Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Donnerstag, 17. März 2016

Très fraîche

... sehr kühl ist das Meerwasser hier in Mbour an der senegalesischen Atlantikküste, aber wenn sich ein wenig eingewöhnt hat, kann man es auch bei den - naja, vielleicht - 18°-20° Wassertemperatur am Vormittag wohlfühlen, denn der Strand ist schmal, aber toll, und das Hotel, wo wir hier sind, ist ebenfalls sehr, sehr schön.

Aber von Anfang an: Die Fähre fuhr tatsächlich um 17 Uhr ab, nachdem sie zwei Stunden am Anleger lag und keiner wusste, wieso sie nicht befahren werden darf. Bei dieser Fähre handelt es sich keineswegs - wie ich vermutet hatte - um eine Pendelfähre, sondern sie fährt die ein bis zwei Kilometer Strecke ganze fünf Mal am Tag (oder, wie gestern, bestenfalls vier Mal ...). Wenn man die Fähre knapp verpasst, kann es schon mal sein, dass man - selbst fahrplanmäßig! - drei Stunden warten muss. So viel länger dauert es über die schlechten Straßen um Kaolack herum dann wahrscheinlich auch wieder nicht ...

Jedenfalls kamen wir glücklich am anderen Ufer an, stiegen in unser Autochen und fuhren in Richtung Fatick.

Am Sonntag ist hier ein Verfassungsreferendum, was man auch daran siegt, dass in fast jedem Kaff irgendwelche Leute mit "Oui"-T-Shirts herumlaufen oder "Oui"-Plakate aufgehängt sind. Der Präsident ist auch für "Oui", was wir gestern insofern ausbaden mussten, als der Präsident der Republik Senegal, Macky Sall, in seinem Heimatort Fatick für dieses Abstimmungsverhalten werben wollte. Fatick war großräumig abgesperrt und wir mussten über Staubpisten diese nicht so ganz kleine Stadt umfahren. Auf dem Weg weiter kamen uns dann die ersten Polizeimotorräder entgegen, was unseren Fahrer dazu veranlasste, die Straße komplett zu verlassen und - wiederum auf staubigen Dorfstraßen - weiterzufahren, bis die Kolonne vorbei war und wir in Ruhe weiter in Richtung Mbour fahren durften.

Die Sonne ging so langsam unter, wir waren alle müde, als wir in Mbour eintrafen. Okay, wir hatten mit unserem Fahrer nicht explizit vereinbart, dass er uns zum Hotel bringen würde, weil ich das bei einem "Special Hire", also der Anmietung eines kompletten sept-place einfach vermutet hatte (Memo an mich: in Zukunft klarer ansagen). Der Kollege, den wir mitgenommen hatte und der sich als dann doch recht hilfreicher Somalier herausstellte, musste übersetzen, weil der Fahrer natürlich nicht genau wusste, wo unser Hotel war. Ich sagte dem Somalier, dass ich den Fahrer genau führen könnte, was ihm aber nicht genug war. Also stellte er - an der Hauptstraße und wenige Minuten von unserer Unterkunft (ich hatte mich ein wenig verschätzt und stets von "trois minutes", also drei Minuten, gesprochen, in Wirklichkeit waren es wohl doch eher sieben ...) - den Wagen ab. Wenn meine Mutter eines kann, dann auf Kommando mosern, und das tat sie sehr effektvoll - so effektvoll, dass unser Fahrer vor lauter Angst dem Taxifahrer, der uns dann die sieben Minuten ins Hotel fuhr, aus eigener Tasche unsere Fahrt bezahlte. Bei dieser Aktion verstand ich dann endgültig die Welt nicht mehr: Er hätte von mir sicher noch ein Trinkgeld bekommen, aber so bekam er nicht nur kein Trinkgeld, sondern zahlte auch noch drauf - naja, ich verstehe es ja, meiner Mutter sollte man nicht querkommen, wenn sie sich erstmal in Rage geredet hat ...

Wir kamen also nach insgesamt gut zehn Stunden Fahrt für eine an sich nur 247 Kilometer lange Strecke in unserem Hotel hier in Mbour an.

Der Check-in ging sehr fix und auch ganz gut auf Englisch, auch wenn das Hotel nach meinem Empfinden - außer uns - ausschließlich von Franzosen und französischsprachigen Belgiern bevölkert ist. Die Speisekarte zu lesen bekommen wir ja einigermaßen hin, aber es ist doch ganz interessant, dass diese Hotel auf nichfranzösischsprachige Gäste nicht eingestellt ist - manche Ober sprechen ein bisschen Englisch, aber das ist eher zufällig, glaube ich.

Ansonsten aber ist es fantastisch. Meine Ma war auf Anhieb begeistert, weil sie die Anlage hier an längst vergangene Tage in Spanien erinnert, an welche sie gerne zurückdenkt: Es sind viele kleine Häuschen hier, in denen jeweils einige wenige Zimmer sind. Unseres besteht aus einem Wohnzimmer, dem Schlafzimmer und einem sehr geräumigen Bad, natürlich ist hier alles sehr gepflegt, und das Essen gestern Abend war ebenfalls sehr lecker. Meine Ma aß den Poisson du jour, also den Fisch des Tages, während ich ein Lammragout verspeiste.

Heute Morgen gingen wir nach dem Ausschlafen zum Frühstück, das zumindest bei mir sehr, sehr obstreich war. Danach ging es an den Strand: Unser Hotel liegt nicht direkt am Strand, hat aber direkten Strandzugang und dort auch einen eigenen Abschnitt, sodass das völlig in Ordnung ist. Auf den Fotos im Internet hatte der Strand bei weitem nicht so schön ausgesehen wie er in Wirklichkeit ist, gebucht habe ich offenbar trotzdem hier und keinen Fehler gemacht. Wir gingen ins Wasser, das deutlich kälter ist als im 100-150 km (Luftlinie) südlicher gelegenen Brufut in Gambia und legten uns dann in den - dank der Sonne - immer noch recht warmen Schatten.

Nachdem wir unsere letzten vier Dollar dem Zimmermädchen haben liegen lassen - die Rezeptionistin fragte später sogar noch nach, ob wir das Geld auf dem Tisch vergessen hätten - irgendwie scheinen die das hier nicht gewöhnt zu sein, dass man Trinkgeld gibt -, hatte ich noch 2.500 CFA-Francs (etwa vier Euro) und ein paar Euro-Münzen, meine Ma hatte gar nichts mehr ... Zum Glück hatten wir gestern auf der Fahrt im Taxi einen Geldautomaten gesehen, zu dem ich dann einen kleinen Spaziergang machte (normalerweise hätte ich mir dazu auch eine lange Hose angezogen, weil hier - außer Kindern - nur die bekloppten Touristen in Unterhosen - also kurzen Hosen - in der Öffentlichkeit herumlaufen; da wir aber als Pfand für unsere Strandtücher - kein Bargeld mehr! - unseren Zimmerschlüssel abgegeben hatten, beschloss ich, heute halt mal den kulturell völlig unsensiblen Toubab (Weißer) abzugeben, was ich normalerweise vermeiden möchte).

Wenn man bargeldlos ist, gibt es akut kein schöneres Geräusch als das Rattern der Geldscheine im Geldautomaten, weshalb ich das Geräusch mir gleich zweimal anhörte - der erste Versuch, als ich 100.000 Francs und einen Beleg haben wollte, wurde abgelehnt, deswegen machte ich erfolgreich zwei weitere Versuche, indem ich jeweils 50.000 Francs ohne Beleg abhob. Zum Glück bezahle ich keine Barabhebungsgebühren bei meiner Kreditkarte, sodass ich da ganz entspannt sein kann.

Auf dem Heimweg ließ ich mich von drei tourist guides anquatschen, die mir ihre Ausflüge in einem schönen Fotobuch - mit französischer und flämischer Beschriftung - zeigten. Ich ging mit ihnen ein paar Schritte in ihr Dorf, dann sollte ich aber meinen Namen aufschreiben, damit sie mir ein Geschenk (klar, Jungs, schon klar, ich spreche nicht gut Französisch, aber völlig auf der Wurstsuppe dahergeschwommen bin ich nun auch wieder nicht ...) mit meinem Namen drauf schnitzen konnten - ich nahm in gemäßigten Tempo Reißaus, versprach ihnen, meine Ma zu fragen, ob sie einen Ausflug mitmachen will (was sie angesichts unseres Erholungswunsches hier nach drei anstrengenden Tagen in Westafrika schnell verneinte), und verzog mich wieder auf die Anlage.

Klar sind wir hier einfach nur Touristen in dieser Anlage, die genauso gut auch an der Côte d'Azur stehen könnte, bei europäischem Standard und mehr oder weniger europäischem Essen. Aber nach viermal Fährefähren, staubigen Pisten, nervenaufreibenden Verhandlungen mit Taxifahrern, Rechnen mit abgezähltem Geld, x-mal Koffer auf und Koffer zu (ob nun im Hotel oder beim Zoll) sind wir beide einfach nur froh, dass wir nach diesen sehr spannenden, hochinteressanten und an Eindrücken überreichen Tagen - wir sind erst seit fünf Tagen unterwegs! - jetzt einfach nur faul in der Sonne liegen und im Meer planschen dürfen.

Einen schwierigen Punkt muss ich noch machen: Während des Abendessens gestern gab es die Show einer troupe folklorique, also einer "Folkloregruppe". Nun stehe ich ja ohnehin nicht auf Folklore, aber bei dieser Aktion fühlte ich mich richtiggehend unwohl: Diese Veranstaltung war so dermaßen klischeehaft, dass ich das Gefühl hatte, man hat mich ins Jahr 1916 zurückversetzt, in eine Darbietung afrikanischer Tänzer vor den Kolonialherren ...

Mittwoch, 16. März 2016

Afrikanische Zeitangaben sind wunderbar

Nun, mir ging es gestern Abend nicht so gut, was möglicherweise an den vier oder fünf Bieren lag, die ich auf die pralle Mittagssonne getrunken habe, wahrscheinlich aber vor allem daran, dass ich zu wenig Nichtalkoholisches getrunken habe. Dass ich mich auch am ersten Tag viel am Strand und in der Anlage aufgehalten habe, dort zwar im Schatten, aber trotzdem, war sicherlich auch das Allercleverste, was diese Welt bisher von mir gesehen hat.

Man könnte meinen, dass ich wüsste, wie wichtig es ist, dass man hydriert bleibt, gerade wenn man sich noch nicht so ganz richtig akklimatisiert hat, aber manchmal – meistens? - bin ich halt einfach nur bescheuert.

So, das war jetzt genug mea culpa.

Das Auschecken ging schnell heute Morgen, das Taxi kam pünktlich um 8.30 Uhr, und auf ging es zur Fähre. Diesmal kam uns der Weg zurück länger vor als der Weg hin, aber das lag wahrscheinlich daran, dass Hilda uns auf dem Hinweg ein wenig abgelenkt hatte. Jedenfalls kamen wir an der Fähre an, bezahlten unserem Fahrer den mehr oder weniger vereinbarten Preis. Er kaufte für uns die Tickets für die Fähre von Banjul nach Barra, die 25 Dalasi, also etwa 60 Cent kosten. Diese Fähre war – wie auf dem Hinweg – eine von zweien.

