Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Montag, 18. September 2017

Bunt gegen Blau endete 2:2



Nein, das ist jetzt keine kryptische Anspielung auf meinen Alkoholkonsum oder auf ein nicht ganz glücklich verlaufenes Schwimmerlebnis im Meer (das war 2014 in Rio und 2016 in Swakopmund), sondern das ist der Ergebnisbericht des Spiels zweier Jugendmannschaften heute auf dem Sandplatz unterhalb des Unabhängigkeitsplatzes im Stadtzentrum Nouadhibous …

Ich war fertig gestern Abend, und dementsprechend früh ging ich zu Bett (oha, jetzt wird meine Sprache schon beeinflusst von der Norddeutschen, mit der ich ständig im Sherry zusammensitze) und dementsprechend spät stand ich heute auf. Gegen 9.30 Uhr frühstückte ich, danach verhandelte ich mit dem Rezeptionisten, dass ich – wie von der Buchungsseite angesagt – erst um 16 Uhr auschecken muss, ohne Aufpreis zu zahlen. Er wollte er mir dafür, dass ich über 12 Uhr hinaus bleiben darf, noch die Hälfte des Zimmerpreises abknöpfen, aber als ich ablehnte und schon auf dem Weg nach oben war, pfiff er mich zurück (das geschieht hier mittels eines Zischens, das mir tierisch auf den Geist geht, ich bin doch kein Gaul!), weil er wahrscheinlich – zurecht – befürchtete, dass ich diese, ähm, Ungereimtheit in meiner Bewertung für das Hotel hier niederschreiben würde. Ich bin mal gespannt (ich schreibe den Blog schonmal vor, während ich hier im Zimmer sitze), ob das wirklich klappt …

Die Zimmermädchen waren schon auf dem Zimmer, was mir nicht so recht war, weil ich ja auf alle Fälle noch ein paar Stunden hatte und sie – ich wollte nachmittags nochmal duschen – auf alle Fälle noch einmal das Zimmer würden machen müssen. Aber gut, sei’s drum, jetzt hatte ich halt ein frischgemachtes Bett – auch nicht schlecht für ein Tageszimmer …

Ich lief wieder (auch heute viel zu viel) in Richtung Innenstadt, bog aber bei der ersten Gelegenheit ab hoch auf die Hauptstraße, die N2, und lief dort durch den „Stadtkern“ Nouadhibous. Ich kaufte nichts zu trinken ein, weil ich noch etwas von gestern hatte und mit mir herumtrug. Ich entschied mich dagegen, auf die Straße zu gehen, die 25 m bis an die Grenze zur Westsahara heranreicht, weniger, weil Minengefahr bestünde, sondern vielmehr, weil es mir dann doch zu weit war und ich wahrscheinlich nicht so arg viel sehen würde außer Wüste und den Gleisen, die an diesem Stück angeblich schon in der Westsahara liegen …

Also steuerte ich den Port Artisanal, den Fischereihafen, an, aber auf dem Weg dorthin kam ich wieder an dem gestern schon beschriebenen Fußballsandplatz vorbei. Dort waren heute sehr viele Jugendliche (das ist immer so schwer zu schätzen, aber da war von U11 bis U15 alles dabei), denen ich beim Fußballgucken zusah. Ich dachte zunächst, die kicken da einfach nur ein bisschen rum, weil etliche barfuß spielten, ein paar sogar mit Badelatschen (die gelegentlich beim Schuss dem Ball hinterherflogen), einige hatten Plastikfußballschuhe an und mancher auch Socken. Plötzlich rief ein 25-Jähriger seine Jungs zu sich, und es ergab sich, dass hier ein Fußballspiel zu sehen war, auch wenn die Jungs, denen ich zugeguckt hatte und die ich dann auch anfeuerte, keine Trikots hatten (naja, doch hatten sie zum Teil schon, von Klose und Neymar zum Beispiel, aber eben keine einheitlichen), während die Gegner blaue Trikots trugen, auf denen aber bei zwei Spielern „Özil“ und bei zwei anderen „Sergio Ramos“ stand – komische Namen haben die hier …

Die Tore hatten keine Netze, Seitenlinien gab’s nicht, naja, doch, die Straße war die Seitenlinie, und wenn der Ball über die Seitenlinie flog und ein Spieler hinterherjagte, machte ich manchmal die Augen zu, weil die nicht immer guckten, ob ein Auto kommt … Auf der anderen Spielfeldseite war eine leichte Anhöhe und irgendwo dort befand sich, nach Gefühl des Schiedsrichters, dann auch eine Seitenlinie. Ich hatte einen Sitzplatz, nämlich auf einem Betonklotz. Achso, Abseits wurde auch nach Gefühl des Schiedsrichters gepfiffen, manchmal auch gar nicht, aber auch wenn der Schiri kaum älter und nicht größer als viele Spieler war, gab es nie Gemotze, so soll es sein …

