Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Dienstag, 7. Juni 2022

Jazz + Reggae = Ska

 ... oder so. Jedenfalls habe ich meine Hauschefin heute Morgen beim Frühstück so verstanden, als ich ihr erzählte, dass das Erlebnis Dub Club gestern Abend sehr gut war, wenn ich auch ein bisschen etwas anderes erwartet hatte.

Schon die Fahrt hoch zu diesem Club ist ein Erlebnis, weil man zunächst durch das nächtliche (und im Fahrtwind angenehm kühler gewordene) Kingston fährt, dann aber plötzlich abbiegt und über eine enge, schlaglochreiche, kurvige Bergstraße (den Skyline Drive) in die Berge über die Stadt fährt. Ein paar Mal war ich unsicher, ob mein - vom Hotel angeheuerter - Fahrer nicht versehentlich in den Berg reinfährt, aber wir kamen heil oben an - und schon auf der Straße hat man einen fantastischen Blick auf das nächtliche Kingston. Traumhaft!

Nachdem mein Taxifahrer mich herausgeschmissen hatte, wankte ich - ich hatte zwischendurch ja ein paar Stunden Pause gemacht und insgesamt zu wenig getrunken - über die unebenen Stufen hinab, bezahlte neun Euro Eintritt und kam an der Bühne vorbei. Hier spielte - zum Aufwärmen - ein DJ mit lauten (guten) Bässen, aber ich guckte mich weiter um und ging auf die Terrasse, wo es nicht nur Getränke, Essen und Memorabilia, sondern auch diverse Aquarien und einen nochmal fantastischeren Ausblick auf Kingston gab.

Das Publikum war sehr gemischt, von alteingesessenen jamaikanischen Rastafari-Gesellen über diverse Amerikaner, eine Finnin belauschte ich, drei Deutschsprachige (vier, mit mir), zwei Israelis waren dabei und jede Menge Jamaikaner. Nach etwa einer Stunde fingen zwei Jazzmusiker (ich habe ja von Musik leider so gar keine Ahnung, aber das klang für mich wie Jazz) an, sich warm zu spielen, eine weitere halbe Stunde später kamen dann Rastafaris dazu, und am Ende gab das eine wunderbare Mischung zwischen den Reggae- und Jazz-Instrumenten.

Nach dem Konzert wanderte alles auf die Terrasse, ich hielt mich an einem weiteren Bier fest, merkte aber doch, dass der Mann mit dem Hammer sehr deutlich im Anmarsch war (erholsamer Urlaub und so ...) und rief mir meinen Fahrer, auf dass er um 23 Uhr wieder da sei. Punkt 23 Uhr stand er auf der Matte, ich hatte mich vom beschwerlichen Aufstieg über die Treppen auch erholt, und gegen 23.30 Uhr war ich im Hotel (nachdem ich im Taxi bald eingeschlafen war). Ein sehr, sehr interessanter Abend - auch wenn ich keine Fotos von den Musikern gemacht habe, weil das offiziell verboten ist und ich Dussel mich - im Gegensatz zu allen anderen - an dieses Verbot hielt ...

(Die Wikipedia sagt, dass Ska eher ein Vorläufer des Reggae sei, sei's drum, was weiß ich schon ...)

Heute Morgen gab es leider nur den ersatzweise bestellten Chicken Stew zum Frühstück, obwohl ich auf Akee mit Salzfisch gehofft (und das auch primär bestellt) hatte, insgesamt war das Frühstück jetzt nicht so der Burner, das hat meine Madame möglicherweise auch gemerkt, denn für morgen wurde mein Frühstückswunsch nicht abgefragt, da esse ich lieber in der Nähe der Bushaltestelle (oder dann in Negril).

Danach lief ich erstmal wieder in den Supermarkt von gestern und holte mir einen Liter Kakao (der war ratzfatz weggesoffen), einen halben Liter Limonade (die war auch schnell weg) und dann noch eine Flasche Wasser (die teilte ich mir ein bisschen besser ein). Ich hatte gestern echt zu wenig getrunken, was meine Nieren mir auch mitteilten, sodass ich da heute ein bisschen besser unterwegs sein wollte.

Ich lief zum Devon House, wurde von einer Frau überholt, die mich mit ihrem freundlichen "Good morning" zu Tode erschreckte und lief in die große Anlage hinein. Leider wird da gerade generalsaniert, sodass man das Devon House nicht so wirklich gut von der eigentlich gedachten Seite anschauen konnte, viel war auch "restricted area", das war ein bisschen unglücklich.

Ebenfalls unglücklich war, dass - nachdem ich mal ein bisschen Kakao und Limonade weggebracht hatte - kein Wasser aus dem Wasserhahn der Toilette kam. Der Jamaikaner neben mir kannte das Problem und spülte mehrfach, damit der Wasserdruck wiederkomme (?!), aber das half nicht. Da stand ich nur mit meinen eingeseiften Händen. Ich lief Runden, fand nix, entschied mich dann für ein Eis, und siehe da, am Gebäude des Eisstandes war ein Waschbecken mit Seife und Handtüchern.

Wieso man das braucht, verstand ich, als ich versuchte, dort ein Eis zu verspeisen: Das mag einer der besten Eisstände der Welt sein (und das Eis war auch gut), aber die machen da solche Riesenkugeln (ich hatte natürlich vor lauter Unwissenheit zwei Kugeln genommen), dass schon eine Kugel nicht auf das Hörnchen passt, und zwei schonmal gar nicht. Außerdem ist es in Kingston recht heiß, sodass mir die Hälfte des Schokoladeneises auf die Hand tropfte und meinen Arm entlang bis zum Ellbogen (!) lief, von wo es auf meine Jeans tropfte. Na, vielen Dank auch!

Nach dem Verzehr des Eises musste ich erstmal wieder das Waschbecken bemühen, meine Hand und meinen Arm von Schokoladeneis befreien (bei meinem Gesicht klappte das mit dem Befreien nur mittelmäßig), und die Jeans kann ich schön in die Wäsche geben (ich hatte mich heute Morgen schon mit Hühnchen-Soße bekleckert, auf Hemd und Jeans, aber aus dem Hemd habe ich die einigermaßen rausbekommen, sodass ich das Hemd heute noch tragen konnte).

Danach lief ich außen am Gelände des Devon House vorbei, um Fotos von selbigem zu machen, und dann lief ich die eineinhalb Kilometer zum Bob-Marley-Museum. Unterwegs - in Hitze mit nicht geringer Luftfeuchtigkeit, ich schwitzte wie ein Biber - kam ich am Jamaica House, dem Sitz des Premierministers, und am King's House, dem Sitz des Generalgouverneurs, vorbei, bis ich gegen 12.20 Uhr in 56 Hope Road einlief.

Das Bob-Marley-Museum verlangt von Ausländern 25 Euro Eintritt für die Tour, aber das lohnt sich schon, weil wir - entgegen dem Hinweis im Reiseführer - nicht nur eine Stunde, sondern fast zweieinhalb unterwegs waren.

Der erste Stopp wurde bei Bongo Herman gemacht, einem Perkussionisten und Sänger, der anscheinend auch mal Bob Marley begegnet war und mit ihm spielte, jedenfalls hat der Mensch einen eigenen Artikel in der (englischsprachigen) Wikipedia, da muss das ja alles stimmen. Bongo Herman ließ erstmal ein paar Kinder seine Trommel misshandeln, dann drückte er (ausgerechnet) mir (ich stand am weitesten links von ihm) so ein Instrument in die Hand und erläuterte mir, was ich machen soll. Erstens verstand ich ihn mit seinem jamaikanischen Akzent kaum, zweitens fasste ich das Ding schonmal gleich falsch an und drittens bin ich ja - jedenfalls unvorbereitet - so ein richtiger Rhythmuslegastheniker, sodass ich das Ding bald wieder abgenommen bekam. Der (weiße) Amerikaner nach mir war glücklicherweise genauso "confused" wie ich, machte es auch nicht besser und ganz zum Schluss machte der (schwarze) Amerikaner, dem ich in unterschwelligem Rassismus fast automatisch besseres Rhythmusgefühl unterstellte, mit der Ratsche alles falsch: Anstatt ratsch-ratsch-ra-ra-ra-ratsch machte der Dubbel mehrfach ratsch-ratsch-ra-ra-ratsch, sodass Bongo Herman verzweifelt den Kopf schüttelte und die ganze Truppe herzhaft lachte.

Danach ging es in Bob Marleys Haus, wir waren in dem Raum, in dem er bei einem Attentatsversuch 1976 eine Kugel in den Arm bekam (da sind noch zwei Einschlagsstellen im Putz), dann ging es in die obere Etage mit den Wohnräumen, die zum Teil noch so erhalten sind, zum Teil zu Ausstellungsräumen umfunktioniert wurden. Das wäre an sich alles nicht so spektakulär, aber unser (junger) Guide, dem man seine Begeisterung so richtig anmerkte, machte das richtig gut, und im Erdgeschoss wurden - in Bob Marley Tonstudio - die Vibes so richtig beschworen.

Die gemeinschaftliche Gesangseinlage von "No Woman No Cry" und "Buffalo Soldier" war jetzt nicht so richtig das Gelbe vom Ei, weil sich kaum einer so textsicher war, sich jetzt auch hier in den heiligen Hallen zum Affen zu machen, aber spannend war es schon, hier zu stehen, wo der gute Bob viele seiner Alben eingespielt hat.

Zum Schluss ging es in einen letzten Ausstellungssaal, ehe noch ein Film gezeigt wurde, der auch ganz interessant war und unter anderem Interviews mit Bob Marley zeigte. Im Fanshop kaufte ich nix, weil sie keine vernünftigen Basecaps hatten, danach trank ich noch eine Cola im Museumscafé und machte mich wieder auf den Weg.

