, bis ein Platz für uns freiwurde. Tja, 17 Uhr und 20 Uhr sind halt doch ein Unterschied ...

Das Essen war wieder superlecker, und nun liegen wir gut gesättigt wieder im Zimmer. Trotz Regens hat das heute - natürlich spielt der deutsche Sieg da mit rein - wieder richtig großen Spaß gemacht.

Morgen Mittag geht es wieder nach Recife und spät abends mit dem Flieger zurück nach São Paulo. Dort haben wir nochmal eine Nacht, und um 15.00 Uhr geht es übermorgen dann nach Rom. Wir haben am Sonntag ein wenig Aufenthalt in Rom und wollen zumindest mal ein Eis am Trevi-Brunnen zu uns nehmen: Man gönnt sich ja sonst nichts ....

Aber erstmal nehmen wir morgen vor dem Frühstück Abschied vom Südatlantik und vom brasilianischen Strand.

Schön war's hier.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Faules Herumgeschwimme

... haben wir heute ausgiebigst praktiziert.

Das Wetter sah heute Morgen gewohnt ungut aus, und wir gingen gewohnt entschlossen trotzdem zum Strand. Es blieb trocken (von oben) und wir genossen das am Morgen noch ein bisschen kühle Nass.

Nach dem Duschen ging es zum Frühstück. Meine Ma las ein wenig (Petrus hatte inzwischen doch den Hebel für die Dusche gefunden) auf der Dachterrasse, während ich noch ein bisschen am Computer herumschraubte.

Gegen 11 Uhr gingen wir wieder in Richtung Strand und warfen uns in die nun erfrischenden Fluten. Soooooooooo schön, und nach zweieinhalb Wochen Aktivurlaub (das hatte ich gestern schon mal so geschrieben, oder?) auch wirklich hochverdient.

Unser Ober von gestern hatte uns schon auf dem Weg zum Strand auf unsere gewohnheitsrechtliche Verpflichtung hingewiesen, wieder bei ihm einzukehren, und selbstverständlich hielten wir uns an diese. Wieder aßen wir lecker und tranken das eine oder andere Kaltgetränk zum Fußball, ehe wir noch einmal den Strand unsicher machten.

Nach dem Strand entschieden wir uns spontan, dass wir heute Abend nix mehr essen und früh ins Bettchen gehen, da wir ja morgen relativ früh rauswollen: Um 7.30 Uhr geht unser Bus nach Recife, wo wir so gegen 10 Uhr ankommen sollten; um 13 Uhr fängt das Deutschland-Spiel an.

Ich habe noch ein paar Fotos aus São Paulo angehängt und danach ein paar Bilder hier vom Strand:
Kathedrale von São Paulo

Hübsches Häuschen, auch in São Paulo

Strand in João Pessoa I

Strand in João Pessoa II

Suárez canibal

Heute war ein richtig schöner Urlaubstag, mit Sonne, Strand und leicht geröteter Schulter, auch wenn es heute Morgen nach richtigem Mistwetter aussah.

Es hatte die ganze Nacht geregnet und auch heute Morgen war der Himmel wolkenverhangen. Nichtsdestotrotz machten wir uns die paar Meter an den Strand auf und erahnten, dass es hier ganz hübsch sein könnte, wenn Sonne ist, denn auch bei bewölktem Himmel war das ein ganz akzeptabler mehrere Kilometer langer Sandstrand, an den es uns da verschlagen hatte.

Meine Ma hatte trotz anfänglicher Abneigung gegen einen Schwimmversuch einen Badeanzug angezogen und war darüber nun sehr froh, denn das Wasser war schön ruhig. Gegen 7.15 Uhr sprangen wir in die Fluten, die weder eiskalt noch badewannenartig waren, sondern ziemlich wohltemperiert. Scheeee ...

