Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 15. Juli 2018

Nachtbaden

... ist eine wunderbare Erfindung, die ich letzte Nacht im Rudas-Bad das erste Mal genossen habe. Abgesehen davon bin ich ein ziemlicher Vollidiot, weil ich zwei Wochen gebraucht habe, um das erste Mal im Dunkeln in der Innenstadt zu landen und den Ausblick auf die Burg und die Brücken zu genießen, wenn sie beleuchtet sind - aber die Selbsteinschätzung ist ja für keinen regelmäßigen Leser dieses Blogs eine wirkliche Überraschung.

Fangen wir mal am Ende der letzten Woche an. Ich fuhr ja am Samstag oder Sonntag zum Heldenplatz, und der Busfahrer war ein ziemlicher Depp, dachte ich. Das Problem war, dass ich offenbar - und definitiv aus Versehen - anstatt des normalen Halteknopfes den Nothalteknopf gedrückt hatte. Nun stand ich hinter der Metallstrebe und sah nur den Knopf, aber nicht, was darunter (oder darauf) stand, sodass ich das nicht ahnen konnte, aber das erklärt (nicht "entschuldigt") das etwas unfreundliche Gehabe des Busfahrers ...

Die Arbeitswoche war gut, aber irgendwie machte mir die WM die Abende ein bisschen kaputt. Jedenfalls guckte ich am Dienstag und Mittwoch die Halbfinals in meiner Wohnung, weil ich hier sogar einigermaßen früh aufstehe, und wenn ich die Spiele in der Stadt geguckt hätte, wäre das mit dem frühen Aufstehen schwieriger geworden.

Am Donnerstag entschied ich mich dann spontan (und ziemlich kurzfristig), zum Spiel von Ferencváros (dem angeblich besten Budapester Verein) und Maccabi Tel Aviv in der Europa League zu fahren. Ich stieg in die Straßenbahn, und - welche Überraschung - da stiegen auch etliche Fans von Fradi (die Ungarn kürzen so ziemlich alles ab, nicht nur Vornamen und "bitte" und "danke", sondern offenbar auch den Namen des Fußballvereins) ein. Sie fingen an zu singen, und da hörte man auch was von "Tel Aviv" raus (was nicht unbedingt freundlich klang), sodass ich sicherheitshalber meine Ungarisch-Expertin per WhatsApp fragte, was "scheiß Jude" auf Ungarisch heißt, damit ich da nicht versehentlich mitsinge ...

Der eine Kollege hatte mich schon gewarnt, dass das Fan-ID-Unwesen, das bei der WM (und auch in den Niederlanden) Einzug gehalten hat, jedenfalls bei Ferencváros auch gilt - hier sogar mit Handvenenscanner. Ich hatte aber gelesen, dass man diese Fan-ID auch am Stadion bekommt. Joa, bekommt man, aber die Schlange an diesem Schalter war - nach meiner Schätzung - ungefähr 80 Meter lang, und ich war eine halbe Stunde vor Spielbeginn da - es gab es kein Durchkommen.

Als ich auch am Gästeblock kein Kartenhäuschen fand (mir wäre es ja egal gewesen, wo ich sitze), brach ich den Versuch ab und fuhr in die Stadt zum Abendessen. (Am Tag darauf kam meine Quasi-Chefin leicht aufgeregt zu mir und zeigte sich froh, dass ich noch lebe, weil ich ihr zwar erzählt hatte, dass ich zum Spiel will, aber sie erst am Abend sah, dass Fradi gegen eine israelische Mannschaft spielte - und Ferencváros ist anscheinend nicht unbedingt für seine friedlichen und philosemitischen Fans bekannt ... Nun fand ich die Stimmung nicht wirklich aggressiv, und auch, dass sie von "viel Polizei" sprach, konnte ich nicht so richtig nachvollziehen, denn für einen deutschen Fußballfan war das Polizeiaufgebot nun wirklich nicht riesig. Aber insgesamt werde ich Fradi erstmal meiden, wenn die so einen Mist mit dieser Fan-ID machen ...)

Ich war unentschieden, und landete am Ende in einem mittelprächtigen Edelschuppen (der aber wenigstens das Spiel auch zeigte - es ging 1:1 aus), in dem ich es mir gutgehen ließ. Das Essen war völlig in Ordnung, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis war nur dann so richtig akzeptabel, wenn ich mir vergegenwärtige, dass das halt in der Touristenzone einer europäischen Hauptstadt im Hochsommer ist. Das Lamm konnte jedenfalls mit dem von meiner Ersatzoma nicht mithalten (das schreibe ich, glaube ich, jedes Mal, wenn ich irgendwo Lamm esse, aber es hilft alles nichts, ist halt so ...), und der Pálinka für sieben Euro war auch okay ...

Ich schleppte mich nach Hause und kam am Freitag Morgen halt mal (kurz) nach halb neun ins Büro ...

Da fragte mich die Kollegin aus Stuttgart in der Teeküche, ob ich am Abend mit ihr das Schiff von der Árpád-Brücke bis hinunter zur Petőfi-Brücke nehmen würde. Praktischerweise ist dieses Schiff Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs in Budapest und entsprechend (zumindest werktags) in unseren Monatsfahrkarten enthalten (diese sind übrigens für 30 Euro sehr erschwinglich ...) - sehr gerne sagte ich in jedem Fall zu.

Also machten wir gegen 17.30 Uhr Schluss, gingen die paar Meter bis zur Bootslände und warteten auf die leicht verspätete Fähre. Kurz hinter der Margareteninsel ergatterten wir auf dem Oberdeck Stühle - zuvor hatten wir gestanden - und hatten gleich einen wunderbaren Blick auf die Margaretenbrücke, die wir unterquerten, und danach aufs Parlament und die Kettenbrücke. Achso, ja, rechts - an Steuerbord - sah man auch die Burg, die hätte ich fast vergessen ...

Wir legten am Parlament an und wieder ab, und der blaue Himmel und der Traumblick aufs Parlament - spätestens da wusste ich, dass ich diese Fährfahrt nicht zum letzten Mal gemacht habe. Wir kamen nach der Unterquerung der Ketten- und der Elisabethbrücke an der Petőfibrücke ab und stiegen in die historische Straßenbahn 2 ein, die parallel zur Donau auf der Pester Seite unterwegs ist und aus der Bahn - wenn man sitzen kann - einen tollen Blick auf den Burgberg hat.

Da wir nicht saßen, stiegen wir relativ bald aus, aßen am Dunacorso Kürtőskalács - auf Österreich-Deutsch heißt das "Baumstriezel", aber "Kürtőskalács" klingt doch gleich viel ungarischer -, also einen - laut Wikipedia - auf offener Feuerstelle an einem Rundholz gebackenen Kuchen aus Hefeteig. Meiner enthielt Schokolade, und das war eine klebrige Angelegenheit, aber eine sehr leckere, klebrige Angelegenheit ...

Irgendwie hatten wir jetzt Durst auf ein Getränk, das zumindest bei ihr nicht "Bier" hieß, und sie führte mich über die Andrássy út - eine der Hauptstraßen Budapests - in ein veritables Kneipenviertel mit einer Kneipe an der anderen.

Wir waren ein bisschen verfressen, sodass ich - neben drei Stark- bzw. Bockbieren - noch eine Wurst verspeiste. Auf den Pálinka verzichteten wir sogar. (Beim Aufbruch musste ich austreten, landete aber auf der Damentoilette, weil auf der Glastür zur Toilette, die zu finden schon einem Labyrinthausbruch entsprach, unter einem kleinen Querbalken "MEN" stand - dass über dem Querbalken "WO-" gestanden hatte, hatte ich wirklich und ernsthaft übersehen. Die Frau, die mich darauf aufmerksam machte, als ich nachher am Waschbecken stand, lachte herzlich über mich - ich dann, nachdem ich sie verstanden hatte (sie sprach Ungarisch), auch ... Die fehlenden Urinale waren mir zwar aufgefallen, aber auf die Idee, dass ich falsch sein könnte, war ich wirklich nicht gekommen ...)

Wir erwischten den vorletzten Bus (sonst wär's halt ein Nachtbus geworden, das wäre auch kein Drama gewesen) - ein schöner Abend war das.

Am Freitag schlief ich erstmal richtig aus, also so richtig, und brach dann kurz in die Stadt auf. Ich hatte in einer Broschüre, die eine Kollegin mir gegeben hatte, einen kleinen Stand entdeckt, der Pörkölt ...

Ach ja, also, das was wir in Westdeutschland unter "Gulasch" verstehen, heißt in Ungarn "pörkölt", und das, was die Ungarn "gulyásleves" (gesprochen: Guljaschlewesch - oder so ähnlich ...) nennen, ist bei uns die Gulaschsuppe. In Ostdeutschland (jedenfalls in der Mensa in Jena) stand regelmäßig Pörkölt auf dem Speiseplan, was ich - als ich herausgefunden hatte, dass das mein (westdeutsches) "Gulasch" ist - dann auch gerne aß ...

Also, ich hatte den kleinen Stand entdeckt, der Pörkölt im Pfannkuchen verkauft - das sieht dann erstmal so ähnlich aus wie das Lahmacun, das ich mir beim Dönermann immer kaufe, nur ist der Teig halt ein bisschen weicher und der Inhalt ist lecker Pörkölt, also Gulasch, siehe oben ... Hmmmmm, himmlisch (ich war heute Mittag gleich nochmal da ...).

Danach lief ich - uneingeschmiert und ohne Wasser, Vollidiot, siehe oben - in Richtung der Kettenbrücke, überquerte diese (gelegentlich im Schatten stehend den Blick auf Burg, Donau und Parlament genießend) und fuhr dann mit meiner 105 zurück nach Hause, um daheim das Spiel um Platz 3 zu gucken (sonst hätte ich einen Sonnenstich davongetragen, oooooooh ... Ich höre genau, wo da gekichert wird!).

Nach dem Spiel um Platz 3 machte ich mich ganz gemütlich fertig, denn ich wollte gegen 22 Uhr im Rudas-Bad zum Nachtbaden sein (muss immer aufpassen, dass ich "Nachtbaden" und nicht "Nacktbaden" schreibe, denn das gibt es im Rudas anscheinend auch, denn unter der Woche ist immer nur ein Geschlecht zugelassen und dann ist auch das Baden mit Lendenschurz oder im "birthday suit", wie ich eben gelassen habe, also im Adamskostüm, zugelassen, nur am Wochenende ist gemischtes Baden, und dann mit Badekleidung).

So gegen 20.30 Uhr war ich in der Stadt, lief von der Kettenbrücke ganz gemütlich runter zur Elisabethbrücke, genoss den fantastischen Blick auf die beleuchtete Burg und die beleuchtete Kettenbrücke, der von der Elisabethbrücke aus noch fantastischer war, und kam überpünktlich am Rudas-Bad an. Ich musste noch ein bisschen warten, weil die erst um Punkt 22 Uhr die Kassen aufmachten, denn bis 22 Uhr war noch der Tagesbetrieb dran.

Der Eintritt kostet 5.100 Forint, das sind etwa 15 Euro, und dazu lieh ich ein Handtuch für 1.000 Forint, also etwa drei Euro. Eine Badekappe brauchte ich nicht, die Badekappenpflicht haben sie irgendwie anscheinend abgeschafft, obwohl das noch überall dran steht, denn auch die Damen mit ihren langen Haaren waren ohne im Wasser.

