Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Montag, 10. August 2020

Hund schwimmt durch Rhein

Ich hatte gerade meine Feierabendwanderung in Ellikon am Rhein gestartet, als ich meinen Augen nicht traute: Ich dachte, die Frau, die da durch den Rhein schwimmt, spricht beruhigend auf ihr Kind ein, dass es nur noch ein kleines Stückchen sei, aber als ich genauer hinschaute, sah ich einen armen Wauwau ziemlich panisch in Richtung Land paddeln. Sie haben es, denke ich, geschafft, der Hund und sein Frauchen, und ich fürchte, irgendwann muss ich es dem Hund nachmachen und die deutsch-schweizerische Grenze schwimmend (oder was ich dafür halte ...) überqueren.

Heute stand aber erst einmal eine andere Art des Übertritts über die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz an, nämlich auf einer Rheinfähre. Nun bin ich mit meiner Mutter schon ab und zu von Deutschland in die Schweiz über den Bodensee gefahren, aber so richtig auf einem Boot über den Rhein in seiner flusslichen (und nicht in seiner [boden]seelichen Gestalt) war ich, glaube ich, noch nie. (Heute Nacht fällt mir der Gegenbeweis ein, aber bis dahin bleibe ich bei meiner Ansicht.)

Ich fuhr also mit dem Auto meiner Mutter (die Mutter selbst streikte heute, weil ich ihr gestern ihren Faulenzersonntag geklaut hatte) nach Stühlingen, über den Zoll nach Schleitheim, über Neuhausen nach Jestetten, dann in Richtung Lottstetten-Nack und dort links runter in den Wald zur Nackermühle. An der fährt man vorbei, kommt auf eine Schlagloch-Schotterpiste und landet dann nach einigen Minuten an einem gut ausgebauten Waldparkplatz.

Dort stellte ich das Auto ab, lief kurz zum Grenzstein Nr. 1, den ich am 25. Juni (auf der letzten Tour vor meinem Knieproblem) schon besucht hatte, und dann den Pfad hinunter zum Rhein. Dort steht ein Pfosten mit einem Gummiadler (also, ein Hoheitszeichen der Bundesrepublik Deutschland), eine Glocke und ein roter Knopf mit Sprechanlage. Wenn man mit der Fähre über den Rhein fahren will, muss man die Glocke läuten und den roten Knopf drücken. Das tat ich (ich glaubte, mein Glockenschlag sei zaghaft gewesen, aber das läutete ganz gut, wenn man direkt danebensteht) - und nichts geschah. Menno.

Es gesellte sich ein Pärchen zu mir, die zugucken wollten, was ich da mache, und die feuerten mich an, nochmal zu klingeln. Das tat ich dann nach einigen Minuten, als immer noch nix ging, diesmal läutete ich dreimal ... Ah, da drüber bewegt sich was ...

Der Fährmann (Hans, wie ich später erfuhr) kam aufs Boot und setzte das Ruder so, dass die Strömung des Rheins (da ist kein Motor an dem Boot) die Rüedifaar von der Schweizer auf die deutsche Seite bugsierte. Dort begrüßte er mich (wir beide trugen Maske, weil das auch in der Schweiz seit Anfang Juli in allen öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht ist) und setzte, nachdem er wieder abgelegt (und das Desinfektionsmittel abgebaut hatte - war wohl seine letzte geplante Tour für heute), das Ruder jetzt so, dass die Strömung des Rheins uns wieder zurückbrachte (jetzt war das Seil zwischen Führseil über den Rhein und Boot gespannt)

Drüben zahlte ich 3 Franken für die dreiminütige Fahrt, aber das war das Erlebnis wert.

Ich startete meine Tracking-App und lief durch den Wald am Rhein entlang. Ich war der einzige Mensch weit und breit, der nicht Badeklamotten anhatte, denn im Wald und am Rhein waren ziemlich viele Menschen zugegen, die auch hier ein paar hundert Meter den Rhein hochliefen und sich dann von der Strömung zurücktragen ließen.