Nach ausgiebigem Bad gingen wir zurück ins Hotel, duschten, gingen zum Frühstück und besichtigten dann die Dachterrasse unseres Hotels: ein kleiner Pool und eine (leider ein kleines bisschen verbaute) Aussicht auf den Strand, die fast schon fantastisch war ...

Meine Ma machte es sich da oben gemütlich, während ich mich anschickte, den Ponta do Seixas, den östlichsten Punkt des amerikanischen Doppelkontinentes, zu erkunden, der sechs, sieben Kilometer südöstlich unseres Hotels liegt. Während des Spaziergangs merkte ich sehr handfest, dass wir in den Tropen sind: Das Wetter verschlechterte sich schlagartig und aus dem bewölkt-blauen Himmel wurde eine diesige Wand vor mir; es regnete auf einmal wie aus Kübel, dass mein T-Shirt und meine Badehose sich anfühlten, als wäre ich gerade dem Meer entstiegen.

Um mein Handy nicht weiter (und wieder) einem Härtetest zu unterziehen, machte ich nach etwa drei Kilometern kehrt und ging im strömenden Regen wieder in Richtung Hotel. Ebenso plötzlich kam dann auf einmal wieder gutes Wetter auf. Das nennt man dann wohl Tageszeitenklima ...

Ich holte meine Ma zum Schwimm ab, den wir sehr genossen, und kehrten danach in eine sehr schöne Strandkneipe ein, in der wir das Ausscheiden Italiens und das italienische Menü von Herrn Suárez bei Bier und panierten Fischstückchen genossen. Die Amis hinter uns wiesen durch den eingangs genannten Ruf ("Kannibale Suárez") auf dessen Beißattacke hin, weil wir in ein Gespräch mit drei sehr netten Brasilianern vor uns vertieft waren ... Ein abschließender Schwimm, und wir wären pünktlich zum Anpfiff des zweiten Spiels in unserer gestrigen Kneipe gewesen.

Dort war aber heute zu, sodass wir umdisponierten und von unserem Taxifahrer die im Flugzeugheft beworbene Fleischeria ansteuern ließen. Das Ganze sah von außen (und ein bisschen auch von innen) ziemlich fein aus, aber ich merkte schnell, dass ich nicht der einzige Mann in Shorts und Flip Flops war ... Irgendwie kamen wir sprachlich mit den Kellnern nicht so ganz klar, sondern machten durch den Gang zum Buffet deutlich, dass wir heute Rodízio, also All-you-can-eat-Fleisch an den Tisch, haben wollten. Wir hatten keine Karte und kein gar nichts gesehen, aber hatten bei dem Ding irgendwie ein gutes Gefühl, denn die Ober waren allesamt sehr freundlich, auch wenn wir uns schlecht verständigen konnten.

Das Fleisch jedenfalls war fantastisch: Unsere Rodízio-Gaststätten in Rio waren ja schon seeeeehr lecker, aber das hier übertraf alles. Hochgradig extrem lecker war das da.

Die Rechnung war ebenfalls hochgradig extrem okay, denn unser Rodízio kostete ein ganzes Stück weniger als in Rio: Für 15 Euro pro Personen konnten wir Fleisch satt essen. Doch, sehr schön, und vielleicht waren wir nicht zum letzten Mal dort.

Danach ließen wir uns vom gleichen Taxifahrer wie auf dem Hinweg in unser Hotel fahren (ich zeigte ihm peinlicherweise nochmal mein Handy mit der Hotel-Adresse, weil ich ihn auf den ersten Blick nicht erkannt hatte ...) und sind nun, mal wieder, früh im Bett.

Morgen wird hoffentlich nochmal so ein Tag.

Dienstag, 24. Juni 2014

41 Stunden

Wir haben heute auf dem Flug von São Paulo nach Recife mal überschlagen, wieviele Stunden wir auf dieser Reise insgesamt im Flugzeug sitzen. Wir sind auf 41 Stunden gekommen ... Anders kommt man aber in Brasilien bzw. in Südamerika nicht wirklich herum.