Ich kämpfte mit dem System, weil ich erst im zweiten Anlauf verstand, dass mir automatisch eine Kabine zugewiesen wurde, in der ich meine Sachen lassen konnte, aber dann stand ich, in Badehose und Flipflops, diesmal ohne kariertes Hemd, aber mit weißem Handtuch bewaffnet, am Eingang zum Thermalbad.

Das Rudas-Bad ist eines der ältesten Bäder Budapests (es wurde noch von den Osmanen errichtet), und es ist ein tolles Gefühl, in diesen alten Mauern herumzuwandern und zu planschen. Von "silence please" hielt die Gruppe von - ich glaube - Russen eher wenig, aber das war nicht so schlimm ...

Ich machte erst eine Runde durch die fünf Thermalbecken, die 28, 30, 33, 36 und 42 Grad warmes Wasser beinhalten (bei den 42 Grad denkt man jedes Mal, man verbrüht sich heftigst, aber eigentlich ist es für ein paar Minuten ganz gut auszuhalten), ließ das Tauchbecken mit 18 Grad aus, und ließ die Sauna und das Dampfbad erstmal links liegen. Danach ging ich am Schwimmbad (das mich wahnsinnig an das Volksbad in Jena erinnerte, nur dass da wirklich noch ein Schwimmbad drin ist) vorbei zum Wellnessbereich und hoch auf die Dachterrasse.

Auf der Dachterrasse ist ein relativ kleines Becken, aber das hat eine ganz schicke Aussicht auf das beleuchtete Buda und die Elisabethbrücke (jedenfalls bis ca. ein Uhr, dann wird die Beleuchtung ausgeschaltet ...), aber das war mir zu voll. Daher ging ich wieder runter in den Wellnessbereich, erkundete das Kontrastbad (erst eine Minute im 42-Grad-Becken, das es dort auch noch einmal gibt, dann zehn Sekunden ins 16-Grad-Becken, dann wieder eine Minute ins 42-Grad-Becken), verlas mich, denn zum Abschluss verbrachte ich eine Minute im 16-Grad-Becken, obwohl auf der Hinweistafel stand, dass man eine Minute lang warm duschen soll, aber war auch egal, denn das war ganz gut auszuhalten, und verbrachte dann eine Weile im Wellnessbereich.

Am besten gefiel mir aber - natürlich - das alte Bad, das so gegen Mitternacht noch einmal voller wurde, weil eine Gruppe von Chinesen reinkam, aber ab 1 Uhr oder so (nachdem ich oben auf der Dachterrasse war) wurde es merklich leerer. Ich erkundete dann auch das Dampfbad und die Luftsauna, verbrannte mir die Füße auf dem heißen Steinboden (aber man sollte die Schlappen draußen lassen; andererseits soll man sich auch aufs Handtuch setzen, das macht nur auch keiner ...), kühlte mich im 18-Grad-Becken ab und machte mehrere Male die Runde vom 28- über das 30-, das 33- und das großen 36-Grad-Becken mit dem Abschluss im 42-Grad-Becken. Das war richtig toll und war mit großer Sicherheit nicht das letzte Mal, dass ich dort war.

Ich fuhr um kurz vor drei mit dem Nachtbus heim, war um halb vier zuhause und um vier Uhr im Bett, und heute Morgen schlief ich natürlich ein bisschen aus.

Heute schmierte ich mich ein, fuhr kurz in die Stadt, aß den Gulaschpfannkuchen und trank ein Bier am Freiheitsplatz (szabadság tér), auf dem die Budapester ein Fanfest aufgebaut haben. Aber irgendwie wollte ich nicht so richtig bleiben, fuhr schnell wieder mit dem Bus heim und guckte das Finale dann in der Wohnung.

Bis auf die Fußballergebnisse war das ein ganz großartiges Wochenende. Nächstes Wochenende bin ich in Deutschland, aber dann in zwei Wochen werde ich bestimmt wieder (mindestens) ein Bad erkunden. Wieso nicht am Freitag Abend ins Rudas und am Samstag Abend dann zur Party ins Széchenyi-Bad? Auf alle Fälle werde ich mir Badehandtücher aus Deutschland mitbringen, damit ich keine mehr ausleihen muss.

So, das war jetzt ein längerer Blogeintrag, vielleicht muss ich doch wieder dazu übergehen, öfter zu berichten als einmal wöchentlich, mal sehen ...

Fotos:

Parlament von der Fähre aus

Pörkölt im Teigmantel

Die überbelichtete Kettenbrücke

Panorama von der Kettenbrücke

Die Kettenbrücke zur blauen Stunde

Die Burg zur blauen Stunde

Burg und Donau zur tiefblauen Stunde ...

Montag, 9. Juli 2018

Flüge über Flüge

... habe ich heute gebucht oder mit der Bitte um Buchung ins Sekretariat gegeben, das wird ein reiseintensiver Sommer ...

Am Freitag nächster Woche fliege ich zu einem Kundentermin nach Frankfurt und fahre am Abend dann - wahrscheinlich mit dem Auto - in den Schwarzwald zu meiner Mutter. Am Sonntag Abend, dem 22. Juli, fliege ich dann von Zürich mit Umsteigen in München nach Budapest. Ich komme dann hier so gegen 23.30 Uhr an, das wird dann irgendwie passen.

Drei Wochen später fliege ich schon am Donnerstag, dem 16. August, nach Frankfurt, weil ich am Sommerfest des Büros in Wiesbaden teilnehmen möchte. Den Freitag mache ich dann "Home Office" im Wiesbadener Büro und am Abend - diesmal dann wohl mit dem Zug, denn das Auto wird ja noch im Schwarzwald stehen - geht es dann wieder in Richtung Süden. Zurück geht es aber nicht mit dem Flieger, sondern meine Mutter und ich machen mal wieder einen unserer berüchtigten Roadtrips und werden am 19. August im Schwarzwald starten. Wir müssen uns nicht wahnsinnig beeilen, denn am 20. August ist hier der Nationalfeiertag, aber das Feuerwerk über der Donau möchte ich am Abend dann schon gerne sehen ... Meine Mutter fährt dann wahrscheinlich eine Woche später wieder nach Hause, nachdem wir gemeinsam Budapest erkundet haben.

Und in der Woche vor dem 7. September kommen die Leutchen, mit denen ich im Juni in Israel war, nach Budapest zu Besuch. Am Freitag, dem 7., fliegen wir dann nach Istanbul und haben dort zwei Nächte - das wird ganz bestimmt auch toll, der nächste Besuch in Istanbul ist nämlich schon längst überfällig.

Joa, das sind dann also fünf Flüge (sechs, wenn man Zürich-München-Budapest als zwei Flüge zählt) in den nächsten acht Wochen, und dazwischen erkunde ich an den freien Wochenenden Budapest - das wird ganz großartig ...

Sonntag, 8. Juli 2018

It's coming home

Bitte auch die Fotos von Moskau aus dem Post vor einigen Minuten beachten!

Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft habe ich zunächst die Schweiz unterstützt, die meine neu gefundene Zuneigung leider nicht zurückgegeben hat und ausgeschieden ist. Meine dritte Wahl ist nun England, und diese Wahl bereitet mir größte Freude, jedenfalls im Moment noch ... Football's coming home, sang man 1996 zur EM, als England im Halbfinale gegen Deutschland rausflog, und weil Deutschland diesmal nicht mehr dabei ist, muss England ja ins Finale kommen. Let's go ...

Wie? Budapest? Ich soll war zu Budapest schreiben? Na gut ...

Die erste Woche hier war gut, sehr spannend, durchaus herausfordernd, und ich freue mich auf die nächsten zehneinhalb Wochen ...

Am Montag war ich ja erstmal halbtot ins Bett gefallen, und der Schlafmangel der Nacht von Sonntag auf Montag machte sich die ganze Woche hindurch bemerkbar, sodass ich gestern erstmal ausschlafen wollte und musste ...

Am Dienstag erkundete ich erst einmal die Gegend hier um meine Unterkunft herum. Ich war zwar noch nicht in der Ladislaus-Kirche (Szent László) hier um die Ecke, aber an der komme ich jeden Fall vorbei, sodass sie ein guter Orientierungspunkt ist, in der Nähe sind - aber das hatte ich schon bemerkt - ein Spar- und ein Lidl-Supermarkt, sodass ich nicht in Gefahr stehe, zu verhungern oder zu verdursten. Am Dienstag Abend war ich dann in einer hochgelobten Gaststätte einige hundert Meter von der Wohnung entfernt und aß dort eine Gulaschsuppe (Gulyáslevés, wenn ich die Akzente nicht alle treffe, sorry ...) und danach ein Steak nach Art des Hauses, was auch lecker war, aber mich nicht vom Hocker gehauen hat ...

Am Mittwoch nach der Arbeit wagte ich mich das erste Mal in die Innenstadt und lief an der wunderschönen Donau-Promenade aus dem XIII. Bezirk in Richtung Süden. Beim Parlament fielen mir erstmal der Unterkiefer runter (ja, schon der Reichstag ist ziemlich groß, aber das da ... unfassbar), in das Gebäude will ich unbedingt mal rein!

Ich aß zu Abend in der Innenstadt, der Chef wies mir zwar einen Platz zu, danach wurde ich aber vergessen und war gerade dabei aufzustehen, als der Chef mich dann doch wiederentdeckte und mir schnell die Speisekarte hinlegte - hast du nochmal Glück gehabt, Kollege.

Der Ober war sehr freundlich, und als ich "A számlát, kérek szépen" aufsagte ("die Rechnung bitte", fing er an zu grinsen und Ungarisch zu sprechen - so gut spreche ich das doch jetzt auch wieder nicht, Mann!). Zur Belohnung für meine Mühen bekam ich einen Schnaps und wackelte dann in Richtung der Bushaltestelle der Nr. 105, die aus dem Stadtzentrum direkt zu meiner László-Kirche hier fährt, was sehr praktisch ist. Ich wollte - ich hatte noch keine Monatsfahrkarte gekauft - beim Fahrer zahlen, aber winkte mich durch, und so fuhr ich mehr oder weniger schwarz, aber jedenfalls mit Genehmigung des Fahrers (ob mir das im Falle einer Kontrolle so viel gebracht hätte, sei mal dahingestellt, aber so war es halt ...).

Am Donnerstag machte ich mir, glaube ich, ich es weiß es nicht mehr so genau, abends einen schönen Feierabendtag in meiner Bude, weil ich am Freitag früh raus wollte, um dann - des Fußballs wegen - früh Schluss zu machen ...

Das klappte dann auch, aber weil ich so unentschlossen war, wo ich das erste Spiel gucken wollte, landete ich - nach dem Kauf einer Monatskarte und kurzer U-Bahn-Fahrt - am Szabadság-Platz in der Stadtmitte, wo die Budapester ein Fan-Fest aufgebaut haben. Ich trank zwei Bier und verspeiste dann ein dermaßen knoblauchiges Lángos, dass ich nach dem Uruguay-Frankreich-Spiel aufbrach und mir das zweite Viertelfinale zu Hause anguckte.

Gestern schlief ich dann erst einmal aus, fuhr dann in die Stadt, stieg am Heldenplatz aus, guckte mir die ganzen Helden an, ging durch den Városliget-Park zur Vajdahunyad-Burg und zum Széchenyi-Bad (hatte keine Schwimmsachen dabei, werde mir das aber bestimmt mal von innen angucken ...), fuhr mit der Metro weiter in die Stadt, guckte an der Synagoge vorbei, fuhr bis zur Buda-Seite der Elisabethbrücke und lief zurück über die Donau und fiel dann in einer "typisch ungarischen" Gaststätte zum späten Mittagessen und Fußballgucken ein.

