Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Montag, 23. Mai 2016

Redlichst verdient

... habe ich mir jetzt das "Taiwan Beer", das ich mir im Hotelzimmer einverleibe. 600 Milliliter puren Genusses fließen in kleinen Schlücken in meinen Magen, auf dass sich ... Was rede ich hier eigentlich?

Ich hatte gestern Abend noch den Großteil gepackt und vorbereitet, sodass ich heute Morgen nur das zusammenräumen musste, was ich heute Morgen tatsächlich noch gebraucht hatte. Meine Fluggesellschaft hatte eine komische Gepäckpolitik: 15 Kilo aufgegebenes Gepäck und dazu 7 Kilo Handgepäck ergibt insgesamt 22 Kilo akzeptiertes Gepäck. Ich hatte etwa 23,6 Kilo, und weil ich keine Lust auf Diskussionen hatte, packte ich mir einige schwere Dinge in meine Jacken- und Hosentaschen.

Um 4.30 Uhr verließ ich das Hotel, hatte anfangs kein Glück mit den Taxen, aber um 4.40 Uhr saß ich dann in einem Taxi zum Flughafen in Incheon. Der Fahrer muss zügig, sodass ich ziemlich genau um 5.30 Uhr in Incheon war. Ich wog meine Gepäckstücke ab und packte noch ein wenig um, dass ich genau bei 15 und 7 Kilo lag und stellte mich dann in die Schlange. Ich muss noch ziemlich verschlafen gewesen sein, denn ich war fast schon an der Reihe, als mir auffiel, dass ich in der Schlange der falschen Fluggesellschaft stand. Held von Pakistan, ich!

In der richtigen Reihe war kaum etwas los, niemand interessierte sich für mein Handgepäck, dafür interessierte sich die Check-in-Dame umsomehr für meine Reiseroute: Ich hatte ja keinen Rückflug nach Korea gebucht, sodass sie wohl ein wenig Angst hatte, dass ich mangels Weiterreisebuchung nicht nach Taiwan einreisen dürfe und die Fluggesellschaft mich dann wieder zurücktransportieren müsse. Diese Zweifel konnte ich ausräumen.

Sicherheitskontrolle und Ausreise überstand ich, dann fuhr ich mit dem Shuttlezug zum Satellitenterminal. Ich kaufte für meine letzten Won noch Cola, Orangensaft und etwas zum Knabbern.

Wir kamen etwas verspätet weg, aber ich konnte sogar ein wenig schlafen, weil ich eine Dreierreihe für mich allein hatte - sehr angenehm. Unterwegs bekamen wir Nicht-Taiwaner sogar noch einen Gutschein für eine Busfahrt in die Stadt, den ich natürlich gerne annahm.

Taiwan liegt gut und gerne 1.000 Kilometer südlich von Seoul, und dementsprechend war es hier dann auch ein wenig tropischer, also wärmer und feuchter. Im Flughafengebäude ging es mit der Klimaanlage noch gut, die Einreise war fix, der Zoll auch (auch wenn sie mich zum Röntgen schickten ...) und auch im Bus war es angenehm temperiert.

Den Schlag mit Wichsbürscht gab's halt dann beim Aussteigen am Hauptbahnhof von Taipei. Ich fühlte mich jung und knusprig und entschied mich, die Strecke zum Hotel zu Fuß zu gehen. Schweißgebadet kam ich 20 Minuten später am Hotel an - hallo, Bürschle, du weißt doch, wie man ein Taxi anhält, oder? Einfach den Arm raushalten (wobei selbst das in Taipei nicht nötig ist, die Taxi halten von selbst neben dir an ...)!

Einchecken konnte ich morgens um 11 natürlich noch nicht, also ließ ich mein Gepäck da, schmierte mich ein und machte mich dann auf in die Stadt. Ich lief ein paar Meter weiter ums Eck und sah schon Dutzende Essenslokale, von denen ich mir eines im zweiten Stock aussuchte, weil das ein wenig urig aussah. Selten hat mir ein Eintopf mit Nudeln und Rindfleisch und Gewürzen so dermaßen gut geschmeckt wie da, und das lag nicht nur am Hunger. Dazu genehmigte ich mir zur besten Frühschoppenzeit schon das erste Taiwan Beer.

Danach lief ich ein paar Schritte und entschied mich dann, die eine U-Bahn-Station zum Longshan-Tempel zu fahren. Der Longshan-Tempel ist sehr beeindruckend, aber weil da noch aktiv gebetet wird, lief ich da nicht so völlig kreuz und quer in der Gegend herum. Angucken sollte man sich den aber auf alle Fälle mal, wenn man in Taipei ist (jetzt hätte ich fast "Seoul" geschrieben; Bürschle, du bist jetzt in Taiwan!) ...

Ich lief wieder zurück zur U-Bahn - es fing nämlich so langsam an, richtig heiß zu werden - und wollte mal beim Taipei 101 vorbeigucken, dem einst höchsten und inzwischen noch fünfthöchsten Gebäude der Welt. Auf der Fahrt dorthin renkte ich mir beim Nießen (ich bin in den letzten Tagen ein bisschen dauererkältet - ich überlebe es - hoffentlich) halb den Kiefer aus, aber auch das werde ich überleben. Den Nacken ausgerenkt habe ich mir dann, als ich aus der U-Bahn-Station kam und die Spitze des Taipei 101 sehen wollte. Aua. Ich fuhr hoch in den fünften Stock, weil ich mal gucken wollte, wie die Eintrittspreis- und Schlangensituation aussieht - in beiderlei Hinsicht recht positiv, Schlange gab's fast gar nicht und Eintritt waren 14 Euro, nicht wenig, aber jetzt auch nicht völlig übertrieben.

Hinauf ging's im schnellsten Aufzug der Welt, der fast 400 m in unter einer Minute nach oben schießt. Da gehen einem schonmal die Ohren zu ... Der Ausblick von da oben war natürlich fantastisch, auch wenn die Wolken schon tief standen und es alles ein wenig diesig war.  Es ist immer süß, wenn so 200-Meter-Wolkenkratzer aus 400 m Höhe im 89. Stock dann irgendwie wie kleine Mietskasernen aussehen ...

Sehr beeindruckend ist auch der Schwingungsdämpfer, der auch seine 660 Tonnen wiegt und bei Stürmen (und Erdbeben) der Schwingung des Gebäudes entgegenwirken soll ... Ich kaufte mir da oben noch zwei Baseball-Kappen von "Taipei 101" zum Preis von einer (jetzt habe ich auf dieser Tour vier Baseball-Kappen gekauft, jetzt reicht es auch, denke ich ...) und fuhr dann wieder runter. Ich schaute mir noch den Foodcourt da unten im Taipei 101 an und ging dann - im einsetzenden Regen - wieder zur U-Bahn-Station. Am Hauptbahnhof stieg ich aus und ging diesmal - mit ganz leichtem Gepäck - den gleichen Weg wie heute Morgen zum Hotel.

Dort konnte ich jetzt einchecken und verbrachte die nächsten zwei, drei Stunden erstmal im Zimmer. Als ich gegen 19 Uhr wieder nach unten ging, regnete es in Strömen, sodass ich nochmal in mein Zimmer im 11. Stock fuhr und meine Regenjacke holte: Ich wollte zum Ningxia-Nachtmarkt, der nicht weit von meinem Hotel weg ist (naja, zwanzig Minuten Fußweg sind's schon). Einen Teil des Weges ging ich unterirdisch durch die Taipei City Mall, die mehrere U-Bahn-Haltestelle unterirdisch verbindet - unfassbar, was da die ganze Zeit los ist. Wenn hier in Taipei mal ein Krieg ausbricht, könnten da unten Zigtausende Menschen Schutz finden, Wahnsinn ...

Obwohl das Wetter bescheiden war, war auf dem Nachtmarkt durchaus etwas los, ich ging einmal durch und aß dann an verschiedenen Ständen verschiedene Kleinigkeiten: eine knoblauchgeschwängerte Wurst, solche Teigtaschen mit Hackfleischfüllung und eine Spezialität von Taiwan, stinky tofu. Ich hatte schon gelesen, dass das wie vergammelnder Abfall riecht, aber wenn man dann tatsächlich an dem Stand vorbeiläuft und sich fragt, wo die Kanalisation ist, dann weiß man erst, wie das riecht. Ich wagte mich trotzdem ran und erstaunlicherweise schmeckt das Zeug selbst ohne ein Übermaß an Gemüse, was den Geschmack verbessern soll, gar nicht so schlecht. Dass das meine Leibspeise wird, bezweifle ich, aber nochmal essen könnte ich das schon ...

Danach machte ich mich - gut satt, aber nicht überfressen, und für morgen muss ja noch was Neues zu entdecken übrig bleiben - wieder nach Hause, kaufte ein Bier und meine abendliche Schokolade und genoss beides dann gerade eben im Hotelzimmer, nachdem ich glücklich war, nicht von einem der unzähligen Mopeds, die hier in Taipei (und anders als in Tokio oder Seoul) durch die Gegend düsen, umgefahren worden zu sein.