Nach beängstigend frühem Aufstehen und relativ entspanntem Check-in wurden wir heute Morgen um 4 Uhr zum Flughafen kutschiert und konnten auch - nach dem kurzen Fußweg vom Terminal 2 ins Terminal 1 - gleich einchecken.

Es flogen ganze Horden von Mexikanern mit uns nach Recife, weil die heute Abend im dortigen Stadion gegen Kroatien spielten (und gewannen). Unser Flugkapitän machte seine Ansagen auf Portugiesisch, Englisch, Spanisch - und Deutsch. Beim Aussteigen kamen wir kurz ins Gespräch, und er erläuterte uns, dass seine Familie aus der Schweiz stamme. Hochinteressant.

Der Flug war ereignislos abgesehen davon, dass wir in der hintersten Reihe ein wenig beengt saßen, aber offenbar haben wir es überlebt.

Vom (brandneuen) Flughafen in Recife ging es mit dem Taxi zum Busbahnhof, der ein wenig außerhalb in der Vorstadt liegt. Wir konnten hier schon alle unsere Fahrkarten (heute von Recife nach João Pessoa, am Donnerstag Morgen von João Pessoa nach Recife und abends zurück sowie am Freitag dann wieder nach Recife) buchen. Ich hatte ein wenig Bedenken, dass etliche andere auf die Schnapsidee gekommen waren, ihr Hotel in João Pessoa zu beziehen und mit dem Bus zu fahren, aber dem war offenbar nicht so.

Die Busfahrt - im einsetzenden sintflutartigen Regen - ging knapp über zwei Stunden, und in João Pessoa setzten wir uns wieder in ein Taxi in unser Hotel. Der Taxifahrer beschiss uns nicht und sackte dafür ein sehr ordentliches Trinkgeld ein.

Unser Best-Western-Hotel ist in Ordnung und liegt nicht weit weg vom Strand, den wir aber heute Nachmittag erst einmal noch nicht erkundet haben: Wir hatten Hunger, da wir außer einem Brötchen im Flieger noch nichts gegessen hatten. Im Regen führte ich meine Ma an einigen geschlossenen Restaurants vorbei zielstrebig auf mein avisiertes Ziel zu, und wir taten gut daran: Das Essen war recht lecker (auch wenn wir das nächste Mal einfach eine große Platte Filet Mignon nehmen anstatt einzelne Tellergerichte), und verdurstet sind wir auch nicht.

Nach dem Spiel von Brasilien gingen wir im Dunkeln die paar Meter zurück ins Hotel und liegen nun schon wieder einmal früh "im Nescht". Morgen wird, Regen hin, Regen her, der Strand unsicher gemacht. Die letzten Tage (und Wochen) waren nicht unanstrengend, und wir freuen uns sehr auf die zwei Tage hier am Strand, die lassen wir uns vom Wetter nicht kaputt machen: Nass werden wir eh im Meer, da spielt es auch keine Rolle, wenn von oben noch ein bisschen was kommt.

Gute Nacht.

Montag, 23. Juni 2014

Der Stift muss weg

Heute war ich in São Paulo, während meine Ma sich im Hotel von den Strapazen unserer Fußmärsche erholt hat ...

Nach dem Frühstück blieb meine Ma im Zimmer, während ich an der Rezeption ausnahmsweise an eine fähige Person geriet: Es war eine Frau. Diese konnte mir gut erklären, wie ich zur nächsten Bushaltestelle komme und von dort mit dem Bus zur Metro-Station Armênia (die heißt so, weil dort eine armenische Kirche ist).

Davor kam ein anderer Bus, der zur Metrostation Penha fuhr, und ich stieg halt in den ein. Das war kein Fehler, aber auch keine besonders schlaue Idee, weil der Bus über die Dörfer fuhr und ich nicht so schnell an der U-Bahn war wie erhofft.