Nach dem ersten Bier hatte ich mir so viel Mut angetrunken, dass ich mit den Bedienungen fast nur noch auf Ungarisch kommunizierte, und sie waren so klug, ihre Rückfragen mit Zeichensprache zu unterlegen, sodass ich im Zweifel nur noch "igen" ("ja") sagen musste. Insgesamt kann man den Ungarn eine große Freude machen, wenn man ihre Sprache versucht zu sprechen (selbst wenn man dabei die Sprache vergewaltigt), auch wenn die Ungarn fast alle so gut Englisch oder gar Deutsch sprechen, dass ich manchmal das Gefühl habe, es wäre für alle Beteiligten einfacher, wenn wir einfach (weiter) Englisch sprechen als dass sie mir bei meinen Verkünstelungen zuhören müssen ... Trotzdem lächeln sie noch ein bisschen mehr, wenn ich "még egy, kérek szépen" ("ich hätte gern noch eins") sage als wenn ich das in einer Fremdsprache machen würde (ich bilde mir ein, dass das Freude ist und sie mich nicht auslachen ...), nun ja, wir werden sehen, wo das noch hinführt ...

Vor lauter Ungarisch-Üben waren es dann am Ende vier Bier (és egy colát - und eine Cola) geworden, sodass es die klügere Entscheidung war, den Heimweg anzutreten, was mittels der 105 auch ganz funktionierte. England gewann, und der Tag war noch besser.

Heute Morgen war ich dann ein bisschen früher wach, zog mich an und fuhr zum Frühstück in die Innenstadt. Ich hatte Hunger und bestellte daher ein normales, kleines Frühstück und dazu ein Omelett mit Wurst und Zwiebeln. Das Omelett kam und auch das Rührei vom kleinen Frühstück, aber Butter, Marmelade und Orangensaft fehlten ... Vielleicht wollte er es mir das süße Zeug erst bringen, wenn ich den herzhaften Teil des Frühstücks verzehrt hatte, aber er räumte das Brot mit dem benutzten Geschirr ab ... Hm, hatte ich da ein "oder" überlesen? Ich holte mir nochmal die Karte und beorderte den Ober her. Erst wollte er mir erzählen, dass die Frühstückszeit schon vorbei war (das war sie, aber wenn ich noch nicht mein ganzes Frühstück hatte, ist das nicht mehr Problem), aber als ich ihn darauf hinwies (nunmehr auf Englisch), dass Butter, Marmelade und Orangensaft noch fehlten, brachte er sie.

Das war sehr komisch, die ganze Aktion, ich weiß nicht, ob er mich übers Ohr hauen wollte, auf meine schlanke Linie achtete oder einfach nur wirklich strunzen...vergesslich war - in die Kneipe gehe ich nicht mehr zum Frühstücken, auch wenn es sonst alles ganz okay war ...

Danach fuhr ich mit der Metro unter der Donau durch und mit dem Bus (nachdem ich ihn endlich gefunden hatte, da drüben am Kálmán-Széll-Platz fahren gefühlt achtzehn Linien an zehn verschiedenen Orten ab, Straßenbahn, Bus, Metro, alles, was vier oder mehr Räder hat, ist dort zu finden ...) hoch zur Burg.

Holla, die Waldfee! Nach der Einfahrt durchs Wiener Tor fährt man da durch eine kleine eigenständige Stadt, und ich stieg an der Matthiaskirche aus. Dort ist auch die Fischerbastei, von der man einen fantastischen Blick auf die Pest-Seite und insbesondere auf das Parlament hat (ja, dass Flüsslein davor namens "Donau" sieht man auch ganz gut ...).

Ich spazierte noch ein bisschen durch die Burg und fuhr dann aber auch schon heim, weil ich einfach noch ein bisschen was vom Wochenende auf meiner Couch haben wollte (und weil so viele Leute ja meinen Blog erwarten ...). Natürlich werde ich die ganzen Sehenswürdigkeiten, die ich jetzt gerade so angekratzt habe (und auch einige, die ich noch gar nicht angekratzt habe), in den nächsten Wochen noch genauer erkunden - in dieser Woche ging es, auf der Arbeit wie sightseeingtechnisch, erst einmal darum, anzukommen, und ich bin gut angekommen. In den nächsten Wochen werde ich mir auch Budapest Schritt für Schritt erobern, und wenn ich dafür die Nacht von Freitag auf Samstag oder von Samstag auf Sonntag beim Nachtbaden im Rudas-Bad durchmachen muss ...

Fotos wollen sie sehen, die Leser? Naja, dann sollen sie Fotos kriegen:



Parlament

Stefanskathedrale

Heldenplatz

Synagoge

Blick von der Elisabethbrücke auf die Burg

Matthiaskirche
Blick aufs Parlament von der Fischerbastei

Kettenbrücke

Фотографии из Москвы

Bevor ich über Budapest berichte, erst noch ein paar Bilder aus Moskau:

Ostankino-Fernsehturm

Kaufhaus GUM

Kreml vor Moskwa

Erlöserkathedrale

Weißes Haus (Sitz der Regierung)

Kreml von der anderen Seite der Moskwa


Montag, 2. Juli 2018

Expat im weitesten Sinne

... bin ich seit heute, denn heute bin ich im wörtlichen wie im übertragenen Sinn in Budapest (im Ausland!) gelandet, um hier elfeinhalb Wochen bis zum 19. September mit den ungarischen Kollegen zusammenzuarbeiten ...

Das Aufstehen heute Morgen war grausam, richtig grausam, aber meine Mutter schmiss mich ausreichend früh raus. Es wurde final gepackt, dann ging es zum Flughafen. Ich packte noch ein bisschen um, um auf genau 23 Kilo beim großen Gepäck zu kommen - und das Gewicht des Handgepäcks kontrollierte zum Glück keiner ...

Die Sicherheitskontrolle hatte heute noch keiner vor mir betreten, entsprechend schnell war ich durch. Joa, das Boarding und der Flug waren völlig normal, aber es ist schön, dass man bei der Lufthansa noch eine Kleinigkeit zu essen kriegt, ich hatte nämlich Hunger ...

Mein Gepäck kam dann auch irgendwann, und Uber scheint es doch nicht hier zu geben (meine Kollegin meinte dann später, die seien hier "weggeschickt" worden, nun denn ...). Also nahm ich ein normales Taxi und ließ mich zum Büro fahren.

Ich wurde sehr herzlich begrüßt, und ich kann mir gut vorstellen, dass das spannende und herausfordernde, aber auch sehr schöne Wochen hier in Budapest werden ...

Ich war irgendwann fertig mit der Welt und schließlich ja schon seit 4.50 Uhr auf Dienstreise, also bat ich meine Kollegin, die mich ein wenig betreut, mir ein Taxi zu bestellen, was dann auch schon da war, als ich herunterkam ... Wir fuhren ein bisschen zum Apartmenthaus, in dem ich gleich einchecken konnte ...

Joa, meine Bude hat alles, was man braucht, von der Mikrowelle über die Waschmaschine hin zu einem etwas altertümlichen, aber voll funktionsfähigen Fernseher, ein kleiner Balkon ist auch dabei, alles völlig in Ordnung.

Eigentlich wollte ich heute Abend unten im Café essen, aber ich ging erst einkaufen und entschied mich spontan um, indem ich ein Brot und Kolbász kaufte und es mir oben in der Wohnung gemütlich machte. Jetzt wird Fußball geguckt und dann unverzüglich die Horizontale aufgesucht ...

Ich habe in den Stunden heute noch kein bisschen ungarisches Bargeld in der Hand gehabt, weil man hier alles, wirklich alles mit der Karte zahlen kann (Taxi und Kantine sind keine Ausnahme), aber morgen hole ich mir mal ein bisschen, weil ich mich dann doch unwohl fühle so komplett ohne bare Kohle ...

Fotos aus Moskau wollen immer noch nicht, irgendwann lade ich die auch mal hoch, am Wochenende vielleicht, wenn ich Zeit (und Lust ...) habe.

Sonntag, 1. Juli 2018

Am letzten Abend

... trank ich endlich einen Wodka. Naja, wenn's bei einem geblieben wäre ...

Eigentlich ging es mir gestern schon wieder deutlich besser, sodass ich mir sogar für 5 Uhr den Wecker stellte, um das Spiel der deutschen Rugby-Fünfzehn in Samoa zu verfolgen. Naja, das ging mit 15:66 gefühlt genauso verheerend aus wie das Spiel der deutschen Fußball-Elf ... Furchtbar.

Dann war ich aber auch wach, duschte und ging in Richtung Monorail-Haltestelle. Diesmal fuhr ich in die andere Richtung, weil ich ausprobieren wollte, wie ich so zum Roten Platz komme - grundsätzlich aber ist es nicht schwer, in Moskau zum Roten Platz zu kommen, weil fast alle Metrolinien irgendwo durch die Innenstadt fahren, und am Ende steigt man halt einmal um und steigt irgendwo in der Nähe des Roten Platzes aus - das passt ganz gut ...

Diesmal stieg ich also um, trug einer Polizistin noch ihre Baseballmütze hinterher, die sich im Luftstrom, der aus der U-Bahn kam, verloren hatte, wofür sie sich überschwänglich und lachend bedankte, und kam an der Teatralnaya raus. Ich wollte auf den Roten Platz, da eröffnete mir die Polizistin, dass ich dort kein Wasser mitnehmen dürfte. Leute, hakt's?

Liebe Russen, ich finde es sehr sympathisch, dass ihr die WM mit freundlicher Gemütlichkeit begleitet, ohne jetzt den übergroßen patriotischen Rummel daraus zu machen. Auch die meisten normalen Menschen, die einem begegnen, sind - wenn man auf Englisch oder auf Google ins Gespräch kommt - stark darauf aus, die Gastfreundschaft zu betonen - wirklich sehr schön!

Die Sicherheitsmaßnahmen hier sind aber nach meiner Ansicht völlig übertrieben, zum einen, weil sie nicht angemessen sind, und zum anderen, weil sie viel zu leicht umgangen werden können, was das ganze Überwachungsgedöns ad absurdum führt.

Drei Beispiele:

Beim Fan-Fest in Kasan (und wahrscheinlich war das gestern auf dem Roten Platz auch das Problem, weil dort auch ein kleines Fan-Fest ist) darf man keine gefüllten Getränkeflaschen mitnehmen und bekommt an den Getränkestände auch nur die Flaschen ohne Deckel. So weit, so gut, auf die Weise kann man die Dinger nicht zuschrauben und irgendjemandem an den Kopf werfen (leider gibt es beim Fußball solche Idioten). Nur wird beim Eingang zwar jede Tasche auf gefüllte Getränkeflaschen und jeder Kinderwagen vom Spürhund untersucht, aber eine leere Getränkeflasche oder auch nur einen Flaschendeckel kann man mit aufs Fan-Fest nehmen. Wenn ich aber eine leere Flasche oder einen Flaschendeckel mitnehmen kann, kann ich diese leere Flasche auch wieder füllen (und dem, der sie ans Hirn kriegt, dürfte es egal sein, ob da Cola oder Wasser aus dem Wasserhahn der Toilette drin ist) bzw. der Flasche mit abgeschraubtem Deckel den mitgebrachten Deckel wieder draufschrauben, voilà, Wurfgeschoss olé.