Zu motzen hätte es ein bisschen was gegeben, weil der Schiri jedes Handspiel pfiff, auch wenn es offensichtlich unabsichtlich war (von hinten aus einem Meter angeschossen), die Entfernung zur Mauer beim Freistoß betrug drei Meter, hohes Bein wurde außer in den Schlussminuten nie gepfiffen und die Spieler grätschten und wühlten, was das Zeug hielt … Süß war, wenn die Spieler sich in der Mauer vom Ball wegdrehten und trotzdem die Hände vors Gemächt hielten – da könnte ja ein Querschläger kommen, und außerdem machen die Großen das auch so …

Die Blauen machten das 1:0, ehe meine Mannschaft das 1:1 erzielte und in der zweiten Halbzeit aus meterweiter Abseits-Position mit 2:1 in Führung ging. Kurz vor Schluss fiel aber leider noch das 2:2, das insgesamt aber in Ordnung ging … Zwischendrin grinsten der bunte Coach und ich uns gelegentlich an, vor allem, wenn ich auf Deutsch anfing, unwillkürlich Kommandos zu geben – ich musste mir erst klar machen, dass man mich hier zwar a) hören, aber b) nicht verstehen würde, sodass das – aus anderen Gründen als im Fußballstadion bei uns, aber genauso – unsinnig war … Weiter machte ich damit trotzdem. Zwei-, dreimal musste ich mich auf meinem Betonklotz, der auf der Seitenlinie stand, vom Spielgeschehen weg drehen, weil ich sonst durch die bloße Anwesenheit meiner Füße ins Spielgeschehen eingegriffen hätte, aber das war lustig – und ganz normal, es war also nicht so, dass der bekloppte Ausländer da irgendeinen Mist machte. Vielmehr liefen mehrfach Familien und Einzelpersonen in Seelenruhe durch das Spielfeld durch, sehr lustig …

Unmittelbar nach Abpfiff ging ich dann – jetzt aber wirklich – in Richtung Fischereihafen, den ich nach einigem Suchen (nicht nach der Örtlichkeit an sich, sondern nach dem Eingang) fand. Wenn man den Eingang mal gefunden hat und die vielen hundert blau-weißen Bötchen im Hafen liegt sieht, dann sieht das schon toll aus. Hier hätte ich sicher auch was trinken und sogar essen können, aber weil weder mein Arabisch noch mein Französisch ausgereicht hätten und ich Zweifel hatte, dass die eine französischsprachige Speisekarte (mit der ich umgehen kann) vorweisen konnten, lief ich einmal am Hafen entlang in der Hoffnung, auf der anderen Seite zur Flughafenstraße und von dort nach Hause zu gelangen.

Das war aber Pustekuchen, wie es auf Neudeutsch heißt, denn das Hafengelände wird von einer Mauer umzäunt, über die man zwar hätte klettern können, aber ich hatte jetzt nicht unbedingt Lust, mir beim Klettern das Bein zu brechen oder mir eine Kugel einzufangen, man weiß ja nie im Ausland … (Letzeres war ein Scherz!)

Also lief ich zurück zum Eingang, wo ich ein Taxi erwischte – das war auch nötig, weil ich selten so aggressiv bettelnde Kinder erlebt habe wie hier am Fischereihafen. Die fassen einen an und ließen auch nicht ohne Weiteres von mir ab, gerade weil ich für meine Verhältnisse (ich war zu überrascht von dieser plötzlichen Bettelei, weil die erwachsenen Menschen hier – bis auf den einen Alten gestern – sehr zurückhaltend dem Ausländer gegenüber sind) relativ ruhig blieb. Vielleicht hätte ich sie einfach mal mit meinem typischen Blick, wenn ich sauer werde, anschauen sollen, dann hätten sie Reißaus genommen …

So hing der eine Junge fast noch an mir dran, als das Taxi schon losfuhr. Dass der Taxifahrer dann für die zwei Kilometer zu meinem Ziel (ein Restaurant) mehr nahm (70 Cent) als der Fahrer gestern für die Fahrt aus der Wüste zurück nach Nouadhibou, nahm ich trotzdem dankend in Kauf. Boah, Kinners …

Im Restaurant Monaco war ich einer von zwei Gästen, die Kellnerin fragte, ob ich Spanisch spräche, was ich so halb bejahte, worauf sie den Spanier (den zweiten Gast) anstellen wollte zum Übersetzen. Das war wiederum nicht nötig, weil sie eine Speisekarte hatten, sodass ich mir ein Fischfilet (Corvina oder so) aussuchte und dazu – ich hatte inzwischen viel zu wenig getrunken – eine Cola nach der anderen bestellte. Die Pommes hier waren lecker, das Gemüse ebenfalls, und zum Abschluss trank ich ein Bier, auch wieder ein kanarisches, das schmuggeln die ganzen Gastwirte hier offenbar rein …

Am Ende zahlte ich 17 Euro, war zufrieden und ging zurück ins Hotel, wo ich nochmal duschte, packte und dann kurz vor 16 Uhr aus der Tür fiel. Ich hatte meine übrig gebliebenen 11.000 Ougiyas und dazu den passenden Betrag in Euro gepackt, sodass der Rezeptionist nach einigem Herumgerechne „Okay, very good“ meinte und das Hotel und ich getrennter Wege gingen.