Ich hatte tolle Ausblicke auf den Rhein, doch am Kraftwerk in Rheinau ging es eine steile Treppe hinauf, bis ich schließlich auf der Ebene des Örtchens Rheinau ankam ... Ich hatte geplant, zur Klosterkirche auf der Rheininsel zu wandern, das dann aber doch gestrichen, weil es heiß war und ich schwitzte, mich dann aber wieder umentschieden, zumindest mal zu gucken, wie das da so aussieht. Also lief ich in den Ort hinein, vorbei an einigen sehr schönen Fachwerkhäusern und sah die Klosterinsel.

Die Öffnungszeiten zogen mich aus der Affäre, denn die Klosterkirche war schon zu, sodass ich - ohne Abstieg an den Rhein auf dieser Seite - wieder kehrtmachte. Rheinau liegt in einer Schleife des Rheins, sodass ich auf der anderen Seite des Städtchens dann doch zum Rhein abstieg und über eine weitere gedeckte Brücke wieder nach Deutschland wanderte.

Hier war ich 21. Mai schon vorbeigekommen, doch nun nahm ich den Weg in umgekehrter Richtung (damals war ich über den Rafzerstein und Lottstetten nach Balm und - an der Brücke nach Rheinau vorbei - weiter nach Nohl gelaufen). In Balm wählte ich allerdings den etwas längeren, vermeintlich flacheren Anstieg anstatt den steilen Anstieg direkt an dem Grillplatz, den meine Mutter auch schon kennengelernt hat. Zum dritten Mal wusch ich meine Hände im Dorfbrunnen in Balm und lief dann - an der Kläranlage vorbei - zur Uferwiese in Nack.

Eine letzte steile Treppe folgte, dann war ich an meinem Auto, trank erstmal eine ganze Flasche Wasser leer und fuhr dann - wieder über Neuhausen und Schleitheim/Stühlingen - zurück ...

Auch das war wieder eine schöne, durchaus nicht unanstrengende Wanderung, mal gucken, ob ich morgen mal Pause mache, das hängt sicherlich auch ein bisschen vom Wetter ab ...

Die Glocke muss man läuten

Die Rüedifaar auf dem Weg nach Ellikon am Rhein ...

... hängt fest am Seil

Der Rhein zwischen Ellikon und Rheinau

Bunkeranlage am Rhein

Rheinau I

Rheinau II

Rheinau III - Klosterinsel

Blick von der Rheinbrücke Rheinau-Altenburg

Rheinbrücke

Grenze mit Schmuggelwasser

Abendstimmung am Rhein auf deutscher Seite I

Abendstimmung am Rhein auf deutscher Seite II

Abendstimmung am Rhein auf deutscher Seite III


Sonntag, 9. August 2020

Erholen und die Verletzten bergen

 ... sollte ich die Schweizer lassen, meinte eine gute Freundin, nachdem ich sie um Rat gefragte hatte, ob ich heute nach Frankreich wandern oder aber den fünften Tag in Folge in die Schweiz einreisen solle (gestern war es mit dem Auto nach dem Hosenkauf in Stühlingen), aber da hatte ich das Auto meiner Mutter schon nach Jestetten-Altenburg kutschiert und war losgewandert.

Die Wanderung startete auf deutschem Boden, binnen weniger Sekunden war ich aber auf Schaffhauser Gebiet, nur um auf einen SH-ZH-(oder vielmehr CS-CZ)-Grenzstein in Nohl zuzuschießen, also einen Grenzstein zwischen den Kantonen Schaffhausen und Zürich - den Grenzstein zu Deutschland fand ich leider nicht, der ist wahrscheinlich wirklich unter einem Auto begraben ...

Ich lief auf Schaffhauser Straße (unmittelbar rechts davon begann Zürcher Gebiet) in Richtung Rheinfall, bog dann auf Gebiet des Kantons Zürich ein, stieg eine Treppe zum Rhein hinunter und war wenige Minuten später wieder auf Schaffhauser Gebiet ...