Er sackte nochmal 50 Dalasi ein, die er als Bestechungsgeld dem Wächter am Eingang zum Hafen gab, auf dass wir uns schon vorrangig einen Platz sichern könnten. Nun standen wir da in der prallen Sonne und sahen die Fähre eintreffen. Wir wunderten uns, nachdem sie leergeräumt war, wieso wir nicht drauf durften, dann war sie auf einmal weg. Aha.

Jemand sprach uns an, fragte, wo wir herseien, wir sagten „aus Deutschland“ und die Gambier sagten „wunderbar!“. Da uns das da am Fährhafen nicht zum ersten Mal passiert ist, habe ich den Eindruck, dass „wunderbar“ das deutsche Lieblingswort der Gambier ist. Naja, klingt ja auch – für deutsche Verhältnisse – relativ sanft.

Die zweite Fähre kam, wir durften tatsächlich vor den anderen schon drauf, ergatterten uns einen Sitzplatz unter Deck (Sonne hatten wir heute schon genug gehabt) und beobachteten des Treiben dort. Ein islamischer Prediger kam durchgelaufen, zwei blinde Bettler (jetzt sitze ich gerade hier am Fährhafen in Foundiougne und habe mir wahnsinnig erschreckt, weil gerade einen Meter vor mir eine Ziege gemäht hat), allerlei Verkäufer von Zahnpasta, Bilderrahmen, Mandarinen, Getränken usw.

Nach einer halben Stunde waren wir drüber, lachten uns einen Fahrer an, der uns in seinem „nice car“, einem altersschwachen, offenen Jeep zur Grenze fahren sollte. Wir sind beide ein bisschen am Husten, da war der Fahrwind bestimmt allererste Sahne …

Der Grenzübertritt ging fix, der gambischen Grenzer konnte sich sogar an uns erinnern, im Senegal mussten wir wenigstens nicht durch die Zollkontrolle, aber eigentlich ging dort in Karang wieder mal ziemlich viel schief. Die Geldwechsler boten furchtbare Kurse an, aber da es keine Geldautomaten gibt (diesen Fakt hatte ich für eine Grenzstadt nun wirklich nicht erwartet), mussten wir irgendwie unsere Fahrt nach Mbour bezahlen.

Erstmal ließen wir uns zum Busbahnhof fahren, dort wechselte ich die verbliebenen Dalasi, ein paar Euro und ein paar Dollar um, sodass wir uns wieder einen
sept-place mieten konnten. Rechnen können sie dort nicht, denn während einer der sieben Plätze einzeln 6.000 Franc kostet, sollte alles zusammen 55.000 Franc kosten. Naja, sei's drum, ich konnte sie überzeugen, dass 42.000 Franc (immerhin auch gut 60 Euro für die vier-, fünfstündige Fahrt) in Ordnung sei. Zwar wollten sie fürs Gepäck noch was extra haben, aber ich argumentierte wie folgt: Zeige auf meine Mutter – une place, zeige auf mich – une place, zeige auf den ersten Koffer – une place, zeige auf den zweiten Koffer – une place. Gelächter um uns herum … Der Verhandler war von der Argumentation nicht so begeistert, aber er verklickerte sie seinem Chef, der uns dann – doch wieder – noch einen Typen für den Beifahrersitz ans Bein band. Der ist jetzt nicht ganz so hilfreich wie Hilda, aber auch nicht schlimm …

Auf ging die wilde Luzi in einem altersschwachen Peugeot, wie vorgestern – war das wirklich erst vorgestern?! - über Sokone, dann über die Rumpelpiste, Abbiegen auf die gute Straße in Richtung Foundiougne. Wir kamen in Foundiougne um 14.45 Uhr an, die Fähre sollte um 15 Uhr gehen, alles richtig gemacht. Sollte man meinen.

Jetzt ist es 16.21 Uhr, und vor 17 Uhr soll es hier nicht weitergehen, was auch die junge Frau neben uns „very frustrating“ (sehr frustrierend) fand. Da ist natürlich der ganze schöne Zeitgewinn flöten gegangen. Afrikanische Zeitangaben halt …

Rest morgen, heute Abend zu müde, aber gut in Mbour im Senegal in unserem Hotel angekommen ...

Dienstag, 15. März 2016

Your daughter is my good friend

(Deine Tochter ist mein guter Freund.)

Ich bin ja schon für vieles gehalten worden, für einen Briten, für einen Russen, sogar für einen Argentinier, aber für eine Frau hat mich - jedenfalls nach grober Sichtung meines Adoniskörpers - noch selten jemand gehalten. In Gambia gibt es am Strand einige Typen, bumster genannt, die Touristen anquatschen, quatschen, weiterquatschen und schließlich vollquatschen. Diese ehrenvolle Aufgabe ertragen die meisten der bumster selbst nur mit Alkohol, sodass das eine interessante Kombination ist.

Wenigstens sind sie friedlich, wenn sie dich für eine Frau halten oder die munkis (monkeys, Affen) im nahegelegenen Nationalpark zeigen wollen.

Mit Ausschlafen war das heute so eine Sache, wir waren gestern Abend erstens relativ früh im Bett und zweitens hatten wir die letzten Nächte nicht so arg viel geschlafen, sodass wir dann doch schon wieder um 6.30 Uhr wachwaren. Wir versuchten noch ein wenig Schlaf zu ergattern, gaben aber bald auf und fügten uns in unser Schicksal, Aufstehen genannt. Dass ich mich irgendwo ein bisschen erkältet habe (wahrscheinlich im Taxi, in dem es wohl ein wenig gezogen hat), hat zum erholsamen Schlaf natürlich auch nicht beigetragen. Ich bin aber, wie stets in solchen Fällen, hoffnungsfroh, das Ganze zu überleben.

Ich ging ein wenig an den Strand zum Fotosmachen, meine Ma wartete auf unserem Balkon und guckte ebenfalls auf Strand und Meer. Ach Leute, ich war ja schon an ein paar Stränden, aber der hier gehört ganz eindeutig zu den schönsten, die ich je gesehen habe. Kilometerlanger Sandstrand, ganz wenige Touristen, nicht wirklich viele Einheimische, alles in allem fast menschenleer. Sehr, sehr toll.

Ich ging hoch, wir gingen lecker frühstücken, ein kontinentales Frühstück, das wir mit Spiegelei und Rührei mit Lachs verfeinerten. Sehr, sehr lecker.

Anschließend eroberten wir die Traumliegen hier in der Anlage, im Schatten, mit Blick auf Strand und Meer, ungestört von den (wenigen) anderen Gästen (das "Erobern" war im eigentlichen Sinn nicht nötig, weil hier eh genügend Liegen sind), superschön.

Wir gingen an den Strand, wurden von unseren Freunden, die dort ihren Imbissstand bauten, begrüßt (die Kollegen gehören im Übrigen wohl doch nicht zum Hotel) und machten einen Strandspaziergang, währenddessen zwei von unseren nicht so ganz tollen Bumster-Freunden uns "beglückten". Wir konnten sie in endlicher Zeit abschütteln, sodass ich ins Meer hüpfen und die Wellen genießen konnte.

Abgang nach oben zum Hotel. Wir lasen, wir unterhielten uns, und irgendwann hatten wir Durst. Wir kamen mit der Bedienung und dem Kellner, einem Geschwisterpaar, ins Gespräch, was dazubeitrug, dass wir - nunja - die anvisierte Anzahl von Bieren ein klitzekleines bisschen überschritten. Meine Ma und der Kellner versuchten schließlich, die Kellnerin und mich zu verkuppeln, was nach Aussage meiner Mutter zu dem "süßen" Umstand führte, dass eine Schwarze rot wird. Ich war schon rot, von der Sonne. Alles in allem: Herzlichen Dank auch, Mutter ...

Ansonsten war heute im wörtlichen und im übertragenen Sinn eitel Sonnenschein, ich war am Nachmittag nochmal am Strand, wurde von den Arbeitern dort zum Benachin (in dem Fall Fisch mit Reis, Zwiebeln und scharfem Gewürz) eingeladen (sie stellten wir sogar einen Wasserbehälter hin, auf den ich mich setzten konnte, weil das mit der Hocke nicht so ganz meins war mit meinen 55 kg und stocknüchtern ...) und machte einen letzten Schwimm im gambischen Atlantik (nach morgen sind wir ja zwei volle Tage in Mbour am senegalesischen Atlantik).

Auf ins Zimmer, duschen, Blog schreiben, jetzt geht es gleich zum Abendessen. Ich muss noch zwei Postkarten schreiben, wir werden heute wahrscheinlich nicht alt, weil ich heute so richtig schön erschöpft-erholt bin ...

Heute daher nur Strandfotos:

Blick beim Abendessen

Brufut Beach

Wenn Österreicher einen Zaun bauen ...
 

Montag, 14. März 2016

Hilda aus Göteborg

Eine junge Studentin mit schwedisch-gambischen Wurzeln ist unsere heutige Heldin des Tages.

Datt Janze kam so: Der Muezzin neben dem Hotel musste sich seinen Wecker wie wir auf 6 Uhr gestellt haben, denn das Klingen des Handy setzte zeitgleich mit dem ersten "Allahu akbah" aus dem Minarett ein.

Wir hatten nun die dritte kurze Nacht in Folge mitgemacht, denn nach der erfolgreichen Landung und dem erfolgreichen Anstoßen auf Land Nummer 104 schliefen wir beide nicht optimal, und von 1 Uhr bis 6 Uhr sind es halt auch keine acht Stunden Schlaf, nicht einmal für Mathematiker oder Physiker (und wer jetzt mit Zeitverschiebung kommt, wird verprügelt). Nichtsdestotrotz sprangen wir wie junge Hunge aus dem Bett, machten uns fertig und checkten ziemlich genau um 7 Uhr aus. Wir ließen uns ein Taxi kommen, auf dass es uns zum gare routière bringe, was es schließlich - nach ein paar Umwegen durch unasphaltierte Straßen eines nicht so wirklich richtigen reichen Stadtviertels - auch tat. Dort wurden wir von einem halben Dutzend Männer durch die Gegend gelotst, nachdem ich mir einen herausgepickt hatte, dass er uns zu einem sept-place nach Banjul oder zumindest in diese Richtung bringen sollte.

Wir kamen an ein Auto, das - nach Aussage des Besitzers - "in gutem Zustand" sei (na, immerhin etwas ...). Er bot uns an, sofort bis zur Grenze loszufahren (d.h., dass wir alle sieben Plätze nehmen würden), und verlangte dafür 60.000 Francs (90 Euro). Das war uns zu viel, wir gingen weg, er kam hinter uns her, zeigte auf drei 10.000er-Scheine in seiner einen Hand, während er in der anderen noch zwei 10.000er hatte. Für 30.000 Francs konnte man das ganz gut machen, also stiegen wir ein. Meine Ma dachte anfangs, es handele sich um einen Leichenwagen, weil die beiden hinteren Sitzreihen (das Gefährt hat drei Sitzreihen) umgeklappt waren ... Der Chef von datt Janze wollte gleich mal Cash sehen, woraufhin ich ihm 30.000 Francs - wie ich als vereinbart verstanden hatte - in die Hand drückte. Nein, nein, er wollte 50.000 Francs haben, er hatte mir doch drei Scheine in der einen und zwei in der anderen gezeigt. Hm, ich glaube, das war hier wirklich ein Missverständnis (ohne Ironie!).