Ich habe heute geschwitzt wie ein Bär, habe aber eben festgestellt, dass ich noch einen frischen Schlafanzug und ausreichend Unterhosen habe, deswegen gehe ich jetzt gleich noch mal duschen, um mit frischen Sachen in das frische Bett zu steigen.

Morgen soll's gewittern, soll mir wurscht sein, ich schlafe aus und wenn es nicht Hunde und Katzen regnet, fahre ich nach Fulong an den Strand.

Longshan-Tempel

Blick aus dem Taipei 101

Dämpfer

Taipei 101 von unten

Stinky Tofu

Sonntag, 22. Mai 2016

Oh Seoul

... du hast es mir heute leicht und schwer gemacht, dich morgen zu verlassen ...

Ich habe heute Morgen erstmal gepflegt ausgeschlafen und bin um 11.30 Uhr aufgestanden. Ich lief gestern erst mal auf einer ziemlich leeren Hauptstraße in Richtung Innenstadt und kam dann schlagartig in ein richtiges Einkaufs-/Kneipenviertel, in dem ich nach vergeblicher Suche nach einem richtigen "Hof", also so einer Bierkneipe, in eine Bar geraten bin. Dort trank ich drei Bierchen (Kloud, OB und noch eins), die koreanischen Biere kann man irgendwie alle trinken, aber so richtig süffig sind sich auch nicht, vor allem, weil sie ein wenig wässrig sind. Aber besser als Heineken und Beck's sind sind allemal (das ist ja aber auch nicht schwer).

Dazu bestellte ich eine Meeresfrüchteplatte, weil das in solchen Bars in Korea (wie auch in den "Hofs") so üblich ist. Naja, die war nicht ganz billig (so 13, 14 Euro), aber dafür bekam ich auch richtig was geboten: viel Tintenfisch, einen Krebs, ein paar Shrimps - das war richtig lecker, auch wenn die Sauce ziemlich scharf (aber nicht zu scharf war).

Anschließend zog ich in den einzigen "Hof" um, den ich auf Google in der Nähe meines Hotels gefunden hatte. Vor Schreck fiel ein Koreaner kurz nach meiner Ankunft erstmal von der Bank. Auch in diesem Hof musste/sollte ich etwas zu essen bestellen, also nahm ich noch ein paar Chicken Wings. Auch die waren sehr lecker, auch wenn es gestern Abend dann deutlich zu viel an Essen war.

Auf dem Heimweg holte ich mir vorsorglich noch eine Schokoladenmilch, aber der Kassierer wollte kein Bargeld annehmen. Ich schob es auf die späte Stunde und Überfallgefahr, bis mir heute Morgen auffiel, dass ich ihm einen Schein über 1.000 japanische Yen statt über 1.000 koreanische Won hingelegt hatte. An seiner Stelle hätte ich sie genommen, die 1.000 Yen sind nämlich etwa siebenmal so viel wert wie die 1.000 Won, aber so zahlte ich halt mit meiner U-Bahn-Karte, die ich gestern in einem Anfall von Wahnsinn zweimal mit je 10.000 Won nachgeladen hatte ...

Heute Morgen war ich schon auf dem Weg zum Changdeokgung-Palast, als mir einfiel, dass ich ja noch auf dem Fischmarkt vorbeischauen könnte - und da vielleicht um 14 Uhr auch frühstücken ...

Gesagt, getan, ich stieg in die Bahn, einmal um und schon war ich am Fischmarkt. Um die Zeit war da nicht mehr soooooo viel los, aber immer noch genug, um einen sehr guten Eindruck zu bekommen. Ich fuhr mit der Rolltreppe in den zweiten Stock und suchte mir nach langem Zögern eine Sushi-Bar aus. Die Kellnerin sprach unfreundlich Unverständliches an mich, nahm mich an die Hand und schleppte mich in die nächste Bar. Tja, Pech gehabt. Die in der anderen Bar waren freundlicher und gaben mir eine Speisekarte (ich vermute, dass die anderen entweder keine englische Speisekarte hatten, was ich kaum glauben mag, weil sie als einzige Firma da oben englische Beschriftung an ihrem Restaurant hatten, oder dass man sich da das Zeug, das man verzehren möchte, unten im Fischmarkt selbst holt). Letztes hätte ich übrigens auch dringend tun sollen, denn ich zahlte 30 Euro für eine Sashimi-Platte mit Vorspeisen. Die Vorspeisen (u.a. Tintenfisch) und die Lachs-Sashimi waren vorzüglich, alles andere konnte man vergessen. Wenn ich denke, was ich im angeblich so teuren Tokio (okay, nicht am Fischmarkt, aber trotzdem) für 30 Euro bekommen habe, dann blutet mir ein bisschen das Herz und ich will wieder in meine Sushi-Bar dort (zumal die alte Oma von Kellnerin total süß war).

Das, liebes Seoul, war jetzt kein liebes Abschiedsgeschenk.

Nun fuhr ich aber wieder in der Linie 1 in Richtung Palastviertel und marschierte zunächst zum Jongmyo-Schrein. Dort hatte ich mehr oder weniger Glück, denn man muss dort eine Führung mitmachen, und die fing in 25 Minuten an. Eine Führung ist deshalb verpflichtend, weil der Schrein noch aktiv benutzt wird und die offenbar nicht wollen, dass die Touristen zum Beispiel über den einen Steinpfad marschieren, der für die Geister der Verstorbenen reserviert ist. Eintritt und Führung sind abartig teuer, sie kosten zusammen nämlich ganze 1.000 Won, also unverschämte 75 Cent. (Es ist mir völlig schleierhaft, wie die mit solch lächerlichen Eintrittspreisen allein die Führerin bezahlen wollen ... Andererseits kann sich das auch der letzte Tourist locker leisten und lernt dabei eine Menge über Korea, wie mein Gesprächspartner während der Führung korrekterweise einwand.)

Dieser Schrein ist sehr beeindruckend, zumal er mit 101 Metern Länge bis heute das längste Gebäude Seouls ist (also in der Horizontalausdehnung, in der Vertikalausdehnung gibt es etliche höhere Hochhäuser). Wenn ich das richtig verstanden habe, sind in dem Schrein die Geister der verstorbenen Könige Koreas verwahrt, weil nach traditionellen koreanischen Verständnis die Geister ewig leben und nur der Körper begraben wird. Sehr interessant.

Achso: Während der Führung drehte ich mich um und erblickte den Mercer-Kollegen als Singapur wieder, den ich auf der DMZ-Tour kennengelernt hatte - so klein ist die Welt ...

Nach der Führung spurtete ich (fast) weiter zur Changdeokgung-Palast, in den ich eine oder zwei Minuten vor Toreschluss noch Einlass fand (um 18 Uhr macht der zu, bis 17 Uhr ist Einlass). Puuuh, Glück gehabt, sonst hätte ich wirklich was verpasst. Auch dieser Palast ist unglaublich, unglaublich schön - ich war 1988 während der Olympischen Spiele zu klein, um die Berichterstattung ernsthaft zu verfolgen, und einige Teile der Paläste wurden auch erst neulich wiederinstandgesetzt, aber dass Seoul nicht viel mehr Touristenziel ist, ist mir sehr unverständlich. Diese Paläste (es gibt fünf und ich habe zwei gesehen) sind einfach toll, und auch die verbleibenden drei werde ich mir beim nächsten Seoul-Besuch angucken.

Danach ging ich gemessenen Schrittes mit Zwischenstopp wieder zur U-Bahn, fuhr eine einzige Station (aber die fuhr ich!) und suchte kurz das Hotel auf.

Zum Abendessen wollte ich in eine Barbecue-Gaststätte, die ich gestern Abend ganz in der Nähe meines Hotels entdeckt hatte. Als ich mich entschieden hatte reinzugehen, bekam ich die Karte - die Preise waren okay, 30.000 Won (20 Euro) für ziemlich viel Fleisch erschien mir akzeptabel. Aber die Bedienung wollte meine Bestellung partout nicht entgegennehmen und verwies immer auf die günstigeren Gerichte auf der anderen Seite der englischen Karte. Ich vermute, dass die Portionen relativ groß sind und sie nicht dachte, dass ich die alleine schaffe. Weil ich aber diesbezüglich nicht sicher war und weil ich mich auf Barbecue gefreut hatte und nicht schon wieder Eintopf haben wollte, verließ ich am Ende schweren Herzens das Lokal. Heute war's wirklich doof, dass ich als Einzelreisender unterwegs bin. Aber wenn das einmal in einer Woche passiert, dann ist das immer noch gut zu überleben ...

Als Ersatz habe ich in einem dieser 24-Stunden-Läden jetzt Shrimps-Chips, ein Bier, eine Mangobrause, einen Bananenkuchen und eine Schokoladenmilch gekauft und mir es im Zimmer gemütlich gemacht.

Seoul, ich komme wieder.

Morgen geht es in aller Herrgottsfrühe mit dem Taxi zum Flughafen und dann mit dem Flieger nach Taipei. Ich habe mir fest vorgenommen, am Dienstag wirklich an den Strand zu fahren - da freue ich mich jetzt schon richtig drauf ...

