Meine Länder

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Länder in dunkelgrün wurden bereits besucht, Länder in hellgrün sind fest geplant, Länder in orange sind in vorläufiger Planung für die nächsten zwölf Monate, Länder in dunkelgrau wurden nur im Transit besucht, Länder in gelb sind für einen Transit fest geplant.

Sonntag, 3. Mai 2015

Einfach nur faul

... waren wir gestern, sodass ich sogar den Blogeintrag habe hintenrunter fallen lassen.

Wir gingen schwimmen, sicherten uns dann zwei Strandstühle unter einem Pavillon (für jeweils 6 Schekel das Stück, also etwa 1,40 €) und fingen an zu lesen. Ich holte uns dann zwei Schawarma und zwei Kaltgetränke in Flaschen (was eigentlich verboten ist, die Polizei hat nachher ein paar Leute mit einer Schnapsflasche ziemlich angepflaumt, was aber auch mehr am Schnaps als an der Flasche liegen könnte ...), die wir genüsslich verzehrten.

Wir gingen nochmal schwimmen, ich las zwei Jerry Cottons. Schöööööön. Schreibe ich zwar jeden Tag hier, ist aber so - schööööön.

Zwischendurch ging ich mal kurz aufs Zimmer und half vier Jungs, indem ich ihnen - am Sabbat - den Wasserkocher anschaltete, was sie nicht tun wollten/konnten/durften/whatever. Busse fuhren übrigens keine gestern und der Autoverkehr war merklich verringert, sonst hat man - abgesehen von wenigen geschlossenen Restaurants - hier in Tel Aviv überhaupt nichts vom Sabbat gemerkt. In Jerusalem dürfte das deutlich anders ausgesehen haben.

Man merkt, der Tag war nicht sonderlich strukturiert, weil wir einfach nur am Strand waren und zwischen unserem Pavillon, dem Meer und dem Falafel-Mann hin- und herpendelten.

Trotz Schatten und viel Cremerei entschieden wir uns dann ob zunehmender Rotbräune, so gegen 14 Uhr das Zimmer aufzusuchen. Nach Wiederherstellung der Ausgehfähigkeit machten wir genau das: Ausgehen.

Wir marschierten zu Mike's Place und fragten, ob sie Bundesliga zeigen. Nope. Dann ging's zu Molly Bloom's Pub, die zeigten auch keine Bundesliga. Wir hatten jetzt schon wieder ein Hüngerchen, ließen uns also trotzdem bei Molly nieder, aßen lecker Roastbeef und Corned Beef und panierte Pilze. Hmmmm. Dazu tranken wir stilles Wasser, klar.

Auf dem Heimweg guckten wir nochmal bei Mike's Place vorbei, weil die wenigstens die Bayern zeigen wollten, da war aber der "satellite down", sodass wir es bei zwei stillen Wassern beließen und heimwegs gingen.

Der Blick auf das abendliche Tel Aviv-Jaffa, auf die Strandpromenade: Immer, wenn ich in Istanbul bin, denke ich, Istanbul ist meine Lieblingsstadt; immer, wenn ich in Tel Aviv bin, denke ich das von Tel Aviv. Einfach schön.

Jetzt ist es gleich 8 Uhr hier, wir gehen auf alle Fälle gleich schwimmen. Vielleicht wäre es nicht ganz so clever für mich, den Tag nochmal am Strand zu braten, vielleicht fahre ich tatsächlich nochmal hoch nach Jerusalem. Mal gucken, entscheide ich gleich während des Duschens sehr spontan.

Strandpromenade

Strand

Freitag, 1. Mai 2015

Röcke

... viele Röcke und viele schwarze Anzüge haben wir heute gesehen, denn wir haben eine Stippvisite nach Jerusalem unternommen.

Gestern Abend bekam ich noch einen ziemlichen Schreck, weil ich, als ich mein Handy auf das israelische Netz freischaltete, auf einmal zwei SMS bekam, dass wir unsere Fahrräder nicht ordnungsgemäß zurückgegeben hätten. Ohje. Ich zog mich also schnell an, ging runter an den Stand, wo wir die Fahrräder abgegeben haben, keine Fahrräder mehr da. Mist! Aber wenigstens kam ich auf die Idee, zu gucken, ob ich neue ausleihen kann (weil man nur neue Fahrräder ausleihen kann, wenn man die alten abgegeben hat). Das ging, sodass ich nun davon ausgehe, dass die SMS sich auf doch schon abgeschlossene Ausleihvorgänge bezogen, in denen wir drei Sekunden später die Fahrräder "richtig" abgegeben haben. Trotzdem war das ein ganz schöner Schreck.

Gut schlafen konnte ich trotzdem, da ich - wie meine Ma - ziemlich k.o. war. Weil wir gestern früh ins Bett gegangen waren, waren wir heute Morgen entsprechend früh wach. Auf in die Fluten, die ebenso wie gestern Abend durchaus wellig waren. Soooooooooo schön. Speziell, wenn man dann vom Meer oder vom Strand aus diesen fantastischen Blick auf Alt-Jaffa hat. Meine Ma versteht inzwischen, wieso ich so begeistert von Israel im Allgemeinen und Tel Aviv im Besonderen bin.

Nach dem Duschen gingen wir zu unserer Bushaltestelle, verpassten den ersten Bus zum Busbahnhof, weil der Kassierer im Supermarkt, in dem ich zwei Flaschen Wasser kaufte, unglaublich, wirklich unglaublich langsam war, aber erwischten dann wenigstens den zweiten Bus. Im labyrinthartigen Busbahnhof von Tel Aviv fanden wir die Verkaufsstelle für die Fahrkarten nach Jerusalem trotzdem recht schnell (und auch einen Verkaufsstand von sehr leckerem Brot und leckeren Teilchen, der ganz speziell meine Ma begeisterte) und ab ging die einstündige Fahrt durch ein zunächst flaches fruchtbares, danach hügeliges recht bebautes Gebiet. Als unser Busfahrer sein armes Gefährt ziemlich bergauf quälte, waren wir fast schon in Jerusalem und hatten unterwegs ein Zipfelchen des Westjordanlandes, zumindest in den Grenzen von 1967, durchfahren. Merken tut man das nicht.

Am Busbahnhof in Jerusalem stiegen wir aus und sprangen Minuten später in die Buslinie 1, die uns - auf Umwegen - direkt zum Eingang zur Klagemauer fuhr, die eigentlich einfach nur "Westmauer" heißt, weil die Juden an der Mauer keineswegs klagen, sondern einfach nur beten. Sei's drum. Wie schon vor zwei Jahren ist die Westmauer sehr, sehr, sehr beeindruckend. Meine Kippa kam mal wieder zum Einsatz, aber ohne Schirmmütze war die Sonne zu drückend, mit Kippa und Schirmmütze war's zu warm, sodass ich am Ende nur mit meiner Sparkassen-Schirmmütze durch die Gegend lief. War ja auch eine Kopfbedeckung ...

Nach dem Besuch an der Westmauer liefen wir ein wenig durch die Altstadt von Jerusalem, die zur Mittagszeit am Freitag recht leer war: Viele (muslimische) Händler und viele (muslimische) Käufer waren offenbar zum Mittagsgebet, sodass da kaum Gedränge war: sehr angenehm. Ebenfalls sehr angenehm war, dass die (wenigen) Händler einen dann auch nicht doof von der Seite anquatschten, sondern in Ruhe gucken ließen. Meine Ma kaufte zu akzeptablem Preis eine kleine blau-weiße Schale, eher wir wieder zurück zur Klagemauer gingen.

Den heutigen Tag hatte ich als Ausflugstag wieder einmal extrem clever gewählt, weil man am Freitag nicht auf den Tempelberg kommt, weil das Freitagsgebet auch in Jerusalem am Freitag stattfindet. Illigenzbestie, ich ...

Naja, vielleicht fahre ich für 4,50 € pro Strecke am Sonntag nochmal hoch nach Jerusalem, man ist ja in einer Stunde von Busbahnhof zu Busbahnhof, das kann man schon mal machen.

Wir fuhren wieder vom Dungtor zurück zum Busbahnhof und fuhren wieder - wie auf dem Hinweg - durch Viertel, in denen eine beachtliche Anzahl von orthodoxen Juden lebt: Ich habe erst in der Innenstadt die erste Frau mit einer Hose gesehen, ansonsten trägt da jede, aber wirklich jede Frau, einen Rock, der zumindest die Knie bedeckt. Männer ohne Kippa sind genauso rar gesät wie Frauen in Hosen, denn fast jeder trug diese orthodoxe Standarduniform aus weißem Hemd und schwarzer Hose, viele dazu ein schwarzes Sakko oder gar einen Mantel; jeder trug natürlich eine Kippe oder einen dieser breitkrempigen Hüte, sehr viele auch Schläfenlocken. Hallo, ich bin in Jerusalem! Es ist aber manchmal ziemlich lustig, einen Zehnjährigen in diesen Klamotten zu sehen, das sieht dann wirklich ein bisschen übertrieben aus, aber wem's gefällt ...

Die Central Bus Station von Jerusalem ist nicht ganz so labyrinthartig wie die von Tel Aviv, sodass wir relativ schnell die Ticketstation und dann auch den Ausgang zum Bus nach Tel Aviv fanden. Wieder waren wir eine gute Stunde unterwegs, und diesmal sanken unsere Köpfe auch ab und zu gen Scheibe.

Von der Bushaltestelle an der Allenby-Straße ging es schnurstracks in Richtung Strandkneipe, schließlich hatten wir Hunger und Durst. Lecker Schawarma und lecker Tintenfisch wechselte den Besitzer, dazu gab's Hopfenkaltschalen in jeweils doppelter Ausführung, und der Blick auf den Strand gab's dazu, zwar nicht gratis, aber fast. Ach Leute, Tel Aviv ist einfach soooooooo schön. Und daran ändern auch die vielen französischsprachigen Menschen, die um einen herum sitzen, nichts ...

Ich führte meine Ma zum Schluss dann noch zu Molly Bloom's, einem Irish Pub in der Nähe des King-David-Hotels, wo wir noch einen Absacker zu uns nahmen, ehe wir jetzt wieder - für Tel Aviv relativ früh - im Bettchen sind.

Morgen ist Sabbat, also nix da mit Irgendwohinfahren, also ganz in Ruhe faulenzen. Wird auch toll.

Jetzt noch ein paar Fotos:
Strand in Tel Aviv

Blick auf Jaffa

In der Altstadt von Jerusalem

Blick auf die Westmauer (Klagemauer), rechts im Bild die Al-Aksa-Moschee

Donnerstag, 30. April 2015

Fertig mit der Welt

... bin ich, aber es war so schön heute.