50.000 fand ich zu viel, also stiegen wir wieder aus, holten unser Gepäck und liefen weiter. Halt, Moment, stopp, auf 40.000 könne man sich doch einigen, oder? Wir hatten das Ziel, heute Abend schon im Meer zu schwimmen, nicht ganz aufgegeben, da wollten wir jetzt wegen ein paar Euro nicht noch stundenlang verhandeln. Also, was soll's, für 40.000 saßen wir in dem Peugeot drin. Es ging tatsächlich gleich los, ganze dreihundert Meter weit. Dann standen wir erstmal, mit laufendem Motor, am Straßenrand und unser Fahrer musste noch irgendwas machen.

Unvermittelt ging hinter der Kofferraum auf, es wurde ein dritter Koffer hineingewuchtet, und eine junge Studentin wurde auf den Beifahrersitz bugsiert. So hatten wir uns das bei der Einigung eigentlich nicht vorgestellt, aber da die Studentin "anglais", also Englisch, sprach, wurde sie uns als große Errungenschaft für uns verkauft. Oh ihr Schlepper, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was für eine Errungenschaft diese Frau für uns war. (Sorry, jetzt habe ich die Spannung herausgenommen, aber der Blog soll ja auch für Herzschwache lesbar sein ...)

Es ging nun aber wirklich los, weitere zweihundert Meter, ehe wir anhielten, weil der Fahrer noch die Ausfahrtgebühr aus dem Busbahnhof bezahlen musste.

Jetzt aber. Ich glaubte kaum, dass wir um 8.24 Uhr wirklich auf der öffentlichen Straße waren, als uns die Polizei nach ungelogen weiteren zweihundert Metern rauswinkte. Ich weiß nicht, was diese Helden der Steinzeit suchten, aber unser Fahrer musste erstmal Fahrzeugpapiere vorzeigen, dann mussten wir die Koffer öffnen, um sie durchwühlen zu lassen. Nach zehn Minuten war plötzlich alles okay und wir durften weiterfahren.

Wir fuhren erneut zweihundert Meter und standen wieder. Aber diesmal im Stau. Es ging in Richtung Mbour, wo wir nach unserem Gambia-Abstecher die letzten Tage im Senegal am Strand verbringen werden, und von dort - auf bis dahin durchgängig sehr, sehr guten Straßen - in Richtung Kaolack. Kurz hinter Fatick bogen wir gen Süden auf eine - immer noch sehr gute - Sekundärstraße ein, die uns zu einer Fährstation brachte. Dort trafen wir gegen 11 Uhr ein.

Meine Ma lachte sich mal wieder einen Hund an, der sie aber nicht überzeugen konnte, wie alle anderen vor ihr an die (Außen-)Wand des Toilettenhäuschens zu urinieren. Wir standen ein paar Minuten, Hilda erklärte uns, dass wir nicht im Auto sitzen bleiben könnten, sondern als Fußgänger auf die Fähre müssten. Gesagt, getan, sie zahlte sogar für uns (15 Cent pro Person), weil wir kein senegalesisches Kleingeld hatten. Während der Überfahrt wurde Sonnencreme auf meine bleiche Haut aufgetragen, was sich als sehr hilfreich erweisen sollte, denn es war zwar nicht brütend heiß, aber wir hatten strahlenden Sonnenschein den ganzen Tag über.

Nach geschätzt fünfzehn Minuten Überfahrt legten wir uns und fahren weiter in Richtung Grenze. Die Straße war, bis auf ein dann allerdings richtig katastrophales Teilstück vor Sokone, durchgehend sehr schnell befahrbar, was unseren Chaffeur denn auch veranlasste, auf freier Strecke auch mal 120 zu fahren. Dass in unserem Leichenwagen nur für Fahrer und Beifahrer (also nicht für uns) Gurte vorhanden waren, versteht sich von selbst. Naja, wir haben es überlebt.

An der Grenze schmiss uns der Chaffeur - wie verabredet - raus, ich wechselte Geld und wurde betrogen, was ärgerlich war, aber mein Gott, was soll's? Hilda führte uns erst zum senegalesischen Zoll, der nichts von uns wollte, dann zur Polizei, was unsere Ausreise verifiziert wurde, dann zum gambischen Zoll, der unser Gepäck durchsuchte und schließlich zur gambischen Polizei, bei der unsere Einreise in gleich zwei Büchern festgehalten wurde - wieso das so ist, versteht keiner, aber solange es nicht wehtut. Natürlich hätten wir Polizei und Zoll auch selbst gefunden, da war Hilda nicht besonders hilfreich, aber richtig gut war es, sie dabeizuhaben, als es darum ging, ein Taxi nach Barra zu finden.

Barra ist der Ort im Norden des Gambia-Flusses, der der gambischen Hauptstadt Banjul direkt gegenüberliegt und von wo aus die Fähre hinüber nach Banjul ablegt. Hilda verhandelte ganz gut für uns, und wir bezahlten das Taxi für uns drei.

In Barra traf sie ihren Stiefvater und revanchierte sich, indem sie den Kofferträger und die Fährüberfahrt nach Banjul bezahlte.

Massen von Menschen und etliche Autos, sogar ein riesiger LKW, bewegten sich auf diese kleine Fähre, von deren Benutzung das Auswärtige Amt abrät. Wieso, das erschließt sich mir nicht so ganz, weil die Fähre so seeuntauglich nun auch wieder nicht aussieht. Unser Gepäck deponierten wir am Rand, ich marschierte hoch auf Deck und genoss den Blick auf das fünf Kilometer entfernte Banjul. Nach einiger Zeit legten wir auch tatsächlich ab und fuhren - ziemlich langsam - hinüber. Viele fliegende Händler waren an Bord und verkauften Wasser, Cola, Eis, Erdnüsse, ja, sogar diese Power Banks, mit denen man unterwegs sein Handy laden kann.

Nach der Ankunft in Banjul stellte sich heraus, dass Hilda einen Großteil der Strecke mit uns fahren konnte; entsprechend verhandelte sie wieder den Preis und wir stiegen in das Gefährt ein, dessen Kofferraum für drei Koffer zu klein war, sodass die Koffer halb überstanden und der Kofferraumdeckel festgebunden werden musste. Am Hotel kamen wir ebenso wie unser Gepäck heil an.

Hilda stieg in "Traffic Lights", übersetzt "Ampel" aus, dem Bezirk, an dem die erste Ampel Banjuls errichtet worden war, wir fuhren weiter nach Brufut. Dank Wegweiser und Google Maps kamen wir gegen 16.30 Uhr an unserem Hotel an, von dem Hilda schon geschwärmt hatte. Wir wurden mit Handschlag namentlich begrüßt und guckten gleich mal auf die wunderbare, tolle, fantastische, kurz: nicht unansehnliche Anlage, die diesen beiden Österreicher hier haben aus dem Boden stampfen lassen.

Der Willkommensdrink in Form eines gambischen Bieres wurde von uns sehr begrüßt, danach konnten wir aufs Zimmer - mit fantastischem Ausblick auf die Anlage und den Atlantik -, zogen uns um, ließen Anlage Anlage sein und gingen die paar Treppen hinunter zum Meer.

Wir verliefen uns ein wenig, wurden aber von Bediensteten des Hotels zurückbeordert (die sind hier alle - wirklich -  supersuperfreundlich, ein bisschen weniger Freundlichkeit wäre auch noch völlig in Ordnung ...), bekamen eine Liege an den Strand gestellt, die wir nur zum Ablegen unserer Handtücher benötigten und sprangen in den welligen Fluten. So, so, so, schön ... Und der kilometerlange Sandstrand, der sich zu beiden Seiten unserer Einstiegsstelle erstreckt: ebenfalls so, so schön (Fotos kommen morgen, ich hatte heute Nachmittag dann kein Handy dabei).

Nach dem Bad gingen wir aufs Zimmer, duschten, riefen meine Schwägerin und meinen Bruder an, die aus allen Wolken fielen, und marschierten dann zum Abendessen. Es gab Garnelen in Chili-Knoblauch-Sauce und Octupussalat zur Vorspeise, Butterfisch und Thunfisch zur Hauptspeise und Erdnuss-Limetten- bzw. Bananen-Kokos-Eis zur Nachspeise. An Getränken wurde selbstverständlich ausschließlich stilles Wasser konsumiert. Der ganze Spaß war zu europäischen Preisen und sehr lecker, am Ende gab uns der Chef noch einen Schnaps aus.

Es ist jetzt hier 22 Uhr, wird sind im Bett, morgen wird mehr oder weniger ausgeschlafen. Gute Nacht!

Königlicher Palast in Madrid

Nochmal königlicher Palast in Madrid

Picos in Madrid

Dakar bei Nacht

Eine Fährfahrt, die ist lustig ...

Unterwegs im Senegal

Strand in Barra, an den Ufern des Gambia-Flusses

Blick vom Balkon unseres Zimmers

Von allen guten Geistern verlassen


… war ich heute Morgen, als ich unsere Tasche mit den Pässen und dem Rechner in die Gepäckaufbewahrung gab. Als wir zurückkamen, war die rote Tasche nicht mehr da, wo die Koffer waren. Meine Mutter wurde ganz blass, ich ziemlich. Eine Putzfrau sah meiner Mutter an, dass sie kurz vor dem Umkippen war, und fragte, ob wir die rote Tasche suchten. „Ja, die suchen wir!“ Sie schickte uns zur Rezeption, die gaben uns die Tasche und sagten, dass man sie irgendwo an einer Sitzgruppe gefunden habe. Wer sie dahingebracht hatte, wird ein ewiges Rätsel bleiben, die Putzfrau, die die Tasche gefunden hatte, bekam ein deftiges Trinkgeld, und ich werde so etwas nie, nie, nie, nie, niemals wieder machen …

Aber einmal auf dieser Tour mussten wir ja auch mal Glück haben.

In der Wahrscheinlichkeitstheorie gibt es das Konzept der bedingten Erwartung, und so etwas Ähnliches gibt es auch, wenn bei einer Reise etwas schiefgeht. (Ich will jetzt hier also kein mathematisches Proseminar abhalten, keine Sorge.) Wenn mir vor der Reise einer gesagt hätte, dass wir anstatt am Samstag Abend in Dakar ein Bierchen zu schlürfen am Samstag Abend noch in Madrid in einem Flughafenhotel herumhängen und um 1 Uhr noch nicht im Bett sind, hätte ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Gestern Abend, nachdem so vieles schiefgelaufen war, waren wir einfach nur froh und glücklich, dass wir in Madrid unser Gepäck hatten, dass der Transfer vom Flughafen und der Check-in beim Hotel wunderbar klappte, dass das Hotel sehr in Ordnung war und wir nachts um ein Uhr noch ein Zwei-Gänge-Menü mit zwei Bier aufs Haus (oder eher auf die Fluggesellschaft) bekamen.

