Meine Länder

Meine Länder
Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Montag, 16. Mai 2016

Gerumpelt

...  hat es heute, und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Das Aufstehen heute Morgen war, sagen wir, schwierig. Mein Körper sagte mir, als mein Wecker um 6 Uhr runterging: "Wieso willst du um 23 Uhr aufstehen? Wieso bist du schon um 17 Uhr ins Bett? Was machst du hier überhaupt?" Man soll auf seinen Körper hören, und ich stellte den Wecker im Halbstundenrhythmus weiter, bis ich dann um 8.30 Uhr aufstehen konnte. Mein Körper wollte doch schon wieder etwas zu essen haben, und Frühstück gab es im Hotel nur bis 9.30 Uhr. Ich stellte meinen Körper unter die Dusche (abnehmbarer Duschkopf mit gutem Wasserdruck, eine Wohltat für meinen verspannten Hals und Nacken) und fuhr dann runter zur Lobby und zum Frühstück.

Es war eine sehr interessante Mischung aus typisch japanischem (Reissalat mit Bohnen, Makrele, Hackfleischbällchen in einer Honigsoße) und westlichem Frühstück (Rührei, Würstchen, Coca-Cola), vor allem die Cola tat gut. Zu allem Überfluss hatte ich mich an der Kaffeemaschine verdrückt und bekam anstatt der heißen Schokolade einen Kaffee Mokka. Pfui Deibel!

Ich lief durch meine - noch ziemlich verschlafene - Einkaufsstraße zum Bahnhof, ging schnellen Schrittes und zielsicher wie ein Tokioter (höhö) zu meiner Bahn, fuhr bis zur Haltestelle Akihabara nördlich des Hauptbahnhofs und stieg dort in eine andere Bahn um, um nach zwei Haltestellen am Ryōgoku Kokugikan, der Sumohalle, auszusteigen. Die U-Bahnen in Tokio haben keine Nummern, sondern Namen. Man darf nur nicht den Fehler machen, sich die alle einprägen zu wollen, denn die Namen werden in den Fahrplänen praktischerweise in ein- oder zwei Buchstaben umfassende Kombinationen gepresst und mit Farben versehen. Nach einem Tag hat man das raus. Sehr praktisch ist, dass die Haltestellen einer bestimmten Linie prominent nummeriert sind, und dann hat halt die 4. Station auf der Tamagawa-Linie die Nummer TM-04. Das kann man sich sogar als Ausländer merken.

Die Kartenabholung morgens um 10.30 Uhr war problemlos: Man zieht seine Kreditkarte durch einen dort aufgestellten Automaten und die Karte kommt raus. Japan kann auch einfach sein ... Beim Einlass bekam ich einen Hallenplan und eine Übersicht, wer heute gegen wen kämpfen würde. Ich ging hinein, stellte fest, dass ich auf der oberen Tribüne saß und fuhr mit der Rolltreppe (die Japaner lieben Rolltreppen, überall gibt's welche) hoch. Ich hatte festgestellt, dass ich durch den Eingang 6 musste, um dann in Reihe 12 auf Platz 71 zu sitzen. Dort setzte ich mich hin (es war so früh am Morgen noch gähnende Leere, nichts da mit 13.000 Leuten, die da reinpassen) und guckte mir die ersten "Vorkämpfe" an.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, also mache ich mal einen gefilterten Gedankenstrom: In der Mitte der Arena ist der Ring von einem Durchmesser von 4,50 m oder so, in dem gekämpft wird. Der Ring befindet sich auf einem etwa 5,50 m x 5,50 m großen und 60 cm hohen "Podest" aus so einem lehmartigen Material (jedenfalls sah es von Ferne so aus). Über dem Ring ist ein großes Dach aufgehängt, das wohl an einen Tempel erinnern soll, weil die Sumo-Kämpfe früher auch religiöse Bedeutung hatten. Das merkt man übrigens daran, dass man erstens auch nach der Verstaltung nicht irgendwie diesen Ring betreten soll, weil der immer noch als geheiligt gilt, und dass zweitens die Sumo-Kämpfer vor dem Kampf etliche rituelle Handlungen begehen, mehr dazu gleich.

Um den Ring herum sitzen - zum Teil direkt hinten den Wettkampfrichtern - die erste Zuschauer, und zwar auf Polstern auf dem Boden. Man kann, etwas dahinter, auch eine Box kaufen, das sind dann vier Polster auf dem Boden, die ein bisschen umzäunt sind, sodass man da sein festes Areal hat. Auf dem Oberrang gibt es aber - Gott sei Dank - ganz normale Stühle, sonst hätte ich es da heute nicht so lange ausgehalten, wenn ich auf dem Boden hätte sitzen sollen. Die Japaner sind das eher gewöhnt.

Vor dem Kampf betritt so eine Art Ansager den Ring, der in einer speziellen Art (mit ziemlich hohen Tönen für einen Mann) sagt/singt, wer die beiden Kämpfer sind. Diese treten dann in ihrer leichten Bekleidung in den Ring. Ganz und gar nicht leicht bekleidet ist der Schiedsrichter, der trägt einen Kimono und hat einen schwarzen Hut auf, wie man ihn früher am Hofe trug. In der Hand hat er eine Art Schild, mit dem er am Ende des Kampfes den Sieger anzeigt. Die Schiedsrichter haben - wie die Ringer - unterschiedliche Ränge, was man zum Beispiel sehr deutlich daran sieht, dass die niederen Schiedsrichter für die niederen Ringer wie diese selbst barfuß sind, während die höheren Schiedsrichter Socken und spezielle Schläppchen tragen, wenn ich das richtig gesehen habe. Die Ringer klatschen dann in die Hand und stampfen mit beiden Beinen am Rande des Rings auf den Boden, um das Böse aus dem Ring zu vertreiben. Danach stellen sie sich in die Mitte des Rings und versuchen, sich mit weiterem Gestampfe gegenseitig einzuschüchtern. Der Kampf startet, sobald beide Ringer hinter ihren jeweiligen Markierungen gleichzeitig beide Fäuste auf dem Boden haben. Je höher der Rang der Ringer ist, desto länger dauert das Vorgeplänkel: Bei den Meistern stehen sie dann zwei-, dreimal wieder aus ihrer Grundhocke auf, schlafen sich nochmal selbst auf den Beine oder den Rücken, werfen Reis zur Reinigung des Rings (und zum Kirremachen des Gegners) in den Ring, ehe es dann endlich losgeht.

Der Kampf selbst ist in der Regel binnen zehn, zwanzig Sekunden erledigt. Ein besonders langer Kampf heute dauerte sicher zwei, vielleicht drei Minuten. Danach waren die beiden Wettkämpfer allerdings so richtig geschafft, die kamen kaum mehr vom Boden hoch. Das geht so schnell, weil der Kampf zu Ende ist, sobald einer der beiden mit einem Körperteil außerhalb des Rings ist oder aber mit einem anderen Körperteil als der Fußsohle den Boden berührt. Manchmal stürzen beide aus dem Ring (und auch durchaus mal diesen halben Meter von dem Podest runter), und dann kann es zu einer Kampfwiederholung kommen, wenn die fünf Kampfrichter (die um den Ring herumsitzen) sich nicht einig sind, wer zuerst draußen bzw. am Boden war.

Nach dem Kampf verbeugen sich die Kämpfer, und während der Verlierer gleich abtritt, geht der Sieger noch einmal in die Hocke und bekommt vom Schiedsrichter das Siegesschild gezeigt (und manchmal, in den gesponserten Kämpfen ganz am Ende, auch einen Umschlag mit Geld).

Das Turnier, bei ich heute war, dauert 15 Tage (heute war der 9. Tag) und ist eines von sechs Turnieren im ganzen Jahr. Jeder Ringer tritt genau einmal am Tag an, und wer am Ende die meisten Siege hat, hat das Turnier halt gewonnen. Normalerweise sollten die yokozunas, die höchstrangigen Kämpfer (die sich diesen Titel durch Leistung erworben haben), die anderen besiegen. Das klappt auch meistens, aber nicht immer; wenn ein yokozuna dauerhaft schwach ist, wird von ihm erwartet, dass er zurücktritt.

Soviel in Kurzform (naja ...) zu den Regeln.

Nachdem ich also die erste Dreiviertelstunde oder so auf meinem Platz gesessen hatte, machte ich mal eine kleine Runde, kaufte mir eine kurze englischsprachige Zusammenfassung des Sports (sehr empfehlenswert, zumal das kleine Heftchen nur 100 Yen kostet, also 80 Cent), schaute mir die Imbiss- und die Souvenirstände an. Das Ganze ist sehr entspannt, man kann kommen und gehen, wann man möchte, man darf sogar einmal am Tag das Gelände insgesamt verlassen und wird danach wieder eingelassen - sehr schön.

Mein Mittagessen nahm ich im Untergeschoss ein: Dort bieten einige ältere Damen so einen Eintopf mit Gemüse und Fleisch an. Man zahlt 250 Yen (2 Euro) und holt sich dann eine Schüssel mit dem Zeug, setzt sich an einen der großen Tische, isst mit den Stäbchen die Einlage raus und trinkt die Suppe danach wie ein Glas aus - macht jeder so, dann darf ich das auch ...

Ich ging wieder auf meinen Platz, denn so langsam gingen die Vorkämpfe der niederen Kämpfe in die Kämpfe der Mittelklasse über.

Beim Blick über den Hallenplan (die Kämpfer werden relativ willkürlich einer "West"- und einer "Ost"-Mannschaft zugeordnet und stehen entsprechend in der Ecke) stellte ich fest, dass ich die Rechnung für meinen Sitzplatz ohne das komische japanische Schriftzeichen vor der 12 gemacht: Es gibt nämlich Reihe 12/Platz 71 gleich viermal in der Arena, und zwar auf der Haupttribüne, auf der Gegentribüne, auf der West- und auf der Osttribüne. Mein Zeichen bedeutete "Osttribüne", ich saß aber auf der Haupttribüne. Also ging ich ein Viertel des Rundwegs um die Arena weiter und setzte mich halt auf Reihe 12/Platz 71 auf der Osttribüne - gesehen hat man von überall ziemlich gut.

Während der Mittelklasse füllte sich die Arena deutlich, und als die Meister dann einzogen (die tragen da so riesige zeremonielle Schürzen für diesen Einmarsch), war es schon ziemlich voll. Den Abschluss des rituellen Einmarsches bildet die rituelle Reinigung des Rings durch die yokozunas (jeweils einzeln). Dabei wird eifrig beklatscht, wenn der yokozuna mit seinem Aufstampfen den Ring vom Bösen befreit hat.

Man könnte über die Ernsthaftigkeit, mit der diese rituellen Handlungen vorgenommen werden, ein wenig schmunzeln, aber man kann es auch wie die Japaner sehen, nämlich dass Sumo unter den Sportarten dieser Welt einzigartig darin ist, dass er sich seine Geschichte und der aus ihr hervorgegangenen Riten sehr bewusst ist. Und weh tut es übrigens nicht, wenn man sich mal anschaut.

Man könnte auch ein wenig darüber schmunzeln, dass die Vorbereitungshandlungen der beiden Ringer mit dem In-die-Hocke-gehen, dem So-tun-als-ob-man-angreift, dem Wiederaufstehen, dem Reiswerfen und das Ganze nochmal von vorn so lange dauern, und der Kampf dann nur drei Sekunden, wenn - wie in dem einen Fall - der vermeintlich verteidigende Ringer dem Angreifer ins Gesicht greift (erlaubt!), ihm praktisch eine schmiert (Faustschläge sind verboten, aber diese Ohrfeigen sind in Ordnung, weil man dem Gegner auch an den Hals oder eben ins Gesicht greifen darf und dabei auch ab und zu "abrutscht") und der Angreifer dann von seinem eigenen Schwung mitgerissen wird und in den Ring plumpst. Man kann aber auch das ganze Training sehen und die verschiedenen Grifftechniken und die enorme physische Anstrengung, einen 150-bis-200-Kilo-Mann zu Boden zu bringen und dabei selbst stehen zu bleiben.

Und spätestens wenn man sieht, wie die ganze Arena jubelt, weil der Niederrangige den einen yokuzuna besiegt hat und - weil es der letzte Kampf des Tages war - diesen auch rituell mit einem riesigen Bogen beschließen darf,weiß man, dass das ein faszinierender Sport ist.

