Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Freitag, 15. Mai 2020

Den Stammtisch fast vergessen

... hätte ich heute vor lauter Grenzsteingeilheit ... Zum Glück gibt es moderne Kommunikationsmittel (auch wenn der Jogger, der mich überholte, mich skeptisch beäugte, wieso ich denn Selbstgespräche führe ...), sodass ich dann auch vom Randen aus am Stammtisch teilnehmen konnte ...

Nach mehr oder weniger getaner Arbeit am Freitag fuhr meine Mutter mich bis gerade hinter die Grenze zwischen dem Schwarzwald-Baar-Kreis und dem Landkreis Konstanz zwischen Kommingen (Blumberg) und Tengen. Dort stieg ich aus, wanderte auf den Gipfel des Worbergs und betrat hier schon wieder - nach wenigen Minuten Wanderung - Gebiet des Schwarzwald-Baar-Kreises bzw. der Stadt Blumberg.

Von dort ging es durch Kommingen und auf den Rubispass und von dort auf etwas welligem Gelände über die (ziemlich leere) Bundesstraße 27, die hier kurz der vor Schweizer Grenze verläuft. Nach dem Überqueren einer weiteren Straße betrat ich den Schwarzensteinweg, und der führte mich - das kommt jetzt sicher total überraschend - zum Schwarzen Stein.

Der Schwarze Stein wird so bezeichnet, weil er der nördlichste Grenzstein der Schweiz (und des Kantons Schaffhausen) ist und von hier aus im 19. Jahrhundert Menschen in die Verbannung aus dem Kanton geschafft wurden - die wurden also auf badisches Gebiet abgeschoben ... Der Schwarze Stein (oder "Schwarze Staa", das steht auch so in den Schweizer Karten) ist der Grenzstein Nr. 593, und ich hatte meine Griffel wortwörtlich auf dem nördlichsten Punkt der Schweiz ...

Ich konnte sogar Fotos von der CS-Seite des Grenzsteins machen, da hier nur etwa ein 80-Grad-Segment der Grenzsteinumgebung schweizerisches Gebiet ist, sodass man von Deutschland aus tatsächlich alle vier Seiten fotografieren kann, ohne Schweizer Gebiet betreten zu müssen.

Vom Grenzstein Nr. 593 ging es - mit den Zwischengrenzsteinen natürlich - zum Grenzstein 589, und hier verließ ich die Grenze wieder und begab mich in Richtung Randen - der Weg stieg hier ein kleines bisschen an, aber das war sehr gut bewältigbar, und am Randenhof bog ich - unter den neugierigen Blicken - der dort grasenden Rindviecher nach rechts auf einen ziemlich steil abschüssigen Waldpfad ein.

Der Waldpfad wurde noch steiler, und irgendwann kam ich auf das (steile!) Stück, das ich vor fünf Tagen in umgekehrter Richtung, also hoch, gekraxelt war. Es ist definitiv schöner, abwärts zu gehen, auch wenn das Begehen eines steil abschüssigen Pfades auch nicht das Schönste (und Sicherste) ist, was es gibt ...

Die Schafherde, die mich unten am Waldrand erwarten sollte, war schon weitergezogen, sodass ich diese Strecke, die ich jetzt schon zum dritten Mal lief, ohne deren "Mäh" bewältigen musste. Ich lief einen etwas anderen Weg als am Sonntag und kam - nach ein bisschen Verwirrung im Wald (ich war ein paar Meter nach rechts abgekommen und musste erstmal den Pfad wieder suchen ...) - schließlich gut am vereinbarten Extraktionspunkt, der Zufahrt zum Steinbruch in Grimmelshofen, Stadt Stühlingen, Landkreis Waldshut an. Erwartungsgemäß wurde ich hier - nach zwei Minuten Wartezeit - von meiner Mutter aufgegabelt ...

Das waren heute drei deutsche Landkreis (Konstanz, Schwarzwald-Baar, Waldshut), fünf Grenzsteine, ein Jakobsweg, 11,52 km, 164 Höhenmeter - kurzum, eine richtig schöne, ziemlich entspannte, wunderbare Wanderung am Rande des Schwarzwaldes ...

Innerdeutscher Grenzstein (Schwarzwald-Baar-Kreis/Landkreis Konstanz)

Blick auf den Kreis Konstanz

Meine Griffel auf dem nördlichsten Punkt der Schweiz

Der Schwarze Stein (CS = Canton Schaffhausen, 1839 = Festlegung der Grenze)

Der Schwarze Stein (GB = Großherzogtum Baden, Grenzstein Nr. 593)

Grenzstein Nr. 589 (zugleich Grenzmarkierung zwischen den früheren Gemeinden Epfenhofen und Fützen)

Blick auf Fützen

Steinbruch Grimmelshofen

Donnerstag, 14. Mai 2020

Grenzsteingeil

... nannte mich mein Vater vor eineinhalb Jahrzehnten, als ich meine Begeisterung für die deutsche Exklave Büsingen und die dort natürlich in Hülle und Fülle vorhandenen Grenzsteine zeigte, und die Wanderung auf dem Grenzweg am Sonntag hat diese Faszination definitiv wieder aufleben lassen, unglaublich ...

Weil meine Mutter heute autofahrtechnisch verhindert war, musste ich mir einen Rundkurs überlegen, und so fuhr ich nach Eggingen. Dort war ich Ende April ja schon gewesen, sodass die Rundwanderung heute Anschluss an mein Wandernetz hatte.