Der Abflug gestern verzögerte sich weiter von 18.10 Uhr auf 18.20 Uhr, 18.50 Uhr, 19.10 Uhr, 19.20 Uhr, 19.50 Uhr, 20.10 Uhr. Irgendwann um 20.32 Uhr oder so durften wir endlich boarden, um 20.45 Uhr hob der Flieger ab, um 22.52 Uhr betrat ich erstmals seit mehr als acht Jahren spanischen Boden. (Planmäßige Ankunft war 13.35 Uhr, also hatten wir fast neuneinhalb Stunden Verspätung … Bei einem Zwei-Stunden-Flug schon eine reife Leistung.)

Ich muss sagen, dass unsere 100 Mann starke Schicksalsgemeinschaft sehr diszipliniert war, da ist keiner ausgerastet (Klar, was hätte es gebracht? Gar nichts), selbst die Kinder weinten kaum. Dem Bodenpersonal machte manch einer leise Vorwürfe, dass sie die Verspätungen immer so salamitaktikartig vorbrachten, aber ich vermute jetzt mal zu ihren Gunsten, dass die vom Kapitän oder von der Technik auch so hingehalten wurden. Die Ausgabe der Essensgutscheine passte ganz gut, auch wenn sie ein bisschen mehr Getränke hätten auffahren können, die Organisation dann hier in Madrid war einfach nur sehr gut, das haben sie ganz gut gewuppt.

In Madrid bekamen wir dann nachts um 1 Uhr noch ein Menü mit Fisch-Empanadas oder Pasta als erstem und (einem sehr gutem) Fisch oder Albóndigas (Hackfleischbällchen) als zweitem Gang. Das war durchaus essbar. Die zwei Bier waren auch trinkbar, auch wenn es Heineken war und wir in unserem Zustand wahrscheinlich sogar Warsteiner heruntergespült hätten.

Die Nacht war kurz, ich träumte von Flughafentanten, die einen in der Gegend herumführten, und wachte nach fünfeinhalb Stunden Schlaf um 6.30 Uhr auf. Ganz so hatte ich mir meinen Urlaub jetzt doch nicht vorgestellt … Um 8.30 Uhr gingen wir zum Frühstück, um gegen halb zehn machten wir uns auf zur U-Bahn-Endhaltestelle unweit des Hotels. Dort kauften wir uns für zwei Euro pro Person Fahrkarten und fuhren bis zur Oper im Stadtzentrum von Madrid. Dort fuhr zwar ständig so ein Hop-On-Hop-Off-Bus an uns vorbei, hielt aber nicht. Also gingen wir ein paar Schritte, kamen am königlichen Palast und einer hübschen Kathedrale vorbei („nicht unansehnlich“ darf ich ja nicht mehr schreiben, sagt meine Ma) und suchten die Bushaltestelle.

Mein Handy vibrierte und das konnte nichts Gutes bedeuten. Die E-Mail von meinem Hotelvermittler verkündete mir, dass wir gestern nicht in Dakar aufgetaucht wären und unser Hotel daher unseren Aufenthalt storniert hätte. Der erste Teil, dass wir nicht da waren, war schwer widerlegbar, nur hatte ich den Freunden in Dakar mehrere E-Mails geschrieben, dass wir heute Abend ankämen. Die sehr freundliche Frau von Booking.com konnte die E-Mails einsehen (nein, da war nicht die NSA schuld, sondern ich hatte eine E-Mail-Adresse für extra solche Zwecke verwendet) und rief mal in Dakar an.

Nach ein paar Minuten sprach sie wieder mit mir und erläuterte mir, dass das Hotel um 24 Uhr zumacht. Nun sollten wir um 21.45 Uhr planmäßig in Dakar ankommen, aber die Hotelchefin war der Ansicht, dass uns zweieinviertel Stunden nicht reichen würden, um einzureisen und mit dem Taxi die paar Kilometer zum Hotel zu kommen. Sie schlug uns vor, dass wir die Buchung kostenlos stornieren könnten (die Stornofrist war längst abgelaufen und ich hatte mich damit abgefunden, dass wir die erste Nacht sowieso bezahlen müssten) und ein anderes Hotel nehmen könnte. Gesagt, getan, plötzlich standen wir also ohne Hotel für heute Abend da. Sorgen machten wir uns darum nicht, da könnte ja jeder kommen, wird schon schiefgehen.

Apropos schiefgehen: Prompt in dem Moment fanden wir die Bushaltestelle, an der auch schon ein Hop-On-Hop-Off-Bus stand, ich winkte ihm zu, er winkte nicht zurück, sondern fuhr drei Meter weiter, um an einer Ampel zu stehen. Die Tür machte der freundliche Geselle nicht auf … Vier Minuten später kam einer weiterer Bus mit nun wirklich sehr freundlichen Damen, sodass wir hier einsteigen konnten und uns aufs kühle und etwas windige Oberdeck setzten.

Wow, liebe Leute, Madrid ist toll. Diese Prachtstraßen, wunderschöne Gebäude, tolle Parks, die wir leider nur von außen sahen, eindrucksvolle Stadttore, das kann mich sich alles mal in Ruhe und vorsätzlich angucken. Spätestens, wenn ich alt bin …

Zwei nicht so schlafreiche Nächte machten sich bemerkbar, sodass wir nach einer Umrundung des Parcours erstmal eine schöne Kneipe suchten. Tapas kennt jeder, Picos noch nicht ganz jeder: Es handelt sich dabei um Kleinigkeiten, die – wenn mich meine Spanischkenntnisse nicht völlig täuschen – von dem namengebenden Spießchen zusammengehalten werden.

Auf der Karte standen acht verschiedene Picos für jeweils 2,50 € bis 2,75 €. Überhaupt, und erst in Madrids Innenstadt, konnte das ja nichts Großes sein. Meine Ma bestellte also auf mein Anraten hin die Kombination aller acht Picos, während ich ein Menu de la casa mit drei Tapas als Vorspeise, einem Lachs und einem Obstkuchen bestellte. Zum Trinken wurden natürlich Hopfenkaltschalten gereicht.

Ich bin ein Trottel (jaja, ich weiß ja, dass jetzt viele denken: „Erzähl mir was Neues“): Ich hatte gedacht, diese Picos hätten solche Proportionen wie Zahnstocher mit einer Oliven und einem Käsewürfel dran. Weit gefehlt. Jedes dieser Picos war ein kleines Kunstwerk auf einem halben Brötchen, mit Lachs umwickelter Frischkäse, Sardellen, Tortilla und andere Köstlichkeiten, während ich meine ebenfalls sehr guten Tapas und den sehr, sehr leckeren Lachs verspeiste. Zum Glück war unser Frühstück nicht ganz so üppig gewesen (trotz Büffet), sonst hätte die Schlagzeile der Bild morgen gelautet: „Deutsche Touristen in Madrid wegen guten Essens geplatzt! 5.000 € Sachschaden in Innenstadt-Kneipe! Bild schämt sich!“

Wir fuhren zurück mit der U-Bahn, liefen die Strecke zum Hotel zurück (selten war ein Verdauungsspaziergang so nötig und hilfreich), erschreckten uns zu Tode (s.o.) und fuhren dann mit dem Taxi zum Flughafen. Naja, Check-in und Ausreise und so lief alles gut, und unser Flug ging fast pünktlich weg und landete sogar überpünktlich.

Um 21.42 Uhr betrat ich erstmals senegalesischen Bode, kurz darauf standen wir in der Schlange zur Einreise. Nach vielleicht zwanzig Minuten waren wir dran, der Grenzer wollte Fingerabdrücke haben, die sollte er kriegen. Nach der Kontrolle, ob wir auch wirklich einen Einreisestempel hatten, schlugen wir uns zum Gepäckband (meine Ma) bzw. zum Geldautomaten (ich) durch. Ich war im dritten Anlauf erfolgreich, sie zur Hälfte, denn als ich kam, hatte sie erst einen Koffer erobert.

Erinnerungen an Algier und Astana wurden wach, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Iberia auf einem Direktflug (wir hatten ja heute Abend eingecheckt) unseren Koffer vergräbt. Nach einigen Minuten bangen Wartens sahen wir - dieses Mal das graue - Plastik des Glücks.

Nach einer chaotischen Schlange durch den Zoll (guckt da überhaupt einer auf das Display des Röntgengeräts) waren wir draußen und an der frischen Luft. Sehr, sehr schön. Weniger schön waren die ganzen Taxifahrer, die uns umlagerten und uns ins Taxi ziehen wollten. Ich hatte evaluiert, dass unser Hotel relativ nah war, deswegen gingen wir zu Fuß.

Naja, 300 Meter ohne Gepäck auf einem deutschen Bürgersteig sind etwas anderes als 300 Meter mit Gepäckstücken auf einem gelegentlich etwas unebenen senegalesischen Bürgersteig. Meine Ma schwitzte, ich schwitzte trotz der ganz akzeptablen Temperaturen, als wir endlich unser Hotel sahen.

Der Check-in funktionierte, aber das Restaurant war schon zu, sodass uns der - mit reichlich Trinkgeld ob des Koffer-die-Treppen-Hochschleppens belohnte - Boy anbot, uns Bier und Wasser in einem Shop zu kaufen.

Er ging und ward eine Dreiviertelstunde nicht mehr gesehen. Wir konnten uns gerade noch halb verdurstet zur Zimmertür schleppen und sie ihm öffnen, dann hatten wir unser Bier und unser Wasser.

Nunja, und jetzt haben meine Ma und ich mit importiertem "Royal Dutch"-Bier auf mein Bergfest angestoßen. Der Senegal ist mein 104. Land, nach meiner Zählung kommen jetzt noch 103. Und das hundertdrittletzte kommt morgen in Form von Gambia (ich muss schnell schreiben, damit "morgen" noch stimmt, denn es ist zehn vor zwölf hier ...).

Ich hatte mir das vielleicht etwas feierlicher vorgestellt, aber das holen wir sicherlich auf dieser Tour noch nach, dass wir mit gutem Essen und Blick aufs Meer und so'n Gedöns auf das Bergfest einen (oder mehr) trinken.

Jetzt gehen wir erstmal schlafen, morgen geht's - inschallah - irgendwie nach Gambia und dann hoffentlich so, dass wir morgen Nachmittag schonmal zum Schwimmen ins Meer können. Aber so wie ich die Tour bisher erlebt hatte, oh Gott, oh Gott ...

Over and out bis zum nächsten Post aus dem Gambia. Hoffentlich.

Samstag, 12. März 2016

Wenn einer eine Reise tut ...

... oder wie ich eben in der E-Mail ans Hotel in Dakar geschrieben habe: We are being constantly rescheduled (wir werden ständig umgebucht) ...

Wir waren pünktlich am Boarden und saßen gemütlich in der Lounge, als eine Ansage kam, dass es ein technisches Problem gäbe. Ein paar Minuten später kam die Ansage, dass es einen technischen Defekt gäbe und man nicht wisse, ob es das Ersatzteil in Frankfurt gabe. Eine Stunde später - ich hatte schon online gesehen, dass es später werden würde - kam die weitere Ansage, dass das Ersatzteil aus Palma eingeflogen werden müsste und sich der Abflug von 10.55 Uhr auf 18 Uhr verzögern würde. Halleluja.