Meine Ma war auch erst so gegen 9 Uhr wach, sodass wir uns um 9.45 Uhr - ich ungeduscht - aus der Wohnung begaben und an den Strand gingen. Heute gab es sogar eine weiße Flagge am Strand, das heißt, es waren Bademeister da und es herrschte Schwimmerlaubnis. Schööööööööön. Obwohl wir nur ein paar Minuten im Wasser waren, holte ich mir - wie ich heute Abend feststellen mussten - einen leichten Sonnenbrand. Naja, ich Flachlandtiroler bin wohl noch nicht so an die Sommersonne gewöhnt, denn hier ist es zwar nicht heiß, aber durchaus sehr angenehm warm.

Danach ging es duschen und anschließend zum Schawarma-Mann bei uns auf der Straßenecke zum Mittagessen. Meine Ma verspeiste leckeres Schawarma (sowas wie ein Döner), ich ein sehr schmackhaftes Falafel (Kichererbsen-Bällchen im Fladenbrot). Wirklich sehr lecker, auch wenn wir da wieder feststellen mussten, dass Tel Aviv nicht gerade billig ist.

Ebenfalls nicht billig waren die, öhem, drei Biere, die wir am Strand verspeisten, zusammen mit ein paar Calamari, die wir tranken. Aber auch hier muss man natürlich sagen, dass man das Flair, am Strand zu sitzen, den Leuten beim (Sonnen-)Baden zugucken zu können und einfach Urlaub zu machen, durchaus mitbezahlt, und zwar nicht zu knapp. Sei's drum. Vielleicht geht's morgen wieder dorthin ...

Wir speisten ein Eis (von dem ich nicht mehr ganz so begeistert war wie von dem an gleicher Stelle vor zwei Jahren) und mieteten uns dann eines dieser Tel-Aviv-Fahrräder. Mit dem ersten Rad wäre ich gepflegt auf die Schnauze gefallen, weil das Ding nach ein paar Metern ohne Vorwarnung bremste, aber da ich es erstmal ein paar Meter über die Ampel schieben musste, bemerkte ich diese unbedeutende technische Schwäche und konnte das Teufelsding umtauschen.

Naja, und dann fuhr ich erstmals seit zwei Jahren wieder Fahrrad. Sagen wir so, ich schwitzte ein kleines bisschen, aber nicht völlig übertrieben, als wir in Alt-Jaffa ankamen. Wir machten, weil wir inzwischen merkten, dass wir vom ganzen Nichtstun heute ziemlich k.o. waren, nur einen kurzen Bummel über den weltberühmten, aber jetzt schon im Schließen begriffenen Flohmarkt von Jaffa, ehe wir uns zurückmachten und nach dem Kauf von Flüssigkeit schon sehr früh im Hotelzimmer verschwanden. Das Hotelzimmer wird heute nicht mehr, dafür aber morgen recht früh für den Weg zum Strand verlassen. Mal sehen, ob es dann doch morgen nach Haifa geht oder ob wir drei Tage am Stück faul in Tel Aviv herumlungern.

Wir hören gerade den Fliegern über uns beim Landeanflug zu und werden heute offenkundig nicht mehr sehr alt. Ich werde morgen berichten ...

El Al-les gut

Boah, sorry für dieses "Wortspiel", aber nach dem grandiosen, hochverdienten, gar nicht vom Schiedsrichter oder irgendwelchen Stollen abhängigen Sieg des BVB gestern und den zwei Bier in Mike's Place heute Abend kriege ich es nicht besser hin ...

So, ich war die letzten zweieinhalb Tage betrieblich in Würzburg; hat Spaß gemacht. Heute Nachmittag fuhr mich eine Kollegin dann an den Frankfurter Flughafen, wo meine Ma und ich uns - nach einigen Wirrungen - schließlich gefunden haben. Da war es 15.15 Uhr. Unser El-Al-Flug ging um 19.30 Uhr, die El Al empfiehlt, vier Stunden vor Abflug am Check-in zu sein. Diese Empfehlung kann man - zumindest in Frankfurt - getrost vergessen: Dreieinhalb Stunden vor Abflug kommt so langsam mal der Sprengstoffsuchhund mit seinem Herrchen, dreieinviertel Stunden vorher kommt dann die Polizei (mit so richtigen Gewehren im Arm und Blick von oben, dass da ja kein Attentäter unerschossen reinkommt) und drei Stunden vorher fangen die Leutchen von El Al dann mit dem Check-in an.

Der Check-in war völlig harmlos. Ja, die fragen (wie viele Ami-Fluggesellschaften) ab, ob wir den Koffer selbst gepackt haben (ja!) und Päckchen von sonstwem dabeihaben (nein!). Unsere Antwort auf die Frage, wohin wir zuletzt gemeinsam unterwegs waren (Kasachstan) sorgte für kleineren Aufruhr, aber nach drei, vier Minuten waren wir durch diese Sicherheitsbefragung durch. Have a nice flight.

Der eigentliche Check-in ist dann wie bei jeder anderen Fluggesellschaft auch.

Wir waren natürlich viiiiiiiiel zu früh dran, gingen aber trotzdem schon durch die Passkontrolle und versuchten dann erfolglos, einen der vielen aufgestellten, aber funktionsunfähigen Getränkeautomaten zu bestechen, doch zu funktionieren. Saftladen in Frankfurt!

Unser Gate war - natürlich - noch nicht offen, sodass wir uns mit Gummibärchen über Wasser hielten. Das Gate öffnete um 18 Uhr, die Kontrolle war so wie immer, nichts Besonderes, selbst das Duty-free-Parfüm meiner Mutter in der versiegelten Packung war - so soll es natürlich auch sein - überhaupt kein Problem.

Überraschenderweise wurde ich nicht einmal zur Sprengstoffkontrolle herausgezogen, sodass wir nach den finalen Bordkartenchecks entspannt gegen 18.30 Uhr am Gate saßen.

Liebe Leute, es kann ja sein, dass die mich dieses Mal nicht als potenziellen Gemeingefährder (alleinreisender Mann zwischen 20 und 45), sondern als komischen Kauz, der mit seiner Mama verreist (was übrigens, wie ich nicht müde werde zu betonen, sehr schön ist ...), behandelt haben. Und, ja, die Kontrollen sind - ein bisschen - strenger als bei anderen Fluggesellschaften. Aber Sorgen muss man sich - zumindest nach dieser Erfahrung - überhaupt nicht machen, mit El Al zu fliegen. Jedenfalls erschießen die einen nicht gleich, wenn man seine Antworten so schlecht "abgesprochen" hat wie wir ...

Es gab dann eine "Jüdische Allgemeine" vor dem Abflug, das Boarding war fix, die Maschine nicht mehr ganz brandneu (kein sitzeigenes Entertainmentprogramm), aber recht bequem (noch so schöne dicke Sitze), die Stewardessen und Stewards waren sehr freundlich und brachten ausreichend häufig Wasser, das Essen war ganz okay. Alles in allem kann man mit El Al sehr gut fliegen, vor allem, wenn der Preis stimmt.

Der Flug ging gefühlt leidlich schnell vorbei. Wir landeten gegen halb eins israelischer Zeit (halb zwölf des Vortages deutscher Zeit). Die Einreise ging nicht ganz so fix, vor allem, weil die die Zielgruppe umstellten (von Ausländer auf Israelis), als wir schon in der Schlange standen und die bekloppten Russen vor uns dann die ganzen Israelis vorließen. Wir wechselten die Schlange und kamen schnell voran.

Unsere Grenzerin beäugte unsere Pässe (meine Ma: Algerien, ich:Emirate, Oman, Katar, Bahrain) ziemlich lange, und ich hatte den Eindruck, dass sie überlegt, uns in die Spezialkontrolle zu geben, aber am Ende bekamen wir unsere Pässe zurück und waren damit - völlig unproblematisch - nach Israel eingereist.

Unser Gepäck kam auch bald, wir gingen durch den Zoll, hoben im dritten Versuch erfolgreich Geld ab und setzten uns dann ins Taxi zu unserem Hotel. Knapp 40 Euro ärmer waren wir, als wir dort ankamen, aber Israel ist halt nicht gerade billig, und Taxis in der Nacht schon mal gerade gar nicht. Unser Hotel ist eher ein Hostel, aber das Zimmer mit Bad ist in Ordnung, zumal wir dreißig Sekunden vom Strand weg sind.

Wir hielten uns nicht lange im Zimmer auf, sondern gingen zu Mike's Place neben der US-Botschaft, stellten uns zwei Goldstar rein und wurden dann rausgekehrt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal in einer der bekanntesten Kneipen Israels "last customer" wäre. Hat geklappt heute ...

Nun ist es hier 3.30 Uhr, ich sitze auf dem Bett und gleich schlafe ich. Morgen, so haben wir uns eben auf dem Heimweg entscheiden, wird ausgeschlafen und mal Urlaub gemacht. Nix Haifa, nix Jerusalem, sondern Strand in Tel Aviv und Jaffa. Das wird schön. Morgen. Äh, heute ...

Gute Nacht!

Mittwoch, 15. April 2015

Schön war's

... in der Bundeshauptstadt, auch wenn ich gesundheitlich ein paar Schrammen davongetragen habe. Aber das wird schon wieder werden.

Ein leckeres Abendessen gab es bei der Mutter einer der beiden Damen aus Thüringen, ehe wir relativ tot in unsere Betten fielen.

Nach gutem Frühstück am Samstag ging es ins Jüdische Museum, das hochinteressant war. Die Achsen des Exils und des Holocaust waren sehr beeindruckend, speziell der Holocaust-Turm, ein unbeheizter und kaum beleuchteter Turm mit glatten Betonwänden, in dem ich ein paar Sekunden alleine war, waren bedrückend und spannend zugleich.

Die Dauerausstellung ist sehr gut gemacht. Ich muss gestehen, dass ich über die deutsch-jüdische Geschichte im Mittelalter nicht so richtig wusste. Die Hochburgen Mainz, Speyer und Worms, aus denen die Juden schon im späten Mittelalter vertrieben wurden, müssen wirkliche Zentren der jüdischen Kultur in Mitteleuropa gewesen sein.

Es gibt aber - neben den Diskriminierungen, denen die Juden bis, naja, eigentlich bis vor wenigen Jahrzehnten und womöglich auch in Deutschland zum Teil noch heute unterworfen waren - auch viele heitere Teile der Ausstellung, sei es die Batman-Kippa, sei es der Automat mit koscheren Gummibären (die schmecken übrigens total anders als unkoschere Gummibären, vollkommen klar ...).