Ich hatte mir einen Weg gebastelt, in weiten Teilen genau entlang der Schweizer Grenze, aber erst einmal marschierte ich von Eggingen los. Es ging durch einen regelrechten Märchenwald, am Anfang steil den Berg hoch, aber dann hatte ich mich einerseits eingelaufen, andererseits waren die Anstiege danach gut bewältigbar ...

Ich durchquerte einen Teil der Gemeinde Wutöschingen, nur um in Erzingen, das heute ein Ortsteil der Gemeinde Klettgau ist, auf den ersten Grenzstein zu treffen. Seit Dienstag hatte von einem befreundeten Schweizer den Link zu einer online verfügbaren, fantastischen Kartensammlung der Schweiz bekommen, und in dieser Kartensammlung sind sogar die Grenzsteinnummern bezeichnet.

Der erste Grenzstein, nachdem ich an einer Feldwegsperrung für Fahrzeuge vorbeigelaufen war, trug die Nr. 315, und ich folgte dem Feldweg, bis der Grenzsteinverlauf mitten in einen abschüssigen Wald verlief, sodass ich außen herum laufen musste. Eine Frau mit Hund, die mir zweimal begegnete, musste grinsen, als sie mich Grenzsteine fotografieren sah, naja, das ist halt was Tolles ...

Ein kleines Stück hätte ich durch Schweizer Gebiet laufen müssen, sodass ich mir einen größeren Umweg überlegt hatte. Am Ende entschied ich mich - auch weil die Zeit bis zum Sonnenuntergang ein bisschen knapp wurde - durch ein deutsches Feld abzukürzen. Danach waren meine Schuhe nass (meine Füße zum Glück nicht so), aber ich hatte viel Zeit gewonnen.

Ab dem Grenzstein 324 folgte ich wieder dem Grenzverlauf, und die dazwischenliegende Strecke als "Pfad" zu vermerken, ist mutig. Da kommt vielleicht alle paar Wochen mal einer durch, da ist viel Brennnesselwald, Baumstämme liegen kreuz und quer - es hätte mich alles in allem auch nicht gewundert, wenn ich auf eine Landmine gelatscht wäre, die die Schweizer nach dem Zweiten Weltkrieg auszubuddeln vergessen haben ...

Selbstverständlich strebte ich danach, immer auf deutschem Gebiet zu bleiben, und kam schließlich an den Grenzstein 337.

Bisher hatten die Grenzsteine immer ein "GB" und darunter ein "E" stehen gehabt, wobei das "GB" für das Großherzogtum Baden und das "E" für Erzingen, die früher selbständige Gemeinde, die jetzt Ortsteil der Gemeinde Klettgau ist, stand. (Die Nr. 317 ist eine Ausnahme, weil der Grenzstein 2001 erneuert wurde, sodass da jetzt nur dick und fett "D" für Deutschland draufsteht.) (Und, zweite Klammer, auf der Schweizer Seite steht "CS", das steht für "Canton Schaffhausen". Sagt jedenfalls die Wikipedia ...)

Auf dem Grenzstein 337 standen aber zwei E unter dem GB und auf der Oberfläche waren anstatt der zwei Segmente (die den Grenzverlauf vom letzten und zum nächsten Grenzstein anzeigen) sogar drei Stück. Heute Abend stellte ich fest, dass an diesem Grenzstein nicht nur die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz markiert ist, sondern auch die Grenze zwischen den Gemeinden Eggingen (erstes E) und Klettgau (wobei das zweite E wieder für Erzingen steht). Jaja, viele Leser werden ob dieser Erkenntnis gähnen, aber ich finde das wirklich hochinteressant. (Ähnlich ist es beim Grenzstein 339, da ist auch die Grenze zwischen den Schweizer Gemeinden Hallau und Trasadingen eingezeichnet.)

Bis zu ebendiesem Grenzstein 339 folgte ich dem Grenzweg, und dann trat ich den Heimweg zu meinem Auto an

Das war eine richtig coole Wanderung durch ziemlich unwegsames Gebiet, aber sobald ich einen Grenzstein sehe, geht mir - ganz ernsthaft - das Herz auf, und heute habe ich viele von den Dingern gesehen ...

Ich kann den werten Lesern nicht ersparen, dass jetzt auch ein paar Fotos von Grenzsteinen kommen ...

Märchenwald

Schnell durchgehen ...

Blick vom Vogelhof

Feldweg: Deutschland, Acker rechts: Schweiz; beim Schild ist ein Grenzstein

Grenzstein Nr. 316, GB = Großherzogtum Baden, E = Erzingen

Neuer Grenzstein von 2001

Brennnesseln auf dem Grenzpfad

Grenzstein 337, zugleich Grenze von Eggingen und Erzingen (Klettgau)

Die Wutach in Eggingen

Mittwoch, 13. Mai 2020

Am Stuhl festbinden

... soll meine Mutter mich, wenn ich nochmal auf die Schnapsidee komme, im strömenden Regen eine Wanderung zu machen ...