Allerdings fuhren wir auf dem Weg nach Penha an einigen Gegenden vorbei, in denen ich im Dunkeln nicht unbedingt stranden möchte ...

Ich fuhr mit der U-Bahn bis in die Innenstadt, guckte mir die von außen sehr ansehnliche, von innen nicht ganz so hervorragend interessante Kathedrale an, die 1954 fertiggestellt wurde, und machte mich dann auf zur Kartenabholstelle, die ich nicht fand.

In São Paulo gibt es - zumindest in diesen Tagen - viele Freiwillige, die Touristen helfen sollen, und einer von denen konnte mich an die richtige Stelle führen. Besser hätte die FIFA dieses Ticket-Center aber auch nicht verstecken können: Kein Banner oder größerer Wegweiser, nur ein klitzekleines Hinweisschild, das man leicht übersehen konnte (wie ich es getan hatte).

Ich bekam unsere Karten und machte mich dann auf in Richtung Fan Fest. Ich war eine Stunde vor Spielbeginn dort und überlegte hin und her, ob ich mir die Avenida Paulista noch angucken sollte. Schließlich entschied ich mich dafür und fuhr mit der U-Bahn wieder ein bisschen in der Gegend herum.

Die Avenida Paulista soll die Hauptschlagader von São Paulo sein, und ja, da gibt es ein paar Hochhäuser, es waren selbst heute etliche Leute unterwegs, aber an den Times Square hat mich das Teilstück, das ich heute zu Fuß erkundete, nicht unbedingt erinnert. Es gibt dort viele Skater, okay, aber so richtig hin und weg war ich von der Paulista nicht unbedingt.

Ich fuhr wieder in Richtung U-Bahn-Station Sé und fand mich am Eingang zum Fan Fest wieder. Mein Kugelschreiber in der Hemdtasche erregte den Verdacht des Ordners: Dieser dürfe nicht mit rein. Wieso, weiß kein Mensch, ich machte kehrt. Anschließend verstaute ich den Kuli in meiner Tasche und versuchte es bei einem anderen Ordner: Alles kein Problem. Ja, gibt's denn nur noch Bekloppte hier?

Das Fan Fest war relativ leer, ich verfolgte das Spiel Belgien - Russland mit gutem Ausgang bis zum Ende und ging wieder zurück zur U-Bahn. Diesmal stieg ich bei der Haltestelle Armênia aus und  suchte nach den Bussen, die zurück nach Guarulhos fuhren. Als ich mir einigermaßen sicher war, dass die 175 richtig ist, war sie gerade weg, und ich stellte mich in die Schlange für die nächste Ausgabe der 175.

Wir warteten und warteten und warteten. Nach einer Dreiviertelstunde kam die 175, ich stieg ein und wir fuhren über die Schnellstraße in Richtung Guarulhos. Irgendwann hier im Stadtgebiet (Google Maps sei Dank) zog ich das Haltewunschseil und stieg aus. Das war ein wenig voreilig, weil der Bus noch den Berg hochfuhr, den ich dann hochzulaufen hatte, aber das war auszuhalten. Noch im Hellen war ich wieder im Hotel.

Im Dunkeln liefen wir dann den Kilometer zu dem von uns angestrebten Lokal. Dabei wurde mir gelegentlich ein wenig mulmig, obwohl wir an der Hauptstraße entlangliefen. Die Entscheidung, für die Rückfahrt ein Taxi zu nehmen, fiel schnell.

Meine Mutter und ich aßen eine Portion Rindfleischsteak, die laut Karte auch für zwei reichte. Zum Glück bestellten wir wirklich nur diese eine Portion, denn sie war sehr üppig. Zwei Portionen hätten wir bei aller Verfressenheit nicht vertilgen können. Der Ober war sehr aufmerksam und freundlich (guter Service in Guarulhos, es geschehen noch Zeichen und Wunder), sodass er ein üppiges Trinkgeld bekam. Unser Taxi wurde dann ein Transferbus des Restaurants, was uns auch recht war.