Wir bekamen einen Essensvoucher über 15 Euro und verließen den sterilen Bereich (nachdem wir bei der Ankunft angerufen und uns vergewissert hatten, dass wir danach wieder in den sterilen Bereich hineinkämen, nachdem wir ja schon einmal dringewesen waren). Wir ließen uns in der Food Plaza nieder, aßen Schnitzel und tranken Bier und gingen dann gegen 16.30 Uhr wieder durch die Bordkartenkontrolle. Natürlich wies uns der Scanner ab, aber der menschliche Aufpasser ließ uns ohne große Erklärungen durch.

Nun saßen wir wieder am Gate, wurden über unsere Fluggastrechte informiert (den Flieger nach Dakar heute Abend würden wir wahrscheinlich verpassen) und harrten der Dinge, die da kamen.

Plötzlich wurden ein Senegalese und wir ausgerufen, weil wir nach Dakar wollten (beim Wiederboarden kannte uns der Boardingmensch schon namentlich), wir wären umgebucht und würden noch heute Abend über Addis Abeba (Äthiopien!) nach Dakar fliegen. Das hätte aus einer Strecke von 4.500 km eine von 11.500 km gemacht. Zu allem Überfluss hatte ich den Typen falsch verstanden und dachte, wir flögen von Madrid nach Addis Abeba. Nach einer kurzen Google-Suche ging mir auf, dass wir wahrscheinlich von Frankfurt nach Addis fliegen sollten; also ging ich nochmal zum Rückfragen hin und er schiss mich (milde) zusammen, dass wir nicht sofort zum anderen Check-in gegangen wären.

Also packten wir unsere sieben Sachen und machten uns zum Check-in auf. Kurz vor dem Ausgang brüllte der Typ hinter uns her, dass sich die Planung schon wieder geändert hätte. Jetzt fliegen wir - vorläufig - doch erst einmal nach Madrid, übernachten dort und fliegen morgen - zu einer mir noch unbekannten Zeit - mit Iberia (statt Air Europa) nach Dakar.

Mal gucken, ob es bei dieser Planung bleibt ...

Bitte auch den - noch hoffnungsvollen - Post von heute Morgen beachten.

Zwischenstopp

Ja, vom 21. bis 24. März werde ich einen Zwischenstopp auf der Arbeit machen, über Ostern bin ich in Marokko und in der Westsahara, danach zwei Tage zu einer Schulung in Hamburg ...

Zunächst ging es heute Morgen aber erst einmal zum Flughafen. Die Nacht war schlecht, weil die übergenialen Inhaber der Kneipe im Haus bis um 4.30 Uhr Musik und Bässe durch die Gegend wummern ließen. Möglicherweise haben aber auch die drei kleinen Steaks und die nicht mehr genau definierbare Anzahl leckerer Schwarzbiere im Eisgrub in Mainz sowie die Vorfreude auf den Senegal und Gambia dazu beigetragen, dass ich nicht so richtig erholt schlafen konnte - naja, dann kann ich vielleicht ausnahmsweise heute Abend im Flieger schlafen.

Jetzt sitzen wir hier am Flughafen und warten auf das Einsteigen.

Mal sehen, was wir in Madrid veranstalten, aber in die Stadt zu fahren gedenken wir durchaus.

Der nächste Post kommt dann wahrscheinlich schon aus Westafrika ...

Freitag, 4. März 2016

Von ქუთაისი nach Аҟәа

Meine Ma ist wahrscheinlich die einzige Mutter der Welt, die sich freut, wenn ihr Sohn sie fragt, ob sie als Muttertagsgeschenk mit einem Flug nach Kutaissi (Wo zum Henker das ist? Das ist die zweitgrößte Stadt Georgiens und liegt im Westen des Landes!) und anschließender Weiterreise nach Suchumi in Abchasien (Was zum Henker das ist? Eine von Georgien abtrünnige und von Russland, sagen wir, unterstützte Republik, die ich als eigenes Land zähle ...) einverstanden wäre ...

Ich habe ja Ende September noch zwei Tage Urlaub, die ich mit dem Tag der deutschen Einheit verbinde, sodass man insgesamt fünf Tage frei hat. Das ist zu kurz, um ernsthaft in der Weltgeschichte herumzufliegen, aber zu lang, um es nicht vielleicht doch für ein neues Land auszunutzen.

Jetzt hoffe ich, dass die Flüge so günstig bleiben, und dann fliegen wir über Istanbul hin und über Kiew zurück (ich wusste gar nicht, dass Pegasus und Ukraine International auch nach Kutaissi fliegen ...).

Ich habe vorgestern Abend dann in einem Rutsch die Hotels in Ostasien gebucht: In Tokio wohne ich etwas außerhalb im aber immer noch angeblich ziemlich angesagten Bezirk Ota, während ich dann in Seoul und in Taipei ziemlich downtown wohne. Die letzte Nacht, die ich dann wieder in Japan verbringe, fahre ich nicht mehr nach Tokio rein, sondern übernachte in der Stadt Narita in der Nähe des gleichnamigen Flughafens.

Achso, und in acht Tagen um diese Zeit sind wir fast schon auf dem Weg zum Flughafen in Richtung Madrid und weiter nach Dakar ...

Dienstag, 1. März 2016

東京都 - 서울시 - 臺北市 - 上海市

Nicht die Sportfreunde mit "New York, Rio, Rosenheim", sondern "Tokio, Seoul, Taipei, Shanghai", so lautet die Melodie für den Mai 2016 ...

Ich habe gestern und heute Abend mehrfach geflucht, weil mir die blöden Online-Reisebüros meine Kreditkarte immer wieder abgelehnt haben. Natürlich habe ich dann kurz vor dem Zu-Bett-Gehen noch einen allerallerallerletzten Versuch gestartet - und diesmal ging meine Buchung durch.

Nach meiner Ankunft in Tokio am Mittag des 15. Mai fliege ich jetzt also am 19. Mai in den frühen Morgenstunden mit der Peach Airline von Tokio nach Seoul. Dort verbringe ich vier Tage, bis ich am Morgen des 23. Mai von Seoul weiter nach Taipei fliege. Abermals vier Tage später, am 27. Mai, fliege ich der Vertrauen erweckenden Vanilla Air von Taipei nach Tokio zurück, nur um einen Tag später von Tokio in Richtung Shanghai den Heimweg anzutreten. In Shanghai habe ich elf Stunden Aufenthalt, sodass ich von der Transit-Visumfreiheit Gebrauch machen und mich - nach 15 Jahren - mal wieder in der Stadt umsehen möchte. Die Chinesen kurbeln ihre Fluggesellschaften (ich fliege ja die große Strecke mit China Eastern) insoweit an, als dass man bei einem Umsteigen in China auf dem Weg in ein Drittland bis zu 48 Stunden visumfrei in der Umstiegsstadt Zwischenhalt machen kann - durchaus löblich. Am 29. Mai, einem Sonntag, lande ich dann am frühen Morgen in Frankfurt.

Japan hatte mich ja eigentlich nie so richtig angemacht, aber jetzt freue ich mich wirklich auf die vier, fünf Tage in Tokio. Auf Südkorea bin ich auch gespannt, ich gehe mal davon aus, dass ich einen Besuch an der innerkoreanischen Grenze einplanen werde - das wird sicherlich spannend ... Und danach hoffe ich, dass ich von Taipei aus vielleicht doch einen oder zwei Tage an den Strand fahren kann, der mit dem Expresszug angeblich ganz gut zu erreichen ist, auch wenn Taipei selbst nicht am Meer liegt.

Aber in die Feinplanung einschließlich Hotelsuche steige ich erst richtig ein, jetzt, da die Flüge gebongt sind ...

Unser Hotel in Gambia habe ich heute vollständig bezahlt, die Bestätigung von den österreichischen Inhabern kam auch prompt, läuft also auch - und in elf Tagen sind wir um die Zeit schon in Dakar ...

Oben auf der Karte sind jetzt Myanmar (Burma), Thailand und Kambodscha orange. Nächstes Jahr im März soll es zum 70. Geburtstag meiner Ma nach Südostasien gehen, und da wir seit heute März haben, kann man irgendwie argumentieren, dass der März nächstes Jahr "innerhalb der nächsten zwölf Monate" ist ...

Sonntag, 28. Februar 2016

Hundesuppe

... naja, ich weiß ja nicht, ich weiß ja nicht.

Meine Arbeitskollegin hat mir am Freitag nun schweren Herzens für Mittelamerika abgesagt, aber wir haben uns geeinigt, dass wir das 2017 oder 2018 oder so noch einmal in Angriff nehmen; vielleicht kommt sie ja auf eine Woche oder so auf die Tour mit, die ich gestern noch angefangen habe zu buchen.

Am 14. Mai fliege ich von Frankfurt über Shanghai nach Tokio, wo ich am 15. Mai mittags ankomme. Am 28. Mai geht es morgens von Tokio nach Shanghai, wo ich elf Stunden Aufenthalt habe und einreisen werde (das geht, weil ich weniger als 48 Stunden im Transit bin).

Ich bin relativ sicher, dass ich noch Flüge nach Seoul und nach Taipei buchen werde, sodass das dann auch insgesamt drei neue Länder wären. Man könnte sicherlich die Philippinen und womöglich Brunei mitreinquetschen, aber dann sitze ich ja wirklich mehr im Flieger als ich am Boden bin. Ich werde mir das die nächsten Tage noch überlegen, aber im Moment tendiere ich zu einer Drei-Länder-Tour (Japan, Südkorea, Taiwan). Meine Schwägerin und mein Bruder haben jedenfalls geguckt, als ich gestern ein Tänzchen aufgeführt habe, nachdem ich gebucht hatte, aber sie sind zufriedener als wenn ich in den Sudan geflogen wäre ...

Ich muss mir auch noch schwer überlegen - aber dafür habe ich ja noch zweieinhalb Monate Zeit -, ob ich mir so ein Hunderestaurant in Seoul suche. Angeblich werden die gar nicht so richtig beworben, sodass ich da wohl ein bisschen herumfragen müsste. Mal sehen. Insgesamt sagt der Online-Reiseführer aber, dass es unwahrscheinlich sei, dass man versehentlich auf Snoopy herumkaue ... Das ist schonmal sehr beruhigend.

Jetzt ist es halt eine ganz andere Tour geworden als ursprünglich geplant, aber die wird ganz bestimmt auch sehr lustig, zumal Japan das letzte G8-Land ist, das ich besuche ... Und auf Shanghai freue ich mich auch sehr, selbst wenn es nur ein paar Stunden sind.

Ich sehe gerade, dass dies der 400. Post in den sechseinhalb Jahren dieses Blogs ist. Insgesamt macht das etwa 60 Posts pro Jahr. Ich hätte nichts dagegen, wenn das so weiterginge ...

Mittwoch, 24. Februar 2016

İstanbul Resimleri

Bilder aus Istanbul, sagt jedenfalls Google Translate.