Over and out aus Korea.

Fischmarkt in Seoul

Sashimi (später kam noch ein gebratener Fisch dazu, der war essbar)

Am Jongmyo-Schrein

Jongmyo-Schrein

Jongmyo-Schrein

Changdeokgung-Palast

Thronsaal im Changdeokgung-Palast

Changdeokgung-Palast

Changdeokgung-Palast

Changdeokgung-Palast

Samstag, 21. Mai 2016

Substance over form

... (Substanz geht über die Form) ist ein Grundsatz der internationalen Rechnungslegung. Den habe ich offenbar so verinnerlicht, dass ich ihn auch bei meinen Blogs anwende: Ich weiß (bzw. merke regelmäßig beim Lesen am nächsten Tag), dass ich in meinen Berichten die deutsche Sprache manchmal ein wenig harsch behandle, da fehlen dann Wörter oder sind zu viele (Präpositionen sind besonders beliebt), manchmal schreibe ich auch "fahren" statt "waren" und manchmal verwechsle ich sogar "dass" und "das" (sehr selten, hoffe ich, aber dann ein sicheres Zeichen von Übermüdung). Ich weiß auch, dass manche Sätze und manchmal ganze Spannungsbögen ins Leere gehen (der Hundeeintopf gestern hat dann übrigens doch nur 10.000 Won, etwa 7,50 Euro, gekostet), das tut mir leid. Ich bitte nur insofern um Verständnis, als dass ich halt am Ende des Tages die berichtenswerten Ereignisse (und auch manche nicht für alle berichtenswerten) herunterrattere; meistens will ich schnell ins Bett, aber trotzdem noch die Geschichten erzählen, so lange ich sie frisch im Gedächtnis habe. Es gibt Tage, an denen ich noch in der Lage und willens bin, den Post gegenzulesen, ehe ich in abschicke, aber diese Tage sind nicht sooo häufig. Bear with me, sagen die Engländer, tragt dieses Joch gemeinsam mit mir. Danke!

Manchmal ist es ja wirklich zum Mäusemelken, denn heute Nacht war ich ab etwa 4.45 Uhr hellwach. Als mein Wecker um 5.45 Uhr runterging, hatte ich schon eine volle Stunde wachgelegen ... Hm.

Nach kurzem Frühstück um Punkt 7 Uhr war ich überpünktlich an dem Hotel, zahlte meine heutige Tour und setzte mich in den Bus.

Die Busbesatzung bestand zur Hälfte aus Japanern mit eigener Führerin, zur anderen Hälfte aus einer bunt gemischten englischsprachigen Gruppe mit Leuten aus Singapur, den Niederlanden, Finnland, ein paar Amerikaner waren auch dabei und einem Deutschen. Der Deutsche wurde von der Reiseführerin gleich mal gefragt, ob er aus West- oder Ostdeutschland stamme (das ist mir auch schon lange nicht mehr passiert), aber sie wollte damit illustrieren, dass sie im Ausland öfter - relativ sinnloserweise, weil Nordkoreaner normalerweise sowieso ihr Land nicht verlassen dürften - gefragt würde, ob sie aus Nord- oder Südkorea komme.

Wir fuhren aus Seoul raus und kamen relativ schnell in Sichtweise der ersten Stacheldrahtverhaue, die das "normale" Südkorea von einem immer noch formal zivil kontrollierten Gebiet abtrennen, in dem man aber schon ziemlich viel Militär sieht. In dieses spezielle Gebiet fuhren wir mit unserem Bus hinein und fuhren zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen sehr beeindruckenden Blick auf Kaesong, eine größere nordkoreanische Stadt, und insgesamt auf das südwestliche Nordkorea hatte. Das ist schon interessant, wenn man die Flaggen Nord- und Südkoreas auf den beiden Seiten sieht, die nordkoreanische Propaganda hört (die selbst die südkoreanischen Soldaten nicht wirklich verstanden) und da hinten sogar eine Statue von Kim Il-Sung erahnen kann. Fotos durften offiziell nur in die eine Richtung gemacht werden, wenn man sich nicht dranhielt, passierte aber auch nicht wirklich etwas ...

Weiter ging es dann zum sogenannten dritten Tunnel (von insgesamt vier Tunneln, die die Nordkoreaner wohl zur Infiltration des Südens bauten und die von Südkoreanern entdeckt wurden). Die Fahrt mit der Einspurbahn hinunter auf gut 70 Meter Tiefe war lustig, zumal die Röhre wirklich ziemlich eng war. Als wir dann unten waren und die paar hundert Meter ans Tunnelende gingen, war selbst ich schon zu groß, sodass ich zwei Drittel des Weges geduckt laufen müsste (dank der Helme haute ich mir wenigstens nicht ständig den Schädel an). Ich hatte Rücken ... Ich will gar nicht wissen, wie es dem Zwei-Meter-Riesen ging, der auch in unserer Gruppe war. Der arme Kel! Am Ende des Tunnels ist dann eine Betonwand, die einen Spalt offen ist, durch den mal auf die nordkoreanische Seite schauen kann (da ist ebenfalls eine Betonwand). Da steht man also vor einer Betonwand und schaut durch diese auf eine andere Betonwand. Naja, wenigstens ist man dabei unter der Demilitarisierten Zone und fast schon in Nordkorea ...

Zum Abschluss ging es zum für den Fall der Wiedervereinigung schon bereitstehenden Bahnhof in Richtung Pjöngjang und zu einer Brücke, über die nach dem Koreakrieg Gefangene ausgetauscht wurden. Das Essen ist einer koreanischen Gaststätte (wieder Schuhe ausziehen ...) war recht lecker, die Einzelreisenden wurden an einen Tisch gesetzt, an dem sich dann herausstellte, dass einer der beiden anderen in Singapur bei der Konkurrenz meines Arbeitgebers und der andere in Singapur für eine niederländische Bank HR-Chef ist und auch schon mit (globalen) Kollegen von mir zu tun hatte. Es ist eine kleine Welt manchmal ...

Danach fuhr ich mit einigen anderen zurück nach Seoul, während der Großteil der Gruppe in die Joint Security Area weiterfuhr. Seufz. Alles ein bisschen doof gelaufen, aber man soll ja das Positive sehen: Ich werde nochmal nach Seoul kommen, um in dieses vermaleidete Grenzhäuschen zu kommen, und wenn es schon im September ist.

In Seoul fuhren wir dann am Eingang zum Gyeongbokgung-Palast vorbei, und das sah schön aus, das wollte ich mir angucken. Also lief ich nach dem Aussteigen in die Richtung, vorbei am Rathaus und an einer Falungong-Gruppe. Da standen zwei Statuen, und vor der einen wurde ich von einem koreanischen Studenten in ziemlich gutem Englisch angesprochen; er fragte mich, ob ich den Typen kennen würde. Ich war gerade im Begriff, die englischsprachige Hinweis zu lesen: Es handelte sich um den Erfinder der koreanischen Schrift. Der Typ kam mir gerade recht, weil ich mir von ihm bestätigen lassen wollte, dass es korrekt sei, wie ich mir zusammengereimt hatte, wie man meinen Namen auf Koreanisch schreiben würde. Er hatte an dem einen oder anderen Symbol noch was zu meckern, vor allem, weil es nicht so richtig ein "e" im Koreanischen gibt, aber ich hatte mich gar nicht so doof angestellt - es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Danach betrat ich die Palast-Anlage und bezahlte meinen Eintritt.  Ich ging also da rein und war begeistert: Ein palastartiges Gebäude nach dem anderen tat sich mir auf mit einer Architektur, die ich noch nicht oft gesehen habe, viel in grün gehalten, sehr beeindruckend (siehe Fotos). Das Beste war: Diese Palastanlage hörte gar nicht mehr auf, nach dem einen Palast kam noch ein zweiter und ein dritter und ein vierter, dann kam ein Park mit einem Teich und Pavillon, da oben links war noch ein Palast des Königs, damit er sich von seinem Prinzregenten absetzen konnte, da rechts war noch eine Pagode und hinten links stand noch ein Wasserschlösschen in der Gegend herum. Und das Unfassbare ist: Die Koreaner nehmen für dieses Teil 3.000 Won Eintritt, das sind 2,25 Euro. Unglaublich. Ebenfalls unglaublich ist, dass dieses Ding kein Weltkulturerbe ist. Ja, sind die anderen Paläste noch schöner?! Das werde ich mir morgen - nach dem Ausschlafen - noch einmal in Ruhe anschauen.

Morgen wird wirklich ausgeschlafen, und damit das so ist, gehe ich jetzt (es ist gleich 19.30 Uhr) mal los und erkunde das Seouler Nachtleben. Ich bin gespannt ...

Blick auf Nordkorea ...