Ich marschierte in Richtung Flughafen, als neben mir eine ganze Kolonne mit spanischen Militärfahrzeugen vorbeifuhr … Ich ging in den Flughafen hinein, als ich feststellte, dass hier direkt an der Tür eine der von mir besonders geliebten Eingangskontrollen lag. Zu allem Überfluss hatte ich mich an der Frau, die dort scheinbar unschlüssig im Weg herumstand, vorbeigedrängelt, sodass ich schmunzelnd um Entschuldigung bat und sie vorließ, was sie ebenfalls mit einem Schmunzeln quittierte … Plötzlich kam so ein Kerl, der vom Flughafen schien (und auch tatsächlich war) und wollte meinen Pass haben, also gab ich ihn ihm. Der Typ fabrizierte nur Chaos, keine Ahnung, was der dachte, was für ein Trottel ich bin oder wie selten ich fliege, denn es gab großes Hin und Her mit meinem Gepäck, keine Ahnung, was das sollte. Nun wollte er sich für mich vor die Frau drängeln, was dazu führte, dass die hinter uns Stehenden ihm sagten, er solle mal warten, was ich bestätigte. Der Herr wollte nach dem ganzen Chaos, das er veranstaltete, auch noch ein Trinkgeld; das wiederum konnte er sich in die Haare schmieren.

Jetzt hatte ich meine (handgeschriebene) Bordkarte, musste bei der Polizei anstehen, die mich ausstempelte, aber dann wieder in den öffentlichen Bereich zurückschickte – es ist alles ein bisschen ungewöhnlich hier, das muss ich schon sagen … Irgendwann ging es dann los mit der Handgepäckkontrolle, es fehlte mir noch irgendein Stempel, dass mein Visum, wenn ich wiederkomme, ach, keine Ahnung. Der Zivilist, der mir den Stempel besorgte, sprach Englisch, war sehr freundlich, aber sehr traurig, als ich dann sagte, dass ich wahrscheinlich nicht wiederkäme – bei so einem Bullshit, den die hier machen (wobei ich mir den letzten Teil des Satzes natürlich nur gedacht habe) … Dass ich einen Rechner und Flüssigkeiten im Gepäck hatte, störte – wenig überraschend – niemanden, aber danach kam der Zoll …

So langsam glaube ich wirklich, dass der tatsächliche Zweck des Zolls daraus besteht, sicherzustellen, dass die Leute das Land in möglichst schlechter Erinnerung behalten, es ist unglaublich. Der Typ war zwar recht freundlich, durchkämmte jedoch meine Rechnertasche und meinen Geldbeutel, als ob da irgendwelche Drogen drin sein könnten; meine größere Reisetasche guckte er sich dagegen nur oberflächlich an und fragte dann (kein Witz), ob ich Fisch dabeihätte … Da konnte ich nur noch lachen …

Als es dann ans Boarden ging, legte mir so ein Uniformierter die Hand auf die Schulter und meinte, es gehe jetzt los. Das sehe ich selber, du Kollege, dass die Schlange fünf Meter vor mir steht … Es gab freie Sitzwahl und so bekam ich meine eigene Reihe für mich ganz allein. Ich konnte vom Flieger aus noch ein letztes Mals mein Hotel sehen, und schon startete die Maschine. An der Freundlichkeit können die Stewardessen von Mauritania Airways noch ein bisschen arbeiten, aber ich bekam mein Wasser und meine Cola, auch wenn beides wunderbar warm war.

Als wir auf Gran Canaria ankamen, hatte ich etwa eine halbe Stunde, um zum Bus zu kommen. Leider war nur eine einzige Schlange offen, für alle, einschließlich Unmengen von Mauretaniern. Das würde extrem knapp werden … Nö, das wäre unschaffbar, so langsam, wie die Schlange voranging … Als ich noch 17 Minuten oder so hatte, wurde eine zweite Schlange für „españoles“ aufgemacht, aber ich wusste, dass ich da – als EU-Bürger – auch durch dürfen müsste. So war es dann auch. Ich hatte noch zwölf Minuten, der europäische Zoll war brav, ich rannte nicht, aber ich ging sehr schnell, hoch die Rolltreppe, ab zum Bus. Er stand noch da, ich sprang hinein, bezahlte und der Bus fuhr los – richtig Glück gehabt …

Endstation war in San Telme, den ersten Bus verpasste ich, weil ich ihn nicht als zielführend wahrnahm, der zweite kam zehn Minuten später. Stadtrundfahrt durch Las Palmas, durchaus ansehnlich hier, ausgestiegen in der Nähe des Hotels, eingecheckt, hoch ins Zimmer.

Liebe Leute, ich habe schon viele Hotels gesehen, aber das hier ist toll – fantastischer Strandblick (seitlich, aber toll), sehr schönes Design-Zimmer, das aber auch funktional ist, super, richtig super.

Raus an den Strand, an die Strandpromenade, lecker Pulpo (Tintenfisch, mit viel Knoblauch, wie ich jetzt merke), toller Blick, zweieinhalb Bier, am Ende 22 Euro mit Trinkgeld.

Fantastisch, toll, Las Palmas, ich komme wieder. Jetzt gehe ich aber erstmal ins Bett, denn morgen früh will ich noch schwimmen gehen.