Ich wollte zu einem Meeresfrüchterrestaurant, aber die Abkürzung, für die Google Maps mir eine Straße angab, gab es gar nicht, sodass ich einen Umweg gehen musste und schließlich an dem schönen Freiluftlokal ankam. Den gewünschten Fisch gab es nicht, also aß ich dann doch Curried Goat, also Curry-Ziege, mit Reis, und dazu meinen Zu-wenig-getrunken-Cocktail aus Wasser, Cola und Bier.

Das jamaikanische Bier und ich, wir werden keine richtigen Freunde, das Red Stripe schmeckt irgendwie komisch, aus der Flasche sowieso und vom Fass auch, das Dragon Stout ist ein bisschen arg stark und war mir zu warm, wenn das richtig kalt ist, versuche ich das nochmal, aber Heineken will ich halt auch nicht trinken, und immer nur Mango- oder Tamarindensaft (die gestern Abend beide sehr lecker waren) ist auf Dauer auch nix fürs Mutters Sohn.

Die Curry-Ziege war überraschend lecker, doch, das muss ich sagen, aber ich habe ja spätestens auf den Seychellen Currys lieben gelernt, da sollte es eigentlich keine so große Überraschung sein.

Jetzt war es aber erst 17 Uhr, aber die Bedienung wollte kassieren, also verließ ich das Etablissement und entschied mich, nach einiger Bedenkzeit, doch noch in eine weitere Kneipe zu gehen. Da versüffelte ich nochmal drei Bier, wollte dann aber nicht auf den Karaoke-Montag warten (zumal Karaoke und ich zuletzt in Wiesbaden mit dem Jockel ja grandios in die Hose gegangen war, als wir nicht wussten, dass es eine zweite Strophe Kid Rocks "All Summer Long" gibt ...) und ging in der Dämmerung - mit einem kurzen Abstecher zum Getränkekaufen - nach Hause.

Jetzt bin ich kurz geduscht und gehe gleich ins Bett, ist ja auch schon halb neun ...

Morgen geht es um 10 Uhr nach Negril, damit nach den sehr interessanten, aber auch anstrengenden zwei Tagen hier in Kingston noch ein bisschen gefaulenzt werden kann.

Devon House

Bob-Marley-Museum - Einfahrt

Bongo Herman

Mural auf dem Gelände

Bob-Marley-Museum mit Statue

Einfahrt zum King's House

Zutritt verboten - dies ist keine Toilette (sondern ein Regenwasserkanal) 

Blick auf das nächtliche Kingston vom Dub Club

Montag, 6. Juni 2022

"Everything's Gonna Be Alright" in "Kingston Town" (hopefully)

Naja, das werden wir sehen, ob alles in Ordnung ist in Kingston, aber bisher sieht das ganz gut aus ...

Ich hatte mir heute Morgen den Wecker gestellt (!) auf sieben Uhr, aber den brauchte ich nicht, denn ich war schon gegen sechs Uhr wach. Ich ging schwimmen (herrlich!), duschte ganz kurz, zog mich fürs Frühstück an und marschierte in die Lobby.

Heute gab es endlich mal jamaikanisches Frühstück, und zwar Salzfisch mit Bohnen ... Das muss ich nochmal probieren, vielleicht kriege ich morgen hier im Hotel Akee mit Salzfisch (ackee with saltfish), das als Nationalgericht Jamaikas gilt und das man tatsächlich zum Frühstück verzehrt.

Ich ging zurück aufs Zimmer, hatte noch ein bisschen Zeit, ging - für die nächsten zwei Tage - ein letztes Mal schwimmen und machte mich dann fertig.

Mein Taxifahrer hatte mich mehrfach angerufen, keine Ahnung, wieso, wegen fünf Minuten, die er früher fahren wollte, sei's drum, sodass ich - viel zu früh - in der Lobby stand und den Fehler machte, nichts mehr zu trinken. Ich checkte aus, stellte mich an den Ausgang und schaute nach dem mir von dem Taxibetrieb genannten Kennzeichen. Da war nix. Wieder rief mich der Taxifahrer an, und schließlich fanden wir uns, er guckte ein bisschen so, als hätte ich mir etwas vorzuwerfen, aber er stand da zwar wohl seit ein paar Minuten, aber in einem Auto mit einem gänzlich anderen Kennzeichen. Wie soll ich den denn da finden?

Nun denn, die Fahrt zum Flughafen war problemlos, auch wenn der Typ mehr mit seinem Handy herummachte als auf den Straßenverkehr zu gucken, er rollte dann auch mal ein paar Sekunden mit Schrittgeschwindigkeit auf der Überholspur, aber da die Jamaikaner eh viel hupen, wurde halt auch da nur gehupt, aber spätestens, als der Typ mich zum Abflug fahren wollte (ich hatte das Busunternehmen als Ziel angegeben!), wurde mir klar, dass der Typ ein bisschen überfordert ist, mit ... allem.

Schließlich kam ich aber bei dem Busunternehmen mit dem typisch jamaikanischen Namen Knutsford an. Der Check-in klappte gut, ich war natürlich viel zu früh und saß noch ein bisschen im Wartesaal. Dann ging es zum Boarden, der Gepäckeinlader knurrte mich kurz an, weil ich ihn nicht sah und mein Gepäck selbst einladen wollte (der will selbst Tetris spielen, vermute ich), dann setzte ich mich - da steht am Eingang, man soll ein Maske tragen, also trug ich eine, auch wenn die meisten Ausländer keine trugen - in den Bus und traute meinen Augen nicht: Da gab es eine voll ausgestattete Steckdose, die sogar meinen Laptop-Stecker aufnahm, sodass ich - im Bus! - alle meine Gerätschaften aufladen konnte. Juchhe!!

Die Reisezeit war mit vier Stunden angegeben, tatsächlich waren es nur drei, und das war eine wunderbare Fahrt, erst am Meer entlang in Richtung Ocho Rios, dann auf der Autobahn einmal quer über das durchaus gebirgige Inselinnere, bis wir im ziemlich sauber und aufgeräumt aussehenden Kingston ankamen.

Das mit dem Buchen eines Ubers klappte nicht, weil die nur Bargeld annehmen und ich (noch) kein jamaikanisches hatte, also musste ich doch ein Taxi nehmen, nachdem ich den Fahrer gefragt hatte, ob er auch US-Dollar nimmt (tat er natürlich). Die Fahrt war wie erwartet kurz, und so stelle ich mir einen Check-in vor: freundlich, schnell, alles gut, nur war denen das Kreditkartenladegerät ausgefallen (sowas könnte ja in Deutschland nie passieren, ohje ...). Da ich aber eh Geld holen wollte, schickten mich die beiden Damen in ein nahegelegenes Einkaufszentrum, in dem ich erstens Geld abhob und zweitens ein dringend benötigtes Getränk kaufte.

Nun war ich reich, konnte bezahlen und die (junge) Madame gab mir den Tipp, dass ich mich heute Abend in den wohl unter Reggae-Fans recht bekannten Dub Club fahren lassen sollte. Das ließ ich mir von ihr arrangieren, und jetzt geht um 20 Uhr das Taxi da hoch in die Berge über Kingston, mal gucken, wie das so wird ...

Erst einmal machte ich aber einen Spaziergang durch New Kingston, auch wenn Madame mir ein bisschen Angst machte, ich solle nicht aufs Handy gucken und auch sonst aufpassen, was um mich herum passiert: So schlimm war es dann (bisher!) nicht, denn auf den Straßen, auf denen ich unterwegs war, war kein Mensch. Das angepeilte Restaurant, wo ich mal außerhalb der Hotelanlage Jerk Pork probieren wollte, gibt es aber wohl nicht mehr, also lief ich weiter zum Emancipation Park, der der Befreiung der Sklaven gedenkt, durch diesen (schönen Park) hindurch und kam schließlich in einer jamaikanischen Fastfood-Kette zum Sitzen.

Ich bestellte Jerk Chicken (also doch), nahm glücklicherweise davon Abstand, aus dem Viertelhuhn ein halbes zu machen (denn auch so war die Portion groß), und bekam also neben diesem ein Festival (frittiertes Brot), gebackene Bananen, viel Reis und ein bisschen Gemüse. Dazu erstand ich eine Cola, war acht Euro oder so los und pappsatt.

Ich lief weiter ins Hotel, holte nochmal - für alle Fälle wegen heute Abend - Geld und ging dann ins Hotel, wo ich duschte (mit abnehmbarem Duschkopf, himmlisch nach drei Tagen der Entbehrung) und jetzt die Klimaanlage genieße, denn Kingston ist heiß (auch wenn gelegentlich mal ein Wind geht) ... 

Mal sehen, was das heute Abend wird, in eineinhalb Stunden kommt das Taxi, ich bin gespannt (und werde morgen Nacht deutscher Zeit darüber berichten, wie es mir erging).

Unterwegs an der Küste

... und im Landesinneren, ...

... weiter im Landesinneren

Emancipation Park I

Emancipation Park II

Und nochmal an der Küste

Sonntag, 5. Juni 2022

Fragmente aus Montego Bay

Meinem Rechner ist leider der Strom ausgegangen, weil ich zwar einen Adapter dabei habe, aber entweder die Steckdose keinen Strom abgibt oder mein Rechner keinen aufnimmt (ich halte den Rechner für unschuldig), also werde ich - bis auf Weiteres - übers Handy - das WLAN hier lm Hotel ist wirklich gut, auch am Strand - Fragmente zusammentragen. 

Heute Morgen hat mich eine amerikanische Mutter mit ihrem Sohn sehr erfreut. Die beiden waren paddeln, und im Vergleich zu den beiden waren meine Ma und ich absolute Paddelprofis ... Zweimal fuhren sie in andere Paddler rein, einen Schnorchler überfuhren sie fast, und einmal sind sie unfreiwillig beinahe auf den Strand gefahren. Ich bin fast vor Lachen vom Liegestuhl gefallen, herrlich!

Die Leute hier müssen im Kajak Schwimmwesten tragen, dabei kannst du in dem flachen Wasser hier zehn Meter vom Strand entfernt eigentlich nicht absaufen.  Die Seycheller hatten da deutlich mehr Gottvertrauen ...