... vom Aussichtspunkt

Mit dem Gefährt ging's in den Tunnel - unten Fotos verboten, militärische Sicherheitszone

Der Erfinder der koreanischen Schrift

Gyeongbokgung I

Gyeongbokgung II

Gyeongbokgung III

Gyeongbokgung IV

Gyeongbokgung V

Gyeongbokgung VI vor Skyline von Seoul

Freitag, 20. Mai 2016

Großes Drama

Szenenbild: Der Körper liegt schweratmend in einem Sessel. Er schläft. Das Gehirn sitzt auf einem Stuhl, schläft auch. Das Bewusstsein wird von den süßen Träumen (zwei, weiblich zu besetzen) im Schlaf gewogen. Ein Wecker klingelt. Es ist 5.30 Uhr.

Körper (im Halbschlaf): Nicht schon jetzt.
Gehirn (aufwachend): Oh, 5.30 Uhr. Ich werde mal das Bewusstsein wecken.
Körper: Das lässt du schön bleiben.
Gehirn: Wie bitte?
Körper (mit drohenden Blick): Das lässt du schön bleiben, hab ich gesagt.
Süßer Traum 1: Psst, das Bewusstsein wacht sonst auf.
Gehirn: Aber wieso denn?
Körper (halblaut): Weil es reicht. Ständig jagt es mich in der Gegend herum, hier 'ne Nacht im Flieger pennen, dann noch zum Baseball, obwohl es selbst fast einschläft. Der soll sehen, was er davon hat. Genug ist genug.
Gehirn: Ach komm, morgen macht er bestimmt richtig Urlaub.
Körper (höhnisch): Aber sicher!
Gehirn: Na, siehste.
Körper (wütend): Das war Sarkasmus, du Depp. Jedes Mal sagt es: (äfft das Bewusstsein nach) "Alle vier Tage mache ich richtig Urlaub." Und was macht es?? (brüllt jetzt)
Süßer Traum II: Nicht so laut!
Körper (leiser, aber immer noch wütend): Was macht es? Einen Sch ...
Süßer Traum I und II: Ruhe! Hier sind Kinder im Publikum!
Körper: Nix macht es. Gar nichts. (äfft wieder das Bewusstsein nach:) "Lieber Körper, ich weiß ja, dass das anstrengend ist. Nächstes Mal ich es besser!" Und wie ist es nächstes Mal?
Gehirn: Schlimmer?
Körper: Nein, schlimmer! (verwirrt:) Wie? Du siehst das auch so?
Gehirn: Natürlich. Das Bewusstsein übertreibt es immer. Aber es hört halt auf seinen Bruder: "Mach's ruhig, solang de jung bisch. Hörsch früh gnug vo selber uff."
Körper: Wenn das so weitergeht, hör ich hier bald "uff". - Also: Weiterschlafen?
Gehirn: Weiterschlafen!
Süße Träume I und II (erleichtert): Na endlich ...

Naja, die süßen Träume haben mich dann heute Morgen um 8.10 Uhr geweckt - da war leider meine Tour zur innerkoreanischen Grenze schon längst weg. Ich weiß ja, dass ich die letzten Tage wirklich viel gemacht habe, und es hätte mir eine Warnung sein müssen, als ich gestern Nacht im Flieger die Lüftung ganz deutlich das Bonndorfer Pflumeschleckerlied und die Fans beim Baseball deutschsprachtige Gesänge (wenn auch unverständlich: "Wir woll'n die Hinterleiche vorne sehen" und "Mein Gold ist lesbisch") singen hörte. Es hätte mir auch Warnung sein sollen, dass ich beim Baseball ein paar Mal fast eingeschlafen wäre. Und ich hätte auch morgen wirklich (Wirklich! Kohlsches Ehrenwort) mal einen ruhigen Tag gemacht. Aber dass ich den Wecker morgens überhöre, das ist mir wirklich noch sehr selten passiert, und es ist schon ziemlich ärgerlich, weil der Ausflug heute ja einer der Hauptpunkte auf dieser Reise, zumindest für Südkorea, sein sollte.

Glück im Unglück ist es, dass mein Touranbieter mich - kostenlos, obwohl sie dazu vertraglich alles andere als verpflichtet gewesen wären - auf die halbe Tour morgen umgebucht haben (die volle war leider schon ausgebucht ...). So zahle ich nur 50 Euro und habe ein bisschen was davon (auch wenn ich die andere halbe Tour noch lieber genommen hätte ...) als dass ich 100 Euro Versäumnisgebühr zahlen müsste - sehr guter Service von den Freunden von DMZtours. Vielen Dank an dieser Stelle.

Naja, was wollte ich dann jetzt machen? Ich entschied mich, nochmal ins Bett zu gehen ... Um 11.30 Uhr stand ich ganz gemütlich auf, duschte und verließ gegen 13 Uhr mein Zimmer.

Ich machte einen kurzen Spaziergang zur U-Bahn, stieg einmal um und ging in ein Lokal, in dem es eine laut koreanischer Übersetzung "belebende Suppe" gab. Schließlich wollte ich meinem Körper ja etwas Gutes tun (hähä). Dieser bosintang genannte Eintopf schien nach der Preiskarte nicht wirklich günstig zu sein, er lag bei etwa 35 Euro, aber für eine koreanische Delikatesse könnte man das ja mal aufbringen. Der Chef gab mir zu verstehen, dass diese 35-Euro-Mahlzeit für eine Person viel zu groß wäre. Wir kamen mit Händen und Füßen überein, dass er mir etwas zusammenstellt und wir dann weitersehen ...

Nun setzte ich mich auf den Boden (das Lokal besteht aus einer etwas erhöhten Plattform mit niedrigen Tischen, vor der man die Schuhe auszieht) und wartete auf meine Mahlzeit. Es kamen die obligatorischen Kimchi (eingelegter Kohl, scharf, aber nicht zu scharf) und allerlei andere Sachen, die die Leute, die sich damit auskennen, bitte anhand des Fotos identifizieren mögen. Danach kam eine Vorspeise mit einer Art Sellerie und Fleisch, gefolgt vom eigentlichen Eintopf. Doch, war ziemlich heiß, aber recht lecker. Muss ich aber nicht unbedingt nochmal essen.

Wieso mache ich nun so eine Geschichte um einen Eintopf? Wer bosintang googelt, wird darauf stoßen, dass das Fleisch in der Suppe kein Rind, kein Schwein, kein Lamm, kein Geflügel und auch kein Wal ist - es ist Wauwau.

Nun sollte man das ausblenden, wenn man den Eintopf isst, zumindest als Europäer, denn ansonsten schmeckt das Fleisch, das in der Suppe sehr weich wird (für meinen Geschmack ein bissel zu weich), etwas wildartiger als, sagen wir, gekochtes Rindfleisch.

Wie kann man denn Hund essen? Naja, mit zwei - in Korea übrigens metallischen - Stäbchen und die Suppe danach mit einem Löffel. Ich habe den Eindruck, dass viele der Leute, die sich darüber aufregen, dass die Südkoreaner Hund essen (speziell vor Sportveranstaltungen), die gleichen Leute sind, die nur arrogant lächeln (oder sich auch aufregen), wenn ein Moslem oder ein Jude kein Schwein oder - vielleicht noch treffender, weil Hunde ja für viele Europäer eine quasireligiöse Bedeutung haben - ein Hindu kein Rind essen mag. Ja, die Hunde werden hier anscheinend nicht gut gehalten, bevor sie geschlachtet werden, aber das hält viele (einschließlich mich) auch nicht davon ab, nicht jedes Ei oder jedes Chicken-Nugget-Stück zu fragen, ob es denn von einer glücklichen Henne stammt. Im Übrigen ist es so, dass Hund wohl vor allem von älteren Koreanern gegessen wird und die jüngeren Leute hier unser (westliches) Essenstabu in Bezug auf Hundefleisch anfangen zu übernehmen. Noch kriegt man - übrigens nicht etwa versteckt in einer Seitengasse, sondern am hellichten Tag an einer Hauptstraße, auch wenn erstmal ein bisschen intensiver googeln muss -  Hund zu essen. Die einen mögen das begrüßen, die anderen nicht, so ist der Lauf der Dinge ...

Bevor es jetzt hier aber zu kulturphilosophisch wird, ging ich weiter - ich fuhr ans andere Ende der Stadt, bis fast zum Flughafen Incheon. Auf der Insel Yeongjong sollte es schöne Strände und gutes Meeresfrüchte essen geben. Ich stieg also an einer der beiden Stationen der Flughafen-S-Bahn auf dieser Insel aus und guckte mich nach einem Bus um, der an den Strand oder an den Pier fahren würde. Die Beschilderung der Busfahrpläne war fast ausschließlich auf Koreanisch, sodass ich mir gerade versuchte, mir einzuprägen, was "Yeongjong Pier" auf Koreanisch hieß, als auch schon ein Bus kam. In diesen stieg ich ein.