Wenn ich mal wieder zur Turnierzeit in Japan bin, gehe ich da, glaube ich, nochmal einen halben Tag hin - man muss nicht morgens um 9 oder 10 Uhr da sein, 13 Uhr, 14 Uhr reicht völlig, dann sieht man noch vier, fünf Stunden. Aber es schadet auch nicht, früh da zu sein, denn dann ist man bei den wichtigen Kämpfen regeltechnisch so fit und kampferfahren, dass man richtig mitfiebern kann.

Ich schwamm mit den Massen zurück zur S-Bahn, fuhr - in der Rushhour wurde es jetzt kuschlig in den Zügen - zurück zu "meinem" Bahnhof Kamata und suchte mir eine Abendessenlokalität. Ich brauche noch ein paar Tage, dann wage ich mich auch in Gaststätten rein, die nur eine japanische (bzw. dann koreanische oder chinesische) Karte haben, aber noch bin ich nicht so weit (was eigentlich Quatsch ist, weil ganz viele Lokale, die keine englische Speisekarte haben, Bilder oder sogar Nachbildungen von den angebotenen Speisen auf der Karte oder im Fenster haben). Und ab und zu haben Lokale auch eine englische Karte, wenn sie draußen das gar nicht angeben. Nach einmaligem Im-Kreis-Laufen (vorbei an vielen interessanten Kneipen) landete ich bei dem Sushiladen, den ich gestern eigentlich auch schon ins Auge gefasst hatte - weil ich von außen gelinst hatte, dass da eine englische Karte herumlag. Am Ende war auf der Speisekarte alles bebildert und vieles auf Englisch angeschrieben, los ging's: Es wurde eine Platte mit gemischten Thunfisch-Nigiri (Reisbällchen mit Fischstück obendruff, kalt) und Butterfisch (warm) bestellt, dazu ein Bier (ich wollte eigentlich heute keines trinken, aber wer mich kennt ...). Leute, das war himmlisch! Mein Nachbar aß allerlei Sachen, die genauso toll aussahen, wenn der morgen nochmal aufschlägt, sage ich der Oberin oder dem Koch einfach, dass ich alles haben will, was der Typ bestellt (so zum Beispiel den Butterfisch ...). Ich war eigentlich schon satt, aber da waren so tolle Sachen zu sehen, also bestellte ich für sechs Euro Tintenfisch zum Nachtisch - es kam eine komplette Tube Tintenfisch mit Tentakeln. Das war auch sehr lecker (vor allem die Tentakel, die mag ich ja sowieso sehr gerne), nur waren die Stücke für meinen Geschmack ein wenig groß geschnitten, sodass das nicht ganz so bequem zu essen war. Am Ende bezahlte ich für Überfressen mit zwei Bier 28 Euro. Nicht ganz wenig, aber absolut angemessen. Morgen Abend esse ich vielleicht wieder da ...

Die wenigen Meter ins Hotel schaffte ich auch. Ich wollte gerade anfangen, Blog zu schreiben, als ich mich wunderte, wieso auf einmal mein Bett wackelt. Ich muss ziemlich doof aus der Wäsche geguckt haben, bis mir klar wurde, dass ich hier zum ersten Mal in meinem Leben ein richtiges Erdbeben erlebe, mit hin und her schwingenden Kleiderbügeln und einer deutlich spürbaren Bewegung des gesamten Gebäudes. Eine sehr bizarre Erfahrung ... Zwei Minuten (!) später war die Seite des japanischen Wetterdienstes aktualisiert: Das Erdbeben hatte die Stärke 5,6 auf der Momenten-Magnituden-Skala, das Hypozentrum war 40 Kilometer unter dem Epizentrum, das seinerseits 40 bis 45 Kilometer von Kamata hier entfernt war. Sehr erleichtend war der Hinweis, dass aus diesem Erdbeben keine Tsunami-Gefahr erwachse. Insgesamt wurde hier in meinem Bezirk die Auswirkungsstufe 2 erfasst ("Wird von vielen Personen, die in Ruhe in einem Gebäude sind, gespürt." Ähm, richtig.), während direkt am Epizentrum Stufe 5- galt: "Viele Menschen sind verängstigt und glauben, sich an etwas Stabilem festhalten zu müssen." Muss ich nicht unbedingt haben.

So, morgen soll der Himmel hier bewölkt sein. Ich finde, das ist ein guter Grund, morgen mal so richtig Sightseeing zu machen. Aber erst nach dem Ausschlafen - es ist schließlich Urlaub.
Volles Haus

Reinigungsritual des yokozuna

Stampf vor dem Kampf

Los geht's ...

Sonntag, 15. Mai 2016

Freude schöner Götterfunken

Freude schöner Götterfunken! Am Brunnen vor dem Tore! Halleluja. Was für ein Tag. Heute war ein Tag und ganz besonders ein Abend, den werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen.

Wie jetzt? Spannungsbogen aufbauen? Okay, okay ...

Der Flug von Frankfurt nach Shanghai war im Großen und Ganzen entspannt, ich habe vier Filme geguckt (Ironman 2, Ironman 3, so'n deutschen Film, den ich sonst nie geguckt  hätte, aber der wirklich nicht schlecht war, "Wir wollten aufs Meer" oder so ähnlich, und den vierten hab ich vergessen). Aufgestanden bin ich Intellienzbestie in den zehneinhalb Stunden kein einziges Mal, sodass mein Bauch und zum Schluss meine grazilen Beinchen allerlei komische Sachen machten. Naja, ich habe es überlebt, zumal ich mir angewöhnt habe, bei so langen Flügen den Hosenknopf aufzumachen. Hilft.

Nicht mehr geholfen hat alles in Shanghai. Wir waren mit Verspätung in Frankfurt gestartet und das konnten wir auch nicht alles im Flug aufholen, sodass die Verbindung, die zuvor genau richtig war, jetzt ein klitzekleines bisschen eng wurde. Der Flughafen Shanghai-Pudong, immerhin der zweitgrößte Chinas, denke ich, ist auf internationale Transitpassagiere überhaupt nicht eingestellt. Ich kam da hin und da stand eine Schlange vor den Transitschaltern. Da ich aber schon meine Bordkarte hatte (ich kenne es nur so, dass man den Transitschalter braucht, wenn man die Bordkarte noch nicht hat), suchte ich nach dem Durchgang zum Transitbereich. Den gab's aber nicht so richtig. Also brauste ich an der Schlange vorbei und wurde rüde ausgebremst von einem Typen, der da am Übergang zum Transitbereich saß. Ich bräuchte so einen komischen Stempel. Ich also zurückmarschmarsch, in der Schlange "aktiv angestanden" (da durfte ich das mit Genehmigung des Obermufti aber auch) und tatsächlich bekam ich nur diesen doofen Stempel auf die Bordkarte gepackt. Geht's noch? Meinem Unmut ließ ich offenbar hörbar Luft ("So ein Schwachsinn"), dass die Deutschen in der Schlange, die ich übersprungen hatte, hörbar genervt laut auflachten.

Am Ende kam ich aber pünktlich zum Gate (dass eine Frau in Shanghai die Abtastung macht, sei's drum), und los ging die wilde Luzi nach Tokio.

Naja, okay, so wild war sie nicht, die Luzi. Der Flieger von Shanghai nach Tokio war nicht ganz so modern wie der von Frankfurt nach Shanghai, sodass man kaum sinnvoll auf die Kabinenbildschirme gucken konnte. Kam eh nur Mist. Ausfüllen durfte man aber Einreisekarte und Zollkarte. Die Einreise ging leidlich schnell (bei einem Grenzer mit Mundschutz ...), beim Zoll musste ich tatsächlich den Koffer aufmachen, tsts. Gefunden hat der - sehr freundliche - Grenzer aber natürlich nix, sodass ich durchstarten durfte.

Der Flughafen Narita liegt weit im Osten von Tokio, mein Hotel liegt in einem Vorart im Südwesten, das heißt, ich durfte mir gleich mal als Einstiegsaufgabe überlegen, wie ich von Narita nach Kamata komme. Das Problem ist einfach, dass diese Metropolregion Tokio so monsterriesig ist, dass man da als normalsterblicher Europäer, selbst mit einiger Erfahrung im internationalen Reisen, einfach auf Anhieb nicht durchblickt. Zum Glück gibt es Online-Reiseführer, und zum Glück gibt es Online-Verbindungsplaner, denn ohne die wäre ich erstmal aufgeschmissen gewesen. Am Ende, nachdem ich einen Zug fahren gelassen hatte, den ich hätte nehmen können, nahm ich doch nicht den Zug, den ich ins Auge gefasst hatte (weil ich da womöglich eine Reservierung gebraucht hätte), sondern nahm den lokalen (S-Bahn-ähnlichen) Zug vom Flughafern zum Bahnhof Ueno im Norden der Innenstadt von Tokio. Komplett bescheuert bin ich vielleicht doch nicht, den ich ich kaufte mir eine Chipkarte, mit der man so ziemlich in ganz Japan im Zug in der Gegend herumfahren kann, wenn sie denn ordentlich aufgeladen ist (mit dieser Chipkarte habe ich gerade eben im Supermarkt sogar meine Flasche Wasser bezahlt).

Ohne genau zu wissen, was das Vergnügen jetzt kosten würde, saß ich jetzt also in der S-Bahn. Mindestens zwei Drittel der Mitreisenden starrten auf ihr Handy, und tatsächlich gibt es junge Japanerinnen, die sich ihre Manga-Vorbilder ein bisschen arg zu Herzen nehmen. Sehr lustig anzugucken ...

Anfangs ging es vorbei an einem wirklich ländlichen Gebiet mit Reisfeldern und so, bis so langsam die Stadt anfing, Gestalt anzunehmen. Nach eineinviertel Stunden Fahrt war ich am Bahnhof in Ueno angekommen, an dem ich umsteigen musste. Da die Bahnhöfe des Flughafenexpresses und der normalen Bahn nicht barrierefrei miteinander verknüpft sind, musste ich also mit meiner tollen Chipkarte auschecken, über die Straße (Menschenmassen ohne Ende!) und am anderen Bahnhof Ueno wieder einchecken (und die Koffer die Treppe hochschleppen ...). Die erste Verbindung nach Kamata verpasste ich knapp, aber die nächste kam nur fünf Minuten später, die erwischte ich dann. Am Ende fielen mir während der Fahrt manchmal fast die Äuglein zu, aber den Ausstieg wollte ich nicht verpassen. Ich erwischte den richtigen Ausgang, ging durch eine Art überdachte Einkaufspassage und war schnell im Hotel; am Ende hatte ich für die zwei Stunden Fahrt vom Flughafen zum Hotel knapp 12 Euro bezahlt.

Die Rezeptionistin beherrscht zwar die englische Sprache (schriftlich) ziemlich gut, mündlich war es mir aber gelegentlich sehr schwer, sie zu verstehen. Am Ende kamen wir aber problemlos zueinander und ich konnte mein Zimmer beziehen.

Mein Zimmer ist ziemlich klein (was in Tokio kein wirkliches Wunder ist), aber ich hatte mich schon so auf meine private Toilette gefreut. Auf ging's. Aua. Die beheizte Toilettenbrille war wirklich sehr warm, fast schon ein bisschen heiß; und dass ich auf der Tastatur die Toilettenspülung gefunden habe, grenzt an ein Wunder ... Ich hatte das nie so richtig glauben wollen mit den japanischen Toiletten: Das ist aber wirklich so. Sehr krass.

Nach nicht übermäßig langem Aufenthalt machte ich mich auf zurück in die Stadt. Diesmal fand ich die richtige Linie relativ zügig, stieg am richtigen Ort um, wurde dann doch unsicher, ob meine Bahn die richtige war, stieg eine Haltestelle später aus und stand ein wenig unschlüssig in der Gegend herum. Daraufhin sprach mich eine Japanerin in astreinem Englisch an, wo ich hinwollte, sie sagte mir, dass ich mit dem nächsten Zug fahren könne, und ich dankte mit arigato. Ich bin so stolz auf mich ...