Wir aßen am Gendarmenmarkt bei einem zu teueren Italiener und machten uns dann zu Fuß auf zum Brandenburger Tor, das nach wie vor sehr schön ist. Ebenfalls schön finde ich, wie ich, glaube ich, schon einmal Ende 2011 hier im Blog geschrieben hatte, das Holocaust-Mahnmal. Das sahen offenbar auch die Gruppen von Schülern so, die auf den äußeren Stelen ein Picknick veranstalteten und im Stelenfeld zum Teil Verstecken spielten. Dass da nicht (mehr) von Ordnungskräften eingegriffen wird, finde ich gut.

Einem Besuch am Potsdamer Platz und dem Sony-Center folgte die Heimfahrt zum Abendessen. Danach ging es ins Kabarett in die "Distel" im Admiralspalast. Auch wenn nicht jeder Witz zündete, gefiel mir der politische Witz der drei Schauspieler sehr gut. Ich bekam zwar am Anfang gleich einmal - im wahrsten Sinne des Wortes - mein Fett weg (da passiert, wenn man in der dritten Reihe sitzt), aber selbst das war wirklich lustig.

Am Sonntag Morgen ging es dann vom Hauptbahnhof zu Fuß am Kanzleramt vorbei zum Reichstag, wo wir den Zugang zur Kuppel gebucht hatten. Die Sicherheitskontrollen sind ziemlich streng geworden im Vergleich zu damals, als ich zuletzt da war, aber der Ausblick von der Dachterrasse und aus der Kuppel auf Berlin ist und bleibt toll.

Ich verabschiedete danach meine Damen, verbummelte noch ein Stündchen am Alexanderplatz und fuhr dann auch mit dem Bus zurück zum Flughafen Tegel. Um 23 Uhr am Sonntag Abend war ich daheim.

Schön war's, anstrengend war's, toll war's. Berlin ist immer eine Reise wert.
Roboter, der die Tora schreibt, im Jüdischen Museum

Gendarmenmarkt

Brandenburger Tor

Holocaust-Mahnmal

Reichstagskuppel

Freitag, 10. April 2015

Berlin

So, jetzt sitze ich mal wieder am Flughafen (schööön ...) und warte auf meinen Flieger nach Berlin, der in knapp zwei Stunden aufgerufen werden sollte. Ich habe heute relativ früh Schluss auf der Arbeit gemacht und bin zum Flughafen. Ich habe mein (Hand-)Gepäck nicht geoffdroppt (oder wie man das grammatikalisch korrekt auf Deutsch ausdrückt), sondern bin mit Sack und Pack durch die Sicherheitskontrolle, um in Berlin nicht viel Zeit zu verlieren, während ich auf mein Gepäck warte.

Das ging ganz gut, wenn man davon absieht, dass ich zum zweiten Mal binnen neun Tagen zum Sprengstoffscreening rausgezogen wurde. Naja, als alleinreisender Mann zwischen 20 und 45 Jahren kann einem sowas wahrscheinlich mal passieren ...

In Berlin treffe ich mich mit zwei Freundinnen, die aus Thüringen anreisen, für ein hoffentlich schönes Wochenende. Ich bin sehr gespannt auf meine Bundeshauptstadt; ich war schon ein paar Jahre nicht mehr richtig in Berlin, da gibt es bestimmt wieder viel zu sehen.

"Öfter haben" könnte man den Notausgang. Das habe ich im letzten Post zweimal nacheinander geschrieben. Sorry dafür! Folgerichtig habe ich gestern unsere Plätze für die El-Al-Flüge nach und aus Tel Aviv gebucht: Sie liegen am Notausgang. Juchhe. Wir fliegen zwar nur vier, viereinhalb Stunden, aber trotzdem ist das sicherlich keine schlechte Sache.

Joa, und da ich jetzt am Flughafen sitze und Zeit habe (was ein ziemlich angenehmes Gefühl ist), kann ich auch noch ein paar Sätze zu Astana schreiben.

Astana war sehr beeindruckend, die Architektur war zum Teil direkt futuristisch, und sie hat mir sehr gut gefallen. Nun stehe ich ja eigentlich durchaus auf moderne Architektur und kann mir gerade nicht erklären, wieso es mir in Dubai am Anfang nicht so gut gefallen hat, aber vielleicht ist auch Dubai eine von diesen Städten, die ich ein zweites Mal besuchen musste, um mich an sie zu gewöhnen. Die Menschen dort sprachen zwar in der Regel nicht so gut Englisch und unser Russisch ist ja, wie der regelmäßige Blogleser weiß, eher berüchtigt als berühmt, aber trotzdem haben wir uns auch dort mit Händen, Füßen und - dank des fast überall verfügbaren WLANs - Google Translate ganz gut verständigen können: Astana ist halt als Verwaltungshauptstadt auf Expats eingestellt, und so waren wenigstens viele Speisekarten auch auf Englisch verfügbar.

Herr Nasarbajew, der Führer der Nation, taucht an allen möglichen und unmöglichen Stellen auf, und das liegt wahrscheinlich nicht nur daran, dass Ende des Monats die Präsidentschafts-"Wahl" dort stattfindet. Wahlkampf im eigentlichen Sinne gibt es nicht (wer würde denn gegen den großen Nasarbajew antreten wollen?), aber damit genug Leutchen zur Wahl gehen, wird halt daran erinnert ...

Der Busverkehr in Astana ist relativ gut organisiert, sodass man selbst als sprachunkundiger Ausländer dort ganz akzeptabel herumkommt, wenn man sich vorher ein bisschen informiert und eine der (vielen) Bushaltestellen erwischt, an denen ein Plan mit den Buslinien eingezeichnet ist. Über den Preis von 45 Cent pro Fahrt müssen wir ohnehin nicht sprechen; die Busse sind leidlich modern, nur manchmal leider überfüllt, aber eine U-Bahn vermisst man dort - jedenfalls noch - nicht. Und Arbeitsplätze gibt es im Bus auch genug: Es gibt den Fahrer und den allgegenwärtigen Schaffner, der den Fahrpreis abkassiert. Sprechen muss man mit dem ja nicht, weil alle Preise gleich sind. Passt schon.

Doch, auch nach dieser Reise gilt mal wieder: Schön war's, aber ein bissel kurz.

Montag, 6. April 2015

Notausgang

So, wir standen heute Morgen um 1 Uhr kasachischer Zeit auf, also um 21 Uhr gestern deutscher Zeit. Furchtbar. Dafür waren wir schon gegen 2 Uhr fertig und konnten auschecken. Meine Ma bekam vom Nachtdienst noch einen Kaffee, während ich meine Cola aus der Minibar noch bezahlte.

Ich hatte gestern vergessen, noch einzuchecken, was ich schnell nachholte, als wir an der frischen Luft standen und auf das Taxi warteten, welches ziemlich pünktlich kam. Schneller als gedacht waren wir nach einer Viertelstunde am Flughafen, wir konnten auch schon gleich einchecken und waren dann schon fertig. Die Passkontrolle gestaltete sich im Vorfeld ein wenig nervenaufreibend, weil ich unsere Migrationskarten verlegt hatte (sie waren schon in der Manteltasche, während ich sie in meiner Reisetasche suchte), aber sie fanden sich auch wieder - Gott sei Dank ...

Danach saßen wir an dem ziemlich modernen Flughafen in Astana und warteten auf das Boarding, das pünktlich anfing. Es stellte sich heraus, dass ich genau den richtigen Zeitpunkt zum Einchecken abgepasst hatte (höhö), weil wir nämlich Sitze am Notausgang bekamen: Die Beinfreiheit war fantastisch. Könnte man öfter haben. Ein kleiner Nachteil bestand darin, dass wir die Tischen aus der Armlehne hochklappen mussten, und die Konstruktion war offenbar eher für schmale kasachische Frauen denn für Typen wie mich gedacht. Naja, Bauch einziehen half ein bisschen ...

Die sechseinhalb Stunden Flug gingen relativ fix vorbei, auch wenn ich nicht richtig schlafen konnte und wieder ein paar Jerry Cottons vernichten musste. Es war schön, dass der Typ am Fenster einmal aufstehen konnte, wenn er wollte, ohne uns hochscheuchen zu müssen ... Notausgang kann man öfter mal haben, finde ich.

Nach Ankunft in Kiew dauerte die Sicherheitskontrollschlange ewig, sie war auch ein wenig unkoordiniert, und ich bin immer noch der Meinung, dass durch die Bakterien, die man aufgrund des Schuheausziehens auf sich zieht, mehr Menschen umkommen als durch irgendwelche Schuhbomber, aber es hilft ja nix. Dieses Themas muss sich endlich ein Wissenschaftler annehmen, sonst wird das doch nichts. Argh.

Naja, auch der Flug von Kiew nach Frankfurt ging fix. Wir wurden direkt am Flieger von der Bundespolizei begrüßt, die Einreise ging dann auch schnell (wieder einmal kaum ein Mensch an der elektronischen Einreise), die S-Bahn kam. Wir verbrachten nicht viel Zeit in meiner Wohnung, um 15.10 Uhr hatten wir das erste Bierchen vor uns stehen.

Ich weiß, dass ich immer noch ein Iran-Fazit schuldig bin und dass ich das immer verschoben habe; da kommt es jetzt auch nicht mehr darauf an, wenn ich das Astana-Fazit auch verschiebe. Die nächsten Tage kommt da was, denke ich, hoffe ich, glaube ich, meine ich ...

Jetzt geht es ins Bett, in Astana ist es schon fast 23 Uhr.

Sonntag, 5. April 2015

Versöhnung und so

Heute haben wir - dieses Mal frühstückten wir italienisch (meine Ma) und russisch (ich), wieder sehr lecker - uns erst einmal das Riesenzelt angeschaut, das wir von unserem Zimmer aus immer sahen: Das größte Zelt der Welt mit einer Grundfläche von zehn Fußballfeldern beherbergt ein riesiges Einkaufszentrum und einen Wasserpark. Wir kamen um kurz vor zehn Uhr da an und stellten fest, dass das Ding "erst" (am Sonntag!) um 10 Uhr öffnet. Wir schwammen dann mit dem Strom in die Mall rein, guckten uns um, suchten - sehr langwierig - den Wasserpark, nur um festzustellen, dass 50 € Eintritt für uns doch ein bisschen viel waren, zumal wir uns noch ein bisschen was von der Stadt angucken wollten. Vielleicht waren es auch "nur" 35 Euro, aber so gut ist weder mein Kasachisch noch mein Russisch, dass ich das hätte auseinanderhalten können ...