Der Rote Platz ist wunderbar umzäunt und an den Eingängen wird mit Kontrollsonden und Blicken in die Tasche und Anschaltenmüssen des Handys überprüft, ob du irgendwas Böses tun willst (und wehe, deinem Rechner ist der Saft ausgegangen, dann ist eh Schicht im Schacht). Nur, Freunde der Sonne, ihr habt halt nur eine Zaunreihe aufgebaut und es steht auch nicht alle paar Meter ein Polizist und passt auf, dass man da nichts rüberwirft oder -gibt. Nun kann man so blöd sein und das drei Meter neben der Schleuse versuchen, da wird man mit großer Wahrscheinlichkeit eingefangen, klar, aber unten an der Basiliuskathedrale ist ein Winkel, wo im Sicherheitsbereich viele anstehen und außen viele vorbeilaufen, da könnt ihr auch mit Überwachungskamera nicht zeitnah sicherstellen, dass da nichts reingeschmuggelt wird. Wenn ihr da schon Angst vor Anschlägen habt, müsst ihr doppelte Zaunreihen machen und ab und zu einen Polizisten hinstellen, der guckt, dass niemand was rüberwirft ...

Und, finalmente, normalerweise muss man sich in Russland anscheinend binnen sieben Tagen bei der Polizei registrieren lassen. Bei der WM haben die Russen das "verschärft" und für Fan-ID-Inhaber oder Übernachtungen in den Austragungsstädten oder wie auch immer die Frist auf drei Tage verkürzt. Normalerweise registrieren Hotels dich sowieso automatisch, meine beiden ersten Übernachtungsstätten haben mich aber - wahrscheinlich - nicht registriert (was auch Bullshit ist, denn entweder kann ich sie über eine Buchungsseite buchen, dann müssen sie aber auch die Aufgaben eines Hotels übernehmen, oder halt nicht), was bei meinem dritten Hostel in Moskau zu größerem Aufruhr geführt hat. Am Ende kam es aber, wie es immer kommt: Kein Mensch wollte jemals diese Registrierung sehen, schon gar nicht die Grenzerin bei der Ausreise.

Natürlich ist Sicherheit immer eine Abwägung zwischen Aufwand und Nutzen, natürlich kann ich Flugsicherheit am allerbesten gewährleisten, indem ich alle Passagiere nackt, gefesselt und geknebelt (sonst beißen sie noch ...) ins Fluzeug pferche, aber irgendwann (sehr schnell!) werden die Fluggäste dagegen rebellieren. Wirklich ärgerlich wird es dann, wenn ich großen Aufwand betreibe, aber gar nicht so großen Nutzen davon habe, weil man die Sicherheitsmaßnahmen entweder so leicht umgehen kann wie in den ersten beiden Beispielen oder es am Ende scheißegal (Entschuldigung) ist, ob man sich an die Regeln hält oder nicht.

Ich zitiere die Toten Hosen: "Das wollt' ich nur mal klarstell'n, damit wir uns richtig versteh'n, ich habe nichts gegen München, ich würde nur nie zu den Bayern ...", äh, lassen wir das.

Ich setzte mich dann in den Sightseeingbus und fuhr die große Runde mit Vorbeifahrt am Kaufhaus Europa und dem alten Hotel Ukraina, dem "Weißen Haus", dem russischen Regierungssitz, ehe ich am Arbat ausstieg. Es gibt den alten und den neuen Arbat, beides sind Einkaufs- und Fressmeilen, und ich finde den alten Arbat entschieden gemütlicher - dort setzte ich mich in ein sehr gemütliches russisches Restaurant (das ist wohl eine Kette, aber das war mir egal) und aß Borsch und Pelmeni, beides sehr lecker. Das Bier, das ich dort probierte, war nicht so ganz meins ...

Ich fuhr eine Station mit der U-Bahn und wollte jetzt endlich in den Kreml, aber sowohl die Schlange für die Karten als auch die Schlange an der Sicherheitskontrolle (und hier verstehe ich die sogar, schließlich ist der Kreml der Sitz des Präsidenten) waren gefühlt hundert Meter lang, sodass ich Kreml Kreml sein ließ und zum Fan-Fest in der Nähe der Lomonossow-Universität fahren wollte.

Mit mir fuhren Unmengen von Argentinien-, Brasilien-, Uruguay-, Portugal- und anderen Fans mit (halt vor allem von Mannschaften, die gestern noch im Turnier waren ... seufz), aber wir wurden bei der Ankunft an der Station "Universitet" rüde ausgebremst: Per Megaphon wurde durchgesagt, dass schlechtes Wetter erwartet werde und dass das Fan-Fest deswegen erstmal geschlossen bleibe.

Jetzt hatte ich genug von dem ganzen Mist und entschloss mich, in die Kneipe zu fahren, in die ich am ersten Abend wollte und die nicht sooo weit von meinem Hostel entfernt ist. Gesagt, getan, ich ging vorher noch kurz für nachher einkaufen (was sehr klug war) und war gerade in das Pub eingefallen, als es schon fürchterlich anging zu gewittern - Glück gehabt, würde ich sagen.

Ich hatte jetzt keine Lust mehr auf Experimente (höhö) und bestellte ein Guinness, und obwohl das ein englisches Pub sein wollte, gab es - und das ist jetzt nicht so weit vom Ostankino-Fernsehturm entfernt - keine englische Karte, was in diesen Tagen selten geworden ist in Moskau ... Mit Hilfe von Google erarbeitete ich mir die Speisekarte und entschied mich für eine Soljanka als Vorsuppe und ein Sheffield-Kaninchen (Wie, die Leser kennen das berühmte "Sheffield-Kaninchen" nichts? Das gibt's doch gar nicht!) ...

Ein zweites Guinness kam, ehe das erste leer war, und als die Soljanka aufgetischt wurde, meinte der sehr freundliche und geschäftstüchtige Barkeeper, dazu gehöre "traditionell" ein Wodka. Das Unheil nahm seinen Lauf, denn nach dem lud er mich zu noch mindestens einem weiteren ein, während ich meine sich anschließende Kaninchen-Pastete verspeiste (beides war übrigens lecker, die Soljanka wie das Kaninchen ...). Am Ende meinte er, ich müsste einen "traditionellen" russischen Cocktail trinken - Freund Nase, ich bezweifle, dass die Mischung aus Jägermeister und Becherovka traditionell russisch ist, aber zu dem Zeitpunkt war sowieso schon alles zu spät ...

Zwischen dem ersten und zweiten Achtelfinale bestellte ich mir ein Uber, verlor fast meine Mütze, bekam beim Aussteigen einen Anschiss vom Fahrer, weil das einer von den Leuten war, die meinen, man würde das Auto kaputtmachen, wenn man die Türe mit ein bisschen Schmackes zuschlägt, und schaffte es - noch meine Registrierung für dieses Hotel entgegennehmend - ins Bett. Heilige Maria, Mutter Gottes, was für ein Abend ...

Ich hatte dem Barkeeper schon angedroht, dass er schuld wäre, wenn ich heute Morgen den Flieger verpasse, aber ganz so schlimm war es dann doch nicht. Ähm, ich war eh die halbe Nacht wach, von daher könnte ich kaum verschlafen ...

Spezi (das heißt, wieder Cola und Fanta abwechselnd trinken und im Mund vermischen, herrlich ...) ist und bleibt einsame Spitze gegen jede Art von Katerchen, Kater oder ausgewachsenem russischem Tigerbullen (Das heißt gar nicht "Tigerbulle"? Grad egal ...), ganz besonders, wenn sie schön kalt ist ... Ein letztes Mal ging es mit Uber zum Flughafen, der Check-in ging fix, die Ausreise auch (die wollte nicht mal mehr die Fan-ID sehen ...) und dann saß ich schon am Gate ...

Der Flug von Moskau nach Belgrad war ereignislos, abgesehen davon, dass ich beim Schlafversuch immer nach rechts in den Gang abkippte und dann aufwachte, aber hey, schlafen kann ich noch lang genug, wenn ich tot bin ... Hier in Belgrad haben sie am Ankunftsgate gleich mal eine Passkontrolle gemacht, keine Ahnung, was die da für Migrationserfahrungen hinsichtlich Russland gemacht haben, aber jetzt sitze ich gemütlich in der Lounge und warte auf den Weiterflug um 17.30 Uhr, sodass ich noch den Anfang des dritten Achtelfinals werde gucken können.

Um 19.30 Uhr komme ich planmäßig in Frankfurt an, um 21 Uhr treffen wir uns im Sherry, und morgen um 7 Uhr geht der Flieger ja schon nach Budapest - kurze Stippvisite in der Heimat also ...

Zwei Dinge noch:

Das Bezahlen mit der Kreditkarte ist in Russland weit verbreitet. Das geht so weit, dass man seine Cola für 80 Cent im Supermarkt mit dem Auflegen der Karte aufs Gerät bezahlt, und das machen viele so ... Es ist noch nicht so, dass man schief angesehen wird, wenn mar bar bezahlt, aber das kommt bald ...

Und ganz viele Leute haben ihre Fan-ID auch außerhalb des Spieltags demonstrativ um den Hals gehabt. Ich glaube, gerade für viele Russen war das ein Statussymbol, dass sie genug Geld (oder Einfluss) haben, um ins Stadion zu kommen. Aber auch viele Ausländer hatten die jeden Tag umhängen, auch wenn man sie wirklich nur am Spieltag (und bei der Einreise) zwingend gebraucht hat ...

Fotos wollen gerade nicht so wie ich, die werden dann - morgen Abend oder so - aus Budapest nachgereicht ...

Denn morgen früh, 7 Uhr, geht ja schon mein Flieger nach Budapest. Welcher Volltrottel hat das denn so entschieden? Wie? Ich? Nein! Doch! Oooooh ...

Freitag, 29. Juni 2018

Nicht so gut

... ging es mir heute, aber ich weiß nicht, ob das die Nachwirkungen vom Deutschland-Spiel sind, ob ich mir etwas eingefangen habe oder ob das Bier gestern Abend in der eigentlich sehr netten Kneipe schlecht, weil unsachgemäß gelagert war (nein, es lag nicht daran, dass ich zuviel getrunken hätte, das kann ich ausnahmsweise ausschließen).

Nun denn, ich aß also gestern nochmal das Filet Mignon in der Bar Duck und ließ mich dann zum Flughafen fahren. Ich war viel zu früh dran, checkte aber halt schon ein und ging durch die Sicherheitskontrolle. Mit unterwegs auf dem Weg nach Moskau waren viele Deutsche, und die meisten von ihnen starrten mit leeren Gesichtern ins Leere ...

Der Flug war problemlos, nur konnte ich am Flughafen Wnukowo nicht wie gewohnt mein Uber mit Preis-Voranzeige buchen. Später fand ich heraus, wieso das so ist - ich war mitten in die Rush Hour geraten. Für eine Strecke, für die ich auf dem Hinweg vielleicht eine knappe Stunde gebraucht hätten, brauchten wir jetzt fast zwei, und auch das nur, weil der Fahrer fuhr wie ein Henker - nun gut, ich habe es überlebt.

Das Zimmer hier ist wieder nicht so der Burner, obwohl ich 65 Euro die Nacht bezahle, aber es ist halt WM und in Russland herrscht Steinzeit-Kapitalismus. Meint man manchmal ...

Ich wollte mit der Metro eine Station zu einem Pub fahren, stand aber - es war 20.45 Uhr oder so - vor verschlossener Tür beim "Metro"-Eingang. Es stellte sich heraus, dass die Linie 13 zwar ins Metro-System mehr oder weniger eingebettet ist, aber nur im "Touristenmodus" fährt, alle halbe Stunde bis 20 Uhr. Mist ...