Als ich da so am Strand lag, rauchte zehn Meter entfernt von mir einer süßliches Zeug. Aber das Gras war so potent, dass ich dachte, ich rauchte es selbst ... Party on! Oder so.

Oh ja, und wie party on war! Ich zog, nachdem ich wieder trocken war, an den östlichen Hotelstrand um, nahm da eine Liege im Schatten, aber direkt an der Wasserlinie und ließ den lieben Gott eine gute Frau sein (oder so).

Nach einiger Zeit überkam mich ein Hüngerchen und ich ging zum Lunch. Das Hühnchen war eher nix am Buffet, aber die Forelle war echt gut.

Ich wanderte nach einigen Ginger Ales zwischen Zimmer und Lobby hin und her und kam am Ende an der Jerk Hut zum Sitzen.

Dort gefiel es mir: leckeres Essen, gute Musik, gut gelaunte Kellner, klasse. Hier saßen nur wenige Weiße, was wohl daran lag, dass die Jerk Sauce echt scharf ist, aber das wirkte hier alles am ehesten authentisch jamaikanisch in diesem sehr internationalen (= US-amerikanisch dominierten) Hotel.

Zweimal gingen die Teller aus, aber das ließ nur die Weißen ernsthaft verzweifeln (das Buffetrestaurant war keine drei Minuten zu Fuß entfernt, aber es dauerte bestimmt eine halbe Stunde, bis die Teller kamen). Nur als die Teller endlich da waren und nicht in der Reihenfolge bedient werden sollte, sagte eine schwarze Jamaikanerin mal an, was Sache ist. Eine weiße US-Amerikanerin war mir - gerade nach der Check-in-Erfahrung gestern - in ihrem Unglauben, dass das hier wirklich sein kann, sehr sympathisch. Heute war ich, wie ich ihr sagte, "intoxicated enough", also genug betrunken, dass ich das alles (wahnsinnig) lustig fand. Ich hatte erstens schon gegessen und bekam zweitens ständig ein Bier hingestellt, selbst als ich in Kölscher Manier eine Serviette (mangels Bierdeckel) auf meinen Becher legte.

Dementsprechend brauchte ich dann am Ende eine weitere Portion, diesmal Jerk Chicken, also Hühnchen. 

Danach ging ich noch einmal schwimmen, dann duschen und gehe jetzt anstatt zum Abendessen gleich ins Bett, denn ich bin satt, sitt und ausreichend bettschwer.

Für morgen habe ich ein Taxi vorab gebucht, da spare ich zumindest mal fünf Dollar im Vergleich. Besser als nix ...

Guten Morgen, Jamaika 



Strandbild 1  

Strandbild 2


Samstag, 4. Juni 2022

Frühsport für den Spürhund

... haben die belgischen Polizisten heute Morgen vorbereitet, denn so gegen 4 Uhr, 4.30 Uhr kamen zwei Polizisten in den sich so gaaaanz langsam füllenden Check-in-Bereich. Die guckten erstmal hinter Mülleimer und so, und ich dachte schon, die machen eine Sichtprüfung auf Sprengstoffe, als der eine Polizist plötzlich eine Tüte aus einer Dose und eine große Pinzette hervorzauberte, während der andere Polizist einen Mülleimer anhob. Was zum Henker machen die da? Der Tütenpolizist legte die Tüte mit der Pinzette unter den Mülleimer, der Mülleimer wurde wieder auf den Boden gestellt, und ich guckte wahrscheinlich wie ein sehr interessiertes Auto, sodass der Polizist mir etwas erklärend zurief, was ich sowohl wegen der Kopfhörer, die ich trug, als auch wegen der hohen Wahrscheinlichkeit, dass das Französisch oder Flämisch war, nicht verstand.

Ich bekam aber eine Ahnung, was die da machen, und diese Ahnung wurde wenige Minuten später bestätigt, als eine Polizistin mit Suchhund ankam (keine Ahnung, ob Drogen-, Sprengstoff- oder Noch-was-anderes-Spürhund) und den mal auf die Suche schickte. Der Hund suchte zunächst um einen anderen Schalter herum, lief dann zum Mülleimer, umkreiste den einmal und machte dann "Platz" an der Stelle, wo der Polizist zuvor die Probe hingelegt hatte. Der Hund bekam sein (laut krachendes) Leckerli, und der Typ hätte die Probe fast unter dem Mülleimer vergessen, wurden aber vom Kollegen daran erinnert, die wieder einzupacken.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber schon ein Programm absolviert, das normalerweise für den ganzen Tag reicht: Zunächst hatte ich ja meinen Blog hochgeladen, dann überkam mich das Gefühl, dass ich möglichst doch nicht auf einem Mittelplatz sitzen wollte und schaute noch einmal, ob ich einen Fensterplatz bekommen könnte, und wenn ja, für welche Gage. Da gab es noch einige leere Reihen, und so buchte ich für 12 Euro den Platz 23A.

Währenddessen hatte eine Ex-Kollegin den Blogeintrag entdeckt und wünschte mir eine gute Reise. Wir schrieben uns hin und her, und um 1.50 Uhr wurde uns das zu doof, sodass wir anfingen zu telefonieren. Joa, wir sprachen über Gott und die Welt, meine neue Arbeit (naja, so neu ist die ja jetzt nicht mehr), unsere früher sehr enge und - trotz des gelegentlichen gegenseitigen Köpfeeinschlagens, höhö - sehr gute Zusammenarbeit, das war ein richtig schönes Gespräch, und ratzfatz war es kurz vor vier, als wir auflegten. Herrlich!


So hatte ich mir den Zeitvertreib am frühen Morgen in Brüssel nun wirklich nicht vorgestellt, aber das war ja umso besser so. Eine Stunde später, so gegen 5 Uhr, fingen zwei Damen an, den Check-in für unseren Flug aufzubauen. Sie brauchten ein bisschen, bis sie bereit waren, aber dann ging der Check-in bzw. Baggage Drop-off sehr schnell, und schon um 6 Uhr oder so war ich an der Sicherheitskontrolle. Die ging sehr fix (großes Lob an den Flughafen: viele Kontrollspuren, keine Gaga-Checks, alles bestens), aber an der elektronischen Passkontrolle stellte ich mich ein bisschen doof an, weil ich nicht genau wusste, ob der Pass richtig liegt, ständig auf den drauf guckte und dabei wahrscheinlich den biometrischen Abgleich zwischen Pass und meiner Realvisage versemmelte. Jedenfalls drehte sich die Sanduhr etliche Sekunden, bis sich ein Grenzer meiner erbarmte und mir grünes Licht gab - ein "merci" folgte, dann war ich im Gate-Bereich.

Ich gönnte mir ein Thunfisch-Sandwich (leckeres Brot, bisschen wenig Thunfisch) mit Cola und dann - für mich um 30 Uhr, denn ich hatte ja noch nicht geschlafen - ein großes Stella Artois. Das genoss ich mit Blick auf das Rollfeld, gab meiner Mutter ein Lebenszeichen und trottete dann zum Gate. Da die Sitzplätze an meinem Gate belegt aussahen, setzte ich mich ans Gate gegenüber und lief erst zu meinem Gate, als da das Boarding schon in vollem Gange war. Ich musste mich echt zusammenreißen, dass mir nicht die Augen zufielen, denn der Mann mit dem Hammer wurde vom Bier erst so richtig angestachelt, das war mal wieder eine meiner großartigeren Ideen, um 6 Uhr morgens nach durchgemachter Nacht ein Bier zu trinken, ganz großes Kino! Allerdings: Ich schaffte es und boardete erfolgreich.

Ich kam an meinen Platz, die Reihe war frei, die Reihe vor mir war frei, die Reihe hinter mir, und es kam da auch keiner mehr. Die haben die Plätze irgendwie ganz komisch gefüllt: Vorne und hinten im Economy-Bereich ist gerammelt voll besetzt gewesen, im Mittelteil (in dem ich mir den Platz ausgesucht hatte) war und ist (ich schreibe diesen Teil des Blogs zwei Stunden vor Ankunft in Punta Cana vor) gähnende Leere. Nun denn, ich breitete mich aus (wir starteten um 8.50 Uhr belgischer Zeit), schlief auch ein bisschen, hatte teilweise alle drei Tische unten (einen für mein Handy zum Videogucken, einen für meinen Rechner, einen als Abstellplatz für das Essenstablett), und die Zeit vergeht, höhö, wie im Fluge. Alles gut, aber ich bin dann auch froh, wenn wir in Punta Cana wieder starten und dann in Montego Bay landen.

Zweiter Teil des Blogs dann wahrscheinlich aus dem Hotel.

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So sieht's aus!

In Punta Cana mussten zuerst alle aussteigen, die in Punta Cana aussteigen wollten, so weit, so klar. Danach wurde noch einmal durchgezählt, der Headcount passte, dann mussten wir, die wir nach ontego Bay weiterwollten, auch aussteigen.

Um 12.19 Uhr betrat ich - nach der Landung um 11.50 Uhr, die auf einen recht wackligen Anflug folgte - erstmals seit März wieder dominikanischen Boden. Wir wurden in die Transfersicherheitskontrolle beordert (wieso, weiß auch kein Mensch, zumal das nur eine Pro-forma-Kontrolle war), dann landeten wir im Abflugbereich, in dem meine Ma und ich am 20. März auch auf den Rückflug warteten. Damals hatten wir (teuren, aber guten) Cuba Libre getrunken, und also machte ich das jetzt auch ...

Die Rechnung hatte ich aber ohne die Flughafendamen gemacht, denn die Transferpassagiere sollten - ich hatte gerade den ersten Schluck Cola mit Vitamine intus - als Erste einsteigen. Also nahm ich meinen Cuba Libre (der praktischerweise in einem Plastikbecher serviert worden war) mit, drängelte mich - erlaubterweise und sogar erwünschterweise - vor und stieg, mit halb gefülltem Cuba-Libre-Becher, in den Bus.