Mehr dann von zu Hause, gute Nacht!
Downtown Nouadhibou

Fußball in Nouadhibou

Fischereihafen

Sonnenuntergang im Flieger

Korrektur am 18. September abends: Ich weiß natürlich, dass es "españoles" heißt, aber ich schnellen Vorschreiben habe ich die Tilde weggelassen und dann später nicht mehr drübergelesen. Das habe ich korrigiert.

Samstag, 16. September 2017

Der Kampf mit dem letzten Hemd

Boah, bin ich kaputt ...

Ich schlief wie ein Stein, außer, dass gegen 6 Uhr die Klimaanlage anfing zu klacken, keine Ahnung, wieso, aber davon wachte ich auf. Inzwischen war das WLAN zum Dienst angetreten, sodass ich heute Morgen den gestrigen Blogeintrag hochladen konnte.

Ich marschierte runter, wurde per Fingerzeig zum Frühstücksraum beordert und setzte mich dort hin. Der Kellner (kein Buffet) stellte mir zuliebe das Fernsehen auf einen englischsprachigen Kanal ein (wäre nicht nötig gewesen) und brachte dann das zwar nicht üppige, aber sehr leckere Frühstück, bestehend aus Orangensaft, Kaffee (ja, ich trank ihn mit viel Milch …), einer Flasche Wasser (wurde mitgenommen), einem Croissant und einem anderen Teilchen, Mutter, Marmelade, Honig, Streichkäse und einem Ei. Danach war ich durchaus gesättigt.

Ich ging nochmal kurz aufs Zimmer, schmierte mich ein (was sich als sehr sinnvoll erweisen sollte), obwohl es nebelig-diesig draußen war, und machte mich dann zu Fuß auf. Ich lief an der Flughafenstraße entlang in Richtung „Innenstadt“, es war kühl und windig, gerade recht für mich. „Innenstadt“ setze ich in Anführungszeichen, denn direkt unterhalb des – sehr kleinen – Unabhängigkeitsplatzes ist erstmal ein großer Sandplatz, auf dem zwei kaputte Fußballtore stehen. Mir kamen ein paar Esel auf Wanderschaft entgegen und ein weiterer legte sich mir in den Weg, sodass ich um ihn herumging. Soviel zur zweitgrößten Stadt Mauretaniens …

Ich lief weiter (unterwegs kam ich an einigen Lokalen, viele davon in der Nähe meines Hotels, und einigen Fischgeschäften, in denen ich eher keinen Fisch kaufen würde, vorbei), wurde auf einmal von einem Soldaten auf die andere Straßenseite verjagt, weil ich nicht direkt an der Kaserne vorbeilaufen sollte (ich könnte ja die großartige mauretanische Marine ausspionieren …), und merkte, dass ich nicht so einfach ans Wasser komme, denn überall ist schon Hafen.

Ich überlegte, mir ein Taxi weiter in Richtung Süden, zur Spitze der Halbinsel, auf der Nouadhibou liegt, zu nehmen, aber dafür brauchte ich erstmal Kohle. Zwei mauretanische Banken akzeptierten meine Kreditkarte nicht, aber bei der Société Générale (drei von vier Akzenten hatte ich von mir aus richtig gesetzt …) hatte ich Glück. Nun im Besitz von mauretanischem Geld setzte ich mich erstmal auf eine Bank, trank mein Wasser aus und wollte neues kaufen. Also lief ich in Richtung Supermarkt, merkte, dass ich erst jetzt auf der richtigen Hauptstraße war, die zwar belebter, aber auch nicht viiiiel großstädtischer war als die Straße, auf der ich gekommen war, lief spontan mal durch einen kleinen Handymarkt und machte dann im Supermarkt für 200 Ouguiya einen 5.000er klein (was der Inhaber nicht so ganz großartig fand …), ehe ich mich auf eine Bank setzte. Kurz zuvor hatte ich mit meinen zwei Flaschen Wasser am spanischen Konsulat gestanden, als ein älterer Mann vorbeilief, umdrehte, sich meine eine Flasche (aus der Tüte!) griff und mich anguckte: „Oui?“ Ich sagte „non“ und er trollte sich, aber irgendwie scheinen mir manche älteren Mauretanier ziemlich unverschämt zu sein – denkt ihr, ich bin auf der Wurstsuppe dahergeschwommen oder was? Und nein, das hat nichts damit zu tun, dass ich unhöflich wäre – ich hätte ja vielleicht gestern Abend den Typen am Flughafen sogar vorgelassen, und ich hätte dem heute auch einen Schluck Wasser abgegeben, aber da muss man halt „mit de Leut“ reden, sich einfach vordrängeln oder etwas an sich nehmen, sorry, das geht nicht, auch nicht, wenn ich deutlich jünger bin als ihr.

