Heute Morgen wurde erst einmal ausgeschlafen, ich hatte - fahrlässig, wie ich war - keinen Wecker gestellt, war aber trotzdem kurz vor acht Uhr wach. Ich stand auf, duschte und ging hoch zum Frühstück. Diesmal blieb ich drinnen, nicht wegen der Möwen (jedenfalls nicht primär), sondern weil die Tische draußen alle belegt aussahen. Ich aß wieder ein paar Börek und ein Ei, dazu Brot, heute fand ich auch, wo die Säfte standen, das Hotel war einfach, aber wunderbar, kann schon sein, dass ich wieder hierherkomme (aber nicht mit älteren Menschen, denn die Wendeltreppe ist immer noch nicht so schön ...).
Ich checkte aus und stellte meinen Rucksack an die Rezeption, dann lief ich runter zur Fähre (wie ein richtiger Istanbuler über rote Ampeln!), erwischte noch eine nach Karaköy und setzte mich an Deck. Wie immer war der Blick auf Istanbul, auf Sultanahmet, auf den asiatischen Teil, auf Galata ganz toll - ach Freunde, guckt es euch doch selbst an!
In Karaköy latschte ich - auf Umwegen, den Straßenübergang, an dem ich das Auto fast umgerannt hätte, haben sie mit einem Zaun abgesperrt, da werden noch ein paar Ochsen wie ich in Autos gerannt sein - zur Talstation des Tünel und fuhr mit der zweitältesten U-Bahn der Welt hoch zur İstiklal Caddesi. Fast wäre ich mit der nostalgischen Straßenbahn gefahren, stattdessen folgte ich dem Rat der Google-KI und wollte mit der Metro ins Geschäftsviertel fahren. Da die nächste Metro dorthin aber erst in 15 Minuten kam, die in die Gegenrichtig aber gerade einfuhr, fuhr ich mit dieser meiner Metro entgegen.
Dabei fuhr ich über das kurze offene Stück übers Goldene Horn, und ich muss sagen, das ist neben der Metro in Sydney mit Blick auf die Hafenbrücke einer der großartigen Metroausblicke der Welt - so, so schön! (Nicht so schön waren die Leutchen, die laut Latino-Musik anhatten; die Türkin mir gegenüber, ihr Freund und ich grinsten uns nur schief an ...)
An der (einen) Universität stieg ich aus und gleich wieder in die Gegenmetro ein; wieder ging es übers Goldene Horn und diesmal landete ich in Levent.
Jo, Geschäftsviertel gut und schön, aber Wolkenkratzer habe ich schon bedeutendere gesehen, und mehr auf einem Fleck. Da hielt es mich dementsprechend nicht lange, sondern ich fuhr mit dem Bus (!) in Richtung Beşiktaş. Nach kurzem Suchen fand ich - von der anderen Seite als gestern - wieder die Fährstation, musste aber noch ein Stück nach links, denn ich wollte nach Üsküdar.
Ich erwischte noch eine etwas frühere Fähre, fuhr vielleicht zehn Minuten mit großartigem Blick auf die Brücke und landete in Üsküdar. Wieder stieg ich in den (vollen) Bus um, denn ich wollte nach - und den Namen dieses Stadtviertels kann ich mir ums Verrecken nicht merken - Kuzguncuk. Während der Fahrt drehte ich mich (ich hatte einen Stehplatz) um, denn ich wollte auf den Bosporus gucken - fast verpasste ich deswegen auch meinen Ausstieg.
Ich lief die ganz wunderbare Straße vom Bosporus hinauf, eine sehr schöne Allee, ein Kneipchen am anderen, kaum Ausländer - herrlich!
Jetzt hatte ich aber doch ein Hüngerchen, und die Google-KI hatte mich in ein Fischlokal am Bosporus gejagt. So richtig sagte mir das aber nicht zu, die Karte erschien unvollständig, und da wollte ich nicht unbedingt Lehrgeld bezahlen, auch wenn der Blick auf die Brücke sicher großartig war.
Stattdessen geriet ich in eine sehr gut bewertete, kleine Gaststätte im ersten Stock, die Chefin begrüßte mich in sehr gutem Englisch (!), meinte aber, dass das Essen noch fünf bis zehn Minuten brauche - keine Sorge, gute Frau, ich bin im Urlaub ...