Ich hatte mir heute den Kesselberg vorgenommen, von dem ich noch nie gehört hatte, wo dir aber selbst Neigeschmeckte wie meine Ersatzoma und meine Mutter auf einmal sagen konnten, dass es da viele gute Preiselbeeren geben muss ... Dieses Gebiet zwischen Glashütte und Sommerau ist von einigen Waldwegen durchzogen, und die wollte ich ohne Rücksicht auf den Regenguss heute Abend mal erobern ...

Ich stieg bei strömendem Regen ins Auto an die Glashütte, doch als ich dort ausstieg, regnete es nicht ... Ich lief also los, einen - für den Anfang - steilen Berg hoch, als es doch anfing zu regnen ... Wenige Minuten später prasselte es auf mich nieder, sodass ich meinen Anorak sogar zu machte. Der Anorak wäre nicht das Problem gewesen, das Problem war meine Jeans, auf die das ganze Wasser vom Anorak tropfte. Da es auch nicht gerade ein warmer Sommerregen war, wurde mir schnell kalt, sodass ich die Runde ziemlich fix abbrach und nach gerade einmal 2,93 km - pitschepatschenass mit komplett durchnässter Hose - wieder am Auto an der Glashütte aufschlug (wenigstens habe ich die mittel-bemerkenswerte Marke von 275 km geknackt ...).

Ich fuhr zwar noch die kleine Runde über Holzschlag, war aber schon eine knappe Stunde nach Abreise wieder daheim ... Naja, Kesselberg, die erste Runde geht dank Petrus' Unterstützung an dich, aber ich kämpfe dich schon noch nieder ...

Trotz alledem sind ein paar Fotos entstanden, die ich gar nicht so hässlich finde und daher mit dem werten Leser teilen möchte - man sieht, es gab Wald auf dieser Strecke ...




Montag, 11. Mai 2020

Am Oberlauf der Steina

... bin ich heute entlangspaziert, und das, bevor es - am 11. Mai! - hier anfing zu schneien ...

Nach der Arbeit ist vor der Wanderung, wie schon Sepp Herberger sagte, und also bat ich meine Mutter, mich nach Dresselbach zu fahren, denn wenige Meter unterhalb des dortigen Gebäudekomplexes ist die Quelle der Steina. Ich hatte einen schönen Wanderweg eruiert, der mich von Dresselbach über die Sommerau bis zur Steinasäge führen sollte, und das immer an der Steina entlang.

Wichtig war mir heute, dass es flussabwärts ging und die Strecke dementsprechend leicht abfiel. Der Routenplaner gab eine Höhenmeterzahl aufwärts von exakt 0 Metern an (mein Handy spricht am Ende von 78 - die Wahrheit ist irgendwo in der Mitte, wahrscheinlich eher am unteren Ende), und das gefiel mir nach dem gestrigen, sehr anstrengenden Tag ...

Ich stieg bei Nieselregen aus dem Auto aus, zog mir meine Regenjacke an, machte sie aber nicht zu und zog über einen kleinen Pfad von dannen. Nach einigen hundert Metern sah und überquerte ich erstmals die Steina, die an dieser Stelle nicht anders als jeder hundsgemeine Waldbach aussieht.

Ein paar Meter ging es noch durch den Wald, dann war ich auf dem Steinatalweg gelandet, den ich bis Sommerau kaum mehr verließ. Unterwegs meckerte ich über ein Grafenhausener Wanderzeichen, ohne zu ahnen, dass ich wirklich nur wenige Meter von Grafenhausener Gebiet entfernt war, das an dieser Stelle durch die Steina begrenzt wird ...

Der Weg war heute tatsächlich das Ziel, denn dieser wunderbare grüne Wald, durch den ich da - heute relativ schnellen Tempos - wanderte, ist wirklich, wirklich schön ...

Ich kam an ein paar Ziegen und ein bisschen später, kurz vor der Sommerau, an ein paar Pferden vorbei, ehe ich bei der Sommerau auf die Straße in Richtung Steinasäge kam.

Ich lief an paar Rindviechern vorbei, ehe ich selbst ein Rindviech war, denn ich wechselte auf die rechte Steinaseite in den Wald. Die ersten Meter dort erinnerten mehr an eine Sumpflandschaft denn an einen Weg, und entsprechend nass wurde meine Füße ... Ich stapfte weiter durch das Gras, was der Trockheit des Schuhwerks weiter abträglich war (denn es regnete ...), aber irgendwann war's dann auch wurscht ...

Kurz vor der Walkemühle rief ich meine Mutter an, und wir trafen uns pünktlich an der Steinasäge. Die Dusche eben habe ich genossen, nicht weil ich so verschwitzt gewesen wäre, sondern weil es ganz gut war, um die Füße warm zu kriegen ...

Ein Bild habe ich beim gestrigen Eintrag noch hinzugefügt, das fand ich zu schön, um es den werten Lesern vorzuenthalten. Aber auch heute habe ich Fotos gemacht:

Die Steina als Bächle in ihrem Oberlauf

Waldweg vor grünen Bäumen

Das Steinatal vor der Sommerau

Gäule im Steinatal

Das Steinatal kurz hinter Sommerau

Steina von einer Brücke aus

Waldpfad rechts der Steina

Sonntag, 10. Mai 2020

Ein saugeiler Weg

... ist das,wenn man vom Wanderweg am Hohen Randen hinunter auf die Straße zwischen Fützen und Beggingen in der Schweiz möchte - aber erstmal muss sich der geneigte Leser durch Schweiß und (fast) Tränen der heutigen Wanderung lesen ...