Ich setzte mich wieder auf meinen Platz, wieder war der Flieger um mich herum recht leer, wir starteten um 13.53 Uhr dominikanischer Zeit und landeten um 14.30 Uhr jamaikanischer Zeit, nach etwas über eineinhalb Stunden Flug, in Montego Bay.

Ich hatte ja schon online einen Einreisezettel ausgefüllt, und so musste ich keinen physischen Zettel mehr ausfüllen, die Einreise ging schnell, aber das war leider der einzige Prozessschritt, der am Flughafen in Montego Bay funktionierte.

Unser Flug war der einzige, bei dem kein Gepäckausgabeband angegeben war, sodass alle Passagiere aus Brüssel vor der Anzeige herumstanden und warteten. Irgendwann - nach langer Zeit - lief ich einfach mal in Richtung des Zollausgangs - und da stand mein Koffer, und bestimmt auch die Koffer aller anderen, friedlich in der Gegend herum und war schon von einem Gepäckband abgeräumt worden. So ein Saftladen!

Der nächste Saftladen folgte, nämlich der Zoll. Beim jamaikanischen Zoll gibt es noch einmal so Häuschen wie bei der Einreise, und wie immer ist es die Hauptaufgabe des Zolls, devisenbringende Touristen maximal abzuschrecken. Die Tante war anscheinend zu doof, ihr Computerprogramm zu bedienen, denn sie fand meine Landekarte im System nicht (die hatte auch ein paar Zollfragen umfasst). Das gipfelte in der Frage, ob ich überhaupt die Grenzkontrolle passiert hätte. Ich antwortete einigermaßen entgeistert, dass ich natürlich die Grenzkontrolle hinter mich gebracht hätte (und hatte ja auch einen Stempel im Pass) - was denkt die Trantüte denn eigentlich, sachma?

Sie lief an einen anderen Computer, kam dann wieder und nach vielen Minuten war das auf einmal alles in Ordnung. Was soll sowas? Was, bitte schön, soll ein Tourist nach Jamaika schmuggeln? Und wenn man sowas schon unterstellt, dann kontrolliert halt verflixt nochmal mein Gepäck, aber das war jetzt reines Bürokratiegeschiebe und totaler Schwachsinn.

Entsprechend geladen verließ ich den Zollbereich und kam in den nächsten Saftladen, nämlich zu den Taxifahrern. Dieses Taxifahrerkartell verdient mit den Touristen hier richtig gutes Geld, und dass ich den Preis für die Fahrt zu meinem Hotel (30 Dollar) für völlig überteuert hielt, ließ ich den Taxifahrer, der mich zu allem Überfluss auch noch in den hinterletzten Winkel des Taxiparkplatzes führte, deutlich spüren.

Als ich mich dann beruhigt hatte, kamen wir ein bisschen ins Gespräch, und die Jamaikaner scheinen es nicht zu verstehen, dass ich alleine reise. Der Typ wollte mir nicht nur Marihuana (denn nur damit sei es eine richtige jamaikanische Party), sondern auch noch eine Frau (wenn ich will) aufschwatzen und gab mir seine Karte. Oh Mann!

Die Ankunft am Hotel, das heißt, dem vierten Saftladen des heutigen Tages rettete mich davor, dieses Gespräch weiterführen zu müssen. Durch diese Kofferaktion hatte ich Zeit verloren und kam ungefähr zeitgleich mit einem riesigen Rudel anderer Touristen an. Die Rezeption dieses Hotels hier ist völlig überfordert, wobei das nicht an den Kapazitäten liegt: Da stehen genug Leute in der Gegend herum und tun wichtig, aber Leute einchecken, das machen nur wenige ...

Entsprechend langsam ging die Schlange voran, und dass da dann - in einem touristenorientierten All-inclusive-Hotel - keiner aus der Bar auf die Idee kommt, mal in der Schlange zu fragen, ob man ein Bier vorbeibringen kann, bleibt mir schleierhaft. Jedenfalls stand ich und stand ich, der Bierdurst wurde immer schlimmer, sodass man das an meinem Gesicht offenbar auch schon ablesen konnte. Irgendwann kam eine Dame und wollte meine "documents" sehen. Ich hatte keine Ahnung, was die wollte, aber am Ende wurde ich in ein Sonderbüro verbracht und einer VIP-Behandlung unterzogen. Freunde der Sonne, ich will keine Sonderbehandlung, sondern ich möchte, dass ihr schnell arbeitet, damit alle schnell eingecheckt werden und nicht nur die, die besonders böse gucken, weil sie ein Bier wollen.

Die Tante war dann sogar ein bisschen beleidigt, weil ich nicht euphorisch für diese VIP-Abfertigung dankte, sondern einfach nur einchecken wollte. Diese Zettelwirtschaft, die die Herrschaften hier betreiben (auch schon beim Zoll, und im Hotel noch schlimmer), ist ganz furchtbar (und natürlich zeitaufwendig), aber sei's drum, am Ende hatte ich meine Zimmerkarten und ging erstmal an die Bar, um mir ein Bier zu holen, während mein Koffer schon ins Zimmer verfrachtet wurde.

Das Bier schmeckte nicht, na super, entsprechend schnell brach ich auf. Der Koffermensch kam mir schon entgegen, ich trat in mein Zimmer - und es war sooooooooooo schön kühl, ganz herrlich. Im Freien hatte es 34 Grad, das ist dann schon recht mollig. (Einen abnehmbaren Duschkopf gibt es nicht, aber "Saftladen" hatte ich ja schon gesagt.)

Ich zog mich aus und die Badehose und ging erstmal an den Strand.

Und hier, meine Leserinnen und Leser, fängt jetzt der gemütliche Teil an: Tolle (kleine) Strändchen gibt es hier, das Wasser ist warm, wenn auch ein bissel arg flach, ich planschte erst einmal (uneingeschmiert, aber es war ja schon 17 Uhr), entstieg dann den Fluten, aß in einer kleinen Strandbar Jerk Pork, ein typisch jamaikanisches Gericht, das so ein bisschen wie vom Spieß getrennte Schaschlikstücke aussieht und mit einer scharfen Soße gereicht wird - das war herrlich! (Und dort schmeckte jetzt auch das Bier.)

Ich lief weiter, trank einen Cocktail namens Jamaica Delight, ging nochmal schwimmen zwischen dem Hotel und einer kleinen Liegeinsel, aber dann machte ich mich abendessenfertig, duschte also endlich (herrrrrrrrlich!).

Zum Abendessen gab es ganz hervorragende Spare Ribs und sonst auch das eine oder andere leckere Gericht, den Gang ins Pub verschob ich jetzt aber, denn ich bin hundemüde (ich habe im Flieger schon das Rennsteiglied vor mir hergesummt), und morgen ist auch noch ein Tag. (Auf dem Heimweg habe ich noch einen kleinen Rochen im Wasser schwimmen gesehen, sehr süß.)

Strand am Hotel

Hotelstrandpromenade

Liegeinsel

Über den Wolken ...


Freitag, 3. Juni 2022

In Amersfoort die Nerven verloren

 ... habe ich eben, weil ich den IC in Amsterdam schon ohne mich abfahren sah, obwohl ich einen Zug zwei Stunden vor meiner ursprünglich geplanten Verbindung genommen habe. Jetzt scheint aber alles gut zu werden - überziehen will ich den Spannungsbogen ja nicht.

Ursprünglich hatte ich geplant, den IC um 16.40 Uhr von Hannover nach Amsterdam zu nehmen. Dort wollte ich um 21 Uhr ankommen und um 21.28 Uhr weiter nach Brüssel fahren, sodass ich um 23.50 Uhr am Brüsseler Flughafen angekommen wäre. So weit, so gut, doch natürlich hatte ich die Rechnung ohne die Deutsche Bahn gemacht ...

Heute Nacht war in Minden (Westfalen) wohl ein Zug entgleist, sodass die Strecke kaputt war und repariert werden musste. Daher gab es - laut Bahn-App und Bahn-Website - Umleitungen und durchaus resultierende Verspätungen von 60 bis 75 Minuten. Nun gut, ich sprach mit meinem Chef, dass ich schon um 14 Uhr Schluss mache und den IC um 14.40 Uhr nehme. Da hätte ich planmäßig um 19 Uhr in Amsterdam sein sollen, plus 75 Minuten ist 20.15 Uhr, hätte für den 21.28-Uhr-Zug locker gereicht und vielleicht (ich wäre schließlich in Amsterdam) noch für eine Tüte ... Fritten.

Ich stieg um 14.40 Uhr in den Zug (nachdem in letzter Minute das Gleis geändert worden war und ich mich noch beeilen musste) und wurde prompt mit der Ankündigung begrüßt, dass eine Verspätung von 90 bis 180 Minuten erwartet würde. Was, liebe Bahn, soll der Mist? Wenn die Zugbegleiter das einem beim Einsteigen in den Zug ansagen, dann kann man das doch auch in die App und auf die Website schreiben und nicht was von 60 bis 75 Minuten erzählen. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich nämlich nach weiteren Alternativen umgeschaut, etwa der völligen Schnapsidee, von Hannover nach Frankfurt (!) und von dort nach Brüssel zu fahren (wäre mich wahrscheinlich sogar günstiger gekommen, auch wenn ich nicht in die Niederlande eingereist wäre).

Nun saß ich aber also im IC, und der fuhr die Umleitung nach Bremen. Na gut. In Bremen stellte sich heraus, dass die Fahrtrichtung geändert werden muss, aber die Lok musste - gefühlt - erst noch gesucht werden, denn die kam ewig nicht an Land (+25 Minuten). Als sie dann da war, sagte die Zugchefin ungerührt durch, dass ihr System ausgefallen sei und sie irgendeine Zuganmeldung jetzt auf Papier machen müsse - das kostete eine weitere halbe Stunde, es ist unfassbar.