In Shibuya kam ich gut an, suchte das Denkmal für den Akita Inu auf, der über Jahre hinweg stets an dem Bahnhof auf sein verstorbenes Herrchen gewartet hatte, und ging dann über die berühmt-berüchtigte Shibuya-"Alle-laufen"-Kreuzung. Das ist schon lustig, wenn auf einmal alle Fußgänger kreuz und quer über diese Riesenkreuzung spazieren. Ich hoffe, die Bilder geben das ein wenig her. Der Times Square in New York kann, sagen wir, mit der Shibuya-Krezung in puncto Illumination durchaus mithalten. Gerade so.

Ich marschierte - in unglaublichen Menschenmassen - ein wenig durch die Gegend, konnte mich aber nicht recht für eine Kneipe entscheiden. Englische Karten und englische Sprachkenntnisse sind hier nicht so weit verbreitet wie in anderen Großständen und am ersten Abend wollte ich mich ungern auf die Nase legen.

Ich lief bestimmt ein-, eineinhalb Stunden herum, bis ich mich schließlich entschied, in einem Einheimischenimbiss (mit englischer Karte) zu essen. Dort nahm ich - neben einem Asahi-Bier - eine Mischung aus Rindfleisch und Reis zu mir, nachdem ich als Vorspeise eine Misosuppe gegessen hatte. Das Essen kostete insgesamt knapp 6 Euro, das Bier schlug halt mit 4 Euro zu Buche. War lecker, keine Offenbarung, aber sehr gut essbar.

Direkt daneben war mir im Vorbeigehen so eine Art Brauereigaststätte der Kirin-Brauerei, einer der größte japanischen Brauereien, begegnet. Auf einem Bein kann man nicht stehen, deswegen wollte ich dort noch einen Absacker verzehren.

Daher setzte ich mich in die Süffelreihe am Tresen, die aus einer mittelalterlichen Dame, einem mittelalterlichen und einem älteren Herrn bestand. Letzterer quatschte mich praktisch sofort in verständlichem, aber nicht superguten Englisch an, dass das "Braumeister"-Bier (das heißt wirklich so) so lecker sei. Ich verließ mich auf seine Empfehlung, nachdem ich mich als Deutscher enttarnt hatte, und kann bestätigen: Das "Braumeister" von Krin ist lecker.

Ich wusste nicht so richtig, was ich von diesem Gesprächseinstieg halten sollte, aber der Herr machte einfach weiter. Er erzählte, dass er 89 Jahre alt sei und inzwischen sein siebtes Bier an diesem Abend vor sich stehen habe. Er gab ein wenig von seinen noch bestehenden Deutschkenntnissen preis (weiß der Teufel, wo er die herhatte), aber als dann anfing, von deutschen Liedern zu schwärmen, "Am Brunnen vor der Tore" anstimmte, ehe wir gemeinsam auf Deutsch "Freude schöner Götterfunken" sangen (er war deutlich textsicherer als ich), war ich völlig perplex, fasziniert, irgendwo ziemlich aufgelöst.

Es kann gut sein, dass der akute Schlafmangel und die dann inzwischen auch schon wieder drei, vier Bierchen meinen Moralischen befördert haben, aber trotzdem: Ich habe immer gut mit der Tastsache umgehen können, dass mein Vater gestorben und er halt nicht mehr da ist. Aber an diesem Abend hätte ich mir sehr gewünscht, dass mein Vater dabeigesessen und ein Bier oder zwei mit seinem "Waffenbruder" (das hat er tatsächlich immer so von den Japanern gesagt) getrunken hätte.  Das hätte zwar mit einhundertprozentiger Sicherheit im Absingen verbotener oder zumindest politisch hochgradig fragwürdiger Lieder geendet, aber schön wäre es für die beiden alten Knacker ganz bestimmt gewesen ... Wir wechselten Visitenkarten aus, ich vergewisserte mich, dass er nach seinen acht Bier noch heimfindet, und dann gingen wir nach mehrfachem langen Händeschütteln getrennter Wege. Allein diese zwei Stunden mit dem alten Herrn waren diese Reise schon so was von wert, das glaubt da draußen keiner ...

Naja, die Heimreise in zwei S-Bahnen habe ich dann gut überstanden, jetzt sitze ich hier fast Miternacht im Bett, morgen geht's zeitig raus und zum Sumoturnier. Ich bin sehr gespannt ...
Toilettenspülung in Japan

Braver Wauwau

Alle-gehen-Kreuzung in Shibuya

Samstag, 14. Mai 2016

Smart vacation planning

Manche Leute fragen mich (oder besonders gern meine Mutter), wieviel Urlaub ich denn hätte, wenn ich doch schließlich "ständig" unterwegs sei. Smart vacation planning, also "kluge Urlaubsplanung" unter Ausnutzung von Feier- und Brückentagen, das ist das Erfolgsrezept und nicht, dass ich irgendwie 60 Tage Urlaub im Jahr hätte. Die habe ich nämlich nicht.

Die kommenden zwei Wochen, die eigentlich zehn Arbeitstage wären, "kosten" mich nämlich so nur sieben Urlaubstage und einmal Überstundenabbau, denn Pfingsten und Fronleichnam sind Feiertage und der Tag nach Fronleichnam ist Brückentag, das Büro geschlossen.

Der Senegal-Gambia-Urlaub hat mich tatsächlich fünf Arbeitstage gekostet, Marokko-Westsahara dagegen gar keinen, weil ich in Absprache mit meinem Chef (dem besten Chef der Welt, Chef!) am Gründonnerstag zwar ein bisschen früher raus bin (und ein bisschen abgebummelt habe), aber sonst waren Karfreitag und Ostermontag Feiertage. Istanbul und Tel Aviv waren sowieso jeweils Schnapsideen übers Wochenende, sodass mich diese vier Auslandsaufenthalte zusammen mit dem jetzt folgenden zweiwöchigen Ostasientrip dann - "gerade einmal" - zwölf Urlaubstage gekostet haben werden. Zieht man die Wochen vor den Prüfungen kürzlich im Mai und dann im Oktober ab (okay, für die Woche im Herbst nutze ich noch zum Teil Sonderurlaub, den meine Firma mir im Rahmen der Aktuarausbildung freundlicherweise eingeräumt hat), habe ich noch zwölf Tage Urlaub übrig, sobald ich aus Ostasien zurückkomme. Und diese zwölf Tage werden voraussichtlich im September, wahrscheinlich durch zwei Wochen im südlichen Afrika und danach noch durch das lange Woche mit dem 3. Oktober als Abschluss, verkloppt - am Ende lande ich dann bei 0 Urlaubstagen am Ende des Jahres. Alles gut.

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So, jetzt sitze ich jetzt erst einmal hier am Flughafen in Frankfurt im Terminal 2 in einer schönen "Leisure Lounge" mit bequemen Sitzen, Strom und WLAN. Meine Ma war gestern ja noch gekommen, um mich zu verabschieden, und die Verabschiedung wurde am Abend im Sherry & Port offiziell begangen. Heute Morgen gingen wir frühstücken, ich ging noch zum Friseur, um meine Wintermatte loszuwerden (wer jetzt wegen der "-matte" prustend auf dem Boden liegt, kriegt demnächst eins hinter die Löffel), danach fuhren wir zum Flughafen, wo ich natürlich viel zu früh war - fast vier Stunden vor Abflug.

Online- oder Automaten-Check-in gibt's bei China Eastern nicht, aber glücklicherweise war ich so intelligent, mich schon sehr früh in die Schlange zu stellen, denn China Eastern machte schon gut drei Stunden vor Abflug die Schalter auf. Ich wehrte einige Leute, die - wie sie es ziemlich dummdreist nannten - "aktiv Schlange stehen" (sich vordrängeln) wollten, ab und kam deshalb relativ schnell an die Reihe. Ich fragte schüchtern nach, ob ich mit meinen ganzen Delta-Skyteam-Schnullipups-Meilen vielleicht ein Upgrade kriegen könnte, was zu einem Schmunzeln und nach dem Blick in den Rechner zu einem "sieht leider schlecht aus" führte ... Naja, kann man ja mal probieren. Als Entschädigung bekam ich meinen Fensterplatz in der Mitte des Fliegers, auf den ich es von Anfang an abgesehen hatte, und bin gespannt, ob ich da während der zehneinhalb Stunden Flug zumindest mal drei Minuten am Stück schlafen kann ...

Auch für den Weiterflug von Shanghai nach Tokio sitze ich am Fenster - in Reihe 69! So lang wird der Flieger wohl nicht sein, vielmehr denke ich, dass die ja sehr abergläubischen Chinesen da einige Sitzreihen in der Nummerierung einfach überspringen.

Morgen um 12.50 Uhr Ortszeit (5.50 Uhr deutscher Zeit) werde ich dann in Tokio einschweben und erstmal schauen, dass ich mich mit allerlei Zügen vom Flughafen weit im Osten von Tokio zu meinem Hotel im Südwesten der Stadt durchschlage.

Ich bin sehr gespannt auf Tokio. Nächster Post aus Asien.

Samstag, 30. April 2016

Quase a Lisboa

... fast nach Lissabon hätten wir heute Flüge gebucht, aber weil die Webseiten unsere Kreditkarten abgelehnt haben, haben wir uns dann umorientiert.

Wir saßen heute Mittag nichtsahnend bei meiner Ersatzoma, als ich mal wieder ihr Tab an den Tisch holte und nach Flügen zu Weihnachten schaute. Eine Kombination Istanbul - Tel Aviv klang sehr gut, aber da wären wir erst am 24. Dezember morgens geflogen. Nachdem wir Beirut, Tiflis, Erbil (Nordirak) und Catania (Sizilien) aufgrund des Preises oder der schlechten Flugzeiten ausgeschlossen hatten, waren wir entschlossen, Lissabon zu buchen.

Allerdings kam ich weder mit den beiden Kreditkarten meiner Mutter noch mit meiner Visakarte durch, nie wurde die Karte akzeptiert. Wie so oft sahen wir dies als ein Zeichen an, dass wir Lissabon halt mal zu einem anderen Zeitpunkt besuchen.

Danach fand ich einen sehr günstigen Flug nach Dublin, schon am 23. Dezember um 20.40 Uhr mit Ankunft in Dublin um 21.50 Uhr Ortszeit. Am 26. Dezember geht es dann um 16.50 Uhr Ortszeit zurück, sodass wir um 20 Uhr in Frankfurt landen werden.

In Dublin mieten wir uns ein Auto und fahren gleich mal nach Norden, weil wir unser Quartier in Belfast in Nordirland nehmen werden. In der Republik Irland war ich ja das erste und bisher einzige Mal im Januar 2008, in Nordirland war ich noch gar nicht. Das wird schön ...

Die Grenzübertritte zwischen der Republik und Nordirland sollen ja kaum spürbar bis überlebbar sein, sodass wir auch zuversichtlich sind, das hinzubekommen.

Den Giant's Causeway werden wir uns mit ziemlicher Sicherheit angucken und - abends, wenn ich nicht mehr fahren muss - sicherlich auch das eine oder andere Guinness genehmigen.

Jetzt ist wenigstens auch Weihnachten gebongt, so soll es sein ...

Montag, 18. April 2016

12 Euro

... pro Person haben unsere Flüge eigentlich nur gekostet, der Rest waren Steuern und Gebühren. Krass.

Wir kamen pünktlich in Tel Aviv weg und waren beide im Moment, als wir auf die Startbahn gerollt sind, weg vom Fenster (die Sitzreihe vor uns war frei, sodass wir uns bequem hinsetzen konnten ...). Als es in Istanbul bei der Landung rumpelte, waren wir wieder wach.

Ich hatte in Tel Aviv noch nach den Fährverbindungen und Straßenbahnfahrzeiten geguckt und leider feststellen müssen, dass Fähren und Straßenbahnen alle erst ab 6 Uhr fahren. Wir waren aber schon gegen 3 Uhr in Istanbul gelandet und hätten also mit dem Taxi in die Stadt und auch wieder zurück fahren müssen, weil wir ja schon um 6.55 Uhr wieder am Gate sein sollten. Eine Stunde später und wir hätten das gemacht, so ließen wir es bleiben.

Wir nahmen ein Frühstück ein und verbummelten dann die Zeit, bis wir endlich wussten, wo unser Gate war. Dorthin schleppten wir uns, fanden noch gerade so zwei Sitzplätze und warteten auf das Boarding. Auch dieses fand statt und wir kamen gut in Frankfurt an. Die nächste S-Bahn war unsere, ab ging es nach Hause und schnell unter die Dusche.