Nun sind wir wieder im Zimmer, gucken noch das Spiel USA - Portugal zu Ende und werden bald schlafen, denn morgen geht um 4 Uhr unser Bus zum Flughafen. Um 6.40 Uhr geht unser Flieger.

Der morgige Bericht kommt dann schon aus João Pessoa ... Gute Nacht!

Sonntag, 22. Juni 2014

Huhn auf Vogel

Das haben wir, zumindest nach der Übersetzung von Google Translate, heute am Flughafen in Rio de Janeiro gegessen. Das Ganze waren Hähnchenflügel ...

Heute Morgen haben wir gut gefrühstückt und uns dann zum Flughafen fahren lassen. Der Check-in ging einigermaßen fix, und schon saßen wir auch schon am Gate und warteten auf den Abflug.

Wir flogen sogar vor der Zeit in Foz ab und kamen deutlich vorfristig in Rio de Janeiro an.

Leider konnten wir für den nächsten Flug noch nicht einchecken und mussten also mit dem ganzen Gepäck auf die Suche nach einem Fernseher gehen. Schließlich kehrten wir bei einem Araber an einem Foodcourt im Flughafen ein und guckten das, nunja, zumindest in der zweiten Halbzeit sehr ereignisreiche Spiele. Dazu vertilgten wir unter anderem Huhn auf Vogel.

Nach dem Spiel durften wir dann einchecken und durch die Sicherheitskontrolle durch. Wir waren wieder früh am Gate und konnten wieder recht früh einsteigen, warteten aber dann noch auf ein paar Leute und kamen leicht verspätet weg, aber pünktlich in São Paulo an. Das mit dem Hoteltransfer klappte einigermaßen, was aber so ganz und gar nicht klappte, war der Check-in am Hotel. Da stand so ein Held am Check-in, aber als ich kam, ging er weg und ward nicht mehr gesehen. Entsprechend waren wir ein wenig sauer, äußerten das auch und durften uns daher dann als "louco", also als verrückt, bezeichnen lassen. Mein Portugiesisch ist nun nicht sehr gut, aber das habe ich noch verstanden.

Das Zimmer ist an sich okay, wenn auch klein (und auch ohne abnehmbaren Duschkopf ...), aber für die letzte Nacht in Brasilien, die wir auch hier verbringen wollten, haben wir jetzt ein anderes Hotel gefunden und hier storniert. Das haben die Helden hier nun davon.

Ansonsten gibt es heute offenbar nicht so viel zu berichten (die Alarmanlage von so einem beknackten Auto geht hier immer los), mal sehen, was São Paulo morgen so zu bieten hat. Gute Nacht!

Samstag, 21. Juni 2014

Não organizado

"Nicht organisiert", so nannte unser (brasilianischer) Taxifahrer neulich Paraguay und die Paraguayer.

Heute wollten wir die Probe aufs Exempel machen und uns Paraguay mal selber angucken. Wir ließen uns heute Morgen Zeit und fuhren im Taxi zur brasilianischen Seite der Grenze, denn die Grenze selbst wollten wir zu Fuß überqueren.

Wir stiegen also aus dem Taxi aus und wurden erstmal fast von Myriaden von Kleinmotorrädern über den Haufen gefahren, die Brasilianer, Paraguayos und alle anderen Mutigen von B nach P oder von P nach B bringen. Das ist nämlich viel schneller auf den Viechern als im Auto, aber womöglich auch ein bissel gefährlicher. Vor allen Dingen ist die ohnehin schon geringe Wahrscheinlichkeit auf den Dingern kleiner, von Grenzern jedweder Seite angehalten zu werden.