Inzwischen hatten wir ziemlich genau zwei Stunden Verspätung, und es wurde mehr, denn der Lokführer kannte die Strecke nicht und durfte daher nur 100 km/h fahren. Glücklicherweise kannte er die Strecke nach Osnabrück dann besser, aber aus den 120 Minuten Verspätung wurden bis Bad Bentheim 150 Minuten - das waren zwei Minuten mehr als der Unterschied zwischen planmäßiger Ankunft und planmäßiger Abschlussabfahrt. Na super!

Inzwischen war ich auch so weit, dass ich nicht mehr ohne Weiteres nach Köln oder so kam, also musste ich gucken, wie ich jetzt durchkomme. In Bad Bentheim kam die niederländische Besatzung an Bord, die bei Überqueren der Grenze um 19.19 Uhr ansagte, dass in den Niederlanden keine Maske mehr notwendig sei. Die Frauen in meiner Nähe machten sich ein bisschen lustig über die Menschen, die sich panikartig die Maske ausziehen würden, guckten dann aber ein kleines bisschen bedröppelt, als ich genau das machte. Ich hatte das Ding jetzt fünf Stunden angehabt, jetzt hatte ich keine Lust mehr.

Die niederländische Besatzung sorgte aber - jedenfalls bis kurz vor Amersfoort - dafür, dass die Verspätung ein wenig abnahm und ich jetzt so ungefähr sieben Minuten Umsteigezeit haben würde (sieben von ursprünglich 148!). Kurz vor Amersfoort wurde der Zug aber plötzlich langsamer, stand fast und tuckerte dann langsam weiter, sodass wir die schönen vier Minuten Vorsprung, die wir hatten, wieder verloren und noch ein bisschen. Ich guckte nochmal in die Reise-App und sah, dass es eine Verbindung von Amersfoort nach Rotterdam gab, mit der ich quasi das "Amsterdam-Eck" abkürzen würde und in Rotterdam wieder auf den ursprünglich in Amsterdam anvisierten IC aufspringen könnte.

Gesehen, getan, ich stieg in Amersfoort aus, kaufte mir dort noch eine - dringend benötigte - Cola und stieg am gleichen Gleis in den IC nach Rotterdam ein. Ich hatte ein Flexticket, war aber trotzdem nicht unglücklich, dass mich auch in den Zug keiner kontrollierte, denn sonst wären die jungen deutschen Damen, die sich (sehr laut) darüber beömmelten, wie die Niederländer den Ort "Gouda" aussprechen, womöglich noch schräger geworden.

Dieser (niederländische) IC fuhr praktisch exakt pünktlich über Utrecht und Gouda nach Rotterdam, und ich war vor Gouda von der von Grachten durchzogenen Heidelandschaft richtiggehend begeistert. Ja, die Gegend ist ein bisschen arg flach dort, aber schick war das schon!

In Rotterdam stieg ich in aller Ruhe um auf dem sehr geräumigen Hauptbahnhof und wartete auf den - ebenfalls pünktlichen - IC aus Amsterdam nach Brüssel. Ich hatte unterwegs spekuliert, dass der IC in Amsterdam vielleicht warten würde, aber da das die letzte Verbindung war, die für mich okay ist (in der Nacht fährt da praktisch nichts, und der erste Zug morgens würde erst um 7.51 Uhr oder so ankommen, was für den Check-in für eine Flug um 8.30 Uhr zu spät gewesen wäre), wollte ich das nicht riskieren, und ich denke, so im Nachhinein war wenigstens der Umstieg in Amersfoort eine gute Entscheidung.

Der IC nach Brüssel war nicht so wahnsinnig voll, ich hatte mich auch noch im Gesicht gekratzt, sodass ich wie ein abgestochenes Schwein aussah, aber jetzt war alles wurscht, denn ich saß im angestrebten Zug.

Ich war kaum um 22.52 Uhr in Belgien eingereist, als ich - erstmals am heutigen Tag, die Deutschen hatten sich nicht getraut, und in den Niederlanden fährt man ja normalerweise eh mit dieser OV Chipkaart in der Gegend herum - kontrolliert wurde. Der Schaffner konnte mein Handyticket nur bedingt kontrollieren und wischte ein bisschen auf dem Handy herum, aber als er dann sah, dass ich zum Brüsseler Flughafen wollte, war er glücklich - und ich auch. Das WLAN in den niederländischen und belgischen Zügen war jedenfalls heute - noch - schlechter als das deutsche, im IC von Amersfoort nach Rotterdam konnte ich mich nicht anmelden, obwohl es eines gab, im IC von Rotterdam nach Brüssel gab es gar kein WLAN, sehr schräg, aber so musste ich halt über meine Roaming-Verbindung Musik hören, wird schon passen.

Am Flughafen kam ich - Ironie der ganzen Geschichte - genau zu der Zeit an, zu der ich seit Wochen ankommen wollte, nämlich um 23.50 Uhr. Ich spazierte den gesamten Check-in-Bereich des Flughafens ab und sitze jetzt hier im schon ein bissel gespenstischen Bereich, in dem ich morgen ..., äh, heute früh mein Gepäck off-droppen werde. Ich habe eben auf einer ganz ruhigen (und sauberen!) Toilette meine Zähne geputzt, und jetzt verbringe ich die Nacht hier, bis ich so gegen 5.30 Uhr hoffentlich einchecken kann. Dann sehen wir weiter, ob die Belgier wirklich EU-Bürger diskriminieren, weil angeblich die automatischen Ausreisekontrollen nur für Belgier geöffnet sind - da steht das nächste Vertragsverletzungsverfahren, das ich in die Wege leite, an, höhö!

Bis dahin lese ich aber oder gucke Filme oder höre Musik, hier am Flughafen mit superschnellem WLAN (ernsthaft, das ist richtig cool).

Heidelandschaft vor Gouda I

Heidelandschaft vor Gouda II

Mittwoch, 1. Juni 2022

19 Stunden und 45 Minuten

 ... werde ich planmäßig am 16. bzw. 17. Juli in England sein. Eine generalstabsmäßig geplante Kommandoaktion wird das zwar nicht, aber so etwas Ähnliches, und auf alle Fälle war die Buchung heute Abend ein Blitzangriff.

So, genug der martialischen Begrifflichkeiten - ich war ja vor Wochen schon um das EM-Spiel der deutschen Fußballdamen gegen Finnland am 16. Juli herumgeschlichen. Ich hatte überlegt, von wo (Hannover, Hamburg, Frankfurt, Zürich) ich nach wo (Birmingham, Stansted, Luton, Heathrow) ich fliege, wo ich übernachte, wie ich mit dem Zug in England in der Gegend herumfahre - und war zu keinem guten Ergebnis gekommen, sodass ich das Ganze erstmal abblies.

Heute Abend stach mich der Pfeffer, und ich guckte nochmal nach Karten: Die gab es weiterhin, check. Flüge? Für kleines Geld am Samstag Morgen von Hamburg nach Stansted und am Sonntag Morgen zurück, würde auch gehen. Übernachten? Lohnt eigentlich nicht, vielleicht fährt eine Bahn nachts von Milton Keynes (da findet das Spiel statt) zurück nach Stansted? Nein, keine Bahn - aber, da, guck mal, ein Bus!

Und so fahre ich am 16. Juli zu früher Stunde (5.30 Uhr oder so Abmarsch an meiner Wohnung) mit dem Zug nach Hamburg zum Flughafen; dort komme ich so gegen 8.30 Uhr an. Um kurz nach 10 Uhr Ortszeit fliege ich ab, um kurz vor 11 Uhr Ortszeit lande ich in Stansted. Hier habe ich mir ein bisschen Puffer eingebaut, sodass ich erst den National-Express-Bus um 14 Uhr gebucht habe. Der fährt direkt durch nach Milton Keynes, am Spielort komme ich um 16.30 Uhr an. Danach muss ich mich zum Stadion durchschlagen, aber das schaffe ich - da fahren auch Stadtbusse.

Nach dem Spiel (Anpfiff: 20 Uhr) wird (hoffentlich) der deutsche Sieg und das Weiterkommen gefeiert, dann geht es zurück (da wahrscheinlich mit dem Uber) zum Busbahnhof, und um 1.55 Uhr fährt der Bus ab. Um 4.25 Uhr komme ich planmäßig in Stansted an, zwei Stunden später geht der Flieger, sodass ich um kurz vor 9 Uhr am Sonntag Morgen wieder in Hamburg bin. Die Zugfahrt nach Hause werde ich schon schaffen, so gegen 12 Uhr müsste ich dann wieder in Hannover sein und ins Bett fallen können.

Auch wenn ich im Blog ungern mit Eurobeträgen um mich werfe, weil die einfach zu volatil sind, aber für diesen Ausflug zahle ich weniger als 95 Euro, und das beinhaltet Eintrittskarte der besten Kategorie (20 Pfund), Flüge (43 Euro) und Busfahrkarten (24 Pfund). Ja, klar, in Milton Keynes muss ich noch vom Busbahnhof zum Stadion und zurück kommen, aber das wird jetzt auch nicht die Welt kosten, und die Züge in Deutschland sind nur der Bahncard 100 wegen für mich kostenfrei, aber insgesamt werde ich für den Ausflug wahrscheinlich weniger zahlen als allein für die Eintrittskarte bei der Männer-EM. 

Und alles gebucht habe ich innerhalb von zwanzig Minuten, kurz nach Feierabend - wenn ich nicht schon (gestern!) über die wunderbaren Möglichkeiten des Online-Buchens geschrieben hätte, würde ich das jetzt machen ...

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Morgen also geht es in Richtung Brüssel, der Koffer ist so gut wie gepackt, es ist alles noch ein bisschen unwirklich, aber in 48 Stunden bin ich schon fast auf dem Weg von Punta Cana nach Montego Bay, wenn alles gutgeht, und also schon in Amerika!

Das wird alles sooooo gut! (Hoffe ich.)