Nun, es ist ein wenig problematisch, auf einer Insel, die "Yeongjong" heißt und auf der irgendwie alles nach dieser Insel benannt ist, in einen Bus einzusteigen, auf dem "Yeongjong-(weiter kam ich nicht mit dem Entziffern)" steht ... Jedenfalls fuhren wir freudig in der Gegend herum, ich erblickte an den Einstiegshaltestellen gelegentlich Fahrpläne, die aufzuzeigen schienen, dass ich doch in der richtigen Richtung unterwegs bin, wir fahren auch fast schon da, als wir auf einmal wieder in den Westen abbogen. Mist. Ich stieg am Bahnhof - dreimal darf man raten, wie der heißt - "Yeongjong Station" aus und war fast schon im Begriff, mit der Flughafenbahn zurückzufahren, als ich mich doch umentschied. Als ich auf dem weg zum Taxi war, kam auf einmal ein anderer Bus vorbei, den ich jetzt noch ausprobieren wollte. Unterwegs stieg ich einmal aus und wollte zu Fuß gehen, ehe ich zu weit wegfuhr, aber dann kam doch ein Bus, auf dem sogar auf Englisch als sein Ziel mein Ziel angegeben war.

Nun, ich hatte mir das Ganze etwas pier-artiger vorgestellt, der Ausblick auf die Stadt Incheon war zwar ziemlich schön, wenn auch ein wenig diesig, aber zum Entlangflanieren oder so war nichts. Ich stolperte in eine Fischhalle, setzte mich dorthin und zahlte am Ende 18.000 Won (14 Euro) für eine Meeresfrüchtesuppe (riesig!) und einen traditionellen koreanischen Wein (ich wollte heute kein Bier trinken ...). Ersteres war sehr lecker mit vielen Muscheln, Zweiteres ... ich trinke morgen Abend wieder Bier.

Die Fähre, mit der ich nach Incheon übersetzen wollte, fuhr nicht (der Reiseführer hatte "bis 21.30 Uhr" geschrieben, Pustekuchen, die letzte fuhr um 18 Uhr, es war gerade 19.20 Uhr geworden), aber dafür fuhr noch ein Bus, der mich ja hoffentlich an einen der beiden S-Bahnhöfe bringen würde. Tat er sogar, und jetzt fuhr ich wirklich mit der S-Bahn zurück ins Hotel.

Heute und am Montag für den Weiterflug nach Taipei stelle ich mir zwei Wecker, und die auf extralaut.

Einige Anmerkungen noch:

In der U-Bahn ist genau markiert, wo die Züge zum Stehen kommen und die Türen aufgehen. Dementsprechend stellen sich die Menschen dort zweireihig an (links und rechts) und durch die Mitte können die Menschen ausstiegen. Danach steigt man ein. Sehr praktisch, so entsteht keine Menschentraube am Einstieg - könnte man in Deutschland auch machen. (Aber dann müssten die Bahnführer ja den Zug auch noch an einer bestimmten Stelle zum Stehen bringen. Ohje, das birgt Streikpotenzial.)

In der Bahn stehen dann viele und schauen sich auf ihren Handys Manhwas (koreanisch für "Mangas") an, also diese speziellen Comics, die in Ostasien verbreitet sind. Sehr interessant.

Und gestern war ich ja noch beim Baseball. Ich hatte schon in Japan gedacht, dass die Stimmung sehr gut war, aber das hier in Korea war fantastisch. Da wird die ganze Zeit gesungen, es gibt zwei DJs (für die Heim- und die Auswärtsmannschaft), die Stimmung machen, Cheerleader, und das alles während des laufenden Spiels. Das war cool.

So, normalerweise korrigiere ich meine Posts nicht mehr nachträglich, vor allem nicht für Tippfehler, die im Eifer des Gefechts passieren. Aber in die Überschrift sollte schon stimmen, deswegen habe ich die Überschrift des gestrigen Eintrags korrigiert.
Baseball in Korea

Bosintang

Donnerstag, 19. Mai 2016

Unter die Baseball-Verrückten

... gehe ich auf dieser Sportreise-Tour durch Ostasien, denn ich habe auch heute Abend vor, mir ein Baseball-Spiel anzugucken. Dann ist aber genug, denke ich.

Wir boardeten pünktlich und kamen fast pünktlich weg, landeten sogar überpünktlich in Seoul. Die Einreise ging fix, die Ansage am Grenzposten (zum Auflegen meiner Zeigefinger auf den Scanner) kam sogar auf Deutsch, weil das System natürlich erkannt hatte, dass ich mit einem deutschen Pass unterwegs bin. Der Zoll wollte nix von mir und schon war ich in mein 108. Land eingereist ...

Ich suchte und fand - die noch im Dunkeln gelegene - Schnellbahnhaltestelle, suchte und fand im zweiten Anlauf eine Verkaufsstelle für eine dieser praktischen Chipkarten (auch wenn ich mit der in Seoul wohl nicht so viel spare wie anderswo, aber irgendwie hat es sich jetzt ergeben, dass ich die Dinger sammle, also sei's drum ...), lud meine Karte auf und fuhr mit dem ersten regulären Zug heute Morgen vom Flughafen Incheon in Richtung Seoul.

Den meisten Reisenden fielen während der knapp einstündigen Zugfahrt die Äuglein zu, ich versuchte erfolgslos, standhaft zu bleiben. Kurzfristig entschied ich mich, schon vor dem Hauptbahnhof ins U-Bahn-System zu wechseln, weil ich hoffte, dass ich einige Haltestelle vorher nicht so weit laufen müsste - das war ein Fehlschluss. Das mit dem Laufen ging heute sowieso ziemlich schief: Ich wollte ja nicht so viel laufen. Hm. Nochmal neu in den nächsten Tagen versuchen ...

Jedenfalls kam ich, meine beiden Koffer hinter mir her zerrend, gegen 7 Uhr am Hotel an. Oh Wunder, natürlich konnte ich noch nicht einchecken. Ich packte erstmal um, gab meine beiden Koffer in Verwahrung und ging mit meinen Badutensilien auf die Hoteltoilette, um dort wenigstens mal Zähne zu putzen, Kontaktlinsen wieder reinzusetzen und mich auch einzuschmieren, denn der Tag versprach sonnig zu werden.

Ich quälte mich - schon morgens um 7.30 Uhr nicht so mopsfidel wie sonst durch die Großstadt hüpfend - zur U-Bahn-Haltestelle und wollte eigentlich zu einem Café am Ufer des Han, der durch Seoul fließt. Irgendwann entschied ich mich um und fuhr nach Gangnam (Gangnam-Style, yeah und so ...), wo aber um die frühe Uhrzeit noch weniger als nichts los war. Ich hatte Hunger und eigentlich auch schon wieder Durst auf ein Bier (für mich war es ja nicht 8 Uhr, sondern, ähm, irgendwie 32 Uhr am Vorabend). Es wurden zwei Bäckerwaren und anschließend ein paar Teigtaschen, danach vertilgte ich erstmal eine Cola und einen O-Saft. Ich war versucht, mich einfach auf eine Bank zu legen und ein bisschen zu pennen, aber irgendwie wollte ich das dann doch nicht ...

Ich schleppte mich zurück zur U-Bahn, fuhr jetzt dann doch in dieses Café, entdeckte es zunächst nicht und dann glücklicherweise doch noch. Das Café liegt an einer Brücke direkt am Fluss und heißt "Panarama-Café". Die hatten zum Glück einen Aufzug, und wieso das Panarama-Café (habe gerade fast "Panamora" geschrieben ...) heißt, erschloss sich mir beim Aussteigen aus dem Aufzug unmittelbar - der Ausblick war, soweit meine müden Augen das noch erfassen konnten (ooooooooh, und noch mal: ooooooooooh, ach, so ein bisschen Selbstmitleid tut einfach mal gut), fantastisch. Ich war der einzige Kunde ...

Es war inzwischen ungefähr 11 Uhr, sodass ich mich jetzt wirklich traute, ein Bierchen zu bestellen. Die hatten ein "IPA aus Korea" (ich glaube es jetzt einfach mal, der Name der Brauerei auf dem Glas klang in der Tat koreanisch), sonst nur europäische Flaschenbiere, sodass ich das IPA halt dann trank. Trinkbar war's. Währenddessen lernte ich - gefühlt - den U-Bahn-Plan auswendig (ich hatte mir heute Morgen am Flughafen noch einen Stadtplan mitgenommen, sehr sinnvolle Entscheidung, zumal mein Handy-Akku schlappmachte - die Jungs im Café hingen es liebenswürdigerweise an die Steckdose), trank noch ein zweites Bier und wollte dann so um 12.45 Uhr wagen, ob mein Zimmer denn schon bezugsfertig wäre.

Während der U-Bahn-Fahrt erschloss sich mir auf einmal, dass diese koreanischen Zeichen tatsächlich nur in Quadraten angeordnete Buchstaben sind (keine Silbensymbole wie im Chinesischen), sodass man mit ein bisschen Übung wirklich anfangen kann, die zu entziffern. Cool. Ich lief dann zwar die ganze Zeit wie ein verstreuter Professor durch die Gegend, blieb plötzlich vor Schildern stehen und malte die Zeichen in die Luft nach, der Hab-mich-lieb-Jacke bin ich aber knapp entkommen ...