Jemand brachte schließlich das Essen, und sie erläuterte mich bei jedem der gut zehn vorbereiteten Gerichte, was das war. Ich wählte drei aus, trank dazu Beyoğlu-Cola und -Ginger Ale, bei dem der Clou ist, dass die Flasche aussieht wie der Galataturm ...
Das Essen bestand (laut Google-KI) aus
- Enginar - eine mit Kartoffeln und sonstigem Gemüse gefüllte Artischoke, kalt, okay, aber nicht fantastomanisch,
- Karni Yarik - eine mit Hackfleisch gefüllte Auberginenhälfte, aber nicht gebraten, sondern weich geschmort - sehr, sehr lecker, und schließlich
- Etli Tas Kebabı - Rindfleiusch mit Kartoffeln in einer Tomatensauce, und das, meine Damen und Herren, war ganz, ganz großartig ...
Da hat es mir richtig gut gefallen und richtig gut geschmeckt, ich habe nicht zu wenig bezahlt, aber das war mir völlig egal, denn ich fand es da echt gemütlich ...
Ich fuhr mit dem Bus zurück nach Üsküdar, und die nächste Fähre von dort ging nach Aşiyan, die nahm ich, denn so fuhr ich ein schönes Stück auf dem Bosporus (Fährefahren gefällt mir, gell?!). Beim Einsteigen setzte der Muezzin ein, und Fährefahren über den Bosporus, während der Muezzin ruft, das ist doch Istanbul in Reinform - herrlich! Nach einer halbstündigen Fahrt ging ich an Land und stieg gleich wieder ein, denn ich wollte jetzt doch noch aufs Goldene Horn.
Neben mir setzten sich ein Österreicher und sein türkischer Freund hin, und als wir abfuhren, stutzten sie, weil wir in Richtung Stadt fuhren - sie wollten eigentlich weiter den Bosporus hoch und waren einfach ins falsche Schiff eingestiegen ... Jo ...
Die Fahrt von Üsküdar über den Bosporus und das Goldene Horn hoch war - wie sollte es anders sein - großartig, und an der Endstation in Eyüp stieg ich aus. Überraschenderweise stieg ich nicht sofort wieder ein, denn eine halbe Stunde später fuhr eine Fähre direkt nach Kadıköy, und die wollte ich nehmen, denn so musste ich nicht mehr irgendwo umsteigen.
Die Zeit nutzte ich, um einen kleinen Spaziergang durch das spürbar konservative Eyüp zu machen. Ich lief zur dortigen Moschee, die wohl zu den bedeutendsten des Islam zählt, da war viel los, ich lief noch ein bisschen durch den Stadtteil, ehe ich wieder zur Fähre musste.
Die letzten 50 Minuten Fährfahrt in Istanbul standen an, und wohlbehalten kam ich in Kadıköy an. Ich ging zum Hotel, holte mein Gepäck und lief dann in eine von der Google-KI empfohlene Fischgaststätte. Dort aß ich einen ganz wunderbaren Spieß mit Brasse, trank dazu Bierchen und Rakı, aß noch Katmer, einen leckeren Nachtisch, und ging schließlich geraden Schrittes zur Metro.
Die fuhr ordnungsgemäß, die Sicherheitskontrollen am Eingang zum Flughafen und am Eingang zu den Gates überstand ich problemlos, die Passkontrolle ebenfalls - und jetzt sitze ich in der Nähe der Gates neben Türkinnen und Türken, die nicht nüchterner sind als ich, würde ich wetten ...
Um 22.25 Uhr türkischer Zeit (21.25 Uhr deutscher Zeit) soll mein Flieger gehen, um 0.40 Uhr sollen wir in Hannover landen, und dann werde ich mich irgendwie nach Hause durchschlagen, notfalls mit einem Uber.
Das war ein wunderbarer zweiter Tag in Istanbul - ich habe eben auf der Fähre schon die Abschiedsstrophe meiner Ode an Istanbul angestimmt. Ich bin ziemlich sicher, dass ich wiederkomme ... (Und jetzt ist gleich der Akku alle ...)
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| Kadıköy ist kein Geheimtipp mehr |
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| Brassenspieß |
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| Ortaköy und Brücke |
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| Essen in Kuzguncuk |
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| Kuzguncuk |
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| Kuzguncuk |
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| Erste Brücke und Bosporus |
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| Levent |
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| Nostalgische Straßenbahn |









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