Ich war nicht wirklich überrascht, dass der Rhein da ein bisschen aufgewühlt war, denn ich bewegte mich schnurstracks auf den Rheinfall zu. Ich überholte die Masse an sehr vielen unglaublich langsam laufenden Menschen, hielt Abstand so gut es ging (es ging eher nicht gut), machte trotzdem hie und da ein schönes Fotochen, ging die Treppen hoch, schwitzte wie ein Gaul und lief dann vom Rheinfall weg, aber weiter schön am Rhein entlang.

Über ein Brückchen verließ ich Neuhausen am Rheinfall und den Kanton Schaffhausen und betrat mit Flurlingen erneut den Kanton Zürich. Flurlingen ist ein richtig schönes Städtchen, auf einer Rheinterrasse waren ganz viele junge Leutchen, ich enttarnte mich mit unschweizerisch krächzfreien "Grüezi" unmittelbar aus Deutscher, lief weiter (ich hatte erst zwei Kilometer oder so hinter mir) und kam dann auf einen von zwei Flecken Schaffhauser Gebiets, die südlich des Rheins (also hier linksrheinisch) liegen - den Zugangsweg zum Kraftwerk Schaffhausen (das andere Gebiet ist bei Stein am Rhein).

Hier lief ich, stets mit Blick auf die Schaffhauser Innenstadt, durch eine richtig schöne, grüne Uferpromenade, sah erstmals so richtig den Munot, die Schaffhauser Festung, und die Rhybadi, das Rheinschwimmbad, ehe ich auf Feuerthaler Gebiet kam (auch noch Zürich) und schließlich über eine weitere Rheinbrücke in die Stadt Schaffhausen, Kanton Schaffhausen zurückkam.

Am Rheinquai ging ich entlang, etliche Gaststätten und Imbisse waren hier, und am Rheinufer sowie im Rhein lagen und schwammen die (Sonnen-)Badenden, hier machte ich nach sieben Kilometern unter einem schattigen Baum mein erstes Päuschen ...

Das Rheinufer in Richtung Büsingen zieht sich, aber nach endlicher Zeit gelangte ich im Ortsteil Stemmer der deutschen Exklave Büsingen, Landkreis Konstanz an mein erstes Zwischenziel. Ich entdeckte den Grenzstein Nr. 123 Büsingen-Schaffhausen, machte einen kleinen Abstecher durchs Wohngebiet, kam aber bald wieder an die Hauptverbindungsstraße, die durch Büsingen führt ...

Büsingen ziiiiieht sich, es ging an allerlei Badeplätzen (großteils privat, manche öffentlich), dann durchs Örtchen am Rathaus und der Sparkasse vorbei, ehe ich am Ortsausgang nach rechts in Richtung Rhein (und Wald) abbog ...

So langten fingen die Beine an zu schmerzen, aber als ich im Wald unterwegs war, fühlte sich der Schatten (ich schwitzte natürlich bei der Hitze wie eine Sau und hatte viel zu wenig zu trinken dabei) so richtig schön kühl an. Auch in Büsingen scheint man "Grüezi" zu sagen, also brummelte ich mir das auch in den Bart ...

Am Waldheim hätte ich zum Grenzstein Nr. 3 den Berg hochgemusst, Nr. 2 fand ich nicht (war womöglich auf Privatgrund) und Nr. 1 liegt als Findling im Rhein, und ich hatte wieder keine Badeklamotten dabei, also kein Grenzstein mehr in Sicht zwischen Büsingen und Schaffhausen.

Ich lief auf Gebiet der Gemeinde Dörflingen (Schaffhausen) ein paar hundert Meter, bis ich zum Grenzstein Nr. 980 der Hauptkette zwischen Schaffhausen und Baden kam und also schon wieder in Deutschland angekommen war (diesmal in Germany proper, also im Hauptgebiet der Bundesrepublik, nix Exklave und so).