Wir reihten uns also trotzdem in die nicht enden wollende Prozession von Fußgängern über die Grenze ein, nur bogen wir - anders als 99,9 % der anderen Grenzüberquerer - in das Häuschen ab, in dem die brasilianische Ausreisekontrolle untergebracht ist. Dort wurden wir von einer überraschten (huch, da kommt ja jemand) Grenzerin ausgestempelt und weiter auf die Reise geschickt.

In manchen Ländern Südamerikas ist es, wie auch in manchen Ländern Afrikas, nicht so, dass eine lückenlose Kontrolle über alle Ein- und Ausreisen stattfindet. Vielmehr muss man sich entscheiden, ob man die Ein- und Ausreiseprozedur über sich ergehen lässt (und dann legal im Land ist) oder ob man die Zeit spart und mehr oder weniger illegal unterwegs ist. Wer nicht ins Grenzhäuschen will, muss das auch meistens nicht.

Straßenszene in Ciudad del Este, Paraguay
Den meisten Einheimischen ist diese "Illegalität" herzlich wurscht; sie gehen einfach über die Grenze, und gut is. Nun sind wir aber Deutsche und als solche natürlich besonders exakt, vor allem will ich aber ungern in eine Situation kommen, in der ich erpressbar bin, also ließen wir unsere Pässe bei Ein- und Ausreise ordentlich abstempeln. Weh tut es nicht, Geld kostet es hier an der Grenze auch nicht und Zeit hatten wir heute genug.

Dementsprechend hielt sich die Schlange an der paraguayischen Einreise auch sehr in Grenzen (vor uns befindliche Personen: 1), und der Inspektor der Migrationsbehörde, Señor Carlos Ortiz, stempelte uns ein (ja, die unterschreiben hier jeden Einreisestempel und stempeln obendrüber noch den Namen in Klarschrift).

Mototaxis
Nun waren wir also in meinem 93. Land gelandet und liefen, begrüßt von Flugblattverteilern, die uns Geschäfte mit den neuesten elektronischen Geräten anpriesen, einen kleinen Anstieg hoch.

Paraguay, oder vielmehr Ciudad del Este, ist tatsächlich nicht so, naja, so ordentlich wie Brasilien oder gar Argentinien, die Autos fahren viel mehr kreuz und quer (von den Motorrädern ganz zu schweigen), die Flugblätter liegen ein paar Meter nach der Ausgabestelle haufenweise weggeworfen auf dem Boden, es gibt keine Gehwege, weil alle mit Waren vollgestellt sind, die Händler an den Mann bringen wollen, das erinnerte mich heute alles eher an Uganda oder Indien denn an Chile oder Uruguay.

Adiós, Paraguay
In einem Großkaufhaus erstanden wir eine Kleinigkeit, die wir aber erst nach einem Hin und Her (dort geht man mit den Waren, die man haben will, zu einer Verkäuferin, die wirft einen Beleg aus, und dann bezahlt man nach Abschluss des Kaufhausbummels an einer zentralen Kasse und bekommt dort seine Waren ausgehändigt) tatsächlich in Händen hielten: Unser Ausgabemensch war ziemlich unorganisiert und hatte unsere Sachen einem anderen in die Tüte gesteckt. In dem Moment verstand ich unseren brasilianischen Taxifahrer ...
Brasilien links, Paraguay rechts, ich in beiden gleichzeitig

Wir gingen noch ein wenig in den Straßen umher, tranken unterwegs noch etwas und machten uns dann nach zwei, drei Stunden wieder rüber nach Brasilien.

Wieder ließen wir uns aus Paraguay aus- und nach Brasilien einstempeln, nachdem wir die Brücke der Freundschaft überquert hatten, wieder nahmen wir ein Taxi zu unserem Hotel und entspannten ein wenig am Pool, ehe wir in unsere Stammkneipe zum Abendessen und Fußballgucken (Schweiz ohjeohje) gingen.

Heute war der Vormittag anstrengend mit Händlern über Händlern, während der Nachmittag nochmal ein bisschen Urlaub war.

