So sagt man zu den diesjährigen Olympischen Winterspielen, weil es offenbar erstmals zwei offizielle Austragungsorte gibt, die allerdings etliche Stunden Fahrtzeit voneinander entfernt sind. Die Aussage trifft aber auch auf die Fußwege hier in Mailand auf dem Weg zum Eishockey an der Messe zu, denn von der Messe-Station der Metro bis zur Halle waren es bestimmt 1,5 km - und die scheuchte ich meine arme Ma hin und zurück, anfangs in meinem Tempo, bis sie mir (beinahe) alle Schand gesagt hätte, dann klappte das auch besser.
Das Frühstück heute Morgen hatten wir auf 8 Uhr erbeten, das klappte auch sehr gut, eine asiatische Familie saß noch mit im Frühstücksraum, und nach dem Genuss von italienischer Wurst und Panettone brachen wir um 8.30 Uhr auf. Ich fuhr meine Ma zum Bahnhof (wir ahnten, dass das heute sowieso noch ein anstrengender Tag werden würde), fuhr dann zurück zur Unterkunft und lief die Viertelstunde zum Bahnhof. (Die Hauswirtin hatte uns auch angeboten, uns zum Bahnhof zu fahren, aber das wollten wir nicht auch noch annehmen. Und am Bahnhof parken wollte ich auch nicht, weil wir in Mailand ja vielleicht noch ein oder zwei alkoholische Kaltgetränke zu uns nehmen wollten.)
Der Bahnhof hier in Lomazzo wird umgebaut, sodass man die Tickets in der Bahnhofsbar kaufen muss. Das klappte auch problemlos (auch wenn die Beschilderung handschriftlich war); das Problem war nur, dass man die Dinger offiziell vor dem Besteigen des Zuges elektronisch entwerten muss - allein, ich fand keinen Entwerter. Eine junge Frau erbarmte sich und versuchte zu helfen, wusste aber auch nicht recht, wo so'n Ding stand, sodass ich noch einmal in der Bar nachfragte. Die Tante sprach nur Italienisch, aber ich glaubte zu verstehen, dass das schon so okay sei und die Schaffner wüssten, dass wegen der Bauarbeiten in Lomazzo keine Entwertung möglich sei.
Wir stiegen also ein und saßen die ganze Zeit ein bisschen auf heißen Kohlen, aber kein Schaffner ward gesehen, und als wir in Mailand aus dem Zug stiegen, rannten wir schnell weg, damit uns da keiner mehr aufhalten konnte. Nein! Natürlich nicht ...
Wir gingen ein paar Schritte und fuhren mit der Metro vom Bahnhof Cadorna zur Messe. Die Fahrkarte in der Metro ist - sehr praktisch - eine Kreditkarte, die wir eifrig nutzten - wenn alles gutgegangen ist, zahlen wir für unsere insgesamt vier Fahrten heute den Tageskartenpreis - so mag ich das!
Schon im U-Bahnhof muss man ein paar hundert Meter überwinden, und als wir diesen verlassen hatten, kamen wir gleich in die erste Sicherheitskontrolle. Das Ganze ist aber, öhm, eher oberflächlich, auch wenn Röntgenmaschinen in Betrieb sind ...
Danach ging es weite, weite Wege unter dem zugegebenermaßen hübschen Dach in Richtung Halle; unterwegs kauften wir noch ein Käppi für teuer Geld - und im Eifer des Gefechts wurde es eher eine Kindergröße, die mehr schlecht als recht auf meinen Dickschädel passt ...
Es kam noch eine zweite Sicherheitskontrolle (katarische Polizisten und Soldaten waren auch da!), auch nicht wesentlich tiefgründiger (insbesondere wirst du zwar persönlich mit so einer Sonde abgetastet, aber mein Anorak, den ich über den Arm trug und dann auf den Tisch legte, war dem Typen herzlich egal - alles eher aktionistisch, mal wieder ...). Der Eingang zum Eishockey ist recht unscheinbar, fast wären wir in Richtung Eisschnelllauf weitergelatscht, es gab noch einmal eine Ticketkontrolle, aber dann waren wir in der Messehalle ...
Da war jetzt ein bisschen mehr Platz, wir gingen aber zügig auf unsere Plätze - ganz oben unterm Hallendach, und ein Lüftungsrohr (gut abgepolstert!) verlief direkt über meinem Kopf, sodass ich beim Torjubel (oder beim Protestieren!) immer da anstieß - da konnte nix passieren, es war weich, aber ein bisschen komisch fühlte es sich doch an, so ein Damoklesrohr über einem schweben zu haben ...
Wir waren ungefähr eine Stunde vor dem Spiel da, bald kamen die Spielerinnen zum Warmmachen, die Lightshow vor dem Spiel war auch schick, Hymnen gab es keine, und um Punkt 12.10 Uhr ging das Spiel los. Um 12.11 Uhr führte Deutschland schon, denn das 1:0 fiel nach 44 Sekunden. Jubel!