Es ging auf Gailinger Gebiet einen kleinen Hügel hoch, der jetzt aber - nach 15 Kilometern und bei gefühlt 30 Grad Hitze - richtig wehtat. Es wurde etwas besser, als ich das wunderschöne mittelalterliche Örtchen Diessenhofen auf der Schweizer Rheinseite erblickte, denn damit war die Grenzbrücke (über die ich noch wollte) und der Schlussspurt nahe ...

Einige Jungs (und Mädels?) sprangen von der gedeckten Holzbrücke in den Rhein (die achteten drauf, dass gerade keine Boote kamen), ich lief an ihnen vorbei, sah - glaube ich - die unmarkierte Grenzmarkierung (jaja, hab zuwenig getrunken, "unmarkierte Grenzmarkierung", passt aber in dem Fall, das war nur eine Warnbake und ein orangener Punkt auf der Straße), war kurz im Kanton Thurgau und zockelte dann zurück über die Brücke und ein paar hundert Meter mit heraushängender Zunge (ich hatte im Wald in Büsingen mein letztes Wasser getrunken) zum Parkplatz, an dem meine Mutter wartete, mich einsammelte und nach Hause verfrachtete, natürlich nicht ohne weitere Grenzüberquerungen (Gailingen/Dörflingen, Dörflingen/Büsingen, Büsingen/Schaffhausen, Schleitheim/Stühlingen). Daheim füllte ich erstmal meinen Wasser- und Zucker-Haushalt wieder auf, jetzt geht es mir wieder gut (ich war nicht dem Tode nah, aber anstrengend war es durchaus ...).

So, das waren heute 16,56 km, insgesamt habe ich (ohne die Taunus- und Pfälzerwald/Vogesen-Tour) in diesem Sommer jetzt über 597 Kilometer im Schwarzwald absolviert. Der Parkplatz in Gailingen war der östlichste Ort meiner Wanderungen. Insgesamt habe ich auf den Wanderungen hier in der Gegend sechs deutsche Kreise und seit heute vier Schweizer Kantone besucht sowie 62 Gemeinden (42 in Deutschland und 20 [!] in der Schweiz), davon acht heute erstmals (Neuhausen am Rheinfall, Flurlingen, Schaffhausen, Feuerthalen, Büsingen, Dörflingen, Gailingen und Diessenhofen).

Der höchste Punkt war auf dem Feldberg (1493m, auch wenn meine App mir nur 1481m anzeigt), der niedrigste Punkt in Müllheim auf 270m. Der  nördlichste Punkt war in Donaueschingen bei 47° 57' N, der südlichste vorgestern am Kraftwerk Reckingen bei 47° 34' N, der westlichste Punkt war in Müllheim bei 7° 37' O und der östlichste heute in Gailingen bei 8° 45' O.

Sooo, genug der Statistik, Fotos habe ich natürlich auch mitgebracht, und anders als bei Heidi kriegt nicht nur jeder eins, sondern jeder kriegt sogar 13!

Grenzstein Schaffhausen-Zürich in Nohl

Blick auf Nohl und Rhein

Rheinfall von unten

Rheinfall von oben

Komischer Grenzverlauf zwischen Schaffhausen und Zürich

Blick auf Munot (Schaffhausen) und Rhybadi

Letzter Grenzstein Nr. 123 zwischen Schaffhausen und Büsingen

Auf deutschem Gebiet, aber Schweizer (Geld im) Hosensack, so meine Interpretation

Schönes Haus in Büsingen

Blick auf Diessenhofen

Rheinbrücke

Diessenhofer Brückenspringer

Blick von der Brücke auf Diessenhofen


Freitag, 7. August 2020

Türgriff deutsch, Scharnier schweizerisch

 ..., so sieht am Grenzübergang auf dem Gelände des Kraftwerks Reckingen am Rhein aus. Wer sich das nicht vorstellen kann:

Links Deutschland, rechts Schweiz, mein Schatten auf der Grenze

Aber von Anfang an: Meine Mutter und ich fuhren bis zur letzten Wutachbrücke vor ihrer Mündung in den Rhein zwischen Tiengen und Waldshut. Dort stieg ich aus und lief schnurstracks auf Küssaberger (nicht Küssaburger, wie ich neulich behauptet hatte) Gebiet an den Rhein. Am Rhein entlang ging es - einen kleinen Hügel hinauf - in den Wald, bis ich schließlich auf einem Wanderweg über dem Rhein war, von dem aus es 20 Meter einen Abhang herunter zum Rhein gewesen wäre. Ich schaute, dass ich da nicht abstürzte (erfolgreich), rannte aber - nachdem ich wieder abgestiegen war und mich fast wieder auf Rheinniveau befand - fast eine Frau um, weil die plötzlich aus dem Gebüsch kam (ich schwöre!), als ich gerade schaute, wo genau ich Küssaberger Gebiet betreten hatte ...

Es ging weiter am - ziemlich schnell fließenden - Rhein entlang, was aber Dutzende Menschen nicht davon abhielt, im Fluss zu baden. Ich hatte keine Badeklamotten dabei, wollte aber auch nicht so recht schwimmen gehen, also blieb ich auf den Wanderwegen und schwitzte vor mich hin ...

Ich kam in Kadelburg am Fähranleger vorbei (die Rheinfähre, die an einem Seil geleitet wird, fährt aber nur im Sommer und nur am Wochenende, sodass ich heute keine Chance hatte) und lief weiter in Richtung Rheinheim, vorbei an etlichen Schrebergärten, fast immer direkt am Rhein, es war sonnig und heiß, aber alles in allem erträglich ...

In Rheinheim ging es über die Grenzbrücke nach Bad Zurzach hinüber (mit Skulptur und, noch wichtiger, Grenzplakette!), aber wenige Minuten später war ich - ich überquerte binnen weniger Minuten zweimal die Straße am Rhein entlang - wieder zwischen Rhein und Schwimmbad unterwegs. Das Schwimmbad war voll, von den Autokennzeichen auf dem Parkplatz her war gefühlt die Hälfte aus Deutschland herübergekommen, aber ich marschierte weiter, immer weiter in Richtung Rekingen.

Der Rekingen gegenüberliegende deutsche Ort heißt Reckingen, und weil sich das Verwaltungsgebäude des Kraftwerks auf deutschem Gebiet befindet, ist das Kraftwerk nach dem deutschen Ort (also mit "ck") benannt. Zu diesem Kraftwerk, dessen Schweizer Berührpunkt allerdings schon in der Gemeinde Mellikon liegt, wollte ich, denn das sollte ein offizieller Grenzübergang sein.

Das Tor war glücklicherweise offen (der am Tor angebrachte Hinweis, dass die Schweizer Behörden den Übergang kurzfristig geschlossen hätten, hatte also keine Gültigkeit), also latschte ich über die Mauer, sah eine ordentlich mit Plakette und Grenzlinie markierte Staatsgrenze, sah den Gummiadler an dem alten Zöllnerhäuschen und war also wieder ins Vaterland zurückgekehrt.

Es ging nochmal einen Kilometer auf einem Feldweg, bis ich - quasi zeitgleich mit meiner Mutter - am geplanten Parkplatz ankam. Da ich aber die Gemeine Hohentengen am Hochrhein noch nicht berührt hatte, lief ich ein bisschen weiter, ein bisschen zu weit, denn plötzlich war der Weg von der Straße nicht mehr einsehbar. Ich lief weiter zur nächsten Einmündung in die Straße, nach wenigen Minuten fand meine Mutter mich und wir fuhren heim.

Heimfahren so ganz ohne neuerlichen Grenzübertritt wäre ja langweilig gewesen, also fuhren wir in Erzingen über die Grenze und nach Hallau und weiter durch die Weinberge in den Ortsteil Hausen, den ich schon mehrfach erkundet hatte. Nach der Wiedereinreise nach Deutschland auf der fast unmarkierten Kreisstraße ging es über Stühlingen und den Kalvarienberg zurück nach Bonndorf.