Um 12 Uhr war ich zuhause, danach war ich noch so aufgewühlt, dass erst um 16 Uhr der Mann mit dem Hammer kam, aber dann richtig: Heute Morgen ging's um 7 Uhr weiter ...

Bilder:

Blick auf Jaffa

Blick auf Tel Aviv

Altstadt von Jaffa

Hafen von Jaffa

Samstag, 16. April 2016

Fix, fertig, alle, erschöpft, glücklich

Dafür, dass ich eigentlich ein erholsames Wochenende machen wollte, bin ich jetzt schon ziemlich lange wach: Gestern Morgen um 7.30 Uhr oder so aufgestanden, jetzt ist es in Deutschland 22 Uhr vorbei, das sind dann mehr als 38 Stunden - halleluja. Und gleich geht ja erst der Flieger nach Istanbul ...

Ich hatte gestern Abend gar nicht geschrieben, dass uns die Leute vor uns an der Sicherheitskontrolle ziemlich aufgeregt haben: Ich erwarte von keinem, dass er die Schritte, die er in der Sicherheitskontrolle halt nunmal machen muss, auswendig weiß, schon gar nicht von jemanden, der vielleicht zum ersten Mal fliegt oder so. Aber dann gucke ich mir doch die Videos an, wenn ich in der Schlange stehen, die haarklein erläutern, was man machen soll und dass es allen hilft, wenn es schneller geht.

Naja, die elektronische Passkontrolle ging fixer und wir liefen schnellen Schrittes zum Gate, weil eigentlich schon das Boarding laufen soll. Nix war's, natürlich, alles ganz entspannt ...

Der Flug nach Istanbul war super, wir hatten eine 2-4-2-Belegung und dabei die Plätze A und B, sodass uns niemand in die Quere kam. Naja, doch, es gab eine Belästigung, die ich gar nicht so richtig mitbekam, Christina dafür deutlich intensiver: Ein Kollege hatte die Gelegenheit ergriffen (der Flieger war nicht wirklich voll), sich quer über die Mittelbank zu legen. So weit, so gut. Nur zog er offenbar die Schuhe aus und ließ uns alle an seinem Gemischtwarenladen von Gouda über Emmentaler bis zum Ziegenkäse teilhaben. Die Stewardess beauftragte den vor dem Helden sitzenden Passagier, in regelmäßigen Abständen Desinfektionsspray zu versprühen.

Wir landeten vorfristig in Istanbul, mussten nicht mehr durch die Sicherheitskontrolle und hatten plötzlich massig Zeit. Die verbrachten wir im Raucherkäfig mit fantastischem Ausblick aufs Rollfeld und ausreichend Frischluftzufuhr sowie in einer Kneipe, in der ich mein Efes 70 cl runterschüttete, weil wir dann doch schon eine Stunde vor Abflug ab Gate sein sollten.

Erwartungsgemäß überstanden wir die Boardingbefragung, die offenbar alle bei Flügen nach Tel Aviv machen, auch wenn der Typ ein ziemlich lustiges Gesicht machte, als wir ihm eröffneten, dass wir nur 21 Stunden in Israel sein wollten und dann zurück nach Frankfurt fliegen.

Auch in Israel kamen wir vorfristig an, konnten sehr fix einreisen und konnten es immer noch nicht fassen, dass wir jetzt in Tel-A-viv in Is-ra-el und tatsächlich in A-si-en waren. Sehr, sehr cool.

Christina musste auf den Schreck erstmal zwei, drei Zigaretten rauchen, ehe wir uns mit dem Taxi zur Einmündung Allenby/beach (Strand) bringen ließen. Dort kamen wir gegen fünf Uhr an und machten erstmal einen Spaziergang in Richtung Mike's Place neben der US-Botschaft, wo aber schon die Aufräumarbeiten im Gange waren. Wir setzten uns dann an die zum Teil seit dem vergangenen Jahr neu erbaute Strandpromenade (toll!) und warteten auf den Sonnenaufgang, während wir uns gegenseitig versicherten, dass wir wirklich in Tel A-viv in Is-ra-el in A-si-en waren ...

Online entdeckte ich eine Frühstückskneipe, die 24/7, also rund um die Uhr, offen hat, und tatsächlich bekamen wir um 5.45 Uhr ein vollwertiges (naja, ehrlich gesagt, ein überüppiges) Frühstück präsentiert, nachdem uns - schon um halb sechs, ihr Bekloppten - Scharen, wirklich Scharen von Joggern entgegengekommen waren. Wir fühlten uns als Außenseiter, weil wir keine Sportklamotten anhatten und normal gingen. Mit dem guten Frühstück gestärkt liefen wir wieder an der Strandpromenade entlang, ich badete im Mittelmeer (soooooooo schön, nicht kalt, Umkleidekabinen und Duschen am Strand vorhanden) liefen in Richtung Charles-Clore-Park und weiter nach Jaffa. Dort guckten wir uns erst im - ziemlich geschlossenen - Flohmarkt um, bewunderten den Glockenturm nicht, weil er saniert wird, und ich kaufte mir einen Hut, so wäre ich am Ende dieses Tages noch mehr Rotwild gewesen als ich es ohnehin bin (Sonnenschutzcreme war über 100 ml und durfte daher nicht mitgenommen werden, Bin Laden ist schuld an meinem Sonnenbrand, so ...).

Wir liefen den Hügel hoch, genossen den fantastischen Ausblick auf die Tel Aviver Skyline und verirrten uns plötzlich in den malerischen Gassen der Jaffaer Altstadt, Gassen, in denen ich noch nicht gewesen war. Wir landeten am Alten Hafen von Jaffa (wo ich auch noch nicht gewesen war), der ebenfalls malerisch, schön, toll war, vor allem, weil heute viele Dutzende Jachten auf dem Mittelmeer unterwegs waren. Übrigens hatten wir heute wunderbares Wetter, kein Wölkchen am Himmel, kein Fritz-Walter-Wetter, sondern Rotwild-Wetter halt ...

Längst hatte Christina vollumfänglich verstanden, wieso Tel Aviv zu meinen Lieblingsstädten gehört.

Wir begannen den Rückweg unser heutigen Tel-Aviv-Wanderung, um - wie versprochen - bei Molly Bloom's ein Roastbeef-Sandwich zu essen. Nur hatte das Internet mich dreist belogen: Molly Bloom's macht erst um 16 Uhr auf, nicht um 12 Uhr, und da es zwar für uns gefühlt schon späterer Nachmittag, tatsächlich aber erst kurz nach Mittag war, war Molly Bloom's zu. Wir nahmen mit der zweitbesten Lösung, Mike's Place, vorlieb. Ähm, nunja, reicht es, wenn ich sage, dass - erstens - ich Durst hatte und - zweitens - Happy Hour war und wir - drittens - ein kleines Hüngerchen verspürten und dies mit am Ende 32 Chicken Wings mit einer tollen Barbecue-Soße bekämpften?

Ich war papppapppappsatt. Und Auto fahren hätte ich nicht nur wegen der Übermüdung nicht mehr sollen.

Gegen 17 Uhr stolperten wir bei Molly Bloom's raus (Christina hat sich ein wenig am Fuß verletzt, deswegen das Stolpern!) und setzten uns noch ein bisschen an die Strandpromenade - Leute beobachten. Da war der Held, der seine Freundin an den Füßen durch den Sand zog, was diese nur sehr begrenzt witzig fand, da war der Hund, der sich vor lauter Freude wild über den Sand kugelte (überhaupt unfassbar viele Hunde und sehr wenig Hinterlassenschaften auf den Straßen), da war der Fahrradfahrer, der mit Affenzahn an uns vorbeifuhr und aus dem Ghettoblaster Michael Jackson laufen ließ, der alte Mann, der langsam seine Cola trank und mit leerem Gesichtsausdruck aufs Meer starrte, achja, und da war die Sonne, die langsam unterging (ob das in gerader Linie oder als Bogen geschah, darüber gehen die Meinungen auseinander) und ebenfalls wunderschön anzusehen war. (Achso, Mutter, die von dir verursachte Schramme an Pavillon 13 ist natürlich noch da ...)

Wir liefen nach Sonnenuntergang die Allenby hoch, vorbei an etlichen Kneipen und einigen nicht ganz unzwielichtigen Gestalten, bis wir auf den Boulevard Rothschild kamen - das ist ein schöner Boulevard mit Hochhäusern und hübschen niedrigen Häusern und vielen Kneipen. In einer dieser Kneipen tranken wir eine Tel-Aviv-Abschlusscola und okkupierten dann sofort das Taxi, das seinen Fahrgast an unserer Kneipe herausließ.

Am Flughafen verfuhr sich der Taxifahrer, weil er die Schilder nicht gelesen hatte, nach denen Turkish Airlines im Ankunftsbereich (!) den Check-in macht, was aber nicht schlimm. Der Automaten-Check-in klappte bei mir nicht, weil im System kein zweiter Vorname wohl doch nicht hinterlegt war, obwohl ich ihn bei der Buchung angegeben hatte, jedenfalls mussten wir deswegen zum Check-in. Vor den Check-in haben die Israelis aber die Sicherheitsbefragung geschaffen. Während Christina relativ harmlos durchkam (Wie lange kennst du den Kerl? Woher? Wieso nur einen Tag? Was hat der ganze Spaß gekostet?), nahmen die beiden Damen, die sich vor Erschöpfung abwechseln mussten  (...), meinen Pass gründlich auseinander: How long were you in Egypt? Three days. Where did you stay? In a hotel. Do you know someone there? No. How long were you in Oman? Two days. Where did you stay? In a hotel. Do you know someone there? No. How long were you in Bahrain? Only one day. Where did you stay? Do you know someone there? Qatar? United Arab Emirates? Turkey? Malaysia? Indonesia? (Wie lange waren Sie in Ägypten? Drei Tage. Wo haben Sie übernachtet? In einem Hotel. Kennen Sie dort jemanden? Nein. Wie lange waren Sie in Bahrain? Wo haben Sie übernachtet? Kennen Sie dort jemanden? Katar? Vereinigte Arabische Emirate? Türkei? Malaysia? Indonesien?)

Den good flight können sie sich dann eigentlich sparen, vor allem, wenn sie einem einen Aufkleber auf den Pass pfeffern, der zur Sondersprengstoffkontrolle "berechtigt", aber wenigstens waren sowohl die Damen unten als auch die Sprengstoffsicherheitsfachtanten irgendwo zwischen höflich und durchaus freundlich. Ich hatte ja schon Erfahrung mit den Fachtanten von meinem Besuch 2013 und war sehr entspannt, was sie - glaube ich - ein kleines bisschen irritierte. Hähä ...

Die Ausreise ging am Automaten (sehr schick), dann waren wir durch. Insgesamt war ich heute von 3.48 Uhr bis 22.30 Uhr, also exakt 18 Stunden und 42 Minuten, offiziell in Israel.

Gleich um 0.55 Uhr Ortszeit (also 23.55 Uhr deutscher Zeit) geht der Flieger nach Istanbul, dort haben wir ein paar Stunden Aufenthalt, entscheiden spontan nach Müdigkeitslevel, ob wir in die Stadt fahren und morgen um 10.10 Uhr sind wir schon wieder in Frankfurt. Wir freuen uns sehr auf Dusche und Bett - oh ja.

Tel Aviv war wieder einmal so, so, so, so toll. Jetzt gibt es wenigtens einen unabhängigen Beobachter (falls meine Ma nicht zählt), die mich darin bestätigt. Ich habe in diesen wenigen Stunden so viel Neues, so viel Spannendes, so viel Schönes erlebt.

War es das Geld wert? Natürlich war das eine Schnapsidee (auch wenn sie beim Bier kam), aber dafür, dass wir kein Hotel brauchten, haben wir die Zeit optimal ausgenutzt. Tel Aviv ist immer einen Besuch wert, klar, aber ich versuche trotzdem, das nächste Mal wieder ein paar Tage zu bleiben, nicht wegen des Preis-Aufenthalts-Verhältnisses, sondern weil das einfach superanstrengend war, auch wenn es supertoll war. Christina ist "platt wie ein Pfennigstück, auf das man nochmal draufgehauen hat", mir geht es gerade im Moment ziemlich gut, ich bin hellwach, obwohl ich fast 40 Stunden nicht geschlafen habe, aber irgendwann ganz bald kommt der Mann (oder die Frau) mit dem ganz großen Hammer.