Dieses sollte allerdings nicht das bizarrste Erlebnis des heutigen Tages sein, denn nun wollte ich ja mein Taxi nehmen, der Schiffsfriedhof war mein Ziel. Der Taxifahrer verstand mich so (sagen wir mal …), dass ich das ganze Taxi (mitsamt seinem Sohn …) chartern wollte, und da er das so verstand, war der Preis auch einigermaßen akzeptabel (1.000 Ougiyas, ca. 2,30 € für eine viertelstündige Fahrt), und mir war’s dann am Ende recht. Wir fuhren also aus Nouadhibou heraus durch mehr oder weniger Wüste, links war das Meer, rechts die Eisenbahnschienen und ein paar Meter dahinter die Westsahara (bzw. Marokko, wenn man Marokkaner ist).

Wir landeten in Cansado, einem Vorort von Nouadhibou mit ein paar Hotels, in denen man als Tourist vielleicht auch unterkommen könnte – nach rechts (nach Süden) wollte ich ein paar Schritte gehen, aber irgendwann kam da ein Schild, dass der Zutritt verboten sei, also wandte ich mich um und ging nach Norden, wieder in Richtung Nouadhibou, dort wo auch in Google Maps ein Schiffsfriedhof eingezeichnet war. Nachdem ich an einem Hotel vorbeigelaufen war, dessen Tennisplatz so aussah, als ob da zuletzt jemand Tennis gespielt hätte, als Boris Becker noch in die Windeln machte, ging es – an einer Moschee vorbei – in ein Gebiet, das eher wie ein Wohnviertel aussah. Irgendwie sah vieles verlassen aus, ich bog nach rechts auf eine Schotterpiste ab, denn ich wollte wenigstens einen Blick auf den Schiffsfriedhof erhaschen.

Ich ging immer weiter, und tatsächlich mehr oder weniger plötzlich stand ich am Strand – das war auch deswegen so unerwartet, weil bis dahin immer Klippen den Rand des Festlandes säumten, und jetzt hatte ich hier auf einmal ebenerdigen Zugang zum Atlantik. Schwimmen hätte ich dort allerdings selbst dann nicht schwimmen wollen, wenn ich meine tolle neue Badehose dabeigehabt hätte, denn erstens lag hier allerlei Müll rum und zweitens sah man überall im Wasser Schiffe, fahrtüchtige und unfahrtüchtige, dass ich nicht unbedingt riskieren wollte, eine größere Dosis Schiffsöl auf meine Haut zu kriegen …

Nun stand ich da und sah nur in der Ferne eben ein paar Schiffe in Strandnähe. Ich entschied mich, am Strand entlangzumarschieren. Unterwegs kam mir ein Mann vorbei, den ich zuvor mit einem Eselskarren am Strand entlangfahren gesehen hatte, unterwegs saß ein weiterer Mann nur mit Badehose und diesem Turban/Tuch vor dem Mund bekleidet am Strand (er war wohl gerade schwimmen gewesen …), und ich stolperte am Strand entlang (das ist anstrengend, da im Sand zu laufen). Meine Arme und meine Rübe hatten schon angefangen, Bekanntschaft mit rötlicher Farbe zu machen, sodass ich mein Hemd auszog (es flog mir nur einmal weg, aber ich fing es wieder auf) und es als Umhang verwendete. So kam nicht nur mehr Wind auf mein Unterhemd (schöööön), sondern auch weniger Sonne auf meine Arme und in meinen Nacken (gut und für meine Verhältnisse gar nicht so doof …).

Zwischendrin musste ich eine Art von Hafengebäude umgehen, also folgte ich den Spuren des Eselskarren um das Gebäude herum, wurde von dem Badenden (nur voll bekleidet überholt) und entschied mich dagegen, gleich zur Hauptstraße zu gehen, sondern guckte mit den Schiffsfriedhof aus der Nähe an.

Joa, da läuft man dann über dieses Sand-Müll-Gemisch, vorbei an den Hütten der Fischer, kämpft mit dem Hemd und dem Wind (irgendwann hatte ich das Hemd falsch herum über meinem Kopf …), schießt Fotos und erfreut sich an dieser sehr sonderbaren, sehr bizarren, aber irgendwie interessant-schönen Sehenswürdigkeit im wahrsten Sinne des Wortes.

In den 1980er-Jahren fing das wohl an, dass mehr oder weniger gewissenlose Schiffseigner mauretanische Beamte bestachen, ihre Schiffe hier auf Grund laufen und sie dann ihrem Schicksal überließen. Nach und nach landeten mehr Schiffe hier an ihrer letzten Ruhestätte, sodass der Schiffsfriedhof von Nouadhibou zu einem der größten der Welt wurde. Eigentlich wollten die Mauretanier mit chinesischer Hilfe bis September 2017 hier alle Wracks abräumen, aber – für mich zum Glück – kamen sie offenbar doch nicht so schnell hinterher wie gewünscht. Und so stand ich jetzt da und guckte mich satt – ich hoffe nur, dass keiner der Fischer seine Handykamera rausholte und mich fotografierte, wie ich da mit meinem Hemd im Clinch lag, sonst lachen die noch wochenlang über den bekloppten Ausländer …

So, jetzt war ich durch – gebraten und gedünstet – und lief die paar hundert Meter zur Straße. So’n bisschen kam ich mir vor wie James Bond, der irgendwo mitten in der Wüste aus einem unterirdischen Versteck aufsteigt, sich an die einsame Straße stellt und ins nächstbeste Taxi einsteigt, als wäre das das Selbstverständlichste der Welt. Naja, ich stand da zehn Minuten, Viertelstunde, bis endlich ein (nicht volles) Taxi kam (übrigens einer der ganz vielen uralten und manchmal etwas verbeulten, aber immer noch fahrtüchtigen Mercedes) und für mich anhielt.