Ich konnte schon einchecken (juchhe!), mein Zimmer ist direkt hinter der Rezeption (...), aber sehr schön, und natürlich ging ich schnurstracks unter die Dusche. Dreimal wusch ich mir die Haare, bis ich mich wieder einigermaßen sauber fühlte. Bääääh.

So, jetzt packe ich gleich meine sieben Sachen und gehe zum Baseball. Mal sehen, was die da so an Leckereien auffahren. Danach geht es fix wieder zurück, ich muss ja morgen um 6 Uhr aufstehen, weil ich um 7.40 Uhr schon am Treffpunkt für die Fahrt zur demilitarisierten Zone sein muss. Die haben mir heute geschrieben, dass sich der "Treffpunkt" geändert habe - "wir" treffen uns jetzt rein zufällig bei dem Büro eines anderen Touranbieters. Ganz offenbar waren bei meinem Anbieter für morgen zu wenige Anmeldungen hereingekommen, sodass sie mich jetzt praktisch umgebucht haben - solange ich nur den vereinbarten Preis zahlen muss, soll's mir recht sein. Ich bin sehr gespannt und werde morgen Abend berichten ...

Blick auf den Han und einen Teil der Skyline von Seoul

Diverse Knöpfe an der Toilette auch in Südkorea - aber hier gibt's wenigstens einen, den ich kenne und dem ich vertraue: Der ist direkt am Wasserkasten und spült.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Alle veräppeln

... wollten sie mich heute, aber nix da, ich habe einfach gemacht, was ich wollte - naja, nicht immer, aber meistens, hm, okay, manchmal, argh ...

Ich war gestern Abend ja erst spät ins Bett gekommen, aber das half nichts, dass ich bis um 10 Uhr auschecken musste. Also quälte ich mich aus meinem Bett, ging duschen und frühstücken. Danach ging ich nochmal ins Zimmer, packte, checkte aus (was sehr schnell ging) und deponierte mein Gepäck im Hotel; ich würde heute Abend zurückkommen, es holen und dann zum Flughafen fahren. Das war der Plan. Höhö.

Ich ging in strahlendem Sonnenschein (das blieb auch den ganzen Tag so, ich hatte mich eingeschmiert, aber habe jetzt ein bisschen Farbe bekommen) zu "meinem" Bahnhof in Kamata, setzte mich in meine Linie und stieg irgendwo unterwegs in die Ringlinie um. Mit der fuhr ich bis Harajuku, denn ich wollte auf den Aussichtsturm der Stadtregierung. Dazu stieg ich also in Harajuku aus und lief und lief und lief in einem klimatisierten Gang mit Rollbändern und lief und lief und lief. Ich bin kein Volkswagen, deswegen lief ich irgendwann nicht weiter, denn ich war da, wo ich hinwollte. Die Schlange für die Aufzüge zur Aussichtsplattform war sehr kurz, der Blick in meine Tasche sehr pro forma (solange da keine Drähte rausgucken, kann man mit da hochnehmen, was man möchte) und mit dem ersten Schwung stand ich im Fahrstuhl hoch in den 45. Stock.

Obwohl die Aussichtsplattform in meinem Online-Reiseführer stand, halte ich sie für einen Geheimtipp - denn dafür, dass man von da oben einen so fantastischen Ausblick hat, und vor allem dafür, dass das Ganze kostenlos ist (!!!), war erstaunlich wenig im 45. Stock los. Man sieht nicht nur, wie riesenriesenriesengroß diese Stadt, man sieht nicht nur Wolkenkratzer wie den Tokyo Skytree, man sieht nicht nur - ja, ganz dahinten - den Pazifik, sondern man sieht auch den Fudschijama, den bekanntesten Berg Japans. Wow, sehr, sehr beeindruckend. Nach der Aufnahme einer angemessen großen Zahl von Fotos einschließlich Selfies und dem Kauf einiger Postkarten (die dann geschrieben und im gut versteckten Postamt unten in der Stadtverwaltung abgegeben wurden) stieg ich gleich in die U-Bahn um und fuhr in Richtung Yasukuni-Schrein (den ich jetzt auf Deutsch als "Jasukuni" umschreiben müsste, aber so schreibt den selbst in Deutschland keiner).

Um diesen Yasukuni-Schrein wird so ein Bohai gemacht, weil dort auch Kriegsverbrechern gedacht wird. Besonders wenn der japanische Premierminister in seiner Funktion als Premier (und nicht etwa als Privatmensch) dort auftaucht, hagelt es sofort Protestnoten aus Korea (da sind sich Norden und Süden anscheinend sogar mal einig) und China, weil diese Länder dieses Gedenken als Verherrlichung des Krieges ansehen.

Diesen Schrein guckte ich mir also mal und natürlich ist für den Normalchristen dort nichts zu erkennen, was auf irgendwelche politische Bedeutung schließen lässt. Im Übrigen ist die umgebende Parkanlage einfach schön.

Ebenfalls sehr schön ist der Kitanomaru-Park, der vom Yasukuni-Park nur durch eine Straßenbrücke getrennt ist. Von der sehr lebendigen Stadt kommt man schlagartig in eine Oase der Ruhe mit großen Rasenflächen, kleinen Wäldchen mitsamt Spazierwegen und einigen Wasserflächen. Dieser und der noch größere Kaiserliche Garten (soweit er zugänglich ist, aber das was zugänglich ist, ist völlig ausreichend ...) sind für meinen Geschmack so etwas wie Tokios Central Park - das ist richtig schön, und das Schlendern dort im Park war sogar mal richtig Urlaub.

"Richtig Urlaub" ist der Einsatz für den großen Auftritt - Trommelwirbel - meiner Füße. Die wollten nämlich nicht mehr und riefen laut und deutlich: "Wir wollen zum Baseball, da kann der da oben drei Stunden auf seinem Stühlchen sitzen und sich das Bier von den Kanistermädchen an den Platz bringen lassen." Die Leute guckten schon, wer da so laut ruft, also gab ich nach und versprach meinen Füßen den Gang zum Baseball.

Nun fing das Baseballspiel wie gestern um 18.15 Uhr an; es wäre also so gegen 21.15 Uhr zu Ende; um 22 Uhr wäre ich spätestens am S-Bahnhof und ich bräuchte sicher eineinhalb Stunden ins Hotel, wo ich also - wenn alles gut lief - um 23.30 Uhr ankäme. Mein Flieger geht gleich um 2 Uhr, bis ich dann am Flughafen gewesen wäre - das wäre alles knapp geworden. Ich entschied mich also, mein Gepäck sofort zu holen und dann in einem der Schließfächer, die es hier an den meisten Bahnhöfen gibt, einzuschließen, sodass ich mir den Weg nach dem Baseball spare. Am günstigen erwies sich der Bahnhof Hamamatsuchō (wusste ichs doch, dass auf das "o" ein Strich kommt), weil der nicht nur auf meiner Strecke in Richtung Baseball lag, sondern auch den einen Endpunkt der Einspurbahn zum Flughafen in Haneda bildete (ich kam in Narita an, fliege jetzt aber von Haneda weg; auf dem Heimweg komme ich in Narita an und fliege von dort auch wieder weg). Außerdem könnte ich dann noch bei meinem Sushi-Laden zu Mittag essen - das war mein Plan.

Es kam alles anders: Ein Selbstmörder (vielleicht war's auch wirklich nur ein Personalunfall mit Verletzung, ich weiß nicht) bremste mich übel aus. Ich war gerade in Tamachi an meinem Bahnsteig, als die japanische Bahn, die  im Durchschnitt zehn Sekunden (Sekunden, nicht Minuten!) Verspätung hat, eine Viertelstunde Verspätung anzeigte. Es wurden 20, 25, 30 Minuten. Was nun? Es war jetzt etwa 15.15 Uhr; ich hatte zehn Minuten Fahrtstrecke vor mir, Essen dauert auch seine Zeit und zum Hotel musste ich auch noch (und Eintrittskarten fürs Baseball kaufen) - um 16 Uhr, allerspätestens 16.30 Uhr sollte ich schon im Zug zurück in Richtung Chiba zum Baseball sitzen. Hm. Knapp. Es wurden 40 Minuten, 50 Minuten (der kommt jetzt eh nicht mehr), ehe ich mich entschied, jetzt hier in Tamachi zu Essen und meinen ursprünglichen Plan (abends, also nach dem Baseball, mein Gepäck zu holen zu verwirklichen). Jetzt war ich ja aber in Tamachi durch die Chipkartenkontrolle gegangen und wurde beim Versuch, am gleichen Bahnhof wieder rauszugehen, abgewiesen. Doof. Also ging ich zum Bahnsteig in Richtung Hauptbahnhof und sah in dem Moment die Bahn, auf die ich 55 Minuten gewartet hatte, abfahren. Das konnte nicht euer Ernst sein, Bahn!

Wenigstens war die Streckensperrung jetzt aufgehoben, ich entschied mich abermals um, nahm den nächsten Zug, jetzt war Sushischaufeln im Schnelldurchgang angesagt. Ich kam gegen 15.45 Uhr an meinem Sushi-Lokal an - es war zu! Mittagpause! Hatten sich denn alle gegen mich verschworen?