Die insgesamt 3.777 Zuschauer machten ganz vernünftige Stimmung, es waren viele Deutsche und auch viele Japaner da, aber auch Amerikaner, Tschechen und hastenichtgesehen. In den Unterbrechungen wurde viel englischsprachige Musik und gelegentlich auch italienische Klassiker (volare, ohoh!) gespielt, das haben sie sich von den Franzosen von vor zwei Jahren abgeguckt ...
Wir waren froh, den Puck regelmäßig zu sehen (außer, wenn die Spielerinnen am Eisrand eher Ringen denn Hockey betrieben), die drei deutschen Tore im ersten Drittel fielen direkt vor unseren Augen (Tor! Tor! Tor!), und dann war nach kurzweiligen 20 Netto-Minuten schon erste Halbz..., achso, ne, Drittelpause. Höhö.
Das zweite Drittel ging gut weiter, Deutschland führte schnell 5:0, die spielten recht gut - aber fast so gut gefielen uns a) die Eismaschinen und vor allem b) das Putzgeschwader, das wie ein Eisballett immer wieder das von den Schlittschuhen abgeschabte Eis aufsammelte und dazu mit größeren Schneeschaufeln im Formationsflug über das Eis fuhr ...
Ende des zweiten Drittels schoss Japan binnen 22 Netto-Sekunden (!) zwei Tore, das erste im Powerplay, das zweite in unmittelbarem Anschluss, da war ich dann froh, dass die deutschen Spielerinnen sich in die Drittelpause retteten.
Auch im dritten Drittel blieb es kurzweilig, auch wenn keine Tore mehr fielen, aber das war ganz okay, denn so hatte Deutschland am Ende 5:2 gewonnen und alle Chancen aufs Viertelfinale offengehalten (da gibt es dann aber wahrscheinlich sowieso gegen Kanada oder die USA auf die Mütze) ...
Die Spielerinnen wurden bejubelt, dann ging es den langen Weg zurück zur Metrostation. Die Toiletten waren anzahlenmäßig ein bisschen dünn vertreten (lange Schlangen, selbst bei den Männern, aber noch mehr bei den Frauen), aber wir hatten eh zu wenig getrunken, sodass wir es noch aushielten.
Mit der Metro ging es nun zum Domplatz, und der Mailänder Dom ist halt nun einmal schon hübsch anzugucken. Auch die Galleria Vittorio Emanuele II ist sehenswert, nur sahen das halt auch viele, viele Menschen auch so! Schließlich war es uns zu voll (und zum Essen auch zu teuer), sodass wir uns zügig wieder zur Metro zurückzogen, zum Bahnhof Cadorna zurückfuhren, dort umstiegen und schließlich bei den Canali landeten.
Nach ein bisschen Sightseeing am größeren Canale und Google-Recherche setzten wir uns in ein Bistro - und das war eine gute Entscheidung!
Meine Ma aß nur Rindertatar, ich bestellte Ossobuco mit Risotto milanese, beides war ganz großartig, und das italienische Bier dazu war auch trinkbar. Zum Nachtisch gab es Crema catalana für meine Ma und cannoli, beides nicht so richtig lombardisch, aber beides sehr lecker ...
Spätestens jetzt hatte ich meine Ma aber rechtschaffen kaputtgekriegt, sodass wir aufbrachen, uns gegen einen Absacker entschieden und mit der Metro zurück nach Cadorna fuhren. Dort stiegen wir in den Regionalzug um, nachdem wir am Automaten Fahrkarten gekauft hatten und durch die Sperre gegangen waren. Das Gleis wurde noch kurzfristig geändert, meine Ma schlief im Zug ein, kurz vor Lomazzo kam der Schaffner, war aber zufrieden, als er sah, dass wir irgendwelche Fahrkarten hatten (elektronisch geprüft wurden die nicht ...), und quasi pünktlich kamen wir an.
Die letzte Wanderung des Tages zurück ins Hotel überstanden wir, und jetzt ist meine Ma schon im Bett (aber pennt noch nicht!), während ich noch ein bisschen Olympia in Rai Sport gucke. Heute Nacht wird meine Ma hoffentlich nicht um 4 Uhr wach sein, morgen lassen wir es geruhsamer angehen, zumal ich eh gucke, ob ich meine Rückfahrt so abpasse, dass ich noch mit Freunden zusammen ein Stückchen fahren kann.
Wir frühstücken vielleicht so gegen 9 Uhr, brechen gegen 10 Uhr auf, werden so gegen 14, 15 Uhr in Deutschland (oder Schaffhausen) sein, sodass ich da auf den Zug nach Basel aufspringe und in Basel noch gemütlich eine Rivella kaufen kann. Klingt nach einem Plan, oder?
Heute gibt's etliche Fotos ...
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| Canale bei Nacht |
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| ... und bei Tag |
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| Tatar |
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| Ossobuco und Risotto milanese |
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| Mailänder Dom (mit vielen Menschen davor) |
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| Galleria Vittorio Emanuele II (mit vielen Menschen drin) |
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| Deutschland im Angriff |
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| Kurz vor dem Spiel |
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| Lightshow |
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| Sieg! |
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| Eisballett (Putzbrigade) |