Schöne Tour war's, und der südlichste Punkt meiner bisherigen Schwarzwaldwanderungen wurde am Südzugang des Kraftwerks auch erreicht - juchhe. Außerdem habe ich jetzt alle Gemeinden im Ostteil des Landkreises Waldshut besucht, nur im Westteil gibt es noch einen Haufen weißer Flecken ... Mal sehen, vielleicht bin ich noch ein bisschen im Schwarzwald unterwegs.

Fotos:


Am Rhein in Küssaberg

Rheinweg

Badende im Rhein

Rheinkilometer 95

Rheinbrücke Küssaberg-Bad Zurzach

Grenzplakette

Bollwerk gegen deutsche Invasoren


(Ehemaliges?) Zollamt auf dem Kraftwerksgelände

Kraftwerk Reckingen


Donnerstag, 6. August 2020

Borderliner (mod 50 m)

Oh Mann, was soll das denn schon wieder heißen?

Nun, ein lieber Freund bezeichnete mich ob meiner Grenzsteinobsession als "Borderliner", denn natürlich überquerte ich bei vielen Wanderungen mehrfach Grenzlinien. Und "mod" ist die Abkürzung für "modulo", und während die genaue Erläuterung der mathematischen Bedeutung zu weit führen würde, kann ich sagen, dass ich - bis auf, gewissermaßen modulo 50 m - seit heute auch Stühlingen umrundet habe.

Gestern fuhr ich - am Spätnachmittag - nach Eberfingen und parkte auf dem Friedhofsparkplatz. Von dort machte ich mich auf in Richtung Bundesstraße 314, überquerte diese, lief dann die Kreisstraße in Richtung Grenze hoch, bog vor der Grenze links ab und wollte bis zum Eingang in die Teufelsküche wandern, um dort den Anschluss an vorangegangene Wanderungen zu erreichen.

Allerdings bog ich ungefähr 50 Meter vor Erreichen des Anschlusspunktes auf einen anderen Waldweg ab, da ich davon ausging, dass ich schon irgendwie in der Teufelsküche landen würde ... Dies allerdings war ein Trugschluss, denn obwohl ich einen steilen Berg hochlief, kam ich in der Teufelsküche nie an. Die Treppe, die auf meiner Wanderkarte eingezeichnet war, fand ich nicht, sodass ich die Grenze in die Schweiz überquerte und dort weiterlief. Unglücklicherweise hatte ich dadurch aber eben die Verbindung zu vorhergegangenen Wanderungen nicht hergestellt; das wird nachgeholt, und die 50 Meter waren für die Feier des Ringschlusses heute Abend dann grad egal ..

In der Schweiz ging es dann über einige Höfe in Hausen (einem Ortsteil von Hallau) wieder in den Wald. Dort lief ich - auf sehr guten Wegen - an einer Hütte vorbei und landete schließlich in der Nähe der Wutach. Ich hatte nun die Wahl, weiter nach Eggingen zu laufen (und hätte aber zurück gemusst) oder aber die Runde abzubrechen und zurück nach Eberfingen zu laufen. Ich entschied mich für Abbruch, gerade weil ich nicht sicher war, ob ich vor Sonnenuntergang die große Runde beendet hätte - und auf einen Spaziergang im Dunkeln hatte ich jetzt auch wieder keine Lust.

Heute Abend ließ ich mich nun an einem Feldweg zwischen Mauchen und Eberfingen absetzen, lief dann durch den Wald in Richtung Eberfingen, ging die Zollstraße - wie zweimal gestern - entlang, überquerte die B 314 und lief dann in den Wald hinauf.

Ich landete wieder an der Stelle, an der ich gestern abgebrochen hatte und führte noch den Grenzweg fort. Ich entdeckte sogenannte Weisersteine, auf denen auf einen Grenzpunkt einige Meter entfernt (in diesem Fall in der Wutach) verwiesen wurde, und kam an einigen Jugendlichen vorbei, die sich an einem Flüsschen, der in die Wutach mündet, einen schönen Tag machten ...