Dienstag, 31. Mai 2022

Die vielzitierte liebe Seele

 ... hat jetzt, zweieinhalb Tage vor Abflug nach Jamaika, endlich ihre Ruhe: Ich habe Zimmer und Busverbindungen gebucht, sodass ich jetzt für Jamaika alles erledigt habe, was man im Vorhinein tun kann, ach nein, halt, die Einreisekarte kann ich noch online machen, das mache ich gleich noch.

Gestern Abend habe ich - endlich - ein Hotel in Negril für die letzten drei Tage gebucht. Ich hoffe, das Ding, das ich jetzt gebucht habe, ist wirklich gut, aber im Wesentlichen will ja in Negril an den Strand, und der ist vom Zimmer ja doch einigermaßen unabhängig, das wird schon passen. In jedem Fall bin ich nur wenige hundert Meter von der Bushaltestelle entfernt, sodass das so oder so hinhauen sollte.

In Kingston, wo ich zwei Nächte zwischendurch sein wollte (und werde), hatte ich ein hübsches Apartment im Auge, aber im Kleingedruckten bei meiner Buchungsseite entdeckt, dass die noch einen PCR-Test verlangen würden. Die Kontaktaufnahme per E-Mail am Sonntag und per Facebook heute klappte nicht wirklich, aber als ich dann richtig nervte und per WhatsApp schrieb, kam binnen Minuten die Antwort, dass natürlich kein PCR-Test mehr verlangt wird - die haben einfach vergessen, das im Kleingedruckten zu streichen ... So war ich beruhigt und hatte zwei Minuten später gebucht, sehr gut ...

Anschließend ging ich über zum Buchen der Busse von Montego Bay nach Kingston, von Kingston nach Negril und von Negril nach Montego Bay zurück. Das klappte alles wunderbar mit der Onlinebuchung, da bin ich immer wieder ein bisschen fasziniert, wie selbstverständlich man einen Bus in x-tausend Kilometer Entfernung buchen kann, und am Ende zahle ich für alle drei Busse zusammen unter 60 Euro. Da hätte das Mietauto so oder so nicht mithalten können, und da hätte ich auch - da hatte ich mal wieder nicht aufgepasst - einen internationalen Führerschein gebraucht, dessen Besorgung jetzt auch knapp geworden wäre ...

Was noch nicht fix gebucht ist, sind die Züge nach und von Brüssel, aber da habe ich auch schon recht genaue Pläne.

Am Donnerstag wäre es praktisch, wenn ich schon um 16 Uhr Schluss machen könnte, damit ich den IC nach Amsterdam erwische, der um 16.40 Uhr vom Hauptbahnhof in Hannover abfährt. Dann bin ich um Punkt 21 Uhr in Amsterdam und fahre um 21.28 Uhr weiter in Richtung Brüssel, sodass ich um 23.50 Uhr am Flughafen Zaventem ankomme.

Die Stunden bis zum Check-in (ich habe ja jetzt doch einen Koffer dabei) werde ich schon irgendwie überbrückt kriegen, den Brüsseler Flughafen kenne ich ja noch nicht wirklich gut, ich bin ja erst einmal dort umgestiegen. Um 8.30 Uhr am Freitag dann geht mein Flieger und erreicht um 18.35 Uhr deutscher Zeit nach zehn Stunden Flug erst einmal Punta Cana in der Dominikanischen Republik. Um 19.40 Uhr deutscher Zeit geht es weiter, und um 22.15 Uhr deutscher Zeit sind wir dann in Montego Bay. Dort wird es natürlich erst 15.15 Uhr Ortszeit sein, sodass ich Hoffnung habe, nach einer kurzen Taxifahrt in mein Hotel noch ins Meer gehen zu können. Jedenfalls wird an dem Abend, komme, was da wolle, ein bisschen das All-inclusive-Getränkebuffet erkundet ...

Am Sonntag, dem 5. Juni, geht es dann so gegen 10 Uhr im Taxi zurück zum Flughafen und um 11 Uhr mit dem ersten Fernbus nach Kingston. Dort sollte ich so gegen 16 Uhr ankommen; meine Unterkunft ist in der Nähe des Busbahnhofs, sodass ich da sicherlich am Sonntag Abend schon ein bisschen Kingston erkunden kann.

Am 7. Juni schließlich geht es um 10 Uhr von Kingston nach Negril. Die geschätzte Fahrtzeit sind fünf Stunden, sodass ich in Negril hoffentlich auch noch in See stechen könnte. Dort verbringe ich die verbleibenden drei Nächte am Seven Mile Beach - ich hoffe, das ist so schön, wie alle sagen ...

Am 10. Juni nehme ich den Bus um 9 Uhr von Negril zum Flughafen in Montego Bay und sollte dort so gegen 11 Uhr ankommen. Das ist praktisch, denn mein Flieger nach Brüssel geht um 15.35 Uhr, sodass ich genug Zeit zum Einchecken haben sollte.

Am 11. Juni lande ich um 8.30 Uhr in Brüssel und hoffe, dass ich den Zuganschluss um 10.15 Uhr an den ICE nach Köln und von dort nach Hannover erwische. In Hannover werde ich kurz duschen gehen und umpacken, denn schon bald darauf geht es wieder an den Bahnhof, denn ich bin am Abend in Erfurt zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Am Sonntag geht es dann zurück nach Hannover.

Jetzt freue ich mich richtig auf Jamaika und bin sehr gespannt auf mein 146. Land.

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In der Karte oben sind die Staaten im nördlichen Südamerika nun wieder grau, denn Jessi und Christian haben mir für eine größere Tour dieses Jahr abgesagt. Schade, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, das kriegen wir schon hin.

Wo ich die dafür vorgeplanten zehn Urlaubstage verbrate, weiß ich noch nicht, aber ich bin fast sicher, dass mir da noch etwas einfällt ... Und, ja, die werten Leser werden es (fast) als Erste erfahren.

Sonntag, 29. Mai 2022

Völlig verplant

 ... war heute morgens ausnahmsweise nicht ich (oder jedenfalls nicht nur ich), sondern die deutsche Bundespolizei. Wer deren Dienstplan aufgestellt hat, gehört wirklich noch einmal in die Vertiefungsveranstaltung "Logik", denn was diese Person da fabriziert hat, geht auf gar keine Kuhhaut: Nachdem wir - nach vergleichsweise entspanntem Flug - in Frankfurt ankamen, fuhren wir zunächst von den B-Gates in der Skyline zu den A/Z-Gates. Ich hatte mir Hoffnungen gemacht, dass schon nicht so viele Maschinen am frühen Morgen ankommen würden, aber das Gegenteil war der Fall: Die Sicherheitskontrolle dauerte schon einmal 20, 30 Minuten, aber wenigstens ging es voran.

Danach wollten wir einreisen und danach zum Lufthansa-Transferschalter, um uns die noch fehlende Bordkarte nach Zürich ausgeben zu lassen. Die Rechnung hatten wir allerdings ohne die Bundespolizei gemacht, die offenbar so langsam kontrollierte (klar, acht Mann von denen standen ja bei uns am Gate, um die offenbar dringend notwendige Vorabkontrolle auf illegal Einreisende zu machen), dass ein Flughafenmitarbeiter den Zugang zur Einreiseschlange steuern musste.

Also gingen wir - noch uneingereist - zum Lufthansa-Servicecenter, bekamen da schnell die Bordkarten und stellten uns in die Schlange, um überhaupt in den Einreisebereich vorgelassen zu werden. In der Schlange ging nix voran, aber zwei Bundespolizisten standen einfach mal hübsch (naja, mehr oder weniger) in der Gegend herum und beobachteten das Schauspiel (anstatt sich vielleicht mal zur Einreise zu bequemen und auch mal zu kontrollieren).

Auf meine Frage, ob die andere Einreise beim Gate Z20 geöffnet wäre, gaben sie mir eine falsche Antwort, denn zwei Minuten nach der Antwort "nein" wurden alle in ebendiese - angeblich nicht geöffnete - Einreise beordert. Also setzte sich die Karawane in Bewegung, um dann bei der Einreise auf zwei - in Worten: zwei! - Grenzer zu treffen, die hier kontrollierten; einer war für die EU-Bürger zuständig, einer für den Rest ...

Nachdem wir - alles in allem hatten wir, im Gegensatz zu einigen anderen Fluggästen, die sich auch mit unserem Einverständnis vordrängeln durften, weil deren Flüge praktisch schon boardeten, sogar noch Zeit - diese Prozedur überstanden hatten, liefen wir zurück zum Gate A13. Gegenüber das Gates A13 ist die Ausreise vom Gate-Bereich A zum Gate-Bereich Z - und ich traute meinen Augen nicht: Hier war alles leer, aber vier (vier!) Grenzer drehten Däumchen, und innerhalb der nächsten zwei Stunden flog vom Gate-Bereich Z ein einziger Flieger ab, sodass da die nächsten zwei Stunden kaum jemand ausreisen würde ... Je mehr ich darüber nachdenke, um so fassungsloser bin ich über die Helden von der Bundespolizei dort. Unglaublich ...

Ich aß in Frankfurt dann noch eine teure, aber durchaus schmackhafte Rindswurst und genoss es, dass es wieder Spezi im Automaten gab. Der Flug nach Zürich war ein bisschen verspätet, aber insgesamt kamen wir - nach kurzem Flug - fast pünktlich. Das Gepäck kam nicht besonders schnell, aber auch nicht furchtbar langsam, und als wir dieses hatten, riefen wir den Shuttlebus zum Parkplatz. Der kam auch 10, 15 Minuten später, und so kamen wir schnell ans Auto und von Bülach aus dann auch in endlicher Zeit nach Bonndorf.

Wie immer freute ich mich sehr auf die Dusche ...