In einem Ladengeschäft wurden wir noch von zwei Kasachinnen auf Englisch angesprochen, wo wir denn herkämen und was wir hier machten, weil sie ihr Englisch ein bisschen ausprobieren wollten. Nach einem schönen Gespräch verließen wir das Zelt und machten uns auf zum Baiterak.

Dabei kamen wir an dem Riesenhaus mit Bogen vorbei, das wir vor lauter Sonne (hier war tatsächlich drei Tage Sonnenschein, als wir hier waren) kaum richtig fotografieren konnten. Wir liefen an den Parkanlagen dieser Hauptachse von Zelt bis Präsidentenpalast vorbei und stiegen am Baiterek wieder in den Bus Nr. 21, um zur Pyramide, vielmehr dem Palast des Friedens und der Versöhnung, zu fahren.

Dieser Palast war menschenleer und erst nach Aufforderung erschloss sich uns, dass wir eine Führung mitmachen mussten. Naja, wir waren zu dritt: die Reiseführerin, meine Ma und ich ... Die Dame führte uns durch den Opernsaal, den ägyptischen Saal, den Trachtensaal (die "deutsche Tracht" besteht aus Janker und Dirndl) bis hoch zum Hauptkonferenzraum, von dem aus man einen fantastischen Ausblick auf die Hauptstadt hat. Sehr toll, auch wenn man die Führung eigentlich nicht wirklich braucht.

Wir verließen das Ding wieder und gingen an die frische, aber kalte Luft (öffentliche Gebäude sind hier in Astana grundsätzlich völlig überheizt), ehe wir uns entschieden, schon gegen sehr frühem Nachmittag wieder in unsere Gaststätte von gestern zu fahren.

Dort aßen wir - wieder - sehr gut, heute war es Rindfleisch- bzw. Pferdeschaschlik, zu dem wir - wieder - das leckere einheimische Line-Brew-Bier konsumierten. Es war trotzdem noch hell, als wir in Richtung Bushaltestelle gingen und in Richtung Hotel fuhren, wo wir noch einen (öhm ...) Absacker in Form von Wodka und Bier nahmen.

Es ist jetzt 20 Uhr, noch fast hell, aber wir sind schon im Bett, weil wir morgen um 2.30 Uhr zum Flughafen gefahren werden.

Gefallen hat es uns hier, die meisten Menschen waren zurückhaltend bis freundlich, alles schön. Wer sich für Architektur interessiert, kann gerne hierher kommen; man sollte nur nicht damit rechnen, dass die Preise anders sind als westlich. Die Busfahrt vielleicht noch, aber Hotel und Essen in einem für Westler "schönen" Lokal kosten ungefähr das Gleiche wie bei uns; wenn die Qualität stimmt - wie im Line Brew -, ist das aber unseres Erachtens auch in Ordnung.

Over and out, morgen geht's wieder gen Heimat. Israel ist nicht mehr lange hin: weniger als vier Wochen ...
Zelt von außen ...

... Zelt von innen

... und die Pyramide, der Palast des Friedens und der Versöhnung

Samstag, 4. April 2015

Gaul, medium, bitte

Das gab's heute Abend zum Essen, und es war zwar nicht billig, aber dafür sehr, sehr lecker.

Aber von Anfang an: Mein Wecker warf mich um 6 Uhr aus dem Bett (2 Uhr deutscher Zeit!), damit ich aufstehen möge und an den Flughafen fahre. Ich stand auf, duschte nicht (grässlich), zwängte mich in die verschwitzten und getragenen Klamotten von vorgestern und gestern und machte mich auf zur Rezeption. Google Translate sei Dank verstand die Rezeptionistin im zweiten Versuch, was ich von ihr wollte: Sie sollte am Flughafen anrufen und fragen, ob mein Gepäck da sei. Die Nachricht war positiv, sodass ich mich aus dem Hotel die 20 Meter zur Bushaltestelle begab und auf den Bus Nr. 12 zum Flughafen wartete.

Der kam nach einigen Minuten, war pickepackevoll, was sich aber in Flughafennähe immer weiter besserte, bis ich schließlich gegen Schluss sogar einen Sitzplatz bekam. Ich stiefelte zur Flughafeninformation, die rief jemanden an; der Typ begrüßte mich mit Handschlag, ließ sich meinen Reklamationszettel aushändigen und ging weg. Zwei Minuten später erschien er wieder und zerrte unseren Koffer des Horrors hinter sich her: Genau das gleiche schwarze Stück Kofferplastik, das wir schon in Algier so sehnlich erwartet hatten.

Ich quittierte den Empfang, holte noch eine Cola und war gerade wieder an der Bushaltestelle, als der Bus Nr. 12 zurück auch schon kam. Ich zahlte doppelt (für mich und für den Koffer), was ich bei 45 Cent Fahrpreis verschmerzen konnte und fuhr wieder in Richtung Hotel zurück. Ich stieg versehentlich eine Station zu früh aus und zog den Koffer die paar Meter hinter mir her: Meine Ma war glücklich, als sie schwarzes Plastik sah ... Ich ging duschen und wir gingen frühstücken. Das Frühstück war nicht üppig, aber lecker, und gegen 10 Uhr brachen wir auf.

Für teuer Geld kauften wir im gegenüberliegenden Supermarkt noch Sonnenschutzcreme (es ist wirklich strahlender Sonnenschein hier), ehe wir uns entschieden, die paar Stationen zum Baiterek, dem Turm hier in der Innenstadt,  mit dem Bus zu fahren: Wir würden heute noch genug laufen ... Wir stiegen aus und guckten uns den Chupa Chups, wie die Astanaer den Baiterek angeblich nennen, weil er wie ein Lolli aussieht, an. Wir fuhren - für akzeptable 2,50 € - auch in die Aussichtsplattform hoch, von wo der Blick auf die Stadt durchaus interessant ist: Architektonisch ist dieses Astana schon ein spannendes Stückchen Erde. Das passt vielleicht nicht alles so ganz harmonisch zusammen, aber modern trifft auf modern, das passt dann meistens schon.

Durch fast menschenleere Straßen gingen wir, fast nur begleitet vom Wind, der uns kalt um die Ohren pfiff, in Richtung Präsidentenpalast. Auch diese Mischung aus Weißem Haus und Reichtagsgebäude ist ganz ansehnlich, zumal das Teil vom Parlamentsgebäude und was weiß ich noch für anderen offiziellen Bauten eingerahmt wird.

Nach dem umständlichen Suchen einer Post ging es zurück zum Baiterek, von wo aus wir den Bus Nr. 21 nahmen, um auf die andere Flussseite zu gelangen. Dort guckten wir uns einen Moscheeneubau, die Kunsthochschule (deren Gebäude wir eine unregelmäßige Suppenschüssel aussieht) und noch das eine oder andere Schmuckstück an, ehe wir - da wir eigentlich nur auf die Toilette wollten - im Nationalmuseum landeten.

Joa, ganz schick, die Ausstellungen über die Geschichte Astana, Kasachstans, über moderne Kunst und irgendwelchen Goldschmuck der Leute, die hier in den letzten drei-, viertausend Jahren gelebt haben. Kann man sich mal angucken. Die Ausstellung über die kasachische Geschichte seit der Unabhängigkeit lobt die hochdemokratische Entwicklung, die sich daran zeigt, dass es überhaupt gar keinen, niemals nicht, unter gar keinen Umständen, definitiv nicht vorhandenen Personenkult um Herrn Nasarbajew, den Präsidenten seit mehr als zwanzig Jahren, gibt. Dass es in dieser demokratischen Gesellschaft nur eine, naja, sagen wir, nennenswerte Partei gibt, die natürlich in dem Programm des Nationalmuseums auch namentlich erwähnt wird, ist da nur folgerichtig, schließlich muss ja in einer Demokratie der Staat schon sagen dürfen, wen man wählen sollte ... Meinungsfreiheit und so.

Das Museum selber ist natürlich - wie so vieles in Neu-Astana - hochmodern, Touchscreens über Touchscreens, eine Lichtshow mit der Stadtentwicklung. Wirklich auch lobenswert ist, dass praktisch alles auf Englisch angeschrieben ist.

Dafür, dass wir nur auf die Toilette wollten, ließen wir uns mit gut zweieinhalb Stunden ziemlich viel Zeit. Anschließend ging es, wieder mit Linie 21, zurück in die Stadt und weiter zu einem Restaurant, das ich mir in den letzten Tagen ausgesucht hatte, um meine Ma auf mein 98. Land einzuladen.

Das Line Brew ist durchaus zu empfehlen: Die Preise sind zwar absolut westlich, aber angefangen mit dem Bier und den Oliven schmeckte alles sehr, sehr gut, und das Pferdesteak, das ich hatte, war vorzüglich. Die Bierpreise hier (Hausbrauerei) waren ebenfalls westlich und nicht mehr norwegisch, sodass wir doch noch ein zweites (öhem, möglicherweise auch ein wenig mehr) Bier gönnten.

Danach ging es ein paar Schritte zurück zur Bushaltestelle, wieder in den Bus 12 und ab ins Hotel. Jetzt sind wir rechtschaffen müde, können leider nicht das Dortmund-Spiel gucken, weil der Sender hier das viel spannendere Spiel Fiorentina-Sampdoria vorzieht, und werden dementsprechend wahrscheinlich in wenigen Minuten schlafen.

Morgen gucken uns weiter in der Stadt um, ehe es dann, huch, übermorgen sehr zeitig schon wieder gen Heimat geht.

Ich habe mich inzwischen entschieden, dass es mir hier eigentlich ganz gut gefällt, das passt schon.
Baiterek

Präsidentenpalast

Kunsthochschule

Moschee; rechts Säule für die Helden des Vaterlandes, speziell natürlich für Herrn Nasarbajew

Freitag, 3. April 2015

Über Land

Joa, wir haben viel aus dem Fenster geguckt, relativ häufig aber auch mit geschlossenen Augen: Wir waren vielleicht doch ein klitzekleines bisschen kaputt von der Reise ...

Um 10.30 Uhr ging unser Zug und wir fuhren durch die weiße Winterlandschaft, die relativ schnell nach der Ausfahrt aus Astana ziemlich menschenleer wurde. Gelegentlich stand noch ein Strommast in der Gegend herum, aber sonst war da einfach nur Steppe.