Ich ging zurück zum Hotel und wollte mich zu dem Pub fahren lassen, als ich an einem Hauseingang vorbeilief, an dem etwas von "Bier Pub" in der zweiten Etage stand. Ich ging nun durch den normalen Treppenaufgang hoch, gefühlt in eine Wohnung rein, und da war eine kleine Bar, komplett mit Fußball und Tischen und Theke aufgebaut.

Ich bestellte ein Bierchen und kam mit den Inhabern ins Gespräch, die zumindest zum Teil ein bisschen Englisch sprachen. Kaum hatte ich mein erstes Bier aus, brachten sie mir eine Flasche Wodka in einer Geschenkverpackung und meinten, ich sollte in Deutschland Werbung machen, dass die Europäer vor den Russen keine Angst haben müssten.

Das Bier dort war lecker, aber wenn ich mir so nachträglich überlege, wie die das aus dem Fass in eine braune Flasche und dann in mein Glas ... So ganz koscher war das alles nicht, und ich versprach zwar, ich käme morgen zum Spiel wieder, aber möglicherweise ändere ich meine Pläne dann doch.

Heute Morgen stand ich erst um 11.30 Uhr oder so auf, ging duschen und brach mit sehr flauem Gefühl im Magen in die Stadt auf. Ich kaufte mir in dem 24-Stunden-Laden nebenan (in dem ich mich gestern Abend noch mit Brot und Wurst versorgt hatte, weil ich in der Bar nichts essen wollte ...) Cola, Fanta und Wasser, trank Cola und Fanta in stereo zur Erzeugung einer Spezi und machte mich dann wieder auf zur Monorail-Bahn, die mich gestern abgewiesen hatte.

Ich hatte von dem Ankunftstag hier noch eine Fahrt offen, aber die gilt nur fünf Tage, und deswegen war die gestern abgelaufen - naja, da habe ich 80 Cent in den Sand gesetzt, das überlebe ich.

Mit Hilfe von Google und zwei durchaus hilfsbereiten Metro-Angestellten erwarb ich mir eine Drei-Tages-Karte und fuhr also mit der Monorail-Bahn bis zur richtigen Metro und dann weiter in die Innenstadt.

Ich kam an der Präsidialverwaltung raus, guckte kurz ins Kaufhaus GUM rein (sehr teure Läden, sehr warm) und lief dann am Roten Platz und der Basilius-Kathedrale vorbei in Richtung Moskwa. Ein Sightseeing-Bus fuhr vorbei, nahm im zweiten Anlauf auch meine Kreditkarte und so machte ich eineinhalb Runden in dem Gefährt. Wir fuhren mehrfach am Kreml vorbei (tolle Ausblicke!), an der alten KGB-Zentrale Lubjanka und an einigen anderen historischen Gebäude.

Ich stieg an der Erlöserkathedrale aus, guckte mir die kurz von außen an, ebenso verfuhr ich mit dem Puschkin-Museum und ging dann in die anscheinend beliebte Fußgängerzone Arbat. Dort ging ich - ich hasse es, im Ausland zu einer US-Kette zu gehen, aber heute war es mir recht, weil ich da nicht mit ungewohnten Gewürzen rechnen musste - zu KFC, aß einen Burger und trank viel Cola und machte mich dann in Ruhe zurück zur U-Bahn.

Ich erwischte nach dreimal Umsteigen die letzte Monorail-Bahn, kaufte noch einen Ananas-Mango-Saft zum Trinken und bin nun im Zimmer.

Heute war ein langsamer Tag, das war aber auch mal nötig und hat mir gut getan. Ich hoffe, ich bin morgen wieder fit, dann gucke ich mir den Kreml mal von innen an und sehe dann mal, wo ich am Abend Fußball gucke ...

Fotos aus Kasan:

Wolga

Kasaner Kreml

Kasaner Kremlmauer

Suyumbike-Turm

Kul-Sherif-Moschee

Eingangsturm

In der Kasaner Metro

Gewitterregen erzeugt Schwimmbad

Toller Blick aufs und vom Fan-Fest

Das waren wir noch guter Dinge I

Das waren wir noch guter Dinge I

Da nicht mehr, aber der Blick auf Kasan ist trotzdem schön

Über dieses Gleis musste ich täglich gehen

Donnerstag, 28. Juni 2018

N'Abend allerseits

Bericht vom 27. Juni

Heribert Faßbender hätte heute seine wahre Freude gehabt, denn es gab ein Fußballspiel - und während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich noch nicht, wie es ausgeht, denn es ist der Morgen des 27. Juni und ich sitze in meiner Hütte und habe gerade geduscht. Zwischen halb neun und halb elf ist wieder eine Lücke im Zugfahrplan, und da ich den Zug um halb neun nur mit Mühe gekriegt hätte, habe ich mich dafür entschieden, in Ruhe zu duschen und schon einmal in ebendieser Ruhe diese Zeilen vorzuschreiben.

Gestern Abend musste alles ein bisschen schnell gehen, weil mein Akku nur noch 7% hatte, nachdem ich bei der Eingangskontrolle beim Fan-Fest zum Nachweis, dass da kein Sprengstoff drin ist, den Rechner anschalten musste und danach vergaß, ihn wieder auszuschalten ... Meine Syrerin (ich nenne ihren Namen nicht, weil ich vergessen habe zu fragen, ob es okay ist, ihn hier im Blog zu nennen) und ich unterhielten uns danach kurz, ob wir uns jetzt deswegen sicherer fühlen oder nicht - irgendwie überzeugt mich diese ganze Untersucherei nicht so richtig, vor allem, wenn sie so übertrieben wird wie dort (mit Sprengstoffhund am Kinderwagen!). Wir kamen wieder auf eines meiner Ceterum-censeo-Themen zu sprechen, bei denen ich nie weiß, ob ich der Trottel bin oder alle anderen, nämlich diese Eingangskontrollen am Flughafen, die ich, wenn ich Böses wollte, dankbar annehmen würde, weil mir viele mögliche Opfer so komprimiert auf dem Silbertablett dargeboten werden. Nun gut, sei's drum ...

Der Tag gestern war ganz großartig. Ich muss ja gestehen, ich wusste nicht, was auf mich zukommt, weil ich den Mann meiner Syrerin ja gar nicht kannte und ich sie irgendwann auch mal mit Kopftuch gesehen hatte auf einem Foto, was so gar nicht zu ihr passte und was sie damals, 2009 in Damaskus, für sich auch kategorisch ausgeschlossen hatte. Das mit dem Kopftuch scheint ein einmaliger "Ausrutscher" gewesen zu sein, denn sie kam in Polohemd und Jeans auf mich zu, während ihr Mann den Kinderwagen (nein, nicht so einen zum Liegen, sondern zum Sitzen für die Kleine - heißt das jetzt "Trolley", ach, keine Ahnung ...) vor sich herschob - alles wie damals sozusagen, jedenfalls hinsichtlich ihres Kleidungsstils. Entsprechend umarmten wir uns auch sofort, und ich begrüßte die kleine Tochter, die am Anfang noch ein bisschen scheu war (später wurde das besser) ...

Einem Eis von KFC folgte der Spaziergang durch die Fußgängerzone, als es auf einmal bestialisch anfing zu gewittern und entsprechend auch zu regnen. Wir waren gerade dabei, bei McDonald's - oder vielmehr МакДоналдс - vorbei zu gehen und stellten uns also dort unter. Die Fußgängerzone wurde zum Schwimmbad, und als die Kleine vom Donner direkt über uns Angst bekam, gingen wir zu McDonald's rein. Ich trank eine Cola (ich hatte gestern Vormittag viiiiiiel zu wenig getrunken), und wir gingen weiter, als der Regen aufhörte - bis auf den Wasserstrom die Hauptstraße runter konnte man nicht unterscheiden, ob es kurz geregnet oder so dermaßen gewittert hatte - die Kanalisation hier kann was.

Wir suchten in der Fußgängerzone namens Bauman-Straße eine tatarische Gaststätte, und die beiden überließen unfreundlicherweise mir die Entscheidung, wo wir hingehen sollten. Das erste Lokal, so eine richtige Kantine, war mir zu ungemütlich, was für die beiden auch okay war, aber die dritte Gaststätte hatte ein Kinderspielzimmer und ein richtig gemütliches, bauernzimmerartiges Speisesälchen - hier gefiel es uns auf Anhieb.

Eine Bedienung sprach auch Englisch und konnte uns die Speisen erläutern, auch wenn die Karte auf Englisch war, aber meine Syrerin war ein bisschen anspruchsvoll in ihren Nachfragen. Ich wollte freundlich sein und fragte nach, ob es okay ist, wenn ich ein Bierchen trinke (ich wusste wirklich nicht, wie sie zu Alkohol steht, und gerade in einer jedenfalls formal muslimischen Stadt wie Kasan kann man sich ja auch ein bisschen anpassen, selbst wenn hier wahrscheinlich nur ein Bruchteil der Bevölkerung ernsthaft muslimisch ist), was damit beantwortet wurde, dass ihr Mann auch ein Bier bestellte (welches sie dann zur Hälfte austrank, sehr sympathisch ...).

Das Bier war eigentlich gut, aber warm, sodass ich mich schnell überzeugen ließ, nach dem Essen - es gab Fleischspieß und Salat für die beiden und eine Suppe und danach Pferdefleisch, sehr lecker, für mich - weiterzuziehen. Wir liefen vorbei am Kreml und um die - naja - Lagune der Wolga in der Stadt herum und gingen zum Fan-Fest.

Der Ausblick beim Fan-Fest ist fantastisch - direkt neben der Großleinwand hat man einen tollen Blick auf den beleuchteten Kreml und den Rest von Kasan sowie auf diese Wolga-Lagune -, die Stimmung war gut, auch wenn es nicht voll war (kaum Schlangen bei Essen und Trinken, das haben sie völlig ausreichend dimensioniert, jedenfalls für einen Abend wie gestern), nur dass Argentinien noch das 2:1 macht, hätte nicht sein müssen. (Nach dem Spiel heute Abend gucke ich dort die Spiele der Gruppe E.)

Danach bestellte ich mir mein Uber, der Fahrer war alles andere als gesprächig und reagierte nicht mal auf mein "Hello", aber mir war's wurscht, denn er fuhr mich kompetent in meine Unterkunft, und das ist es, was zählt.

Der heutige Blogeintrag wird ein Fallbeispiel nichtlinearer Erzählung, denn vor dem Treffen mit den Syrern war ich noch auf Erkundungstour im Kasaner Kreml, weil ich noch eine Stunde oder so Zeit hatte, bevor ich mich mit den beiden treffen wollte.

Als ich also dann mit dem Zug in Kasan ankam, ging ich nicht rechts herum in Richtung Treffpunkt, sondern links herum in Richtung Kreml. Von Ferne sieht das Teil, speziell die Kul-Sherif-Moschee und die Kremlmauer, schon sehr beeindruckend aus - und wenn man erstmal den Eingang gefunden hat, wird es noch besser ... Ich kam am Sujumbike-Turm vorbei, von dem sich eine von Iwan, dem Schrecklichen auserkorene Prinzenwitwe gestürzt haben soll, um nicht mit ihm verheiratet zu werden und ging in die Kul-Sherif-Moschee rein. Von außen erinnert mich die sehr an das kleine Moscheele in Buchara mit ihren vier Minaretten und der türkischen Farbe, von innen ist sie sehr schön in Blautönen gehalten. Die Verteilung der Tücher zum Bedecken der Knie und Schultern am Eingang funktioniert problemlos, auch wenn es immer wieder lustig war, deutsche Männer mit Deutschland-Trikot und türkisem "Rock" zu sehen ...