Blaue Moschee

Hagia Sophia

Auf der Fähre nach Kadiköy. V.l.n.r.: Blaue Moschee, Hagia Sophia, Topkapı-Palast, Galata-Turm

Dolmabahçe-Palast

Uhrturm des Dolmabahçe-Palasts

Süleymaniye-Moschee von außen ...

... und von innen

Blick auf Galata und die Bosporus-Brücke

Neue Moschee und Süleymaniye-Moschee im Hintergrund

Fähre
Meine Ma und ich haben uns jetzt fast schon entschieden, Weihnachten in Istanbul zu verbringen ... Auch recht, mal gucken, wann wir buchen ...

Sonntag, 21. Februar 2016

Sekiz

Das kann ich mir schon mal einprägen, denn – inschallah – es wird ein achtes Mal geben. Istanbul ist so unglaublich schön, da muss ich wieder hin, bald, sehr bald.

Heute Nacht muss es ziemlich geregnet haben, denn erstens hörte ich den Regen gegen mein Fenster schlagen und zweitens waren die Straßen und Gehwege heute Morgen ein bisschen glitschig. Das ist, wenn man den Berg runter muss, um zur Straßenbahn zu kommen, nicht immer ganz so einfach, aber hingelegt hat's mich heute ausnahmsweise mal nicht …

Ich ging wieder runter nach Gülhane, um mir den Aufstieg nach Sultanahmet zu sparen, fuhr bis zum Großen Basar, erntete mitleidige Blicke, weil mancher Türke dachte, dass der blöde Tourist wohl nicht gewusst habe, dass der Große Basar heute zu ist (in die Nummer bin ich vor Jahren schon mal reingefallen, da falle ich kein zweites Mal rein …) und bahnte mir meinen Weg zur Süleymaniye-Moschee. Vor zwei Jahren wollte ich da schonmal rein, da war die aber gerade im Umbau begriffen, diesmal konnte man sie betreten und bewundern. Aber erstmal muss ich den phänomenalen Ausblick auf Galata, die Bosporusbrücke und Üsküdar genießen, die sich einem von da oben bot. Da entführe ich meine Leute in Zukunft auch mal hin (ja, Bruderherz, ich meine dich!).

Von außen wie von innen ist die Süleymaniye sehr, sehr beeindruckend, sie ist nicht nur riesig, sondern war heute – im Vergleich wahrscheinlich zur Blauen Moschee – sehr von Touristen verschont. Da konnte man ganz entspannt in der Gegend rumlaufen, naja, jedenfalls als Mann, denn die Frauen wurde von der allgegenwärtigen Security darauf hingewiesen, dass kein Härchen zu sehen sein dürfe, das aus dem Kopftuch hervorlugt. Da hat wohl einer der Security-Männer mal wieder Lust auf ein bisschen Herumkommandieren gehabt …

Nun, danach ging ich durch für Istanbuler Verhältnisse menschenleere Straßen am Sonntagmorgen und traf unweit von Eminönü aufs Goldene Horn. Wo ich schonmal in Eminönü war, konnte ich ja gleich mal wieder – richtig! - die Fähre rüber nach Kadiköy nehmen, zumal es – man höre und staune – heute sogar blauen Himmel gab. Da drüben aß ich wieder einen Tavuk-Döner (Hähnchen-Sandwich) und kaufte ein Simit (Gebäck), das ich brüderlich mit den Möwen teilte – schließlich fuhr ich bald wieder zurück, diesmal nach Karaköy. Ich entschied mich gegen einen Fischdöner, weil ich gestern Abend ja schon ausgiebig und sehr lecker Fisch gegessen hatte, und fuhr lieber mit der Straßenbahn zurück nach Sultanahmet.

Ich suchte mir eine schöne Kneipe mit Terrasse und genoss dort oben – anfangs allein mit meinem Bier – den wunderbaren Ausblick auf die zum Greifen nahe Hagia Sophia. Auf einem Bein kann man nicht stehen, also muss der Kellner ein zweites Mal die Treppe hoch, ehe er mich nach meinem „hesap, lütfen“ und einem Grinsen ordnungsgemäß abkassierte. Ich holte mein Gepäck im Hotel, ging wieder nach Gülhane und fuhr mit Umsteigen in Zeytinburnu zum Flughafen.

Der Ausreisegrenzer wollte meine Bordkarte sehen, aber mein Handy wollte er dann doch nicht abstempeln ... Das Boarding ging halbwegs fix, auf meinem Fensterplatz saß ein kleines Mädchen, das ich dann doch nicht verjagen wollte, sodass ich zwischen ihr und ihrem Bruder zum Sitzen kam. Zu Beginn des Fluges schlief sie mit dem Kopf auf meiner Schulter, ehe sie sich dann doch ob meiner gelegentlichen Bewegungen eine unbeweglichere Kopfstütze suchte ...

Ich las derweil in dem Koran, den ich mir - in deutscher Übersetzung - in der Süleymaniye geschnappt hatte. Das ist keineswegs eine Feld-Wald-und-Wiesen-Übersetzung, das wurde ordentlich lektoriert, sehr schön - und dabei noch kostenlos. Ein weiterer Schritt zum endgültigen Einreiseverbot in die Vereinigten Staaten ist durch den Besitz des Korans nun also auch geschafft ...

Nach Ankunft in Frankfurt stand wieder die Bundespolizei am Flieger, aber sowohl diese als auch die elektronische Einreisekontrolle überstand ich, ging durch den Zoll, erwischte gerade noch die S-Bahn nach Wiesbaden und war ziemlich genau eine Stunde nach der Landung am Wiesbadener Hauptbahnhof - so konnte ich noch um 21.15 Uhr in Ruhe den Anfang von NCIS: New Orleans mitkregen ...

Morgen geht es dann mit frischen Kräften wieder zur Arbeit, denn Istanbul war genau das Luftholen und Durchatmen und Kopffreikriegen, was ich jetzt dringend brauchte. So, so schön war's.

Samstag, 20. Februar 2016

Europa-Asien, eins, zwei, drei

Heute war ein schöner Tag.

Aber fangen wir gestern Abend an: Der Flug war ganz entspannt, auch wenn ich immer, wenn ich mit der Lufthansa nach Istanbul fliege, relativ nah an einem medizinischen Notfall dransitze. Dieses Mal hatte ein Diabetiker sein Spritzbesteck vergessen, was zur Suche nach einem Arzt und dann nach einem anderen Diabetiker führte, weil die Lufthansa zwar Spritzen an Bord hat, aber die nur an einen Arzt ausgeben darf. Naja, irgendwie haben sie die Sache dann gelöst.

Wir landeten um 23.38 Uhr, und um 23.53 Uhr war ich in die Türkei eingereist. Die U-Bahn machte leider pünktlich um Mitternacht zu, sodass ich sie ganz knapp verpasste, aber mein Taxifahrer war ehrlich und bekam ein ordentliches Trinkgeld. Weniger als eine Stunde nach der Einreise hatte ich mein Zimmer bezogen und fiel in den Schlaf.

Ich hatte mir heute Morgen den Wecker gestellt - ja, ich, am Wochenende und das auch noch auf 7 Uhr ... Am Ende bin ich 7.45 Uhr aufgestanden, habe mich fertig gemacht und das wirklich ausgezeichnete Frühstück hier im Hotel (mit Lachs und allerlei schweinfreier Wurst, mit Eiern und Olivenpaste, mit Orangensaft und Süßgebäck) genossen.

Gegen 9 Uhr verließ ich das Hotel, machte mich erst die paar Schritte auf zu Hagia Sophia und Blauer Moschee und genoss das pure Glück, wieder einmal in einer meiner Lieblingsstädte zu sein. Wider Erwarten (meines Bruders) wurde ich nicht in die Luft gesprengt, auch wenn man ein bisschen mehr Polizei als sonst sieht ... Ich lief hoch zur Straßenbahn-Station Sultanahment, war überrascht, wieviel Geld noch auf meiner Istanbulkart war und fuhr die drei Stationen runter nach Eminönü. Dort blieb ich erstmal an der roten Fußgängerampel stehen, obwohl kein Verkehr kam (diesen Fehler werde ich während dieses Istanbulaufenthalts nicht mehr wiederholen), erwischte aber meine Fähre nach Kadiköy trotzdem noch.

Ach Leute, das ist soooooooo toll, wenn die Fähre dann ablegt, man erst den Blick auf die Neue Moschee und die Süleymaniye-Moschee und die Blaue Moschee sowieso und die Hagia Sophia und den Topkapı-Palast und die Galatabrücke und den Galataturm und die Bosporusbrücke und ... Istanbul ist einfach schön. Seufz.

Die Fähre auf der ich war, hatte achtern auch ein sehr großes Sonnendeck, und auch wenn die Sonne heute nicht schien und es kühl war, wenn man im Wind saß, konnte man es dort hinten im Mantel ganz gut aushalten.

Wie so oft stieg ich nach dem Ausstieg in Kadiköy gleich wieder in die gleiche Fähre ein (eine Fährfahrt kostet im Moment so um die 60-70 Cent ...) und fuhr zurück nach Europa, diesmal allerdings nicht nach Eminönü, sondern nach Karaköy auf der anderen Seite des Goldenen Horns. Dort stieg ich in die Straßenbahn nach Kabataş und marschierte von dort ein paar Minuten weiter zum Dolmabahçe-Palast, eine der Sehenswürdigkeiten Istanbuls, die ich bisher immer vernachlässigt hatte.

Liebe Leute, ich bin so ein Riesenvolltrottel: Dieses Teil ist ganz außergewöhnlich toll, vor allem der erste Teil mit den administrativen Räumlichkeiten. Unfassbar, in was für einem Reichtum diese Sultans da gelebt haben, vergoldete Wand- und Deckenverkleidungen, fast mannshohe Vasen, riesige Teppiche (größer als das Apartment unserer Führerin ...), sehr, sehr beeindruckend. Am beeindruckensten ist der Zeremoniensaal ganz am Ende der Tour. Eine riesige Kuppel mit einem gefühlt noch riesigeren Kronleuchter (der Kronleuchter hängt aus statischen Gründen nicht an der Decke, sondern an einer gesonderten Konstruktion außerhalb des Gebäudes!), fantastische Deckenmalereien, nur leider darf man da nicht fotografieren ... Sehr schade.

Der Harem, ja, die Frauengemächer, sind auch nicht unbeeindruckend, aber nach diesem Monstersaal mit Monsterkronleuchter, naja, da kann der Harem abstinken.

Mir taten inzwischen die Füße weh, also machte ich das einzig Richtige, ich lief wieder zu einer Fährstation, diesmal die von Kabataş und fuhr wieder einmal Fähre. Jawoll, wieder rüber nach Kadiköy. Dort aß ich zwei asiatische Hühnchendöner für jeweils einen Euro, ehe ich mich gesättigt wieder nach Europa aufmachte.

Dort kaufte ich für meine Damen Pfeffer und Muskatnüsse ein, die ich anschließend im Hotel verstaute, nachdem ich unterwegs noch eine Portion Maronen gegessen hatte. Im Zimmer erholte ich mich ein Stündchen, ehe ich mich wieder ins Getümmel stürzte. Wieder die Straßenbahn runter nach Eminönu, wieder in die Fähre nach Kadiköy (zum dritten Mal heute, man sieht, mir macht das Spaß, Fähre zu fahren in Istanbul) und dort dann hoch in diese Fischrestaurantstraße.