Um 13.45 Uhr kamen wir in Karaganda an, guckten uns ein wenig in dem Städtchen um und gingen dann in ein Buffet-Restaurant, wo wir ganz gut zu Mittag aßen: Meine Ma aß eine Art Lasagne, während ich zwei Hackfleischbällchen mit Kartoffelzeugs zu mir nahm; dazu wurde eine Mirinda verzehrt.

Nach dem Verlassen des Lokals wurden wir von einem Taxifahrer in ein Gespräch verwickelt. Der Taxifahrer ließ sich nicht davon abhalten, dass wir kein Wort Kasachisch oder Russisch verstanden und er kein Wort Englisch oder Deutsch sprach. Irgendwann waren wir bei Angela Merkel und Helmut Kohl angelangt und irgendwie bei der Wiedervereinigung, aber was der Typ so wirklich von uns wollte, erschloss sich uns überhaupt nicht.

Um 15.30 Uhr ging der Zug zurück und um 18.40 Uhr waren wir wieder in der kasachischen Hauptstadt. Der Bus Nr. 12 fährt gar nicht vom Hauptbahnhof ab, sodass wir nach ein bisschen Herumfragen ein paar Schritte zum Balletttheather gingen, die erste 12 verpassten, aber zwanzig Minuten später die nächste gut erwischten. Eine Busfahrt kostet hier 90 Tenge, das sind 45 Cent, das Ganze ist also durchaus bezahlbar.

Wir stiegen aus dem Bus aus und waren dreißig Sekunden später in unserem Hotel: sehr praktisch. Das Hotel ist ein bisschen schwülstig, aber in einem ganz akzeptablen Sinne, und der Ausblick aus unserem Zimmer auf den Turan prospekt und einige der hochmodernen Bauten ist den nicht ganz billigen Hotelpreis durchaus wert.

Wir gingen noch kurz in die Bar, tranken das einzige Bier vom Fass, das sie hatten, (ein "Spaten" aus München), zahlten dafür norwegische Preise und sind nun wieder im Zimmer. Irgendwie behelfen wir uns für die Nacht mit dem Bademantel als Schlafanzug und solchen Späßen, ehe ich morgen dann relativ zeitig mal das Hotel am Flughafen anrufen lassen und dann zum Flughafen fahren will, um unseren Koffer abzuholen. Wird hoffentlich werden.

Bis dahin: Gute Nacht!
Unterwegs in Kasachstan

Hauptbahnhof von Astana

Drama, drama

Oh Mann, bei der Air-France-Aktion mit dem verlorenen  Koffer hatten wir ja vielleicht eine kleine Mitschuld, weil ich eine relativ knappe Verbindung gebucht hatte, bei der Aktion der Ukraine Airlines heute bzw. gestern war die Fluglinie aber absolut selber schuld. Argh.

Das Ganze kam so: Wir standen nach einem schönen Abendessen mit einem Abstecher ins Casino in Wiesbaden so gegen 8 Uhr, machten uns fertig, gingen schön frühstücken und fuhren dann um kurz vor 11 Uhr mit dem Bus zum Hauptbahnhof, von dort zum Flughafen und am Flughafen zum Terminal 2. Da stand schon, kurz vor Schalteröffnung, eine sehr lange Schlange an den Schaltern, an denen Ukraine Airlines den Check-in beginnen sollte. Abflug sollte um 14.15 Uhr sein, geöffnet wurde der Schalter so gegen 12.30 Uhr. Die Schlange ging sehr schleppend voran, was ich mir bei eigentlich drei geöffneten Schaltern überhaupt nicht erklären konnte.

Wir gaben unser Gepäck ziemlich genau eine Stunde vor planmäßigem Abflug auf und wurden dabei (dann erst!) darauf aufmerksam gemacht, dass wir schon die ganze Zeit an den Business-Class-Schalter gekonnt hätten, weil wir online eingecheckt hatten: Liebe Leute, dann schreibt halt unter den "Business Class"-Schriftzug noch "Drop-off", dann weiß jeder, dass das geht.

Naja, die Passkontrolle ging sehr schnell, weil sich wieder kaum einer an die elektronische Passkontrolle wagte und dann ging es zur Sicherheitskontrolle: Mein armer Rechner wurde zur Sprengstoffkontrolle rausgezogen, was ich nach Israel und Stuttgart (Delta-Flug nach Atlanta) jetzt zum dritten Mal erlebte. Aber alles kein Problem ...

Ein Problem war, dass die Check-in-Damen und -Herren auch beim Boarding die Größe ihrer Inkompetenz zeigen wollten: Erst wurden alle aus dem Boarding-Bereich rausgejagt, in den alle reingegangen waren, weil die Barriere offen stand, aber auch danach ging alles sehr schleppend. Folgerichtig verpassten wir unsere Abflugzeit und da die anderen Fluggesellschaften kompetenter in ihren Prozessen waren, mussten wir mehr als zwei Stunden warten, bis wir starten konnten: Bei eineinhalb Stunden Umsteigezeit kommt das eher nicht so gut ...

Der Flug in der engen Maschine ging trotzdem ganz gut, wir stellten uns in Kiew aber natürlich auf den äußersten Außenplatz und wurden mit dem Bus zum Gate gefahren. Die Sicherheitsfachtante vergaß, die Tür aufzumachen, was sie peinlich berührt nachholte. Durch die Sicherheitskontrolle mussten wir auch noch, aber unser Flieger wartete glücklicherweise - auf uns und einige andere Fluggäste aus Frankfurt.

Unsere Plätze waren besetzt und die Herrschaften ließen nur durch die Stewardess bewegen, ihre Plätze freizugeben, was nach endlicher Zeit auch gelang. Hier hatten wir zwar ein bisschen mehr Beinfreiheit, aber die Crew, die ansonsten sehr freundlich war, verwechselte unseren Flieger mit einer Sauna: Es war abartig heiß in dem Teil.

Meine Nackenschmerzen ließen mich nicht richtig schlafen, zumal die Lehnen sehr niedrig waren, sodass ich mich nicht mal richtig anlehnen konnte. Naja, drei Jerry Cottons mussten dran glauben. Irgendwann unterwegs war mir schlecht, das ukrainische Bier auf dem ersten Teilstück tat mir offenbar nicht so richtig gut. Memo an mich: Im Flieger kein Bier mehr ...

Wir starteten mit einer Dreiviertelstunde Verspätung, wir landeten mit einer Dreiviertelstunde Verspätung, die Einreise ging trotz unseren falschen Ausfüllens des Migrationszettels relativ fix, aber dann standen wir unverrichteter Dinge am Gepäckband. Eine deutsch-kasachische Familie vermisste auch zwei ihrer vier Gepäckstücke, sodass wir uns zum Lost-Baggage-Schalter aufmachten.

Die Damen dort sprachen leidlich Englisch, verkündeten uns aber, dass wir morgen nach der Ankunft des nächsten Fluges aus Kiew wieder am Flughafen aufkreuzen mussten, da der Zoll - der in Form von 0 Beamten die Einreisenden untersuchte - unseren Koffer ja begutachten können müsse, wenn er denn endlich da sei. Da kriegt diesmal Ukrainian Airlines eine nette E-Mail, dass sie uns die Taxikosten bestimmt gerne erstatten werden.

Wir setzten uns noch in ein Flughafencafé, meine Ma trank den teuersten Kaffee ihres Lebens, während die Cola ziemlich günstig war, und dann fuhren wir in der Morgendämmerung mit dem Bus vom Flughafen zum Hauptbahnhof, weil wir uns entschieden hatten, heute unsere Steppenbesichtigungstour nach Karaganda und zurück zu unternehmen.

Unterwegs fuhren wir ein bisschen Zickzack durch die Astanaer Innenstadt, und ich muss schon sagen, wir sind sehr beeindruckt von den hochmodernen Bauten in dieser Glitzermetropole. Ob es uns gefällt, kann ich noch nicht so genau sagen, aber beeindruckt sind wir definitiv. Fotos gibt es morgen Abend, wenn wir eine fußläufige Besichtigungstour gemacht haben.

Nun sitzen wir also am Hauptbahnhof in einem kleinen Imbiss, schreiben Postkarten, ich schreibe über das hier überall frei verfügbare WLAN diesen Blogeintrag (Blogspot ist hier wohl nicht gesperrt) und wir warten darauf, dass unser Zug in einer guten Stunde abfährt: Wir werden einfach mal wieder nur aus dem Fenster gucken, das hat uns in Algerien schon so gut gefallen. Heute werden wir zwar wahrscheinlich nur sehr viel Schnee sehen, aber endlose Weite mit Schnee ist ja vielleicht doch noch einmal was anderes ...

Und heute Abend werden wir dann wahrscheinlich ziemlich k.o. in unsere Betten fallen. Mein 98. Land kann ja für die Kofferwirren nichts bis wenig, und ich hoffe, dass der Sonnenschein, den wir heute Morgen hatten und der auch für die nächsten Tage vorhergesagt wird, wirklich kommt.

Heute Abend vielleicht der nächste Eintrag ...

Mittwoch, 25. März 2015

Auf geht's, 2016!

Oben die Karte ist rechts, also in Ostasien, ein wenig orange geworden. Japan, Südkorea und Taiwan habe ich jetzt einmal als "ernsthaft erworgen" markiert, weil es gut passieren kann, dass ich nächstes Jahr zwei Wochen oder so dort in der Gegend herumturne.

Flüge nach Tokio kosten im Moment (für den Juni 2015) so um die 400 Euro, und das scheint mir ein ziemlich extrem guter Preis für diese Rennstrecke zu sein. Ich hoffe, dass die Preise nächstes Jahr so ähnlich aussehen, zumal One-Way-Flüge zwischen Tokio, Seoul und Taipei auch nur jeweils mit um die 80 Euro zu Buche schlagen: Das könnte 2016 passen ...

2016 auf alle Fälle passen sollte die Heimfahrt aus Südfrankreich an Neujahr oder am 2. Januar.

Ich werde am 23. Dezember 2015 abends nach Hause in den Schwarzwald fahren, von dort geht es an Heiligabend nach Südostfrankreich. Die eine von den zwei bulgarischstämmigen Zwillingsschwestern hat uns zu sich und ihrem Mann eingeladen, und zumindest Silvester werden wir wohl bei den beiden verbringen.

Ansonsten werden wir uns wohl hauptsächlich in Marseille herumtreiben, mal Bouillabaisse und andere französische Köstlichkeiten probieren.

Da ich ja dieses Jahr schon alle Urlaubstage verbraten habe, fliege ich am Sonntag, dem 27. Dezember, abends von Marseille nach Frankfurt, arbeite drei Tage und fliege am Silvestermorgen dann zurück nach Marseille. Ein bisschen bekloppt, aber so kann meine Ma wenigstens da unten bleiben und hat ein paar Tage für sich ...