Kurz vor Wunderklingen machte ich einen Fehler und lief in den Wald, der flache Weg war gesperrt, also lief ich den Berg hoch, ehe der Wanderweg kurz vor der Grenze endete. Mit Mühe fand ich den Anschluss an den - wunderbaren - deutschen Wanderweg und lief in Richtung Eggingen.

Eigentlich hatte ich geplant, den Abend unten in der Nähe der Wutachbrücke zu beenden, aber meine Mutter hatte erahnt, wo ich rauskommen würden und stand in einer Straßenkehre etwas oberhalb, als ich aus dem Wald kam ...

Der Abend endete im Schnitzer, und es war ein schöner Abend ...

Am Wochende möchte ich gerne die Frankreich- und die Schweiz-Rheinfall-Büsingen-Tour vollenden, mal gucken, ob das klappt, mein Knie jedenfalls hält ...

Fotos:

Die Wutach bei Eberfingen

Grenzstein Nr. 366

Blick auf Eberfingen

Weisergrenzstein - der eigentlich Grenzpunkt ist 21 Meter entfernt in der Wutach

Schweizer Waldweg

Montag, 3. August 2020

Elsässer Flammkuchen

... hab ich schon gegessen, aber Elsässer Flammkuchen im Elsass deutlich seltener. Mag sein, das ich mal in Straßburg das Vergnügen hatte, aber vorgestern die waren echt lecker ... Und ich war sehr überrascht, wie gut die Franzosen - okay, in der Gastronomie und im Tourismus, aber trotzdem - Deutsch sprachen, das war teilweise fast akzentfrei ...

Ich war am Freitag Nachmittag nicht so früh wie gedacht losgekommen im Schwarzwald, fuhr dann aber, wie fast üblich, über die französische Autobahn, danach allerdings - anders als sonst - nicht in Richtung Mainz/Wiesbaden, sondern in Richtung Saarbrücken. Und ich muss sagen, das war eine richtig schöne Strecke, landschaftlich mit dem Trifels und engen Tälern, durch die es ging, autofahrtechnisch (wenn man nicht so eine lahme Krücke vor sich hat), doch, das hat Spaß gemacht, die Strecke bin ich wahrscheinlich nicht das letzte Mal nach Kaiserslautern gefahren ...

Der Abend bei Jessi und Christian, die ich ja auch seit mehr als fünf Monaten nicht mehr gesehen hatte, war ... nunja, wir saßen schön auf dem Balkon, aßen lecker Pizza, guckten auf die Sterne, Jessi sah zwei Sternschnuppen und ich trank einen Gin Tonic. Maximal einen ...

Am nächsten Morgen ließen wir uns Zeit, aber waren gegen 11 Uhr auf dem Weg nach Nothweiler an der deutsch-französischen Grenze, wo wir - nach einer dann doch längeren Fahrt - gegen Mittag ankamen. Wir parkten auf einem Parkplatz, der großteils auf deutscher Seite war, während das Boule-Feld von der Grenze durchtrennt wurde. Merkt man aber natürlich nicht ...

Der Zugang zur Wegelnburg, unserem eigentlichen Ziel, ist laut Aushang im Sommer 2020 gesperrt, sodass das schon mal ins Wasser fiel. Nicht ins Wasser fiel die geplante Grenzsteinwanderung, auch wenn ich nicht bemerkt hatte, dass es von dem Parkplatz erstmal verflucht steil hoch geht bis zum ersten Grenzstein. Nun denn, auf, auf, Kameraden, wir stiefelten die 18 Grad steile Steigung hinauf und entdeckten den Grenzstein Nr. 17 (die Zählung hier ist einigermaßen aberwitzig, die Nr. 1 gibt es gefühlt dutzendfach ...)

Danach machten wir einen kleinen Schlenker auf deutscher Seite, unterbrochen vom Besuch bei der Nr. 18, und liefen dann an der Nr. 19 vorbei ins Elsass hinein.