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Ich habe eben noch Gepäck für den Flug nach Jamaika hinzugebucht, damit müsste ich dann auf der sicheren Seite sein und habe dann im Flieger nur meinen Rucksack und nicht das sperrige Handgepäck, und preislich ist das mit 25 Euro pro Flug auch noch im Rahmen. Die Fahrkarte nach Brüssel habe ich noch nicht gebucht, weil ich nicht genau weiß, wann ich am Donnerstag loskomme, aber da das ein Flexpreis ist, ist es grad egal, wann ich den buche.

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Als wir eben hier ankamen, lag schon meine neue Bahncard 100 bereit - juchhe, muss ich also übermorgen nicht mit der sperrigen vorläufigen Papierkarte fahren, sondern kann schon meine neue Plastikkarte vorzeigen ... Sehr schön!

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Fotos von der Rückreise:

Gestern Abend: Blick auf Somalia

Mittagessen beim Inder auf Eden Island

Letzter Blick auf Mahé

Samstag, 28. Mai 2022

Schnorcheln im Gras

... habe ich heute Morgen noch betrieben, weil ich es erst heute - am Abreisetag! - auf die Reihe brachte, mir mal Schnorchelausrüstung auszuleihen. Ich nahm am Ende diese neumodischen Vollmasken mit integriertem Schnorchel und muss sagen, mit den Dingern kann man echt gut schnorcheln, selbst ich mit meinem Dickschädel.

Da ich aber keine Lust mehr zum Paddeln hatte, schnorchelte ich vor unserem Hotelstrand ein bisschen herum, meinst im Seegras, einen Fisch sah ich (wir hatten mehr von der Landungsbrücke gesehen), alles also nicht so ganz das Gelbe vom Ei, aber nach Jamaika nehme ich auch Schnorchelsachen mit und werde da bestimmt auch mal in See stechen.

Apropos Jamaika: Ich habe heute Mittag kurz vor Abreise aus dem Hotel dann endlich das erste Hotel auf Jamaika gebucht, in dem ich unmittelbar nach Ankunft absteige: Zwei Nächte im All-inclusive-Hotel in der Nähe von Montego Bay werden sicherlich gut für die Erholung sein, und auch wenn das Hotel keine absolute Top-Bewertung hat, ist sie so schlecht auch nicht, das wird schon ganz okay sein. Jedenfalls wollte ich nach durchgemachter Nacht von Donnerstag auf Freitag dann bald am Hotel sein ... Die übrigen Hotels buche ich dann in den nächsten Tagen, vielleicht sogar erst, wenn ich auf Jamaika bin, das geht heutzutage ja alles ratzfatz (wenn man sich dann mal ausgekäst hat ...).

Ansonsten bestand der Morgen aus Planschen, meine Mutter ließ sich dann gegen Mittag doch noch zum Abschlussschwimm überzeugen, obwohl sie damit ihren Badeanzug noch einmal nass machte, das Frühstück war wie immer gut gewesen, alles bestens.

Gegen 13.30 Uhr zahlte ich - viel, aber ein bisschen weniger als gedacht -, um 14 Uhr ging es mit dem Bötchen rüber nach Eden Island. Wir entschieden uns, beim Inder noch ein Bierchen zu trinken und bekamen dann doch ein Hüngerchen, also aßen wir noch - sehr lecker übrigens - Gemüsebällchen und eine Kebab-Platte mit Garnelen, Fisch, Hühnchen und Lamm ...

Als das nächste Bötchen von unserer Insel kam (höhö), liefen wir in Richtung Taxis, hielten eins an, fragten, ob es frei sei, der Fahrer sagte "ja", winkte dann aber doch ein anderes Taxi heran, und das fuhr uns dann zum Flughafen. Wir checkten ein, ich bugsierte uns erst in die falsche Schlange, die war aber ewig langsam, also fragte ich - ich hatte ja schon online eingecheckt, aber keine Bordkarten ausdrucken können - nach, ob ich trotzdem am Drop-off off-droppen könnte, konnte ich, und dann ging alles schnell.

Pass- und Sicherheitskontrolle gingen schnell, dann saßen wir am Gate. Pünktlich um 17 Uhr wurde geboardet, schnell waren alle im (vollen) Flieger, sodass wir sogar ein paar Minuten vorzeitig abhoben und eine Dreiviertelstunde vorzeitig in Addis Abeba landeten.

Auch die Sicherheitskontrolle hier war nur nervig, aber schnell, meine Ma dachte, ich hätte sie ausgesetzt, weil ich beim Einkaufen von Getränken ein bisschen trödelte, aber so verplant, dass ich mich ohne Pass und Bordkarte aus dem Staub mache, war ich dann doch nicht, und jetzt warten wir hier aufs Boarding.

Eben fragte noch ein Typ, ob hier das Gate nach (murmelmurmel) wäre, ich fragte nach, meine Ma verstand "Thailand", dann wurde der Held sauer und brüllte "Cairo". Depp, was weiß denn ich? Am Ende stellte sich heraus, dass vor unserem Flug nach Frankfurt hier am Gate A13 der Flieger nach Kairo abgefertigt wurde - aber das kann ich ja nicht ahnen, Freund Nase!

Jedenfalls geht es gleich um 23.30 Uhr in Richtung Frankfurt, dort kommen wir um kurz vor sechs Uhr morgen früh an, wir gehen durch Sicherheits- und Passkontrolle (vielleicht fahren wir auch mit dem Non-Schengen-Wagen der Skyline) und fliegen dann um 7.45 Uhr weiter nach Zürich, wo wir um 8.40 Uhr ankommen. Aber das berichte ich morgen oder übermorgen. 

Das WLAN hier in Addis ist nicht so brennend gut, deswegen lade ich jetzt keine Fotos hoch.

Freitag, 27. Mai 2022

Das Beste kommt zum Schluss

Nun würde ich nicht sagen, dass es hier auf der Insel Cerf schlecht ist, das keinesfalls (wir kommen gerade vom Abendessen, und da meine Ma ausnahmsweise keine kreolische Tomatensauce bekam, war sie hochzufrieden mit ihrem sautierten Hühnchenfleisch, auch wenn wir - wie vor Tagen schon einmal, im Scherz, befürchtet - denen die Garnelen leergefuttert haben, denn die gab es nicht mehr ...), aber der Ausflug heute nach Praslin und La Digue war schon noch einmal ein Höhepunkt unserer Reise.

Das war gestern alles auf den letzten Drücker: So verplant bzw. wenig planend bin ich selten an einen Urlaub herangegangen, und meine Ma wollte schon gerne mal eine Coco de mer sehen, und vielleicht einen Strand auf Praslin. Also ging ich gestern Morgen mal an die Rezeption und fragte, ob sie noch was für uns finden könnten, denn die offiziellen Fähren waren schon ziemlich ausgebucht - eine planerische Fehlleistung sondergleichen meinerseits, herzlichen Glühstrumpf!

Unser Concierge telefonierte und machte und tat, und tatsächlich gab es noch für - für seychellische Verhältnisse - günstige Preise einen Ausflug nach Praslin und La Digue, das hatte ich ja nicht mal mehr zu träumen gewagt. Die Buchung klappte, wir dankten sehr herzlich, aber der Wermutstropfen war, dass wir heute um 6.30 Uhr abfuhren (ursprünglich war von 6.15 Uhr die Rede, also standen wir um 6.10 Uhr an der Landungsbrücke).

Wir fuhren also mit dem Bötchen des Hotels rüber zur Eden Island, wurden dort praktisch ohne Wartezeit abgeholt, nach ein bisschen Verwirrung stieg ein Pärchen zu, bei dem sich herausstellte, dass er Deutscher ist, aber jetzt - Corona und der deutsche Staat und so weiter - in Dubai lebt und arbeitet, sie aber sprach kein Deutsch - aber am Ende sprach er für zwei, mindestens - und so ging es ein paar Minuten zum Ablegepunkt.

Dort zahlten wir unseren Obolus, wurden in ein Schnellboot verfrachtet ("Maske tragen!"), verließen den Hafen, die Reiseführerin zeigte "Daumen hoch", alle zogen die Masken aus, und so ging die Fahrt eineinviertel Stunden nach Praslin. (Die Reiseführerin erklärte uns später, dass offiziell halt noch Maskenpflicht besteht und dass an Land halt noch Leute zuhören, aber sobald man dann an Bord und außer Hörweite ist, interessierten die Regeln keinen mehr.)

Das Wetter war den ganzen Tag traumhaft schön, und also auch die morgendliche Fahrt nach Nordosten. Es ging an Cerf und Longue und Ronde und Moyenne und Ste. Anne vorbei (alles Inseln hier im Hafenbereich) und dann - einige Leute an Bord orderten Tüten, um sich der Reisekrankheit anheimzugeben - über (für mich) recht ruhiges Wasser nach Praslin.

Dort kamen wir an, stiegen in Busse um (denen wir anhand der Farben unserer Armbändchen zugeteilt wurden) und fuhren ins Vallée de mai ziemlich zentral auf der Insel. Hier ist die "Heimat" der Coco de mer, einer Palmenart, die es nur auf den Seychellen gibt, und die den größten Samen aller Pflanzen auf Gottes (oder sonstjemandes) Erde besitzt.

Es dauert 30-35 Jahre von der Bestäubung bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Pflanze selbst einen Samen aussetzt, und unsere Reiseführerin berichtete - es klang sehr sachkundig - über den sehr strengen Schutz dieser Pflanze auf den Seychellen.

Die eigentliche Weltkulturerbestätte besuchten wir nicht (25 Euro Eintritt, die in der Tour nicht enthalten waren, für die aber auch keine Zeit gewesen wäre), aber sowohl meine Ma als auch ich hatten den Eindruck, dass wir erfahren hatten, was wir erfahren wollte - meine Ma war jedenfalls glücklich, eine Coco de mer gesehen zu haben, und damit war der Sohn auch glücklich.