Spinner, ich, nein, halt, Spinner, wir, ceterum censeo: Es war toll. Bilder morgen.

Freitag, 15. April 2016

בננה מלאה

Das heißt auf Hebräisch "Komplett Banane", und komplett Banane ist es, was Christina, eine Kollegin von mir, und ich uns eben während des Bieres im Sherry & Port überlegt haben.

Auf dem Heimweg heute Nachmittag von der Dienstreise aus Würzburg kamen wir am Frankfurter Flughafen vorbei und ich heulte den beiden Damen, die mit mir unterwegs waren, vor, dass ich nicht am Flughafen vorbeifahren könne, ohne auch von dort zu fliegen ...

So, jedenfalls gab es einen günstigen Flug noch heute Abend über Istanbul nach Tel Aviv, und naja, den haben wir jetzt gebucht ... Nach Ankunft heute Nacht bzw. morgen am frühesten Morgen haben wir 21 Stunden Aufenthalt in einer meiner drei Lieblingsstädte. Ich habe sogar an eine Badehose gedacht, wenn die Bademeister das Schwimmen im Mittelmeer um diese Zeit zulassen. Bei Molly Bloom's wird ein Roastbeef-Sandwich gegessen und ein Guinness getrunken (was es im Sherry draußen nicht mehr gibt ...) und sonst lassen wir uns ein bisschen treiben, ehe es am Samstag Abend dann wieder zum Flughafen geht.

In Istanbul haben wir fünf Stunden Aufenthalt auf dem Heimflug, mal sehen, ob wir uns da in die Stadt vorwagen (damit Christina endlich ihre ersten Stempel in den Pass kriegt, die Israelis stempeln ja nicht mehr ...).

Komplett Banane, völlig verrückt, Christinas Tochter war sprachlos, was außerordentlich selten vorkommen soll - es wird sicher lustig und ich werde berichten ...

Sonntag, 10. April 2016

Yokozuna

Als Zehn- oder Elfjähriger habe ich gelegentlich mal gerne Catchen geguckt, also dieses Show-Ringen der Amerikaner. Da gab es eine Figur namens Yokozuna. Erst viel später wurde mir klar, dass Yokozuna eigentlich der höchste Rang in der japanischen Nationalsport Sumo ist.

Jetzt vermute ich, dass ich am 16. Mai den einen oder anderen richtigen Yokozuna sehe. Da schaue ich nämlich bei einem der sechs großen Sumo-Turniere zu, die jährlich in Japan stattfinden. Diese Turniere dauern jeweils 15 Tage, von Sonntag bis Sonntag, und am Montag der zweiten Turnierwoche - und meinem ersten vollen Tag in Japan - werde ich in diesen japanischen Nationalsport eintauchen.

Der Spaß fängt morgens um 8 Uhr an und endet abends gegen 18 Uhr mit den besten Sumo-Kämpfern. Mal sehen, wann ich da dann aufschlage ...

Mein Plan für den 16. Mai ist es nämlich, gleich mal am Morgen in Richtung Fischmarkt aufzubrechen und dort ein Sushi-Frühstück einzunehmen. Danach werde ich zum Ryōgoku Kokugikan fahren, der Sumo-Veranstaltungshalle, und mir an der Kartenausgabe meine Karte geben lassen.

Die Karte kostet knapp 40 Euro, von denen aber acht Euro auf die Bearbeitungsgebühr entfallen, weil die Japaner es dem Ausländer nicht gerade einfach machen, Tickets zu bestellen. Aber wenigstens funktioniert das beim Sumo auf Englisch, denn beim Baseball gibt es regelmäßig nur japanischsprachige Webseiten. Ich habe heute mit Google Translate zweimal probiert, eine Baseballkarte zu kaufen, und kam dabei auch ziemlich weit, aber wenn die Abfrage dann plötzlich japanische Schriftzeichen für deinen Namen will, dann stehst du als Europäer ziemlich doof da, sodass ich den Buchungsvorgang abgebrochen habe. Mal sehen, ob ich spontan vor Ort noch eine Karte bekomme.

Ebenfalls dazugebucht habe ich heute das Gepäck für die Flüge von Tokio nach Seoul und von Taipei zurück nach Tokio, wofür ich jeweils nochmal gut 20 Euro berappen musste.

Noch eine weitere Buchungsanfrage habe ich heute herausgeschickt: Am 20. Mai soll es von Seoul aus an die innerkoreanische Grenze gehen, mit Besichtigung eines von den Nordkoreanern nach Südkorea gegrabenen Tunnels und der Joint Security Area, also des Gebietes, in dem US-Truppen noch heute stehen und aufpassen, dass die Nordkoreaner nicht plötzlich angreifen ... Dieser eintägige Ausflug wird wohl so knapp 100 Euro kosten, aber dafür betrete ich womöglich in dieser einen Hütte an der Grenze sogar nordkoreanischen Boden. Spannend wird das ganz bestimmt.

In fünf Wochen bin ich schon in Tokio, und die Tour nimmt so langsam Gestalt an. So soll es sein ...

Montag, 28. März 2016

Grünes Deutschland

Nun sitze ich hier im Zug nach Hamburg, wo ich die nächsten zwei Tage zu einer Schulung sein werde, und gucke immer wieder aus dem Fenster auf das unglaublich grüne Deutschland. Doch, doch, hier ist es durchaus auch schön …

Heute Morgen stand ich um 8.30 Uhr auf, machte mich fertig, verpasste knapp den Flughafenbus um 9.30 Uhr und musste mit dem um 10 Uhr vorliebnehmen. Der fuhr ein bisschen verspätet ab und als wir um 10.20 Uhr oder so am Flughafen ankamen, sah ich schon die Schlange des Schreckens: Über die Unsinnigkeit der Einlasskontrollen am Flughafen habe ich ja schon öfter geschrieben, deshalb spare ich mir das jetzt, es ging wenigstens einigermaßen fix voran, sodass ich relativ zeitig (und noch deutlich mehr als eine Stunde vor Abflug) am Check-in stand. Diese ganze Kontrolliererei da in Casablanca ist völlig aus den Fugen geraten, es geht so dermaßen chaotisch ab, dass mancher Check-in-Schalter gar nicht beachtet wird (außer von mir, sodass ich sofort dran war), während an den anderen Schaltern etliche Leute anstehen.

Dieses bekloppte Ausfüllen eines Ausreisezettels könnten sie sich auch sparen, die haben doch Computer, wieso machen die sowas? Dass dann auf einer Strecke von 50 m an drei Stationen von jeweils zwei Polizisten kontrolliert wird, ob ich eine Bordkarte habe, ist genauso bekloppt wie dieses Schuheausziehen an der Sicherheitskontrolle. Als dann die Sicherheitsschleuse bei mir nicht piepte, der Held von Kontrolleur mich aber trotzdem noch antatschen zu müssen glaubte, da konnte ich nicht mehr an mich halten und lachte ihm und dieser ganzen Bande demonstrativ ins Gesicht … Unfassbar.

Die Ausreise ging dann halbwegs fix, sodass ich pünktlich am Gate war und auch bald einsteigen konnte. Im Flieger neben mir saß ein Thüringer, mit dem ich ins Gespräch kam, und ein Guineer, der auf dem Weg nach Idar-Oberstein war, um dort afrikanische Kunst, von der er mir ein Video zeigte, zu verkaufen. Der Flug ging recht schnell vorbei, in Frankfurt wurden wir mal wieder direkt am Gate von der Bundespolizei kontrolliert, die offizielle Einreise ging fix, und nach endlicher Zeit kam auch mein Gepäck.

Ich hatte gerade so noch genug Zeit, um mir ein Schnitzelbrötchen und ein Bier im Flughafen-REWE zu holen, dann stand ich das kurze Stück im ICE vom Flughafen zum Frankfurter Hauptbahnhof, ehe ich am Hauptbahnhof in meinen Zug nach Hamburg mit Reservierung umsteigen konnte. Nun bin ich gespannt auf Hamburg. Die nächsten fünf Wochen oder so bleibe ich dann wohl erstmal in Deutschland, seufz …

Abgesehen von den unerfreulichen Begegnungen mit der marokkanischen Polizei an diversen Flughäfen war das mal wieder ein sehr interessanter und spannender Urlaub. Casablanca kommt zwar sicher nicht an Istanbul, Sydney oder Tel Aviv heran, aber es ist eine der interessanteren Städte und eine, in die ich gerne nochmal fahren möchte, schon allein, um im Restaurant du port de pêche nochmal lecker Fisch zu essen (der Zug wackelte gerade, aber ich dachte, das wären leichte Turbulenzen, ich bin eindeutig zu viel geflogen in den letzten Tagen …). El Aaiún oder Laayoune oder wie auch immer wird auf absehbare Zeit kein Touristenmagnet werden, dazu gibt es einfach nicht genug zu sehen. Für ein, zwei Tage reicht es, die Lagune ist wirklich hübsch anzugucken (gestern im Flieger in Richtung Dakhla hatte man nochmal einen tollen Blick auf die Lagune und die Sahara, das war schon beeindruckend, nur leider hatte ich mein Handy nicht schnell genug draußen, um ein Foto zu machen …), und am Strand kann man sicherlich auch ein paar Stunden mehr bleiben als ich es tat (aber dazu müsste man da auch irgendwo was essen und trinken können, und so etwas habe ich nicht entdeckt – das Hotel dort am Strand sah ziemlich gottverlassen aus).

Alles in allem bin ich froh, jetzt mal – trotz der dramatischen Warnungen des Auswärtigen Amtes, die sich aber nicht ernsthaft auf Laayoune beziehen können (dazu war da zu sehr der Hund begraben), sondern auf irgendwelche Wüstentouren – in der Westsahara gewesen zu sein, das ist jetzt aber kein Land, das auf der Liste zur Wiederbereisung ganz weit oben stehen würde – im Gegensatz zu Marokko, wo ich bisher nur Marrakesch kannte und gerne in Zukunft mal ausprobieren würde, wie es in Rabat, Fes oder Ouarzazate so aussieht ...

EUN-VIL-AGA-CMN

So lautete, mit Flughafen-Codes, mein heutiger Westafrika-Rundflug ...

Ich hatte gestern vorsorglich meinen Wecker auf zehn Uhr gestellt (auch hier wurde die Zeit umgestellt) und war ganz überrascht,  als der auf einmal plötzlich losging ... Ich habe offenbar doch ganz gut geschlafen heute Nacht.

Ich ließ mir heute viel Zeit, denn ich musste ja erst um 12 Uhr auschecken (dachte ich ...), ging in Ruhe ins Bad und packte meine sieben Sachen. Dann ging ich nach unten zur Rezeption, und die Leutchen da waren völlig entspannt: Ich könnte auschecken, wann ich wolle ("That's our service", das sei ihre Dienstleistung) ... Sehr schön, auch wenn das meinen Eindruck bestätigte, dass ich einer der ganz wenigen Leute hier im Hotel war (um nicht zu sagen: der einzige Gast).

Ich schleppte mein Zeug trotzdem nicht mehr mit hoch, sondern stellte es an der Rezeption ab, ließ mich zum Place Mechouar fahren, stieg dort aus und suchte fürs kombinierte Frühstück und Mittagessen wieder meine Mittagessengaststätte von gestern auf. Der ansonsten eher schläfrige Kellner erinnerte sich an mich (und mein Trinkgeld von gestern), sodass ich ziemlich schnell die Speisekarte auf dem Tisch hatte ...

Ich bestellte eine Meeresfrüchte-Tajine, also diese klassische marokkanische Zubereitungsart im Tontopf, wobei die Meeresfrüchte vielleicht nicht ganz so klassisch sind. Ganz egal, es war wirklich sehr, sehr lecker, mit zwei Garnelen obendruff, die sich zwar wehrten, aber erfolglos blieben und allerlei sonstigem Fisch in einer wunderbaren Soße (die danach mit Brot aufgetunkt wurde ...). Die Pommes kriegt man als Ausländer offenbar obligatorisch dazu, auch wenn die Portion wirklich eher pro forma war (und auch alles andere als nötig).