Ich hatte nach gestern immer noch nicht genug, und ich wollte endlich mal wieder einen gesperrten Grenzübergang zur Schweiz sehen (seufz), also fuhr ich meine Mutter auf die Straße zwischen Weizen und Lausheim (nachdem ich natürlich erstmal im Seich herumgefahren war ...).

Dort stieg ich aus und lief das Stück des Jakobsweges, das ich am 6. Mai (ist das erst vier Tage her????) gelaufen war, zurück ... Damals hatte ich behauptet, ich wäre dem Jakobsweg gefolgt, dabei war genau der steile Aufstieg, von dem ich dachte, er gehörte zum Jakobsweg, gerade der falsche Weg gewesen ...

Diesmal folgte ich aber dem Weg (durch einen wunderschönen Wald), bis ich zur Gabelung nach Lausheim (Jakobsweg) bzw. Grimmelshofen kam ... Der Weg nach Grimmelshofen war aber den ersten Metern mit Bäumen übersät, sodass ich da im Zickzack laufen wurde, blieb dann aber ein gangbaren, wenn auch steil abfallender Weg mitten durchs Gestrüpp - sehr, sehr schön ...

Als ich unten in Grimmelshofen ankam, überquerte ich die Wutach (die an dieser Stelle noch nicht die Bundesgrenze darstellt) und lief über die B 314. Das Problem an den steilen Pfaden nach unten ist (wie schon mal erwähnt), dass man die Höhenmeter meist wieder machen aufholen muss ...

So ging es also steil hinauf in den Wald, sodass ich schon wieder pumpte - und das war erst der erste von drei heftigen Anstiegen, wobei der letzte - hoch auf den Randen - mir wirklich Sorge machte ...

Ich war heilfroh, als ich endlich oben auf der ersten Erholungsstrecke, einer halbwegs ebenen Straße, war. Leider war die Straße nur halbwegs eben, denn sie ging auch leicht nach unten, was - siehe oben - nur ein paar Minuten später wieder aufzuholen war ... Der Ausblick auf die Landschaft war allerdings durchaus hübsch ...

Im zweiten Anstieg - am Waldrand entlang - begegneten mir zwei Autos; bei beiden hatte ich den Verdacht, dass sie Schleichwege nutzen wollten, um in die Schweiz zu fahren. Der Schleichweg war allerdings recht steil, sodass ich - wieder einmal - sehr froh war, als ich auf der einigermaßen ebenen Straße ankam ... Juchhe, zwei von drei Anstiegen geschafft ...

Ich lief an ein paar Höfen vorbei und beunruhigte eine Schafsherde (ich tu euch doch nix!), aber irgendwann kam der Moment der Wahrheit - ich musste in das steile Waldstück einbiegen, um oben auf den Randen zu kommen.

Boah, Freunde der Sonne, das war übel, richtig übel - ich brauchte für einen Kilometer fast eine halbe Stunde, weil ich nach gefühlt zehn Metern anhalten und verschnaufen musste ... Zu allem Überfluss ging der Weg dann in eine Wiese über, aber das war zum Glück am Ende des Pfades, sodass ich mich nur ein bisschen durch Gestrüpp kämpfen musste, um auf den richtigen Weg zu gelangen.

Das Vergnügen eines richtigen Weges hielt nicht lange, denn ich musste bald wieder nach rechts auf einen - der Leser errät es richtig - monstersteilen Pfad abbiegen ... Die Strecke zog sich, mehrfach dachte ich, ich hätte es geschafft, dann kam der nächste Anstieg, aber irgendwann war ich auf 900 Meter angelangt und hätte mich vor Freude und Erschöpfung fast in den Laubhaufen dort oben geworfen ...

Ich war natürlich bätschnass geschwitzt, aber ich hatte wenigstens noch ein bisschen Wasser ... Ich ging - versehentlich - das Stück zum zweiten Jakobsweg des heutigen Tages, dem Neckar-Baar-Jakobusweg, und auf dem Stück blieb ich bis zum Ziel meiner Reise: der deutsch-schweizerischen Grenze ...

Da war keine Sperrung auf dem Weg gar nichts, und die Schranke war offen (die Schranke ist deutsches Gebiet), ich ging - vorsichtig, sonst schießt die Schweizer Grenzwacht womöglich - weiter, sogar ein Stück den Berg herunter, weil ich laut Handy immer noch nicht an der Grenze angekommen war. Schlussendlich erblickten meine müden Augen ... Grenzsteine - Grenzsteine, Grenzsteine - juchhe, juchhe, juchhe ...

"Das war zu viel für ihn, jetzt spinnt er endgültig", mag so mancher Leser nun meinen, aber wer mich gut kennt, weiß, dass ich großer Fan von Grenzsteinen bin, weil sie - mit ihrem massiven Stein - einerseits deutliche Symbole der Staaten sind, die hier voneinaner abgegrenzt werden, aber man eben andererseits - zumindest in unseren Breiten - so leicht um sie herumgehen kann und dabei von einem Land ins andere und wieder zurück kommt. Das finde ich großartig ...

Selbstverständlich blieb ich auf dem - an der dieser Stelle - Viertelsektor Deutschlands und betrat die Schweiz nicht.