Vom Col de Schaufelshald ging es die paar Meter zum Col de Litschhof, ehe wir, halb wegen des anscheinend entsetzenden Niesels, halb, weil wir schon genug Höhenmeter gemacht hatten, über den Litschhof zurück zum Parkplatz marschierten. Wir passierten zwei Wildgatter, die wir ordnungsgemäß öffneten und schlossen, kamen durch einen hübschen Märchenwald, entdeckten Grenzstein Nr. 15 (die 16 war wohl auf dem Parkplatz, aber ich sah sie einfach nicht ...) und fuhren dann nach Frankreich hinein, denn wir wollten zur Burg Fleckenstein.

Zuerst aber machten wir am Étang de Fleckenstein, am Fleckenstein-Teich, Station. Da ist nicht nur eine durchaus akzeptable Badeanstalt, sondern auch ein Restaurant, das sich auf Flammkuchen spezialisiert hat - entsprechend saßen da fast nur Deutsche ... Die beiden aßen Flammkuchen mit Munster-Käse, ich mit ordentlich Knoblauch druff, das Ganze begleitet von Weizenbier und Pils, so lässt es sich leben.

Nun aber ging es hoch zum Burgparkplatz und von dort noch ein kleines Stückchen auf der Straße, bis wir am Forsthaus Fleckenstein ankamen. Dort wehten die Flaggen des Départements Bas-Rhin (also des Unterelsass), Frankreichs, die Europaflagge ... und die Bundesflagge. Das hätten sich die Leutchen, die sich vor 105 bzw. 80 Jahren um diesen Landstrich bekriegt haben, auch nicht gedacht, dass wenige Generationen später beide Flaggen so einträchtig nebeneinander wehen. Vive l'Europe!

Wir kauften Eintrittskarten für die Burg und spazierten den, vielleicht, Kilometer hoch zur Burg. Die Corona-Vorkehrungen beschränken sich hier mehr oder weniger darauf, dass Laufwege einigermaßen vorgegeben sind, damit man sich nicht zu sehr begegnet. Der eine oder andere trägt Maske, aber die meisten (Deutschen?) nicht. Da aber fast alles an der frischen Luft ist, halte ich das Ansteckungsrisiko hier aber tatsächlich für überschaubar.

Die Burg Fleckenstein wurde wohl im 12. Jahrhundert erbaut und Ende des 17. Jahrhunderts zerstört, sodass man heute nur noch die - immer noch beeindruckende - Ruine sieht. Wir liefen durch einen dunklen Treppenaufgang hinauf und hatten vom Dachgeschoss aus einen tollen Ausblick über die Vogesen und den Pfälzerwald, doch, die Burg Fleckenstein lohnt sich, auch wenn ich nie der Burgen- und Ritterfan war, aber ab und an kann man sich so etwas mal angucken.

Über Hirschthal fuhren wir zurück, fanden dort noch einen Grenzstein, suchten den Anschlussstein vergebens und landeten - mit leckerem Essen (vorgestern gab es Frikadelle mit Champignonrahm und Reis, ein Hochgenuss!) - auf dem Balkon von Jessis und Christians neuer Wohnung. Schick, schick ...

Gestern wurde voll und ganz gegammelt, ich stand um 11 Uhr auf, es gab ein Frühstück, dann wurden Filme und Serien geguckt, am Abend lecker Entrecôte verspeist - zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren blieb ich am Sonntag ungeduscht, und ich habe es ertragen ...

Heute Morgen schließlich fuhr ich nach Wiesbaden, arbeitete hier, werde morgen noch hier arbeiten und dann aber für längere Zeit Wiesbaden adieu sagen - erst am 27. August gedenke ich wieder hier zu sein, ehe es dann nach Breslau geht.

Fotos:

Grenzstein Nr. 19

Im Märchenwald

Burg Fleckenstein, davor Flaggen am Forsthaus

Rekonstruiertes Rad

Ausblick von der Burg Fleckenstein

In der Burg

Ausblick

Ausblick mit Ruine

Aus der Froschperspektive