Ich verließ den Kreml auf der anderen Seite, stieg herab und die U-Bahn und wollte mich dort häuslich einrichten, so schön kühl war es dort. Es half alles nichts, auch wenn ich ein paar Bahnen fahren ließ, irgendwann musste ich in eine einsteigen und eine Station später aussteigen. Die U-Bahn-Stationen hier sind übrigens sehr schön künstlerisch gestaltet (anders als in Minsk ...), sodass man die Stationen durchaus als eigenständige Attraktionen sehen kann ... Ich verlief mich ein wenig, kam dann aber am Treffpunkt an, und für den Rest siehe oben ...

Der restliche heutige Tag kommt jetzt (und wird morgen vielleicht wieder ergänzt, das muss jetzt halt so sein, weil ich in meinem Erholungsheim kein WLAN habe und abends dann, wenn ich in der Fanzone oder so WLAN habe, kaum mehr Akku übrig ist und ich vielleicht auch ein Bier intus habe - ab morgen wird der Erzählrhythmus wieder konventioneller und fotohaltiger ...):

Hinter mir liefen ein paar andere Insassen meines Erholungsheims zum Bahnhof, denn auch sie wollten zum Spiel. Der Zug kam sehr pünktlich, die Fahrt kostete wieder 22 Rubel und ich wurde am Bahnhof nicht wie einige Russen von der Polizei zur Identitätskontrolle herausgezogen - mein Deutschland-Trikot war wohl Identifizierung genug, obwohl das keineswegs nur von Deutschen getragen wurde: Die Anzahl von Chinesen, Amerikanern und Russen im Deutschland-Trikot wurde heute wahrscheinlich in Tausendern bemessen - unfassbar (um so mehr tut es mir für diese Leute leid, die die deutsche Mannschaft für ihr früher einmal begeisterndes Spiel unterstützten wollten und so enttäuscht wurden ...).

Ich wollte in der Fußgängerzone zu Mittag essen, in der ersten Kneipe kam die Karte schnell, aber die Bedienungen ignorierten mich und die Empfangsdamen und An-den-Tisch-Geleiterinnen waren sich zu fein dafür, eine Bestellung entgegenzunehmen. Diese WM-Spieltage kommen ja auch ganz plötzlich, da muss man für die Überforderung des Personals schon Verständnis haben - nicht! Ich stand auf und ging (und war dabei nicht der Erste) ...

In der zweiten Kneipe wartete ich auch sehr lange, bis die Chefin herauskam, meinen bitterbösen Blick sah und schnellstens die Karte brachte. Da hatte sie nochmal Glück gehabt - und ich auch ... (Die Chefin zog sich dann relativ schnell ihre High Heels aus und fing an mitzuarbeiten - so sollte es sein, kluge Dame ...) Das Essen (eine typisch tatarische Hühnchen-Ei-Suppe und ein Pferdesteak, das ein bisschen zu durch war, aber sei's drum) war sehr lecker - und das Krombacher, das sie als einziges Fassbier hatten, ging auch (zwischendurch wurden noch mehrere Fässer nachgeliefert ...)

Auf die Rechnung wartete ich wieder ewig, dann ging's zum Kreml und im Shuttlebus in Richtung Stadion. Der Bus war wieder einmal eine mobile Sauna, die zudem von einem Fahranfänger gefahren wurde, dass da keiner durch den Bus gestürzt ist, grenzt an ein Wunder ... Am Ende der Fahrt stand ein Fußmarsch zum Stadion. Die Einlasskontrollen waren vernünftig und die Leute freundlich, so ist das völlig in Ordnung.  Joa, und nach einer zweiten Einlasskontrolle war ich dann in der Kazan Arena und hatte noch etwa 70 Minuten bis zum Anpfiff - kein Stress also ...

Die Stimmung war sehr gut, auch wenn die Leute gut verteilt waren, um mich herum saß ein sehr begeisterter Südkorea-Fan, und die deutsche Hymne sang ich als Einziger im Umkreis mit ... Vielleicht sang ich aber auch so schief, dass sich kein anderer traute, sich auch als Deutscher zu erkennen zu geben ... Die Russen waren mehrheitlich für Südkorea, aber es gab eben auch ziemlich viele, die mit Deutschland hielten. Am lautesten wurde es, als die Menge "Rossija"-Rufe anstimmte - die Russen waren in der Mehrheit im Stadion, ganz offensichtlich ...

Über das Spiel breiten wir am besten den Mantel des Schweigens, ja, ist besser so. Nur das: Es ist einfach traurig, dass eine so talentierte Mannschaft auf diese Weise ausscheidet. Klar wollen die nach einer anstrengenden Saison schnell in den Urlaub, aber eine Weltmeisterschaft ist auch nur alle vier Jahre ... "N'Abend allerseits" passt, denn so behäbig wie Faßbenders Kommentare war die Spielweise der Mannschaft, und ich hoffe, dass ich den guten Heribert mit diesem Vergleich nicht zu sehr beleidige.

Ich wollte danach zum Fan-Fest, aber nach dem Vier-Kilometer-Marsch sprang in der Sicherheitskontrolle mein Rechner, den ich die ganze Zeit mitgeschleppt hatte, damit ich jetzt auf dem Fan-Fest in Ruhe den Blog schreiben kann, nicht an. Weil die Vollidioten (Entschuldigung) in der Sicherheitskontrolle dort aber strenger kontrollieren als am Stadion oder sonstwo in diesem Land und wahrscheinlich meinten, dass da Sprengstoff drin ist, hätte ich das Gerät in der Gepäckaufbewahrung abgeben sollen. Ich stieß sämtliche deutschsprachigen Verwünschungen aus, die ich kannte (in der Hoffnung, dass sie mich nicht verstehen), kaufte mir was zu trinken für die Nacht und marschierte zur U-Bahn. Auch dort legte ich mein Gepäck in das Röntgengerät, ging durch die Schleuse, piepte, aber es war mir egal, ich stampfte da so wie eine wildgewordene Ein-Mann-Horde durch den Sicherheitsbereich, dass sich kein Russe traute, mich aufzuhalten ...

Ich fuhr zwei Stationen ins Stadtzentrum und landete wieder in der "Bar Duck" ... Die Bedienung von vorgestern erkannte mich, organisierte mir gleich einen Stuhl an der Theke (ich war ja jetzt inzwischen fast Stammkunde ...), und ich konnte das Spiel Brasilien-Serbien gucken. Ich bestellte ein Filet Mignon, und auch wenn es hinsichtlich Größe und Fleischtextur nicht ganz an die Germania oder ans Sherry heranreichte, war das Preis-Leistungs-Verhältnis ganz hervorragend, denn das 200-Gramm-Steak kostete (zugegebenermaßen war die Beilage mit zwei Champignonvierteln und einer - allerdings ganz überragenden - grünen Knoblauchsauce nicht so riesig) gerade einmal acht Euro oder so ... (Wie ich das jetzt so, am Morgen des 28. Juni, so schreibe, läuft mir das Wasser schon wieder dermaßen im Mund zusammen, dass ich mir überlege, ob ich da gleich zu Mittag esse.)

Nach dem Genuss (?) von drei Bieren (und keinem Wodka, es hat sich einfach nicht ergeben, obwohl ich genug über das Spiel nachgrübelte ...) ließ ich mir wieder ein Uber kommen und fuhr das letzte Mal in meine Unterkunft.

Achja, um das Ganze völlig nichtlinear abzuschließen: Meine Syrerin fragte mich gestern unterwegs, ob es ein Land gäbe, in das ich so richtig gerne und (relativ) häufig fahren würde. Ich schickte vorweg, dass ihr meine Antwort nicht gefallen werde, denn sie lautete "Israel". Sie murmelte was von "I would use a different name" ("Ich würde einen anderen Namen verwenden."), aber dann wechselten wir das Thema ...

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Bericht vom 28. Juni (Teil 1)

Heute Morgen schlief ich aus, hatte irgendwie ein Käterchen, was aber nicht am Alkohol lag, sondern an dem albtraumhaften Abend, der leider kein Albtraum war, und packte meine sieben Sachen ... Ich checkte bei einem älteren Herrn aus, der pflichtschuldig untersuchte, ob ich etwas von dem Geschirr kaputtgemacht hätte (nein!), und lief dann, den Koffer neben mir herziehend, wieder die 800 Meter zum Bahnhof, weil ich mir kein Uber bestellen konnte, da die Buchung des Internet-Pakets zwar geklappt hatte, aber kein Internet da war ... Da kriegt O2 noch eine kurze E-Mail, dass sie mir sicher gerne die zweimal 1,99 Euro zurückerstatten. Naja ...

Ich überquerte letztmals auf dieser Reise unter Gefährdung meines Lebens (nein, keine Sorge, die Strecke ist so kerzengerade und da fahren keine Hochgeschwindigkeitszüge, da sieht man einen Zug von weiter Ferne ...) das eine Gleis und wartete auf den Zug, der wieder pünktlich kam. Die Zugfahrt war natürlich kein Problem, und ich bin - wie eben angekündigt - wieder in der Bar Duck gelandet; die kommt, glaube ich, auf meine Empfehlungsliste ...

Jetzt geht gerade auch endlich das Internet, sodass ich Masochist nicht nur das Deutschland-Spiel von gestern gucken muss, was sie zur Strafe nochmal zeigen ...

Fotos wollen immer noch nicht - die Lawine kommt bald ...

Dienstag, 26. Juni 2018

Ein verlorener Tag

... schien es zu werden - ich kam nicht so richtig aus dem Bett, dann war die Spülung an der Toilette defekt, was ich dem Vater (oder wer auch immer das war) der gestrigen Deutsch-Studentin mit Google auf Russisch zu verklickern vermochte. Der Vater kam, kam wieder mit richtigem Werkzeug, bastelte an meiner Spülung herum und - siehe da - danach funktionierte sie. Super! Während er herumhantierte, ging ich die paar Schritt hinunter zur Wolga, wurde dort von einem freundlichen Hund, der gestern schon durch die Anlage spaziert war, begrüßt und schaute also auf den längsten Fluss Europas. Man glaubt es kaum, zumal es ein Ausläufer war, der da so träge an mir vorbeifloss, aber obwohl der Untergrund sehr sandig war und auf der Wasseroberfläche nur ein paar Pollen lagen, verkniff ich es mir, ins Wasser zu waten ... Ein Steg oder so wäre mir lieber gewesen, aber man kann nicht alles haben.

Irgendwann wollte ich dann doch in die Stadt, denn um 16 Uhr war ich mit meiner Syrerin verabredet, und außerdem hatte ich Durst, weil ich Illigenzbestie gestern Abend nichts mehr zu trinken geholt hatte, also machte ich mich auf zu meinem Vorortbahnhöfle. Ich hatte den letzten Morgenzug um zwanzig Minuten verpasst, und der nächste ging erst zwei Stunden später. Mist ...

Nach einer halben Stunde Wartezeit entschied ich mich, in den sauren Apfel zu beißen und das Online-Paket (6 MB für 1,99 Euro, Wucherpreise von O2) zu kaufen, damit ich mir ein Uber buchen konnte. Ich kam online, bekam etliche WhatsApps, die ich gerade nicht gebrauchten konnte, und war gerade dabei, mir mein Uber zu bestätigen, als die 6 Megabyte schon wieder aufgebraucht waren - Pustekuchen ... Ich buchte nochmal, jetzt ging das Internet nicht, und also wartete ich dann doch auf den Bus, der um 13.15 Uhr fahren sollte - willkommen in Russland (ja, ich weiß, ich hätte mir in den letzten Tagen auch eine russische SIM-Karte besorgen können, aber bisher ging das alles ja ganz gut, wer kann denn ahnen, dass die Züge hier so unregelmäßig fahren? Wie, Fahrplan abfotografieren? Man kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich auf Anhieb auf so kluge Ideen komme!)