Ich drehte um, begegnete immer noch keinem Bundespolizisten und bog dann auf den Weg ein, von dem ich mir viel versprochen hatte. Auf der Karte sieht es so aus, als ob der Weg mehrfach die Grenze überschreitet, sodass ich ihn nicht hätte gehen dürfen - in Wirklichkeit sind die Grenzsteine so positioniert, dass der Weg genau innerhalb Deutschlands ist. Manchmal muss man etwas abkürzen, um in Deutschland zu bleiben, aber der Weg gehört zu Deutschland, der Abhang links daneben schon zur Schweiz ... Ich fotografierte einen Grenzstein nach dem anderen, achtete natürlich schön darauf, immer auf der deutschen Seite zu bleiben, und fand das richtig, richtig cool dort ...

Kein Grenzer weit und breit, man hätte sogar mal links (also auf Schweizer Seite) an einem Grenzstein vorbeigehen können, aber das macht man als Deutscher in diesen Zeiten natürlich nicht ... Niemalsnie ...

Ich lief den Weg entlang und sollte - laut Karte - irgendwo nach links abbiegen, um an die mit meiner Mutter (telefonisch dummerweise inzwischen) vereinbarte Abholstelle zu kommen ... Nur, der Weg war wieder einmal nicht da ... Ich fluchte wie ein Rohrspatz, aber es half alles nix, ich musste den anderen Weg laufen ... Natürlich rutschte ich auf dem Weg hinunter durch die Walachei zum ersten Mal auf meinen Wanderungen aus und setzte mich unsanft auf den - glücklicherweise gut gepolsterten - Hosenboden, aber ich war schnell wieder aufgestanden ...

Ich sah meine Mutter auf der (unerreichbaren) Straße entlangfahren, winkte wie ein Wilder, ward nicht gesehen, rief sie an, berichtete von meinem Malheur und bat sie, mir entgegenzufahren, während ich noch einmal einen größen Umweg lief und erneut an der Schafherde vorbeikam. Diesmal waren die Viecher friedlicher, irgendwann kam meine Mutter auf den Weg angedüst, lud mich auf und ab ging die Fahrt nach Hause.

Das war richtig anstrengend, hat aber auch durchaus Spaß gemacht, aber 600 Höhenmeter ist ein bisschen viel für Mutters Sohn - das wird so schnell nicht mehr passieren, glaube ich ...

Unterwegs auf dem Jakobsweg I

Unterwegs auf dem Jakobsweg II

Hinunter nach Grimmelshofen

Die Wutach

Blick auf Fützen (oder ähnlich)

Määääh!

Letzter deutscher Grenzstein auf dem Jakobsweg

Auf dem Grenzweg - "GB" steht für Großherzogtum Baden
Blick auf die Höfe, nachdem ich aus dem Wald kam
Das letzte Bild habe ich am 11. Mai 2020 noch hinzugefügt.

Samstag, 9. Mai 2020

Einen Wander-Viertel-Megameter

... habe ich heute vollendet. Was ist das denn schon wieder? Nun, es ist doch ganz einfach: Ein Kilometer sind 1.000 Meter, und ein Megameter sind 1.000 Kilometer bzw. 1.000.000 Meter. Ein Viertel-Megameter sind also 250 Kilometer, und mein Handy zeigt mir an, dass ich in den letzten fünf Wochen 250,10 Kilometer gewandert bin ... Juchhe! Aua! Aber juchhe!

Gestern Abend hatte ich irgendwie das Bedürfnis, nochmal rauszugehen, und irgendein Idiot hatte mir den Floh ins Ohr gesetzt, dass man doch mal eine Nachtwanderung machen könnte ... Gedacht, getan - oh Mann, das war wirklich eine Schnapsidee ...

In downtown Bonndorf war das ja noch alles okay, mit Straßenlaternen und so'n Gedöns, aber als ich an den Waldrand kam, wurde es schon richtig, richtig dunkel ... Ich hatte jetzt weniger Angst, dass mir böse Menschen oder etwa ein Wildschwein an die Wäsche will, aber Bedenken um die Unversehrtheit meiner Haxen hatte ich unterwegs schon. Natürlich hatte ich meine (Handy-)Taschenlampe dabei, und auf den einigermaßen geraden Wegen ging das mit dem Ding auch ganz gut (wobei ich am Anfang erstmal in der Walachei landete, weil ich die Karte falsch las, sodass ich ein paar Meter wirklich im Wald stand ...).

Ich hatte mir eine Tour mit knapp acht Kilometern rausgesucht, aber als ich an die Wegkreuzung kam und die Wahl zwischen guter, ebener Abkürzung und steilem, unebenem geplanten Weg hatte, wählte ich in meiner Weisheit ausnahmsweise die Abkürzung ...

Ich machte noch einen kleinen Abstecher am Sportplatz vorbei, war dann aber heilfroh, am Sportplatzweg wieder einigermaßen in der Zivilisation zu sein. Zu Hause musste ich mir erstmal den Angstschweiß abduschen, und meine Mutter meinte, ich wolle sie veräppeln, als ich aus dem Bad kam und sagte, dass ich noch eine kleine Nachtwanderung gemacht hatte, während sie schon eingeschlafen war ...