Jetzt geht es aber in acht Tagen erst einmal nach Kasachstan: In 200 Stunden sind wir schon in Astana. Es soll ziemlich kühl sein dort, aber das werden wir hoffentlich überstehen. Wir sind sehr gespannt auf diese Glitzerstadt in der zentralasiatischen Steppe.

Dienstag, 17. März 2015

Tutto finito

So, endgültig abgeschlossen ist die Reiseplanung bis zur nächsten Saison, also bis zum Herbst.

Heute haben wir die Ausspanntour für den September geplant: Es geht nun doch auf die Kapverden, wie es von Anfang geplant war. Es gibt nach wie vor keine guten Flüge am Samstag von Frankfurt dorthin, deswegen fliegen wir jetzt ab Düsseldorf.

Wir werden am 18. September in Düsseldorf die Altstadt ein bisschen unsicher machen und ein paar Kölsch trinken, äh, nein, halt, Alt! Am Samstag, dem 19. September, geht es dann morgens um 6 Uhr (bääääh) direkt mit dem Ferienflieger auf die Kapverden. Ich kriege jetzt schon Angst vor den ganzen Landungsklatschern, aber zweimal werde ich das überstehen ...

Da wird einfach nur faul am Strand gelegen, gechillt, gelebt, ausgespannt, sich erholt, bevor die heiße Phase wieder anfängt. Naja, okay, vielleicht mal in die Kleinstadt in der Nähe des Hotels zum Gucken.

Damit sind alle Urlaubstage für 2015 verplant.

Das heißt aber natürlich nicht, dass man keine weiteren Reisen mehr planen könnte: 2016 steht ja praktisch schon fast vor der Tür.

Ich habe in den letzten Wochen schonmal nach Flügen geguckt, und im Juni 2015 könnte man für 400 € von Frankfurt nach Tokio und zurückfliegen. Wenn es solches Angebot auch 2016 geben würde, kann ich mir gut vorstellen, das schlagartig mal zu buchen. 400 € nach Japan, das ist doch bekloppt! Aber gut, sehr gut ...

Jetzt müssen die ganzen Reisen in den nächsten drei, vier Monaten erst noch gemacht werden. Das wird toll.

Iran braucht noch ein bisschen, vielleicht bin ich gerade auch zu faul.

Sonntag, 8. März 2015

Jetzt hat die liebe Seele Ruh'

... sagt meine Ma immer, wenn etwas, was lange ungeregelt war, endlich geklärt ist.

Ich hatte ja noch zwei Tage Urlaub, die ich mir für ein langes Wochenende um den 1. Mai herum aufgespart hatte. Leider gibt es aber nicht mehr so viele (neue) Länder, die man einfach mal so für ein langes Wochenende besuchen kann, vor allem aber hat mir eine liebe Arbeitskollegin ins Gewissen geredet, dass ich den Australiern ja schon "versprochen" hätte, dass ihr Land mein 100. wird; das könne ich nicht kaputt machen, indem ich jetzt noch ein Land dazwischenschiebe. Hm.

Also gab es noch die Möglichkeit, irgendwann im Sommer, also nach Australien, ein längeres Wochenende (jetzt aber mangels Feier- und Brückentage nur mit vier Reisetagen anstatt mit fünf) zu machen. Da sprang mir die Westsahara ins Auge, die man zwar nicht direkt preisgünstig erreichen kann (Flüge kosten mindestens mal 400, 500 Euro), aber man könnte ja nach Marrakesch fliegen (von Frankfurt-Hahn ab 100 Euro hin und zurück) und dann zwölf Stunden pro Strecke im Bus (für nochmal gut 30 Euro pro Strecke) durch die Wüste. Meine Ma war von dieser Tour alles andere als begeistert, und auch das Auswärtige Amt rät dringend vom Besuch der Westsahara ab (die normalerweise alarmistischeren Außenministerien des Vereinigten Königreichs und der USA allerdings nicht so explizit), sodass ich nach kurzer Bedenkzeit auch davon abließ, zumal mein Arbeitskollege, mit dem ich gerne über die Kriterien für die Länderliste diskutiere, der Ansicht war, dass der marokkanisch besetzte Teil der Westsahara nach meiner Definition gar kein eigenständiges Land sein könne - sehr unbefriedigend ...

Seit heute steht nun fest, dass meine Ma und ich den 1. Mai in Israel, naja, höchstwahrscheinlich in Tel Aviv, verbringen werden. Hoffentlich lassen sie mich nach dem Iran-Aufenthalt noch nach Israel rein ... Ich freue mich jedenfalls schon auf den Strand in Tel Aviv, auf lecker Schawarma und Falafel. Und ab Mai kann man angeblich auch schwimmen, ohne alle drei Sekunden von den Bademeistern zurückgepfiffen zu werden, das wird toll.

Jedenfalls sind meine Urlaubstage für 2015 jetzt praktisch weg, zumindest dann, wenn wir irgendwann mal die September-Reise zum Erholen und Chillen gebucht haben. Die Flüge auf die Kapverden sind an Samstagen irgendwie doof, jedenfalls von Frankfurt aus. Mal sehen, ob wir vielleicht nach Sri Lanka oder so ausweichen. Wird schon werden ...

Iran muss noch ein bisschen sacken, jedenfalls fühle ich mich heute Abend seelisch und moralisch nicht in der Lage, ein Fazit zu schreiben ...

Samstag, 28. Februar 2015

Ode an Istanbul

Oh Istanbul, du schöne Stadt, du schöne Stadt am Meer,
ich mag dich so, manch einer sagt, ich liebte dich so sehr.
Oh Istanbul, du schöne Stadt, mein Herz wird nun so schwer,
wenn ich jetzt wieder fliegen muss; ich komm' bald wieder her.

Zur Melodie von "America the Beautiful", heute spontan auf der Fähre gedichtet - man merkt, ich hatte akuten Schlafmangel ...

Ich bestellte tatsächlich ein Efes im Flieger, hat zwar nicht so arg gut geschmeckt, ich glaube, meine Geschmacksnerven waren schon vom Bier entwöhnt, aber das war mir egal. Der Flieger war nicht voll, sodass die zwei Jungs neben mir sich zu ihren Eltern verteilen konnten und wir A-C mit freiem B-Platz saßen: sehr angenehm. Ich pennte sogar ein, eineinhalb Stunden, der Flug war gefühlt jedenfalls sehr schnell vorbei, und unterwegs hatte ich auch einen tollen Blick auf das nächtliche Bagdad.

In Istanbul sprintete ich vor zum Transferdesk, um meine Bordkarte zu kriegen; trotzdem waren irgendwelche Russen vor mir, für die die Damen und Herren von Pegasus ewig brauchten, um irgendetwas auszudrucken. Argh. Die Zeit lief, liebe Leute, die Zeit lief.

Als ich endlich dran war, bekam ich binnen Sekunden meine Bordkarte und wurde zur Transitsicherheitskontrolle geschickt, was ich aber ignorierte und in die Türkei einreiste. Der Grenzer brauchte für die Leute vor mir auch ewig, aber um 6.17 Uhr war ich schließlich eingereist. Um 6.19 Uhr war ich aus dem Flughafengebäude raus, um 6.20 Uhr im Expressbus nach Kadiköy, um 6.21 Uhr fuhr der Bus ab. Das war mal wieder so ein Gefühl des puren Glücks ...

Der Bus brauchte eine gute Stunde, sodass ich um 7.20 Uhr in Kadiköy war. Boarding für den Weiterflug war um 10.55 Uhr, sodass ich so gegen 10 Uhr wieder am Flughafen sein wollte, alos so gegen 9 Uhr in den Rückbus einsteigen sollte. Um 7.30 Uhr war die Fähre nach Eminönü angezeigt, sodass ich guten Mutes war, dass das alles gut klappen würde. Um 7.29 Uhr kam eine Durchsage mit Eminönü, aber mein Schiff röhrte noch nicht, um 7.30 Uhr tutete es auf dem Nebenschiff, das in zweiter Reihe neben uns lag, welches dann pünktlich nach Eminönü abfuhr. Argh. Das hatte ich wirklich sehr intelligent gemacht, denn ich war auf dem Schiff in erster Reihe geblieben und hatte mich dem Blick nach Europa, auf Topkapı, Hagia Sophia und Blaue Moschee hingegeben.

Jetzt musste ich hoffen, dass mein Schiff auch bald abfahren würde, was zum Glück um 7.50 Uhr auch geschah. Ich wusste, dass die Fahrt so 15, 20 Minuten dauern würde, sodass ich trotzdem noch pünktlich zum 9-Uhr-Bus zurück in Kadiköy sein sollte.

Ach Leute, dieser Blick, das ist einfach soooooooo schön. Die Fahrt rüber von Kadiköy nach Eminönü oder Karaköy zählt einfach zu den schönsten Sachen, die ich erlebt habe, und das Gute ist, dass ich das relativ häufig wiederholen kann. Sooooooooo toll.

Um 7.10 Uhr waren wir drüben in Eminönü, ich stieg aus und lief um die Ecke, um gleich wieder aufs Schiff einzuchecken. Wenn mich jemand beobachtet hat, dachte der ganz bestimmt, ich spinne. Mir war's egal.

Hatte ich erwähnt, dass die Fahrt zurück hinten auf dem Schiff mit dem Blick auf Topkapı, Hagia Sophia und Blaue Moschee einfach soooo schön ist? Achja, vor fünf Zeilen, ich sehe es. Trotzdem nochmal: sooooooo schön ... Sorry. Ich reiße mich jetzt zusammen.

Der 8.40-Uhr-Bus fuhr mir vor der Nase weg, sodass ich erstmal ein Simit und Wasser zum Frühstück kaufte. Um 8.50 Uhr fuhr eine andere Linie zum Flughafen, sodass ich in die einstieg und so gegen 9.40 Uhr am Flughafen war. Das war auch gut so, denn die Ausreiseschlange war riesig und ging nicht so richtig voran. Entsprechend drängelten sich einige vor, die zum Gate mussten, wofür ich unter gewissen Umständen Verständnis habe, aber auch nicht immer. Naja, heute hatte ich halbwegs Zeit, daher war's mir egal. Der Grenzer fragte mich angesichts meiner Ausreise um 10 Uhr mit einem Einreisestempel vom gleichen Tag, woher ich denn für die paar Stunden in Istanbul gekommen sei. Meine Antwort "Kuwait" schien ihn zu beeindrucken ...