Normalerweise, so steht es im Reiseführer, sollen auf dem Beifahrersitz zwei Personen und auf der Rückbank vier Personen sitzen. Jetzt saß vorne ein junger Mann und hinten auf der Rückbank nur eine alte Oma. Wahrscheinlich hätte ich mich, wegen Geschlechtertrennung und so, auf den Beifahrersitz quetschen sollen, aber hier machte ich mal wieder etwas, was ich gut kann, und stellte mich dumm. Auf der Rückbank war nämlich zwischen der Oma und mir noch so viel Platz, dass da selbst der strengste saudische Kleriker nicht auf die Idee kommen konnte, dass das unzüchtig oder sonstwas wäre (und wenn doch, gehört er ausgepeitscht). Am Ende brachten die mich zu dem Restaurant, in das ich jetzt wollte, ich zahlte 200 Ouguiyas, also weniger als 50 Cent für die viertelstündige Fahrt, und alle waren zufrieden …

Das Restaurant Galloufa begrüßte mich mit einem der englischen Sprache mächtigen Kellner, was ich so betone, weil das hier nicht so selbstverständlich ist. Meist werde ich auf Französisch angesprochen, und wenn sie an meinem verständnislos-panischen Gesichtsausdruck oder an meinen untauglichen Versuchen, die Sprache Molières zu vergewaltigen, merken, dass mein Französisch, öhem, verbesserungsfähig ist, sprechen sie meist sofort Spanisch mit mir, aber so schnell, dass ich größte Mühe habe, es zu verstehen. Jetzt sprach der Typ also Englisch, was mir das Leben erleichterte.

Am Meer isst man Fisch, und also aß ich eine Fischplatte für 10 €, also nicht ganz wenig Geld für hier, aber das ist ein Lokal, das von Spaniern geführt und von Spaniern frequentiert wird, da zahlt man halt auch halbwegs spanische Preise, passt schon (die Toilette würde in Europa allerdings ganz schnell aus dem Verkehr gezogen, aber das merkte ich zum Glück erst nach dem Essen …). Achso, das Essen (zwei Fische, vier Garnelen, Tintenfischringe, bisschen Reis, bisschen labrige Pommes, bisschen Gemüse) war lecker (wirklich!), die Cola auch, und als ich sah, dass etliche Spanier zum Essen ein (echtes) Bier tranken (alle Gerüchte, dass man Mauretanien „trocken“ sei, sind offenbar stark übertrieben), trank ich halt auch eins (und später, als sie mir zwei Bier berechneten, auch noch das zweite, ehe sie anfangen müssen zu rechnen …).

Jetzt war ich – nicht wegen des Bieres, sondern wegen der 14 km, die ich heute gelaufen war und von denen ein gut Teil anstrengenderweise durch Sand verlief – fertig, ich ging noch die letzten 500 m zum Hotel, holte Schlüssel und Pass an der Rezeption, schmunzelte über das verwackelte, unterbelichtete Bild von meiner Wenigkeit, das sie gestern Abend fürs Visum aufgenommen und auf selbiges gedruckt hatten, ging duschen und war schon sehr, sehr früh bettfertig …

Ein schöner, interessanter, spannender Tag war das heute – doch, hat Spaß gemacht.

Morgen geht es um 18.10 Uhr schon wieder zurück nach Gran Canaria, wo ich nach einer guter Stunde Flug um 20.20 Uhr Ortszeit (eine Stunde Zeitverschiebung) ankomme und dann hoffentlich noch irgendeinen der Busse nach Las Palmas erwische.

Zwei habe ich noch:

Das marokkanische Konsulat, das hier um die Ecke eines Hotels liegt, ist ja nur 1,5 km Luftlinie von der Grenze zur Westsahara (bzw., nach marokkanischer Lesart, zu Marokkos südlichster Provinz) entfernt – es dürfte nicht viele Konsulate geben, die geografisch so nah an der „Heimat“ liegen.

Und die Mauretanier tragen nicht diesen klassischen arabischen Kaftan, den ich zum Beispiel von den Golfstaaten kenne, der einfach ein langes Hemd ist, sondern die tragen ein normales, westliches Hemd und darüber ein weißes Gewand, das Ähnlichkeit hat mit Kleidern mit langen (und breiten) Trägern, die westliche Frauen manchmal tragen. Sieht erst ein bisschen komisch aus, ist aber halt so …

Moschee in Nouadhibou

Schon ein Weilchen her, dass der Knoblauch verfahren hat

Sagt ein Esel zum anderen Langohr - downtown Nouadhibou

Schiffsfriedhof I

Schiffsfriedhof II

Schiffsfriedhof III

"Muss weg, Chef"



Sorry für die Verzögeurng, das WLAN hat erst heute Morgen seinen Dienst angetreten.