Heute Nachmittag packte es mich wieder, aber da wir zum Mittagessen etwas getrunken hatte, musste es eine Rundtour werden. Ich hatte heute Morgen mal eine Karte aller meiner Wanderungen in den letzten fünf Wochen gebastelt und festgestellt, dass ich die Steinahalde, das Waldgebiet zwischen Straße nach Schluchsee und Steina westlich von Bonndorf schon ganz schön umgepflügt hatte, aber eben noch nicht jeden Weg kenne.

Ich startete also wieder in Richtung Waldstaße, lief diesmal aber zwischen Waldstraße und Waldallee in den Wald und kam an die Kreuzung, die ich letzte Nacht schon überstanden hatte. Ich ging aber in Richtung Straße nach Schluchsee, überquerte diese und verschwand im Wald in Richtung Glashütte.

Nach einem Stückchen auf dem Weg war auf der Karte eine Verbindung zur Straße nach Schluchsee eingezeichnet. Joa, da war ein Feldweg, den ich hochkraxelte, dann wechselte ich die Straßenseite und verschwand wieder im Wald, diesmal in der Steinahalde.

Vor der heutigen Wanderung hatte ich knapp 235 Kilometer im Logbuch, und als ich da im Wald darüber nachdachte (ja, er denkt wieder ...), dachte ich mir, hey, ich könnte doch heute die 250 Kilometer anpeilen ... Dazu musste ich die Route von etwas über 10 Kilometern, die geplant war, halt ein bisschen verlängern ...

Ich guckte mir die Karte an (es ist halt schon cool, wenn deine "Wanderkarte" auf dem Handy ist - jedenfalls, so lange der Akku hält, auweia ...) und fand zwei Verlängerungsstrecken, die ich anging ... Ich spazierte aso kreuz und quer da in der Gegend herum, über gute Wege, über Naturwege, das war richtig schick, und so richtig steil war da auch nix ...

Ich kam zurück auf den geplanten Weg, und der ging abwärts ... Zunächst war das ein Weg, das Forstgerät offensichtlich benutzt hatte, dann wurde es ein Naturweg und dann wurde es, öhm, nur noch Natur ...

Zu allem Überfluss war ich inzwischen auch 50-100 Meter abseits der geplanten Strecke, aber ich hatte beim besten Willen keinen Abzweig gesehen ... Nun, es half nichts, ich ging weiter durch die Walachei nach unten, und das Blöde beim Abstieg ist, dass du meistens weißt, dass du wieder hoch musst ...

Es kam, wie es kommen musste - ich landete fast auf der Straße, die an der Steina entlangführt, als ich links im Wald einen Weg sah. Ich bog ab, und blieb stehen: Boah, war das steil!

Aber es half nichts, irgendwann musste ich da hoch, aber es war wirklich, wirklich steil ... Ich blieb zweimal unterwegs stehen und pumpte nach dem ersten Stück wie ein Maikäfer (ja, ich weiß, ich bin nicht der Durchtrainiertesten einer, aber das war wirklich saumäßig steil ...).

Es wurde allerdings nicht besser, denn zwei weitere steile Anstiege folgten, aber dann war ich oben, fix und fertig, aber glücklich ...

Ich fand den Einstieg ins Ganterwegle nicht und lief also ein Stückchen Weg, den ich schon vor ein paar Wochen bei meiner ersten Expedition in die Steinahalde gelaufen war. Den Wiedereinstieg ins Ganterwegle fand ich allerdings, doch ich war erst ein paar Meter weit gekommen, als mir ein Viech entgegenkam.

Ich dachte zuerst, es wäre ein kleines Reh, aber dann blieb das Tier stehen, taxierte kurz, ob es mich umrennen könnte oder nicht, kam (zu Recht) zum Ergebnis, dass es das besser sein lassen sollte, drehte sich um und rannte von dannen ... Das ging alles zu schnell zum Fotografieren, aber ich glaube, das war ein Feldhase, aber ein Ömmes von einem Feldhasen ... Cool!

Das Ganterwegle ist unglaublich schmal und auch ein bisschen uneben von der Bodenbeschaffenheit her, aber es ist von der Höhenlage her unglaublich gleichmäßig, kaum Auf- oder Abstiege - richtig, richtig schön (und richtig angenehm, wenn man schon zehn Kilometer auf und nieder in den Beinen hat) ...

Auf einem Stein machte ich kurz Rast, und dann ging es in den Endspurt. Ich hatte festgestellt, dass ich noch ein bisschen einen Schlenker laufen müsste, um heute schon die 250 Kilometer zu schaffen, also ging bog ich von der alten Steinasäger Straße, die ich vom Ganterwegle kommend kurz passierte, schon wieder ab und lief in Richtung Osten weiter.

Anders als "sonst" ging ich aber an der ersten Biegung nach links in den Wald und dann über Wege, die richtig schweres Forstgerät bearbeitet hatte, im Bogen in Richtung Sportplatz ... Als ich da ankam, taten die Füße schon richtig weh, aber ich schleppte mich nach Hause und lief - sicherheitshalber, um die 250 Kilometer auf alle Fälle zu haben - noch einen weiteren, sehr kurzen Schlenker ums Bonndorfer Schloss herum ... Am Ende hatte ich 15,40 Kilometer heute und eben 250,10 Gesamtkilometer auf der Uhr ...

An dieser Stelle muss ich meine Mutter kritisieren, denn als ich nach Hause kam, wartete keine Kapelle auf mich, die mir gratulierte, aber zu ihren Gunsten muss ich sagen, dass selbst ich beim Start der heutigen Tour noch nicht die Absicht hatte, das große Ziel heute schon zu erreichen ...