Das Boarding raus verzögerte sich etwas, was aber egal war, weil wir kürzer flogen als veranschlagt. Nach einigem Fußmarsch in Frankfurt nutzte ich als Einziger die automatisierte Grenzkontrolle (die anderen stellten sich alle bei den menschlichen Grenzern an, verstehe ich zwar nicht, aber das ist ja nicht mein Problem), wartete noch kurz auf meinen Koffer und ab ging es nach Wiesbaden. Um 13.50 Uhr oder so waren wir gelandet, um 15.33 Uhr war ich zuhause, um 16 Uhr hatte ich mein erstes Guinness vor mir stehen. Das Steak im Sherry & Port war wie immer phänomenal.

Ein Fazit vielleicht in den nächsten Tagen. Wie gesagt, Iran muss erstmal ein bisschen sacken, Kuwait hat mir besser gefallen als erwartet.

Bilder:
Azadi Tower in Teheran, in der linken Bildhälfte ist die Milad-Turm zu erahnen

Marmorthron im Golestan-Palast

Golestan-Palast

Gebäude der Sonne im Golestan-Palast

Schnee in den Bergen unweit von Teheran

Der Elburs

Der Heilige Schrein in Ghom

Jamkaran-Moschee bei Ghom

Jamkaran-Moschee
Klischee muss auch sein ...

Skyline von Kuwait, rechts der Liberation Tower

Fischmarkt in Kuwait

Kuwait Towers bei Tag ...

... und bei Nacht

Und zum Abschluss der Reise noch Istanbul

Die Entdeckung der Langsamkeit

Diesen Roman von Sten Nadolny habe ich vor Jahren, ach Gott, inzwischen sind es Jahrzehnte, in der Schule gelesen. Heute habe ich den Roman nachempfunden.

Ich schlief ziemlich aus, frühstückte recht gut - mit Blick auf den Persischen Golf, der hier "Arabischer Golf" heißt, und checkte um 11 Uhr aus, nicht ohne meinen Flughafentransfer um 0.30 Uhr rückbestätigt zu haben.

Ich lief erstmal los, da es angenehm warm war, nicht zu heiß und nicht zu kühl. Ich kam aber bald - da ich zu schnell lief, obwohl ich ja eeeeeeeewig Zeit hat - ein wenig ins Schwitzen. Ich setzte mich auf eine Bank unter einem kleinen Dach und begutachtete erst einmal - ich hatte gestern Abend ja meinen Pass gleich an der Rezeption abgeben müssen - meinen Pass und, vor allem, mein Visumblatt. Die Kuwaiter haben auf diesem Wisch, von dem ich gestern sprach, nur die Anfangsbuchstaben meiner beiden Vornamen als "Latin Name" eingetragen, außerdem die Passnummer und das Ablaufdatum des Passes. Ich hätte drei Monate in Kuwait bleiben können, und das für neun Euro Visumgebühr. Die könnten sich die Kuwaiter zwar auch sparen, aber mein Gott, so hatte ich wenigstens für ungefähr 26 Stunden so einen schönen Zettel, den ich nicht verlieren durfte.

Ich lief - es war heute, am Freitag, also dem Hauptgebetstag der Muslime - recht wenig los auf den Straßen, wenige Autos und noch weniger Fußgänger. Über den Haufen gefahren wurde ich auch nicht von den vielen Bonzenautos, die hier fahren. Ich glaube, ein BMW würde hier als Kleinwagen durchgehen, weil alle irgendwelche Allradjeeps fahren (gibt es Jeeps, die keinen Allradantrieb haben?), als ob sie täglich in die Wüste führen. Oder man fährt natürlich Lamborghini. Auch schön.

Ich kam am Dhauhafen vorbei, in dem auch heute noch einige dieser traditionellen Schiffe liegen. Dort liegen aber auch moderne Boote, die die Fischer verwenden, denn direkt nebenan befindet sich der Fischmarkt. Ich war kaum in der Nähe, da begann das Mittagsgebet und die ganzen Inder, Pakistaner und Menschen aus Bangladesch strömten aus dem Fischmarkt, die Inder wahrscheinlich eher nicht zum Beten, sondern zur Mittagspause. Ich setzte mich auf ein Bänkchen, eine meiner Lieblingsbeschäftigungen heute, und wollte das Mittagsgebet abwarten, als mir auffiel, dass doch einige Leute in den Fischmarkt reingingen. Der war also gar nicht "geschlossen wegen Mittagsgebet", sondern einfach nur relativ leer. Relativ leer von Menschen. Fische gab es unfassbar, wirklich unfassbar, viele. Ich war noch recht klein, als ich in Hamburg auf dem Fischmarkt war, ich meine auch, der Hamburger Fischmarkt sei noch ein wenig größer, aber was es hier in Kuwait für Meeresgetier gibt (teilweise in Monstergrößen) war schon sehr, sehr interessant.

Ich kaufte aber keinen Fisch, sondern ging, nachdem ich das nach Ende des Mittagsgebets noch geschäftiger werdende Treiben noch etwas beobachtet hatte, weiter in Richtung Kuwait Towers. Dabei kam ich an einigen Strändchen vorbei, an denen aber das Baden verboten ist. Ich würde hier an dem Stadtstrand auch nicht wirklich baden wollen, zudem ist das so eine Sache, quasi in der Stadt in Badeklamotten herumzulaufen. Auf dem Hinweg war da noch alles relativ leer und ich hüpfte von Bank zu Bank. Das war richtig Urlaub, dort zu sitzen und den Blick auf den Persischen Golf schweifen zu lassen.

Ich hatte heute Morgen ein Restaurant namens "Shrimpy" als Mittagessenlokal ins Auge gefasst. Als ich ankam, stellte sich heraus, dass das so ein gehobeneres Schnellrestaurant war. Davon ließ ich mich aber nicht abschrecken, sondern nahm eine Portion "Fish and Shrimps". Das war nicht ganz billig (für neun Euro), aber außergewöhnlich lecker, vor allem die Shrimps hatten es mir wirklich angetan. So sehr angetan, dass ich danach noch eine Portion Shrimps pur verdrückte. Echt gut. Nun war ich aber wirklich völlig gesättigt, und es war erst 14 Uhr oder so. Das heißt, ich musste noch zehn Stunden herumkriegen.

Ein oder zwei Stunden hätte ich sicher auf den Kuwait Towers verbracht, aber da war zu. Im Internet stand zwar, dass die zum Befreiungstag am 26. Februar wieder öffnen sollte, aber da hatte sich offenbar die Zeitplanung verschoben ... Nun denn. Ich setzte mich wieder an einen anderen Strand, als der auf einmal von der Polizei geräumt wurde. Fotografen im Anmarsch, sogar ein Fernsehteam. Nanu, Barack Obama im Anmarsch? Oder wenigstens der Emir? Tatsächlich, ein Hubschrauber schwebte plötzlich über uns. Aber er schwebte und schwebte und schwebte. Plötzlich wurden aus dem einen Punkt über uns zwei, dann drei, schließlich vier: Da waren drei Fallschirmjäger des Militärs abgesprungen und vollführten eine Punktlandung auf dem Strand. Beifall. Weiter ging's mit dem Wochenendvergnügen am Strand.

Ich spazierte in der Gegend umher und guckte immer wieder den Kuwaitern und den anderen Einwohnern Kuwaits bei ihren Wochenendfeierlichkeiten zu: Dadurch, dass am 25.2. Nationalfeiertag, am 26.2. Befreiungstag (von den Irakern 1991) und dann das Wochenende (Freitag/Samstag) kam, hatten sie offenbar vier Tage frei. Das wurde genutzt, um mit den Familien zu picknicken: Die Strandpromenade wurde immer voller. Kinder spielten Fußball und schossen fast die Leute ab (was zu einem Anschiss eines Unbeteiligten und grinsenden Kindern führte). Ich aß ein Eis und viel später noch ein und wollte mir dann den Sonnenuntergang über der Bucht von Kuwait angucken.

Ich kam jedoch an etwas wesentlich Interessanterem vorbei: einem Beachsoccer-Training. Dadurch, dass der Trainer Brasilianer war und die Trainierenden alle Kuwait-Trikots trugen, wagte ich sogar die Vermutung, dass das die kuwaitische Beachsoccer-Nationalmannschaft sein könnte. Dann sah ich sie spielen: ohje, ohje. Der Brasilianer verzweifelte an seinen Jungs, die mehr in den Boden und übers Tor als in Richtung des Gehäuses schossen, Pässe kamen höchst selten an, Balljungs mussten immer wieder die Spielgeräte vom Strand angeln. Sehr lustig für mich, nicht sehr lustig für den armen Trainer.

Als es dunkel wurde und die Spieler das Leiden ihres Trainers beendeten, lief ich wieder zu den Kuwait Towers (ich bin heute bestimmt 15 Kilometer durch die Gegend gewandert) und setzte mich an den ersten Strand. Die Skyline des einen Vorortes von Kuwait ist sogar beeindruckend. Wenn ich mich umdrehte und die Skyline von Kuwait-Stadt anschaute, war das ebenfalls sehr schick. Die Kuwait Towers werden über LEDs beleuchtet, sodass da bewegte Bilder vom Emir und sonstwem angezeigt wurden. Moderne Technik hier, sehr schön ...

Ich aß wieder ein Eis und ging dann in vier Stunden die sechs Kilometer von den Towers zum Hotel zurück. Um 23.30 Uhr war ich im Hotel, surfte noch ein bisschen im Internet und wurde dann statt um 0.30 Uhr um 1 Uhr zum Flughafen gefahren. Reichte trotzdem noch locker.

Joa, nach dem erfolgreichen Suchen des Check-in-Schalters konnte ich mein Gepäck abgeben, wechselte mein - diesmal zu viel abgehobenes - kuwaitisches Geld in türkische Lira und reiste nach 27 Stunden aus Kuwait aus. War durchaus schön hier.

Jetzt sitze ich gleich am Gate und werde, glaube ich, ich böser Mensch, im Flieger als Erstes ein Efes bestellen. Gute Nacht, ein finales Fazit dann aus Deutschland (habe bestimmt jetzt die Hälfte vergessen).

Donnerstag, 26. Februar 2015

Knock-out

Bitte auch die gesammelten Berichte der Vortage beachten, die ich - da ich jetzt in Kuwait bin - endlich hochladen konnte.

Fast k.o. geschlagen hätte ich heute einen armen Teheraner, und das völlig unabsichtlich. Er hat es aber überstanden und ich auch ... Meine Abreise aus dem Iran hatte jedenfalls damit nichts zu tun.