Inklusive zwei Cola zahlte ich 60 Dirham (weniger als sechs Euro), und der Schlawiner von Kellner brachte mir mein Wechselgeld auf 100 Dirham als einen Zwanzigerschein und zwei Zehnermünzen mit - natürlich bekam er seine zehn Dirham Trinkgeld ...

Ich lief die Strecke, die ich gestern von der Lagune in die Stadt hochgelaufen war, nun hinunter, ließ mir dabei sehr viel Zeit, beobachtete Kinder beim Fußballspielen und wurde von einem kleinen Jungen sehr erstaunt angeglotzt, lief wieder am Militärhospital vorbei und war schließlich unten auf dem Damm, der durch die Lagune führt.

Wenn El Aaiún ein Panorama abgibt, dann ist das dieser Blick von der Lagune auf die Stadt mit der Moschee, mit diesen hübschen roten Häuschen und den Palmen, dem Schilf und der Lagune im Vordergrund ...

Ich hielt auf dem Damm ein Petit Taxi an und ließ mich zum Hotel fahren, wo ich die Mittagszeit wieder mit einer kleinen Siesta vor dem Rechner (ich habe schließlich Urlaub) verbrachte.

Um 17 Uhr brach ich auf, ließ mich zum Flughafen fahren (ich interpretiere es mal als Gepäckaufschlag, dass ich diesmal zehn Dirham statt fünf bezahlte, immer noch weniger als die 20 vom Hinweg) und überstand eine Vielzahl (naja, zwei) von Polizeikontrollen, ehe ich überhaupt am Check-in war. Auch hier gab es vor dem Betreten des Flughafengebäudes eine erste Gepäckkontrolle, aber hier ist so dermaßen der Hund begraben, dass man sich an diesem Feldflughafen keine Sorgen machen muss ...

Es war gar keine Frage, ob mein Gepäck nur bis Casablanca durchgecheckt werden kann, die einzige Frage, die die Check-in-Dame hatte, war, ob ich in Agadir ans Gepäck wollte - nein, das wollte ich bei 40 Minuten Umsteigezeit keinesfalls. Ich habe jetzt auch nur Bordkarten bis Casablanca bekommen und muss daher morgen auf alle Fälle nochmal einchecken, auch recht ...

Die Marokkaner befolgen auch zwei Tage später meinen Rat nicht, dem Ausländer nicht das Gefühl zu geben, er bereise ein besetztes Gebiet, denn auch diesmal schrieb die Polizistin schön meine Passdaten auf und fragte - was wollen die eigentlich damit, das können die doch eh nicht nachprüfen! - nach meinem Beruf. Ehe ich nun wieder anfing, von Unternehmensberater und Betriebsrente anzufangen (das verstehen ja die meisten Deutschen nicht, wie soll es dann erst ein Nichtdeutscher verstehen ...?), schrieb ich einfach "Consultant/mathematician" und gut war's ... Und dass kein Mensch, der ganz bei Verstand ist, hier "Journalist" angibt, ist doch auch klar.

Von Laayoune (EUN) ging es nun nach Dakhla (VIL) erst einmal 500 Kilometer in den Südwesten, nur um eine Dreiviertelstunde später zurück in den Nordosten nach Agadir (AGA) zu fliegen, und zwar fast 1.000 km.

In Agadir rannten ein paar Spanier vor mir zum Gate, weil es keinen Inlandstransfer gibt und man nochmal durch die Sicherheitskontrolle muss, ich ging schnellen Schrittes hinterher. Sehr ärgerlich ist, dass die Marokkaner auch bei einer Inlandsankunft noch eine Passkontrolle machen, das haben sie einfach nicht im Griff, tut mir leid.

Ich ging also fix durch die Sicherheitskontrolle (die Spanier mussten auf einen internationalen Flug) und musste erstmal warten, weil das Gate noch gar nicht auf war. Da saßen aber auch gar nicht so viele Leute, und am Ende kam es, wie es kommen musste: Wir stiegen - zu zehnt! - in den gleichen Flieger ein, mit dem wir gekommen waren.

Der maximal dreiviertelstündige Flug ging schnell über die Bühne, in Casablanca wurden wir mit einem Crewbus abgeholt (wir waren ja nur zehn Fluggäste, ja, in Zahlen 10, in dem 150-Mann-Flieger gewesen) und waren schnell am Gate.

Insgesamt waren das heute knapp 2.000 km Flug für eine Strecke von 900 km, wenn man den direkten Weg (der fünf Minuten vor uns in Laayoune abflog) genommen hätte - offenbar war der Direktflug nach Casablanca so viel teurer, dass ich ihn bei der Buchung gar nicht auf dem Schirm hatte; naja, wer mich kennt, weiß ja, dass ich solch abenteuerliche Routenplanungen eigentlich mag (weshalb ich es immer noch ein klitzekleines bisschen schade finde, dass wir nicht über Addis Abeba nach Dakar geflogen sind ...).

In Casablanca unterscheiden sie kaum nach Inlands- und Auslandsankünften, sodass wir unsere Bordkarte und den Pass an der Kontrolle vorzeigen mussten und dann durchkonnten. Das Gepäck kam praktisch zeitgleich mit mir zum Laufband (vor allem: Es kam!), den Zöllnern sagte ich, dass ich aus Agadir käme, dann musste ich mein Gepäck nicht röntgen lassen.

Der Hotelbus stand schon da, der Check-in ging mit einem ganz gut Deutsch sprechenden Rezeptionisten einigermaßen schnell, ich ließ mich vom Kofferträger noch ein bisschen abzocken, aber nichts Schlimmes, und jetzt geht es hier um 1.10 Uhr gleich ins Bett.

Weiteres dann morgen aus Hamburg ...

Samstag, 26. März 2016

150 km zur Costa Calma

So, die Nacht war nicht ganz so leise, aber irgendwann haben sie alle Ruhe gegeben, die Hunde und die Autos und die Menschen, außer, dass im Morgengrauen der Muezzin wieder mal gerufen hat. Ich habe also ausgeschlafen, soweit das ging, und zog mir dann die Klamotten von gestern nochmal an - nur zog ich anstatt der Unterhose gleich eine Badehose drunter, denn schließlich wollte ich an den Strand.

Ich lief ein paar Meter den Berg hoch, kaufte mir eine Flasche Wasser (nochmal so dehydrieren wie in Gambia wollte ich nämlich nicht) und ließ mich dann mit einem Petit Taxi zum Grand-Taxi-Stand kutschieren. In El Aaiún dürfen die Petit Taxis die Stadtgrenze nicht überqueren, sodass sie nur innerhalb des Ortes unterwegs sind (und hier auf sehr praktische Weise, wenn man mal den Dreh raus hat, Busse und so fast überflüssig machen); wenn man also von irgendwo in der Stadt in eine andere Stadt will, muss man erst mit dem Petit Taxi zum Sammelplatz fahren (das kostete mich 60 Cent) und dann mit dem Grand Taxi in die andere Stadt.

Ich ließ mich also für 1,80 € die 25 km durch die Sahara (so mit Dünen und Sand und so ...) nach Foum el-Oued an der Atlantikküste kutschieren, zusammen mit, ich glaube, vier Damen und Herren hinten im Auto, während ich mich auf dem Beifahrersitz breitmachte. Wir stiegen am Kreisverkehr am Strand in Foum el-Oued aus.

Der Strand dort ist großteils relativ steinig (also schon Sandstrand, aber mit vielen großen Steinen drauf), nur weiter hinten, in der Nähe des (einen) Hotels ist der Sandstrand wirklich sandig, und den Kilometer dorthin lief ich jetzt also. Ich habe zwar keinen Hut dabei und bisher auch keinen zu kaufen gekriegt, aber ich hatte vorsorglich meine Birne heute gut mit Sonnenmilch benetzt (sodass ich anfangs wie ein richtiges Bleichgesicht aussah ...) und habe die Sonne heute gut überstanden.

Am Strand war ein bisschen was los, ein paar Ortsansässige saßen in Zelten am Strand (es war recht windig), ein Vater spielte mit seinen Kindern Fußball am Strand und dann kam der dicke Deutsche und sprang in die kühlen Fluten. Kühl, aber nicht so eiskalt wie im Senegal, obwohl wir hier ein gutes Stück weiter nördlich sind, das war richtig schön, vor allem, weil die Wellen auch hübsch hoch waren. Doch, das hat Spaß gemacht. So nah wie heute war ich der Urlaubsstatt meiner Kindheit schon lange nicht mehr gekommen, denn der Strand liegt nur, naja, 150 km von der Costa Calma auf der Kanareninsel Fuerteventura entfernt. Ich habe mal rübergewunken ....

Nachdem ich wieder halbwegs trocken war (ich hatte ein Handtuch aus dem Hotel entführt, aber umziehen am Strand wollte ich mich dann doch nicht, also musste ich warten, bis die Badehose einigermaßen abgetrocknet war), zog ich mich an und machte mich auf den Rückweg zum Kreisverkehr. Ich war fast da, als ein Grand Taxi anhielt, fragte, ob ich nach Laayoune wolle (ich springe zwischen "Laayoune" und "El Aaiún" hin und her, merke ich gerade, ist wurscht, ist die gleiche Stadt), ich bejahte und, schwupps, saß ich schon wieder im Taxi zurück in die Hauptstadt. Diesmal kostete die Fahrt nur 15 Dirham (statt 18, wie auf dem Hinweg), ich vermute, dass für die erste Strecke der Organisator des Grand-Taxi-Standes, der mir das Geld abgenommen hatte, auch noch eine kleine Kommission genommen hat ...

Ich nahm mir wieder ein Petit Taxi in Richtung Innenstadt und aß in einer Seitenstraße, von der mein Hauswirt gesagt hatte, dass man da ganz gut essen könne. Nach einigem Hin und Her bestellte ich in einer Fischgaststätte (nicht die, die ich gesucht habe, das habe ich jetzt aufgegeben) Calamari und bekam einen Riesenteller (der am Ende 60 Dirham, keine sechs Euro, kostete) mit Tintenfischstreifen, mit Salat (mal sehen, ob sich der Salat in den nächsten Stunden oder morgen rächt), mit Brot und einer leckeren halbwegs scharfen Soße. Dazu bestellte ich einen Bananensaft und bekam Bananenmilch, die ich danach mit einer Cola (für 50 Cent!) herunterspülte. Ich war so pappsatt, dass ich mich heute Abend dann entschied, nichts mehr zu essen.

Nun aber setzte ich mich ins nächstbeste Petit Taxi und fuhr zurück ins Hotel (wieder musste ich den Fahrer per Google Maps zum Hotel leiten). Dort duschte ich erstmal und verbrachte die Mittagszeit bei einer kleinen Siesta.

Um 17 Uhr machte ich mich wieder los, ging durch die Seitenstraßen hinter dem Hotel, die auf der Fahrt hierher ein bisschen nach Markt ausgesehen hatten, stellte fest, dass das mehr Autowerkstätten und Kioske als richtiger Markt waren und schnappte mir ein Petit Taxi. Ich wollte zum "Hôpital Militaire", zum Militärhospital, was den Taxifahrer veranlasste, mich erstmal erschrocken anzugucken und auf Französisch zu fragen, ob es mir gutgehe. Jaja, tout bon oder so ähnlich, ich wollte da ja nur hin, weil das Militärhospital in der Nähe der Lagune ist.

Die Lagune von El Aaiún fühlt sich wie eine Oase inmitten der Wüste an, an der zu anderen Jahreszeiten offenbar viele Vögel Zwischenstation machen. Heute konnte man die Anzahl von Vögeln an einer Hand abzählen, schön ist es trotzdem, sehr unwirklich, weil man diese nicht gerade kleine Wasserfläche sieht und dahinter die ersten Dünen der Sahara. Leider stand die Sonne schon hinter El Aaiún, sodass ich die Stimmung nicht mit Lagune und Stadt fotografieren konnte, sondern nur von der Stadt weg. Naja, vielleicht gehe ich morgen Vormittag nochmal hin, dann müsste man das besser fotografieren können.

Klar, wenn man ein Petit Taxi braucht, kommt gerade keines, sodass ich zurück in die Innenstadt lief und dabei einen kleinen, aber steilen Berg erklimmen musste (oooooooh ...). Oben, auf dem Boulevard Mekka, wollte ich in meine Kneipe von gestern zum Fußballgucken (Kapverden gegen Marokko), aber die war brechend voll. Ich ging in Richtung meiner Mittagessenkneipe von heute, die zeigten zwar keinen Fußball, aber eine Kneipe vorher schon.