Mal gucken, was ich morgen mache, übermorgen soll es ja abends schneien, das wäre interessant ...

Einige wenige Fotos:

Und das war noch ziemlich hell ...

Das ist ein heller Wald - besser!

Symbolbild Schwarzwald

Natur(weg)

Steiler geht's nicht ...

Schön eben und schön kühl ...

Donnerstag, 7. Mai 2020

Legal auf Schweizer Boden

... waren meine Mutter und ich heute, und trotzdem haben wir keinen Schweizer Grenzer gesehen ...

Nachdem ich jetzt fünf Tage am Stück unterwegs war, entschied ich mich um den Feierabend herum, meinen Füßen heute (und womöglich morgen und übermorgen) ein bisschen Ruhe zu gönnen. Das Wetter war allerdings toll, und so fragte ich meine Mutter, ob wir eine Ausfahrt machen - ich hätte da ein Ziel im Auge ...

Meine Ma war einverstanden, und so machten wir uns auf (ich fuhr, sie guckte, das ist nur fair in Anbetracht der vielen, vielen Male, in denen sie mich - meistens war ich nüchtern - in der Gegend herumkutschierte).

Wir fuhren über den Feldbergpass (das ging selbst fürs Auto ziemlich steil hoch, ich habe echt Schiss bekommen, was passiert, wenn ich da mal hochwandern will ...) mit wunderschönen Ausblicken und dann runter ins Wiesental, durchquerten Jogi Löws Heimat Schönau, und auch sonst ist das Wiesental mit seiner verwinkelten Straßenführung echt schön.

Das Ziel der Reise war allerdings das Stück der B 317 zwischen Lörrach und Weil am Rhein.

Häh?

Das Stück der B 317 zwischen Lörrach und Weil am Rhein ist die Zollfreistrasse Riehen (man beachte, dass "Straße" da mit "ss" geschrieben wird), und Zollfreistrasse heißen diese 738 Meter (laut Wikipedia), weil hier eine deutsche Straße über Schweizer Gebiet führt, ohne dass man Zoll bezahlen muss.

Dieses Stück ist im Besitz des Kantons Basel-Stadt, wenn man der Wikipedia glauben darf, und Schweizer Hoheitsgebiet, unterliegt aber dem deutschen Straßenverkehrsrecht. Damit man da nicht unerlaubt Waren einführen kann, ist die Zollfreistrasse relativ strikt abgeriegelt, sodass es insbesondere keine Verbindung zwischen dieser Straße und dem Schweizer Straßennetz gibt.

Wer mich kennt und/oder diesen Blog verfolgt, musste wissen, dass mich diese spannende Besonderheit magisch anzog, und jetzt hatte ich endlich mal Zeit, die eineinhalb Stunden ins Wiesental zu fahren, und dass es eine schöne Ausfahrt mit meiner Mutter war, macht es noch besser ...

Zurück fuhren wir ein bisschen im Zickzack durchs Wehratal und durchs Albtal (insbesondere in zweiterem hatte meine Mutter aufgrund meiner - angeblich - rasanten Fahrweise die Hand dauerhaft im Türgriff), wir wurden dort zweimal durch Umleitungen ausgebremst, bis wir es leid waren und über Höchenschwand und Häusern weiterfuhren.

In Blasiwald fand ich die Zufahrt zu dem Wanderparkplatz nicht, den ich meiner Mutter zeigen wollte, sodass wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause fuhren.

So, die spannendste aller Fragen ist aber natürlich (wer gähnt da hinten?), ob dieser Aufenthalt auf Schweizer Territorium als Besuch der Schweiz im Sinne meiner Länderliste zählt. Und meine Antwort lautet "nein", allerdings nur aufgrund der besonderen Umstände in Zeiten der Coronavirus-Pandemie.

Unter normalen Umständen gibt es zwischen der Schweiz und Deutschland keine Einreisekontrollen, und in einem solchen Fall (wie normalerweise etwa im gesamten Schengen-Raum) genügt zu einem formalen Besuch das Betreten des Landes (bei späteren als dem ersten Besuch muss der Fuß nicht einmal mehr physisch den Boden berühren) ohne Weiteres.

Werden allerdings Einreisekontrollen durchgeführt (wie im Moment leider zwischen Deutschland und der Schweiz), so gilt ein Land erst als betreten, sobald ich physisch dort bin und die Einreisekontrolle überstanden habe. Da ich hier aber die Einreisekontrolle, die zur Einreise in die Schweiz zur Zeit notwendig ist, nicht passiert habe, bin ich heute nicht im Sinne meiner Länderliste in die Schweiz eingereist ...

Aber natürlich wird der Besuch als "Transit" vermerkt.

Fotos gibt es heute aus, sagen wir, technischen Gründen leider keine ...

Mittwoch, 6. Mai 2020

What a difference a day makes

Oh ja, was für einen Unterschied ein Tag macht ...

Wer gestern aus meinem Arbeitszimmer-Fenster schaute, hätte glauben können, es ist Spätherbst - das Bonndorfer Schloss war gerade noch zu erkennen, obwohl das, naja, vielleicht 100 Meter weg ist, es war neblig-grau, und gefühlt war um 18 Uhr gerade die Sonne untergegangen.