Joa, ich würde sagen, der Inhaber der Strandkneipe in Maspalomas wusste genau, wie er mich rumkriegt. Jedenfalls habe ich das Knoblauchbrot, also vielmehr Brot und Knoblauchtopf zum Selbstbeträufeln, genommen, und danach noch einen (fantastischen) Fischteller. Und gezahlt habe ich für das Ganze und drei Bier am Ende mit üppigem Trinkgeld 34 Euro. Da kann man bei der Aussicht auf Strand, Meer und viiiiiele Menschen kaum was sagen – ich frage mich nur, was mich verraten hat, denn der Chef sprach mich auf Deutsch an, ehe ich nur ein Wort gesagt hatte. Liegt es an meinem adonishaften Körperbau (und so viele Russen gibt’s hier wegen der Visumproblematik wahrscheinlich nicht)?

Nun, der gestrige Abend war alles in allem ein einziger Fehler. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, allein ins Sherry zu gehen, weiß ich doch genau, dass das normalerweise übel endet. Und „übel“ ist gar kein Ausdruck für die gestrige Aktion, weil ich ja um 3 Uhr wieder aufstehen müsste.

Nun denn, nach dem Konsum einer Tapasplatte und, öhem, wenigen Guinness wurde ich zu allem Überfluss vom Barchef auf einen Portwein eingeladen und war um 23.30 Uhr im Bett. Meine Mutter stellte sich extra den Wecker (liebe Ma) und rief mich an, damit ich den Wecker nicht überhöre …

Ich kam in die Puschen und war sogar pünktlich am Bahnhof für die erste der beiden S-Bahnen, die ich ins Visier genommen hatte. Ich kaufte mir am Automaten meine obligatorische After-Kneip-Spezi und schleppte mich in die Bahn. Ich war nicht der Einzige, der kaum die Augen aufbekam.

Um 4.50 Uhr war ich am Flughafen und wurde gleich mal zum Shuttle-Bus zum Terminal 2 umgeleitet, weil die Skyline um die Zeit noch nicht fährt. Na super …

Die Sicherheitskontrolle am Zweier war schnell und problemlos, auch wenn die neue Generation von Körperscannern bei dem einen oder anderen Flugreisenden noch für Unsicherheiten sorgte.

Im Schengen-Bereich des Terminals 2 gibt es inzwischen zwei Gastronomiebetriebe, was eine Verbesserung von 100% zu früher ist, dort aß ich ein Sandwich und trank noch eine Cola und wartete, bis mein Gate ausgerufen wurde.

Natürlich lädt Ryanair ganz weit draußen im Hinterhof ein, von dort wird man dann zum Gate gefahren (nein, man muss weder in Frankfurt noch auf Gran Canaria zum Flieger laufen!). Ich stieg als einer der Letzten ein, trotzdem wurde mir mein Gepäck nicht abgenommen, sondern ich es – überraschend war noch gut Platz frei – ins Gepäckfach wuchten durfte.

Eine Reisegruppe wurde auseinandergerissen, weil zwei der Gruppe es nicht gebacken bekommen hatten, rechtzeitig durch die Sicherheitskontrolle zu kommen. Die Gate-Tür ging zu, die Bus-Tür auch, und wir hatten Verspätung, weil sie das Gepäck von den Helden noch ausladen mussten … Das nennt man dann Lose-lose-lose-Situation, für die Kollegen insbesondere, aber auch für Ryanair und für die anderen Fluggäste – andererseits wundere ich mich schon, wie man rechtzeitig einchecken, aber dann die Sicherheitskontrolle verbaseln kann.

Nun denn, wir kamen verspätet los, der Flug war ganz okay, von gelegentlichen Turbulenzen abgesehen, ich Trottel hatte im Tran heute Morgen vergessen, Lektüre einzupacken, weil es bei Ryanair natürlich keine Unterhaltung gibt, dafür rechnete ich dann auf meiner Bordkarte irgendwelchen mathematisch-physikalischen Krimskrams aus.

So kann man, wenn man in einer Höhe h (in km) über dem Erdboden ist, etwa (110 x Wurzel von h) km weit sehen. Ich schätzte auch ab, dass man eine Verzögerung von etwa 5000 Erdbeschleunigungen erfährt, wenn man mit 900 km/h als Pilot gegen einen Berg fliegt und dass man, wenn man (im Vakuum) aus 10 km Höhe auf die Erde fällt, unten mit ca. 440 km/h aufschlägt. Cool, gell?

Nun, gegen 10.30 Uhr Ortszeit kamen wir an und ich hatte viel Zeit, denn den Bus um 10.20 Uhr, der sowieso knapp geworden wäre, hatte ich inzwischen deutlich verpasst. Ich bahnte mir in aller Ruhe den komplizierten, aber gut beschilderten Weg zur Bushaltestelle, lud mein Gepäck in den Gepäckraum, hoffte, dass mir das keiner klaut, bezahlte 4,05 € Fahrpreis (wer kommt auf diese schwachsinnige Idee, fünf Cent über den ganzen Euro zu verlangen?) und ließ mich eine Stunde nach Maspalomas fahren.