Ich setzte mich auf den letzten freien Platz, guckte das Spiel zu Ende, wartete eine halbe Stunde auf eine Bedienung und ging nach Spielende einfach wieder, weil keine Bedienung gekommen war und ich dementsprechend nichts konsumiert hatte. Ich überlegte, ob ich am Ort meines Mittagessens auch zu Abend essen sollte, entschied mich dagegen, weil ich einfach satt war und nahm zum zweiten Mal heute ein Petit Taxi vom Boulevard Mekka zum Hotel (mein Hotel "Grand Gare" kennt kein Taxifahrer, aber wo der "Terminus", der Busbahnhof ist, weiß jeder, jedenfalls so einigermaßen ...).

Ich packte mein Zeug kurz ins Zimmer (meinen Pass hatte ich heute am Strand dabei, weil es unterwegs ein paar Checkpoints gibt, und ich wollte auf Nummer Sicher gehen; wenn ihn mir am Strand einer hätte klauen wollen, hätte ich halt sprinten müssen, höhö ...) und ging unten in die kleine Kneipe ums Eck von meinem Hotel zum Fußballgucken.

Während des Trauerspiels konsumierte ich einen Tee, machte mich vor versammelter Mannschaft zum Brot, weil ich nicht wusste, was ich mit den beiden Riesenstücken Zucker anfangen sollte, die dazukamen (am Ende warf ich das eine Stück einfach ins das Kännchen und hoffte, dass der Zucker sich da verteilt - wieso ich zwei Gläser bekommen hatte, verstehe ich auch nicht ...) und ging nach dem Bezahlen dann zurück ins Zimmer.

El Aaiún ist nicht wirklich auf Touristen eingestellt, was man auch daran merkt, dass selbst die Taxifahrer (bis auf den einen gestern nach der unfreiwilligen Stadtrundfahrt) einen nicht abzocken (vielleicht nehmen sie einen Dirham mehr von mir, aber das ist ja wirklich völlig wurscht) und es nicht einmal versuchen. Die Kommunikation klappt mit Französisch, Spanisch, Englisch, Hände und Füße, Arabisch (in dieser Reihenfolge) relativ gut, die Leute freuen sich immer, wenn ich mein "Schukran" (danke) aufsage und vielleicht noch "Assalam aleikum" (guten Tag, wörtlich "Friede sei mir dir") herauswürge ...

Wenn man das System mit den Petit Taxis und den Grand Taxis raushat und den Fahrern nach Ankunft einfach ein paar Dirhams in die Hand drückt, klappt das auch wunderbar (so eine Fahrt in der Stadt kostet eigentlich immer fünf Dirhams, also knapp 50 Cent, das kann man sich leisten ...), das ist völlig okay. Es fahren auch so ein paar Busse, aber weil bei denen nur eine Nummer dransteht und es keine Streckenpläne gibt (jedenfalls nicht an den Haltestellen), habe ich die bisher gemieden.

Morgen schlafe ich erstmal aus, soweit das geht, und schaue dann, was ich mir noch so angucken kann. Mein Flieger geht erst um halb acht abends, und dann fliegen wir erstmal weit in den Süden nach Dakhla (obwohl ich ja zurück nach Casablanca in den Norden will), dort gibt es einen Zwischenstopp, ehe ich in Agadir in der Nacht noch umsteigen muss. Um 0.20 Uhr bin ich wohl in Casablanca, lasse mich ins Flughafenhotel fahren und fliege am Ostermontag um 12 Uhr wieder zurück nach Frankfurt. Ich werde wohl auf dem Rückweg mein Gepäck auch nur bis Casablanca durchchecken lassen, weil mir meine kleine Flasche Kontaktlinsenflüssigkeit ausgelaufen ist und die große Flasche zu groß fürs Handgepäck ist. Oder ich gucke morgen in El Aaiún, ob ich in einer Apotheke Kontaktlinsenflüssigkeit kriege, mal schauen.

Durch die Sahara ...

... an den Strand von Foum el-Oued ...

... zum Schwimmen.

Schwimmen würde ich in der Lagune von El Aaiún nicht ...

Freitag, 25. März 2016

Yalla, yalla

... oder wie mein Vater immer aus dem Krieg von den Briten erzählte: "Makk snell, makk snell, wirf alles weg!" Das war heute der ironisch gemeinte Anfeuerungsruf unserer Führerin in der Hassan-II.-Moschee in Casablanca.

Ich hatte mir den Wecker heute Morgen gestellt und stand - nach zweimaligem Weiterstellen - dann relativ früh auf. Ich dusche und zog mich an, ließ meine Sachen im Zimmer und ging zum Frühstück. Das Frühstück war für arabisch-französische Verhältnisse üppig, für deutsche ganz in Ordnung - ich trank Orangensaft, aß ein Wurstbrot und danach etlichen Süßkram ...

Ohne Zwischenstopp auf dem Zimmer machte ich mich auf zur Medina, die nur wenige Fußminuten vom Hotel entfernt ist. Einige wenige Anquatscher ignorierte ich so gut es ging ... Dass die Medina von Casablanca nicht mit der von Marrakesch zu vergleichen ist, wusste ich schon vorher. Und am Freitagmorgen sieht jede Medina irgendwie langweilig aus, weil die meisten Geschäfte noch nicht auf haben und insgesamt noch viel Müdigkeit auf den Straßen herrscht. Trotzdem war das ein schöner Spaziergang in Richtung Hassan-II.-Moschee direkt am Meer, die schon von Ferne aus mit ihrem hohen Minarett gut zu erkennen ist.

Nach Ankunft an der Moschee, die unter dem heutigen strahlend blauen Himmel noch einmal beeindruckender ist, machte ich mich an einen Rundgang um die Moschee. Die Moschee liegt auf einer Landzunge im Atlantik, was die ganze Szenerie noch ein wenig beeindruckender macht. Ich lief um die Moschee herum und stolperte auf einmal zum Touristeneingang. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass man am Freitag in die Moschee reinkann (in aller Regel sind Moscheen ja am Freitag wegen des Hauptgebets den ganzen Tag für Touristen zu), aber heute Morgen konnte man noch rein. Die 11 Euro Eintritt sind natürlich nicht ganz wenig, aber dafür muss man dann die Tour mitmachen und kriegt ein paar Informationen dazu (dass die Führerin dann trotzdem noch sehr offensiv auf Trinkgeld aus ist, sei dann mal dahingestellt - nix gibt's ...). Ich wartete brav unter dem Schild "Deutsche Sprache", war aber der Einzige, sodass ich dann auch bereit war, bei der englischsprachigen Führung mitzugehen.

Joa, äh, diese Moschee ist atemberaubend, vor allem atemberaubend riesig. Sie ist brandneu, erst vor zwei Jahrzehnten oder so erbaut worden und entsprechend relativ modern aussehend, aber die Idee mit dem Stadion-..., äh, Moscheedach, das man je nach Wetter öffnen und schließen kann, ist schon cool. Die Fotos, die ich hoffentlich heute Abend, sonst bald dazugeben kann, geben den Eindruck hoffentlich ein wenig wieder.

Ich musste bis um 12.00 Uhr auschecken, und ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich heute an der Führung teilnehme, sodass ich mich von einem Taxi zurück ins Hotel fahren ließ. Der schaltete zwar auf mein Geheiß den Taxameter an, aber der blieb bei 0 stehen. Wir unterhielten uns während der Fahrt (er sprach halbwegs Englisch), aber als wir bei unserem Hotel ankamen, gab ich ihm 10 Dirham (einen Euro). Das müsste eigentlich so in etwa hinkommen, aber traurig war trotzdem, weil er den Touristen nicht abzocken konnte - ich habe in meinem Leben so oft bei Taxifahrern draufgezahlt, da musste jetzt mal einer das andersherum erleben ...

Der Check-out ging fix, nachdem ich meine Sachen geholt hatte, und auf ging es mit Tram und Zug zurück zum Flughafen - das ist total schön, einfach und praktisch in Casablanca, das ist richtig schön.

Vollkommen bekloppt dagegen ist - wie immer - diese Gepäckkontrolle am Eingang zum Flughafen, so auch in Casablanca, wenn man vom Flughafenbahnhof kommt. Liebe Leute, wenn ein Terrorist Schaden anrichten will, sprengt er sich einfach in der Schlange vor der Gepäckkontrolle in die Luft; mit ungezielten Gepäckkontrollen, bei denen lange Schlagen entstehen, kann man m. E. Vollidioten nicht aufhalten. Aber sei's drum ...

Der Check-in für meinen Flug nach Laayoune war unproblematisch, ich hatte noch viel Zeit, trank noch ein Bier und ging dann durch die Sicherheitskontrolle (mit Schuheausziehen, tsts). Dann saßen wir und saßen in der Wartehalle, bis unser Flug schließlich aufgerufen wurde. Ich ging als einer der Letzten durch die Kontrolle, wir hatten einen leeren Schlussbus (wieder ein Cobus aus Wiesbaden!) und gingen an Bord der vollen Maschine. Unser Abflug war verspätet, unsere Ankunft überpünktlich, weil Royal Air Maroc auch hier ausreichend Puffer eingebaut hat.

Der Flughafen in Laayoune ist voller marokkanischer Flaggen, aber, liebe Marokkaner, wenn ihr wirklich wollt, dass der unbedarfte Tourist euch abnimmt, dass die Westsahara zu Marokko gehört, dann behandelt ihn doch bitte nicht bei der Ankunft so, als würde er besetztes Gebiet betreten.

Obwohl es sich - nach Ansicht der Marokkaner - beim Flug von Casablanca nach Laayoune um einen Inlandsflug handelt, müssen Ausländer durch eine Passkontrolle. Und das ist nicht nur eine Passkontrolle, die hat es in sich: Die fragen dir nicht nur ein Loch in den Bauch, sondern lassen dich auch völlig grundlos warten, bis sie sich besprochen haben, was sie mit dir anstellen. Kurz: Ich war mal wieder stinksauer. Wer nach dieser Einreisebefragung nicht auf den Trichter kommt, dass hier in der Westsahara vielleicht doch nicht Friede, Freude, Eierkuchen herrscht, der ist wirklich auf der Wurstsuppe dahergeschwommen ...  Und, liebe Marokkaner, wenn ihr einem schon sehr deutlich das Gefühl gebt, dass ihr einen eigentlich nicht wirklich hierhaben wollt, dann lasst das mit dem "Welcome" und "Schöne Zeit hier ..."

Der Kampf um ein Taxi gestaltete sich schwierig, weniger, weil es keine gäbe, vielmehr, weil das hier alles mehr oder weniger Sammeltaxis sind, die die Plätze im Auto einzeln verkaufen. Und so zahlte ich für meinen einen Platz (und Gepäck auf dem Dach) für die Fahrt vom Flughafen zum Hotel (sieben Minuten, mal wieder ...) zwei Euro. Das ist nicht übertrieben viel Geld, aber irgendwie passte hier alles zusammen ...

Das Hotel, in dem ich untergekommen bin, ist ordentlich und für 17 Euro die Nacht sogar sehr ordentlich. Natürlich ist es nicht mit dem Innenstadt-Business-Hotel letzte Nacht in Casablanca zu vergleichen, aber ich denke, dass man hier schlafen kann ...

Ich hielt mich nicht sehr lange im Hotel auf, sondern machte einen Spaziergang hoch in die Innenstadt, machte hier und da Fotos und suchte eine Fischgaststätte, die als eine der wenigen Gaststätten hier in der Stadt auch beim Tripadvisor gute Kritiken erhält.

Ich lief am Boulevard Mekka entlang (die Innenstadt ist jetzt keineswegs hässlich, aber außer dem Mechouar-Platz mit seinen paar Türmchen und der nahegelegenen Moschee auch relativ nichtssagend) und fand an der Nummer 183 keine Fischkneipe. Ich lief hin und her, aber in der 183 war allenfalls eine Bar.

Ich lief mich in der Bar nieder (die hatten nämlich WLAN) und suchte online noch einmal nach der Fischgaststätte. Die sollte genau hier sein. Ich zahlte mein Wasser und fragte den Ober, wo die denn sei. Er zeigte mir, dass die direkt gegenüber sein müsste. Ich dankte und ging rüber. Da gab es ein paar Kneipen, aber alles Pizzerien oder Imbissbuden, keine Fischgaststätte.