Nach einmal Durchgehen und zurück (der große Vorteil dort ist, dass die Ober dich nur sehr dezent anquatschen) entschied ich mich für das vollste Restaurant. Das war eine sehr gute Entscheidung. Weniger gut war die Entscheidung, noch zwei Vorspeisen zu nehmen, obwohl ich eigentlich gar keinen so riesigen Hunger mehr hatte. Aber andererseits, die gefüllten Weinblätter und der eingelegte Fisch war sehr, sehr lecker. Ebenso schmackhaft war der frische, gebratene Fisch, den ich als Hauptgang verzehrte und mit zwei großen (großen - also 0,7 l) Efes herunterspülte. Um die Völlerei zu vollenden, nahm ich noch einmal Künefe als Nachtisch.

Den Weg runter zur Fährhaltestelle nahm ich rollend in Angriff, ich fuhr nach Karaköy, stieg dort in die Straßenbahn ein, machte einen letzten Abstecher zu Hagia Sophia und Blauer Moschee und ging dann ins Hotel.

Ein schöner Tag war das, ein toller Tag, mir tun die Füße weh, ich habe leichten Sonnenbrand, Istanbul, ich liebe dir.

Freitag, 19. Februar 2016

Yedi

... heißt "sieben" auf Türkisch, und das wird mein siebter Aufenthalt in Istanbul. Bei jedem Aufenthalt will ich eine neue Zahl auf Türkisch lernen, und nach bir (2004), iki (2008), üç (2009), dört (2012), beş (2014), altı (2015) kommt jetzt halt yedi. Müsste man sich einfach merken können, wenn die Macht mit einem ist ...

So, nun erst eine musikalische Einlage:

Oh Istanbul, du schöne Stadt, du schöne Stadt am Meer,
ich mag dich so, manch einer sagt, ich liebte dich so sehr.

So weit, so gut, das hatte ich schon Ende Februar des letzten Jahres gedichtet, als ich auf dem Heimweg aus Kuwait eine kurze Stippvisite (einmal Fährefahren) in Istanbul eingelegt hatte. Doch damals war es ein Abschiedsliedchen, jetzt ist es von Vorfreude geprägt:

Oh Istanbul, du schöne Stadt, mein Herz, das jauchzt und singt,
weil ich mich freu', was der Besuch in dieser Stadt so bringt.

Schlafmangel kann dieses Mal nicht so richtig als Ausrede herhalten, auch wenn ich die ablaufende Woche ein bisschen weniger als die vertragliche Arbeitszeit gearbeitet habe. Naja, die Freude auf Istanbul halt ...

Meine Kollegen, von denen jeder, der es hören wollte, und jeder, der es nicht hören wollte, mitbekommen hat, dass ich heute nach Istanbul fliege, waren eher besorgt. Der Jockel fragte sofort, ob's da denn sicher sei, aber mein Mantra lautet ja, dass einem immer und überall was passieren kann.

Jedenfalls sitze ich jetzt schon viel zu früh am Gate, weil hier der Abflugbereich Z am Frankfurter Flughafen superleer war. Die Passkontrollmaschinen waren leider außer Betrieb, sodass ich zu einem richtigen Grenzer musste - Saftladen. An der Sicherheitskontrolle überwog die Zahl der Kontrolleure die der zu Kontrollierenden um ein Vielfaches, sodass mein erster Aufenthalt im Bereich Z nicht unbedingt von Menschenmassen getrübt war.

Mein Flieger geht um 19.45 Uhr, um 23.40 Uhr Istanbuler (22.40 Uhr deutscher) Zeit bin ich dann da, werde wohl erstmal Geld abheben und mir danach einen Taxifahrer suchen, der mich hoffentlich nicht bescheißt. Meine Istanbulcard wird morgen erstmals eingesetzt werden, wenn ich mit der Straßenbahn runter zur Fähre fahre oder so ...

Ich habe eben geguckt, morgen ist auch ein Fußballspiel, Kasımpaşa spielt zuhause im Recep-Tayyip-Erdoğan-Stadion ein Spiel der Süper Lig aus. Das Ganze findet schon um 13.30 Uhr Istanbuler Zeit statt, ich werde morgen spontan entscheiden, ob ich da hingehe oder ob mir eine Fährfahrt lieber ist ...

Ich will zwar nicht zu viel Sightseeing betreiben, aber es gibt noch mindestens zwei Sehenswürdigkeiten, die ich in diesen sechs mehr oder weniger langen Aufenthalten (von vier Stunden bis einer Woche) in Istanbul immer wieder verpasst habe: den Dolmabahçe-Palast und die Süleymaniye-Moschee. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich zumindest einen dieser beiden Orte aufsuchen werde.

Sonntag, 14. Februar 2016

Mid-February catch-up

In einer Woche um diese Zeit bin ich wahrscheinlich schon fast wieder zuhause in Wiesbaden ...

Ich freue mich schon wieder sehr auf eine meiner drei Lieblingsstädte, denn in 120 Stunden bin ich auf dem Weg nach Istanbul. Wahrscheinlich muss ich am Freitag Abend mit dem Taxi ins Hotel fahren, weil ich erst um 23.40 Uhr lande und die Bahnen ab Mitternacht nicht mehr fahren, aber das werde ich überleben ...

Am Samstag und Sonntag werde ich einfach ein entspanntes Wochenende machen, ein bisschen die Stadt genießen, nicht ganz so viel vor dem Fernseher und dem Rechner sitzen wie sonst am Wochenende, ein bisschen Aktivurlaub tut mir auch mal gut, denke ich. Meine Ma hat mich dorthin geschickt, wo der Pfeffer ... zu kaufen ist, mal sehen, ob das im Gewürzbasar wirklich günstiger ist als in Deutschland.

Mit meiner Kollegin muss ich wegen Mittelamerika im Mai so langsam mal zu Potte kommen ... Die aktuelle Reiseplanung, die ich mir so vorstelle, besteht aus dem Flug von Amsterdam über Madrid nach San Salvador, von dort soll es mit dem Bus nach Antigua Guatemala gehen, dort Sightseeing, danach mit dem Bus nach Honduras an die Copán-Ruinen. Von dort würde es dann zurück nach Flores gehen, von wo aus es einen Tagesanflug nach Tikal geben wird. Am darauffolgenden Tag könnte es nach Belize an den Strand gehen und dann irgendwann in diesen Tagen - wenn ein Schnellboot fährt - wieder zurück nach Guatemala. Am letzten Tag gäbe es dann die Rückreise nach El Salvador und den Heimflug nach Hause. Hört sich gut an für mich.

Für das südliche Afrika im September steht jetzt erstmal die Reiseplanung auch. Meine Mitreisende muss aber noch grünes Licht geben, außerdem sollen ja Flüge nach Afrika erst etwa zwei Wochen vor Abflug am günstigsten sein - und im Moment sind die Flüge noch ziemlich teuer. Mal sehen, ob wir uns da trauen zu pokern ...

Meine Ma und ich saßen gestern beim Mittagessen zusammen und überlegten, wo wir denn über Weihnachten - nein, nein, 2016, nicht 2021 - hin wollen. Da Weihnachten dieses Jahr extrem bescheiden liegt - arbeitstechnisch -, wird es allenfalls eine Stippvisite werden. Für Madrid kriegt man Flüge für 81 Euro hin und zurück, aber in Madrid über Weihnachten was zu essen zu krigen, könnte natürlich eine Herausforderung darstellen. Für Tiflis und Tel Aviv sind die Flugzeiten leider ziemlich doof, mal sehen, wo es uns hinverschlägt. Lustig wird bestimmt wieder.

Sonntag, 24. Januar 2016

Spontane Schnapsideen

... sind die schönsten. Wobei, gibt es eigentlich unspontane Schnapsideen?

Sei's drum. Als ich heute Morgen aufwachte, fiel mir plötzlich wie Schuppen von den Augen, dass ich nach Istanbul muss. Bald. Sehr bald.

Nun, eine Stunde nach dem Aufstehen (hey, es ist Sonntag, da darf man mal bis 10 Uhr schlafen) habe ich jetzt gebucht: Am 19. Februar fliege ich abends nach der Arbeit mit der Lufthansa nach Istanbul und komme dort kurz vor Mitternacht an. Danach wird es wohl mit dem Taxi ins Hotel gehen (Hotel muss ich noch buchen). Und dann habe ich den ganzen Samstag und den Sonntag Morgen, bevor ich dann am späten Nachmittag zurückfliege und um halb acht wieder in Frankfurt bin.

Meine Ma hat sich inzwischen an meine Spinnereien gewöhnt und sich in ihr Schicksal ergeben, meinen Bruder wollte ich eben vorwarnen, aber diesmal ging er nicht ans Telefon (normalerweise höre ich seine Anrufe nicht ...).

Jaja, wie kann man denn jetzt - jetzt?! - nach Istanbul reisen? Die Antwort nach Thorsten Legat wäre "mit dem Flieger immer Balkanroute runter". Ich bin zu sehr Mathematiker, als dass ich es für wahrscheinlich hielte, von einem Terroranschlag getroffen zu werden - sowohl in Istanbul als auch sonstwo. Natürlich kann immer was passieren (ich könnte zum Beispiel auch im Lotto gewinnen, okay, jedenfalls dann, wenn ich spielen würde), aber das ist für mich kein Grund, eine Weltmetropole wie Istanbul nicht mal wieder zu besuchen. Im Gegenteil, bei gerade einbrechenden Touristenzahlen fühle ich mich irgendwie ein kleines bisschen verpflichtet, einer meiner Lieblingsstädte "beizustehen", und wenn es nur mit einem Kurzbesuch ist. (Dass der Flug gerademal 110 € kostete, machte die Entscheidung natürlich noch einfacher ...)

Fährefahren zwischen Europa und Asien, Fischdöner, Tünelfahren hoch in die İstiklal, Schlendern über den Großen und den Gewürzbasar, auf der Brücke übers Goldene Horn lecker Bierchen trinken, ach Istanbul, das wird schön ...

Donnerstag, 21. Januar 2016

Dr Livingstone, I presume

Zwar habe ich im Moment nicht vor, nach West-Tansania zu reisen, wo Henry Morgan Stanley David Livingstone angeblich mit diesen berühmten Worten begrüßte, nichtsdestotrotz werde ich - wenn alles läuft wie es soll - im September im nach Herrn Livingstone benannten Ort in Sambia in der Nähe der Victoriafälle weilen.

Ich habe heute nach Absprache mit meinen Kollegen die Zeit vom 3. bis 17. September in den Urlaubsplan eingetragen. Im Moment ist mein Plan, am Abend des 2. September von Frankfurt abzufliegen und am 3. September in Lusaka in Sambia zu landen.

Die ersten paar Tage dürften im Zeichen der Victoriafälle stehen, die im September von der sambischen Seite nicht so toll sein soll. Dafür kann man sie angeblich in Simbabwe ganz gut sehen (was sonst wegen der Gischt bei Hochwasser kaum möglich ist). Außerdem kann man möglicherweise im "Devil's Pool" schwimmen, nur wenige Meter von der Abbruchkante der Fälle entfernt. Mal gucken, ob man das schon darf, wenn ich da bin, und ob ich mich dann wirklich traue ...