Ich hatte eigentlich vor, schwimmen zu gehen und dann etwas zu essen, nur fand ich nicht auf Anhieb ein Geschäft, in dem ich eine Badehose kaufen konnte – eine Badehose hatte ich diesmal ausnahmsweise nicht vergessen, jedenfalls nicht akut, weil die noch im Schwarzwald bei meiner Mutter sind … Jetzt schleppte ich mein Zeug herum, denn Schließfächer gibt es weder am Flughafen noch am Strand, und stand vor der eingangs beschriebenen Strandkneipe. Der Rest ist Legion, wie so oft, wenn Strand, gutes Essen, Bier und ich zusammenkommen ..

Zwei Stunden später zahlte ich und brach auf, kaufte nach längerem Suchen die wahrscheinlich teuerste Badehose meines Lebens und nahm den 15.20-Uhr-Bus zurück zum Flughafen. Dort kam ich überpünktlich um 16.20 Uhr an, wartete noch ein bisschen und konnte dann schon relativ früh einchecken. Die Sicherheitskontrolle überstand ich, obwohl sie mich mal wieder zum Sprengstofftest rauszogen und marschierte dann wieder in meine Lounge (diese Kreditkarte hat sich inzwischen allein schon durch die Getränke bezahlt gemacht, die ich hier immer verkonsumiere).

Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob der Flug wahnsinnig Verspätung hätte, aber die Fluggesellschaft hat anscheinend ausreichend Puffer eingebaut, um die Verspätungen wieder rauszuholen.

Joa, als mein Flieger gelandet war, brach ich auf zum Gate, die Ausreisekontrolle aus dem Schengen-Raum war gähnend leer, und als ich am Gate war, ging fast schon das Boarding los. Die siebenköpfige Familie vor mir hielt a) den ganzen Verkehr auf und b) unterhielt alle Umstehenden unfreiwillig, denn Brüder und Schwester stritten sich wie die Kesselflicker …

Im Flieger selbst wurden sie dann aber ruhiger, nur standen wir eine Stunde noch herum, weil immer wieder Leute viel zu spät eintröpfelten und die Gepäckeinlader erstmal abwarteten, wessen Gepäck sie denn nicht einladen sollten …

Mit Verspätung von fast genau einer Stunde kamen wir also weg, mir fielen manchmal fast die Äuglein zu, denn ich saß am Notausgang mit freiem Mittelplatz und konnte mich also ausbreiten (vor allem ausstrecken, denn das ging in der engen Ryanair-Bestuhlung am Morgen nicht …).

Nouadhibou erwartete uns mit nebliger Kühle (es war wirklich kühl, nix da mit 26 Grad oder so, das waren vielleicht 15 Grad, maximal), das Visa-on-arrival-Büro war überhaupt nicht beschildert, aber zwei Spanier gingen mir voran. Eine Mauretanierin hieß mich zu warten, was ich tat, was mir aber nicht guttat, denn sie drängelte die Pässe von zwei Spaniern vor und ein dritter, älterer Spanier wollte sich vordrängeln. Nun bin ich kein kompletter Idiot, denn als er seinen Pass hinlegte, sprang ich hin und legte meinen Pass drauf. Der Visumaussteller hatte gesehen, dass ich vorher drangewesen war, der Spanier laberte was von wegen, er hätte nicht gewusst, dass ich auch anstehe (ja, du Vollhorst, ich stehe hier vor lauter Freude in der Kälte rum, bis die die Grenzkontrolle zumachen, oder wie?!), und so erhielt ich mein Visum Sekunden vor dem Spanier.

Die Tür zur Grenzkontrolle war wirklich schon zu, aber ein freundlicher Soldat schloss mir auf, der Grenzer wollte die Telefonnummer von meinem Hotel wissen, die ich ihm glücklicherweise nennen konnte, und dann hatte ich meinen Stempel im Pass.

Mein Gepäck war natürlich schon da, ich schnappte mir das und ging am Zoll vorbei, niemand hielt mich auf – ich war in meinem 124. Land. Juchhe, schön kühl …

Ich lief tatsächlich nur zehn Minuten, Viertelstunde zu meinem Hotel, entgegen der Beschreibungen in den Reiseführern war die Hauptstraße hell erleuchtet, in meinem Hotel funktioniert das WLAN nicht – das ist Mist, aber ansonsten ist das Zimmer – das erwarte ich aber auch bei dem Preis – sehr, sehr schick. Dass es einen abnehmbaren Duschkopf gibt, verdient Erwähnung …

Ich duschte erstmal, prüfte dann, ob die Badehose passt (tut sie) und gehe jetzt ins Bettchen – erster Eindruck mit den Grenzern war erstmal verbesserungswürdig, aber danach wurde es (bis aufs WLAN, das ist wirklich nicht so schön) besser …

Achso, an meiner Kneipe in Maspalomas gab es sogar eine finnische Speisekarte! Und die Beschilderung zum Strand ist neben Spanisch auch auf Englisch und eben Deutsch. Liebe Leute, wer nicht weiß, was „playa“ bedeutet, gehört nun wirklich aus Spanien ausgewiesen und mit lebenslangem Einreiseverbot belegt, tsts.

Faro de Maspalomas