Ich fragte in einem Wechselbüro, die Dame dort schrieb mir etwas auf Arabisch auf, das ich dem Taxifahrer zeigen sollte, ich dankte wieder. Nach einigen Minuten kam ein Taxi, das wieder eine halbe Stadtrundfahrt mit mir machte, aber die Fischkneipe, zu der der Fahrer mich schließlich fuhr (der wusste genausowenig wie die anderen Fahrgäste oder ich, wo diese Fischkneipe war, hatte mich aber mit großer Geste ins Taxi geladen), war zu und hieß auch nicht wie die, zu der ich wollte.

Nun hatte ich keine Lust mehr und wollte mich zum Hotel fahren lassen, doch der Typ verstand mein Französisch auf einmal überhaupt nicht mehr (wer will's ihm eigentlich verdenken), die beiden Typen hinten im Taxi und er lachten über mich (haha, der Deutsche kennt sich hier ja gar nicht aus, haha - Deppen!), wir machten noch einmal eine mittlere Stadtrundfahrt, ehe es mir zu bunt wurde und ich ihn mit Google Maps zum Hotel führte - das fand er ganz toll ...

Am Hotel zahlte ich meine Stadtrundfahrt und setzte mich auf eine Fanta und ein Hühnchen-Bohnen-Sandwich mit Pommes und Reis in die Kneipe direkt unter dem Haus (also nix Fisch). Ich bezahlte dafür 1,60 € (in Worten: einen Euro und sechzig Cent) und war um 21 Uhr im Hotel. Der Inhaber, der inzwischen da war, begrüßte mich in vorzüglichem Englisch und bat um Entschuldigung, dass der Diensthabende heute Nachmittag, als ich ankam, kein Englisch konnte - was aber nicht geschadet hat ...

Nun bin ich hier im Zimmer und werde, soweit die Hunde, die gelegentlich bellen, und die Flugzeuge, die gelegentlich ankommen, mich lassen, morgen ausschlafen.

Spannend war's und hochinteressant und in meinem 106. Land bin ich jetzt auch. Basta.
Hassan-II.-Moschee

Das Innere der Hassan-II.-Moschee

Hammam in der Hassan-II.-Moschee

Mechouar-Platz in El Aaiún/Laayoune

Ich schau dir in die Augen, Kleines

Ach, das wollte ich schon immer mal schreiben - heute darf ich diese ganzen Filmzitate mal anbringen. Spiel's (noch) einmal, Sam ... Dabei habe ich "Casablanca" noch gar nie gesehen, aber Humphrey Bogart und Ingrid Bergman sind halt einfach ein Klassiker.

Nach ein paar Stunden im Büro heute Morgen fuhr ich - Royal Air Maroc hatte gestern noch SMS und E-Mails geschrieben, dass man bitte drei Stunden vor Abflug da sein solle, weil in Frankfurt scharf kontrolliert würde - relativ zeitig nach Frankfurt und kam ziemlich genau drei Stunden vor Abflug an.

Ich fuhr rüber ins Terminal 2 und konnte dort tatsächlich mein Gepäck schon offdroppen. Ich hatte noch am Flughafen wieder umgepackt (ich hatte eine Wäschegarnitur und einen Schlafanzug ins Handgepäck gefriemelt, dann aber wieder zurückgefriemelt), als der Typ beim Drop-Off mir wider Erwarten sagte, dass mein Gepäck doch bis El Aaiún durchgecheckt werden könnte. Das war mir wiederum nicht so recht, worauf hin er mir unproblematisch anbot, mein Gepäck nur bis Casablanca gehen zu lassen. Das machte ich und habe also jetzt mein ganzes Gepäck hier im Hotel.

Natürlich waren wir alle viel zu früh am Gate, zumal wir noch ein bisscehn Verspätung mitnahmen. Der Flug war sehr entspannt, obwohl ich auf dem Mittelplatz sitzen sollte und eine ebenfalls nicht wirklich schlanke Dame neben mir am Fenster saß. Glücklicherweise kam für den Gangplatz keiner, sodass ich uns schnell einen freien Mittelplatz sicherte, indem ich mich an den Gang setzte - Glück gehabt.

Royal Air Maroc setzt großzügige Flugzeiten an, sodass man - wie heute - trotz Verspätung überpünktlich ankommen kann ... Ich reiste völlig problemlos nach Marokko ein, holte mein Gepäck (das war unzerstört in Casablanca angekommen, juchhe) ab und ging durch den Zoll. Ich hob Geld ab, ging hinunter zum Flughafenbahnhof, kaufte mir dort am Automaten eine Fahrkarte, bekam Wechselgeld in Münzen und saß dann im Zug, der um Punkt 20 Uhr - fahrplanmäßig - abfuhr. Wenn ich mir die Zugorganisation angucke, komme ich mir so überhaupt nicht wie im klischeehaften Afrika vor, sondern vielmehr wie in Europa. Alles super.

Am Bahnhof Casa Voyageurs stieg ich aus, kaufte mir eine Straßenbahnfahrkarte - ebenfalls am Automaten mit englischsprachiger Beschriftung -, fuhr ein paar Stationen und stieg am Place Nations Unies aus, beste Innenstadtlage.

Es war schon dunkel, aber Casablanca und der Place Nations Unies gefiel mir auf Anhieb. Ich fand, obwohl Google Maps in Marokko nicht so ganz richtig hilfreich ist, relativ schnell mein Hotel, checkte ein und machte mich dann schleunigst auf den Weg, etwas zu essen, es war schließlich schon viertel nach neun.

Ich marschierte in Richtung Hafen und kam am Innenstadtbahnhof vorbei, der leider nur selten angefahren wird, und stand dann ein bisschen unschlüssig in der Gegend herum, weil da überall Polizei stand und die Einfahrt zum Hafengelände kontrollierte. Ich wollte zum Fischhafenrestaurant, das laut Google-Maps-Recherche im Zimmer irgendwo hier in der Nähe sein musste. Ich suchte ein bisschen auf dem Handy herum, fand nix und war schon im Begriff, zu dem spanischen Lokal zu gehen, das ich auf dem Hinweg entdeckt hatte, als mir ein Haus mit blauer Leuchtschrift auffiel, das auf das "Restaurant du port du pêche", also auf das Fischhafenrestaurant, hinwies.

Na dann, nix wie hin. Um 21.30 Uhr war noch proppevoll mit wohlhabenden Marokkanern und mit Touristen, ich bekam einen hübschen Einertisch zugewiesen und beguckte erstmal die Leute. Hier darf man noch in den Restaurants rauchen, wovon auch rege Gebrauch gemacht wird (selbst in meinem Hotelzimmer, das einen Balkon hat, steht drinnen ein Aschenbecher ...).

Ich hatte zwar im Flieger etwas gegessen, was relativ essbar erschien, aber das hielt mich natürlich nicht ab, hier lecker Meeresfrüchtesalat (toll) und danach einen gegrillten Petersfisch. Ich trank dazu ein marokkanisches Bier (das war mein erstes Bier in Marokko überhaupt, das Spécial kann man trinken, man kann es aber auch sein lassen ...) und eine große Flasche Wasser. Das Essen war sehr, sehr lecker, auch das Ambiente war toll, doch, wenn meine Ma und ich uns mal zufällig in Casablanca wiederfinden, werde ich sie dorthin entführen ...

Ich spazierte wieder zurück zum Hotel, setzte mich kurz am Place Nations Unies auf eine Bank (das war aber unbequem, weil die so niedrige Lehnen haben) und ging dann ins Hotel. Morgen wird ein bisschen ausgeschlafen, dann nochmal Casablanca ein bisschen erkundet.

Der erste Eindruck von Casablanca war ziemlich gut, die Stadt gefällt mir. Naja, das muss ja jetzt kommen: Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Gute Nacht ...

Sonntag, 20. März 2016

Es wäre ja zu schön gewesen ...

... wenn die Heimreise unfallfrei von Statten gegangen wäre.

Unser Hoteltaxi kam äußerst pünktlich und war kein Vergleich zu unseren Buschtaxis: Geräumige zweite Reihe, in der wir saßen, Ausstattung mit DVD-Player, Klimaanlage und elektrischen Fensterhebern, eine Schweizer Vignette von 2011 war auch noch dran, doch bei dem Auto musste man keine große Angst haben, dass es innerhalb der nächsten zehn Kilometer verreckt ...

Wir fuhren überland, standen mal im Stau, mal konnte der Fahrer auf die Tube drücken, oft hingen wir hinter elend langsamen LKWs dran und konnten nicht überholen, weil auf der Gegenspur ebenfalls eine lange Schlange war, weil auch dort ein elend langsamer LKW voranfuhr. Jedes Mal, wenn unser Fahrer die Chance zum Überholen sah, nutzte er sie, sodass wir gegen 19.20 Uhr auf die einzige Autobahn des Senegal kamen, die vom Landesinneren nach Dakar führt.

Soweit uns nicht ein Mofa (auf der Autobahn!) ausbremste, konnte der Fahrer 120, auch mal 125 fahren, sodass wir recht schnell vorankamen, jedenfalls bis zur Ankunft in der Dakarer Innenstadt.

Dort fand eine brutale Entschleunigung dergestalt statt, dass wir zwanzig Minuten erstmal auf der Stelle standen, ehe so langsam Bewegung in die ganze Sache kam. Am Ende verengte sich die dreispurige Fahrbahn aufgrund einer Baustelle zu einer einspurigen, danach durfte wieder gerast werden.

Wir kamen gut am Flughafen an, hatten noch massig Zeit, stiegen aus, gingen zum Check-in, waren fix eingecheckt (außer, dass die Tante in den Barcode unserer Bordkarten für die Strecke Madrid-Frankfurt hineinschrieb und die Scanner sie deshalb nicht lesen konnten, Heldin ...) und gingen durch die problemlose Pass- und Sicherheitskontrolle.

Nun saßen wir da im Boardingbereich und warteten auf das Einsteigen. Ziemlich früh, gegen 22 Uhr, konnten wir anfangen einzusteigen, auch wenn sie binnen zwanzig Metern ungefähr fünfmal kontrollierten, ob wir denn tatsächlich diejenigen waren, die einsteigen durften ...

Der Flug von Dakar nach Madrid war schnell und problemlos, wir saßen am Notausgang, was dazu führte, dass ich wahrscheinlich zwei Stunden am Stück relativ ausgestreckt schlafen konnte - toll.

In Madrid ließen wir uns sehr viel Zeit, ehe wir formal einreisten und dann - mit zwei anderen Touristen - in der Bahn vom Satellitenterminal zurück zum normalen Terminal 4 fuhren. Zu der mittleren Nachtzeit war gar nichts los, sodass wir auf der "falschen" Seite der Bahn ankamen und über eigens geöffnete Rolltreppen auf die "richtige" Seite fahren mussten ...

Unser Gate wurde erst ewig nicht angezeigt, dann bekam ich eine SMS, wo wir einsteigen könnten (lange bevor das offiziell angezeigt war), und wir marschierten in die Richtung. Dort setzten wir uns hin und konnten fast pünktlich boarden.

Leider streikten heute die französischen Fluglotsen, sodass wir eine Verspätung von eineinhalb Stunden beim Abflug und von fast genau einer Stunde bei der Ankunft hatten (wir waren schneller als planmäßig unterwegs). Wir standen am Gepäckband, das Gepäck kam bald, nur leider war bei dem einen Koffer ein beträchtlicher Schaden entstanden; er war wohl auf eine spitze Kante gefallen, sodass die ganze Schale auf der Oberseite zerrissen ist. Das meldeten wir dann bei der Gepäckreklamation und müssen dann in den nächsten Tagen bei Iberia anrufen, damit wir den Schaden hoffentlich ersetzt bekommen.

Unsere glückliche Heimkehr wurde im Sherry & Port ordnungsgemäß begossen, jetzt sind wir müde und bettfertig.

In vier Tagen geht es wieder nach Afrika, diesmal mit Royal Air Maroc nach Casablanca und weiter nach El Aaiún. Ich hätte nichts dagegen, wenn diesmal alles glattgehen würde ...

Schönen Abend, bis bald auf dieser Welle ...