Ich bin heute relativ spät aufgestanden, habe wie in den letzten Tagen das Frühstück sausen lassen und bin so gegen 10 Uhr unten an der Rezeption zum Check-out aufgeschlagen. Die Schlingel wollten tatsächlich 60.000 Toman, also etwa 15 Euro, für den frühen Check-in haben, aber diesmal konnte ich mit fester Stimme, wahrheitsgemäß und überzeugend darlegen, dass ich am Sonntagmorgen nur meine Koffer abstellen wollte. Dass der Typ mir dann das Zimmer schon gegeben hat, dafür kann ich ja nichts. Außerdem habe ich genug gezahlt bei dem Verein.

Nach kurzer Diskussion ließen sie von ihrer Forderung ab. Mein Gepäck gab ich in Verwahrung, den Pass nahm ich aber sicherheitshalber mit in die Stadt. Nicht, dass die noch auf Ideen kommen (ja, sie hätten das Gepäck beschlagnahmen können, aber ich hätte wenigstens mein Identifikationsdokument gehabt). Sie kamen auf keine Ideen.

Ich hatte gestern Abend aber einen Abgooshtladen bei Google Maps gefunden und wollte den gleich mal unsicher machen. Ich setzte mich also wieder in meinen Bus Nr. 1 (rot), wechselte an einer Lieblingshaltestelle wieder in die U-Bahn Nr. 1 (rot), diesmal nach Norden, und stieg an einer Haltestelle unterwegs aus. Ich hatte den Weg ein wenig unterschätzt, denn es war noch einmal ein gut fünfzehnminütiger Fußmarsch vorbei an einem schönen Park und einer Stadtautobahn.

Um 11.15 Uhr schlug ich an dem Abgooshtbashi auf (so heißt das Restaurant), nur um mir sagen zu lassen, dass es ab 12 Uhr Essen gibt. Das würde ein wenig knapp werden, aber ich vertrieb mir die Zeit mit der Prüfung, ob es mit zwei Buslinien schneller zurück ins Hotel gehen würde (die Antwort war nein) und dem Lesen des Kuwait-Reiseführers.

Gegen 12 Uhr ging eine größere Gruppe in das Restaurant rein, ich tat es ihnen nach. Der Typ, der mich vorher sehr freundlich und höflich abgewiesen hatte, erläuterte mir nun, was es gab: Das Teil ist für seinen Abgoosht (im Deutschen wohl "Abguscht") bekannt, das ist praktisch eine vollwertige Mahlzeit mit integrierter Vorsuppe. Man nehme Lamm, Kichererbsen und einen undefinierbaren, aber sehr schmackhaften Brei, dazu ein wenig Kartoffeln und Tomate und koche alles zusammen. Den Sud gieße man ab (das ist die Suppe), den Rest isst man zur Hauptspeise.

Das Lokal war so büffetartig eingerichtet, aber der Speiseraum war ein richtiges Restaurant, mit Tischdecke und Stühlen und hübscher Einrichtung. Genau so etwas hatte ich die ganze Zeit gesucht, jetzt hatte ich es kurz vor knapp gefunden.

Die Ober waren sehr freundlich (einer stellte mir sogar das Brot auf den Tisch, das ich vergessen hatte), das Essen war außerordentlich lecker (auch wenn mir das Lamm noch lange im Atem saß ...) und pünktlich weg kam ich trotz Tee auch noch. Am Ende war ich für 9 Euro (was für Teheran natürlich nicht ganz billig ist) pappsatt. Sehr empfehlenswert, das Abgooshtbashi, das wird auch Eingang in meine Restaurantempfehlungen finden.

Ich lief den Weg, den ich gekommen war, zurück, fuhr mit dem Bus zurück und stieg an der U-Bahn-Haltestelle aus. Ich wollte nur kurz die Hand durch meine wallende Mähne gleiten lassen, als mich unvermittelt der Typ überholte. Naja, meine Hand landete in seinem Gesicht, er zeigte Nehmerqualitäten und ging einfach weiter, ich murmelte eine Entschuldigung, so schnell war die Situation bereinigt.

Der Bus war wieder ziemlich voll, aber nicht so gerammelt wie sonst, sodass mir - hoffentlich eher wegen meiner Eigenschaft als Tourist denn wegen meines Alter - sogar ein Platz angeboten wurde, den ich im zweiten Anlauf wahrnahm.

Um 13.40 Uhr war ich am Hotel, das mit der Absprache, mir ein Taxi für 14 Uhr zu reservieren, ging mal kräftig in die Hose, aber das war kein Problem, der Chefkofferträger des Hotels organisierte mir eines der zahlreichen Taxis an der Straße (das hätte ich auch noch hinbekommen) und sackte dafür ein Trinkgeld ein. Um 14.15 Uhr waren wir unterwegs, um 14.16 Uhr standen wir im Stau.

Mein Fahrer fuhr für iranische Taxifahrerverhältnisse recht gesittet (das heißt, es gab nur einen Beinaheunfall ...), sodass ich um 15.15 Uhr am Flughafen war, sehr rechtzeitig, alles in Ordnung. Ich wechselte noch mein überzähliges iranisches Geld (150 € für vier Tage zu wechseln - Hotel war schon bezahlt - war wirklich zu viel gewesen ...) in US-Dollar, ging durch die erste Sicherheitskontrolle, checkte als einer der Ersten ein und reiste aus dem Iran aus. Die Abfertigung beim Boarding können sie noch ein bisschen verbessern, es gibt einen kleinen Wartebereich und zwei Boardinghallen, aber die Boardinghallen kann man erst bei Aufruf des Fliegers betreten (mit Sicherheitskontrolle). Da der Aufruf aber erst relativ spät erfolgt, muss man sich lange in dieser Zwischenzone herumdrücken, was mich immer ein bisschen kribbelig macht. Was, wenn die den Flug irgendwie zu spät aufrufen und man dann beim richtigen Boarding noch in der Sicherheitskontrolle hängt?

Naja, in der Sicherheitskontrolle konnte man kaum hängenbleiben, die war nämlich nach meinem Empfinden eher pro forma. Sei's drum.

Ich war ja die letzten Tage ein bisschen paranoid in diesem Land geworden und machte mir zwischenzeitlich zumindest halb-ernsthaft Gedanken, ob die mich wegen meiner E-Mails an meine Verwandten mit den Reiseberichten und meinen erfolglosen Versuchen, meinen Blog aufzurufen, am Ende als "Journalisten" kategorisieren und mich wegen Visummissbrauchs für 100 Jahre einsperren. Haben sie nicht. Puh.

Ich hatte in Bahrain planmäßig nur 70 Minuten Aufenthalt und das Boarding verzögerte sich ziemlich, sodass ich ein wenig unruhig wurde, als um 17.50 Uhr das Boarding für den 18-Uhr-Abflug immer noch nicht angefangen hatte. Am Ende ging das Boarding um 17.51 Uhr los, der Flug war leer, der Flughafen auch (zwei Abflüge pro Stunde, das ist mal gemächlich), sodass wir schon um 18.10 Uhr starten konnten und zudem nur eineinhalb Stunden statt planmäßig zwei Stunden Flugzeit hatten.

Wir kamen also sogar vorfristig in Bahrain ein, die Sicherheitskontrolle dort ging auch schnell, sodass ich sogar in Versuchung geriet, in der Skybar noch ein Bier zu trinken. Aber das schien mir zeitlich nicht ganz koscher, zudem wollte ich den kuwaitischen Grenzern ungern mit einer Fahne entgegentreten.

Der fünfzigminütige Flug nach Kuwait ging ebenfalls gut rum (ich schaute im Gulf-Air-Bordprogramm, das auf Arabisch, Englisch, Französisch und Deutsch verfügbar ist - vorbildlich! - noch eine Folge "Gotham"), ehe ich die Einreiseprozedur in Angriff nahm.

Da gibt es ein paar Schalter, ein paar Sitzreihen davor und einen Kopierer zur Selbstbedienung, man muss ja seinen Pass kopieren, um das Visum beantragen zu können. Zudem braucht man solche Visumsmarken im Wert von drei kuwaitischen Dinar, die man am Automaten lösen muss. Für den Automaten braucht man aber kuwaitische Dinar, die ich noch nicht hatte. Sprich, ich füllte am Bankschalter meinen Visumantrag aus, während der Typ 20 Dollar in 6 Dinar umwechselte (den einen 20-Dollar-Schein wollte er nicht, weil da Markierungen drauf waren - Angeber). Dann stellte ich mich an, wurde auf die fehlenden Marken hingewiesen, holte die noch, bekam einen Zettel in die Hand gedrückt, wurde an den nächsten Schalter verwiesen, wo man einen Fingerabdruck nahm und dafür einen Stempel in den Pass gab.

Das Beste ist, dass man mit dem Stempel im Pass und dem Wisch in der Hand sich nicht mehr an der eigentlichen Einreisekontrolle anzustellen braucht: Ich bin einfach bei der Einreise für Crew und Diplomaten durch, kein Problem. Sehr lustig ... Ein bisschen chaotisch, aber sehr lustig.

Mein Koffer stand schon da, meine Abholung dann auch und ab ging es durch das nächste Kuwait mit vielen Wolkenkratzern zu meinem Hotel.

Ich bekam ein Upgrade meines Zimmers (ich zahle auch hier genug, da ist das nur recht und billig) und sitze nun schnell tippend auf meinem Bett, weil mein Computerakku bald alle ist und die Kabel hier nicht passen. Aber es ist ja nur ein Tag und das Handy kriege ich auch so aufgeladen, hoffe ich; will ja morgen ein paar Fotos machen.

Morgen schaue ich mir Kuwait an und lasse mich dann um 0.30 Uhr in der Nacht wieder zum Flughafen bringen, wo mein Flug um 3.25 Uhr nach Istanbul geht. Mal gucken, ob ich einreise (ich mache das ein bisschen von den tatsächlichen Ankunftszeiten abhängig). Wenn ich zumindest die planmäßigen fünfeinhalb Stunden wirklich habe, mache ich das wahrscheinlich wirklich. Wie gesagt: mal sehen.

Zwei Bemerkungen noch: Die iranischen Männer tragen sehr oft Slipper, das ist einfach am praktischsten zum Ausziehen in der Moschee, vermute ich. Und sowohl in Teheran als auch in Bahrain sind Cobus-Busse aus Wiesbaden herumgefahren. Die sehe ich überall auf der Welt. Sehr krass.

Fotos dann bei Gelegenheit, der nächste Eintrag vermutlich schon wieder aus Deutschland. War schön, bin gespannt auf Kuwait morgen, freue mich aber so langsam auch wieder auf daheim. Over and out.