Nein! Der Automat im FamilyMart gab mir im zweiten Anlauf meine Baseballkarte, das Hotel gab mir meinen Koffer, jetzt musste ich halt in Chiba was zu essen auftreiben. Zurück zum Bahnhof, ich nahm den Zug um 16 Uhr, schloss in Hamamatsuchō für zweimal vier Euro mein Gepäck ein, fuhr weiter zum Hauptbahnhof, stieg dort um in die Bahn in Richtung Chiba und kam eine Stunde vor Spielbeginn am Bahnhof an.

Sushi wurden es heute keine, sondern Ramen, spezielle Nudeln, wieder mit Fleisch und diesmal mit Ei obendruff, bei der letzten Nudel bekleckerte ich mich (ich muss ja jetzt den ersten Tag in Seoul auch noch ungeduscht überstehen, naja, vielleicht dusche ich am Flughafen, wenn das geht) und nahm eine halbe Stunde vor Spielbeginn den Shuttlebus. Ich stieg aus, roch lecker Grillfleisch und bestellte nochmal fünf Spießchen, wobei ich die Inhaber zum Lachen brachte, weil ich halt von jedem eins probieren wollte ...

Die Nationalhymne verpasste ich, und ich scheine beim Baseball der Heimmannschaft nur am ersten Spieltag Glück zu bringen. Heute verlor Chiba (gegen den gleichen Gegner wie gestern und morgen, das ist im Baseball so üblich) mit 0:3. Schade. Feuerwerk gab's zwischendrin trotzdem! War vielleicht als Anfeuerung gedacht ... Achso, als sich heute der eine Schlagmann von Chiba und der Catcher von Seitama das erste Mal am Schlagmal sahen, haben sie sich voreinander kurz verbeugt - sowas passiert in der US-Liga bestimmt eher selten ...

Heute war die Schlange für den Shuttlebus kurz nach dem Spiel deutlich länger als gestern, weil gestern weniger Zuschauer da waren und die auch für die Siegesfeierlichkeiten blieben; aber auch so kam ich schnell zum Bahnhof. Natürlich fuhren jetzt alle Züge pünktlich und ich war mit Umsteigen am Hauptbahnhof und in Hamamatsuchō (das schreibe ich gern, gell?) schon in der Einspurbahn.

Bei Nacht ist die zwanzigminütige Fahrt zum Flughafen schon beeindruckend, bei Tag muss sie absolut fantastisch sein, weil man jede Menge Panoramablicke auf Tokio und Hafen und Bucht und alles Mögliche hat. Ich habe Tokio ja schon gestern meine baldige Wiederkehr angedroht, jetzt ist es endgültig soweit (zumal sich ja bei solchen Flugpreisen, die günstiger als nach Amerika sind, fast schon eine Woche oder so - Betonung auf "oder so" - lohnt ...).

Der Check-in hier ging fix, nachdem sich die Check-in-Damen alle hübsch vor ihren Kabüffchen aufgestellt und sich dann verbeugt hatten - das war richtig süß ...

Sicherheitskontrolle und Ausreise überstand ich (ich bekam den Stempel in den Pass um genau 0.01 Uhr) problemlos und jetzt sitze ich hier in dem sehr schönen Flughafen Haneda und bin schon sehr gespannt auf Seoul: Mein Flieger geht um 2 Uhr Ortszeit und braucht etwa zweieinhalb Stunden; ich bin also gegen halb fünf in Seoul und schlage mich dann in Richtung meines Hotels durch, bei dem ich mein Gepäck abzugeben gedenke. Danach werde ich koreanisch frühstücken und mal sehen, wie ich mir so den Tag vertreibe, bis ich um 15 Uhr dann einchecken kann ...

Land Nr. 108, ich komme ...
Skyline Tokio

Da hinten ist er, der Fujiyama (jetzt auf Englisch geschrieben)

Yasukuni-Schrein

Tor zum Kitanomaru-Park

Im Kitanomaru-Park

Im Kaiserlichen Garten

Feuerwerk trotz Niederlage

Dienstag, 17. Mai 2016

Eine Seefahrt, die ist lustig

... jaja, so langsam reicht es mit den deutschsprachigen Liedtexten, okay ...

"Bewölkt" war der Himmel durchaus, aber dabei blieb es leider nicht, denn der Himmel hatte heute Morgen seine Pforten geöffnet. Ich hatte in weiser Voraussicht meine knallrote Wetterjacke (anstelle meines Sakkos) mitgenommen und durfte dieses also gleich unten vor der Hoteltür anziehen.

Ich hatte heute Morgen im Bett noch ein wenig im Internet gesurft, weil ich ja schon vor ein paar Wochen um dieses Baseballspiel heute in Chiba herumgeschlichen war. Die Webseite dieses Vereins gibt es nach wie vor nur auf Japanisch, aber ich fand eine Erklärungsseite, wie man an den Automaten der hier an jeder Straßenecke vorhandenen 24-Stunden-Läden die Karten ziehen kann (dabei sollte man genau bezeichneten japanischen Schriftzeichen folgen ...).

Im 7-Eleven bekam ich es nicht gebacken, weil es die Zeichenfolge, die da in meiner Anleitung standen, überhaupt nicht (mehr) gab, sodass ich mich in die nächste Alternative, den FamilyMart, aufmachte. Nach einigen Versuchen erwischte ich die Seite mit Baseball und musste dann eine von sechs gegnerischen Mannschaften aussuchen. Es wäre ja zu einfach, wenn die chronologisch sortiert gewesen wären, vielmehr ging ich im FamilyMart-WLAN online, guckte, wie der heutige Gegner auf Japanisch geschrieben wird, verglich das mit den Zeichenfolge der Mannschaften - und siehe da, ich hatte die Saitama Seibu Lions gefunden. Dann tauchte auch etwas auf, was ich als Datum "17. Mai" entziffern konnte - juchhe. Anschließend kam eine Seite mit Preisen, ich wählte eine Karte für 2.800 Yen (etwa 22 Euro oder so). Aber dann kamen zwei Hinweisseiten, wo ich durch Ausprobieren (drei- oder viermal drückte ich den falschen Knopf und musste von vorn anfangen ...) die richtige Kombination fand, aber als ich irgendwelche Zahlen eingeben musste, ließ ich allen Das-will-ich-selber-hinkriegen-Stolz fahren und bat um Hilfe. Die Bedienung in dem Supermarkt erläuterte mir, dass ich nur meine Telefonnummer eingeben müsste - was ich dann tat - und dann druckte sie mir einen Zettel aus, mit dem ich an der Kasse meine Eintrittskarte bekam. Wahrscheinlich bin ich tatsächlich der einzige Ausländer in ganz Japan, der sich seine verflixte Eintrittskarte selber vorab kaufen will. Ts.

Ich trat wieder hinaus in den Regen, als mir klar wurde, dass Baseballspiele bei Regen nicht selten abgesagt werden - ich hatte aber Hoffnung, denn heute Nachmittag sollte es zu regnen aufhören (und außerdem ist Chiba ein ganzes Stück von Kamata entfernt!).

Ich fuhr in die Stadt (die Japaner haben übrigens alle - alle! - Regenschirme und keine Regencapes, Letzteres ist ein eindeutiges Erkennungsmerkmal für Ausländer) und lief zum Asakusa-Tempel. Diese buddhistische Tempelanlage ist wirklich außergewöhnlich schön, mit dem ersten und dem zweiten Eingangstor, mit der Pagode an der Seite, die angeblich Asche von Buddha beherbergen soll. Nicht ganz so schön, jedenfalls im Regen, sind die vielen Stände mit Opfergaben (und Nippes) auf dem Weg zu der Tempelanlage, denn es regnet von allen Seiten auf dich herab und manche Leute rempeln einen in dieser engen Gasse dann auch mit ihren Regenschirmen an. Naja, ich habe es offensichtlich überlebt.

Ich ging einen etwas anderen Weg zurück als hin und kam an einer kleinen Gaststätte vorbei, die Nudelsuppen mit Einlage anbot. An solchen kleinen Gaststätten gibt es außen so Automaten, an denen man ein Essen wie eine Marke am Zigarettenautomaten auswählt, bezahlt, ein Plastikkärtchen erhält und dieses dann bei der Bedienung abgibt. Das ist für beide Seiten praktisch, denn so muss die nicht Geld wechseln und ich muss nicht reden, was sowieso nix bringen würde, weil mein Japanisch immer noch nicht besser geworden ist seit vorgestern. Ich bekam den letzten freien Platz im Lokal mit einer dreiköpfigen Familie am Tisch und guckte erstmal den Japanern beim Essen zu. Da wird geschlürft, was das Zeug, denn so werden die Nudeln angeblich gleichzeitig gekühlt. Als mein Essen kam, probierte ich das mit dem Schlürfen, aber wie das so ist, was einem die Eltern gründlich ausgetrieben haben, kriegt man nicht auf die Schnelle wieder so hin. Ich verbrannte mir also beim erfolglosen Schlürfversuch ganz hübsch die Lippen, verteilte einen nicht unbeträchtlichen Teil der Suppe auf meinem glücklicherweise bunt gemusterten Hemd und war am Ende pappsatt: Die ordentliche Brühe enthält gefühlt ein halbes Kilo Nudeln, obendruff sind noch fünf flache Fleischstücke und ein bisschen Sellerie und Zeugs. Nein, Fotos gibt's nicht, weil ich es bescheuert finde, in einem normalen Einheimischenlokal sein Essen zu fotografieren. War sehr lecker, aber ich war pappsatt, zumal ich erst zwei Stunden vorher gefrühstückt hatte. Man steht dann einfach auf und geht, zumal draußen manchmal noch Leute auf eigens bereitgestellten Hockerchen warten.