Morgen geht es nach Rio und dann weiter nach São Paulo; ich bin schon gespannt auf diese Finanzmetropole.

Freitag, 20. Juni 2014

Tief in Urwald Brasiliano

Somewhere under the rainbow. Nass bis auf die Knochen.

Heute hätte es viele Überschriften gegeben. Ich habe mich für ein altes Lied, das ich zuletzt in der fünften Klasse oder so mehr oder weniger freudig mitgesungen habe, entschieden.

Wir waren heute sehr früh auf, ich sogar vor meiner Mutter, was normalerweise nur vorkommt, wenn Weihnachten und Ostern gemeinsam auf den Tag der Arbeit fallen. Komischer Kalender in Brasilien. Dementsprechend zeitig waren wir auch beim Frühstück und aufbruchbereit.

Es war heute Morgen ziemlich kühl, man könnte fast sagen: Es war kalt. Möglicherweise lag das daran, dass ich nur ein Polohemd anhatte (und nicht die Regenjacke anziehen wollte), aber auch mit Pulli oder Sakko wäre es kühl gewesen. In der Sonne ging es dann, und nach ein paar Metern Fußweg standen wir dann schon an der Hauptstraße aus Foz do Iguaçu raus, wo der Bus normalerweise hätte vorbeikommen sollen.

Heute fiel wirklich Weihnachten und Ostern auf den Tag der Arbeit, denn der Bus kam tatsächlich, und das, obwohl ich die ganze Tagesplanung nur auf diesem Gefühl aufgebaut hatte, dass der Bus diese Strecke nehmen würde! Es musste also ein großartiger Tag werden.

Auf dem Hinweg standen wir im Bus, gerade weil wir ein bisschen später und nicht schon am Busbahnhof eingestiegen waren, aber das war zu ertragen. Der Eintritt in den Nationalpark war schnell bezahlt, es wurde ein Foto mit einer Nationalpark-Gürteltier-Figur geschossen. Wir entschieden uns, noch die Flusssafari zu machen, die nicht ganz billig (etwas über 50 Euro pro Person) ist, aber wir wollten uns heute etwas gönnen.

Panoramablick auf die Cataratas
Wir folgten der Empfehlung des Rangers und ließen uns erst einmal (hier im brasilianischen Nationalpark fahren Busse) zum Ausblick auf die Iguazú-Fälle fahren. Es hieß, dass der Panoramablick von der brasilianischen Seite aus auf die argentinische Seite ein must see sei und, hallojulia, das ist es. Da können, um nochmal auf Eleanor Roosevelt zurückzukommen, die Niagara-Fällchen wirklich weinend nach Hause gehen ...

Wir liefen dann den Trail entlang, schauten regelmäßig auf neue, fantastische Wasserfälle und kamen irgendwann in Richtung des Teufelsschlundes. Es fing schon von Ferne an zu sprühen, und dort gibt es - auch auf brasilianischer Seite - einen Steg hinaus auf die Fälle. Wahnsinn. Wir hatten zwar vorher noch für ein paar Euro einen Plastikregenmantel gekauft, und der war auch wirklich hilfreich, aber trotzdem war ich hinterher - zumindest unterhalb der Gürtellinie, wo kein Regenschutz mehr half - pläddernass. Da ist so viel Sprühwasser unterwegs, dass man sich wie in der Dusche fühlt. Der Ausblick auf den Teufelsschlund und die Fälle herunter ist, wieder einmal, atemberaubend gewesen. Ich wollte meinem Handy nicht zumuten, an den ganz heftigen Locations da fotografieren zu müssen, weil ich es dann genausogut auch mit unter die Dusche hätte nehmen können ...
Im Fluss

Danach fuhren mit dem Panorama-Aufzug hoch zur letzten Haltestelle des Busses, nachdem wir noch ein wenig direkt neben den Fällen im (Sprüh-)Regen gestanden hatten.