Es ging weiter - über die Länge der Insel - bis zum Strand Anse Lazio, und hier gefiel es meiner Ma auch richtig gut. Denn hier gab es nicht nur sandigen Boden bis zum Horizont (gefühlt), sondern auch viele der für die Seychellen so typischen Felsen, die am oder auch im Wasser waren. Zudem war das Wasser recht warm (auch wenn es hier einen Zufluss eines ziemlich grünlichen Flüsschens gab, so ganz richtig appetitlich war das dann auch wieder nicht, aber ein paar Meter weiter war dann alles bestens), kurz, in der Stunde, die wir da hatten (war ja alles zeitlich recht eng getaktet), genossen wir Sonne, Strand und Meer ... Wenn wir nochmal auf die Seychellen kommen, könnte man sich ja durchaus in dem Guesthouse da am Strand einmieten, mal sehen ...

Es ging mit dem Minibus zurück - die Straßen auf Praslin sind sehr verwinkelt, und es geht auch mal bergauf und bergab - zur Jetty, und von dort die Viertelstunde hinüber nach La Digue.

In La Digue entschieden wir uns gegen das Fahrradfahren und für die Fahrt mit dem Truck, der dort - in einem seeeeehr karibisch wirkenden Städtchen - als Busersatz dient. Damit wurden wir zum Mittagessen in einem Buffetrestaurant kutschiert, dort gab es - Maskenpflicht am Buffet, sonst nicht -  durchaus leckeren warmen Fischsalat, vegetarisches Curry (recht scharf) und gute Kohlsalate. Dazu wurde Bier konsumiert, erst aus der Flasche, dann, nachdem der Schlauch repariert war, aus dem Fass, aber die letzten Schlucke wurden per Druckbetankung absorbiert, weil Madame zum Aufbruch drängte.

Weiter ging es mit dem Truck, wir machten spontan bei den Riesenschildkröten Station (hier gab es mehr als auf Moyenne, aber so richtig freie Wildbahn ist das da auch wieder nicht, sodass ich trotzdem nicht der Ansicht bin, dass wir uns die Paddelei nach Moyenne hätten sparen können), und eine Viertelstunde ging es zum angeblich meistfotografierten Strand mindestens der Seychellen.

Und, ja, tatsächlich, diese Granitsteine, die da in der Gegend herumliegen, teilweise wie Theaterattrappen wirken (aber durchaus felsenfest sind!), das ist so ungefähr das, wie man sich "die Seychellen" vorstellt. Auch hier schwammen wir eine gute Stunde, auch wenn hier der Untergrund mal sandig, mal steinig-korallig und auch mal ab und zu gemüsegartenartig war, ein Typ mit einer Drohne ging (mir) auf den Senkel, und nach einer guter Stunde zogen wir uns dann wieder an und liefen - meine Ma rannte auf kurzer Strecke gefühlt dreimal mit dem gleichen Zeh gegen unterschiedliche Steine - zurück zum Aufladepunkt.

Dort tranken wir noch einen (sündhaft teuren) Eistee, ehe es im Truck zurück zur Jetty und dann eineinhalb Stunden mit dem Schnellboot zurück nach Victoria auf Mahé ging. (Unsere Schuhe wurden immer vor dem Boarding eingesammelt und uns nach dem Aussteigen wieder zur Verfügung gestellt, ich vermute, das ist, damit die mal durchzählen können, ob sie alle haben ...)

Wieder ging es mit dem Minibus zum Bootsanleger auf unsere Insel, aber da war kein Boot. Unsere Busfahrerin rief - anscheinend kennt hier jeder im Tourismusbusiness jeden anderen - bei uns am Hotel an, und eine Viertelstunde kam das Bötchen angeschippert. Der Concierge (so bezeichne ich ihn jetzt einfach mal) musste noch Eis und Toast im Spar einkaufen, wir warteten auf ihn, dann ging es - im fast schon Dunkeln - zurück auf die Insel.

Unser Ober vermisste uns schon und dachte, wir essen fremd, aber wir bestellten noch spät für in einer Stunde das Abendessen, duschten und gingen dann die paar Schritte ins Restaurant. Heute reichte uns ein Bier, das aber noch mit einem Takamaka-Rum (durchaus lecker!) veredelt wurde - Espresso gibbet es hier nich!

Jetzt ist es um die 22 Uhr, wir sind bettfertig, morgen schlafen wir aus, genießen noch einmal ein paar Stunden das Meer und den Blick auf Mahé, bis es so gegen 13 Uhr rüber nach Eden Island und um 17.45 Uhr in Richtung Addis Abeba geht. Dort steigen wir morgen Abend um, fliegen nach Frankfurt, reisen dort in den Schengenraum ein und fliegen dann noch weiter nach Zürich. Mal sehen, ob wir in Bonndorf noch ins Schwimmbad gehen, aber der Abschluss eines erfolgreichen und wunderschönen Urlaubs wird auf alle Fälle gefeiert, und zwar dort, wo Urlaube bei uns üblicherweise enden, beim Schnitzer-Wirt (und nicht "-Wert", wie ich neulich im Eifer des Gefechts schrieb ...).

Blick von unserer Landungsbrücke in Richtung Sonnenaufgang

Blick vom Boot

Hui!

Unser Boot

Coco de mer mit unbekannter Frau

Strand auf Praslin

Coco de mer

Felsen am Strand auf Praslin

Schildkröten auf La Digue

Strand auf La Digue

Da hat aber jemand Hunger!

Strand auf La Digue

Symbolbild La Digue (viele Fahrräder, Granitfelsen)

Donnerstag, 26. Mai 2022

Haifischalarm beim Ritter der Kokosnuss

"Was hat der denn heut' genommen?", wird sich mancher Leser fragen, doch er möge warten, denn alles wird sich aufklären.

Das war heute eigentlich ein ganz gemütlicher Tag, bis auf eine kleine Planung, aber über die verrate ich jetzt noch nichts, das kommt ja schon morgen.

Wir standen gemütlich auf, gingen frühstücken und dann auf die Landungsbrücke, denn wir wollten Fischchen gucken. Meine Ma hatte extra Brot abgestaubt, das verfüttert wurde, da waren gestreifte, kleine Fischchen, die richtig großen Hunger hatten, denn die kamen aus der Tiefe, überraschten die größeren, bunten Fische mit so einer Art Schwert vor dem Maul (aber, nein, es waren keine Schwertfische) und fraßen ihnen die Brotstücke vor der Nase weg. Wir waren gerade fertig, da schwamm so ein kleines Haichen unter uns durch, entschied sich dann um, war doch wieder auf der ursprünglichen Seite der Landungsbrücke, aber Fotos habe ich geschossen von dem Haichen ... Scheeeee!

Danach legte meine Ma sich auf eine Liege, während ich noch einmal versuchte, die gegenüberliegende Seite der Insel zu Fuß zu erreichen. Ich lief den Weg entlang, den ich als aussichtsreich erkoren hatte, da stand ein Wachhund, der begleitete mich aber nur, markierte vor mir an einem Busch sein Revier, ich kam an einem Wohnhaus vorbei, irgendwie war das alles komisch, im Hintergrund stand eine Riesenschildkröte (lebt also mindestens eine auch hier auf der Insel), das war alles nicht so richtig meins, daher brach ich den Versuch zeitnah ab und ging zurück ans Hotel. Wie? Fragen hätte man mal können? Nix da, sportlicher Ehrgeiz, das selbst herauszufinden und so ...

Jedenfalls gingen wir ins Meer, und bei diesem ersten Schwimm (jaha, das heißt so, schönen Gruß nach Wiesbaden!) des heutigen Tages trat ich auf eine Kokosnuss im Meeresboden. Die Kokosnuss wurde geborgen, das Wasser entlassen und kaum war das geschehen, trat ich auf eine zweite Kokosnuss (dazwischen hatte ich auch kurzzeitig eine Bierdose geborgen, aber die ließ ich schnell wieder fallen) ... Und nun spielte ich mit diesen beiden Kokosnüssen im Meer Boccia, indem ich die große ins Wasser warf und dann versuchte, diese mit der kleinen Kokosnuss zu treffen.

Meist stimmte entweder die Länge oder die Richtung, selten beides, ich hoffe, man hat mir nicht zu intensiv zugeschaut, sonst hätte der eine oder andere ein Schleudertrauma davongetragen, vom Hand-ins-Gesicht-Schlagen ...

Nun denn, wir verzichteten auf das Mittagessen, ich auch auf die erneute Paddelattacke zur Île Ronde (die fehlt mir ja noch, unverzeihlich, dass wir die nicht mitgenommen haben, so hätte ich eine Seychellen-Insel mehr in der Zählung gehabt ... Wie? Graf Zahl? Ich? Mon dieu, wo denkt der Leser hin?!), sondern wir lagen und saßen nur faul in der Gegend herum. So darf (und sollte?) Urlaub ja auch sein ...

Wir machten noch (im Regen) einen zweiten und ich später einen dritten Schwimm, guckte nebenher nach Hotels und Busverbindungen auf Jamaika (immer wieder schön, im Urlaub schon den nächsten Urlaub zu planen), ging dann duschen, ehe wir schließlich endlich um 19 Uhr beim Abendessen aufschlagen konnten, ohne dass es peinlich war (offiziell ist ab 19.30 Uhr Essenszeit, aber einige Zimmer schlagen schon früher auf ...)

Heute war das Abendessen auch komplett nach Mutters Geschmack gewesen, der Thunfisch-Salat war sehr lecker, mein Garnelen-Curry ebenfalls, und Mutters frittierte Garnelen wurden auf ihre Bitte hin mit von unserem Kellner höchstselbst hergestellter Knoblauchmajonäse (das sieht immer noch arg schräg aus), also Knoblauchmayonnaise (ja, besser), veredelt. Alles gaaaaaanz lecker! (Ja, getrunken wurde auch was, vielen Dank der Nachfrage!)

Jetzt geht es ins Bett, denn morgen steht noch ein kleiner (höhö) Abschlussausflug an ...

Mal gucken, was das jetzt mit den Fotos wird (von den Kokosnüssen gibt's keine, die eine ist zerbrochen und dann gesunken, die andere habe ich dann auch versenkt):

Unser Strand

... mit Haichen