Ich fuhr wieder mit der U-Bahn, diesmal in Richtung Shibuya, stieg dort in die Ring-Linie ein und fuhr noch eine Station. Ich wollte nämlich zum Meiji-Schrein. Dieser Schrein für den Kaiser, der zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert Japan zum Ausland hin öffnete, liegt in einem wunderschönen Park, der bei Sonne ganz bestimmt noch schöner ist. Der Schrein selbst ist nur von außen anzuschauen, und selbst da darf nicht so richtig fotografiert werden, sodass ich fototechnisch mit den immer noch sehr hübsch anzusehenden Außenanlagen vorliebnehmen musste. Hier kann man dann auch Wünsche auf ein Holztäfelchen schreiben und dieses an Vorrichtungen um einen großen Baum herum anbringen, auf dass sie in Erfüllung gehen.

Nach dem Besuch dort fuhr ich wieder zurück nach Ahikabara und musste noch ein bisschen Zeit überbrücken, weil ich nicht extrem viel zu früh in Chiba landen wollte. Ich guckte mich in der "Electric City" um, wo es allerhand Elektrokrams zu kaufen gibt, überlegte, ob ich in eine Maid Bar gehe, in der die Kellnerinnen wie knallbunt bekleidete Hausmädchen herumlaufen, ließ es aber sein, als ich las, dass es da manche Kellnerinnen übertreiben und die Kundschaft mit dem Löffelchen füttern ...

Stattdessen entwickelte sich Appetit auf ein Bier, und ich fand eine Kneipe in einem Untergeschoss. Mir schallte Blasmusik entgegen und eindeutig als Deutsch identifizierbarer Gesang. Ich setzte mich - angewiesen von einer in deutschen Tracht gekleideten Kellnerin - hin und bekam bei "Eine Seefahrt, die ist lustig", "Das Wandern ist des Müllers Lust" und so'n Schnulli immer wieder von Neuem einen Lachanfall. "Bier her, Bier her, oder ich fall um" kam zwar aus den Lautsprechern, aber die Kellnerinnen verstanden mich nicht, sodass ich doch auf die Speisekarte zeigen musste. Es war wirklich und ernsthaft zum Schießen. Nur wenn die Japaner denken, dass das der aktuelle deutsche Musikgeschmack ist, dann sind sie ungefähr 60 Jahre zu spät dran. Grässlich.

Ich bezahlte, stieg wieder auf zum Bahnhof und in die Bahn ein, musste einfach umsteigen und kam dann am dem Stadion nächstgelegenen S-Bahnhof an. Da standen ein paar Jungs in der Gegend herum, die man guten Gewissens als Baseballfans identifizieren durfte, sodass ich guter Dinge war, dass das Spiel doch stattfindet und mich in Richtung Stadion begab. Ich kam nur ein paar hundert Meter weit, als mir der Shuttlebus ins Auge fiel, der für 100 Yen (80 Cent) die paar Minuten vom Bahnhof zum Stadion fährt - ein sehr gutes Zeichen ...

Ich war etwa eine Stunde vor dem Spiel am Stadion, guckte mich im Fanshop um, erwarb die günstigstmögliche Baseballkappe (so'n Riesenfan von den Chiba Lotte Marines werde ich wohl doch nicht, um für 'ne Kappe 50 Euro auszugeben) und ging ins Stadion. Die Eingangskontrolle überstand ich unverletzt, nur leider waren die Sitze unüberdacht, und es hatte nach zwischenzeitlichem Nichtregen (von Trockenheit will ich nicht reden) wieder angefangen zu nieseln. Ich überlegte, wie ich meinen Sitz vom Regen befreie, als schon eine Bedienstete mit einem Lappen neben mir stand und das für mich übernahm - sehr aufmerksam. Überhaupt lief da jede Menge "Crew" herum ...

Lustig sind die weiblichen Teile der Crew, die in Biermarkenuniform und mit Biertornister auf dem Rücken (!) alle 60-90 Sekunden die Treppe runterrennen, sich am Treppenabsatz winkend bemerkbar machen und dann - heute war dank des Wetters leider sehr geringer Besuch - meist enttäuscht wieder nach oben liefen. Eine Minute später kam wieder die nächste Dame; irgendwann hatte ich Mitleid und bestellte ein Bier aus dem Tornister. War trinkbar, wenn auch mit 700 Yen (6 Euro) ein wenig teuer.

Nun saßen wir da mit Regencape bewaffnet kurz vor dem Spiel auf unseren Sitzen, da tauchten meine Nebenleute und ich auf der Videowand auf. Hallo, winke, winke, Daumen hoch, wieder etwas abgehakt, was ich in meinem Leben immer mal wieder haben wollte ...

Pünktlich zur Nationalhymne hörte der Regen auf, so stellt der Kaiser (von Japan, nicht der Franz) sich das vor.

Das Spiel war in den ersten Innings sehr wenig unterhaltsam, die beiden Mannschaften bekamen kaum einen Läufer bis zur ersten, geschweige denn bis zur zweiten Base. Im vierten Inning schlug der Schläger der Gastmannschaft einen Homerun, was aber - da keine Base besetzt war - nur einen Run einbrachte. Im fünften Inning dann jedoch brach der Pitcher (Werfer) der Gastmannschaft brutal ein und Chiba erzielte in einem einzigen Inning vier Runs, die mussten wieder von vorne anfangen mit den Schlägern, weil alle schonmal drangewesen waren ...

Nachdem der Gast-Pitcher ersetzt worden war, beruhigte sich das Spiel wieder, sodass Chiba am Ende mit 5:2 gewann. Doch, das waren wirklich kurzweilige drei Stunden - ich verstehe immer noch nicht, was so viele Deutsche gegen Baseball haben. Klar muss man die Regeln erstmal verstehen, aber dann kann man das wirklich genießen. (Und Stimmung haben die beiden Fangruppen trotz des ungemütlichen Wetters sehr, sehr ordentlich gemacht!)

Der Bus zurück fuhr (hier stellt man sich selbstverständlich in der Schlange an, bis man an der Reihe ist mit dem Einsteigen) und die S-Bahn-Fahrerei in Tokio ist für mich inzwischen ja fast schon Routine (haha). Unten in meinem FamilyMart um die Ecke kaufte ich noch etwas zu trinken und drei warme Hackfleischbällchen zu essen, die ich dann im Zimmer verspeiste.

Jetzt ist es schon halb eins hier, ich muss morgen um 10 Uhr auschecken, ohjeohje. Ich werde mein Gepäck hier aufbewahren lassen, denn morgen Abend muss ich schon zum Flughafen. Mein Flieger geht um 2 Uhr nachts und um 4.25 Uhr bin ich planmäßig in Seoul. Aber davor gucke ich mir - bei hoffentlich schönerem Wetter - noch die kaiserlichen Gärten an.

Tokio ist hoch-, hoch-, hochinteressant. Natürlich konnte ich in den zwei, drei Tagen nicht alles sehen von Tokio ("alles sehen" geht wahrscheinlich in drei Jahrzehnten nicht, und dann müsste man eh wieder von vorne anfangen), aber der Eindruck, den ich gewonnen habe, ist ein wirklich guter. Hier gefällt es mir.

Auch wenn natürlich dieses Verbeugen und Sumo und Tempel und Schreine und Essenbestellen am Automaten ungewohnt sind und auch wenn die Japaner es einem nicht so ganz extrem einfach machen, hier nur mit Englisch durchzukommen: Irgendwie fühle ich mich in Tokio nicht so "fremd" wie in anderen Gegenden der Erde. Das liegt vielleicht daran, dass die Japaner auch so pünktlich sind wie man das uns Deutschen nachsagt, dass es hier so ordentlich und aufgeräumt ist wie in Deutschland (mit Ausnahme meiner Wohnung). Der Zug fährt halt, wenn er soll, die Leute stehen auf der linken Seite der Rolltreppe und gehen auf der rechten, die Beschilderung in der Bahn ist super, keiner haut dich beim Essen übers Ohr, du zahlst keine Touristensteuer, es hat wahrscheinlich seinen Grund, wieso man die Japaner die Preußen Asiens genannt hat. Schön ist's in Tokio

Laterne unter dem Tor zum Asakusa-Tempel

Tor zum Asakusa-Tempel
Hier liegt Asche von Buddha, oder so

Sakefässer im Meiji-Park

Meiji-Schrein

Gute Wünsche

Baseball in Japan
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