Der nächste Bus zurück zu unserem Einstieg in die Flusssafari fuhr zum Glück bald, und im Fahrtwind des offenen Doppeldeckers war es mit nasser Jeans gar nicht einmal so warm.

Wir konnten auch gleich in ein Elektrogefährt einsteigen, mit dem die erste Strecke hin zum Fluss zurückgelegt werden sollte. Es wirkte ein bisschen alibimäßig, dass da eine Rangerin mit drin saß und ein bisschen was zu zwei, drei Baumarten erklärte. Auch der Trail hinunter zum Fluss war eher dazu gedacht, die Gesamtdauer des Abenteuers zu verlängern und damit die Preis-Dauer-Relation zu verbessern.

Jedenfalls kamen wir bald darauf an der Bootslände an, schlossen noch unsere Wertsachen (incl. Handy mit Kamera, weil sonst nass und kaputt) ein und machten uns mit Regencape und Schwimmwesten bootsfertig.

Noch mehr im Fluss
Auf ging die wilde Luzi. Die zwei 200-PS-Motoren unseres 20-Mann-Bootes fuhren mit Karacho den Iguazú hinauf, und kurz nach dem Start ließ uns der Kapitän (natürlich absichtlich) voll in eine Welle laufen. Spritz. Wasser. Pflatsch. Alles nass, inklusive Unterhemd unter drei Schichten anderer Kleidung. Wuuuuhuuu.

Und dann sitzt du da in einem kleinen Bötchen im Auffangbecken der Iguazú-Fälle und guckst und guckst und guckst und kriegst den Mund nicht mehr zu. Regenbogen über Regenbogen, und um dich herum fließen ganze Schwimmbäder pro Sekunde über die Abbruchkante. Der Hammer. Schon allein deswegen lohnen sich die 50 Euro, da müssten sie nicht mal künstlich das aufblähen durch ein Umweltbildungsfährtchen (auch wenn das am Ende nicht völlig uninteressant ist).
Auf dem Ding nimmt man eine Dusche

Im Teufelsschlund geht ein kleiner Regenbogen von der einen Seite der Fälle zur anderen, und auf diesen Regenbogen fuhren wir nun zu. Kurz vorher bogen wir nach rechts ab und, rumtata, nah heran an die Fälle. Zweite Dusche. Naja, wenn unsere Duschen hier wenigstens so einen Wasserdruck draufhätten ... Wieder raus. Wieder rein. Dusche. Hammer. Lustig. Euphorie. Adrenalin. Endorphine. Andere Hormone, keine Ahnung. Wow.

Wir fuhren nach der dritten Volldusche noch einen kleinen Wasserfall an und bis zwei, drei Meter an ihn heran. Vierte Dusche. Grandios.

Ich weiß nicht, wie lange die Fahrt ging, wahrscheinlich waren das um die 20 Minuten, aber es war fantastisch.

Nicht ganz so fantastisch war natürlich, dass ich wortwörtlich bis auf die Unterhose nass war und wir ja noch ein bisschen weg im Bus vor uns hatten. Den Weg hoch zum Elektrokärrelchen nahmen wir dann doch lieber im Jeep (Lederpolster leicht nass), das Elektrokärrelchen fuhr auch gleich los (Plastiksitz leicht nass), der Nationalparkbus kam auch bald, und sogar der öffentliche Bus nach dem Verlassen des Parks kam bald.

Wir stiegen an unserer Haltestelle aus und wechselten im Hotel erstmal die Klamotten, weil es auf Dauer dann doch nicht so angenehm ist, eine von oben bis unten feuchte Jeans zu tragen.

Danach zum Fußballgucken wieder in die Kneipe nebenan, zurück ins Zimmer, warm und lang geduscht, und jetzt im Bett die Schlussphase von Japan - Griechenland.

Heute war Bergfest und die Fahrt heute war des Bergfests absolut würdig. Es war toll.