Danach dürfte es für einen oder zwei Tage in den Chobe-Nationalpark in Botswana gehen. Die Trockenzeit könnte dann natürlich ganz schön sein, um ein paar Viecher zu beobachten.

Die zweite Woche möchte ich dann gerne in Namibia verbringen, in Swakopmund am Strand und am Schluss noch einen oder zwei Tage in Windhuk.

Doch, das klingt ganz gut. Mal sehen, wann ich buche. Angeblich sind Flüge nach Afrika am günstigsten, wenn man erst zwei Wochen vor Abreise bucht. Ob ich dafür die Nerven habe, ist fraglich ... Mal sehen, wie das läuft.

Jedenfalls ist jetzt Sambia, Botswana und Namibia in der Karte oben orange markiert. If and when ich gebucht habe, wird das natürlich auch hellgrün werden.

Morgen spreche ich mit meiner Kollegin dann auch wegen Mittelamerika, damit wir das dann hoffentlich wirklich bald buchen können.

Die Reiseplanung 2016 nimmt nun weiter Gestalt an. So soll es sein ...

Dienstag, 12. Januar 2016

Nix Cuba Libre

Stimmt, hab schon lang keinen mehr getrunken ...

Meine Reisegesellschaft für Kuba hat mir heute gesagt, dass sie sich umentschieden haben und jetzt drei Wochen nach Südafrika gehen. Drei Wochen sind für meine Reiseplanung aber zu viel und die halbe Rundreise, die in dem Katalog drinsteht, enthält Johannesburg, den Krüger-Nationalpark, Swasiland und Durban ... Wer diesen Blog schon im Juni 2010 gelesen weiß, dass meine Ma und ich genau dort waren.

Ich habe daher den Freunden für Südafrika abgesagt, auch wenn ich sie um Kapstadt ein bisschen beneide. Aber da komme ich irgendwann auch nochmal hin, denke ich ...

Kuba ist oben in der Karte nun wieder grau, weil ohne diese Freunde Kuba nicht mehr ganz oben auf meiner Liste steht. Die zehn Tage Urlaub, die nun wieder "freiwerden", werde ich woanders verbringen.

So ein paar Tage für ein verlängertes Wochenende in Istanbul (ja, trotz des Anschlages heute) oder in Tel Aviv oder sonstwo, das klingt doch schonmal ganz gut ...

Ich habe noch gar nicht berichtet, dass ich meine letzte Aktuarprüfung bestanden habe und mich daher wohl ab nächster Woche "Aktuar (DAV)" schimpfen darf. Das gehört nur indirekt in diesen Blog, aber es gehört hier rein, weil ich dieses Jahr dann noch ein paar andere Prüfungen ablegen werde, für die ich aber von meinem lieben Arbeitgeber einen Tag Sonderurlaub bekomme.

Insgesamt habe ich damit dieses Jahr 31 Tage Urlaub, sieben gehen für die Prüfungsvorbereitung drauf, sodass ich 24 Tage verbraten kann.

Senegal und Gambia im März kosten mich fünf Tage. Dazu kommen die zwei Wochen im Mai, die schon mit den meisten Kollegen abgesprochen sind und die mit der Arbeitskollegin in Mittelamerika verbracht werden sollen. Die kosten mich aber nur sieben Urlaubstage, weil Pfingsten und Fronleichnam da sehr praktisch liegen.

Insgesamt kann ich also noch für zwölf Tage planen. Da findet sich bestimmt noch das eine oder andere neue Land ...

Samstag, 2. Januar 2016

Sweet Home Black Forest

So, meine Ma und ich sind nach ziemlich ereignisloser und somit entspannter Fahrt gestern wieder im Schwarzwald eingetroffen.

Abgesehen davon, dass wir in Frankreich und vor allem in der Schweiz bei Einhalten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ein einziges Verkehrshindernis waren, war alles gut.

Doch, uns hat es in Südfrankreich sehr gut gefallen, da könnte man in absehbarer Zukunft mal wieder hinfahren.

Die Feierlichkeiten zu unserer gesunden Rückkehr gestern Abend und heute Mittag haben mich ein wenig in Beschlag genommen, sodass dieser Blogeintrag jetzt nicht so sonderlich ergiebig ist. Sorry.

Jedenfalls war der gestrige Tag der vierte 1. Januar in Folge, an dem ich in Frankreich war ...

Schön war's ...

Und in zehn Wochen geht es schon wieder in den Senegal ...

Freitag, 1. Januar 2016

C'est pour moi Buchhaltung

Gelegentlich haut meine Ma Sprücher aus, dass ich selbst dann lachen muss, wenn ich gar nicht dabei war ...

Achso, und ich muss das Zitat meines Kollegen von gestern korrigieren. Er klärte mich über Facebook darüber auf, dass der Terminus technicus "gestörtes Kind" heißt. Sorry für das Falschzitat ...

Ich kam am Silvestermorgen einigermaßen aus dem Bett, auch wenn das alte (Arbeits-)Jahr im Sherry & Port angemessen verabschiedet worden war, und saß im Bus um 6.59 Uhr zum Hauptbahnhof. Gegen 7.45 Uhr war ich am Flughafen, die Sicherheitskontrolle ging schnell, auch wenn die Kontrolleure heute (noch?) humorloser als sonst waren, und schon saß ich am Gate. Wir verließen pünktlich die Parkposition und um 10.15 Uhr waren wir tatsächlich in Marseille gelandet. Wieder ging es durch die Passkontrolle (den Wutanfall über die französischen Behörden erspare ich mir heute).

Das Busticket war schnell gekauft, danach führte ich unabsichtlich einen Mann in die Irre, der mit irgendwas mit "St-Charles", also dem Bahnhof von Marseille fragte, der Ziel unseres Busses war. Ich brachte alle Französischkenntnisse auf, die mir zur Verfügung standen, und sagte: "Oui, ici." ("Ja, hier."). Leider hatte er mich nach der Verkaufsstation der Bustickets gefragt und - glücklicherweise - an meiner Antwort gemerkt, dass ich nur - haha, unbeabsichtigtes Monsterwortspiel - "Bahnhof" verstanden hatte ... Übel nahm er es mir nicht.

Ich kam an im Hotel, nachdem ich in die Métro und den Bus Nr. 44 umgestiegen und an den altbekannten Haltestellen wie dem "Lycée Daumier" vorbeigefahren war (ich sah auch einen älteren Herrn wieder, der offenbar regelmäßig die 44 benutzt ...). Meine Ma war nicht perdu gegangen, sodass wir  uns in der Hotellobby begrüßten. Es standen noch irgendwelche T-Shirts und Longdrinks auf der Zimmerrechnung, die meine Ma aber schon wegverhandelt hatte. Dabei hatte sie ihre ganze Zettelwirtschaft mit Belegen ausgepackt und den in der Überschrift zitierten Spruch gebracht. Ich kann mir vorstellen, dass da allgemeines Gelächter in der Rezeption herrschte ...

Wir hatten noch viel Zeit bis zu unserer Silvestereinladung; so fuhren aus dem Hotel heraus und noch einmal an der Corniche vorbei, ehe wir nach einer mittelprächtigen und nur halbwegs freiwilligen Stadtrundfahrt in Marseille auf die Autofahrt in Richtung Cannes/Nizza/Monaco kamen. Vorweg: In Monaco waren wir nicht. Wir fuhren in Cannes von der Autobahn, verfuhren uns zunächst, kamen dann in Cannes in Richtung Croisette und fuhren am Meer entlang. In Antibes entdeckten wir einen Libanesen mit tollem Blick aufs Meer und - noch wichtiger - durchgehender Küche (es war schon 15 Uhr), bei dem wie eine arabisch-mediterrane Kleinigkeit aßen.

Zurückmarschmarsch in Richtung Aix-en-Provence. Gegen 18.45 Uhr kamen wir ins Örtchen, in dem wir eingeladen waren, schauten schon einmal, ob wir den Weg zu unseren Gastgebern finden (die mussten noch arbeiten), und fuhren dann die wenigen Minuten zurück ins Dörfchen. Dort hatten wir zwei Bars gesehen, und in die eine stolperten wir.

Zunächst wurden wir kritisch beäugt von den Einheimischen, von denen etliche schon, nunja, im Rheinland würde man sagen, "einen gesoopen hatten" (oder auch zwei, drei, vier ...). Einer sprang laut schreiend von der Theke und riss dabei einen Teil der Lichterkette herunter, aber alle lachten - uns eingeschlossen. Plötzlich spielte der Wirt die Marseillaise, und naja, man steht halt auf, wenn im Gastland die Nationalhymne gespielt wird. Wir wurden gefragt, wo wir herkamen; auf unsere Antwort hin wurde die deutsche Hymne gespielt. Am Ende lud uns ein Franzose noch zu einem Getränk ein, weil es sein "Herz berührt" habe, als wir bei seiner Nationalhymne aufgestanden waren. Alles richtig gemacht, würde ich sagen ... (Außer, dass mein Handy-Akku dann irgendwann versagte und ich nicht mehr mit unserer Gastgeberin kommunizieren konnte ...)

Wir fanden unsere Gastgeber dann doch erst auf den dritten Hieb und mit Taschenlampen-Unterstützung des gastgebenden Monsieurs, die Begrüßung - ich hatte die Leutchen schon ein, zwei Jahre nicht gesehen - war toll.

Und dann, liebe Leute, ging das Gelage los: Wir waren zu siebt (plus Kind), aber das Essen hätte für eine Polizei-Hundertschaft nach einem Großeinsatz gereicht. Es gab Seeigel (hatte meine Ma schon am Montag probiert und geschwärmt, schmeckt - auf den zweiten Bissen - wirklich sehr lecker), Austern, Carpaccio, Foie gras, Langustencocktail, Lachs. Und das war erst die Vorspeise! Danach - ich war schon völlig gesättigt - kam auf einmal ein Riesenhuhn auf den Tisch, von dem jeder natürlich auch noch eine Portion bekam, mit leckerer Soße. Es war toll. Dass es danach noch Kuchen gab (ebenfalls leckerst), versteht sich angesichts der "gestörten Kinder" von Gastgebern fast von selbst. Beim Käse haben sie dann eingesehen, dass es nicht so lustig wäre, wenn einer von den Gästen, zuvörderst meine Wenigkeit, bei der es wirklich knapp war, platzt und sie die ganze Sauerei aufwischen müssen.

Silvester hätten wir vor lauter Essen fast vergessen, ich stand zwischendrin mehrfach draußen und brauchte Frischluft zur Erholung ...

Gegen 2 Uhr ging es in die Heia, ich war nach 20 Stunden rechtschaffen k.o.

Heute geht es - nach dem Frühstück, wenn ich überhaupt etwas essen kann in den nächsten Wochen, haha - wieder in Richtung Heimat. Morgen essen - schon wieder Essen? - wir mit meiner Ersatzoma und Freunden zu Mittag, und am 3. Januar fahre ich dann schon wieder zurück nach Hessen.