Ich war höchst unentschlossen, ob ich mich noch ins Freie wagen soll, entschied mich am Ende - nach einigem Hin und Her - aber dafür und faselte als Begründung was von "mystischer Wald" und so ...

Ich wollte nur eine kleine Strecke bis Münchingen gehen, in den Nachbarort, der aber schon zur Gemeinde Wutach gehört, und damit sich das richtig lohnt (und ich ja in den mystischen Wald wollte), hatte ich einen kurzen Abstecher in den Wald beim Hundeplatz geplant.

Ich brach also vierschalig auf (Unterhemd, Hemd, Pulli und Regenjacke), was bei mir höchst selten vorkommt, und lief die schon altbekannte Strecke in Richtung Dillendorfer Straße. Mir kamen kaum Autos und noch weniger Menschen entgegen (die meisten Menschen - zwei - waren Jogger, die sich da durch die Gegend quälten), und insgesamt war das alles nasskalt-usselig ...

Der Abstecher in den Wald hingegen lohnte sich, und auf dem einen oder vielleicht auch auf zweien der Bilder kann man, wenn man will, ein bisschen Mystik hineininterpretieren (ich wollte).

Ich lief wieder den Weg hoch, bei dem der Weg noch zu Bonndorf, aber das Feld schon zu Münchingen gehört, bog dann aber links auf Münchinger Gebiet ab und stieg nach dem Erreichen des höchsten Streckenpunktes dann in den einen von drei Ortsteilen der Gemeinde Wutach ab.

Zum Glück verlief ich mich kurzzeitig, denn auf dem kurzen Verlaufstück überschritt ich die 220 Kilometer - kurz darauf kam mir das Auto meiner Mutter nämlich entgegen, die (zu) früh losgefahren und mir vom vereinbarten Abholpunkt entgegengefahren war ...

Ich beendete den Tag damit bei Tageskilometer 6,38 und Gesamtkilometer 220,07.

Heute Abend hingegen war die Wanderung eine wahre Freude.

Eine sehr gute Freundin liegt mir seit Tagen im Ohr, dass ich jetzt, wo ich wandere, doch auch mal den Jakobsweg probieren könne (die will mich natürlich nur reizen ...), und vorgestern oder so stellte ich fest, dass einer der Jakobswege in Deutschland durch den Stühlinger Ortsteil Weizen verläuft. Auf meiner Tour von Dillendorf nach Weizen-Bahnhof am 20. April hatte ich daher - auf ungefähr 40 Metern - schon den (einen) Jakobsweg beschritten - damals allerdings in die falsche Richtung, also von Santiago de Compostela weg ...

Nachdem ich auf meinen Touren jetzt schon (mehr oder weniger versehentlich) die drei großen Schwarzwaldwege des Schwarzwaldvereins begangen habe (die Ostvariante des Westweges auf dem Stück zwischen Bärental und dem Titisee, den Mittelweg zwischen Blasiwald und Häusern und den Ostweg auf einem ganz kurzen Stück in Weizen-Bahnhof), wollte ich dann auch mal den Jakobsweg "mitnehmen".

Ich war heute unvorsichtig und lief mit unabgeklebten Zehen am Friedhof in Lembach (Gemeinde Wutach) los. Der strahlende Sonnenschein half auch meinen Füßen, denn die meckern selbst jetzt nach der Strecke nicht wirklich. Es ging durch leuchtend grüne und gelbe Felder hindurch und anschließend in den Wald hinunter nach Lembach (Ortsteil von Stühlingen).

Dort stieß ich schließlich auf den Jakobsweg (genauer wohl: "Rottenburg Südweg"), und der machte mir anfangs keine rechte Freude, denn ich wäre lieber den linken, ebenen als den rechten, steil nach oben führenden Weg gegangen, aber ich wollte ja erstens auf dem Jakobsweg bleiben und zweitens das heutige Ziel, Weizen, erreichen ...

Es ging nun ein Stück durch den Wald, und steile Strecken im Wald sind immer noch besser als unter freiem Himmel, denn im Wald ist es etwas kühler. Ich schwitzte trotzdem, genoss aber den Wald und die gelegentliche Aussicht und war froh, als ich so langsam merkte, dass der Weg öfter abwärts denn aufwärts ging ...

Über - wiederum - leuchtend gelbe und grüne Felder ging es in Richtung Weizen, noch einmal kurz den Wald und dann in Weizen teilweise richtig steil die Gasse runter, bis ich schließlich in Weizen vor dem Geschäft der Eltern eines engen Studienfreundes auf meine Abholung wartete.

Heute war das eine richtig schöne Wanderung von 8,74 km, nicht wirklich anstrengend, aber ins Schwitzen kam ich schon, sodass wir nun den Gesamtkilometerzähler auf 228,81 km gestellt haben ...

So wie heute kann es bleiben, sonnig, nicht zu heiß, perfektes Wetter zum Wandern ...

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts (was Sie da erahnen, ist der Lindenbuck)

Mystischer Wald, sag ich doch die ganze Zeit

Mystische Straße im Wald

Aaaah, herrlich ...

Dieses Grün und dieses Blau!

Hügel mit Bäumen und Sonne

Zwischen Lausheim und Weizen

Blick aus dem Wald auf den Wald

Gelbes Feld vor Wald

Da ist der Jakobsweg!

Noch einmal Wald

Kirche in Weizen