Nun saß ich da also zwei Stunden am Bahnsteig herum, stieg unterwegs fast mal in einen Zug ein, obwohl auf dem nicht "Kasan" stand, fragte dann, ob das der richtige sei, mir wurde gesagt - wenn ich das richtig verstand -, dass der nicht nach Kasan fährt, also sprang ich wieder raus und war eine Minute fast sicher, dass der über den Nordbahnhof von Kasan gefahren wäre, argh ... Zwischendurch fuhren ständig Güterzüge an mir vorbei (und machten ein bisschen Wind, seeeeehr angenehm), joa, das war heute mal wieder ein Beobachtungstag, wie das Leben (und heute halt mal das Eisenbahnleben) in einem fremden Land so spielt ...

Ich erkundete noch eine Stunde den Kasaner Kreml, besichtigte die Moschee von innen, die einen (auch so ausgeschilderten) "Balkon für Touristen" hat - sehr beeindruckend ... Danach fuhr ich mit der U-Bahn eine Station, aber erst, nachdem ich ein paar U-Bahnen hatte fahren lassen: Da unten war es einfach viel zu schön kühl ...

Um 16 Uhr wollte ich mich mit meiner Syrerin treffen, und ich war unsicher, ob ich sie erkennen würde - die Sorge war unberechtigt: Ich sah sie, sie sah mich und wir erkannte uns auf Anhieb. Ihr Mann ist ein wenig zurückhaltender, aber spricht auch ein bisschen Englisch, und ihre kleine Tochter ist zuckersüß, zumal sie nach einiger Zeit dann auch Zutrauen zu mir fand ...

Wir aßen tatarisch zu Abend (ich lecker Pferdebraten ...) und tranken ein Bierchen, ehe wir am Kreml vorbei zum Fan-Fest liefen. Vom Fan-Fest hat man einen tollen Ausblick auf den Kreml und die Wolga, und die Stimmung ist auch nicht schlecht.

Wir haben uns beide so sehr gefreut, uns mal wieder zu sehen, das war ein fantastischer Abend, auch wenn und gerade weil er schwer in Worte zu fassen ist, zumal wir uns schnell wieder so vertraut (und noch vertrauter) waren wie in Syrien und in den Jahren danach, als wir mal probiert hatten, dass sie nach Deutschland kommen kann, was damals nicht geklappt hatte.

Die drei sind jetzt mit dem Bus gefahren, ich schaue noch das Argentinien-Spiel zu Ende und fahre dann wieder heim - morgen ist der große Tag ... Aber auch heute war keineswegs ein verlorener Tag, im Gegenteil!

Nachschlag zu gestern: Ich saß da also in der Kneipe und hatte mir dreierlei Wurst bestellt, als die Bedienung mir eröffnete, dass der Tisch ab 21 Uhr, also ab Anpfiff des Spiels, besetzt sei ... Argh. Kurz vor Anpfiff und nachdem ich lecker Fleisch gegessen hatte, setzte ich mich dann an die Bar. Zunächst schauten wir Iran-Portugal, ab der zweiten Halbzeit dann Marokko-Spanien, und ich kam mit dem Russen neben mir ins Gespräch, der ziemlich gut Englisch sprach. Er wünschte sich eher Portugal als Achtelfinalgegener, und das sah ja bis in die Nachspielzeit ganz gut aus ... Nach dem Spiel war er traurig und ging relativ schnell ab, das wäre jetzt hier der Erste gewesen, mit dem ich mir hätte vorstellen können, einen Wodka zu trinken ... Naja, wird schon noch werden.

Als mein Russe rauchen war, kam einer der geschätzt hundert Millionen Kolumbianer in Kasan an die Theke und bestellte ein Bier, sodass ich - für mich am überraschendsten - kohärent eine spanischsprachige Frage komponierte und sie ihm schließlich stellte: wieso zum Henker (das sagte ich nicht!) denn so viele Kolumbianer hier sind? Ein Blick auf den Spielplan hätte als Antwort genügt, denn Kolumbien hatte vorgestern hier gespielt und die Kolumbianer nutzten also noch den Tag hier, um sich von ihrem Spiel zu erholen ...

Zunächst ging es dann wieder Uber, und diesmal fuhr eine Frau. In Anbetracht der Tatsache, dass Kasan gerade für Frauen nachts nicht die allersicherste Gegend sein soll, fand ich das ziemlich beeindruckend, dass sie sich da abends in Gewühl stürzt. Heimgekommen bin ich natürlich unbeschadet ...

Fotos später, ich muss gerade schnell schreiben, weil der Akku gleich alle ist ...

Montag, 25. Juni 2018

Schnarchend

... saß ich in der Kneipe gestern Nachmittag hoffentlich nicht, aber viel gefehlt hat nicht - ich war hundekaputt ... obwohl, ne, so kaputt ist kein Hund. Solche Nachtflüge mit anschließendem Durchmachen sind in meinem Alter einfach nichts mehr ...

Ich aß jedenfalls ein sehr leckeres Schweinesteak, trank zwei Bier und Cola und Fanta und brach dann nach dem ersten Spiel (England-Panama) auf. Den Zustand meiner Übermüdung kann man damit erkennen, dass ich mit den sehr sympathischen Panameños fast mitgeflennt hätte, als die ihr erstes WM-Tor geschossen haben.

Ich fuhr also eine Station U-Bahn, kaufte mir noch Zahnpasta und Wasser (Zahnpasta hatte ich schon in Israel vergessen, aber diesmal kann mir halt keiner aushelfen ...) und ging dann in die Bude. Ich wollte eigentlich nur das zweite Spiel gucken und dabei einschlafen, aber irgendso ein Depp (ich war's sicher nicht, sicher, ganz sicher ...) hatte den Fernseher verstellt, sodass der "Login" und "Parol" (Passwort) haben wollte. Die Vermieterin und ihr Sohn hantierten zwei Stunden an dem Gerät herum, ohne Erfolg, und während sie daran herumhantierten, musste ich drüben im anderen Zimmer fernsehen (ich wollte sie nicht aus meinem Zimmer werfen ...).

Nach Abpfiff des zweiten Spiels waren sie klammheimlich verschwunden und ich konnte endlich ins Bett - zehn Stunden später wachte ich heute Morgen auf ...

Ich machte einen ganz gemütlichen Morgen, verabschiedete mich, bestellte mir mein Uber und war zwei Minuten später auf dem Weg zum Flughafen ... Wir fuhren fast eine Stunde, ich zahlte umgerechnet knapp zehn Euro - so kann man auch mal Taxi fahren ...

Joa, der Check-in war erträglich schnell, ich suchte meine Lounge auf, aß Plov und viele leckere Teilchen und trank Cola und Wasser, ehe ich mich zum Gate begab. Der Flieger war voll, etliche Deutsche, einige Koreaner und gefühlt mehr Amis als alles andere. Auch der Typ mit "Germany"-Hemd neben mir sprach kein Deutsch, sondern Englisch. Der Flug war schnell vorbei, es gab sogar leckere Plätzchen mit Nutella-Füllung.

Mein Gepäck kam schnell, mein zweiter Versuch, während dieser Reise bei Uber zu buchen, schien wegen der abbrechenden Internetverbindung schiefgegangen zu sein, sodass ich zum nochmaligen Buchen ins Terminal zurückging (wieder durch diese beknackte Eingangskontrolle). Dort konnte ich dann ins Internet und stellte fest, dass mein Fahrer doch schon auf mich wartete. Also schnell wieder raus, Auto gefunden und auf ging's durch Kasan.

Wir fuhren diesmal wirklich eine Stunde, am Kasaner Kreml und an der Wolga vorbei und kamen unterwegs auch an einer von außen fantastisch anzusehenden Kirche vorbei, irgendwo in einem Vorort ... Irgendwo in einem Vorort liegt auch mein - Google übersetzte das in meines Fahrers ungläubiger Nachfrage so - "Erholungsheim". Die Rezeptionistin sprach ein Gemisch aus Englisch und Deutsch, sodass wir uns sehr gut verständigen konnten. Leider hatte ich zu spät daran gedacht, dass ich hier bar bezahlen muss, sodass ich zu wenig Bargeld dabei hatte - nun, ich wollte heute Abend sowieso noch nach Kasan, da fahre ich jetzt halt gleich in die Stadt (mit dem Zug, weil ich mangels Internet kein Uber buchen kann - der Knaller kommt gleich noch ...), hole Geld, schaue Spanien und Portugal, esse irgendwo in der Stadt und fahre dann mit Uber wieder zurück (in den Kneipen in der Stadt gibt es bestimmt Internet) ...

Also, Internet gibt es hier in meinem Zimmer nicht, dafür aber eine ... Sauna! Ich habe eine eigene Sauna in meinem Zimmer, in die gefühlt acht Mann reinpassen, daneben ist die Dusche und die Toilette, und einen Kühlschrank habe ich auch. Passt also alles, außer dem fehlenden Internet, aber vielleicht mache ich morgen oder so einen Erholungstag hier, denn es gibt hier einen Zugang zur Wolga. Emol luege, wie man in Norddeutschland sagt ...

Die Kommunikation klappt aber auch dann ganz gut hier, wenn man nicht zufällig an eine Deutsch-Studentin gerät, denn Google Translate ist hier weit verbreitet - der Russe spricht in sein Handy, und das Handy spricht Deutsch mit mir. Theoretisch wusste ich ja, dass das geht, aber praktisch habe ich es jetzt hier zum ersten Mal gesehen, und ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Vermieterin gestern und mein Fahrer hier in Kasan heute das zum ersten Mal gemacht haben ...

Insgesamt kann man sich in Russland durchaus wohl fühlen, Essen und Trinken ist kein Problem, die Russen lächeln immer noch nicht viel mehr als man das den Sowjets nachgesagt hat, aber wenigstens bedankt sich der Sicherheitsmensch, wenn er deine Tasche in der U-Bahn mit dem Pieper abtasten darf, und das Metrofahren in Moskau ist völlig problemlos, auch wenn die Ziel-Stationen nur in der Bahn und nicht in der Station selbst fläckendeckend in lateinischen Buchstaben angeschrieben sind. Aber erfahrungsgemäß kommt man doch meistens dort an, wo man hinwill, und im Zweifel fährt man noch eine Extrarunde ...

Ich schreibe das hier jetzt in meiner Unterkunft vor, während Russland 0:2 gegen Uruguay hinten liegt und hoffe, dass ich das gleich irgendwo in der Stadt hochladen kann. Wird schon werden. (Wird jetzt, sitze in einer schönen Kneipe, nachdem ich einen Rundgang durch die Fußgängerzone gemacht habe: Hier ist die Hölle los, Kolumbien muss leer sein, die sind alle in Kasan, aber ein paar Deutsche habe ich auch gesehen ... Die Zugfahrt hierher in die Stadt war lächerlich günstig: 22 Rubel oder umgerechnet ca. 30 Cent. Trotzdem fahre ich nachher wieder mit Uber zurück, kostet auch nur fünf Euro oder so ...)

Die nächsten Tage also vielleicht ein bisschen weniger intensive Blogeinträge, aber spätestens am Donnerstag, wenn ich zurück nach Moskau fliege, wird das wieder besser werden ...


Moskau: Abendrot von meinem Balkon aus

Schnappschuss aus dem Auto: Kasaner Kreml (wird noch erkundet)

Fußball-Fans vor historischen Gebäuden

Sonntag, 24. Juni 2018

Roter Platz zu, Hotel weg

So lassen sich die ersten Stunden in Moskau beschreiben, aber keine Sorge, der Rote Platz wurde um halb neun entsperrt, und das Ho(s)tel habe ich dank der Hilfe der Rezeptionistin eines anderen Hotels (!) auch gefunden ... Alles ein bisschen kompliziert hier in Russland, aber eigentlich auch wieder nicht.

Wir waren tatsächlich ein bisschen verspätet weggekommen, sodass ich das 1:0 der Schweden noch gesehen habe, ehe ich das Boarding wirklich nicht mehr herauszögern konnte und den Flieger besteigen muss. Wir rollten ewig zur Startbahn West, sodass ich, öhm, von irgendsoeinem Volltrottel, der das Handy aus dem Flugmodus wieder in den Empfangsmodus gestellt hat, während wir rollten, wusste (höhö), dass die Deutschen ausgeglichen hatten.

Ich hatte ja eigentlich vor, das Flugzeug-WLAN zu nutzen, und meine Jenaer Damen angestiftet, mir einen Liveticker über WhatsApp zu schreiben, aber das WLAN war aus irgendeinem Grund ausgefallen. Trotzdem oder gerade deswegen trank ich ein Siegbier und konnte kaum abwarten, dass ich mich in Belgrad ins WLAN einwählen konnte. Ich muss mich durch Dutzende WhatsApp-Nachrichten arbeiten, ehe ich das erfolgreiche Ende des gestrigen Abends bejubeln durfte - jetzt geht es in Kasan wenigstens noch um richtig was, das wird schööööhöööön ...

Beim Boarding musste ich noch zum Transferdesk, weil die meine Fan-ID überprüfen zu müssen glaubten, aber das ging auch einigermaßen fix, selbst als ich von Pontius zu Pilatus geschickt wurde ...

Im Flieger von Belgrad nach Moskau hatte ich zwei serbische Süffel neben mir, die ihre Flaschen Jack Daniels leermachten, bis sie von der Stewardess zusammengeschissen wurden ("it's strictly forbidden"). Danach pennten sie, und ich endlich auch, bis ich vom Aufschlag in Moskau-Scheremetjewo aufgeweckt wurde ...

Die Einreise ging - mit der Fan-ID - sehr fix, mein Gepäckstück war das erste, das rauskam, der Zoll war lieb, und dann stand ich in der Ankunftshalle. Ich holte mir Geld, aber es war gerade 5 Uhr, was sollte ich tun - mein Hostel würde mir was erzählen, wenn ich da um 6 Uhr aufschlüge, also entschied ich mich gegen Uber um diese Zeit. Schließlich fuhr ich dann doch mit dem Schnellzug in die Stadt, weil am Endbahnhof des Aeroexpress, am weißrussischen Bahnhof, eine Gepäckaufbewahrung war. Zwischendurch wurde ich unsicher, ob ich überhaupt für die Fahrt hätte zahlen müssen, weil da viele Hinweise auf "free ride" mit der Fan-ID waren, aber das gilt nur am Spieltag, wenn man eine Karte für ebendieses Spiel in Moskau hat. Also hatte ich alles richtig gemacht.

Das WLAN im Flughafen war ebenso tadellos wie das WLAN im Schnellzug (und das WLAN in der Metro und in der Innenstadt), und am weißrussischen Bahnhof gab ich - nach ein bisschen Suchen - mein Gepäck in die Aufbewahrung. Erst wollte der Schlingel mir zwei Gepäckstücke abrechnen, ich sagte ihm aber, ich will nur eines haben, also ging er von 500 auf 300 Rubel runter. Auf den Schildern stand aber 250 Rubel und nach einigem Hin und Her gab er mir auch die letzten 50 Rubel zurück. Ich bin zwar Ausländer, aber nicht komplett bescheuert, Jüngelchen!

Deutlich erleichtert (naja, jedenfalls um das Gepäck) fuhr ich zur Station Tetralnaja und entstieg der Metro. Der erste Blick war schon hübsch, mit einem Kirchlein, aber ich ging um den Bau herum und erhaschte die ersten Blicke auf den Roten Platz und den Kreml. Da standen aber überall Absperrgitter davor und grimmig dreinschauende Menschen dahinter, sodass ich erstmal um den Kreml herumlatschte, vorbei am Kriegsdenkmal, vorbei an den Soldaten, die gerade - unter Abspielen der Hymne - die russische Flagge aufzogen, setzte mich in einem kleinen Park mal kurz hin, stolperte weiter, ging an der Moskwa entlang und ging dann über die Straße hin zur Basilius-Kathedrale.

Es sind immer diese Momente der Übermüdung, wenn alles von einem abfällt und man einfach nur glücklich ist, die sehr schön sind, und einen solchen Moment hatte ich heute, als ich da vor der Kathedrale - das ist so ein ikonisches Bild von Moskau, und jetzt war ich da ... sehr, sehr cool.

Ich kam immer noch nicht über den Roten Platz, ging also durch den Block, den das Kaufhaus Gum einnimmt (das Gum war noch zu, es war kurz vor neun Uhr, es öffnet um zehn Uhr) und suchte mir dann - mein Handy-Akku gab so langsam den Geist auf - meine Frühstückskneipe.

Halleluja, das "Dr. Schiwago" ist sehr ..., ähm, interessant: Es macht einen sehr gehobenen Eindruck, aber manche Stuhlpolster sind knallrot, die Bedienungen tragen so gräuliche Dienstmädchenuniformen, aber lecker war's und meine Cola und meinen russischen Gummibärensaft bekam ich auch ... Das Essen bestand aus drei mit Fleisch gefüllten Pfannkuchen, und das mit Blick auf den Kreml, das kostet halt ein bisschen Geld, aber es war durchaus bezahlbar ...

Mein Handy hatte endgültig den Geist aufgegeben, als ich das "Dr. Schiwago" verließ und jetzt erstmals den Roten Platz betreten konnte. Ich stand vor dem Lenin-Mausoleum, fand die Schlange erst beim Abgang (die war mir zu lang) und staunte ansonsten über dieses fantastische (und durchaus ein bisschen zusammengewürfelte) Ensemble rund um diesen wunderbaren Platz herum.

Ich fuhr wieder mit der Metro zum weißrussischen Bahnhof, löste mein Gepäck aus, versuchte, mit dem Rechner mein Handy zu landen (schlug fehl ...) und guckte dann, dass ich noch eine Station mit der U-Bahn fuhr und mein Hotel fand.

Die U-Bahn-Fahrt ging gut, ich fand auch den Ort, wo mein Hotel sein sollte, aber da war nichts zu sehen. Ich ging vor und zurück, wanderte durch Hinterhöfe (mit eigenem Spielplatz), aber wusste mir ob meines Misserfolgs bei der Suche nicht anders zu helfen, als in einem (anderen) Hotel zu fragen. Meine Buchungsbestätigung mit Telefonnummer war auf meinem Handy, selbiges war tot, sodass die arme Rezeptionistin selbständig die Telefonnummer heraussuchen musste und dann dort anrief. Sie war erfolgreich und sagte mir, dass ich abgeholt würde.

Freunde, wenn ihr ein Ho(s)tel aufmacht, dann hängt doch bitte wenigstens ein Schild dran, dass man eine Chance hat, euch zu finden. Unglaublich ...

Nun denn, mein Zimmer ist okay, es hat einen abenteuerlichen Balkon, aber dafür kein eigenes Bad (obwohl ich die Buchung meines Erachtens so interpretieren durfte), aber für eine Nacht überlebe ich das und nutzte auch gleich die Chance zu duschen, denn ich war in der Tat stinkend durch Moskau gewandert.

Danach war ich deutlich erfrischter und gehe jetzt - ich habe für heute genug Sightseeing betrieben und habe ja auch noch zwei volle Tage hier - in eine Kneipe zum Fußballgucken. Dazu fahre ich nochmal U-Bahn (das kostet jedes Mal so 80 Cent, ist also für die Ex-UdSSR nicht ganz billig, aber für Deutsche immer noch sehr günstig) und hoffe, dann einen Platz zu kriegen. Wird schon schiefgehen, zum Fan Fest fahre ich nur, wenn es unbedingt nötig ist ...

Morgen geht mein Flieger um 14.05 Uhr nach Kasan, da fahre ich um 10.30 Uhr oder so diesmal wirklich mit einem Uber-Taxi zum Flughafen Wnukowo.

Erste Bilder aus Moskau - der Rote Platz wird am Freitag oder so nochmal ausgiebig erkundet:

So'n Turm am Kreml

Kreml und Basilius-Kathedrale

Links und rechts: Kaufhaus Gum

Samstag, 23. Juni 2018

Abschied gefeiert

... habe ich vorgestern mit den Kollegen bei Tannenzäpfle und Knabberzeugs, gestern mit einigen Ex-Kolleginnen (und einem Kollegen) und heute Mittag mit Christina im Sherry, schön war's, aber irgendwie ist wegen der bevorstehenden Russland-WM-Reise der Aufenthalt in Budapest unmittelbar danach gefühlt noch so weit weg. Da wird die ganz große Aufregung wahrscheinlich kommen, wenn ich auf dem Heimweg aus Russland bin.

Nun, bei der Abschiedsrunde gestern im Büro wurde mir dann zwar bewusst, dass ich erst am 20. September wieder regulär in Wiesbaden im Büro bin, aber ich denke, dass ich vorher noch ein- oder zweimal bei den Kollegen vorbeischauen werde.

Jetzt sitze ich am Terminal 2 und gucke Fußball, werde dann - für meine Verhältnisse - kurz vor knapp (eineinhalb Stunden vor Abflug) einchecken und mich danach wieder auf die Rennstrecke nach Belgrad begeben, die ich in dieser Richtung und mit dieser Fluggesellschaft (Air Serbia) jetzt zum dritten Mal in weniger als vier Monaten fliege. Sehr clever angestellt habe ich mich mal wieder bei der Buchung, denn ich fliege ausgerechnet während des Deutschland-Spiels, aber ich habe mir schon einen WhatsApp-Liveticker mit zwei Studienkolleginnen organisiert, den ich über das Air-Serbia-WLAN dann hoffentlich empfangen kann ... (Und ich hatte mich schon gefragt, wieso dieser Flug so relativ günstig ist ...)

Um 4.35 Uhr morgen komme ich dann - wahrscheinlich wieder halbtot, stinkend und meine Kinderbrille auf der Nase tragend - in Moskau an und schaue dann, wie ich mich zu meinem Hotel durchschlage. Wird schon schiefgehen. Um 12 Uhr will ich auf dem Roten Platz stehen, ohne dass das eine besondere Bewandnis mit der Uhrzeit hätte.

Die Syrerin, die ich in Kasan treffen werde, hat mir eben noch eine ganz tolle App empfohlen, mit der ich in Russland keine Verhandlungen mit Taxifahrern führen muss: Als sie "Uber" schrieb, musste ich dann doch ein bisschen grinsen ...

Achja, und heute Morgen habe ich nach dem Besuch beim Friseur noch eine Verrücktheit gemacht (zum ersten Mal überhaupt in meinem Leben, höhö): Ich habe mir ein Deutschland-Trikot gekauft, und weil ein bisschen Hoffnung für das Spiel heute Abend und am Mittwoch nötig ist, wurde es das (grüne) Auswärtstrikot. Wird schon schiefgehen ...

Der nächste Blogeintrag dann aus Russland, das wird spannend ...